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Reich der Mitte - Land der Superlative, Auf Entdeckung in China [Zur Themenübersicht]
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Entenfang
  Geschrieben am: 26 Aug 2018, 15:31


Lebende Forenlegende


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Mitglied seit: 27 Aug 12
Beiträge: 4682

Alter: 24
Wohnort: München


QUOTE (mmouse @ 26 Aug 2018, 00:11)
Bin vorgestern zufällig über diesen Post gestolpert, und habe jetzt zwei Abende mit Lesen und Bilder anschauen verbracht smile.gif

Vielen Dank für den großartigen Reisebericht!

Schön, wenn ich ein passendes Gute-Nacht-Bilderbuch liefern konnte. wink.gif

@Iarn: Danke für deine Erfahrungen.

QUOTE
In Japan und China ist öffentlich fahren relativ einfach

Ich finde, dass man das auch an Touristen hierzulande erkennen kann, dass Ostasiaten eher ÖPNV-affin sind. Ich mache das z.B. an der Outletcity Metzingen fest, die durchaus international bekannt ist. Touristen kommen gerne als Tagesausflug von Stuttgart. Im Zug sieht man fast nur Ostasiaten, bei anderen Herkunftsländern überwiegt zumindest gefühlt der Bus zur Anreise.

QUOTE
In Cairo kannst eigentlich nur Taxi fahren

Du bist nicht mit Afrikas einziger U-Bahn gefahren? ohmy.gif

QUOTE
Ich fand China sehr preiswert, ein Kumpel von mir hat zwei Jahre in China gelebt und wollte seine Ernährung nicht umstellen, das hat ihm einen großen Teil seiner Expat Pauschale gekostet.

Das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben in Guiyang einmal Pizza gegessen. Die war nicht besonders groß und hat über 10€ gekostet. Über die Qualität hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens. Alex meinte, dass alles mit Käse in China teuer ist, weil Käse dort quasi nicht vorkommt und importiert werden muss. Wer von Burgerking, Pizzahut und Starbucks leben will, muss für chinesische Verhältnisse schon tief in die Tasche greifen. Von "richtigen" westlichen Restaurants wollen wir lieber nicht reden.

QUOTE
Die ersten paar Tage hat man noch irgendwie Angst vor Polizei und Militär, weil man da doch gewisse Zusammenstöße im Hinterkopf hat, dann merkt man, dass man als Tourist rein gar nichts zu befürchten hat

Vor den meisten Wachleuten und Verkehrspolizisten hat niemand wirklich Respekt, auch nicht die Chinesen. Entscheidend in China ist halt, dass es 1000000 Regeln gibt, von denen man 999980 brechen kann, ohne dass etwas passiert. Wenn man aber eine der 20 wichtigen bricht, hat man ein Problem. Ausländer (Europäer) haben eigentlich überhaupt nichts zu befürchten. Im schlimmsten Fall fliegt man einfach raus.

Zu Japan:
QUOTE
Dafür extrem teuer, wenn man sich nicht nur von Nudelsuppe ernähren möchte.

Kannst du noch ein bisschen mehr von deinen Erfahrungen mit der Kulinarik dort berichten? Japan würde mich als Reiseziel durchaus sehr reizen, aber ich scheue mich in erster Linie aus kulinarischen Gründen ein wenig (viel Fisch?).

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"Die S-Bahn rollt wie ein Uhrwerk."

Frankfurter Abendpost am 29.5.1978, dem Tag nach der Inbetriebnahme des Frankfurter S-Bahntunnels
    
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Iarn
  Geschrieben am: 28 Aug 2018, 12:18


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 20 Jul 07
Beiträge: 16116




QUOTE (Entenfang @ 26 Aug 2018, 15:31)
Zu Japan:

Kannst du noch ein bisschen mehr von deinen Erfahrungen mit der Kulinarik dort berichten? Japan würde mich als Reiseziel durchaus sehr reizen, aber ich scheue mich in erster Linie aus kulinarischen Gründen ein wenig (viel Fisch?).

Auch wenn es hier off-topic ist gerne. Du bist ja der "Themeninhaber".

Ab jetzt alles meine subjektive Meinung, man Verzeihe mir das klischeehafte "die Japaner" etc.

Vorneweg, die Küche in Japan ist sehr wenig beeinflusst vom "Westen". Es gibt zwar in den großen Hotels auch ein kontinentales Frühstück aber ansonsten gibt es kaum westliche Lokale. An den großen Bahnhöfen und Einkaufszentren findet man ab und an auf europäisch gemachte Bäckereien. Letztere sind eher französisch angehaucht, die Japaner mögen wohl Croissants eher als deutsches Schwarzbrot.
Ansonsten in der Fläche selten ein Land gesehen mit sowenig McDonalds und Co.

Die einzigen nichtjapanischen Lokale auf die man im Alltag trifft sind Koreaner, was aber manche Japaner nicht so ganz als Ausland als eine art Provinzküche sehen, eher schwieriges Thema wink.gif

Die japanische Küche die wir kennen, ist eher die von Tokyo oder einer ähnlichen Metropole am Meer. Auf dem Land, insbesondere im Inland hast Du deutlich weniger Fisch. Generell ist die Küche auch sehr regional unterschiedlich. Im Süden Hiroshima Mischt man Lebensmittel miteinander (gibt da auch etwas was die Einheimischen Pizza genannte haben, für mich war es eine undefinierte Mischung aus allem, durchaus wohlschmeckend) während man in der Mitte bis nördliche Mitte (im Norden war ich leider nicht) eher separiert.

In Städten wie Tokyo kannst Du innerhalb einer Straße extrem unterschiedliche Lokale finden oder oder auch fünf die quasi das gleiche kochen. Es gibt auch Lokale die ein Motto haben und nur ein Gericht (nur frittiertes Huhn oder nur marinierten Schweinebauch) oder ein Tier (Wal, Austern) oder eine Zubereitungsart (Tischgrill haben) und andere mit einer breiten Karte.
A propos Karte: Auch wenn die wenigsten Lokale eine englische Speisekarte haben, die meisten haben Photos vom Essen. Noch besser, viele (außer die teuersten) haben auch Photos draußen oder auch in belebten Gegenden (eher nicht in Seitengassen oder auf dem Land) Plastikmodelle des Essens. Habe auch schon in einer Bar die verschiedenen Biergläsergrößen mit Plastikfüllung gesehen. Die Modelle sind sehr praktisch, da es nicht wir in China so Regeln gibt wie ein Gericht plus X pro Nase. Wenn man frittiertes Huhn bestellt bekommt man manchmal nur einen Happen oder einen ganzen Teller, da sind bildliche Darstellungen extrem gut.

Insofern kann man auch meistens bestellen, in dem man auf Dinge deutet. Dann noch die Worte Bitte, Danke, Wasser und man kann problemlos ohne japanisch bestellen. Bier und Cola kann man durch Nennung eines Markennamens bestellen und wenn sie was anderes haben sagen sie das meistens so dass man es als Alternative mitkriegt und freundlich Hai, hai sagen, lächeln und nicken kann. "Hai" ist so eine Mischung aus einem vagen ja und "ich habe verstanden". In der Regel werden Ausländer und alten Leuten auch gerne mal ein Taschenrechner mit den Endpreisen gezeigt, sehr praktisch.
Auf dem Land haben wir allerdings manchmal einfach blind bestellen müssen, da weder wir genug japanisch konnten oder die Kellner/Wirtsleute genügend Englisch. Meistens hat man uns dann das gebracht, wovon man dachte es könne uns schmecken.

Generell haben Japaner ein Gespür dafür, dass nicht jeder alles mag und auch nicht jeder Japaner isst alle japanischen Spezialitäten. Ich denke wenn du mit einem Handy Übersetzungsprogramm vorzeigst oder vorsprechen lässt, oder es auswendig lernst "ohne Fisch bitte" dann geht das auch in Ordnung. Meine Begleitung wollte unbedingt Wal essen und wir waren in einem Lokal, was wohl darauf ausgelegt war, alles anzubieten, was auch Japaner schräg finden. Da gab es 7 Dinge vom Wal, was auch ungewöhnliche Körperteile mit einschloss oder 3 verschiedenen Meerestiere Innereien. Um uns rum hauptsächlich Junge Leute die Videos davon machten, wie sie sich komische Dinge in den Mund schoben. Und alte Leute die wohl happy waren, irgendwas zu bekommen, was die Oma nach dem Krieg zusammen gerührt hat. Aber das war wie unser Fugo Restaurant schon eher die Ausnahme.
Die Küche wird durchaus von Fleisch und Nudeln dominiert, in Tokyo natürlich auch viel Fisch. Für meinen Geschmack sehr lecker und abwechslungsreich.

Ein Lokal zu finden ist relativ einfach. Das betrachten von Plastikmodellen und dem was serviert wird ist Nummer eins. Dann hilft ein Handy ungemein. Die Japaner nutzten Google sehr intensiv. Man kann auf Google Maps eigentlich zu jedem Lokal mindesten 50 Bewertungen finden. Sind alle Japanisch aber das macht nichts. Uns hat die Mischung aus den Sternen und den Schlagworten sehr geholfen. Wenn Dein Handy auf Deutsch oder Englisch eingestellt ist, werden in Google Maps die Schlagworte zu den Lokalen übersetzt. Für uns hat "zwanglos", "gemütlich", "viele Einheimische" mit vier Sternen aufwärts eigentlich immer geholfen. Da auch viele Photos vom Essen drauf sind, weiß man immer was einen erwartet.

Getrunken haben wir meist Bier, Wasser und Cola. Tee zu bestellen fand ich sehr kompliziert, es gibt tausend Sorten und Zubereitungen. Ab und zu beim Frühstück. Bier ist übrigens meiner Meinung nach echt gut. Bestes Bier ist meiner Meinung nach Sapporo, gefolgt von Kirin. Jeder Japaner, der ein bisschen Englisch kann wird Dir auch erzählen, Sapporo schmeckt so gut, weil es auf dem gleichen Breitengrad wie München gebraut wird. Muss wohl ein glänzender Werbeslogan sein, weil mir das wirklich viele Leute erzählt haben. Generell wenn das Eis gebrochen ist und die Sprachfertikeiten da sind, erzählen Japaner sehr gerne von ihrem Land beziehungsweise in Lokalen gerne über ihre Küche. Wir haben auch zweimal erlebt, dass der koch gerufen wurde, der uns auf japanisch erklärt hat, was das Geheimnis seine Küche wäre, was der Kellner übersetzt hat. Wäre sicher auch ohne Koch gegangen aber das ist der Japaner eher stolz als pragmatisch.

Absolut positiv, überall saubere und kostenlose Toiletten, damit es auch im Gesamten Life Cycle des Essens klappt.

Was das Würzen angeht, fand dich das Essen abwechslungsreich aber nie so stark gewürzt oder dass man in Versuchung käme mit etwas anderem als Sojasoße nachzuwürzen. Meistens ist jedes Gericht oder jeder Gang ein Konzept was geschmacklich abgeschlossen ist, ohne sich mit der Rest zu überschneiden. Was anderes ist natürlich wenn Du in ein Yakitori genanntes Grillrestaurant gehst, da gibt es das bekannte Baukastenprinzip von X Fleisch/Gemüse, Y Soße und Z Beilage, was wild durcheinander konsumiert wird.

Preislich ist es für mich schwierig einzuordnen. Zumindest ich / bei der zweiten Reise wir waren immer versucht relativ viel Geld auszugeben aber auch dafür viel Gegenwert zu bekommen. Dabei waren wir nie in echten Upper Class Lokalen, was auch wenn man die Kohle hat (da geht es pro Nase ab 100 €uro erst langsam los) relativ schwer ist, weil im Gegensatz zu normalen Lokalen Tischsitten wohl ohne Ausnahmen erwartet werden. Ich esse jetzt nicht unmanierlich aber die Sitten unterscheiden sich extrem von Europa. Serviette zum Mund ist ein No Go, Schlürfen und schaufeln wie im restlichen Asien aber völlig okay. Da die Japaner niemanden brüskieren wollen, haben sie einen Trick ausgedacht. In die feinen Lokale kommt man nur per telefonischer Voranmeldung auf Japanisch, was einen Filter darstellt. Von den Langnasen, die ausreichend japanisch können, werden auch passende Manieren vorausgesetzt.

Mittelklasselokale kosten so in der Regel einen Zwanni fürs essen plus Getränke, abends gerne mal auch 30-40. Da kommt über den Urlaub deutlich was zusammen.

Aber man kann auch billiger Essen, es gibt Ketten wo man auch für einen Zehner eine schmackhafte und sättigende Suppe mit Einlagen bekommt dazu ein Wasser und man ist für 12 Euro dabei. Was auch tagsüber eine gute Alternative ist, sind Bento Boxen die es überall vor allem an Bahnhöfen für jeden Geschmack gibt. Ausgestellt entweder im Original oder als Plastik. Preisspanne 6 Euro (Mariniertes Gemüse, Tofu evtl Huhn) bis 12 Euro (Sushi mit "viel drauf", Lachs oder Rind). Eigentlich ist essen in der Öffentlichkeit nicht gern gesehen aber Bento Boxen sind eine Ausnahme. Einfach da hinsetzen wo die Einheimischen es auch tun und los schlemmen.

Ich hoffe das hat Dir / Euch einen guten Überblick gegeben.

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Der Münchner Nahverkehr braucht ein Konzept.
    
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mmouse
  Geschrieben am: 28 Aug 2018, 13:33


König


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Mitglied seit: 28 Sep 12
Beiträge: 820

Wohnort: München


Zum Thema Sapporo - da steckt etwas mehr dahinter als nur ein Werbeslogan: Partnerstadt Sapporo

Soviel ich von meinen Eltern weiß, war man zur Olympiade 1972 sehr stolz auf die Partnerschaft.




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Ein Vier-Milliarden-Tunnel ist kein Ersatz für ein sinnvolles Nahverkehrskonzept.
    
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Oliver-BergamLaim
  Geschrieben am: 28 Aug 2018, 15:47


Lebende Forenlegende


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Mitglied seit: 26 Nov 04
Beiträge: 6129

Alter: 34
Wohnort: München


Danke Iarn für die interessanten Erläuterungen! Wie sieht es mit Tourismus in Japan aus? Ist es massentouristisch, was Gäste aus dem Ausland anbelangt, oder fallen ausländische/westliche Besucher im Straßenbild kaum ins Gewicht?
    
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Iarn
  Geschrieben am: 28 Aug 2018, 16:11


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 20 Jul 07
Beiträge: 16116




QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 28 Aug 2018, 15:47)
Danke Iarn für die interessanten Erläuterungen! Wie sieht es mit Tourismus in Japan aus? Ist es massentouristisch, was Gäste aus dem Ausland anbelangt, oder fallen ausländische/westliche Besucher im Straßenbild kaum ins Gewicht?

Gerne. Kommt wieder ganz drauf an, wo man ist. Bei den Top 10 von Lonely Planet sind genauso viele Touristen wie anders wo insbesondere Kyoto. Aber wenn man ein paar hundert Meter davon weg geht, gibt es kaum Touristen von außerhalb Japans. Die meisten Touristen sind Japaner, danach kommen Japaner die in den USA etc leben.
Wir waren auch in den Bergen in Takayama bei einem Umzug und haben in einem Nachbarort gewohnt. Ich glaube viele Leute da haben kaum je eine "Langnase" gesehen, zumindest sind uns die Kinder nachgelaufen und haben sich fast nicht mehr eingekriegt.

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Der Münchner Nahverkehr braucht ein Konzept.
    
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Jojo423
  Geschrieben am: 28 Aug 2018, 23:54


Lebende Forenlegende


Status: Mitglied
Mitglied seit: 21 Nov 06
Beiträge: 3480

Wohnort: München bei Pasing


Danke Iarn für den Bericht! Da ist gleich wieder das Fernweh da!

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Viele Grüße

Jojo423
Diesel-SUV-Fahrer
    
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