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Nicht nur ÖPNV in und um Leipzig, Entdeckungen in Sachsens größter Stadt [Zur Themenübersicht]
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Entenfang
  Geschrieben am: 18 Sep 2017, 21:22


Lebende Forenlegende


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Da aus dieser Ecke von mir im Laufe der nächsten Zeit mehr zu erwarten ist, spendiere ich mir mal einen neuen Thread.

Leipzig, inzwischen klar vor Dresden die größte Stadt Sachsens und die prozentual am stärksten wachsende Großstadt Deutschlands (ja, sogar vor München!) bietet dem geneigten Freak viel Lohnenswertes.

Freut euch auf:

Parkeisenbahn
"Kannst du nicht mal ein bisschen Dampf machen?"
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Ausblicke
Leipzig ist eine ziemlich flache Stadt. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man doch den einen oder anderen Aussichtspunkt.
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Straßenbahn
Das eingesetzte Rollmaterial der LVB ist vielfältig und abwechslungsreich. Daher ein kurzer Überblick:

Auch wenn das Ende der Hochflurer schon vor Jahren verkündet wurde, sind die Wagen - auch angesichts steigender Einwohnerzahlen - unverzichtbar. Unter der Woche werden sogar auf Verstärkerlinien und -kursen reine Hochflurfahrzeuge eingesetzt. Hier eine T4D-Dotra vor dem Rathaus.
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Um Barrierefreiheit herzustellen, ohne die Tatras komplett abstellen zu müssen, verkehren Großzüge i.d.R. mit niederflurigen NB4-Beiwagen von Bombardier.
Eine der Motivklassiker, der sich zu nahezu jeder Tageszeit lichttechnisch umsetzen lässt, ist der viel befahrene Bahnhofsvorplatz.
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Die NGT8 von Adtranz stellen die 1. Generation Niederflurbahnen in Leipzig. Da sie dem Fahrgastaufkommen nicht immer gewachsen sind, wurden sie nachträglich für den Einsatz mit den NB4-Beiwagen ausgerüstet. 1116 am Waldplatz.
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Es folgten die Leoliner aus lokaler Produktion beim Hersteller Heiterblick. Das Leipziger Tramnetz bietet zahlreiche Betriebsstrecken, die nur bei Umleitungen regelmäßig befahren werden. Im Juli fand der Umstieg zum von den Dresdnern gestellten SEV am Btf. Leutzsch statt. Derartige Umleitungen sorgen natürlich immer für ein erhöhtes Fuzziaufkommen.
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Ein Vertreter der 45 m langen NGT12-LEI von Bombardier trifft in Reudnitz, Koehlerstraße auf einen nagelneuen NGT10-XL von Solaris. Mit der Auslieferung der Wagen sollen einige Tatras ausgemustert werden.
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Bus
Absolut nicht problemlos verlief der Start der Elektrobuslinie 89, die durch die Innenstadt verkehrt. Bis heute verkehren dort überwiegend Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.
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S-Bahn
Die junge S-Bahn Mitteldeutschland bietet mit den silbernen Fahrzeugen leider eine attraktive Basis für Sprayer. Insofern bin ich ganz glücklich darüber, dass ich Sonne und Graffitifreiheit in einem Bild bekommen habe. Der Tw überquert gerade die Luppe.
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"Die S-Bahn rollt wie ein Uhrwerk."

Frankfurter Abendpost am 29.5.1978, dem Tag nach der Inbetriebnahme des Frankfurter S-Bahntunnels
    
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146225
  Geschrieben am: 19 Sep 2017, 04:48


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Na dann freue ich mich doch schon auf all das, was es da zu sehen geben wird! smile.gif

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Und vergessen Sie nicht: Bevor Sie gehen -
HIER KÖNNTE IHRE WERBUNG STEHEN!
    
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Bayernlover
  Geschrieben am: 19 Sep 2017, 06:37


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Toll, danke! Du bist doch nicht etwa Dresden untreu geworden...?

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Für mehr Administration. Gegen Sittenverfall. Für den Ausschluss nerviger Weiber.
    
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  Geschrieben am: 25 Sep 2017, 17:59


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QUOTE (Bayernlover @ 19 Sep 2017, 07:37)
Toll, danke! Du bist doch nicht etwa Dresden untreu geworden...?

Ich sags mal so: Ich bin aus der Stadt mit den ganzen rechten Spinnern geflohen...


...und in einer Stadt mit rechten und linken Spinnern angekommen. ph34r.gif


Schon 1 Woche vergangen und ich habe vor lauter Bildmaterial aufnehmen immer noch nichts gezeigt. Das muss sich ändern.


"Entschuldigung, darf ich mal fragen, was ihr da fotografiert? Da waren gestern schon so viele unterwegs."

Aber sicher. Für rund zwei Wochen wurden die Linien 10 und 11 wegen Bauarbeiten am Chausseehaus über die Betriebsstrecke durch die enge und sehr fotogene Menckestraße umgeleitet. Mit Zetteln an den Haustüren wurden die Anwohner im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht, ihre Kraftfahrzeuge doch bitte ordnungsgemäß abzustellen.

Gleich zu Beginn begegnet mit 1206
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Lichttechnisch ist die enge Straße nicht ganz simpel und der fortschreitende September tut sein Übriges. Praktischerweise kommt das Licht aber erst nach Feierabend in die richtige Stellung.
1210
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1110
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1221
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2134 samt Anhängsel
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und 1230.
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Man beachte die für den MIV nicht signalisierte eingleisige Strecke durch den besonders engen Teil. Manch einer wurde zum Einlegen des Rückwärtsgangs gezwungen. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Strecke normalerweise nicht befahren wird.
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Es begegnen uns 1208...
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...und 1233.
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Am letzten Tag der Umleitung wollte sich die Sonne nicht mehr zeigen, sodass Bilder bei gleichmäßiger Nicht-Ausleuchtung möglich waren.
2111 samt Anhängsel
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  Geschrieben am: 25 Sep 2017, 18:00


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...und 2151 samt Anhängsel.
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Frankfurter Abendpost am 29.5.1978, dem Tag nach der Inbetriebnahme des Frankfurter S-Bahntunnels
    
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Bayernlover
  Geschrieben am: 25 Sep 2017, 21:32


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Sehr schön :-)

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  Geschrieben am: 26 Sep 2017, 20:46


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Und wir setzen den Bilderbogen derselben Umleitung fort, werfen allerdings einen Blick auf die Route der Linie 16.

1215 passiert den seit 2016 nur noch zu Abstellungen genutzten Btf. Wittenberger Str.
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1327
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...und 2139 an der Dessauer Str. In dieser Ecke der Stadt gibt es zahlreiche verfallene Gebäude und Industrieanlagen. Zahlreiche Gleisreste deuten auf das einst umfangreiche Anschlussgleisnetz hin, welches auch Kreuzungen mit der Tram aufwies.
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Setzen wir die Fahrt entlang der Wittenberger Str. fort. 1217 befährt diese eine Staubwolke zurücklassend.
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1202...
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... und 2168 an der Theresienstr.
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Nun ist es nicht mehr weit bis ins Eutritzscher Zentrum, wo die Betriebsstrecke wieder auf den üblichen Linienweg stößt. Die straßenbündige Führung der Betriebsstrecke durch die staugeplagte Wittenberger Str. hat der Zuverlässigkeit der Linie 16 absolut nicht gutgetan.
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Frankfurter Abendpost am 29.5.1978, dem Tag nach der Inbetriebnahme des Frankfurter S-Bahntunnels
    
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Entenfang
  Geschrieben am: 29 Sep 2017, 21:47


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Heute präsentiere ich einen Bilderbogen meines ersten Ausflugs nach Dessau.

Bahnen in der Bauhausstadt

Der erste Tagesausflug sollte mich zu einem relativ unbekannten Straßenbahnbetrieb in einer recht bekannten Stadt in den Tiefen Sachsen-Anhalts führen.

Doch zunächst gilt es auf der Hinfahrt nach Dessau einige Hürden zu überwinden. Ärgerlicherweise ist der Leipziger Hbf dank Bauarbeiten (mal wieder) für mehrere Tage nahezu voll gesperrt und viele Züge fahren erst ab Leipzig Messe. Dorthin kommt man mit der Tramlinie 16, die 19 Min. für die Strecke benötigt, die sich mit der S-Bahn in 6 Min. zurücklegen lässt. Trotz Taktverdichtung ist die Bahn ziemlich gut gefüllt, nicht zuletzt wegen des voluminösen Reisegepäcks.

Planmäßig wird der Messebahnhof erreicht und ein Fahrgaststrom ergießt sich auf den Bahnsteig. In diesem Los der S-Bahn Mitteldeutschland (dem mit den roten Türen, die aber auch von der DB betrieben werden) gibt es Automaten im Zug. Noch gilt ja mein Semesterticket bis Delitzsch.
Ich würde gerne von Delitzsch nach Dessau.
MÖÖÖP! „Ihre Verbindung enthält einen Verbundanteil und kann daher nur am Abfahrtsbahnhof gekauft werden.“
Also versuche ich mich eine Viertelstunde später noch einmal, als wir in Delitzsch halten. Mit etwas Mühe klappt es dieses Mal, aber welchen Zweck es haben soll, die Fahrkarte nur jetzt und nicht 15 Min. früher kaufen zu können, wird wohl mal wieder ein Rätsel im Tarifdschungel bleiben.

Der Infokiosk der Verkehrsbetriebe hat leider am Wochenende geschlossen und da Dessau verbundfreier Raum ist, werden noch 5€ für die Tageskarte fällig.
Eingesetzt werden im übersichtlichen Straßenbahnbetrieb von rund 12 km Streckenlänge zehn zweiteilige NGT6DE von Bombardier auf zwei Linien. Werktags verkehren beide Linien im Takt 15, sonntags im Takt 30. Kurz nach 20 Uhr ist Betriebsschluss.

Weit komme ich nicht, ohne eine Besonderheit zu entdecken. Derzeit werden die Gleise zwischen Hauptpost und Museum erneuert und die Bahnen verkehren dort mit verminderter Geschwindigkeit auf einem provisorischen Gleis mit einem Kies-Sand-Erde-Oberbau.
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Alle Wagen sind im bunten Werbekleid unterwegs, dessen Gestaltung mit überwiegend nicht zugesagt hat. Der in herbstlichen Farbtönen gehaltene 310 passiert das namensgebende Museum für Naturkunde und Volksgeschichte.
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Die große Kreuzung ist die reinste Zumutung für Fußgänger und den ÖPNV, denn die LSA weist eine Umlaufzeit von 180 s (!) auf. Welchen Zweck das samstags haben soll (und die Bahn dann eine Minute vor einer leeren Kreuzung an der Ampel steht), werde ich nicht verstehen. Die Ampelschaltung wird durch die Bahnen in keinster Weise beeinflusst und besonders hart trifft es die abbiegende Linie 3, welche eine durchschnittliche Behinderungszeit von 76 s (!) aufweist und damit wie auch die Fußgänger ein LOS F (Setzen, 6) redlich verdient hat…

Als Erstes fahre ich den Ast der Linie 1 nach Dessau Süd ab. Die Trasse verläuft zunächst auf besonderem Bahnkörper in Straßenmitte, später dann auf Schottergleis in Seitenlage. Im Juli 2016 wurde der Ast zur Kreuzbergstraße stillgelegt, scheint aber trotz noch vorhandener Oberleitung nicht mehr befahrbar zu sein.

Nach etwa einer Viertelstunde ist das südliche Ende erreicht und die wohlverdiente Pause von 15 Min. angetreten.
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Dementsprechend treffen sich in Wendeschleifennähe häufig zwei Fahrzeuge.
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Manchmal ergeben sich auch Glückstreffer…
Der Aufbauwagen aus 1948 trifft seinen mehr als 50 Jahre jüngeren Kollegen.
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Da musste ich natürlich gleich mit der nächsten Linienbahn vorfahren, um den Altwagen nochmal in der Nähe der Verkehrsbetriebe abzupassen.
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Die Gestaltung der Betriebshofzufahrt ermöglicht zwar eine Fahrt auf dem Gegengleis, es gibt aber keine weiteren Gleiswechsel im Netz.
90450

Ob die Katze wohl ebenfalls nach dem Altwagen Ausschau hält?
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Als Nächstes rollt mir 308 vor die Linse.
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Ein weiterer Zufallstreffer an der Wasserwerkstraße zeigt das neue Plusbuskonzept der NASA mit historischen Fahrzeugen, die Direktverbindungen nach Berlin anbieten.
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Wenig später folgt der auffällige 307, im Hintergrund der Alte Wasserturm.
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Die Haltestellen ermöglichen keinen ebenen Einstieg in die Fahrzeuge.

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  Geschrieben am: 29 Sep 2017, 21:48


Lebende Forenlegende


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Auch der Aufbauwagen kann auf Einrückfahrt erlegt werden.
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Wieder zurück am Museum besteht direkter Übergang zur Linie 3, einer Neubaustrecke um die Jahrtausendwende.
308 an der Robert-Bosch-Straße
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Die Strecke bindet einige wichtige Orte an, z.B. Berufsschule, Krankenhaus und ein großes Wohngebiet. Es gibt einen etwa 500 m langen eingleisigen Abschnitt entlang einer 30er Zone.

Ein kurzer Abschnitt weist sogar Überlandcharakter auf.
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Hier wird ein grundsätzliches Problem der Stadt deutlich – obwohl sie nur rund 70.000 Einwohner (ohne das eingemeindete Roßlau) hat, erstreckt sie sich über ein großes Gebiet mit sehr vielen Freiflächen. Das ist natürlich für die ÖPNV-Erschließung äußerst nachteilig.

Und damit es in den angrenzenden Kleingärten nicht so quietscht, gibt es eine Spurkranzschmierung.
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Obwohl es sich um einen ziemlich engen Normalspurbogen handelt, sind die Bahnen nahezu geräuschlos unterwegs.

Gewendet wird in einer großen Häuserblockschleife, die in Zoberberg Mitte beginnt.
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Hier entdecke ich einen durchaus ansprechend sanierten Plattenbau.
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So, jetzt sollte ich so langsam den Rückweg zum Bahnhof antreten. Doch es kommt ewig keine Bahn stadtauswärts und damit kann auch keine stadteinwärts kommen. Mit übler Verspätung taucht dann schließlich eine auf und mir wird klar, dass ich wohl eine Stunde länger in Dessau bleiben werde, da an der Endstation nur 2 Min. Aufenthalt vorgesehen sind.
+10 stehen auf der Uhr, als ich endlich einsteigen kann. Bei 9 Min. Übergangszeit zum Zug äußerst schlechte Voraussetzungen. Dank nicht existenter Vorrangschaltung stehen wir an jeder Ampel und warum man nicht Bedarfshaltestellen einführt (Haltewunschtaster gibt es ja), weiß ich auch nicht. An mehreren Stationen findet jedenfalls keinerlei Fahrgastwechsel statt.

Obwohl die böse Ampel am Museum gleich den Linksabbiegevorgang freigibt, reduziert sich die Verspätung nur um 1 Min. Die wird gleich wieder vertrödelt, da derzeit am Bahnhof von 2 Gleisen nur 1 benutzt werden darf. An den Bahnsteig passt nur 1 Bahn und die Halteposition ist so gewählt, dass man aus dem zweiten Fahrzeug auch nur ins Gebüsch aussteigen könnte. Nachdem die Fahrerin den Vorderkurs verständigt hat, können wir endlich vorziehen.
Doch es ist längst zu spät. Anstatt mich den saufenden jungen Leuten auf dem Vorplatz anzuschließen, fahre ich nochmal zurück, um für das Abendessen einzukaufen. Um den Sandfüllstand zu kontrollieren, muss der Fahrer die vorderste Sitzreihe in den Gang ziehen. Ich frage nach, was denn heute los war, da mir schon im Vorfeld ein ausgefallener Kurs aufgefallen war. Ein Verkehrsunfall war schuld und vor allem die Rettungskräfte, die ohne Not auf den Schienen geparkt hätten, erläutert er missbilligend.

Ein Abschiedsbild vor der um eine Stunde nach hinten verschobenen Rückfahrt auf dem mehrfach umgestalteten Bahnhofsvorplatz. Im Hintergrund eine neue Straßenbrücke über das Gleisvorfeld aus dem Jahr 2003, die den Verkehr durch die Innenstadt deutlich reduziert hat.
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Eine Eiche aus dem Jahr 1890 (nicht im Bild) hat nicht nur beide Weltkriege unbeschadet überstanden, sondern auch sämtliche Platzumgestaltungen.


Dessau hat mir als Stadt nicht zugesagt. Der Bevölkerungsrückgang ist nicht zu übersehen und die eher langweilige Architektur wechselt sich mit Brachflächen ab. Leider ist der kleine Straßenbahnbetrieb nicht gerade mit glücklichen Randbedingungen gesegnet. Eine funktionierende Vorrangschaltung könnte die Reisezeit deutlich verkürzen und die Abweichungen minimieren, denn nach der Wende wurde die Tram nahezu vollständig auf besonderen Bahnkörper verlegt und stadtbahnmäßig ausgebaut.


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"Die S-Bahn rollt wie ein Uhrwerk."

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Lobedan
  Geschrieben am: 30 Sep 2017, 16:56


König


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Nichtsdestotrotz ein paar interessante Einblicke in einen Betrieb, der für mich viele Jahre lang nicht weit weg war und zu dem ich es dennoch nie geschafft habe. Danke dafür!
Und wenn sich ein derart kleiner Betrieb für die Erneuerung der Gleise zum Hauptbahnhof solch ein provisorisches Gleis leistet, dann kann es zumindest um die HVZ-Auslastung nicht so schlecht gestellt sein. Ich behaupte, dass viele auch deutlich größere Betriebe in der Situation lieber auf sehr dichten SEV gesetzt hätten.
    
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spock5407
  Geschrieben am: 30 Sep 2017, 18:46


Lebende Forenlegende


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Wow, tolle Maine Coon Kitty.

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München, Stadt der Nachfrage und Gerechtigkeit. Make Munich Tram Great Again!
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Jogi
  Geschrieben am: 1 Oct 2017, 14:49


Kaiser


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QUOTE (Entenfang @ 29 Sep 2017, 22:47)
Eingesetzt werden im übersichtlichen Straßenbahnbetrieb von rund 12 km Streckenlänge zehn zweiteilige NGT6DE von Bombardier auf zwei Linien.

Diese beide Linien führen vom "Hauptbahnhof" (wie die Stadtwerke die Haltestelle nennen) Richtung Süden und verzweigen sich schließlich weiter Richtung Süden in den Südwesten. Alle anderen Richtungen und Querverbindungen werden mit Bussen bedient -

was dazu führt (wie ich bei meinen Kurzbesuch für mich etwas überraschend feststellen musste), dass **die** Attraktion der Stadt nicht schienengebunden erreicht werden kann: das Bauhaus. Das ist zwar vom Bahnhof aus fußläufig noch gut erreichbar (etwa 1 km), andere Sehenswürdigkeiten verstreuen sich aber über die ganze Stadt. Will man neben dem eigentlichen Bauhaus noch die bekanntesten Gebäude sehen, muss man einmal weiter Richtung Norden, um zu den Meisterhäusern und dem Kornhaus zu kommen, und einmal ganz in den Süden fast bis zur Endstation der Linie 1 fahren, um zu den Laubenganghäusern, dem Stahlhaus und der Siedlung Törten zu kommen.
Zwar verbindet eine Museumslinie titulierte Buslinie diese und andere Stellen, aber auch die fährt nur stündlich mit einer Zweistundenlücke mittags.

QUOTE (Entenfang @ 29 Sep 2017, 22:47)
Werktags verkehren beide Linien im Takt 15, sonntags im Takt 30. Kurz nach 20 Uhr ist Betriebsschluss.

Wobei danach noch bis nach 23 Uhr vier weitgehend parallele "Nachtfahrten" mit Bussen angeboten werden. Es gibt sogar einen täglichen Nachtverkehr zwischen 0 und 4 Uhr auf Rufbusbasis.

Das nur zur Ergänzung, dein Fokus liegt verständlicherweise auf der Straßenbahn.

QUOTE (Entenfang @ 29 Sep 2017, 22:48)
Dessau hat mir als Stadt nicht zugesagt. Der Bevölkerungsrückgang ist nicht zu übersehen und die eher langweilige Architektur wechselt sich mit Brachflächen ab. [...]

Uhuhuh, der Bauhausstadt langweilige Architktur vorwerfen... biggrin.gif

Ne, an sich weiß ich, kann ich nachvollziehen, was Du meinst: Die Kernstadt Dessau wirkt irgendwie zu groß und die Nachkriegsneubauten (Dessau war im Zweiten Weltkrieg u.a. Sitz der Junkers Werke und wurde bei Luftangriffen stark zerstört) wirken in der heutigen Zeit auch etwas eintönig bis übertrieben groß. Von der Zeit, als Dessau Hauptstadt des Herzogtums Anhalt wurde und war und mit der Industriealisierung anwuchs, ist wenig zu sehen und das Wenige, was noch steht, liegt über die ganze Stadt verteilt - nordöstlich des Bahnhofs etwa liegt der Park Georgium, in dem ein paar repräsentativere Bauten die Residenzzeit des 19. Jahrhunderts widerspiegeln. Als ein Beispiel dafür das Schloss Georgium:
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Das alles erzeugt lange Wege, die angesichts der Taktung (Busse an Wochenenden i.d.R. stündlich) und Linienverläufe (bis auf die Museumslinie Ausrichtung auf den Bahnhof) zumindest zu weiten Teilen zu Fuß zurückgelegt werden müssen. Von den Meisterhäusern (ganz rechts, hinter dem Baum, ist das Haus Gropius erkennbar) und der Trinkhalle (entworfen von Mies van der Rohe, eröffnet 1932, nach Abbruch der Mauer 2013/14 rekonstruiert)
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einigermaßen in der Nähe des eigentlichen Bauhauses bis zum historischen Arbeitsamt (entworfen von Walter Gropius 1927, gebaut 1928/29) mit seiner erkennbaren Eingangsstruktur damals nach verschiedenen Berufsgruppen vorsortierend im und dem Sheddach über dem öffentlichen Bereich
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kann der Weg bei verpasster Straßenbahn so lange werden, dass einem die Socken qualmen. Zu den Laubenganghäusern müsste man nochmal sieben oder acht Haltestellen mit der Straßenbahnlinie 1 weiter fahren und einige Querstraßen weiter laufen. Und das alles wohlgemerkt für die bekannteren Vertreter dieser Kunst- bzw. Architekturrichtung. Daneben gibt's natürlich noch weitere Sehenswürdigkeiten, von denen manche sogar mit der Straßenbahn erreichbar sind wie das Anhaltische Theater von 1938, wobei die Bühnentradition in Dessau bis ins 18. Jahrhundert reicht und als Hauptstadt natürlich zur Repräsentanz beitrug.
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Lange Rede, kurzer Sinn: Auch in Dessau gibt's schöne Ecken. Um sie als Städtetourist zu finden, braucht es einen Stadtplan, viel Zeit und ein gutes Zu-Fuß-Sein.

---

Ansonsten vielen herzlichen Dank für den Bilderbögen in gewohnter Entenfang® -Qualität. Und auf weitere Leipzig-Bilder freu ich mich jetzt schon.

Es geht hoffentlich in Ordnung, wenn ich ein paar Bilder mit einbringe. Wenn nicht, einfach Bescheid geben.
    
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Trapeztafelfanatiker
  Geschrieben am: 1 Oct 2017, 17:01


Haudegen


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QUOTE (Entenfang @ 18 Sep 2017, 22:22)
S-Bahn
Die junge S-Bahn Mitteldeutschland bietet mit den silbernen Fahrzeugen leider eine attraktive Basis für Sprayer. Insofern bin ich ganz glücklich darüber, dass ich Sonne und Graffitifreiheit in einem Bild bekommen habe.

Vielen Dank für die tolle Bilderserie.

Irgendwie hört sich dieser Absatz recht resignierend an. Kann man die Fahrzeuge denn nicht besser bewachen? Wie schafft man das denn in GB (zumindest bei meinen Aufenthalten nie was entdeckt und das in Metropolen).
Das alles wirft halt immer ein schlechtes Bild auf die Eisenbahn und schreckt potentielle Fahrgäste ab.
    
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Entenfang
  Geschrieben am: 1 Oct 2017, 18:35


Lebende Forenlegende


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QUOTE (Lobedan @ 30 Sep 2017, 17:56)
Und wenn sich ein derart kleiner Betrieb für die Erneuerung der Gleise zum Hauptbahnhof solch ein provisorisches Gleis leistet, dann kann es zumindest um die HVZ-Auslastung nicht so schlecht gestellt sein. Ich behaupte, dass viele auch deutlich größere Betriebe in der Situation lieber auf sehr dichten SEV gesetzt hätten.

Ich denke auch nicht, dass die Tram schlecht ausgelastet ist. Samstagnachmittag waren die Fahrgastzahlen allerdings recht überschaubar, Da die Stadt recht weitläufig ist, entsteht zwangsläufig mehr Verkehr und man hätte wohl kaum zur Jahrtausendwende eine 6 km lange Neubaustrecke eröffnet, wenn sie sich nicht rechnet.

---

QUOTE (Jogi @ 1 Oct 2017, 15:49)
**die** Attraktion der Stadt nicht schienengebunden erreicht werden kann: das Bauhaus. Das ist zwar vom Bahnhof aus fußläufig noch gut erreichbar (etwa 1 km)

Ich hatte überlegt, meine "gewonnene" Stunde in einem Spaziergang dorthin zu investieren, mich dann aber für den Einkauf fürs Abendessen entschieden. wink.gif

QUOTE
Das nur zur Ergänzung, dein Fokus liegt verständlicherweise auf der Straßenbahn.

Lag er in der Tat, deswegen sind die Sehenswürdigkeiten auch arg kurz gekommen.

QUOTE
Uhuhuh, der Bauhausstadt langweilige Architktur vorwerfen... biggrin.gif

Ich habe befürchtet, dass der Einwand kommt.

QUOTE
Lange Rede, kurzer Sinn: Auch in Dessau gibt's schöne Ecken. Um sie als Städtetourist zu finden, braucht es einen Stadtplan, viel Zeit und ein gutes Zu-Fuß-Sein.

Da ist es sicher nicht vorteilhaft, dass die Touri-Info am Hbf am Wochenende überhaupt nicht geöffnet hat...

QUOTE
Es geht hoffentlich in Ordnung, wenn ich ein paar Bilder mit einbringe. Wenn nicht, einfach Bescheid geben.

Es geht nicht nur in Ordnung, es ist sogar ausdrücklich erwünscht! Ich will hier doch keinen (Bilder-)Monolog führen und freue mich immer auf Anmerkungen und (gegenteilige) Meinungen. Wie es der Zufall will, habe ich nämlich tatsächlich noch einen weiteren Ausflug mit Fahrrad in die Ecke geplant (Fokus DWE). Da nehme ich mir deine Ratschläge gerne zu Herzen und mit fahrbarem Untersatz sollten die Entfernungen auch kein Problem darstellen.

QUOTE
Und auf weitere Leipzig-Bilder freu ich mich jetzt schon.

Und ich freue mich sehr darauf, die Stadt zu erkunden und Bildermaterial zu produzieren! biggrin.gif

---

QUOTE
Irgendwie hört sich dieser Absatz recht resignierend an. Kann man die Fahrzeuge denn nicht besser bewachen?

Leider gibt es in Leipzig generell ein ziemliches Graffitiproblem und das wird auch bei der S-Bahn nur allzu deutlich. Die DB behauptet, dass es nicht möglich wäre. Warum, weiß ich nicht. Jedenfalls werden gelbe Zettelchen drübergeklebt, auf denen darauf hingewiesen wird, dass es sich um eine Straftat handelt. Irgendwie denke ich ja, dass das genauso viel bringt, als würde man gegen Einbrecher ein Schild "Einbrechen verboten" an die Haustüre hängen...
Jedenfalls werden wohl Strafen für Graffitis ab 48h fällig.

---


Als Nachtrag noch 3 Bilder vom Sommer, als auf der Tramlinie 7 West gebaut wurde und der Umstieg zum SEV am Btf. Leutzsch erfolgte. Die Strecke wird nicht planmäßig vom Linienverkehr genutzt und daher war ich nicht der einzige Fotograf.

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1127 passiert St. Laurentius

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1343 an der Blüthnerstr.

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Nachdem der Ersatzbus die Fahrgäste abgeladen hat, wird 1335 erwartet.

Bearbeitet von Entenfang am 1 Oct 2017, 18:38

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Trapeztafelfanatiker
  Geschrieben am: 1 Oct 2017, 18:55


Haudegen


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QUOTE (Entenfang @ 1 Oct 2017, 19:35)
Leider gibt es in Leipzig generell ein ziemliches Graffitiproblem und das wird auch bei der S-Bahn nur allzu deutlich. Die DB behauptet, dass es nicht möglich wäre. Warum, weiß ich nicht. Jedenfalls werden gelbe Zettelchen drübergeklebt, auf denen darauf hingewiesen wird, dass es sich um eine Straftat handelt. Irgendwie denke ich ja, dass das genauso viel bringt, als würde man gegen Einbrecher ein Schild "Einbrechen verboten" an die Haustüre hängen...
Jedenfalls werden wohl Strafen für Graffitis ab 48h fällig.


Die größten Sprayergruppen sind ja rechte oder linke Extremisten bzw. kriminelle Ultras und da scheint Leipzig leider auch viel Potential zu besitzen.

Sind denn die Strafen für die DB so niedrig? Dem Aufgabenträger ist das dann auch egal?
Man stelle sich den Aufstand vor wenn massenweise Autos besprüht würden.
    
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