Powered by Invision Board
 Willkommen Gast ( Einloggen | Registrieren )

Portal | Board | TV | Kalender | Suche | Mitglieder | Regeln | Impressum | Datenschutzerklärung | Hilfe

Seiten: (4) [1] 2 3 ... Letzte » ( Zum ersten neuen Beitrag ) Antworten | Neues Thema | Neue Umfrage |
[CZ] Ein Jahrhundertsommer in Mähren, ...wenn sogar der T6 vor Hitze stöhnt... [Zur Themenübersicht]
« Älteres Thema | Neueres Thema » Thema abonnieren | Thema versenden | Thema drucken
Entenfang
  Geschrieben am: 4 Apr 2019, 21:23


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Während allmählich der Frühling Einzug erhalten hat, möchte ich einen Blick in den letzten Sommer zurückwerfen, welchen ich mal wieder bei unseren östlichen Nachbarn (mehr oder weniger...) genießen konnte.


Tag 1 Dresden -> Prag -> Brno

Grandioserweise darf ich heute die späteste Klausur meines Lebens schreiben – Begin 16:40 Uhr. Das macht sich natürlich sehr ungünstig, wenn man anschließend noch bis Brno fahren möchte. Der letzte EC verpasst den Anschluss nach Brno um rund eine Viertelstunde, aber mit dem Bus könnte es klappen. Ich buche eine Fahrkarte für Regiojet bis Prag und von dort einen IC.

Dresden Hbf...............Bus Regiojet.......ab 18:35
Praha ÙAN Florenc...............................an 20:30

.................................Metro C..............ab 20:46
Praha hl.n............................................an 20:47

.................................IC 573................ab 21:09
Brno hl.n..............................................an 23:54

.................................N99....................ab 0:00
Klusáckova..........................................an 0:06

Die Reise beginnt an einem schwülheißen Sommertag – und zwar mit Verspätung. Kurz vor der planmäßigen Abfahrtszeit trudelt eine Mail ein. Mein Bus hat +20. Nach einer Viertelstunde nähert sich ein gelber Bus. „Information for passengers: This ist the delayed 5:35 bus. The next bus is behind us!“ Eine ältere Frau fuchtelt mit einer Fahrkarte herum. „We are not Flixbus! We are Regiojet“, ruft der Busbegleiter und deutet irgendwohin.

Keine fünf Minuten später rollt dann der richtige Bus heran. Mein Koffer kriegt einen Aufkleber und ich steige ein. Der Komfort ist deutlich besser als im Flixbus und der Sitzabstand angenehm groß. Es gibt ein Entertainment-System und funktionierendes WLAN. Außerdem ist ein Heißgetränk pro Fahrt im Preis inbegriffen. Für Wasser muss man dagegen zahlen und während der Fahrt verkauft die freundliche Busbegleiterin einige Flaschen zu je 50 Cent.
Eine Besonderheit von Regiojet sind die über das Maß der gesetzlichen hinausgehenden Fahrgastrechte. Je nach Verantwortungsbereich und Länge der Fahrt gibt es unterschiedliche Erstattungsquoten. Im internationalen Eisenbahnverkehr gelten aber nur die gesetzlichen Fahrgastrechte. Dazu passt auch ein sehr großzügiges Umtauschrecht - meine Fahrkarte hätte ich bis 15 Min. vor Abfahrt zurückgeben und zu 100% erstatten lassen können.

Dass wir in Dresden mit +23 starten, ist schonmal ungünstig. Damit ist mein Puffer in Prag vollständig aufgezehrt. Völlig reibungsfrei verläuft die Fahrt in den Sommerabend. Glücklicherweise sinkt die Verspätung bis Prag auf +10, womit ich ganz entspannt zum Bahnhof fahren kann.
„Ukoncete prosím výstup a nástup, dvere zavírají!“

Dumdodedim. Važení cestujici! …
user posted image


Mein IC füllt sich kurz vor der Abfahrt doch noch ziemlich und startet pünktlich nach Osten. Das letzte Licht des Tages verschwindet, während Prag zurückbleibt. Vor Kolín bleiben wir 10 Min. auf der Strecke stehen, weil wegen Baustelle nur ein Gleis zur Verfügung steht.
Auf dem Bahnsteig irren ein paar Halbstarke umher und wedeln mit einem Papier herum. Aber offensichtlich ist das nicht der richtige Zug und sie bleiben zurück, als sich der Zug wieder in Bewegung setzt. Zisch. Mit einem Ruck kommen wir keine 10 Meter weiter nach einer Zwangsbremsung zum Stehen.
Selbiges passiert am nächsten Halt, wo sich das Abteil erneut füllt. Abgesehen von einem mittelalten Mann, der bereits die ganze Fahrt am Laptop arbeitet, gesellen sich nun auffällige Zeitgenossen dazu. Ein junger Mann, Mitte 20. Er trägt ein weißes Hemd, eine weiße Hose mit roten Hosenträgern und hat sich eine große Brille in den Kragen gesteckt. Die Haare sind nach oben gegelt.
Neben ihm sitzt ein rund 40 Jahre alter Mann mit Sonnenbrille, rotem Poloshirt von Lacoste und ebenfalls einer weißen Hose. Es stopft lustlos ein abgepacktes Sandwich rein, was er angesichts seines deutlich sichtbaren Übergewichts eigentlich nicht tun sollte.
Zur Truppe gehört noch ein sehr stark übergewichtiger Mann um die 50 mit weißem T-Shirt und Jeans sowie eine Frau um die 40, die ein kleines Kind in den Armen hält.
Um das Klischee zu vervollständigen, hört der junge Mann Rapmusik auf seinem Handy. Bald steckt er Kopfhörer in das Gerät und die Musik verstummt.
Der Tf fährt an den folgenden Bahnhöfen immer gaaaanz sachte an und es gibt keine weiteren Zwangsbremsungen. Allerdings holen wir auch keine Verspätung auf, sodass es um meinen Anschluss zum Nachtbus düster aussieht.

Die Fahrt schreitet voran, die Zub geht durch und erklärt etwas. Ich verstehe nur irgendwas von Lok. Der mittelalte Mann mit Laptop fragt mich, ob ich verstanden hätte. Dann erklärt er mir auf Englisch, dass wir eine Ziege überfahren haben und einen zusätzlichen Halt in Brno-Reckovice einlegen würden. Für Ziele im Norden der Stadt wäre es evtl. günstiger, dort auszusteigen. Lohnt sich für mich eigentlich nicht. Wir kommen ins Gespräch und als ich Dresden erwähne, stellt sich heraus, dass er in Tübingen studiert hat.
Wir quatschen über alles Mögliche. Er merkt an, dass die Zigeunerfamilie sehr amüsant war. Bald kommt eine weitere Durchsage. Der Mann übersetzt für mich. Der Zug würde doch nicht in Brno-Reckovice halten. Die können sich aber auch nicht entscheiden…
Er ist der Meinung, Bahnfahren wäre ein Vielfaches entspannter als mit dem Auto oder Bus zu fahren. Derzeit würde man wegen Bauarbeiten oft ewig im Stau stehen.
Tut man in der Bahn aber auch…

Bald folgt noch eine Durchsage. In Brno-Reckovice würde die Feuerwehr kommen, um die Reste der Ziege zu entfernen. Er schiebt noch hinterher, dass er überhaupt nicht nachvollziehen könne, warum wir das jetzt hier während eines außerplanmäßigen Haltes machen müssten. Man könne doch noch bis zum Endbahnhof Breclav fahren, wo es ohnehin ein Betriebswerk gibt. Mal wieder fällt auf, wo der Unterschied zwischen dem Wissen eines Durchschnittsfahrgastes auf deutscher und auf tschechischer Seite liegt…

Jedenfalls halten wir an. Jemand steigt aus, weil ja die Türen in Tschechien automatisch unter 3 km/h freigegeben werden. „Nicht aussteigen!“, ruft die Zub. Wir stehen irgendwo bahnsteiglos in der Gegend herum. Die ganze Aktion dauert rund 10 Minuten, dann wird die Fahrt fortgesetzt. Neben dem Zug steht ein Feuerwehrwagen mit eingeschaltetem Blaulicht.

Mit +28 endet meine heutige Fahrt. Der Mann meint, er wäre sehr glücklich darüber, nur 20 Minuten bis nach Hause laufen zu müssen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass Tschechen auch bereit sind, deutlich längere Fußwege zu Haltestellen in Kauf zu nehmen. Ich verspüre jedenfalls überhaupt keine Lust, über 30 Minuten auf den nächsten Nachtbus zu warten. Daher schnappe ich das nächste Taxi. Die Fahrt über rund 3 km kostet mit 150 Kronen wesentlich mehr als der Fahrschein Prag – Brno (255 km; 109 CZK) für Studenten mit IN 25 (Anm.: Seit 1.9.18 gibt es mit ISIC 75% Rabatt). Ich stottere irgendwas auf Tschechisch zusammen und als mal wieder Dresden fällt, meint der Taxifahrer nur: „Wir können auch Deutsch sprechen. Ich habe Freunde in Weißwasser.“
Auch am Empfang im Wohnheim werde ich auf Englisch begrüßt, ganz anders als ein Jahr zuvor in Budweis. Ich habe den Eindruck, dass in Brno Fremdsprachen wesentlich häufiger gesprochen werden als in Südböhmen.


--------------------
Umstellung der Linie 22 (als Linie 29) auf Takt 10 aber mit größeren Fahrzeugen (moderate nachfragegerechte Kapazitätsreduzierung) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2019

Lichtzeichenanlage (LZA): Beleuchtungsanlage, die der Verkehrsregelung dient (ugs. Verkehrsampel) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2020
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 5 Apr 2019, 17:06


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Tag 2

Nun teile ich mir mein Zimmer also mit einem Chinesen. Ich finde es aber höchst ungewöhnlich, dass er Tschechisch lernt. Er studiert irgendwas mit Sprachen und wird nächstes Jahr auch noch Deutsch anfangen. Daher fragt er mich, wie man denn jemanden auf Deutsch begrüßt. Er möchte damit seinen künftigen Deutschlehrer überraschen.

Das Studentenwohnheim lässt sich am besten so beschreiben: Von außen sieht es ganz hübsch aus, von innen ist es original sozialistischer Stil. Abgesehen vom Internetanschluss und den Möbeln wurde hier in den letzten 30 Jahren wohl nichts mehr geändert.
Und es ist sehr heiß im Gebäude. Dass mein Zimmer im 12. und höchsten Stock liegt, tut wohl sein Übriges. Bei 30° fällt der Schlaf nicht leicht.
Doch beim Blick vom Balkon ist manch widriger Umstand wieder vergessen. Direkt unter dem Gebäude fährt die Tramlinie 12 sowie zwei Obuslinien vorbei. Nur das blöde Taubennetz macht sinnvolle Bilder unmöglich.
50708

Auch der Wohnheimtutor sowie die Mitarbeiter an der Uni sprechen fließend Englisch, wow. Auch das war letztes Jahr ganz anders.
Frühstück gibt es in der Mensa, es ist das übliche Bild. Frische Backwaren, sehr guter Kuchen, bisschen Müsli und die grauenhafte, von kleinen Plastikverpackungen umgebene Pampe namens Marmelade. In großen roten Buchstaben wird darauf hingewiesen, dass man bei der Essensausgabe unbedingt seine Vegetariermarke mitnehmen soll, sonst würde man kein vegetarisches Essen erhalten. Ahja. Würde mich jetzt aber doch interessieren, warum man als Fleischesser nicht auch mal etwas Abwechslung haben darf?

Ich setze mich eine Stunde auf den Balkon und beobachte den Verkehr zu meinen Füßen. Brno besticht durch einen außerordentlich bunten Fahrzeugpark bei allen Verkehrsmitteln. Auf der Rückfahrt zur Uni mache ich mich gleich unbeliebt, indem ich eine Fahrkarte beim Fahrer kaufe. Dieser muss erstmal in seinem Rucksack kramen, um die Kasse ans Tageslicht zu befördern. Aber ich möchte halt eine Fahrkarte vom Block und die bekommt man in Tschechien oft beim Fahrer.
Trotz der unbarmherzigen Hitze starte ich nach dem Mittagessen einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt.
user posted image

1936 als Vertreter der modernsten Generation von Škoda 13T zwischen Grohova und Ceská
user posted image

Sitz der Bezirksregierung
user posted image


Ärgerlicherweise sind während meines gesamten Aufenthalts Sommerferien, damit ausgedünnter Takt und viele, viele Baustellen.
user posted image

Es fährt quasi keine Straßenbahnlinie auf ihrem Regelweg. Stattdessen wird munter mit Rangierer zurückgesetzt und irgendwelche Baustellenlinien fahren durch die Gegend.
user posted image

Am meisten ärgert mich, dass die Strecke mitten durch die Innenstadt außer Betrieb ist. Hier würden sich sicher einige nette Motive ergeben, z.B. am Námestí Svobody, welcher geschichtlich stark durch sowjetische Propaganda belastet ist.
user posted image

user posted image

In Brno sehr zahlreich vertreten sind die kleinen Kaffeewagen.
user posted image

Immer, wenn Namen dekliniert werden, wird’s lustig.
user posted image

Vorsicht, Tram!
user posted image
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 5 Apr 2019, 17:07


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Ich entdecke einen Bauernmarkt auf dem Zelný trh und versorge mich mit Essbarem fürs Abendbrot.
user posted image

Auch beim Metzger und im Käseladen sind die Verkäufer sehr geduldig, während ich um die richtigen Worte ringe.

Nachmittags starte ich dann durch. Die Monatskarte will doch genutzt werden. Die Hitze macht mir zu schaffen, denn auch die Neufahrzeuge sind nicht klimatisiert.
Ein Zweirichtungswagen KT8D5 in der Wendeschleife am Mendlovo námestí, im Hintergrund thront die Burg Špilberk über der Stadt
user posted image

Ein Škoda 03T am Mendlovo námestí
user posted image

Innenraum der gerade einmal 20 m langen, 50% niederflurigen Bahnen, auch unter Anitra oder Astra bekannt
user posted image

1808 unweit des Nemocnice u sv. Anny
user posted image

Erst bin ich in Zentrumsnähe unterwegs und lege dann einen Zwischenstop in einer Cukrárna ein. Ein klimatisierter Raum, welch Wohltat…

Wer früher mit der Netzbefahrung startet, kommt eher ans Ziel. Zuerst ist der Südast der Linien 6 und 8 dran. Die Trasse in das Plattenbauviertel Bohunice ist der großzügig stadtbahnmäßig trassiert.
Treffen von modernisiertem und unmodernisiertem Tatra an der großzügigen Streckentrennung bei Celní
user posted image

Höhenfrei quert die Linie 8 die stark befahrene Vídenská
user posted image

Der dichte Takt vieler Linien (Takt 5 ganztägig während der Schulzeit, während meines Aufenthalts in den tschechischen Sommerferien oft nur 7/8) ermöglicht häufig mehrere Bahnen auf einem Bild.
user posted image

1569 als Vertreter der Generation der Begierde am Krematorium
user posted image

Weit verbreitet in Brno sind die Bedarfshaltestellen abhängig von Zeit und Tag.
user posted image

Hintergrund: In Tschechien wird im Allgemeinen bei Bus und Tram zwischen Bedarfs- und normalen Haltestellen unterschieden. An normalen Haltestellen wird stets gehalten, unabhängig davon, ob jemand gedrückt hat oder wartet. An Bedarfshaltestellen wird nur nach Betätigen der Haltewunschtaste oder auf Winken eines wartenden Fahrgasts gehalten. Im gezeigten Beispiel ist die Haltestelle nur werktags zwischen 20 und 5 sowie am Wochenende eine Bedarfshaltestelle.
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 5 Apr 2019, 17:07


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Wie in Starý Liskovec sieht fast jede Endhaltestelle in Tschechien aus – Fahrzeuge verschiedener Bauarten warten ihre großzügige Wendezeit in großzügigen und mehrgleisigen Schleifen ab.
user posted image

Die schlechte Sicht bei der Einfahrt hat wohl schon zu manchem Auffahrunfall geführt
user posted image

Mit 1539 an der Spitze ist eine Dotra VarioLF unweit der Station Osová zu sehen.
user posted image

Die teilweise kompletten Neubauten, teilweise mit Bauteilen aus Spenderfahrzeugen hergestellten Bahnen stammen von Pragoimex, einem Nachfolgeunternehmen von ČKD Tatra. Je nach Typ beträgt ihr Nf-Anteil 1/3 bis 1/2. https://de.wikipedia.org/wiki/Pragoimex_Vario_LF

In leicht abweichender Perspektive begegnet mir 1923.
user posted image

Weiter geht es im Obus, welcher für die topografisch sehr anspruchsvollen Strecken durch eher weitläufige Siedlungen sicher eine gute Wahl darstellt.
user posted image

Nur die SOR-Busse kann ich nicht leiden. Die Hartplastik-Bestuhlung ist nicht nur extrem unbequem, sondern man rutscht auch ständig vom Sitz.
user posted image

Dann doch lieber die Škoda 14Tr, hier an der Stamicova
user posted image

Mit Schwung saust der Obus über leere Straßen entlang der Hügelkette, um dann am bereits bekannten Mendlovo Námestí zu enden. Jetzt bin ich erschöpft und stärke mich erstmal mit den eingekauften Lebensmitteln.
Da im Wohnheim empfohlen wird, das Leitungswasser nicht zu trinken, habe ich mir Mineralwasser gekauft. Die dritte Anderthalbliterflasche ist bereits geleert. Glücklicherweise ist der Billa direkt gegenüber, sodass ich das Wasser nicht weit schleppen muss.
Das wunderschöne Wohnheim von unten
user posted image

Die Fenster im Flur lassen sich zwar nicht öffnen, doch der Blick über die aufziehenden Gewitterwolken in der Innenstadt ist dennoch fotowürdig.
user posted image


--------------------
Umstellung der Linie 22 (als Linie 29) auf Takt 10 aber mit größeren Fahrzeugen (moderate nachfragegerechte Kapazitätsreduzierung) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2019

Lichtzeichenanlage (LZA): Beleuchtungsanlage, die der Verkehrsregelung dient (ugs. Verkehrsampel) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2020
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 7 Apr 2019, 00:03


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


QUOTE (Entenfang @ 5 Apr 2019, 17:06)
Direkt unter dem Gebäude fährt die Tramlinie 12 sowie zwei Obuslinien vorbei. Nur das blöde Taubennetz macht sinnvolle Bilder unmöglich.

Von gestern vorenthalten:
user posted image

Tag 3

Die Hitze ist einfach unerträglich. Genauso wie wir uns in China nach warmen Orten gesehnt haben, suche ich jetzt nach kühlen. Bereits in der Mittagszeit ziehen in der Nähe Gewitter durch, sodass es heute draußen kühler bleibt als in der Uni und in meinem Zimmer.
T3 zwischen Grohova und Ceská
user posted image

Dunkle Wolken über der Stadt, als Randerscheinung verlässt ein T3 die Haltestelle Nerudova
user posted image

Unter dem Wohnheim treffen sich ein Škoda 21 Tr und ein 13T
user posted image

Kleiner Spaziergang durch die Innenstadt:
Torblick zum Kostel sv. Jakuba
user posted image

In den Hausdurchgängen verstecken sich einige Kneipen und Cafés
user posted image

Blick zum Dominikanerkloster
user posted image


Die Müdigkeit wird mit einem Kaffee vertrieben und ich nehme den nächsten Obus. Der Hochflurer quietscht und ächzt zwar, ist aber dennoch aufgrund der weich gepolsterten Kunstledersitze wesentlich bequemer als das neumodische Plastikglump.
Ich schaue nach, was sich an der Haltestelle mit dem Namen Anthropos verbirgt – es ist ein Geschichtsmuseum.
user posted image

Anschließend suche ich die nahegelegene Tramhaltestelle auf.
user posted image

Nur die modernisierten Tatras haben ein Warnschild gegen Überklettern der Kupplung.
user posted image

Die Halteposition befindet sich an der Zufahrt zum Betriebshof…
…und da kommt auch schon der Wachmann aus seinem Häuschen. Ich frage, ob das hier nicht die Haltestelle wäre. Nein, es sieht nicht nur so aus, wie die Betriebshofzufahrt, es ist auch die Betriebshofzufahrt. Es ist die Ausstiegshaltestelle für einrückende Fahrzeuge, die aber nicht wie in München generell für Fahrgäste freigegeben sind. Sie sind auch nicht vollständig im Fahrplan eingetragen.
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 7 Apr 2019, 00:04


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


user posted image

user posted image

Stadtbahnmäßig ausgebaut ist die korrekte Haltestelle der Linie 1. Die HVZ ist bereits zu Ende und T3 stehen in Reih und Glied. Einige Fahrzeuge rücken noch ein und anhand des Rangiertempos ist es nicht zu übersehen, dass die Fahrer gleich Feierabend haben.
user posted image

Halt am Mendlovo namestí
user posted image

Am liebsten mag ich die K2, weil sie von außen aussehen wir T3, im Inneren aber eine 2+1-Bestuhlung haben, was die Chance auf einen Sitzplatz verglichen mit der 1+1-Bestuhlung im T3 deutlich erhöht.
user posted image

Da kommt wieder der Hochflurkurs zurück und ich nehme ihn auch gleich. Die Anzahl der Škoda 15Tr-Gelenker ist leider sehr gering. In atemberaubendem Tempo rauscht der Obus bergauf.

Bei wechselnder Bewölkung fallen ein paar Tropfen und es wird ein halbwegs erträglicher Abend, den ich zur Auskundschaftung der Erhebung um die Burg Špilberk nutze. Da sollten sich doch in den nächsten Tagen und Wochen noch ein paar Motive umsetzen lassen.
user posted image

user posted image

Blick nach Südwesten, im Vordergrund die Bazilika Nanebevzetí Panny Marie
user posted image

Meine gestrige Tour hat mich mit Tram und Obus über den Höhenzug im Hintergrund geführt – der Obus kann hier seine Vorteile klar nutzen.

Blick nach Nordosten zum Kostel sv. Jakuba
user posted image

Der Blick nach Süden beinhaltet auch den AZ Tower, mittig im Bild. Man hört oft, dass der 2013 fertiggestellte Wolkenkratzer mit 111 m das höchste Gebäude in Tschechien ist – stimmt aber nicht. Der Fernsehturm Žižkov in Prag ist mit 216 m deutlich höher.
https://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Fernsehturm
user posted image
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 7 Apr 2019, 00:04


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Im Osten wartet das markanteste Gebäude Brünns auf die Entdeckung – die weithin sichtbare Kathedrale St. Peter und Paul.
user posted image

Die Abendsonne spiegelt sich in den Fensterscheiben der Plattenbauten
user posted image

Mendlovo namĕstí aus der Vogelperspektive
user posted image

Auf dem Rückweg bleibe ich unweit der Tramhaltestelle hängen. Drei Studenten spielen Cello und es hat sich ein kleiner Kreis Zuhörer gebildet. Die Trambahnen geben mit dem Rumpeln über die Weichen einen ganz eigenen Takt an.
Ding. Zastávka Ceská. Diüiüiüiüiüiüiüiüiüdonk. Wuiiiiiiiiiiii.
Auch das Klingeln der Bahnen wirkt irgendwie sehr barsch.




--------------------
Umstellung der Linie 22 (als Linie 29) auf Takt 10 aber mit größeren Fahrzeugen (moderate nachfragegerechte Kapazitätsreduzierung) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2019

Lichtzeichenanlage (LZA): Beleuchtungsanlage, die der Verkehrsregelung dient (ugs. Verkehrsampel) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2020
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 7 Apr 2019, 20:11


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Tag 4

Viel passiert heute nicht. Ich suche einen Fahrradverleih auf, um mich mit dem passenden Gefährt für die geplanten Ausflüge auszustatten. Und passend bedeutet vor allem: mit Elektrounterstützung. Beim Preis von 800 Kronen für 5 Tage kann man nun wirklich nicht meckern, zumal die (ziemlich bescheidenen) Fahrräder letztes Jahr ganz ohne Elektrounterstützung mehr gekostet haben. Obwohl wir uns irgendwo weiter außerhalb befinden, sprechen beide Mitarbeiter perfekt Englisch. Gefühlt sprechen hier alle Englisch, außer den Lehrern im Sprachkurs. Die deutsche Übersetzung durfte ich heute ein paar Mal für die nicht des Deutschen mächtigen Studenten wieder ins Englische übersetzen.

Abends mal wieder Gewitter, doch es will einfach nicht dauerhaft abkühlen.


--------------------
Umstellung der Linie 22 (als Linie 29) auf Takt 10 aber mit größeren Fahrzeugen (moderate nachfragegerechte Kapazitätsreduzierung) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2019

Lichtzeichenanlage (LZA): Beleuchtungsanlage, die der Verkehrsregelung dient (ugs. Verkehrsampel) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2020
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 8 Apr 2019, 17:29


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Tag 5 Mährische Karsthöhlen

Ich gehe den Tag gemütlich an und sause zum Bahnhof. Mhm, bei der Dimensionierung des Aufzugs hat jemand nicht mitgedacht, denn das Fahrrad passt nicht rein. Zum Gewicht des Pedelecs sage ich lieber nichts. Ein tschechisches Pedelec ist bisschen anders als ein Deutsches und würde wohl so bei uns nicht mehr als Fahrrad durchgehen. Denn die Motorunterstützung startet erst einige Sekunden zeitverzögert, läuft aber auch ein paar Sekunden länger, als man in die Pedale tritt.

user posted image
Auf mich wartet ein Regiopanter und ich gebe zu, ich bin darüber nicht mal unglücklich. Auch heute ist wieder mit 30° zu rechnen und das ist nun die zweite Gelegenheit in fünf Tagen, mich in einem wohltemperierten Raum zumindest für eine halbe Stunde aufzuhalten. Aus einem mir nicht bekannten Grund kann ich die Rückfahrkarte für das Fahrrad nicht am Schalter in Brno erwerben, zumindest erklärt mir der Mitarbeiter, ich müsse diese im Zug kaufen.

Eine knappe halbe Stunde später erreiche ich Blansko. In Wenige Minuten später rauscht auch schon ein Regiojet Richtung Prag durch. Auf einem großen Werbeplakat ist zu lesen, dass man mit Regiojet morgens nach Prag und abends wieder zurückfahren kann – schon ab 79 Kronen und eine halbe Stunde schneller als mit dem Rychlík der CD.
Eine kurze Stichprobe ergibt, dass es in Blansko täglich genau eine Abfahrt frühmorgens nach Prag und abends aus Prag gibt. Zu dieser Zeit verkehrt kein R, sodass man hier sicher von einer sinnvollen Ergänzung des Angebots sprechen kann. Die kürzere Reisezeit kommt übrigens dadurch zustande, dass der Regiojet weniger Halte einlegt und nur sehr kurz bis maximal 1 Minute hält, während der R rund um die halbe und volle Stunde ein paar Minuten Aufenthalt hat.
In der Fahrplanauskunft der DB sind die Regiojet-Züge übrigens unter der Kategorie IC zu finden, bei der CD überhaupt nicht. Am Bahnhof in Tschechien werden sie unter dem Kürzel RJ angezeigt, nicht zu verwechseln mit dem Railjet, welcher als rj angezeigt wird.

user posted image
Alle nehmen den verbotenen Weg über die Gleise, also mache ich das auch, um mir das Schleppen zu ersparen. Die Fotostelle liegt übrigens auf einem Anschlussgleis, das offiziell gar kein öffentlicher Weg ist, aber der einzige Zugang zu einem kleinen See, der sich angesichts des Wetters großer Beliebtheit erfreut.

Mein Weg führt mich zunächst entlang einer Landstraße in ein Seitental, geprägt durch riesige Fabrikhallen. Aus dem Bahnhof Blansko führt ein Anschlussgleis dorthin, doch es ist komplett zugewachsen. Innerhalb des Firmengeländes scheint aber noch regelmäßig ein Inselbetrieb stattzufinden, denn die Schienen sind blank und eine Rangierlok wartet auf ihren nächsten Einsatz.

Für die Katerinská jeskyne, die mit Abstand bekannteste und wohl auch spektakulärste Höhle, muss man im Sommer lange im Voraus Eintrittskarten reservieren. Ich versuche es erfolglos zwei Tage vorher für einen Werktag. Stattdessen starte ich mit der Katerinská jeskyne. Gott sei Dank bin ich bei der Recherche zuvor darauf gestoßen, dass man in der Höhle ganzjährig mit angenehm kühlen 8° rechnen muss und ich habe mich mit Pulli und Jacke entsprechend darauf vorbereitet. Als der Führer die Zugangstür öffnet, strömt Luft wie aus dem Kühlschrank heraus. Zwei Deutsche in Flipflops kommentieren das mit den Worten „Zum Glück haben wir nur die 40-minütige Tour gewählt.“
user posted image

Die Topfsteinhöhlen sind nicht nur durch die stimmungsvolle Beleuchtung ein echter Hingucker, sondern bieten auch eine hervorragende Akustik. Die Höhle wird auch für Konzerte genutzt. Es gibt während der Besichtigung eine Hörprobe, die vielversprechend klingt.
user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

user posted image
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 8 Apr 2019, 17:30


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Anschließend fahre ich ganz entspannt durch den Wald bergauf, um den Blick in die Macocha-Schlucht zu werfen.
user posted image

user posted image

Weiter geht es über Felder zur Jeskyne Balcarka. Auch hier gibt es eine Hörprobe und dazu passend geschaltete Scheinwerfer, welche die Höhle ins rechte Licht rücken.
user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

Über eine Obstbaumallee fahre ich auf einer Landstraße, der Duft nach reifen Pflaumen begleitet mich. Anschließend führt mich der Weg durch ein schattiges Tal zurück. Mein Pedelec zieht immer wieder neugierige Blicke auf sich. Im Gegensatz zu Deutschland ist ihr Anblick hier sehr ungewöhnlich und selten. Inzwischen sind sämtliche Touribuden geschlossen und es ist Ruhe eingekehrt – die Ruhe vor dem Sturm. Vieles deutet darauf hin, dass ein Gewitter aufzieht. Ich trete kräftig in die Pedale und zusammen mit Rückenwind, Gefälle und Elektrounterstützung bin ich deutlich schneller am Bahnhof als erwartet und erwische einen Zug früher als geplant. Er steht gerade auf dem Überholgleis, bald darauf rauscht ein Regiojet vorbei.
Dieses Mal also ein Altwagen. Ich reiße das Fenster auf. Bald setzt sich der Zug unter dem Heulen des Elektromotors in Bewegung. Es donnert und die ersten Tropfen fallen. Angesichts des schwülheißen Tages mache ich mir um die Nässe keine Sorgen und lasse den Fahrtwind die Regentropfen in mein Gesicht treiben.

Mach das Radio an und dreh richtig laut auf…

Der Zug windet sich entlang der Svitava durch ein bewaldetes Tal.

…wir fahren durch den Sommerregen…

Mit ohrenbetäubendem Kreischen hält der Zug am nächsten Halt.
user posted image

Pfeif. Rumms. Heul.

…der Sonne entgegen…

Wuuuuuuuusch. Durch einen Tunnel.

...mach das Radio an!

Wuuuuuuuusch. Wuuuuuuuusch. QUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIETSCH.
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 8 Apr 2019, 17:31


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Ich steige schon in Brno-Židenice aus. Gerade regnet es ziemlich heftig und ich nutze die Gelegenheit, ein paar Bilder im sozialistischen Bahnhof zu machen.
user posted image

Im Blockabstand rollen die Güterzüge zum Gbf Malomerice. Bis der Zug weiterfährt, vergehen einige Minuten. Dann gibt es ein Ersatzsignal.
user posted image

user posted image

Auch die nächsten beiden Züge fahren auf Ersatzsignal. Dank Taktknoten in Brno ist dann erstmal Ruhe. Der Regen hat sich beruhigt und ich fahre zurück zum Wohnheim. Nach der heutigen Tour stärke ich mich mit gefüllten Knödeln, weil Svicková ärgerlicherweise aus ist.


--------------------
Umstellung der Linie 22 (als Linie 29) auf Takt 10 aber mit größeren Fahrzeugen (moderate nachfragegerechte Kapazitätsreduzierung) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2019

Lichtzeichenanlage (LZA): Beleuchtungsanlage, die der Verkehrsregelung dient (ugs. Verkehrsampel) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2020
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 9 Apr 2019, 21:17


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Tag 6

Der Morgen ist noch erträglich, aber die Temperatur steigt schon wieder viel zu schnell.
user posted image
1931 zwischen Grohova und Ceská

user posted image
1820 auf der Baustellenlinie x14 ebendort

user posted image
Fassade

user posted image
Unterwegs mit einem Škoda 13T


Ich habe die Aufgabe bekommen, einen 5-minütigen Vortrag zur VDE 8 auf Tschechisch zu halten. Mal sehen, was dabei rauskommt…


Gegen Abend starte ich eine Fahrradtour zum Brnenská prehrada, einem Stausee am nordwestlichen Stadtrand. Hmm, so viele Oberleitungen wie ich passiere, habe ich noch ganz schön was zu tun…
user posted image

user posted image
3039 und 3037 in der Wendeschleife Komín, sídlište

user posted image
1078 an der Haltestelle Prístavíšte

user posted image
VarioLF unweit Prístavíšte

--------------------
Umstellung der Linie 22 (als Linie 29) auf Takt 10 aber mit größeren Fahrzeugen (moderate nachfragegerechte Kapazitätsreduzierung) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2019

Lichtzeichenanlage (LZA): Beleuchtungsanlage, die der Verkehrsregelung dient (ugs. Verkehrsampel) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2020
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 9 Apr 2019, 21:17


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Es geht ständig bergauf und bergab und ich bin wirklich froh, dass mir das Fahrrad leise säuselnd Unterstützung leistet.
user posted image

Die Fähren auf dem Stausee zählen zwar als gewöhnliches ÖV, haben aber einen besonderen Tarif.
user posted image

user posted image

An einem ruhigen Plätzchen warte ich die blaue Stunde ab, ehe ich die Rückfahrt antrete. Entlang der Svitava gibt es einen gut ausgebauten Radweg, der sich weitgehend behinderungsfrei befahren lässt. Aber zwischendrin ist unerwartet eine ziemlich böse Steigung drin, die mich zu einem Aussichtspunkt hoch über den Dächern der Stadt führt. Allerdings trüben die Äste den Blick. Auf dem Weg zum Bahnhof startet eine Frau ein Wettrennen – vermutlich fühlt sie sich durch mein Pedelec herausgefordert. Obwohl sie sich wirklich anstrengt, schafft sie es aber nicht an mir vorbei.

Ich kaufe schon mal die Fahrradkarten für den morgigen Ausflug, den Rest erledige ich noch online. Man kann wohl getrost von perfektem Timing sprechen, denn die Blitze in der Ferne waren keine leere Drohung. 10 Minuten nachdem ich den Akku an der Steckdose habe, schüttet es.

Mein chinesischer Mitbewohner legt sich heute zeitig hin, denn er hat sich für das Ausflugspaket nach Prag entschieden. Der Bus fährt bereits um 6:00 Uhr ab. Ich könne das Licht aber ruhig anlassen. Er wäre das gewohnt, würde er doch in Peking mit 7 anderen in einem Zimmer wohnen und irgendjemand geht immer später schlafen oder steht früher auf.


--------------------
Umstellung der Linie 22 (als Linie 29) auf Takt 10 aber mit größeren Fahrzeugen (moderate nachfragegerechte Kapazitätsreduzierung) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2019

Lichtzeichenanlage (LZA): Beleuchtungsanlage, die der Verkehrsregelung dient (ugs. Verkehrsampel) - Aus dem MVG-Leistungsprogramm 2020
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 10 Apr 2019, 22:07


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


Tag 7 Von Rožnov pod Radhoštem nach Frenštát pod Radhoštem

Nach einer angenehmen Nachtruhe starte ich gegen halb 11 zum Bahnhof. Dann heißt es mal wieder Fahrrad schleppen, Treppe runter, Treppe rauf, in den Wagen reinhieven. Das macht mit dem Pedelec irgendwie keinen Spaß.

Egal, immerhin mal wieder eine Stunde in einem klimatisierten Raum. Alleine das ist die Bahnfahrt schon wert. In meinem Abteil sitzt eine Mutter mit ihrem vierjährigen Sohn und eine ältere Frau, vielleicht seine Oma. Plötzlich wird ein Plastiktopf ausgepackt und Sohnemann verrichtet sein Geschäft im Abteil. Anschließend verschwindet die Mutter mit dem Gefäß, um es zu reinigen.
Oma packt Süßigkeiten aus und beißt genüsslich von einem Schokoriegel ab. Der junge leckt sich schon die Lippen, doch Oma sagt nur, er müsse auf die Mama warten, die noch nicht zurückgekehrt ist. Wie schwer ihm seine Zurückhaltung fällt, ist nur allzu offensichtlich. Doch Oma vertröstet ihn weiterhin und beißt erneut in den Riegel.
Die Strecke führt zunächst zweigleisig, dann teilweise eingleisig und mit stark geschwungener Trassierung durch das leichte Hügelland. Eine Streckenbegradigung ist in Bau.

Als die Mama endlich nach fast 10 Minuten wiederkommt, kriegt er ein Menthos. Der Junge turnt herum, von einem Sitz auf den anderen, Armlehne ausklappen und wieder hochklappen. Wenn er es zu bunt treibt oder den Deckel des Abfalleimers scheppernd zuschlägt, ermahnt die Mutter streng. Dann wird das Feuerwehrauto ausgepackt und mit Schwung über den Tisch geschoben. Nur der ausgestreckte Arm der Oma verhindert den Absturz der Feuerwehr in die Tiefe. Bald ist die Menthospackung leer.
Irgendwann wird das zu langweilig und das Feuerwehrauto wird wieder verstaut. Stattdessen krabbelt er unter dem Tisch herum und kommt auf den Gedanken, dass es eine grandiose Idee sein könnte, Oma mit der flachen Hand an das Bein zu hauen. Nach strengen Worten schlägt die Mutter ebenso zu – irgendwo muss der Sohn es ja gelernt haben.

Ein paar verirrte Tropfen schlagen gegen das Fenster und bald sind es Sturzbäche. 5 Minuten später ist das Spektakel schon wieder vorbei und ich verlasse den Zug pünktlich in Hranice.
user posted image

user posted image

Saunaluft schlägt mir entgegen. Weiter geht’s im rustikalen Triebwagen, der nach Warten auf Anschluss mit +5 abfährt. Heiße Sommerluft strömt durch die Fenster, in der Ferne türmen sich Gewitterwolken auf.
user posted image

user posted image

Relativ zügig fährt der Triebwagen über die gut ausgebaute zweigleisige Strecke, ehe es nach einer halben Stunde in Valašské Meziřící Zeit für einen weiteren Umstieg ist. Nun wartet ein Regioshark für die letzten 13 km auf mich.
user posted image

user posted image

Bei dem gemütlichen Tempo ist es wenig verwunderlich, dass dafür nochmal 20 Minuten draufgehen. Nach knapp 3h Fahrt erreiche ich das Ziel pünktlich.

Die Nebenstrecke ist stark nachgefragt und nach einer Kurzwende verschwindet der Hai wieder gut gefüllt in Gegenrichtung.
user posted image

user posted image

Ich suche das Freilichtmuseum auf, in dem fleißig gewerkelt, gehämmert und musiziert wird. Erfreulicherweise sind die Preise hier nicht außerordentlich hoch, obwohl es ein beliebtes Ziel ist.
user posted image

user posted image
    
     Link zum BeitragTop
Entenfang
  Geschrieben am: 10 Apr 2019, 22:08


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 5237

Alter: 25
Wohnort: München


user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

user posted image

Aussichtsturm…
user posted image

…mit Ausblick
user posted image


Man könnte noch viel mehr besichtigen, aber ich wollte ja noch den nächsten Bergkamm überqueren. Dank Elektrounterstützung sause ich ganz entspannt die Straße hinauf, die zwischen einigen verstreuten Häusern ansteigt. Im Wald wird es dann deutlich steiler. Kurz vor dem Scheitel nimmt die Steigung stetig zu und ist bald so groß, dass ich selbst im kleinsten Gang trotz Unterstützung nicht mehr hochkomme. Dieser ausgeschilderte Radweg ist wohl nur was für außerordentlich Sportbegeisterte. Auf der Sonnenseite eröffnen sich tolle Ausblicke. Da kommt auch schon der Eilzug, welcher nur samstags aus Brno via Kromeriž nach Frenštát und sonntags auf selbem Wege zurückfährt.
user posted image

user posted image

Auf einem sehr steilen Weg sause ich bergab, sogar zwei sportliche Rennradler müssen hochschieben. Bald darauf bin ich am Bahnhof, wo der Regionova aus Frýdek-Místek satte 23 Minuten herumsteht. Da wundert es mich kaum, dass man die Fahrgäste an einer Hand abzählen kann. Perfektes Fotolicht habe ich jedenfalls.
user posted image
    
     Link zum BeitragTop
Thema wird von 0 Benutzer gelesen (0 Gäste und 0 Anonyme Benutzer)
0 Mitglieder:
53 Antworten seit 4 Apr 2019, 21:23 Thema abonnieren | Thema versenden | Thema drucken
Seiten: (4) [1] 2 3 ... Letzte »
<< Back to Fotoreportagen und Reiseberichte
Antworten | Neues Thema | Neue Umfrage |