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Berg & Tal, Licht & Schatten – Marokko, Von Städten, Bergen, Wüsten und Pannen [Zur Themenübersicht]
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  Geschrieben am: 23 Jul 2017, 10:40


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Gut Ding will Weile haben - manchmal eine sehr lange Weile. Wollen wir also hoffen, dass bei den geneigten Lesern keine Langeweile aufkommt...

Nun bin ich endlich soweit, euch von meiner Marokkoreise im März zu berichten.


Wer an Marokko denkt, hat vielleicht das eine oder andere Klischee im Kopf - sieht das dann vielleicht so aus?


Bunte Souks
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Grüne Oasen
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Große Sandhaufen
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Kleine Kämpfer
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Französische Straßenbahnen
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Meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie im ICE nach München. Wir haben den Bahnhof Nürnberg mit einer Verspätung von 254 Minuten verlassen.

In Kürze erreichen wir jetzt endlich unser Ziel - München Hbf. Wir entschuldigen uns für die Verspätung und danken Ihnen trotzdem dafür, dass Sie sich für die Bahn entschieden haben.
    
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  Geschrieben am: 24 Jul 2017, 11:21


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Vorbemerkung

Anstatt mich zu ärgern, dass schon wieder jemand ins Bild gerannt ist, habe ich mich entschieden, Menschen auf dieser Reise gezielt zu fotografieren. Natürlich habe ich immer vorher um Erlaubnis gebeten, wenn eine Person das Hauptmotiv darstellt. Manche haben sich auch von selbst als Fotomotiv angeboten. Geld habe ich dafür nie bezahlt, ein vorangegangener Kauf im jeweiligen Laden hat die Bereitschaft auf ein Foto natürlich deutlich erhöht. Einige Fotogesuche wurden abgelehnt.
Alle Preise sind zur einfacheren Lesbarkeit in Euro umgerechnet. Da der Wert von 1 Dirham knapp 10 Cent entspricht, handelt es sich um einen sehr kopfrechenfreudlichen Wechselkurs.
Zur besseren Unterscheidung werden Joachims Eindrücke kursiv geschrieben.

Zwei Monate vorher

Ein Anruf beim Experten für flugtarifliche Fragestellungen bringt mich auf die Idee, mit Transavia von München nach Marrakesch zu fliegen. In der einen Minute kostet der Hinflug 79€, in der nächsten schon 89€. Tags darauf ist er für 59€ zu haben. Bis alle terminlichen Absprachen geklärt sind, steht der Preis ein paar Tage später wieder da, wo er zuerst war: Bei 79€. Also beginne ich mit der Buchung.
Ich habe kaum meinen Namen in die Buchungsmaske eingegeben, da heißt es schon, Seite neu laden wegen zu langer Inaktivität. Ich brauche drei Anläufe, meine Finger fliegen geradezu über die Tastatur. Uff, endlich schnell genug gewesen. Nein, ich will keine 4€ extra zahlen, um meine persönlichen Daten im Laufe der nächsten 24h nochmal ändern zu können. Ob die kurze Eingabezeitdauer wohl zum Geschäftsmodell gehört? Verglichen damit macht die Buchung einer Bahnfahrkarte ja richtig Spaß.
Nein, ich will auch keine Super-Special-Platin-Reiserücktrittsversicherung. Nein, ich will auch nicht 3€ extra bezahlen, um in einer der ersten fünf Reihen zu sitzen und auch nicht 5€ für einen Notausgangplatz. Herrje, nehmen die Eingaben denn niemals ein Ende? Oh, 10 kg Handgepäck sind für fast drei Wochen vielleicht bisschen knapp kalkuliert. Ist doch logisch, dass man für 20 kg Aufgabegepäck nochmal 32€ pro Richtung extra bezahlt. Immerhin gibt es keine versteckten Kreditkartengebühren und am Ende halte ich Hin- und Rückflug nach leicht nervenaufreibendem Buchungsvorgang für 262€ in der Hand.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Transavia ab Oktober die Flugverbindungen von München wieder einstellt. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/flugha...nchen-1.3378716


Ein Monat vorher

Online-Tickets für die Bahn in Afrika? Unser Klischee beginnt zu bröckeln. Leider stellt sich nach mehreren Versuchen mit diversen Kreditkarten, Pass- und Personalausweisnummern heraus, dass man eine marokkanische Kreditkarte braucht. Schade.


Tag 1 München -> Marrakesch -> Casablanca

Die Reise beginnt an einem ungemütlich kalten Vormittag in München. Der Flug mit Transavia startet pünktlich und verläuft ohne besondere Vorkommnisse.

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Wir überfliegen die Straße von Gibraltar, wenige Kilometer Wasser, die zwei Welten trennen. Erste Erkenntnis: Nordmarokko ist grüner als gedacht.

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Ebenfalls völlig problemlos sind die Autobahnen aus der Luft zu erkennen. Die im Bild deutlich erkennbare Schneise stellt die Baustelle für die im Jahr 2018 zu eröffnende TGV-Strecke von Tanger nach Casablanca dar.

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Wir lassen Casablanca, die mit etwa 3,5 Mio. Einwohnern größte Stadt Marokkos, rechts liegen. Gut zu erkennen ist die Hassan II-Moschee links mittig im Bild am Ufer. Mit 210 m Höhe ist es das höchste Minarett der Welt.

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Landeanflug auf Marrakesch – im Vordergrund Münchner Bauklötzchenarchitektur und im Hintergrund die Alpen. Im Hohen Atlas kann man mancherorts drei Monate im Jahr Skifahren.

Der Flughafen ist recht übersichtlich. Als wir in das gleißende Sonnenlicht treten, schlägt uns die Hitze wie eine Faust ins Gesicht. Von 3° in München ins 30° heiße Marrakesch – es ist ungewöhnlich heiß für Anfang März.
Dann spazieren wir erstmal kurz über das Flughafengelände zum Terminal, in Deutschland undenkbar.

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Viele Billigfluglinien sind hier vertreten.

Erstmal heißt es Schlange stehen an der Passkontrolle. Mit dem deutschen Reisepass ist eine visafreie Einreise möglich.
Ein Fensterputzer sitzt auf einem Gerüst und spritzt lustlos mit einer Flasche herum. Ein zweiter Mann klettert irgendwie an den Stangen des Gerüsts nach oben, da keine Leiter vorhanden ist. Nachdem sie gemeinsam noch ein wenig lustlos herumgesprüht und mit dem Abzieher gespielt haben, entrollen sie irgendeine Folie. Dann verliere ich sie aus dem Blickfeld, meine im Flugzeug ausgefüllte Migrationskarte wandert ohne einen Blick des Grenzbeamten in den Papierkorb. Stempel in den Pass, fertig. Große Plakate werben für die dieses Jahr in Marrakesch stattfindende Klimakonferenz.
Unser Gepäck können wir inzwischen schon vom Band nehmen, nur einen Geldautomaten vermissen wir schmerzlich. Auf Nachfrage erklärt man uns an der Information, wo sich die Geldautomaten befinden und dass der Flughafenbus 19 angeblich seit zwei Wochen eingestellt sei und wir ein Taxi nehmen müssten. Fünf Versuche an zwei Geldautoamten schlagen fehl, als ich die Sprache auf Französisch statt Englisch stelle, funktioniert es plötzlich einwandfrei.

Nach dem Verlassen des Flughafengebäudes stürzen sich sofort Taxifahrer auf uns, doch wir folgen erstmal den Hinweisen zur Bushaltestelle. Da wir laut Abfahrtsplan über 20 Minuten warten müssten, willigen wir schließlich ein, zum Preis von 7€ ein Taxi zum Bahnhof zu nehmen. Laut Aushang kostet der Bus 3€ pro Person.
Wir folgen dem Mann einmal quer über den Parkplatz und steigen in einen Mercedes-Oldtimer mit 700.000 km auf dem Tacho ein.
Über recht saubere, breite und gut ausgebaute Straßen fahren wir vom stadtnahen Flughafen Richtung Bahnhof. Ich traue meinen Augen kaum, als ich den Fahrrad- und Mofastreifen am Fahrbahnrand erblicke. Er wird vorwiegend von motorisierten Zweirädern, aber auch von Fahrrädern rege genutzt. Der Verkehr ist zwar chaotisch, aber nicht so schlimm wie befürchtet und längst nicht so schlimm wie in Indien. Es gibt recht viele Ampeln, die auch beachtet werden.
Schon bald erreichen wir den Bahnhof, natürlich hat der Taxifahrer kein Wechselgeld auf unseren Hunderter vom Geldautomaten. Ein Portier des direkt daneben gelegenen Hotels erkennt unser Problem, und bietet uns einen Geldwechsel an. Wie erhalten fünf Zwanziger und zahlen für die Taxifahrt notgedrungen 80, also 1€ mehr als ausgehandelt.

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Das Stadtbild wirkt erstaunlich modern…

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…wie auch der Bahnhof.

Die Ampel könnte 1:1 so in Frankreich stehen.
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Während wir Bilder machen, bekommen wir gleich das nächste Taxi angeboten, welches wir ablehnen. Schließlich freuen wir uns schon sehr auf die in einer guten Stunde beginnende Zugfahrt. „Ok, bon voyage.“

Nach fünf Minuten Anstehen am Schalter sind die Fahrkarten für 9,50€ p.P gekauft. Lediglich alle zwei Stunden fährt ein Zug auf der einzigen Strecke Richtung Casablanca und weiter nach Fes oder Tanger. Allmählich sammeln sich weitere Fahrgäste, die auf den Wartebänken im Bahnhofsgebäude platznehmen. Das kostenlose WLAN funktioniert einwandfrei. Wir würden uns gerne nach draußen auf den Bahnsteig setzen, wann hat man schließlich Anfang März die Gelegenheit dazu? Doch die Türen zum Bahnsteig sind noch geschlossen. Bewaffnete Soldaten und weitere Wachmänner sind wie auch im Flughafen unterwegs.
In mancherlei Hinsicht kann man die Monarchie durchaus als Polizeistaat bezeichnen – die sehr effektiven Geheimdienste haben dafür gesorgt, dass der arabische Frühling weitgehend unbemerkt an Marokko vorübergezogen ist und das Land vom Terror mit wenigen Ausnahmen verschont geblieben ist.
Ein ungelöster Konflikt stellt das Verhältnis zur Westsahara dar. Ursprünglich spanische Kolonie, nach der Unabhängigkeit von Marokko besetzt, gibt es dort Bestrebungen, mehr Autonomie oder sogar vollständige Unabhängigkeit zu erlangen. Warum um eine weitgehend menschenleere Steinwüste so erbittert gestritten wird, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Es gibt sogar Pläne, eine Bahnstrecke von Marrakesch über Agadir nach Laayoune zu bauen.

Wir schauen uns ein wenig im Bahnhofsgebäude um, das fast ein wenig ausgestorben wirkt. Die Restaurants haben bis auf KFC alle geschlossen. Die interessante Architektur besticht durch offenes Mauerwerk, welches einen kühlen Luftzug zulässt. Im Winter können die eingebauten Fensterscheiben geschlossen werden. Fotografieren stellt sich nicht als Problem heraus, auch die Einheimischen sind diesbezüglich aktiv.
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Die übersichtliche Abfahrtstafel könnte aus Frankreich übernommen sein, fehlt eigentlich nur noch der SNCF-Ansagegong, den es in Marokko leider nicht gibt. Darüber befindet sich ein Porträt von Mohammed VI., dem aktuellen König des Landes. Es hängt in allen öffentlichen Einrichtungen und auch in vielen Geschäften. In den meisten Fällen handelt es sich um exakt dasselbe Porträt.
Unser Zug wird etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt bereitgestellt und der Zugang zum Bahnsteig geöffnet. Beim Eintritt muss die Fahrkarte vorgezeigt werden.

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Die letzten Sonnenstrahlen beleuchten den Bahnhof, so weit im Süden geht die Sonne einfach viel zu schnell unter…

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Meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie im ICE nach München. Wir haben den Bahnhof Nürnberg mit einer Verspätung von 254 Minuten verlassen.

In Kürze erreichen wir jetzt endlich unser Ziel - München Hbf. Wir entschuldigen uns für die Verspätung und danken Ihnen trotzdem dafür, dass Sie sich für die Bahn entschieden haben.
    
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  Geschrieben am: 24 Jul 2017, 11:21


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Die Corailwagen mit 8er-Abteilen sind nicht alle aus Frankreich übernommen, sondern teilweise direkte Bestellungen der ONCF. Dies ist an der Position der WC erkennbar, welche sich in französischen Wagen zwischen Einstiegstür und Wagenübergang befinden.
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Im ersten Wagen ergattern wir unser privates Abteil, die äußere Scheibe der Doppelverglasung ist komplett zersplittert und nicht mehr vorhanden. Immerhin ist es im Zug einigermaßen sauber. Bahnmitarbeiter wurschteln im Schaltschrank herum. Offensichtlich wollen sie das Schlusslicht zwischen dem ersten Wagen und der Lok ausschalten, jedoch ohne Erfolg.
Pünktlich setzt sich der Zug nach einem lauten Pfiff der Alstom Prima II in Bewegung. Von der Abfahrtstafel im Bahnhof über die Handweichen bis zu den Signalen gleicht die Eisenbahn nahezu völlig dem französischen Bahnsystem.
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Zur perfekten Reise fehlen nur die Übersatzfenster und ein Speisewagen – allmählich knurren unsere Mägen. Pfeifend bahnt sich die Lok ihren Weg, während sich die Nacht über das karge Land senkt.
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DÖÖÖÖÖDUUUUU! Eine Schafherde rennt erschrocken davon.
Erst recht langsam, dann mit Höchstgeschwindigkeit windet sich der Zug durch die völlig leere Hügellandschaft. Auffallend ist die nur sehr selten verbaute Überhöhung. Funken erhellen die Nacht, der Doppelfahrdraht deutet auf Elektrifizierung mit Gleichstrom hin. Die Strecke wird begradigt und zweigleisig für TGV-Betrieb ausgebaut.
Bei einem der mangels Siedlungen sehr wenigen Zwischenhalten stehen +8 auf dem Zähler, doch als wir uns Casablanca nähern, sind wir wieder fast im Plan. Die Stadt wirkt deutlich dreckiger und heruntergekommener als Marrakesch.
Nach dem Aussteigen widmen wir uns noch den Nachtfotos, schließlich kommt man ohne Fahrschein nicht auf den Bahnsteig. Auf der Suche nach dem Ausgang landen wir beinahe im Gebetsraum, erkennen unseren Fehler aber noch rechtzeitig. Am Ausgang drängen sich mindestens fünf Taxifahrer, die wir alle abweisen und begeben uns stattdessen zur Tramhaltestelle. Doch der Fahrkartenautomat nimmt keine Scheine, Münzen haben wir noch keine und unsere Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Dieses Mal funktioniert es auch nicht, statt Englisch Französisch auszuwählen. Ein Mann kauft Tickets, wir bitten ihn, uns Geld zu wechseln. Er deutet auf einen Laden 50 Meter weiter. Dort könnten wir Fahrkarten kaufen.
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Bei der Gelegenheit kaufen wir auch gleich Wasser. Nachdem bereits zwei Trambahnen abgefahren sind, können wir nun endlich auf den durch Drehkreuze und einen Wachmann gesicherten Bahnsteig. Gegen 22:30 Uhr ist Betriebsschluss, uns bleibt nicht mehr viel Zeit.
Bald kommt ein moderner Alstom Citadis 302 angefahren. Die Fahrzeuge wirken sehr breit, obwohl sie das übliche Maß von 2,65 m besitzen.
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Die Vorrangschaltung klappt so lala, die Haltestellenabstände sind sehr groß, es ist nur noch wenig los. An jeder Station achten Wachmänner auf ordnungsgemäßes Ein- und Auschecken, da die Drehkreuze natürlich sehr einfach über die Gleise umgangen werden können. Ein weiterer Wachmann in der Tram packt plötzlich einen Mann und führt in unter lautstarkem Protest nach draußen. Kurz darauf folgt ein weiterer, ehe wir die Fahrt fortsetzen können.
Am Place Mohammed V., benannt nach dem Großvater des derzeitigen Königs, steigen wir aus. Jetzt müssen wir noch bis zu unserem Appartement laufen. Besonders wohl fühle ich mich nicht auf der Straße, es sind eher unangenehme Gestalten unterwegs und keine einzige Frau. Die Türen und Fenster der Geschäfte sind durch Gitter gesichert, nur aus einem Club dröhnt laute Musik und natürlich hat McDonalds geöffnet.

Um den Schlüssel zu erhalten, müssen wir den Portier anrufen. Das kostet mich 2,55€ pro Minute, bei Joachim sogar 4,50€. Männer rufen sich etwas zu, jemand wühlt in einer Mülltonne. Nach wenigen Minuten kommt ein Mann in Badelatschen und Schlafanzug, öffnet die Wohnungstür und verschwindet ohne ein weiteres Wort. Es ist ein schwüler Abend, in der Wohnung ist es ziemlich kalt. Nachdem die Kässpätzle aus mitgebrachten Zutaten zubereitet und verspeist sind, fallen wir erschöpft ins Bett.

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Catracho
  Geschrieben am: 24 Jul 2017, 16:46


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QUOTE (Entenfang @ 24 Jul 2017, 12:21)
Warum um eine weitgehend menschenleere Steinwüste so erbittert gestritten wird, kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Staaten (erst recht undemokratische) neigen dazu, auf einmal besetztes und/oder beanspruchtes Territorium ungern wieder zu verzichten, so von wegen Ansehens- und Machtverlust wenn sie es tun. So auch Marokko. Dass eine der größten Phosphat-Lagerstätten der Welt (Bou Craa) in der Westsahara liegt, verstärkt deren Bedeutung nur noch. Die Sahrauis wiederum wollen nun mal nicht von Marokko regiert werden, ergo kämpfen sie sei 40+ Jahren für die Unabhängigkeit ihrer Heimat, Steinwüste hin oder her.

Mfg
Catracho

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Kopftuch gehört nicht zu Deutschland. - Da hat die Nazi-Schlampe doch recht.
    
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  Geschrieben am: 25 Jul 2017, 15:14


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Tag 2 Casablanca

In der Wohnung entdecken wir einen Ikea-Katalog auf Arabisch. Daher muss man ihn von hinten nach vorne lesen.
Zunächst kaufen wir im Supermarkt drei Türen weiter für das Frühstück ein. Abgesehen von Getränken gibt es keine gekühlten Waren. Also müssen wir wohl mit H-Milch vorliebnehmen.

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Interessant ist der Verkauf von Getreidewaren nach Gewicht, wie es bei uns nur in sehr wenigen Müllvermeidungsgeschäften üblich ist.

Wir machen uns auf den Weg Richtung Place des Nations Unies.
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Holprige Seitenstraßen mit noch holprigeren oder nicht vorhandenen Fußwegen prägen das Bild. Man tut gut daran, sehr darauf zu achten, wohin man tritt.

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Fassadenblick

Dunst verschleiert die Sonne, ob es sich dabei um Nebel oder Smog oder eine Mischung aus beidem handelt, ist nicht erkennbar.
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Werfen wir doch einen Blick auf den Straßenbahnbetrieb.
Alle 74 Bahnen bestehen aus zwei gekuppelten Einheiten ohne weiteren Führerstand oder Durchgang in der Mitte und sind insgesamt 65 m lang. Von Alstom stammt auch die Energieversorgung und die Signaltechnik, außerdem kümmert sich der Hersteller für 15 Jahre um die Instandhaltung.

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Zahlreiche Passagen durchziehen die Gebäude um den Place des Nations Unies.

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Haben wir die Dönerbuden schon vermisst?

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Einer der zahlreichen kleinen Verkaufsstände für Obst. An anderen Ständen können auch diverse andere Waren erworben werden – von gefälschten Rolexuhren über Backwaren zu Zigaretten alles, was das Herz begehrt. Man beachte auch den improvisierten Transportwagen, der früher ein Kinderwagen gewesen sein muss. Kinder werden hier auf dem Rücken der Mütter getragen, wirklich praktisch sind Kinderwägen angesichts der Straßenverhältnisse auch nicht.
Die Orangen schmecken wunderbar und in allen Restaurants wird zum üblichen Preis von 1,50€ ein frisch gepresster Orangensaft angeboten.

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Auf dem großen Platz vor der im Hintergrund gelegenen Medina soll es angeblich einen Kundencenter geben, in dem wir eine Wochenkarte beantragen können. Doch von einem Fahrkartenstand werden wir zum nächsten geschickt, an welchem wir ebenfalls nur eine Plastikkarte mit 10 Fahrten aufladen können. Dafür gibt es keinen Rabatt verglichen mit dem Kauf einzelner elektronischer Pappkarten.
Der Verkehr tobt und ein endloses Hupkonzert zieht sich durch die Straßen. Eine kleine Demo findet statt. Schließlich entdecken wir doch den Kundencenter und suchen nach einem Netzplan. In einem Regal finden wir zunächst lediglich „Bedienungsanleitungen“ für die Tram. Während wir uns die Erläuterungen zum Verhalten bei einer roten Fußgängerampel durchlesen, drückt uns ein Mitarbeiter den gesuchten Netzplan in die Hand.

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Da steht doch gerade der 6er bereit, den wollten wir ohnehin in die Nouvelle Medina nehmen. Unschwer zu erkennen ist die gesprungene Windschutzscheibe und die nicht funktionierende LED-Anzeige.

An dieser zentralen Haltestelle findet der Fahrkartenverkauf schon vor dem Einstieg statt.
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Eigentlich sollten sich die Fahrgäste hier geordnet anstellen. Die Praxis sieht natürlich anders aus, alle quetschen sich einfach vorne am Geländer vorne vorbei zur Tür, nachdem die Fahrkarte erworben wurde. Dass die Frau mit einem der selten zu sehenden Kinderwagen massive Zustiegsschwierigkeiten hat, wurde beim Errichten des Zauns offensichtlich nicht bedacht.
Der Fahrkartenverkäufer will wissen, wohin wir eigentlich fahren wollen. Das wissen wir selbst nicht so genau und wollen die Route auf dem Stadtplan verfolgen und dann aussteigen, wenn wir uns in der Nähe des gewünschten Zieles befinden. Das nimmt uns der Verkäufer nicht ganz ab. Ich packe den Stadtplan aus, entdecke als großes Gebäude grob in unserer Richtung einen Palais Royal. Dort wollen wir ganz dringend hin.
Inzwischen ist der Bus zwar weg, doch es dauert nicht lange, bis der nächste kommt. Wir bezahlen 50 Cent p.P., ein Mann führt uns in den Bus, verscheucht einen anderen Fahrgast aus der ersten Reihe und bedeutet uns, Platz zu nehmen. Er will uns sagen, wann wir aussteigen müssen. Bald startet die Fahrt durch den dichten Verkehr. Unter dem Lenkrad ist ein wilder Kabelsalat sichtbar, außerdem klappen die Motorabdeckungen aller Busse während der Fahrt auf und zu. Vermutlich werden sie nicht geschlossen, um eine bessere Kühlung des Motors zu ermöglichen.

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  Geschrieben am: 25 Jul 2017, 15:17


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Die Volvobusse können noch nicht alt sein, denn es gibt LED-Beleuchtung im Innenraum.
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Tatsächlich stammen aus dem Jahr 2011 und sind damit nur gut ein Jahr älter als die Trambahnen, wirken aber äußerst heruntergewirtschaftet. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass die Instandhaltung durch M´dina Bus in der eigenen Werkstatt mit eigenem Personal durchgeführt wird.
Trotz des dichten Verkehrs kommen wir zügig voran, nach etwa einer Viertelstunde tippt mir der Mann eine Reihe hinter uns auf die Schulter, murmelt etwas von Palais Royal a gauche und deutet in eine unklare Richtung. Wir steigen aus und haben keine Ahnung, wo wir eigentlich sind. Wir sind dann doch zu oft abgebogen, um den Weg auf der mitgebrachten ungenauen Übersichtskarte verfolgen zu können. Leider haben wir es noch nicht geschafft, uns eine marokkanische Simkarte zuzulegen, um Google Maps zurate ziehen zu können.
Wir laufen etwas planlos durch die Gegend und passieren die Nouvelle Medina mit ihren engen Gassen.
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Schließlich landen wir in einer belebten Straße, in der sich einen Stand an den nächsten reiht.
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In der näheren Umgebung und den Seitenstraßen kann man wohl so ziemlich alles außer Autos kaufen. Obst, Gemüse, Waschmaschinen, Kochtöpfe, Plastikkram, Klamotten, Tastenhandys, Windows 95-CDs, Kassettenrekorder, Nüsse, Fleisch, Fisch und lebende Hühner, eingesperrt in enge Käfige, sodass sich die Tiere teilweise übereinanderstapeln.
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Immerhin muss man positiv anmerken, dass es einige Metzger gibt, die ihr Fleisch gekühlt lagern und der Fisch an den Verkaufsständen auf riesigen Eiswürfelhaufen gelagert wird. Dennoch ist der Geruch in den Gassen nicht gerade angenehm, da Fischabfälle einfach auf einem Haufen gesammelt werden. Diese Katze scheint das in keiner Weise zu stören.
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In Marokko gibt es sehr viele Straßenkatzen, aber dafür nahezu keine Straßenhunde. Hunde werden in Marokko nicht als Haustiere gehalten, weil sie von Muslimen als unrein angesehen werden (ähnlich wie Schweine).

Die TAZ gibt einen kurzen Überblick, was hinter dem Verbot des Schweinefleisches steckt. Grob zusammengefasst ist der Hauptgrund heute, dass es schon immer so war.
http://www.taz.de/!5141509/

Im Internet finden sich abgesehen davon aber auch reichlich absurde Argumentationen, warum man auf den Verzehr von Schweinefleisch aus angeblich guten Gründen verzichten sollte und nicht nur, weil es im Koran steht.
http://www.islamreligion.com/de/articles/2...t-teil-2-von-2/
http://www.fragenandenislam.com/icerik/war...leisch-verboten

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An einem Stand erwerben wir Orangen, eigentlich wollten wir bloß zwei Stück, bekommen aber gleich ein Kilo. Datteln kaufen wir ebenfalls, nur leider lassen wir den Bäckerstand ohne Kauf zurück. Das sollten wir später bereuen.
Während wir tiefer in die Gassen vordringen, ziehen wir die Blicke der Menschen regelrecht magisch an. Vermutlich verirrt sich nur äußerst selten ein Tourist in diese Gegend. Bald gesellt sich ein armselig aussehender Mann zu uns, der möglicherweise erst Anfang 20 ist, aber viel älter aussieht. Er plappert ununterbrochen wirres Zeug vor sich hin, während er uns nachläuft. Vermutlich ist er nicht ganz klar im Kopf.
Allmählich wird es uns zu viel, wir kehren zur Hauptstraße zurück, ehe wir uns hoffnungslos verlaufen. Wir werden weiterhin verfolgt und verstehen kein Wort von seinem Gelaber, deshalb ignorieren wir ihn einfach. Schließlich spricht uns ein anderer Mann im selben Alter an. Er stellt sich später als Youssef vor. „Do you need help?“ Ohja, bitte. Eigentlich suchen wir die im Reiseführer angepriesene Patisserie Bennis, angeblich die beste in Casablanca. Er erkundigt sich bei seinen beiden Kumpels. Ob wir wohl das gelbe Gebäude da vorne am Ende der Straße (Anm.: mindestens einen halben Kilometer entfernt) sehen könnten? Dorthin, dann rechts, dann immer geradeaus. Aber eigentlich wollten sie ja zufällig auch gerade in diese Richtung und könnten uns begleiten. Woher wir den kommen würden? Deutschland. „Ohhh, Deutschland. Sagen Sie es doch gleich! Ich lerne Deutsch am Goethe-Institut und mache demnächst meinen B2-Abschluss. Dann kann ich nach Deutschland zum Studieren gehen!“ Das Fach Verkehr vereint uns, auch wenn sein Schwerpunkt auf dem Luftverkehr liegt. Ahh, Dresden wäre doch so schön, da wollte er auch so gerne studieren. Es sollte das einzige Mal auf der ganzen Reise bleiben, dass jemand Dresden kennt. Ob er schon jemals in Deutschland oder Dresden war, geht aus dem Gespräch nicht hervor.
Wir erläutern unser Simkartenproblem. Youssef diskutiert das mit seinen Kumpels, der Verrückte hat uns nun über mehr als einen Kilometer verfolgt und nimmt ebenfalls an der Diskussion teil. Plötzlich eskaliert die Situation aus dem heiteren Himmel, einer packt den Verrückten am Hals, drückt ihn gegen ein parkendes Auto. Es werden ein paar Worte geschrien, dann verschwindet die aggressive Stimmung ebenso plötzlich, wie sie begonnen hat und sie sprechen wieder wie normale Menschen miteinander. Immerhin, nach wenigen Minuten werden wir tatsächlich in ein kleines Geschäft geführt, in dem wir zwei Simkarten von Orange kaufen. PIN und PUK sind natürlich schon freigerubbelt, eine aufwendige Registrierung wie bei uns ist nicht erforderlich.
Unser kompetenter Führer schreibt noch seine Telefonnummer auf, wir könnten ihn doch anrufen, wenn wir Lust auf eine Tasse Tee hätten. Er würde auch mitkommen, wenn wir weiter nach Marrakesch oder Agadir fahren, alles kein Problem. Wir versprechen, ihn anzurufen, bedanken uns und folgen alleine der diffusen Wegbeschreibung zur Patisserie Bennis. Wir sind noch keine 100 Meter gelaufen, da taucht Youssef plötzlich nochmal auf, um uns nach unseren Namen zu fragen. Er würde ja so gerne sein Deutsch mit uns üben.
Wir folgen weiter der Wegbeschreibung, der Verrückte folgt uns und plappert ununterbrochen weiter. Der Bäcker taucht aber nicht auf und wir setzen uns auf eine Bank im Schatten, um die Simkarten einzusetzen. Der nervige Verfolger fingert an meinem Handy rum und will mir beim Simkartentausch helfen. Das wird mir allmählich etwas zu aufdringlich und ich drehe mich weg. Er scheint es zu verstehen und setzt sich neben uns auf den Fußweg, während wir uns der Technik widmen. Immerhin ist er jetzt ruhig. Die Situation ist etwas grotesk und zieht weiterhin sämtliche Blicke der Passanten an. So sehr wir uns auch bemühen, das Internet funktioniert nicht. Offensichtlich ist kein Guthaben aufgeladen.
Wir laufen weiter, bis wir den nächsten kleinen Laden für alle wichtigen Dinge im Leben finden, man nennt sie Teleboutique. Dort kann man sein Handyguthaben aufladen sowie Snacks und Wasser kaufen. Für 5€ sollten wir in den nächsten zwei Wochen 2h telefonieren und 2 GB Internet nutzen können. Doch Pustekuchen. Es funktioniert einfach nicht. Wir drücken auf unseren Handys am Straßenrand stehend herum. Der Mann verfolgt uns noch immer. Schließlich spricht uns ein mittelalter Mann an, wir erläutern unser Problem, er deutet auf einen kleinen Laden 100 Meter weiter. Es kommt zu einem kleinen Wortgefecht zwischen dem mittelalten Mann und unserem Verfolger. Dieser haut plötzlich mit der flachen Hand auf ein vorbeifahrendes Taxi und auf einmal läuft wieder alles aus dem Ruder. Der Taxifahrer steigt aus und schreit ihn wütend an. Mehrere Männer kommen angerannt, wieder wird der Verrückte gepackt und festgehalten. Als einer auch noch anfängt, einen Schraubenschlüssel zu schwingen, machen wir uns schleunigst aus dem Staub. Einige Meter weiter meint der mittelalte Mann freundlich: „Welcome to our country. Everything is Ok, no need to be afraid.“
Leider kann uns der Computerflüsterer im empfohlenen Laden auch nicht helfen und schickt uns wieder zur Teleboutique. Immerhin ist von unserem Verfolger nichts mehr zu sehen, die kleine Menschenansammlung ist ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht ist. Der Verkäufer bemüht sich eine halbe Stunde erfolglos und schickt uns wieder zum Computerflüsterer. Es geht schon auf 16 Uhr zu, wir sind müde und hungrig und haben keine Lust mehr. Daher beschließen wir, stattdessen mit dem nächsten 6er zurück in die Stadt fahren. Nach einigen Minuten taucht er auf, glücklicherweise ist er nicht überfüllt, ich winke ihn heran und zahle 2x 50 Cent beim Fahrer. In der Nähe unseres Appartements suchen wir vergeblich einen Supermarkt in unserem Stil, sodass unser Mittagessen nur aus Fladenbrot mit La Vache Quirit, einem Streichkäse, der nicht im Kühlschrank gelagert werden muss sowie Orangen und Datteln besteht.
Im WLAN suchen wir nach der nächsten Orange-Boutique. Laut Google gibt es in Casablanca derer zwei, davon eine nur rund einen Kilometer entfernt. Wir versuchen, den Ort mit aus dem WLAN geöffnetem Google Maps zu finden.

Während die Sonne in der Mittagszeit unbarmherzig gebrannt hat, ist es jetzt ziemlich neblig. Der Smog dürfte aber auch seinen Anteil zur schlechten Sicht beitragen.
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Auf dem Place Mohammed V. entsteht derzeit ein großer Kulturpalast.
http://www.casa-amenagement.ma/en/nos-proj...e-de-casablanca
Derzeit ist der Platz aber längst nicht so schön wie auf der Visualisierung, sondern ziemlich dreckig, ungemütlich und mit Bauzäunen vollgestellt. Einen besseren Überblick gibt es hier:
https://www.360cities.net/image/casablanca
Mein Bild zeigt den im Panorama links mittig sichtbaren runden Brunnen mit Blickrichtung nach links.

Auf dem Weg passieren wir einen Spielplatz, ein äußerst seltener Anblick in Marokkos Großstädten.
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Mütter und einige Väter beobachten ihre Kinder beim Spielen, wie im Bild zu erkennen, kostet aber jedes Spielgerät 50 Cent Eintritt.

Google Maps führt uns in ein slumartiges Viertel, eine Orangeboutique finden wir an der angegebenen Adresse nicht.
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Es herrscht übler HVZ-Verkehr, Autos, Mofas und Busse mit komplett fehlenden Scheiben quälen sich hupend voran.
Es stinkt aus allen Ecken, aus Mülltonnen und von Müllbergen. Die Gegend ist nicht besonders angenehm und es ist sehr voll auf den Straßen.

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Es dauert keine 10 Sekunden, bis uns der erste anspricht und wissen möchte, ob wir Journalisten sind. Wenn ihr schon immer mal auffallen wolltet wie ein bunter Hund mit blinkender Weihnachtsbeleuchtung, dann stellt euch mit Stativ und großkalibriger Kamera in eine Seitenstraße.

Wir laufen Richtung Place des Nations Unies und finden glücklicherweise das recherchierte Restaurant zum Abendessen. Ich esse die erste Tajine meines Lebens, Rindfleisch mit Pflaumen und Mandeln, dazu Fladenbrot. Es schmeckt ausgezeichnet.

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Art Deco-Kino
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Es herrscht eine etwas gespensterhafte Stimmung in den Straßen der Millionenstadt.
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Diese möchte ich für ein paar Nachtaufnahmen der Tram nutzen.

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Fahrgastwechsel unter Palmen am Marché Central

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Auf der Jagd

Wir fahren weiter stadtauswärts, die Bahnen sind nach 21 Uhr noch gut gefüllt, vor allem mit älteren Schülern und Studenten auf dem Heimweg. Gerade läuft ein Fußballspiel. Alle Cafégäste verfolgen gespannt die Vorgänge auf dem Fernseher. Um viele Gaststätten hat sich eine Menschentraube vor dem Eingang gebildet. Auf diese Weise kann das Spiel am im Außenbereich angebrachten Fernseher verfolgt werden.

Die Haltestellenabstände werden bald extrem groß, doch es folgt kein interessantes Fotomotiv. Die Tramstrecke führt durch große unbebaute Flächen. Also steigen wir irgendwann aus und landen an der Haltestelle Forces Auxiliaires.
Die Zielanzeige wechselt zwischen Französisch und Arabisch, auch die Ansagen sind zweisprachig.
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Itischäär Sidi Moumen. Direction Sidi Moumen terminus.

Der Bau der Straßenbahn stellt einen enormen Gewinn für das Stadtbild dar.
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Außerdem erleichtert man durch den besonderen Bahnkörper in Straßenmitte Fußgängern die Querung erheblich. Glücklicherweise hat man darauf verzichtet, mit hohen Zäunen eine Schneise durch die Stadt zu schlagen. Der Platz zwischen den Palmen ermöglicht es, sicher auf eine Lücke im MIV zu warten und die Richtungsfahrbahnen getrennt zu überqueren. Die Verbesserung wird beim Vergleich mit dem vorher gezeigten Bild einer breiten Straße deutlich.
https://flic.kr/p/WQ8ah5

Auf dem Rückweg ist es schon nach 22 Uhr und die Bahnen leer. Erschöpft vom anstrengenden Tag fallen wir ins Bett. Wirklich zufriedenstellend war er nicht. Das kann nur noch besser werden.


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Meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie im ICE nach München. Wir haben den Bahnhof Nürnberg mit einer Verspätung von 254 Minuten verlassen.

In Kürze erreichen wir jetzt endlich unser Ziel - München Hbf. Wir entschuldigen uns für die Verspätung und danken Ihnen trotzdem dafür, dass Sie sich für die Bahn entschieden haben.
    
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Lobedan
  Geschrieben am: 25 Jul 2017, 16:26


Haudegen


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Bezüglich dem Karten-Problem empfehle ich die App von Openstreetmap, dort kann man das Kartenmaterial nämlich aufs Handy laden und auch offline nutzen. Wie gut das für Marokko gemappt ist, weiß ich nicht, in den großen Städten kommt man damit aber normalerweise sehr gut hin.
    
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MVG-Wauwi
  Geschrieben am: 25 Jul 2017, 19:09


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Danke für den tollen Reisebericht und auch die vielen Anekdoten dazu!
Die Wechselgeldthematik mit großen Scheinen aus Geldautomaten kenne ich natürlich auch. Ich versuche hier immer, einen auf `90´lautenden Abhebungsbetrag zu ziehen - meistens klappt es und man hat zwangsläufig eine akzeptable Stückelung für nicht wechselnd könnende Taxifahrer rolleyes.gif .

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Gruß vom Wauwi
    
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Galaxy
  Geschrieben am: 25 Jul 2017, 22:14


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Ich antworte eher selten in deinen Threads, finde deine Berichte aber immer sehr lesenswert. Du hast einen sehr interessanten Schreibstil vor allem was die Charakterisierung von Mit-Passagieren angeht. Das einzige negative was mir einfällt; Du würdest dich wahrscheinlich in einem ansonsten komplett leeren Waggon neben mch setzen weil Du neugierig bist.biggrin.gif

P.S. Schweinefleisch im Islam ist genau das gleiche wie im Judentum. Früher machte das Verbot aus hygenischen Gründen durchaus Sinn, da Schweinefleisch ungekühlt schneller verdirbt. Seit dem der Kühlschrank erfunden wurde ist es ein Ritual.

P.S.2 Du hast Marrakesch einfach links liegen gelassen? huh.gif

Bearbeitet von Galaxy am 25 Jul 2017, 22:33
    
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eightyeight
  Geschrieben am: 26 Jul 2017, 09:52


König


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QUOTE (Lobedan @ 25 Jul 2017, 17:26)
Bezüglich dem Karten-Problem empfehle ich die App von Openstreetmap, dort kann man das Kartenmaterial nämlich aufs Handy laden und auch offline nutzen. Wie gut das für Marokko gemappt ist, weiß ich nicht, in den großen Städten kommt man damit aber normalerweise sehr gut hin.

Die App "Here" kann das auch.
Hat in Europa den Vorteil, dass auch öffentliche Verkehrsmittel drin sind und sehr detailliert auch Abgänge zu Bahnen etc.

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Ohne Zaster beißt der Mensch ins Straßenpflaster.
    
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Entenfang
  Geschrieben am: 26 Jul 2017, 16:05


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Schön, dass wieder so viele Anmerkungen kommen. Da möchte ich natürlich gleich mal was dazu sagen:

Zunächst zum Thema Offline-Karten: Danke für die zahlreichen Vorschläge, bei zukünftigen Reisen werde ich mal ausprobieren, welche in der jeweilige Region am besten geeignet sind.
In Marokko wurde uns die App maps.me empfohlen. Im WLAN lädt man sich dann alle benötigten Bereiche runter (z.B. München). Die Abdeckung in Marokko ist ganz passabel und die GPS-Ortung im Gassenlabyrinth natürlich gold wert.

QUOTE (MVG-Wauwi @ 25 Jul 2017, 19:09)
Die Wechselgeldthematik mit großen Scheinen aus Geldautomaten kenne ich natürlich auch. Ich versuche hier immer, einen auf `90´lautenden Abhebungsbetrag zu ziehen - meistens klappt es und man hat zwangsläufig eine akzeptable Stückelung für nicht wechselnd könnende Taxifahrer  rolleyes.gif .

Der kleinste Schein in Marokko sind 20 Dirham (2€). Ob die Automaten den auch ausgeben, haben wir aber nie getestet.

QUOTE
Ich antworte eher selten in deinen Threads, finde deine Berichte aber immer sehr lesenswert. Du hast einen sehr interessanten Schreibstil vor allem was die Charakterisierung von Mit-Passagieren angeht. Das einzige negative was mir einfällt; Du würdest dich wahrscheinlich in einem ansonsten komplett leeren Waggon neben mch setzen weil Du neugierig bist.

Das freut mich! Jetzt muss ich aber zu meiner Verteidigung schon sagen, dass ich andere Fahrgäste nicht aktiv belausche. In erster Linie beobachte ich natürlich, wenn ich nicht gerade unterwegs arbeite. Bahnfahren ist einfach zu spannend. tongue.gif
Die meisten mitgehörten Dialoge habe ich zwangsweise mithören müssen, einfach weil sie so laut geführt wurden oder halt im selben Abteil waren, sodass Weghören nahezu unmöglich war.

QUOTE
Du hast Marrakesch einfach links liegen gelassen?

Abwarten, abwarten. wink.gif



Tag 3 Casablanca

Wie anstrengend der gestrige Tag wirklich war, stellen wir fest, als die Uhr beim Aufwachen schon 12 Uhr anzeigt. Damit ist der geplante Tagesablauf natürlich dahin, aber was soll´s. Wir haben schließlich Ferien.
Mit zügigem Schritt können wir noch die 14 Uhr-Führung in der Hassan II-Moschee erreichen. Dafür fahren wir eine Station Tram. Begrüßung durch den Wachmann bei der Einfahrt in die Haltestelle Place Mohammed V.
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Anschließend geht es zu Fuß am Rande der Medina weiter.
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Eine der unzähligen Garküchen, die es in allen Formen und Farben gibt. Manche sind mit Gasflasche und Gasherd ausgestattet, an anderen Ständen wie im Bild kommt ein Kohlegrill zum Einsatz. An Ständen wie diesen nehmen Einheimische üblicherweise auswärts eine Mahlzeit ein, wir haben aus hygienischen Gründen darauf verzichtet. In den günstigeren Restaurants kostet ein Essen zwischen 3 und 10 € und wir waren sehr häufig die einzigen Gäste. Manchmal haben sich noch andere Touristen in die Gaststätten verirrt. Einheimische konnten wir dagegen kein einziges Mal beim Essen im Restaurant sehen.

Es herrscht der gewohnte Trubel, Mofas und Fahrräder kämpfen sich klingelnd und hupend durch die Menschenmassen.
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Wir legen einen kurzen Zwischenstop beim Bäcker ein, um uns mit süßen Teilchen zu versorgen.
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Leider haben wir keine Zeit, uns tiefer in den Gassen der Medina zu verlaufen, wenn wir die Führung nicht verpassen wollen.
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Ein kurzer Blick auf die Läden muss gestattet sein.
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Links ein Gewürz- und Kosmetikladen, rechts ein Metzger und am rechten Rand ein Gemüsestand. Damit ist für das leibliche Wohl schon mal zufriedenstellend gesorgt. Die überwiegende Mehrheit der kleinen Läden ist nicht darauf ausgelegt, sie als Kunde zu betreten. Man sagt dem Verkäufer, was man haben möchte. Offensichtlich fallen die Kosten für die Räumlichkeiten deutlich stärker ins Gewicht als die Lohnkosten. Das kann daran liegen, dass in vielen Läden der Besitzer den ganzen Tag lang selbst verkauft, dass die Löhne sehr niedrig sind und die Arbeitslosigkeit, vor allem die der jungen Menschen, ziemlich hoch. Hier werden für das Jahr 2010 17,6% genannt, der tatsächliche Wert dürfte aktuell wohl deutlich höher liegen. https://www.swp-berlin.org/fileadmin/conten...A34_adt_pop.pdf

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Im Hintergrund der Verkaufsstraße erhebt sich die Hassan II-Moschee. Man beachte auch die Tischkicker am rechten Bildrand. In Marokko findet ein Großteil des Lebens auf der Straße statt, vor allem sind viele junge Menschen und Kinder sichtbar.


Schließlich erreichen wir unser Ziel – die von 1987 bis 1993 erbaut Moschee ist wahrhaft beeindruckend. Sie ist eine der wenigen, die auch für Nichtmuslime zugänglich ist.
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Wir begeben uns zur Kasse und bezahlen die happigen 12€ Eintritt. Ein Amerikaner hat nicht genügend Dirham, ob er wohl auch mit Dollar zahlen könne? Nein. Kreditkarte? Nein. Euro? Wenn´s denn sein muss. Missbilligend nimmt der Kassierer den 100€-Schein entgegen.

Alle Führungen auf Arabisch, Englisch, Französisch und Deutsch starten zur gleichen Zeit.
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Es ist ein Gebäude gigantischen Ausmaßes und bietet bis zu 20.000 Gläubigen Platz. So viele kommen aber nur zum Fastenbrechen nach Ramadan – ein bisschen wie bei uns zu Weihnachten.
Es handelt sich laut Führer um eine „Cabrio-Moschee“. Um frische Luft hereinzulassen, kann das Dach elektrisch geöffnet werden, im Bild ist der relativ seltene geöffnete Zustand zu sehen. Die salzige Meeresluft greift die Baumaterialien an, daher war die für die Ewigkeit gebaute Moschee bereits nach einem Jahrzehnt ein Sanierungsfall. http://www.edelstahl-rostfrei.de/downloads...ca-Marrokko.pdf
Außerdem soll die Hitze draußen bleiben, deshalb bleibt das Dach die meiste Zeit geschlossen. Tatsächlich ist es im Gebäude regelrecht kalt – obwohl es draußen sommerlich warm ist, muss ich meinen Pulli anziehen.
„Hallo, Sie da! Frauen dürfen hier nicht fotografieren!“
„Ohhh, Entschuldigung.“
„Nee, war nur Spaß“, klärt der Führer auf.

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  Geschrieben am: 26 Jul 2017, 16:06


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Innerhalb der Moschee und insbesondere auf den Teppichen müssen die Schuhe ausgezogen und in einer Plastiktüte verstaut werden. Dafür dürfte es in erster Linie praktische Gründe geben, wenn man die staubigen und stark verschmutzten Straßen der Stadt bedenkt.
Mehr als 10.000 Künstler waren damit beschäftigt, die Verzierungen in Handarbeit anzubringen.
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Wie der Führer erläutert, handelt es sich um eine Hightech-Moschee.
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In den quaderförmigen Füßen der Säulen befinden sich im gesamten Gebäude 360 Lautsprecher.

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Auch in der Mitte der sechseckigen Verkleidung aus Zedernholz ist ein gut getarnter Lautsprecher angebracht.

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Frauen und Männer beten stets getrennt, die Männer vorne, die Frauen hinten. Dazwischen werden mobile Zäune aufgestellt. Auch die Balkone sind den Frauen vorbehalten. Männer sollen die Frauen beim Beten nicht sehen können.

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In der vorne sichtbaren Gebetsnische, welche stets nach Mekka ausgerichtet ist, befindet sich der Platz des Vorbeters (Imam). Die Streifen auf dem Teppich erleichtern die korrekte Ausrichtung der Betenden, denn um sich hinzuknien, muss der Abstand zum Vordermann ausreichen. Die Menschen sind angeblich sehr geübt darin und schaffen das normalerweise auch ohne Streifen, die es nicht in jeder Moschee gibt.

In der Mitte der großen Halle gibt es ein Wasserlauf.
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Ursprünglich diente er den Gläubigen zum Waschen, in der Hassan II-Mosche ist er vorwiegend zu Dekorationszwecken eingebaut worden. Im Untergeschoss gibt es ausgedehnte Waschräume, für Frauen und Männer getrennt.

Aus 41 Brunnen strömt Wasser, damit sich Körper und Seele vor dem Beten gereinigt werden können. Es ist auch erlaubt, sich schon daheim zu waschen und nur zum Beten in die Moschee zu kommen.

Ein Bad darf auch nicht fehlen.
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Es wird angesichts der vielen Treppen die Frage nach Barrierefreiheit gestellt, der Führer antwortet zunächst: „Bei uns sind alle gesund.“ Dann erklärt er, dass es gesonderte Eingänge gibt.

Nach der Führung begeben wir uns auf den gleißend hellen, 70.000 m2 großen Vorplatz.
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Diesen hätte man meiner Ansicht nach deutlich gemütlicher gestalten können, er lädt überhaupt nicht zum Verweilen ein. Immerhin hat man die breite Hauptstraße unter die Erde verlegt. Wir legen eine Pause auf einer Stufe im Schatten ein, verzehren unsere süßen Teilchen, ehe wir uns ein Taxi zur Morocco Mall suchen, um endlich unser Internet zum Laufen zu kriegen. Er verlangt 8€ und wir geben zu schnell nach – an das Handeln müssen wir uns noch gewöhnen. Während wir die Gurte anlegen, weist uns der Fahrer darauf hin, dass das in Marokko nicht verpflichtend sei.
    
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  Geschrieben am: 26 Jul 2017, 16:06


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Zügig fahren wir über eine sechsstreifige Hauptstraße stadtauswärts. Einige Bodenwellen bremsen allzu flotte Fahrer etwas ein. Bald säumen großzügige Wohnanlagen die stark befahrene, stets dem Küstenverlauf folgende Straße. Schließlich erreichen wir die Mall. Unser Gepäck wird durchleuchtet und der Kofferraum jedes in die Tiefgarage einfahrenden Autos geöffnet.
Der Orange-Laden ist direkt am Eingang und fünf Minuten später funktioniert unser Internet. Obwohl wir beide ausgesprochene Shopping Mall-Hasser sind, schauen wir uns ein wenig um, wo wir schon mal hier sind. Es ist Donnerstagnachmittag und die größte Mall Afrikas ist seltsam unbelebt, einige Geschäfte stehen leer.
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Das Aquarium erinnert mich stark an die Dubai Mall und kostet wie auch im Vorbild Eintritt.

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Der als Souk bezeichnete Bereich weist nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Realität auf – möglicherweise sind die Preise hier verhandelbar. Es wirkt genauso konstruiert wie die gesamte Umgebung mit den gleichen Geschäften und Restaurantketten wie bei uns. Die Preise liegen ebenfalls auf unserem Niveau, wenn nicht sogar noch höher. In Marokko dürften sich wohl nur äußerst wenige Menschen Lego für 300€ leisten können. Es gibt eigentlich nur zwei wesentliche Unterschiede zu deutschen Shopping Malls: Muezzin-Gesänge werden über Lautsprecher abgespielt und es gibt keine Pissoirs.
Schließlich entdecken wir einen Indoor-Vergnügungspark nicht nur für Kinder.
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Die Nutzung jedes Fahrgeschäfts kostet etwa 2 bis 3€. An den meisten warten gelangweilte Angestellte vergeblich auf Kundschaft, man sieht nur sehr wenige Kinder. Angesichts des Lärmpegels durch die sich von allen Seiten überlagernde Musik und der flackernden bunten Lichter wäre ich als Kind jedenfalls schreiend davongelaufen. Es ist geradezu eine abartige Parallelwelt für die Schönen und Reichen. Plötzlich weist man uns darauf hin, dass das Fotografieren hier nicht erlaubt wäre und wir suchen den Ausgang.
Dabei kommen wir noch an der Luxusmeile vorbei, sozusagen die Maximilianstraße innerhalb der Mall.
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Hier sind allerdings mehr Wachmänner als Kunden unterwegs.

Wieder zurück in der Realität, wird zunächst ein Bus auf dem Boulevard de l´Océan Atlantique erlegt.
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Anschließend begeben wir uns zur Insel Sidi Abderrahman, auf welcher Wahrsager zuhause sind. Frauen empfangen uns auf der Brücke mit Getrommel und Gerassel.
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Alte Frauen wohnen in winzigen Häuschen, aus denen durch Räucherstäbchen geschwängerte Luft strömt. Eine trägt gerade ein totes Huhn in ihr Haus. Wie lange wohl die Schafe noch zu leben haben?
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Blick zur Moschee Hassan II., links der El Hank-Leuchtturm

Schließlich spazieren wir am Strand Richtung Tram. Leider ist der Sand ziemlich dreckig und angesichts der viele Glasscherben trauen wir uns erst im sauberen Bereich der Brandung, die Wanderung barfuß fortzusetzen.
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Das kühle Wasser umspült unsere Zehen, doch bald kommt es, wie es kommen musste. Wir wagen uns zu weit rein und eine große Welle setzt unsere hochgekrempelten Hosen unter Wasser.

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Wir nehmen auf den Stühlen Platz, um den Sonnenuntergang abzuwarten. Links zieht bereits Nebel vom Wasser auf. Es ist so diesig, dass man in der Ferne nur noch einen diffusen Übergang zum Horizont erkennen kann. Nach wenigen Minuten kassiert jemand 2€ für die Nutzung der Stühle.
    
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  Geschrieben am: 26 Jul 2017, 16:06


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Flug in den Abend

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Als die Sonne verschwindet, ist es bereits ziemlich kühl und wir begeben uns schleunigst zur Tramendhaltestelle Ain Diab Plage, die direkt an einer der Zufahrtsstraßen liegt. Kurz darauf fährt die Tram ab, die Beförderungszeit bis in die Innenstadt beträgt gut eine halbe Stunde. Dabei wird ein nicht bebauter Bereich durchfahren. Die Haltestellen sind schon eingerichtet, werden aber ohne Halt durchfahren. Hier hat man gute Stadtentwicklung betrieben, bei Eröffnung gibt es gleich eine optimale ÖPNV-Anbindung. Auch wenn die Tram keine absolute Vorrangschaltung genießt, wird der MIV deutlich ausgebremst. An den Kreuzungen werden alle Richtungen rot geschaltet, wenn eine Bahn kommt. Angesichts des chaotischen Verkehrs ist das auch besser so.

Das Restaurant, in dem wir gestern zu Abend gegessen haben, finden wir leer vor, obwohl man uns auf Nachfrage mitgeteilt hatte, dass sie täglich geöffnet hätten. Schade, denn es hat uns wirklich gut geschmeckt uns so landen wir notgedrungen in einer Bude am Hauptplatz, wo wir für weniger Qualität mehr bezahlen müssen. Ich widerstehe der Versuchung, schon am zweiten Tag auf Pizza auszuweichen, weil es keinen Couscous gibt.
Auf den Straßen ist unglaublich viel los, denn morgen ist Freitag, der ein bisschen wie unser Sonntag ist.

Zum Schluss des heutigen Tages noch zwei Nachtaufnahmen.
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In den kleinen Läden, die es an jeder Ecke gibt, kann man nicht nur Mineralwasser und Snacks kaufen, sondern sehr häufig die auf dem Regal sichtbaren Gasflaschen. In Marokko wird ausschließlich auf dem Gasherd gekocht. Diese besitzen allerdings keinen Anschluss an eine Gasleitung, sondern werden aus Flaschen versorgt.

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Leider ebenso häufig sind Müllansammlungen wie diese zu sehen. Den Gestank dazu möge sich jeder selbst dazudenken.

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