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Eisenbahnforum.de > Fotoreportagen und Reiseberichte > Lendenbraten und Knödelpressen


Geschrieben von: Entenfang am 17 Dec 2017, 15:31
Im Spätsommer habe ich 3 Wochen jenseits des Bayerischen Walds verbracht - da wird es langsam mal Zeit, das entstandende Material zu zeigen. Tschechische Wörter mangels Forenkompatibilität wie immer eingedeutscht.

Was habe ich auf der Festplatte herumliegen?

Taucherbrillen
https://flic.kr/p/21f1V8a

Obusse
https://flic.kr/p/21f1xKF

Svícková (Lendenbraten)
https://flic.kr/p/EsAq7Y

Böhmische Dörfer
https://flic.kr/p/21f1ENt


Details folgen in Kürze.

Geschrieben von: Entenfang am 18 Dec 2017, 18:25
1 Tag vorher

Ein schöner Plan für die Hinfahrt liegt bereits länger vor:

München Hbf........ab 10:16........RE 4066
Plattling................an 11:53

...........................ab 12:00........ICE 23
Passau Hbf...........an 12:34

...........................ab 13:00.......ITB
Freyung...............an 14:21

Mittagspause

Freyung...............ab 15:35.......ITB
Waldkirchen.........an 15:58

...........................ab 16:00.......Bus 6177
Nové Údolí...........an 16:36

...........................ab 17:19.......Os 8114
Ceské Budejovice..an 19:36


Der ICE zwischen Plattling und Passau ist übrigens nur wegen der Nutzung des Sommertickets vorgesehen.
Doch diesen Plan kann ich am Abend vor der Abfahrt getrost vergessen, denn die der Betrieb der Ilztalbahn währte diesen Sommer nicht lange. Das Unwetter am Tag zuvor sorgt für mehrere Bäume im Gleis und der Betrieb muss erstmal wieder ruhen.

Die schnellste Route würde übrigens via Nürnberg – Marktredwitz – Cheb - Plzen in rund sechseinhalb Stunden führen. Die Variante über Linz scheitert am zu diesem Zeitpunkt eingesetzten SEV. Im Vergleich mit dem MIV (etwa dreieinhalb Stunden) definitiv kein Ruhmesblatt für den ÖV.

Geschrieben von: Entenfang am 19 Dec 2017, 21:21
Tag 1 München -> *ein paar Busse und Bahnen* -> Budweis

Der eilig ausgearbeitete Ersatzfahrplan macht das Ganze leider deutlich komplizierter.

München Hbf..................ab 10:16......RE 4066
Plattling.........................an 11:53

....................................ab 12:06.......WBA 83921
Zwiesel.........................an 12:58

....................................ab 13:04.......WBA 84009
Grafenau......................an 13:53

....................................ab 14:15.......Bus 7594
Neuschönau, Kirche........an 14:32

.....................................ab 14:58......Bus 6115
Teufelshäng, Grenze.......an 15:39

DB Fuß 200 m

Bucina, st. hr..................ab 15:45......Bus 710
Kvilda.............................an 15:55

.....................................ab 16:20......Bus 900
Lenora...........................an 16:57

.....................................ab 17:00......Os 18110
Volary............................an 17:14

.....................................ab 17:21......Os 18010
Cerný Kríž .....................an 17:28

.....................................ab 17:36......Os 8114
Ceské Budejovice...........an 19:36


Unspektakulär startet die Fahrt pünktlich mit dem DIX, der mich immer noch pünktlich in Plattling absetzt. Und weiter mit der Waldbahn. „Das Sommerticket ist bei uns nicht gültig!“ Wie? Was? Warum? Steht doch „Gültig in Zügen der DB einschließlich NE-Verkehr“ drauf. „Hmm, darf ich nochmal sehen?“ Bitte, jederzeit gerne. „Na gut, dann muss ich nochmal nachfragen. Wir hatten eigentlich eine Dienstanweisung…“
Zügig windet sich der RS bergauf und Zwiesel wird bald pünktlich erreicht. Der Bahnhof zeichnet sich durch seine sehr interessante Bahnsteiganordnung aus, um möglichst wenige Reisendenübergänge erforderlich zu machen.
https://flic.kr/p/HJ3fZp

Während die Fahrt bis hierhin zügig verlief, ändert sich das nun. Mit maximal 50 km/h quietscht der RS durch die sehr engen Bögen der Nebenbahn Richtung Grafenau. Einige technisch nicht gesicherte BÜ sind auch dabei. Auf dem Grafenauer Ast wird nur ein 2h-Takt angeboten, weil die beiden Kreuzungsmöglichkeiten in Spiegelau und Frauenau zwar rein theoretisch noch existieren, das 2. Gleis in beiden Fällen aber praktisch zum Biotop geworden und damit nicht mehr nutzbar ist. Für Sonntagmittag ist erstaunlich viel los und ich bin mir sicher, man könnte mit einem Stundentakt noch mehr Fahrgäste gewinnen. Zwei Rückfallweichen mit TUZ kann doch nicht so schwer umzusetzen sein… Aber so ist die Strecke halt – frei nach einem Kommilitonen – ein 30 km langes Abstellgleis. Ein BÜ wird nicht als gesichert angezeigt, obwohl auf den ersten Blick alles in Ordnung scheint. Der Tf hüpft ins Gleis, um den HET zu aktivieren.
„Ham Sie nen Schluck Wasser für mich?“ Ein alter Mann deutet auf seine leere Halbliterflasche. „Ich hob zwenich getrunka und mir ist schwindelig.“ Ich fülle ein wenig Wasser aus meiner Flasche um, er trinkt aus und ich schenke nach.

https://flic.kr/p/HJ38WM
In Grafenau hängt ein Dutzend junger Männer ab. Einer kniet auf dem Bahnsteig mit der Stirn auf den Pflastersteinen. „Allahu akbar“, murmelt er, während er sich wieder aufrichtet.

https://flic.kr/p/HJ33Zn
Weiter geht´s mit dem http://www.ostbayernbus.de/ostbayernbus/view/angebot/buslinien/igelbusse.shtml

Positiv anzumerken, dass die Busse unter der Woche wie am Wochenende verkehren, für deutsche Regionalbusse eine überdurchschnittliche Annäherung eines Taktverkehrs anbieten sowie für Touristen mit Gästekarte kostenlos sind.

Einige Minuten vor der Abfahrt öffnet der Fahrer die Tür, Eltern mit Kindern und ein paar Rentner steigen ein. Ob das Sommerticket wohl in den Regionalbussen der DB gilt? Im Internet habe ich dazu nichts gefunden. Jedenfalls habe ich sicherheitshalber Urschalling → Teufelshäng, Grenze draufgeschrieben.
Der Busfahrer überlegt. „Also ich hab ja schon viele Fahrscheine gesehen, aber Sommer-Ticket… Das weiß ich jetzt nicht. Ich denke eher nicht. Aber ich bin mir nicht sicher und weil die Fahrgäste ja nichts dafür können, wenn sich der Busfahrer nicht sicher ist, lasse ich Sie mitfahren.“

Mittagspause in Neuschönau, bis hierhin ist niemand ausgestiegen.
https://flic.kr/p/22EK7LF
Der zusätzliche Umstieg in diesem beschaulichen Ort war übrigens nur aus dem Grund erforderlich, um die Strecke nach Grafenau komplett abzufahren. Ich hätte auch direkt von Spiegelau an die Grenze fahren können.

Der nächste Bus kommt mit Fahrradanhänger. Ob ich hier wohl auch mit dem Sommerticket durchkomme? „Neee! Wohin soll es eigentlich gehen?“ Die Busfahrerin wählt das Ziel aus und drückt auf BC-Rabatt, doch der Computer will nicht. Nachdem sie eine Weile fluchend herumgedrückt hat und sich die beiden alten Fahrgäste allmählich wundern, was los ist, schlage ich vor, erstmal weiterzufahren, damit keine Anschlüsse verloren gehen. „Ach, die fahren nur ne Runde.“ Die Fahrerin drückt noch ein bisschen herum – ohne Erfolg.
Leicht hinter Plan und mit einigen zusätzlichen Fahrgästen lassen wir das Nationalparkzentrum hinter uns. Dann zeigt sich der Computer doch noch gnädig und druckt mir eine Fahrkarte für 3€ aus. Wenig überraschend bin ich bald mal wieder der einzige Fahrgast, während wir über kleine Landstraßen durch die Dörfer fahren. „Ach, um die Zeit ist nicht so viel los, die meisten fahren morgens hin und um diese Zeit zurück. Aber einen mit Koffer, das hatte ich auch noch nie…“ Ich nehme den Hinweis der Neugierde auf und beginne zu erzählen.
„Soso, einen Tschechischkurs. Und das auch noch für drei Wochen. Ich hatte mich mal kurzzeitig an der Sprache versucht, aber nein… Das ist für mich wie eine kryptische Mischung aus Russisch und Polnisch.“

„Boah, muss der hier parken? Das ist eine Buswendeschleife! Aber das scheint hier keiner zu wissen. Schlimm hier auf dem Land…“ Ich beruhige sie, dass es in der Stadt keineswegs besser ist. „Ja, aber dort ist wenigstens die Polizei schnell da. Wenn ich hier die Polizei rufe, dann dauert das manchmal zwei Stunden, bis die kommen! Und ich muss noch meinen Lebenslauf hinterlassen. Von wegen, warum ich hier überhaupt mit dem Bus langfahre…“
Dann steigen doch noch fünf Fahrgäste zu, um bis zur Grenze zu fahren.
„Bist du eigentlich vom Landratsamt? Vorhin hatte ich da welche, die haben irgendwelche Sachen kontrolliert…“ Nein, nein. Ich bin hier rein aus persönlichem Interesse unterwegs.

Leicht vor Plan wird also die Grenze erreicht.
https://flic.kr/p/D2wvWP


https://flic.kr/p/22C5nBd
Die Wanderer beäugen mich etwas skeptisch, während ich meinen Koffer die 200 Meter über den Schotterweg zur tschechischen Bushaltestelle zerre.

https://flic.kr/p/21AcetC
Drei sind schon drin, ich zahle 13 Kronen für die Fahrt bis Kvilda. Der Bus füllt sich bald deutlich.

Im Ort herrscht reger Betrieb und ich tue mich schwer, die richtige Abfahrtsposition für den Bus nach Lenora zu finden.
https://flic.kr/p/22C2Q1m

Ganz untypisch für Tschechien bin ich der einzige Fahrgast. Mein Koffer wird mit Spanngurten auf der Mehrzweckfläche gesichert und ich frage mich noch, wozu. Aber als ich sehe, wie schnell der Busfahrer durch die engen Kurven der schmalen Landstraße rast, kenne ich die Antwort. Bald steigt eine Frau mit Kinderwagen zu, welcher ebenfalls mit Spanngurten verstaut wird. An einem Haus mitten im Wald verabschiedet sich ein Mann von seiner Familie und steigt ebenfalls zu. Sein fünfjähriger Sohn bleibt winkend stehen, bis der Bus davonbraust. Am Straßenrand sind noch die Reste des Sturms von vorgestern erkennbar.
Der Mann steigt zwei Dörfer weiter wieder aus, nur die Frau mit Kinderwagen und ich fahren weiter bis zum Bahnhof in Lenora, wo planmäßig 2 bzw. 3 Minuten Umsteigezeit zu den sich kreuzenden Zügen im 2h-Takt besteht. Ein Selbstmordkommando?
Wir kommen mit -3 an, bald rollen die Züge herbei.
https://flic.kr/p/22C4VZw

Ich setze zum ersten Mal meine vorläufige IN-Karta 25 ein. Ob der Fahrkartenverkauf wohl bald durch den Blechschaffner übernommen wird?
https://flic.kr/p/22EJd2T

112 Kronen kosten die 108 km mit zwei Umstiegen in 2h 36 min.
Holperholperklongtrööööööt!
Quietschkadongkadongtrööööööt!

Geschrieben von: Entenfang am 19 Dec 2017, 21:22
In Volary gibt es ein großes Bahnbetriebswerk, in dem die Fahrzeuge gewartet werden.
https://flic.kr/p/21jXeh4

Knuffig finde ich die niedrigen Signale
https://flic.kr/p/HJ1B7n

Weiter geht die Fahrt nach Černý Kříž mit Halt an diesem sehr naturnahen Hp.
https://flic.kr/p/22EHHfK

Mein letzter Umstieg erfolgt mitten im Wald.
https://flic.kr/p/ExroaE
Im Hintergrund ist die Gleistopologie zu erahnen – aus allen drei Gleisen ist die Ausfahrt sowohl auf die Strecke nach Volary als auch nach Budweis möglich, sogar als Parallelausfahrt.

Nachdem der Regionova fünf Minuten gestanden hat, erhält er Ausfahrt. Also muss der Zug nach Budweis verspätet sein. Zwei junge Männer springen abwechselnd über das Gleis, um ins Gras zu pinkeln, weil sie die ganze Zeit Bier trinken.

Ich setze mich auf die Bank am Bahnhofsgebäude, +15 verkündet der Abfahrtsmonitor.
https://flic.kr/p/22EHpFg

Diese Uhr tickt hier wohl seit Kaisers Zeiten.
https://flic.kr/p/D2uQjK

Als ich nochmal schaue, sind es schon +20. Die Frau mit Kinderwagen, die mit mir im Bus nach Lenora gefahren ist, wartet ebenfalls. Das Kind läuft herum und schenkt einer alten Frau einen Stock. +25.
Ich bekomme auch eine Blume und einen Stock. +30.

In der Ferne ist Pfeifen zu hören und alle Fahrgäste strömen zurück auf den Bahnsteig. Aber keiner bleibt in der Nähe des Übergangs stehen, sondern erst ein Stück weiter hinten. Doch als die Taucherbrille mit zwei Abteilwägen, einem Dosto und einem Gepäckwagen einfährt, dämmert mir, dass die alle gewusst haben, dass der Zug lokbespannt ist und man deswegen ganz vorne nicht einsteigen kann. Wenn ich da an die deutschen Verhältnisse denke…

Zwei Schaffner helfen bei der Verladung von Fahrrädern, doch trotz grüner Welle steigt die Verspätung stetig an.
Auch hier sind die Reste des Sturms unübersehbar.
https://flic.kr/p/Exr3kE

Ein Mann bittet mich, von ihm ein Bild zu machen, während er aus dem Fenster schaut. Viele Spaziergänger bleiben stehen und knipsen den Zug, während er trötend und quietschend vorbeirumpelt. Alles Freaks hier…

Hat der Tag noch recht trist begonnen, zeigt sich nun doch noch die Abendsonne.
https://flic.kr/p/21jVS6P

Die ersten für die Region so typischen Fischteiche (Rybník) tauchen am Fenster auf. Der Zug fährt teilweise auf Dämmen quasi durch sie hindurch. Das könnten doch interessante Fotomotive sein…
https://flic.kr/p/ExqQCm

https://flic.kr/p/HHZH6i

Mit +45 erreiche ich schließlich Budweis, der letzte Zug nach Pilsen hat 20 Minuten auf uns gewartet.
Ich versuche erfolglos, beim Busfahrer eine Wochenkarte zu kaufen und kümmere mich erstmal um das leibliche Wohl in der Innenstadt. Doch das ist in Budweis vor allem Sonntagabend nicht ganz einfach, denn viele Restaurants schließen sehr früh. So startet mein Tschechienaufenthalt mit Lasagne statt Lendenbraten.

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 20 Dec 2017, 12:09
QUOTE (Entenfang @ 18 Dec 2017, 19:25)
Die schnellste Route würde übrigens via Nürnberg – Marktredwitz – Cheb - Plzen in rund sechseinhalb Stunden führen. Die Variante über Linz scheitert am zu diesem Zeitpunkt eingesetzten SEV. Im Vergleich mit dem MIV (etwa dreieinhalb Stunden) definitiv kein Ruhmesblatt für den ÖV.

Wäre die Route München - Plzen (im ALX/EX nach Prag) und Umsteigen in Plzen nach Budejovice nicht die schnellste gewesen? Oder war das auch wegen SEV etc. nicht praktikabel, als Du gefahren bist? Zugegebenermaßen hat die Wald- und Wiesenroute quer über die Grenze mit Bussen und Fußwegen landschaftlich natürlich weitaus größeren Reiz und gibt dazu gleich noch ein gewisses Entdeckergefühl, das man in Mitteleuropa nicht mehr oft findet außer eben z.B. zwischen Bayrischem Wald und Böhmerwald. smile.gif

QUOTE (Entenfang @ 19 Dec 2017, 22:21)
Holperholperklongtrööööööt!
Quietschkadongkadongtrööööööt!

Ich hatte es schon so vermisst biggrin.gif wink.gif gerne jederzeit mehr Bilder und Berichte aus Deiner Schatztruhe smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 20 Dec 2017, 20:30
QUOTE
Wäre die Route München - Plzen (im ALX/EX nach Prag) und Umsteigen in Plzen nach Budejovice nicht die schnellste gewesen?

https://flic.kr/p/21Byg93
Hätte 7h gedauert, weil man in Pilsen 1:05h Umsteigezeit hat. Ist sogar noch in der Reiseauskunft drin, Hinfahrt war am 20.8.17. Toll ist ja auch die Verbindung München - Nürnberg - Prag - Budweis mit IC-Bus.

QUOTE
Zugegebenermaßen hat die Wald- und Wiesenroute quer über die Grenze mit Bussen und Fußwegen landschaftlich natürlich weitaus größeren Reiz und gibt dazu gleich noch ein gewisses Entdeckergefühl, das man in Mitteleuropa nicht mehr oft findet außer eben z.B. zwischen Bayrischem Wald und Böhmerwald.  smile.gif

Definitiv. Die Route war mit Absicht so kompliziert gewählt und ich habe es nicht bereut. Ich wollte noch ein paar Strecken abfahren. Nach 10h und 9 Umstiegen fühlt man sich wie nach einer Weltreise, dabei waren es gerade mal 450 km...

QUOTE
QUOTE (Entenfang @ 19 Dec 2017, 22:21)
Holperholperklongtrööööööt!
Quietschkadongkadongtrööööööt!

Ich hatte es schon so vermisst biggrin.gif wink.gif

Ist halt noch richtige Eisenbahn dort... smile.gif

QUOTE
gerne jederzeit mehr Bilder und Berichte aus Deiner Schatztruhe  smile.gif

Da kannst du dich in den nächsten Tagen noch auf was freuen!

Tag 2

Ostalgie vom Feinsten im Wohnheim – mit nur 2 Steckdosen pro Zimmer hat wohl damals noch niemand an Smartphones gedacht…
https://flic.kr/p/EyTZMy

https://flic.kr/p/21mEaE6

Alle Anweisungen nur auf Tschechisch – da bleibt es jedem Einzelnen überlassen, was darunter zu verstehen ist. Nach dem Einstufungstest widme ich mich während der Mittagspause dem Obus.
Moment, sagte ich gerade Obus?
https://flic.kr/p/21BzFuA

Ein permanentes Ärgernis nicht nur aus fotografischer Sicht waren die Dieselkurse. Da redet alle Welt von Elektromobilität, dabei wird die vorhandene Infrastruktur nicht mal genutzt. Immerhin rennen die Tschechen nicht dem Akkubuswahn hinterher.

Eine der zahlreichen Kneipen in den Plattenbausiedlungen
https://flic.kr/p/21BzySh

Rund um die historische Innenstadt gibt es einen Grüngürtel sowie eine Halbringstraße, auf der ziemlich viele Busse fahren und vor allem zur HVZ leider auch dichter MIV.
https://flic.kr/p/22DHgnj

Die sehr hübsch herausgeputzte Innenstadt ist leider nicht flächendeckend verkehrsberuhigt und die Art der Häuser hat wenig mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen zu tun.
https://flic.kr/p/HKqfKB

Das Zentrum der gut 90.000 Einwohner beherbergenden Stadt ist der rund ein Hektar große, quadratische Námestí Premysla Otakara II.
https://flic.kr/p/D3Wbmc

Welche Geschichte die Stadt hinter sich hat, ist schon alleine an den früheren Namen dieses Platzes erkennbar:
Bis 1915: Hlavní námestí (Hauptplatz)
1915-1918: Kaiser-Franz-Josef-Platz
1918-1934: Námestí Svobody (Platz der Freiheit)
1934-1938: Masarykovo námestí (Benannt nach dem ersten Präsidenten der Tschechoslowakei)
1938-1945: Adolf-Hitler-Platz
1945-1951: Masarykovo námestí
1951-1991: Žižkovo námestí (Benannt nach Jan Žižka von Trocnov, einem hussitischen Feldherr)
Seit 1991: Námestí Premysla Otakara II. (benannt nach dem mittelalterlichen König von Böhmen, der Budweis gründete)

Die Platzmitte schmückt ein hübscher Brunnen.
https://flic.kr/p/HKq5c2

Auch das Rathaus ist sehenswert.
https://flic.kr/p/21mEhfk

Geschrieben von: Entenfang am 20 Dec 2017, 20:31
Nachmittags suche ich einen Fahrradverleih auf. Leider ist die Auswahl in Budweis sehr beschränkt und der Preis für 9€ pro Tag ganz schön happig. Zum Vergleich: Die Wochenkarte in Budweis kostet 7,30€.

Ich folge der Moldau stromabwärts und stoße irgendwann auf die Bahnstrecke nach Pilsen.
Die oftmals bunten Züge finde ich ziemlich faszinierend.
https://flic.kr/p/22DGY2C

An der Statue vorbei
https://flic.kr/p/HKpUBk

Rund 10 km entfernt thront das prachtvolle Schloss Hluboká nad Vltavou auf einem Hügel.
https://flic.kr/p/21mEAvZ

Sonnenuntergang an einem der unzähligen Fischteiche
https://flic.kr/p/21mEqLP

Bei Kaufland mache ich mich nicht gerade beliebt, weil ich vergessen habe, dass man in Tschechien Obst und Gemüse selbst wiegen muss.
Zum Abschluss des Tages noch ein Blick aus dem Fenster über den Unicampus mit dem Stadtviertel Máj im Hintergrund
https://flic.kr/p/22DGurs

Geschrieben von: Entenfang am 21 Dec 2017, 22:04
Tag 3

Das tschechische Frühstück ist und bleibt eine Besonderheit. Zu den kleinen Plastikverpackungen, deren Inhalt aus undefinierbarem gefärbtem Gelee besteht (angeblich soll das Marmelade sein…), gesellen sich stets frische Backwaren und leckere süße Teilchen. Brötchen sind in Tschechien weniger verbreitet, dort gibt es stets https://cs.wikipedia.org/wiki/Rohl%C3%ADk#/media/File:V%C3%BDroba_rohl%C3%ADku_(25).JPG

Diese sind aber offensichtlich bei den ausländischen Kursteilnehmern wenig beliebt, zumindest schließe ich das aus dem geringen Verbrauch beim Frühstücksbuffet.

Das Wetter bleibt äußerst fotogen und spätsommerlich heiß.

Bereits in der morgendlichen Kaffeepause brennt die Sonne vom Himmel. Vermutlich unterhalten sich die beiden alten Damen aber nicht über den Obus.
https://flic.kr/p/HMDRe8


Nachmittags dann nochmal eine größere Fahrradtour durch die böhmischen Dörfer.

In der Dorfmitte gibt es stets einen Fischteich.
https://flic.kr/p/21oNTbK

https://flic.kr/p/D634ex

https://flic.kr/p/D62yJr

Doch ganz so idyllisch geht es nicht überall zu. In Südböhmen gibt es nur sehr wenig Autobahnen, der Fern- und Schwerlastverkehr läuft über Landstraßen mitten durch die Dörfer.
https://flic.kr/p/EB25wC
Eine derartige Straßengestaltung sorgt natürlich nicht gerade für eine geringe Geschwindigkeit.

Es gibt jedoch unzählige kleine Landstraßen und Feldwege, auf denen das Radfahren sehr angenehm ist. Die Tschechen sind auch durchaus rücksichtsvollere Fahrzeuglenker, als man sich das vielleicht vorstellt. Aber sie fahren gerne schnell, das gilt insbesondere für Busfahrer.

Vorsicht, Entenwanderung!
https://flic.kr/p/22FQW5d

Blühender Teich
https://flic.kr/p/22Jfhc8

Ständig trifft man auf Kreuze und kleine Kapellen mitten im Wald und an Landstraßen, die häufig mit schönen Blumen geschmückt sind. Keine Ahnung, wer sich hier mitten im Nirgendwo darum kümmert, aber bei den Temperaturen müssen die Blumen wohl spätestens jeden zweiten Tag gegossen werden.
https://flic.kr/p/22JeNLr

Nach längerer Suche entdecke ich ein gemütliches Plätzchen, das offensichtlich bei Verliebten ziemlich beliebt ist.
https://flic.kr/p/22FPR4U

Geschrieben von: Entenfang am 21 Dec 2017, 22:04
Am mit 520 Hektar zweitgrößten Fischteich der Region kann man nicht nur entspannen und den sich im Wind neigenden Schilf zusehen…
https://flic.kr/p/22JetYg

…sondern hat auch einen hervorragenden Blick auf die Bahnstrecke nach Pilsen.
https://flic.kr/p/22JeiWn

https://flic.kr/p/D61Qgv

https://flic.kr/p/21oLTGt


Beenden wir den Tag mit einem Blick in den Abendhimmel.
https://flic.kr/p/22JdYvD

Geschrieben von: Entenfang am 22 Dec 2017, 23:24
Tag 4

Heute Mohnstrudel zum Frühstück – bisher jeden Tag etwas Anderes.

Schön finde ich den Baustil der Philosophischen Fakultät.
https://flic.kr/p/D81hWK
Die Verglasung vor den Fenstern ermöglicht das Öffnen der Fenster trotz des Verkehrslärms.

Kaffeepause…
https://flic.kr/p/22HMhfj

https://flic.kr/p/D81hyF

…und Mittagspause werden natürlich wieder fotografisch genutzt. Bei der gebotenen Qualität in der Mensa ist es auch kein Schaden, dass ich deswegen das Mittagessen verpasse. Und zum Glück gibt es ja einen Billa in der Nähe…

754 015 zieht den Personenzug nach Nové Údolí aus dem Budweiser Bahnhof.
https://flic.kr/p/D81h6r

Im Bereich der Fußgängerunterführung zu den Gleisen gibt es keinen Durchgang auf die Ostseite der Gleisanlagen. Man muss einen großen Umweg in Kauf nehmen und entweder eine Straßenunterführung nördlich oder die Fußgängerbrücke südlich des Bahnhofs überqueren. Von letzterer entstand auch das Bild - leider sind Bilder mit Licht kaum umsetzbar, da direkt entlang der Brücke auch das dicke Rohr die Gleise überquert und jedes Bild zunichtemacht.

Nachmittags gönne ich mir erstmal ein Eis, ehe ich mich erneut auf den Weg in die Fischteiche mache.
https://flic.kr/p/D81gzr
Im Hintergrund die weithin sichtbare St. Peter und Paul-Kirche.

Über einen zugewachsenen Anglerpfad kämpfe ich mich in der Nähe der gestrigen Stelle am Rybník Bezdrev voran.
https://flic.kr/p/21FJxWC

Doch dann kommt die böse Überraschung, die aus meiner Karte nicht ersichtlich war – der Weg wird von zehn Metern Wasser unterbrochen, sodass ich nicht mehr weiterkomme.
https://flic.kr/p/HPFGNK

Aber ich wollte eigentlich eh erstmal ein Bild machen…
https://flic.kr/p/HPFGqv

Mir bleibt also nichts anderes übrig, als den ganzen Weg wieder zurückzufahren. Inzwischen erschöpft, beschließe ich, die letzten Kilometer mit dem Zug zurückzufahren und suche den nächsten Bahnhof auf.

Geschrieben von: Entenfang am 22 Dec 2017, 23:24
Dieser liegt mitten im Wald und mehr etwa drei Kilometer vom namensgebenden Ort Hluboká mit dem bekannten Schloss entfernt.
Doch er entpuppt sich – wie so viele tschechische Kaffbahnhöfe – als wahres Kleinod zwischen leicht schäbigem Charme, sowjetischen Relikten und urtümlicher Gemütlichkeit.
https://flic.kr/p/22HMdJm

https://flic.kr/p/21FJxcb

https://flic.kr/p/22LfRD6
20 Minuten vor Abfahrt bin ich hier der einzige – naja, abgesehen von der Bahnhofsvorsteherin.
Durch einen Türspalt kann ich sehen, wie sie die fortschreitende Rotausleuchtung der eingestellten Fahrstraße am Computer beobachtet.
Tock. Tock.
Der Minutenzeiger der beiden historischen Bahnhofsuhren wandert weiter. Das Bahnhofsgebäude ist bis 23 Uhr geöffnet, obwohl unter der Woche mein Zug um halb acht der Letzte Halt hier ist.

https://flic.kr/p/21FJwW1
Nachdem die Durchfahrt ordnungsgemäß überprüft wurde, kümmert sich die Dame um den Fahrkartenverkauf. Grmpf, jetzt zahle ich doch glatt 6 Kronen zu viel, weil ich meine vor einem Monat bestellte InKarta noch nicht abgeholt habe.
Tock. Tock.
Drrrrrrring. Rückblock.

Drei Minuten vor der Abfahrt tauchen dann doch noch vier Fahrgäste auf. Über den pünktlich heranrollenden Regiopanter bin ich wegen des Fahrrads nicht übermäßig unglücklich. Doch hinter der Tür mit Fahrradsymbol verbirgt sich kein Mehrzweckbereich, sodass ich es im Fluchtweg stehen lassen muss. Da der Zug ohnehin komplett leer ist, stört das den Schaffner aber nicht.

Zum Abendessen gibt es endlich Svíčková (Lendenbraten) – mein absolutes Lieblingsessen der tschechischen Küche.

Und zum Abschluss des Tages nochmal der Blick aus dem Fenster.
https://flic.kr/p/22HMbTN

Geschrieben von: Entenfang am 23 Dec 2017, 15:55
Tag 5

Es herrscht rege Betriebsamkeit im Wohnheim – zahlreiche Besucher der Agrarmesse sind offensichtlich im Studentenwohnheim einquartiert worden. Ob sich die zwischen den Studenten völlig deplatziert wirkenden Anzugträger auch ein Doppelzimmer teilen müssen, ist mir nicht bekannt. Eine Kursteilnehmerin meinte jedenfalls, dass sie als Erstsemester wohl einen ziemlichen Schock bekommen hätte, wenn sie hier für ein paar Jahre wohnen müsste.
Es gibt wunderbaren Apfelstrudel zum Frühstück.
Ehe ich zum Knipsen komme, habe ich ihn bereits verspeist. Doch das Rätsel möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten:
https://flic.kr/p/D9cdjk
Warum haben die Tabletts so eine merkwürdige Form?


Wegen der Messe ist die Obuslinie 3 im dichteren Takt unterwegs (während der Sommerferien tagsüber in der NVZ sonst nur Takt 10) und es werden mehr Hochflurfahrzeuge eingesetzt. Leider passen die Einsatzzeiten nur schlecht zu meiner Kaffeepause, aber in der Mittagspause lege ich mich erfolgreich auf die Lauer.
https://flic.kr/p/EEbtyy

Etwas unübersichtlich sind die Haltepositionen am Hbf und die Unterführung sollte man besser nur mit Wäscheklammer auf der Nase nutzen.
https://flic.kr/p/21s72GF

Nun möchte ich endlich meine InKarta abholen und frage mich im Bahnhof zum richtigen Schalter durch. Um 12:20 Uhr habe ich ihn gefunden. Doch vor mir ist gerade ein Kunde dran, der ewig braucht. Als er endlich abgefertigt ist, wird mir um Punkt 12:30 Uhr der Rollladen vor meiner Nase runtergelassen und die Mittagspause angetreten. Ich solle doch bitte in einer halben Stunde wiederkommen. Mangels Alternativen trete auch ich die Mittagspause an und entdecke in Bahnhofsnähe einen kleinen Laden, in dem es kantinenähnliches Mittagessen inklusive Suppe für unter 3€ gibt. Die Gelegenheit für ein schnelles Mittagessen nutzen viele Einheimische.

Um Punkt 1 erscheine ich wieder am Schalter, die Mitarbeiterin sucht gefühlte 10 Minuten in irgendwelchen Papierstapeln und Ordnern herum, zaubert dann aber doch die gewünschte Karte hervor. So jetzt aber fix zurück, der Sprachkurs geht bald weiter…


Die verschiedenen Lackierungen der Altwagen stellen einen erfreulichen Kontrast zu den überwiegend unfotogen und fahrgastunfreundlich mit Vollwerbung zugekleisterten Niederflurfahrzeugen dar. Und auch der Sound dieser Fuhren macht was her!
https://flic.kr/p/D9cfGM

Nachmittags steht eine Fahrradtour nach Osten aus der Stadt an. Die Landschaft ist hier ziemlich hügelig, sodass hier kräftig gestrampelt werden muss.

Verschnaufpause in „Gutes Wasser bei Budweis“
https://flic.kr/p/D9ceSk

Die zugehörige Dorfkirche
https://flic.kr/p/D9cepM

Der Blick schweift über die Wiesen. Mit dem Neubau der beiden Häuser links oben wird ein bisschen was für die Zersiedelung getan (aber der Ausblick ist zugegebenermaßen schon toll).
https://flic.kr/p/22K2aoQ

Natürlich gibt es auch hier Fischteiche.
https://flic.kr/p/22K2aaJ

Den Abend lassen wir in einem gemütlichen Laden ausklingen, der solide tschechische Küche zu günstigen Preisen bietet. Ich treffe eine gute Wahl mit Palacinky, Eis und Früchten.

Geschrieben von: imp-cen am 23 Dec 2017, 17:01
QUOTE (Entenfang @ 23 Dec 2017, 15:55)
Warum haben die Tabletts so eine merkwürdige Form?

Na, damit man mehr draufbekommt. Wenn schon nicht aufs Tablett, dann auf...
wink.gif

Geschrieben von: Entenfang am 24 Dec 2017, 16:44
QUOTE (imp-cen @ 23 Dec 2017, 17:01)
Na, damit man mehr draufbekommt.

Ich bin mir nicht sicher, ob du das richtige meinst. Die Form wurde gewählt, damit vier Tabletts auf dem Tisch Platz finden.



Tag 6 Ceský Krumlov

In der Kaffeepause entsteht nichts Vorzeigenswertes vom Obus, sodass ich gleich zur großen Fahrradtour übergehe, die ich nach Unterrichtsende antrete. Das rund 30 km entfernte Ceský Krumlov steht auf dem Plan. Es ist ein heißer Spätsommertag, als ich entlang der Moldau nach Süden starte. Doch leider verlaufen nur die ersten Kilometer entspannt am Fluss.

Ehe es steil bergauf geht, lege ich eine Mittagspause ein.
https://flic.kr/p/22M3cMd
Das auf dem Bild sichtbare Mittagsmenü aus Kartoffelsuppe, frittierter Zucchini und Kartoffeln ist für knapp 4€ zu haben. Doch welch mysteriöse Beilage ist rechts zu sehen?

Erbarmungslos brennt die Mittagssonne auf mich nieder, während ich durch Felder, Wiesen und kleine Dörfer fahre.
https://flic.kr/p/22M3Eyu

https://flic.kr/p/21u4bTR
Es herrscht nahezu völlige Stille, nur gelegentlich hört man irgendwo ein Gespräch, einen Hahn krähen oder ganz selten ein Auto.

Ich ruhe mich eine Weile auf einer Bank unter einer mächtigen Linde aus, die mir Schatten spendet.


Nachdem ich eine Weile über das Hochplateau unterwegs war, folgt diese Warnung:
https://flic.kr/p/21K32g5

Ich gehe davon aus, dass es sich um einen Hinweis handelt, das Fahrrad zu schieben. In der Tat ist der relativ enge uns sehr steile Weg mit einigen Schlaglöchern und feuchtem Laub gespickt.

Ich hoffe, nun wieder gemütlich am Ufer entlangradeln zu können, doch Fehlanzeige. Ich muss auf der anderen Seite wieder steil bergauf fahren. Dabei bleibe ich in der Nähe der Bahnstrecke und entdecke das eine oder andere interessante Motiv, doch bei einem 2h-Takt wäre die Wartezeit zu lange.
Zum Schluss ist der Weg nicht mehr so gut beschildert, ich verfahre mich und lande auf einer stark befahrenen Bundesstraße, auf welcher der Stau einige Kilometer aus dem Ort herausreicht und ich mit dem Fahrrad schneller bin. Ich erreiche Ceský Krumlov durch ein Wohngebiet.

Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist ein wahrer Touristenmagnet. Da in den engen Gassen viele Menschen unterwegs und die Gassen mit holprigem Kopfsteinpflaster befestigt sind, parke ich mein Fahrrad am Rand und setze meinen Weg zu Fuß fort.

Blick über die Moldau zum Schlossturm
https://flic.kr/p/22M3Bm7

Ahooooooj! Wer es etwas wilder mag, fährt mit dem Kanu über die Rutsche.
https://flic.kr/p/22M3Cmo

Heiligenfigur auf der Lazebnický most mit der St.-Jost-Kirche im Hintergrund
https://flic.kr/p/21u4a9i

Schlossturm im Detail
https://flic.kr/p/22M3A8q

Die typischen Gassen der Altstadt
https://flic.kr/p/22M3zHY

https://flic.kr/p/21K2TrC

Der Massentourismus hat jedoch seinen Preis. In der Innenstadt wohnt kein Einheimischer, da sie nur aus Geschäften und Hotels besteht. Für ein ähnliches Mittagsmenü bestehend aus Suppe und Hauptgericht müsste ich hier 279 statt 99 Kronen bezahlen.
Ein klares Indiz für einen Touristenort sind auch die vielen Trdelnik-Verkaufsstände. Ich finde die Baumstriezel aber trotzdem lecker und gönne mir sogleich einen.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Dec 2017, 16:44
Als nächstes erklimme ich den Weg zur Burg, links die dreistöckige Plást´ový most zwischen Burg und Schlosspark.
https://flic.kr/p/22PzgVP

Die Aussicht über die idyllisch in der Moldauschleife gelegenen Altstadt kann sich sehen lassen.
https://flic.kr/p/21u49rg
Wer einen ruhigeren Aussichtspunkt sucht, dem sei der Kreuzberg mit Kapelle empfohlen, im Hintergrund mittig rechts neben der dominanten St.-Veit-Kirche zu sehen.

Der großzügige Schlosspark bietet nicht nur ausreichend Platz für selfiesickfuchtelnde Asiaten, sondern auch für Brunnen…
https://flic.kr/p/HSYG5Z

…und dem Open-Air-Theater mit 360° drehbarer Zuschauertribüne.
https://flic.kr/p/22M3x5b

Da gerade eine Aufführung stattfindet, kann ich mir sie leider nicht aus der Nähe anschauen.

In der Stadt gibt es für jeden Geschmack den passenden Laden.
https://flic.kr/p/21u48N2

https://flic.kr/p/21K2Rfo

https://flic.kr/p/21K2Pys

Bei genauerem Hinschauen entdeckt man inmitten der Altstadt weniger überlaufene Orte, an denen man sich etwas ausruhen kann. Dafür bietet sich beispielsweise der Klostergarten an.
https://flic.kr/p/EGdr1G

Seitengasse zur Brauerei Eggenberg
https://flic.kr/p/21K2RTY

Der Marktplatz mit Mariensäule – keine Ahnung, ob das Bild gerade ist. In der Stadt geht es überall rauf und runter und um die Ecke, sodass es nicht immer einfach ist, die Waagerechte zu finden.
https://flic.kr/p/22Pz8FT

Nach so viel Kultur und Selfiesticks schwinge ich mich abermals auf den Sattel, um gut zwei Kilometer außerhalb eine geeignete Fotostelle aufzusuchen.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Dec 2017, 16:45
TRÖÖÖT! TRÖÖÖT! Kadongkadong. Kadongkadong.
https://flic.kr/p/21K2Nz3
Im Hintergrund ist übrigens kein Nebel zu sehen, sondern der Rauch der zahlreichen Grills an einem Festival. Fetzen der Musik sind bis hier oben zu hören.

Lichttechnisch interessanter ist aber eigentlich der Gegenzug. Der steht mit +4 in der App. Und die Schatten wandern schnell, sehr schnell. Das Ende des Sommers macht sich bemerkbar.
So langsam könnte er aber wirklich mal kommen…

Mit +6 höre ich es tröten und es hätte keine Minute später sein dürfen.
https://flic.kr/p/21u46SD

Nach einem kleinen Snack zum Abendbrot mache ich noch einen kleinen Spaziergang. Da der letzte Zug zur Rückfahrt mit +15 angekündigt ist, bleibt mir noch ein bisschen Zeit. Die Dämmerung bricht herein.
https://flic.kr/p/HSYyY4

Ich entdecke einen tollen Aussichtspunkt und bleibe dort hängen. Aus den +15 sind +35 geworden und ich bin kein bisschen böse drum. Also kann ich noch die blaue Stunde abwarten und hätte als Rückfallebene immer noch einen Bus um 22:00 Uhr.
„Pane! Mužete delat foto?“, ruft mir eine Gruppe Jugendlicher zu, während ich versuche, meiner Kamera stativlos einigermaßen Halt zu verschaffen.
Ich bekomme ein iPhone in die Hand gedrückt und versuche mein Glück. Für das Ergebnis will ich mir zwar nicht verbürgen, doch sie sind damit zufrieden (und ich bin zufrieden damit, dass ich verstanden habe, was sie von mir wollen…)

https://flic.kr/p/EGdkpS
Ich setze mich auf eine Bank, um den Abend noch ein wenig zu genießen. Routinemäßig kontrolliere ich nochmals die Abfahrt.
Uuups, der Zug hat hier in Ceský Krumlov 14 Minuten Aufenthalt. Dann habe ich doch nicht mehr so viel Zeit und trete schleunigst den Rückweg an.
https://flic.kr/p/HSYypt

Der Bahnhof liegt ein gutes Stück außerhalb und oberhalb der Stadt, sodass ich nochmal kräftig strampeln muss. 5 Minuten nach der planmäßigen Abfahrt stehe ich am Bahnsteig, nur noch eine Frau wartet dort. Zwei Brotbüchsen sind abgestellt und dunkel.

Nach einer Viertelstunde klingelt der BÜ, ein Regionova fährt in das besetzte Gleis ein und hängt sich mit einem kräftigen Rumms an die beiden Brotbüchsen dran. Alle darin befindlichen Fahrgäste steigen aus, die Frau und ich werden in die vordere Brotbüchse gebeten.
Software scheint bei dem Dreierpack Triebwagen wohl kein Problem zu sein, alle drei Triebwagen haben sogar Licht.
Etwas 2,80€ kostet die Fahrt mit Fahrrad und IN25 über 31 km in 45 Minuten. Bald setzt sich der interessante Zug mit Tröten in Bewegung und die Luft des lauen Sommerabends strömt durch das offene Fenster. Der Fahrtwind trägt abwechselnd Dieselabgase, den Geruch des Dungs von den Feldern und der Nadelhölzer herein. TRÖÖÖT! Kadongkadong. Quieeeeeetsch! Dingding. Dingding. Pozor vlak!
In gemütlichem Tempo führt die stimmungsvolle Fahrt zurück nach Budweis und endet mit +26.
https://flic.kr/p/22M3s9j

Geschrieben von: Entenfang am 25 Dec 2017, 19:25
Tag 7 Lipno nad Vltavou

Auflösung von gestern: Bei der mysteriösen Beilage handelt es sich um Gurkensalat, der aber aus mehr Wasser als Gurke bestand.


Es ist Samstag – Zeit zum Ausschlafen und für einen weiteren Ausflug. Da es ein heißer Tag wird, passt die vorgesehene Tour in die Berge ganz gut.
Obwohl (oder gerade weil) die Abfahrt erst um 12:06 Uhr ist, schaffe ich es irgendwie, mich hoffnungslos zu vertrödeln und rase zum Bahnhof. 4 Minuten bis zur Abfahrt und ich muss noch eine Fahrkarte für mich und Fahrrad kaufen.

Wie könnte es anders sein, alle Schalter sind besetzt. Immerhin bin ich nach einer guten Minute dran. Die Uhr zeigt 12:03 Uhr.
Glücklicherweise fällt mir alles Notwendige auf Tschechisch ein. Die Mitarbeiterin erzählt mir etwas von Reservierung für das Fahrrad, ich nicke nur und sage ja und amen. 12:04.

Sie fragt nochmal etwas, dass ich nicht verstehe. Aber ich muss wohl alle notwendigen Infos gegeben haben, denn sie beginnt, die Fahrkarten zu drucken. Und das sind ganz schön viele. 12:05.

Sie deutet noch auf Wagen 362, aber ich nehme das gar nicht mehr richtig wahr, während ich die vier Fahrkarten in meinem Rucksack stopfe und in die Unterführung renne. Ich wuchte das Fahrrad die Treppe hoch, die Uhr steht bereits auf 12:06.

Als ich die EC-Wagen sehe, dämmert mir so langsam, was es mit der Reservierung für das Fahrrad auf sich hat. Das hatte ich nicht bedacht, denn in Tschechien galt für mich immer: Fahrkarte von A nach B kaufen und in den nächsten Zug einsteigen.
Am Treppenaufgang steht Wagen 359, der Zug ist abfahrtbereit, das Signal auf Fahrt und die Zeit überfällig.
Ihr habt 3 Sekunden, eine Entscheidung zu fällen.

Ich wähle reinspringen und blockiere mit meinem Fahrrad natürlich den Einstiegsbereich. Gut eine Minute später setzt sich der Zug in Bewegung. Eine Handvoll Fahrgäste quetscht sich in den nächsten Minuten an mir vorbei, aber niemand kommentiert etwas.

Was ich an diesem Land so toll finde, selbst wenn du etwas Dummes machst, motzen dich die Leute nicht gleich an und reiben dir deinen Fehler unter die Nase. Fußgänger entschuldigen sich sogar, wenn sie auf dem Fußweg den Radfahrern keinen Platz gemacht haben. Ob Radfahren auf dem Fußweg nun erlaubt ist oder nicht, konnte ich nicht klären.
Bei stockendem Verkehr blockiert niemand die Kreuzung, sondern die Wartepflichtigen werden reingelassen.
Na gut, die Schaffnerin meckert dann doch geringfügig. Davon verstehe ich maximal ein Viertel, entschuldige mich und deute auf das Verkaufsdatum der Fahrkarte. Dass ich offensichtlich alle benötigten Fahrscheine habe, besänftigt sie glücklicherweise etwas und ich verspreche, am nächsten Bahnhof in den richtigen Wagen umzusteigen.

Als mich die Schaffnerin beim nächsten Kontrollgang mit ordnungsgemäß verstautem Fahrrad entdeckt, nimmt sie das wohlwollend zur Kenntnis. Inzwischen habe ich auch herausgefunden, dass die Rückfahrt glücklicherweise mit einem Os vorgesehen ist, für den ich keine Fahrradreservierung lösen muss.

Ich bereite mich auf den Umstieg in den Zug nach Vyšší brod vor. Dazu muss ein Reisendenübergang quer über alle Bahnhofsgleise benutzt werden.
https://flic.kr/p/EJvGZE
Als ich dem Fahrgaststrom folgen möchte, schnauzt mich ein Bahnmitarbeiter an. Er deutet auf das Empfangsgebäude und grummelt irgendwas.
Die Schaffnerin fragt mich, wohin ich wolle und ich sage Lipno. Sie bedeutet mir zu folgen, der Mann motzt aber wieder herum, ich solle warten. Herrje.
Eine halbe Minute später darf ich dann doch rüber. Der Gepäckwagen ist nicht in Benutzung und ich verlade mein Fahrrad in den Dosto.

https://flic.kr/p/22PrUq9
Feuchtwarme Sommerluft strömt herein.

Auf etwa halber Strecke muss in Vyšší brod klášter umgestiegen werden. Von dort pendeln an diesem Wochenende zwei Züge im 35-Minuten-Takt bis Lipno. Auf dem Abfahrtsplan lese ich etwas von Rafting-Event und wundere mich, was der Unfug soll.

Mit erheblicher Verspätung rollt der Zug aus Lipno herbei.
https://flic.kr/p/DdyWWZ
Die Handvoll Fahrräder werden in den Dosto geschickt. Wofür haben wir denn einen Gepäckwagen, wenn er nicht verwendet werden soll?

Nun, die Antwort erhalte ich am nächsten Hp.
https://flic.kr/p/21MqYLs

Bald ist nicht nur der gesamte Gepäckwagen mit Kanus vollgestapelt, sondern auch der Dosto. Ich stehe eingepfercht zwischen nassen Kanus und ihren ebenfalls nassen Fahrern in Neopren-Anzügen. Einige Fahrgäste müssen zurückbleiben und mit +17 geht´s weiter. Am nächsten Halt wird ein Teil der Kanus wieder entladen.
https://flic.kr/p/21MqXZs
Auf dem im Bild sichtbaren Gleis hat übrigens wenige Augenblicke zuvor der Gegenzug gekreuzt, nachdem er sich mit Pfeifen angekündigt hatte und sich die Kanufahrer dicht gedrängt an den stehenden Zug geschmiegt haben.
Übrigens dürfte die Gleisnutzlänge zum Kreuzen wohl ausschlaggebend für die kurzen Zweiwagenzüge sein – mehr als Sandwichbespannung und zwei Wagen sind nicht fahrbar.
Dennoch scheint das Betriebskonzept wie gemacht für die Anforderung, denn aus der vorhandenen Infrastruktur wird das größtmögliche herausgeholt und dabei ein stabiler Fahrplan gefahren. Die Verspätungen übertragen sich nicht auf den Anschluss in Rybník und die nassen und verschmutzten Wagen bleiben ebenfalls in einem kleinen Einzugsbereich.
Nach der Ankunft in Lipno gleicht der Wagen einer Sauna und ich bin ziemlich nass – eine Mischung aus Schweiß und der Nässe der Kanufahrer.
https://flic.kr/p/21MqXsA

Anschließend verewige ich einige Fahrten.
Kurz vor der Ankunft in Lipno – argh, blöde Brennnessel!
https://flic.kr/p/21MqWAL


Gegenzug unweit des Loucovice zastávka
https://flic.kr/p/DdyT1T

Und die Rückfahrt im Wald bei Lipno
https://flic.kr/p/21MqViL

Es folgt eine Fahrradtour um einen Teil des riesigen Stausees.
In Frymburk wechsle ich per Fähre die Seite und strample zurück zum Bahnhof.
https://flic.kr/p/22PrRPh

Geschrieben von: Entenfang am 25 Dec 2017, 19:25
Pause am Ufer
https://flic.kr/p/DdyR7x


Ein paar Minuten bleiben mir noch bis zur Abfahrt – Zeit genug für einen Blick auf das hübsche Bahnhofsgebäude.
https://flic.kr/p/EJvKi7
In Deutschland wäre der Bahnhof wohl längst zum Hp rückgebaut und das verfallene Empfangsgebäude durch einen kostengünstigen Fertigteilunterstand ersetzt worden.

Für ein Stück Kuchen hat es nicht mehr gereicht, doch in Vyšší brod habe ich 27 Minuten Umsteigezeit. Hm, der Coop hat samstags nur bis 12:30 Uhr geöffnet, der Bäcker vor 10 Minuten geschlossen. Laut Google gibt es aber einen kleinen Laden, der bis 22 Uhr geöffnet ist.
Ich schwinge mich auf den Sattel und finde ihn fünf Minuten später. Ein typischer vietnamesischer Tante-Emma-Laden, wie man ihn in Tschechien oft findet. Eine Packung Kekse reicher kehre ich zum Bahnhof zurück. Einzelne Zugleistungen werden morgen im SEV bedient. Vermutlich wird dieses Fahrzeug zum Einsatz kommen:
https://flic.kr/p/EJvJF5

An die Gemütlichkeit solcher Abteilwägen kommt einfach kein designpreisgekröntes Neufahrzeug dran.
https://flic.kr/p/EJvJcE

Laut summend kühlt der Lüfter die E-Lok auf der gemütlichen Rückfahrt nach Rybník.
https://flic.kr/p/EJvHCy
Solche Nebenbahnen kann man wohl nur bei geöffneten Übersatzfenstern richtig „erfahren“.

In Rybník geht noch immer derselbe Mitarbeiter anderen Fahrgästen auf die Nerven, doch der Tf des Zuges nach Budweis ist deutlich hilfsbereiter und organisiert den Schlüssel für den Gepäckwagen. Übrigens ist keiner der tschechischen Fahrgäste mit Fahrrädern auf die Idee gekommen, bei den normalen Türen einzusteigen und alles zu blockieren. Sie begeben sich stets zum Gepäckwagen.
Schnauze im Abendlicht
https://flic.kr/p/EJvFBj
Wir warten auf den SEV aus Linz und starten mit +9.

Der typische tschechische Provinzbahnhof an Hauptstrecken in unmodernisiertem Zustand
https://flic.kr/p/EJvF1E

Pozor vlak!
https://flic.kr/p/21wsKNR

Die Übersatzfenster bleiben einfach eine wunderbare Einrichtung – so wird jeder Abschied romantisch.
https://flic.kr/p/21wsKgi

Geschrieben von: Entenfang am 25 Dec 2017, 19:25
Flotte Fahrt in den Sommerabend
https://flic.kr/p/EJvDkW

https://flic.kr/p/EJvD5W

https://flic.kr/p/EJvCGG

Der Tf weiß offenkundig, was er tut und bremst den Zug stets zielgenau ab. Bei dem straffen Fahrplan ist das Herausfahren von 4 Minuten Verspätung auf 52 Minuten Fahrzeit bis Budweis sicher keine schlechte Leistung.
„Praha tady! Nekdo Praha?“, ruft die Schaffnerin vom vorderen Teil des Bahnsteigs, wo der Anschluss nach Prag wartet.

Auf mich wartet nun noch die Fahrradrückgabe und das Abendessen. Sollte ich es als Kompliment nehmen, dass ich ungefragt die Speisekarte auf Tschechisch bekomme, obwohl es auch englische gibt?

Geschrieben von: 146225 am 26 Dec 2017, 06:05
QUOTE (Entenfang @ 25 Dec 2017, 19:25)
An die Gemütlichkeit solcher Abteilwägen kommt einfach kein designpreisgekröntes Neufahrzeug dran.

In deinem jugendlichen Alter magst das gerne so sehen, wer "vor der Haustür" noch den Alltag mit dem Bm 232 (& Co.) jahrelang erfahren hat, ist oft etwas zurückhaltender mit derartigen Beurteilungen.

Bislang übrigens ein sehr interessanter Bericht, Danke für die Mühen. wink.gif

Geschrieben von: Lobedan am 26 Dec 2017, 18:17
Da entführst du uns ja mal wieder in schmucke Altstädte und tolle Natur!
Da Weihnachten mich in Beschlag genommen hat, konnte ich erst heute alles lesen und nicht an den Rätseln teilnehmen. Aber ich hätte eh falsch gelegen. Dafür habe ich noch eine neunmal-schlaue Anmerkung:
QUOTE (Entenfang @ 20 Dec 2017, 20:31)
Bei Kaufland mache ich mich nicht gerade beliebt, weil ich vergessen habe, dass man in Tschechien Obst und Gemüse selbst wiegen muss.

Das ist in deutschen Kaufland-Märkten ebenfalls noch so.

Geschrieben von: Entenfang am 26 Dec 2017, 23:56
Tag 8 Bechyne

Der Tag beginnt mit einer kurzen Obusfahrt zum Bahnhof, wo ich fix eine Fahrkarte erwerbe.
Die CD bietet Tageskarten für einzelne Regionen oder auch das ganze Land an. Die Preise variieren je nach Größe des Gebiets. Das https://www.cd.cz/typy-jizdenek/vnitrostatni-jizdenky/-28370/ ähnelt unseren Ländertickets.
Die zwei wesentlichen Unterschiede sind die Gültigkeit in allen Zügen (im SC muss die obligatorische Platzreservierung dazugebucht werden) sowie die ausschließliche Anerkennung in CD-Zügen – also kein Stadtverkehr in Verbünden.
Für 7€ bekomme ich die Tageskarte für Südböhmen, ganz Tschechien kostet etwa 23€.

Die Fahrt startet mit dem Schnellzug nach Tábor, zunächst eher gemütlich durch dichten Wald auf eingleisiger Strecke, später dann schneller auf ausgebauter Strecke mit Lärmschutzwänden. Ich finde es erstaunlich, wie wenig Graffiti es in Tschechien verglichen mit Deutschland gibt.
Parallel wird gerade die Bundesstraße zur Autobahn ausgebaut.
https://flic.kr/p/EM3GN3

In Tábor begebe ich mich zum abseits liegenden Bahnsteig Richtung Bechyne. Dort wartet die historische E 422 0003 „Bobinka“ auf mich. Der historische Zug wird an Sommerwochenenden im Regelbetrieb eingesetzt und ist ohne Aufpreis nutzbar.
https://flic.kr/p/Dg9baK

Die 24 km lange Nebenbahn ist seit ihrer Eröffnung 1903 elektrifiziert und eine der ersten elektrisch betriebenen Eisenbahnen der Welt. 1500 V Gleichstrom ist für Tschechien ein ungewöhnlicher Wert, zumal im Süden des Landes die restlichen Strecken mit 25 kV Wechselstrom elektrifiziert sind.

In gemächlichem Tempo beginnt die Fahrt straßenbahnartig mit sehr engen Bögen zwischen den Häusern über bimmelnde BÜ. Ein Highlight der Strecke ist die Querung des Flusses Lužnice.
https://flic.kr/p/22UzdYX

Der Zug wird von Ausflüglern, aber auch von „normalen“ Fahrgästen genutzt, die nach und nach an den sehr ortsfern gelegenen Hp der Dörfer aussteigen.
https://flic.kr/p/21z5iz4

https://flic.kr/p/21z5idH

Die Strecke ist sehr geländenah mit extrem engen Bögen (125 m) und großen Längsneigungen (41%o) trassiert und erlaubt daher nicht zuletzt wegen der zahlreichen technisch nicht gesicherten BÜ maximal 50 km/h, oft aber deutlich weniger.
https://flic.kr/p/21Q53Aq

Ein am BÜ wartender Autofahrer zückt spontan sein Handy, als er den historischen Zug erblickt.

Die meiste Zeit führt die Strecke durch offenes Gras- und Ackerland. Hier nähert sich der Zug dem vorletzten Halt Bechyne zastávka.
https://flic.kr/p/21z5hzt

Doch der interessanteste Abschnitt ist sicher die Überquerung des Bechynská duha (Bechyner Regenbogen), eine kombinierte Bahn- und Straßenbrücke. Und die betriebliche Regelung ist sicher das Highlight:
https://flic.kr/p/Dg986Z
Für die Straße handelt es sich um einen 200 m langen BÜ – aber wohlgemerkt nur in die Richtung, auf deren Seite das Gleis liegt. Wie unschwer zu erkennen ist, verkehrt der MIV im Gegenverkehr völlig normal.

Nachdem der Zug die Brücke befahren hat, darf der MIV sogleich nachfolgen.
https://flic.kr/p/21Q4ZFN

Wenn man vor lauter Begeisterung über dieses Kuriosum nicht in Schockstarre verfällt, kann man auch den Ausblick zum Franziskanerkloster genießen.
https://flic.kr/p/21z5gvp

Geschrieben von: Entenfang am 26 Dec 2017, 23:56
Während der Wendezeit lässt sich die Brücke problemlos fußläufig aufsuchen, um die Rückfahrt abzuwarten. Doch für die Eisenbahn eher ungewöhnlich besteht bei diesem Motiv durchaus die Zufahrproblematik – wird doch auch bei der Rückfahrt nur der MIV in eine Richtung angehalten. Doch zu meinem Glück kommt genau passend ein einziges Auto vorbei, welches sich aber schön im Hintergrund hält.
https://flic.kr/p/21z5fFZ

Ich finde es nicht besonders vertrauenserweckend, dass die Brücke maximal 25t standhält – da sorgt auch das Zusatzschild „einzelne Fahrzeuge 40t“ nicht für Beruhigung, bringt doch alleine die Lok 48t auf die Waage…


Ich gehe ein wenig spazieren…
https://flic.kr/p/21Q4YDC

…und erkunde den Schlosshof…
https://flic.kr/p/Dg96hZ

…samt modellbahnartigem Blick ins Tal…
https://flic.kr/p/21Q4X3S

…und die malerische Innenstadt.
https://flic.kr/p/21Q4W1m


Nach dem Mittagessen nutze ich die Gelegenheit, den Kirchturm zu besteigen, da das erste Gewitter vorübergezogen ist.
https://flic.kr/p/Dg94MK

Blick auf den hübschen Námestí T.G. Masaryka mit für meinen Geschmack einem Tick zu vielen Parkplätzen, im Hintergrund die Bahnbrücke
https://flic.kr/p/Dg94eR

Während ich die Ankunft des Zuges abwarte, zieht es immer stärker zu.
https://flic.kr/p/Dg93ue

Für die Rückfahrt suche ich den nahegelegenen Park des Franziskanerklosters auf.
Zwei alte Frauen unterhalten sich, eine spricht mich an. Ja, schöne Aussicht. Kurzer Smalltalk in meinem brüchigen Tschechisch, doch merke dir, wenn dich jemand allzu freundlich anspricht, dann sind es die Zeugen Jehowas…
https://flic.kr/p/Dg92EP

Ein kurzer Schauer zieht durch, den ich unter einer mächtigen Linde abwarte und laufe anschließend Richtung Bahnhof.
Zwar handelt es sich um einen Kurort, doch für ein Dorf mit 5000 Einwohnern irgendwo in der Provinz ist es ziemlich gut ausgestattet.
Es gibt viele kleine Geschäfte, den typischen Dorf-Coop, der zwar üblicherweise sonntags geöffnet hat, aber am Wochenende äußerst begrenzte Öffnungszeiten bietet.
https://flic.kr/p/EM3JF1

Geschrieben von: Entenfang am 26 Dec 2017, 23:56
Es gibt sogar ein kleines Kino.
https://flic.kr/p/Dg91Ti

Nachdem ich mich im Tesco mit Essen versorgt habe, bleibe ich am Bahnhof sitzen, da sich der Himmel immer weiter verdunkelt. Gute Entscheidung, denn bald regnet es.
Ein Bild des ankommenden Regionovas muss aber trotzdem sein.
https://flic.kr/p/21z5an2

Schade, dass die Elektrifizierung nur für historische Fahrten genutzt wird und nicht alle Zugpaare damit gefahren werden.
https://flic.kr/p/EM3Hn9

Der Regionova füllt sich auf der Rückfahrt wieder und im strömenden Regen unter einem Regenbogen erreichen wir Tábor. Von dort bringt mich der Schnellzug durch den dunstigen Abend zurück nach Budweis.
https://flic.kr/p/21z59iP

Und ein Abendbild aus dem Fenster – die Sonne versinkt im Nebel.
https://flic.kr/p/EM3Fpw

Hochhäuser im Dunst
https://flic.kr/p/21z58MZ

Geschrieben von: Lobedan am 27 Dec 2017, 09:48
QUOTE (Entenfang @ 26 Dec 2017, 23:56)
Ich finde es nicht besonders vertrauenserweckend, dass die Brücke maximal 25t standhält – da sorgt auch das Zusatzschild „einzelne Fahrzeuge 40t“ nicht für Beruhigung, bringt doch alleine die Lok 48t auf die Waage…

Vielleicht ist das die Zusatzlast zum Zug! unsure.gif
Oder die geringere Achslast der Lok im Verhältnis zu LKW gleicht es aus.

Geschrieben von: TramBahnFreak am 27 Dec 2017, 14:23
QUOTE (Lobedan @ 27 Dec 2017, 09:48)
Vielleicht ist das die Zusatzlast zum Zug! unsure.gif
Oder die geringere Achslast der Lok im Verhältnis zu LKW gleicht es aus.

Oder die Brücke verträgt zusätzlich zum Zug noch maximal 25 t...?

Geschrieben von: Entenfang am 27 Dec 2017, 17:04
QUOTE (TramBahnFreak @ 27 Dec 2017, 14:23)
Oder die Brücke verträgt zusätzlich zum Zug noch maximal 25 t...?

Das wäre natürlich eine denkbare Möglichkeit...


Tag 9

Die Kaffeepause nutze ich zum Knipsen im nahegelegenen Stadtteilzentrum.
https://flic.kr/p/HZ5Qkt

Die Gegenrichtung – die beiden Vollwerbungen sind noch die der angenehmeren Sorte und der Bilderrahmen um das Fenster noch einigermaßen kreativ.
https://flic.kr/p/HZ5NXZ

Ein Hund bellt wie verrückt. In Tschechien gibt es einfach zu viele Kläffer, die sich gerne mal raufen.
https://flic.kr/p/HZ5Pv2

Es klart im Laufe des Tages auf und für die nächste Zeit ist wieder strahlender Sonnenschein angekündigt. Folglich muss wieder ein Fahrrad her. Nachdem ich im verleihenden Café ein Stück Torte verspeist habe, steht der Ausleihe des letzten verfügbaren Fahrrads nichts mehr im Wege.

Leider haben sich die auffallend rosafarbenen Fahrräder des Bikesharing-Systems Rekola nicht wirklich bewährt. https://www.rekola.cz/en/
Sie eignen sich nur für kurze Fahrten in der Stadt, nicht aber für längere Touren, denn sie haben keine Gangschaltung und die Bremsen sind auch eher mäßig.


Eine sehr schöne Fotostelle für regen Regional-, Stadt- und Obusverkehr findet sich an der Dlouhý Most (Lange Brücke). Im dichten Verkehr der nachmittäglichen HVZ wird meine Geduld aber stark strapaziert und ich suche die Stelle zu leicht veränderten Tageszeiten mehrfach auf, ehe ich einige halbwegs brauchbare Bilder bekomme.
https://flic.kr/p/HZ5N1t

https://flic.kr/p/21AfUUM

https://flic.kr/p/DhiKo4

https://flic.kr/p/HZ5S3g

Einige Meter weiter an der Haltestelle U Zelené ratolesti…
https://flic.kr/p/22Td5qo

…und an der folgenden Haltestelle Poliklinika Sever.
https://flic.kr/p/21AfZHe

Leider muss sich der ÖPNV durch den in der HVZ permanent stockenden Verkehr um die Altstadt quälen. Mitten ins Zentrum wird aber immer ein Fußweg von rund einem halben Kilometer fällig, während man mit dem Auto direkt dorthin fahren kann. Eine flächendeckende Verkehrsberuhigung der Altstadt wäre äußerst wünschenswert.

Geschrieben von: Entenfang am 27 Dec 2017, 17:04
Nachmittags unternehme ich mal wieder eine Radtour durch Dörfer und Wiesen.
https://flic.kr/p/22Td3zu

https://flic.kr/p/22VMpAP

https://flic.kr/p/22Td22j

Ein Bus hat sich mitten aufs Feld verirrt
https://flic.kr/p/22VMo1z


Ich passiere die Wendeschleife vom 9er und sehe einen Altwagen. Also schnell weiter und eine passende Stelle suchen. Da wagt sich noch ein Lichtstrahl zwischen den Bäumen hindurch… Doch die Wendezeit ist zu groß und das Licht hinfort, als das typische Heulen der Altwagen erklingt.
https://flic.kr/p/22VMoQv

Rangierdienst am Hbf
https://flic.kr/p/HZ5TdT

Inzwischen habe ich die tschechische Küche satt und gönne mir ein Sandwich mit Hummus und Petersilie in einem Café, das genauso gut in Berlin-Kreuzberg sein könnte.

Geschrieben von: Luas am 28 Dec 2017, 17:19
Der abgestellte Niederflurbus auf der Wiese könnte anhand der Farbgebung ein ehemaliger Linienbus aus Prag sein.

Und beide Daumen hoch für den faszinierenden Bilderbericht!

Geschrieben von: Entenfang am 28 Dec 2017, 18:30
Tag 10 Trebon

Den tschechischen Filmnachmittag lasse ich mal ausfallen und fahre als Alternativprogramm nach Trebon.

Richtung Osten ist es ganz schön hügelig, was die Strampelarbeit zwar massiv erhöht, aber dafür einige Ausblicke bietet, hier auf Rudolfov
https://flic.kr/p/J1VDqD

Erwähnenswert ist die Beschilderung der verwinkelten Gassen in vielen Dörfern. Oftmals bekommt man einen kleinen Stadtplan vorgesetzt und Spiegel ermöglichen den Blick um die Ecke.
https://flic.kr/p/J1VChr

So schnell, wie die Tschechen über die kleinen und kurvigen Landstraßen rasen, sollte man besser oft beten…
https://flic.kr/p/22XyoZH

Angenehmerweise geht es zum Schluss nur noch bergab, ehe ich vor den Toren der Stadt an der Schwarzenberger Gruft einen kurzen Stop einlege. Es stammt vom Adelsgeschlecht der Schwarzenberger, die von 1660 bis 1924 die Entwicklung der Stadt prägten.
https://flic.kr/p/21T2VEh


Trebon ist für seine Karpfen bekannt. Im Spätherbst werden sie aus den unzähligen Fischteichen geangelt und sind in Tschechien ein äußerst beliebtes Weihnachtsessen.

Der Masarykovo námestí ist das Herz der Altstadt. In der Mitte befindet sich eine Mariensäule mit Brunnen, rechts das Rathaus. Die große Anzahl an Sitzbänken gefällt mir.
https://flic.kr/p/22Xyo8T

Auf die Schnelle finde ich keine geeignete Fotostelle für den nächsten Zug, doch die hölzerne Kurbelschranke ist auf jeden Fall sehenswert.
https://flic.kr/p/J1VyZp
Der BÜ ist übrigens weder durch den Fdl einsehbar noch kameraüberwacht – in Deutschland undenkbar.

Kleiner Stadtspaziergang durch das überschaubare Zentrum
https://flic.kr/p/EQ31QQ

https://flic.kr/p/J1VxR2

https://flic.kr/p/22XymiR

https://flic.kr/p/22Xykra

Geschrieben von: Entenfang am 28 Dec 2017, 18:31
Außerdem hat die Stadt noch ein großes Schloss samt zugehörigem Schlossgarten zu bieten.
https://flic.kr/p/22XyjXV

Pause am Rybník Svet samt Landebahnmarkierung für die zahlreichen Wasservögel
https://flic.kr/p/J1Vwpp

Die Rückfahrt findet per Bahn statt.
Im großzügigen Bahnhof von Trebon kreuzen sich planmäßig die zweistündlich verkehrenden Züge zwischen Veselí nad Lužnicí und Ceské Velenice.
https://flic.kr/p/EQ2Yjs

Ich wähle die Verbindung über Letzteren, um keine mit Fahrrad reservierungspflichtige Züge zu erwischen.
Älteren Menschen sowie denen mit sperrigem Gepäck können an den niedrigen Bahnsteigen zwar keine Schiebetritte angeboten werden, dafür bieten sich sofort helfende Hände vom Schaffner und anderen Fahrgästen an. Übrigens hat sich niemand auf meinen bisherigen Fahrten über Zugluft durch geöffnete Fenster beschwert.

Die Strecke bietet große Gleisradien und lässt hohe Geschwindigkeiten zu.
Hierbei handelt es sich wohl um ein Gruppen-ASig.
https://flic.kr/p/J1VvRv

Der Fdl gibt seine Zustimmung zur Weiterfahrt.
https://flic.kr/p/EQ2Xqy

Eigentlich möchte ich die Umsteigezeit in Ceské Velenice für ein Bild vom Zug aus Wien nutzen, doch dieser verkehrt wegen Bauarbeiten im SEV. Sehr sinnvoll, dass man gleich zwei benachbarte Grenzübergänge auf österreichischer Seite total gesperrt hat… Laut Durchsage verkehrt der Zug aus betrieblichen Gründen nicht – da kann ich sogleich zwei Kreuzchen in meinem Bullshit-Bingo setzen. Es sollten die einzigen beiden während meines gesamten Aufenthalts bleiben.
Der Regiopanter nach Budweis sonnt sich im riesigen Bahnhof für recht überschaubaren Zugverkehr.
https://flic.kr/p/J1Vve8

Nun komme ich doch in die Verlegenheit, mich dumm anzustellen. Zwar klebt auf jeder Tür ein Fahrradsymbol, dahinter verbirgt sich aber kein Mehrzweckbereich. Der Schaffner schimpft, als er mich im Vierer mit Fahrrad im Gang sieht und schickt mich in den Einstiegsbereich. Ja, aber dann blockiere ich doch die Türen…
Eine alte Frau gibt mir den entscheidenden Denkanstoß zur richtigen Verstauung, indem sie auf den Haken deutet.
https://flic.kr/p/21T2NXj

Geschrieben von: Lobedan am 28 Dec 2017, 18:43
QUOTE (Entenfang @ 28 Dec 2017, 18:30)
Auf die Schnelle finde ich keine geeignete Fotostelle für den nächsten Zug, doch die hölzerne Kurbelschranke ist auf jeden Fall sehenswert.
https://flic.kr/p/J1VyZp
Der BÜ ist übrigens weder durch den Fdl einsehbar noch kameraüberwacht – in Deutschland undenkbar.

Der Ort erinnert sehr stark an die sanierten Altstädte Ostdeutschlands. Dazu passt auch dieser Bahnübergang hervorragend: Wie eine aus der Zeit gefallene Nebenbahn. Selbst die Freihaltung für ein zweites Gleis wirkt da eher obligatorisch. Lag es dort jemals und wurde rückgebaut oder hat man den BÜ nur zukunftsorientiert errichtet?

QUOTE (Entenfang @ 28 Dec 2017, 18:31)
Nun komme ich doch in die Verlegenheit, mich dumm anzustellen. Zwar klebt auf jeder Tür ein Fahrradsymbol, dahinter verbirgt sich aber kein Mehrzweckbereich. Der Schaffner schimpft, als er mich im Vierer mit Fahrrad im Gang sieht und schickt mich in den Einstiegsbereich. Ja, aber dann blockiere ich doch die Türen…
Eine alte Frau gibt mir den entscheidenden Denkanstoß zur richtigen Verstauung, indem sie auf den Haken deutet.
https://flic.kr/p/21T2NXj

Hihi, die Menschen schauen nie nach oben. laugh.gif Aber schon eine sehr praktische und platzsparende Lösung. Gibt es die Haken beiderseits der Tür auf auch auf der gegenüberliegenden Türseite? Denn ein Fahrrad pro Wagenteil ist dann doch etwas mager.

Geschrieben von: Valentin am 29 Dec 2017, 12:45
QUOTE (Lobedan @ 28 Dec 2017, 18:43)
QUOTE (Entenfang @ 28 Dec 2017, 18:30)
Auf die Schnelle finde ich keine geeignete Fotostelle für den nächsten Zug, doch die hölzerne Kurbelschranke ist auf jeden Fall sehenswert.
https://flic.kr/p/J1VyZp
Der BÜ ist übrigens weder durch den Fdl einsehbar noch kameraüberwacht – in Deutschland undenkbar.

Der Ort erinnert sehr stark an die sanierten Altstädte Ostdeutschlands. Dazu passt auch dieser Bahnübergang hervorragend: Wie eine aus der Zeit gefallene Nebenbahn. Selbst die Freihaltung für ein zweites Gleis wirkt da eher obligatorisch. Lag es dort jemals und wurde rückgebaut oder hat man den BÜ nur zukunftsorientiert errichtet?

War dieser Streckemteil Teil der Franz Josefs Bahn? Sie war in der k.u.k. Monarchie eine wichtige zweigleisige Hauptbahn, die Wien mit dem böhmischen Industrierevier und Eger verband. Um 1960 wurde in Österreich das 2. Gleis entfernt. Wird bei der Fortsetzung ab dem Gmünder Hauptbahnhof (heute Ceské Velenice) ähnlich gelaufen sein.


Während 160km der Strecke von Prag Richtung Grenze inzwischen zweigleisig und auf 160km/h ausgebaut werden, vertröstet man in Österreich die vielen Fernpendler von Waldviertl nach Wien auf einen in sehr ferner Zukunft liegenden zweiggleisigen Rück-Ausbau der Strecke, der durch einen angenachte Neutrassierung erst recht nicht näher rückt...

Geschrieben von: Entenfang am 29 Dec 2017, 15:52
QUOTE (Lobedan @ 28 Dec 2017, 18:43)
Hihi, die Menschen schauen nie nach oben. laugh.gif Aber schon eine sehr praktische und platzsparende Lösung. Gibt es die Haken beiderseits der Tür auf auch auf der gegenüberliegenden Türseite? Denn ein Fahrrad pro Wagenteil ist dann doch etwas mager.

WIMRE nur 1 Haken pro Eingangsbereich. Wie man aber sieht, blockiert das Fahrrad schon ganz schön den Durchgang. Und praktisch, naja. Wenn die Reifen schmutzig sind, sieht die weiße Wandverkleidung wohl bald nicht mehr hübsch aus...


QUOTE
War dieser Streckemteil Teil der Franz Josefs Bahn? Sie war in der k.u.k. Monarchie eine wichtige zweigleisige Hauptbahn, die Wien mit dem böhmischen Industrierevier und Eger verband. Um 1960 wurde in Österreich das 2. Gleis entfernt. Wird bei der Fortsetzung ab dem Gmünder Hauptbahnhof (heute Ceské Velenice) ähnlich gelaufen sein.

Ja, war Teil der Franz-Josefs-Bahn. Danke für die Info, dazu hatte ich auf die Schnelle nichts gefunden. Aber ob der Teil in Tschechien wieder ausgebaut wird, mag ich eher zu bezweifeln. Von Prag bis Veselí nad Luznici sicher ja, das ist Teil der Hauptstrecke nach Budweis.


Tag 11

Der Sommer dreht nochmal richtig auf und die Temperatur kratzt wieder an der 30°-Marke. Ich nutze die Mittagspause mal wieder zur Dokumentation der Obusse.

52 kurz vor der Station Vysokoškolské koleje
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76 an der Post
https://flic.kr/p/22WnXCC

52 gefolgt von 151 am Reiterstandbild, welches sich rechts hinter dem Mastwald versteckt und auch namensgebend für die sehr zu empfehlende Kneipe links im Bild ist.
https://flic.kr/p/DkttNZ
Bemerkenswert finde ich, dass Obusse im Gegensatz zu Dieselbussen in Tschechien kein Kennzeichen benötigen.

Aus Zeitgründen gibt es nur Chlebický (belegte Brote; wörtlich Brötchen im Sinne einer Verkleinerung) zum Mittagessen.

Nachmittags zur kleinen Abwechslung mal wieder eine Fahrradtour. Nach dem Kampf mit den Hügeln darf es mal wieder was Flaches Richtung Nordwesten sein.
Nicht wirklich geplant lande ich dann nochmal an der Fotostelle, die ich bereits am dritten Tag entdeckt hatte.
https://flic.kr/p/22WnWJU

Hat jemand Angst vor Spinnen? Dann bitte das nächste Bild überspringen.
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Ortskern von Zbudov
https://flic.kr/p/DktrJP

Ländliche Idylle
https://flic.kr/p/Dktrcr

Und auf Wiedersehen bzw. Na shledanou!
https://flic.kr/p/Dktqjp

Geschrieben von: Entenfang am 29 Dec 2017, 15:52
Wenige Kilometer weiter ist der Bahnhof von Dívcice erreicht. Von dort soll die Rückfahrt mit dem unter der Woche letzten Zug des Tages um 19:12 Uhr nach Budweis erfolgen. Später verkehren nur noch Schnellzüge, die an den kleinen Bahnhöfen durchfahren.
Auch dieser Bahnhof entpuppt sich als wahres Kleinod.
https://flic.kr/p/22WnU81

Da hat wohl jemand die Wartezeit künstlerisch überbrückt – im Gegensatz zur Raketenabschussrampe gibt es das AKW tatsächlich. Es befindet sich im 15 km entfernten Temelín.
https://flic.kr/p/22Z149c

Die überschaubare Zuggarnitur nach Budweis
https://flic.kr/p/DktoTP

Und bei offenem Fenster den Sommerabend genießen… Gibt es etwas Schöneres?
https://flic.kr/p/Dktos8


Verehrte Leser, auf dem folgenden Streckenabschnitt kann leider kein WLAN angeboten werden. Aus diesem Grund verzögert sich die Fortsetzung des Reiseberichts um wenige Tage. Wir bitten um Geduld!

Geschrieben von: Lobedan am 29 Dec 2017, 16:01
Danke für die Zusatzinfos!

Und danke wärmenden für die Sommerbilder. So schön blau sah der Himmel hier heute Morgen auch mal ein paar Stündchen lang aus, leider aber bei fast 40 Grad weniger als auf deinen Fotos. ph34r.gif

Geschrieben von: vloppy am 1 Jan 2018, 11:12
Interessant - das Fahrrad blockiert nicht nur den Durchgang, sondern insbesondere den Notrufknopf - Sicherheit wird da auch nicht allzu groß geschrieben biggrin.gif

Geschrieben von: Entenfang am 2 Jan 2018, 23:44
QUOTE (vloppy @ 1 Jan 2018, 11:12)
Interessant - das Fahrrad blockiert nicht nur den Durchgang, sondern insbesondere den Notrufknopf - Sicherheit wird da auch nicht allzu groß geschrieben  biggrin.gif

Generell haben die Tschechen ein völlig anderes Verständnis von diesem Thema - man bedenke die neuen EC-Wagen, die generell die Türen unter 3 km/h auf beiden Seiten freigeben. Ich wage zu behaupten, dass in Tschechien keiner auf die Idee kommt, auf der Strecke oder auf der falschen Seite auszusteigen. Gehirn einschalten ist dort im Gegensatz zu Deutschland nicht nur erwünscht, sondern notwendig.

QUOTE
Und danke wärmenden für die Sommerbilder.

Gerne - und weiter gehts. Der Sommer sollte allerdings am Tag 12 ein jähes Ende finden.


Tag 12 Nové Hrady

Heute ist der Nachmittag mal wieder frei und es ist sehr heiß. Für den Abend sind allerdings Gewitter angekündigt.

Ein bisschen Mittagspausen-Fuzzen

Der werbefreie Wagen 82 biegt vor der Post ab, im Hintergrund der Cerná vež (Schwarzer Turm).
https://flic.kr/p/223dTDh

Unzählige Bus- und Obuslinien verkehren vom Bahnhof Richtung Innenstadt, sodass man reichlich Auswahl hat.
https://flic.kr/p/Jb737X

75 hat die Haltestelle Metropol verlassen und ist auf dem Weg in den Süden der Stadt.
https://flic.kr/p/EZaDMN

67 am leicht herabgekommen wirkenden Bahnhofsgebäude
https://flic.kr/p/Dt8xYV

Nach dem Mittagessen beim Italiener besteige ich den Regiopanter, welcher mich in 37 Minuten ins 37 km entfernte Nové Hrady bringt.
Weiter geht’s mit dem Fahrrad, nicht ohne an einem kleinen Fischteich eine Pause einzulegen…
https://flic.kr/p/21MaJTt

…und den Gegenzug abzuwarten.
https://flic.kr/p/DtbJ6x

Unter drückender Schwüle kämpfe ich mich in den gleichnamigen Ort, der aber über 6 km entfernt ist, bergauf. Am fernen Horizont ziehen die ersten Wolken auf.

Der gemütliche námestí Republiky bildet das Stadtzentrum.
https://flic.kr/p/223d5Cd

https://flic.kr/p/Jb5Mjc

Während meiner kurzen Burgbesichtigung verschwindet die Sonne und ich bin kein bisschen böse drum.
https://flic.kr/p/2357eou

Traumhafte Kürbisse
https://flic.kr/p/EZ9TK9

Ich folge einem einladenden Schild in ein Restaurant zu einem Kaffee und einem sehr leckeren Zwetschgenkuchen.

Geschrieben von: Entenfang am 2 Jan 2018, 23:45
Kein Sonnenstrahl durchdringt mehr die Wolkendecke, der Regenradar ist allerdings der Meinung, das erste Gewitter würde vorbeiziehen. Also strample ich dennoch weiter zum Tercino údolí, einem Landschaftspark im Südwesten der Stadt. Er wurde 1756 künstlich angelegt, im 20. Jahrhundert allerdings durch zwei Hochwasserereignisse sowie mangelnde Instandhaltung während des Ostblocks beschädigt.
Er bietet einige architektonische Kleinode, die nicht alle so verfallen sind wie die Ruine im Hintergrund.
https://flic.kr/p/Jb5dCR

Von der Festung Cuknštejn kann der Blick in die Ferne schweifen. Der Wind frischt auf, die Wolken sehen in Wirklichkeit viel bedrohlicher aus als auf den Bildern und einige Tropfen fallen. Der Regenradar hat seine Meinung leider geändert…
https://flic.kr/p/2356ZHy

https://flic.kr/p/237Q7FK

Ich verschwinde schleunigst wieder im Wald, wo ich besser geschützt bin und ggf. das Gewitter abwarten kann. Inzwischen habe ich den anfangs noch gut besuchten Park komplett für mich alleine. Kurze Bedenkpause am ebenfalls künstlich angelegten Wasserfall.
https://flic.kr/p/Dt7h8P

https://flic.kr/p/2356N6f

Immer noch keine Änderung des Wetters eingetreten, nur ein fernes Donnergrollen ist zu vernehmen.

Ich trete den Rückweg an, um mich nötigenfalls in Nové Hrady eine Weile unterstellen zu können und das schlimmste Gewitter abzuwarten.
Doch im Ort angekommen, ist immer noch keine Veränderung zu spüren. Unverändert bedrohlich wandert die schwarze Wolkenfront über den Himmel, einige kräftige Böen streichen über das Land und ein paar Tropfen fallen vom Himmel.

Der Bahnhof ist 6 km entfernt und mir bleiben 75 Minuten bis zur Zugabfahrt. Legt das Gewitter erst in einer Weile los, verpasse ich den Zug, sollte ich hier warten. Und im Zweifel ist eine trockene Straße besser als eine nasse, denn mein Fahrrad hat kein Schutzblech und ich nur eine Regenjacke dabei.
Also Hebel nach vorne, volle Kraft voraus. Ärgerlicherweise geht es zunächst ein Stück bergauf, doch nachdem ich Nové Hrady zurückgelassen habe, geht es erwartungsgemäß nur noch bergab und ich habe Rückenwind.

Der Himmel verdunkelt sich weiter und ein Blitz erhellt die Landschaft. Gut die Hälfte der Strecke habe ich geschafft, als die Intensität der Tropfen zunimmt. Egal, immer weiterfahren. Ich habe jetzt ohnehin keine andere Wahl.

Es bleibt bei den wenigen Tropfen und im Schutze einer Allee tauchen erfreulich bald die Baken zur Ankündigung des BÜ auf. Ich kann das Bahnhofsgebäude schon sehen.
https://flic.kr/p/Dt71Na

Zwei Minuten später stehe ich unter dem Dach, Gott sei Dank. Auf die Erfahrung, klitschnass eine Stunde auf den Zug warten zu müssen, um anschließend noch eine gute halbe Stunde zu fahren, kann ich gut verzichten.
https://flic.kr/p/223bGyq

Es regnet etwas stärker, doch der Wind hat nachgelassen und es zucken auch keine Blitze mehr über den Himmel. Nach gut 20 Minuten beruhigt sich das Wetter schon wieder und ich nutze sogleich die Gelegenheit.
650 003 verlässt die temporäre La, deren Beginn durch Z wie zacátek angekündigt wird.
https://flic.kr/p/223bxFA


Anschließend ruhe ich ein paar Minuten am nahen Rybník mit sonderbarer Lichtstimmung.
https://flic.kr/p/EZ8CKm

Dann fahre ich zurück zum Bahnhof, dessen Glanz durch die nicht mehr vorhandene Besetzung verblichen ist. Statt Blumen zieren nur einige hartnäckige Unkräuter den Wartebereich.
https://flic.kr/p/237PkrB

Geschrieben von: Entenfang am 2 Jan 2018, 23:45
Dafür gibt es einen barrierefreien Bahnsteig mit Standard-Wartehäuschen.
https://flic.kr/p/Jb4zVH
Die Ladestraße links wird zur Holzverladung genutzt, bei meiner Ankunft einige Stunden zuvor standen dort noch zwei Wagen.

Auch wenn ich den Innenraum des Regiopanter etwas verbaut finde, muss man positiv anmerken, dass es keine Wandfensterplätze gibt.
https://flic.kr/p/Dt4Q6n

https://flic.kr/p/237LQec

Eindrucksvolle Wolkenkulissen prägen den Übergang zur blauen Stunde. Bei leichtem Nieselregen endet die Fahrt in Budweis.
Kurzer Fotohalt in der Innenstadt
https://flic.kr/p/21M5VAv
Bis der Regen richtig loslegt, bin ich längst in meinem Zimmer.

Bisher kann ich mich nun wirklich nicht beschweren, kein Glück mit dem Wetter gehabt zu haben. Und heute hatte ich mehr Glück als Verstand…

Geschrieben von: Entenfang am 3 Jan 2018, 23:27
Tag 13 Hluboká

Die Temperatur hat sich halbiert, Dauerregen erwartet mich nach dem Aufstehen.
https://flic.kr/p/239AjoD

Ich verwerfe den Plan, die 10 km bis zum Schloss Hluboká mit dem Fahrrad zurückzulegen, da mich meine Regenklamotten wohl nicht trocken gehalten hätten. Also suche ich den Busbahnhof auf, welcher sich auf dem Dach des Einkaufszentrums Mercury gegenüber vom Bahnhof befindet.
https://flic.kr/p/JcUMea

Der Weg ist äußerst mühsam zu finden, da er extrem schlecht beschildert ist. Ich irre ein paar Minuten durch das Einkaufszentrum, ehe ich die riesige und ziemlich unübersichtliche Fläche mit 50 Haltepositionen erreiche.
Ich nehme den schnellen Regionalbus, welcher bis nach Prag verkehrt und wie alle anderen Regionalbusse auch, nicht mit Fahrkarten des Stadtverkehrs genutzt werden kann, obwohl sich Hluboká noch im Tarifgebiet von Budweis befindet. Eigentlich kann man nicht mehr von Regionalverkehr sprechen, da die Gesamtreisezeit bis Prag drei Stunden beträgt.

Nach einer Pizza zur Stärkung beginne ich den kurzen Aufstieg zum Schloss.
https://flic.kr/p/239A7ir

Das aus dem 13. Jahrhundert stammende, aber mehrmals umgebaute Schloss wäre samt seiner Gärten wohl noch deutlich schöner, wenn es nicht ununterbrochen regnen würde.
https://flic.kr/p/239zVgM

Fremdsprachige Führungen kosten doppelt so viel wie Tschechische und wir müssen erst mal einige Minuten warten, weil ein Mann seine Eintrittskarte nicht mehr findet. Auch seine Frau durchwühlt alle Taschen, ohne fündig zu werden. Schließlich stellt sich heraus, dass sie die Eintrittskarten an der Kasse vergessen haben.
Die Räume sind prachtvoll verziert, fast schon überladen mit Stuck und schweren Holzverkleidungen. Auch eine Heizung kann das Schloss bieten, nur der Ausblick nach Budweis fehlt heute.


Trotz des unverändert miesen Wetters unternehme ich am späten Nachmittag doch noch eine kleine Fahrradtour, die unbeabsichtigt deutlich länger wird. Nachdem ein Gz direkt hinter meinem Rücken durchgerauscht ist, erreiche ich die geplante Fotostelle.
https://flic.kr/p/F1YeKQ

Allmählich kriecht mir die Kälte in die Knochen und als aus den angekündigten +5 schon +10 geworden sind und immer noch kein Zug zu sehen ist, lasse ich es gut sein und trete den Rückweg an.

Man beachte die Straßenquerschnittsgestaltung in diesem Dorf, stellvertretend für sehr viele – es gibt keinen Fußweg, aber der MIV hat innerorts wie außerorts dieselbe Breite zur Verfügung.
https://flic.kr/p/239zJ58

Ziemlich nass erreiche ich den Fahrradverleih, gebe den Drahtesel ab, kaufe ein wenig ein und beende den Tag.

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:26
Tag 14 Nová Bystrice

Viel zu früh beginnt das zweite Wochenende, aber die Umsteigezeiten zum Dampfzug sind äußerst bescheiden, sodass ich ziemlich früh starten muss. Sonntags fährt überhaupt nichts Passendes, sodass ich dann sogar noch eine Stunde früher losfahren müsste.

Allmählich setzt sich das neue blauweiße Lackschema bei der CD durch.
https://flic.kr/p/Jf8PQp

Unspektakulär verläuft die Fahrt im Schnellzug nach Veselí nad Lužnicí.
https://flic.kr/p/21PCXrD

Weiter geht’s im Regiopanter bis Jindrichuv Hradec.
https://flic.kr/p/227aUPq

Dort kann ich mir eine Dreiviertelstunde das Treiben am Schmalspurbahnhof anschauen. Auch einige neugierige Einheimische sind schon vor Ort. Ein Zugpaar verkehrt am Wochenende als Dampfzug. Alle Züge werden von der JHMD auf von der SŽDC übernommenen Strecken betrieben, die Betriebsführung liegt neuerdings nach einem Unfall im Jahr 2016 wieder bei der SŽDC.

Mit blank geputzten Schildern kann die 46.001 bereitgestellt werden.
https://flic.kr/p/227aKKU

Diese Lok wurde aus Rumänien übernommen.
https://flic.kr/p/2397NHm

Ankunft des Zuges aus Nová Bystrice. Die JHMD besitzt einige bunte Dieselloks mit Baujahr 1958, die teilweise modernisiert wurden. Der Güterwagen dient dem Fahrradtransport, auch sie stammen teilweise von der CFR.
https://flic.kr/p/23bX9FP

Von der anderen Strecke aus Obratan rollt ebenfalls ein Zug ein.
https://flic.kr/p/Jf84bp

Wenn ich spontan Rollmaterial nennen müsste, das mir überhaupt nicht gefällt, dann wohl diese tarnfarbenen u-bootartigen Gebilde mit winzigen Bullaugen, daher auch der Spitzname Nautilus. Derartige Nebenbahnen muss man in Altwagen bei offenem Fenster erleben, nicht in modernisierten und klimatisierten Triebwagen, die von der PKP übernommen wurden.

Ich suche das Kundenzentrum auf, um mir Fahrkarten zu besorgen. Die Hinfahrt möchte ich mit dem Dampfzug, die Rückfahrt im Dieselzug machen. Oh je, die Frau spricht kein Wort Englisch. Ich bemühe mein Handy. Wie sagt man Dampfzug auf Tschechisch?
Glücklicherweise bietet ein Mann seine Hilfe an. Zwei Minuten später halte ich die gewünschten Fahrkarten in der Hand. 240 Kronen kostet die Hinfahrt mit dem Dampfzug, 36 Kronen die Rückfahrt im Dieselzug. Die Regelzüge im Zweistundentakt dienen der normalen Verkehrsanbindung, sind aber extrem langsam. Für die 33 km auf einer Spurweite von 760 mm muss man sich 1h 25 min. Zeit nehmen.

Der Zug ist nicht überfüllt, bei dem Wetter kein Wunder. Ganz so leer wie auf dem Bild bleibt es aber nicht.
https://flic.kr/p/F47Bsj
Das Thermometer zeigt gerade einmal 15° und ein frischer Wind tut sein Übriges.

Die Fahrt startet zunächst entlang der normalen Bahnstrecke im Dreischienengleis, ehe nach zwei Kilometern die Schmalspurstrecke abzweigt.
https://flic.kr/p/2397c2S
Nur ab und zu trauen sich die hartnäckigen Fuzzis auf den Aussichtswagen. Mit 10° mehr würde die Fahrt deutlich mehr Spaß machen. Auch im Wagen ist es ziemlich kalt.

Ab und zu zerrt jemand seinen großen Hund vor und zurück, der vorhin laut gebellt hat. In diesem Land gibt es einfach zu viele Kläffer…

Es folgt eine offene Hügellandschaft und der Zug dampft durch die Hausgärten der Anlieger.
https://flic.kr/p/22743Vj

Vermutlich werden sie Räucherkürbisse und Räucheräpfel ernten…
Einige Hühner suchen schleunigst das Weite, andere starren das dampfende Ungetüm nur an. Auf einer Wiese ist eine Gruppe Reiter unterwegs, deren Pferde durchdrehen und vor dem pfeifenden und qualmenden Monster fliehen wollen.

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:26
Bald folgt dichter Wald, unterbrochen von einigen Fischteichen und mir wird klar, warum die Landschaft auch Böhmisch Kanada genannt wird.
https://flic.kr/p/F47gqf

https://flic.kr/p/2279Hcu

https://flic.kr/p/F474sC

In Kunžak-Lomy dann Wasserpause, Fahrgäste und Fuzzis springen auf den Gleisen herum, ehe ein Mitarbeiter darauf hinweist, dass in Kürze der Dieselzug überholen wird.
Die Fotolinie üben wir nochmal?
https://flic.kr/p/F46WWm

Nach einem kurzen Halt setzt sich der Regelzug schon wieder in Bewegung. Der Mitarbeiter an der Lok verkürzt seinen Fußweg bis zur Handweiche.
https://flic.kr/p/DwXzhT
Übrigens: Wenn Autos dämlich geparkt sind, kann es sich nur um deutsche Fuzzis handeln, wie in diesem Fall der weiße Polo rechts im Bild.

Nach einer halben Stunde setzt sich der Zug dampfend wieder in Bewegung und wird allmählich leerer. Überall stehen Fuzzis an der Strecke, viele Spaziergänger bleiben stehen, Anwohner filmen aus ihren Gärten, während die Kinder winken. Ab und zu entdecke ich Fuzzimobile mit deutschem Kennzeichen, manche aufgrund der geringen Geschwindigkeit des Zuges auch mehrmals.
https://flic.kr/p/23bKBnP

Nach über zwei Stunden ist Nová Bystrice erreicht.
https://flic.kr/p/23bKom8

Nun bleibt mir reichlich Zeit, eine geeignete Fotostelle für die Rückfahrt aufzusuchen und ich bin über den bewölkten Tag gar nicht so unglücklich.
Zunächst die Ankunft des nächsten Regelzuges…
https://flic.kr/p/2278TdJ

…und seine Rückkehr.
https://flic.kr/p/Jf6Z9i

Wartezeit vertreiben…
https://flic.kr/p/2278kzJ

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:27
Schließlich folgt der Dampfzug.
https://flic.kr/p/F466i3

Jetzt brauche ich erst mal Kaffee und Kuchen, um mich wieder aufzuwärmen…
Im Ortskern werde ich fündig und kann mich glücklich schätzen, zur besten Nachmittagszeit noch einen freien Tisch zu finden.
Die Einfahrt des nächsten Zuges verpasse ich um genau eine Minute. Ich entdecke eine Weiche, die Dokumentationszwecken dient und spiele am Verschluss herum. Der Klammerspitzenverschluss weicht leicht von der http://www.ralf-gunkel.de/dso/kspv-anl.JPG
https://flic.kr/p/21PAn2v
Im momentanen Zustand ist die Weiche nicht verschlossen, da der gelbe Hebel ganz oben eingeklappt ist. Trotz mäßig geschmierter Gleitstühle kann ich die Weiche problemlos umstellen.

Oh, da ist ja sogar ein Schlüssel drin! Die Weiche lässt sich allerdings nur in der geraden Stellung verschließen.
https://flic.kr/p/DwWrSz
Nachdem ich fertig geschlüsselt habe, kommt sogleich eine Angestellte vorbei und räumt den Schlüssel weg. Schade, dann kann der nächste nicht mehr spielen…

Interessant finde ich auch die Kupplung.
https://flic.kr/p/2392YVf

In der Zwischenzeit hat die Lok umgesetzt.
https://flic.kr/p/Jf3Weg

Übrigens können in den Bahnhöfen Ferienwohnungen gemietet werden – eine nette Geschäftsidee zur Nutzung der Gebäude.
http://jhmd.cz/leistungen/unterkunft-auf-dem-bahnhof

Tuuuut!
https://flic.kr/p/2275nHY
Kadongkadong. Und wieder bergab. Kadongkadong.
https://flic.kr/p/2391vQq

https://flic.kr/p/2275ch7

https://flic.kr/p/21PwtgH

https://flic.kr/p/Jf2voB

An einem Zwischenhalt nimmt eine junge Frau in Alufolie verpacktes Essen von ihren Eltern am Bahnsteig entgegen.

Winkend stehen Kinder neben der Strecke und spielen sogleich weiter, als wir vorbeigefahren sind. Im Gleisbereich, versteht sich.

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:27
Kreuzung in Strížovice
https://flic.kr/p/F41UhJ


Leider ist die Ölheizung nicht in Betrieb, man könnte sie aber gebrauchen…
https://flic.kr/p/Jf2GDT

In Jindrichuv Hradec bleiben mir noch ein paar Minuten, um mir den Bahnhof anzusehen.
https://flic.kr/p/23bDA48
Der zeitlos gestaltete Warteraum bietet nicht nur kostengünstige und vandalismusresistente Sitzmöglichkeiten, sondern auch Ankunfts- und Abfahrstafel in extra großer Schrift für Sehbehinderte sowie interaktive Kursbuchtabellen. Die Nachrüstung einer Touchscreen-Funktion ist für das nächste Jahrhundert geplant.

https://flic.kr/p/2391JUG
Im glücklicherweise gut beheizten Abteilwagen geht es direkt nach Budweis. Ich finde immer noch, dass ein gut gepflegter Abteilwagen viel gemütlicher ist als jeder moderne Großraumwagen mit Klobeleuchtung. Das unruhigere Laufverhalten machen die gut gepolsterten Sitze, in denen ich tief einsinke, locker wett.
https://flic.kr/p/23bDkak

Mit -2 bin ich am Ziel, es folgt eine Station Diesel- statt Obus, anschließend http://varimesvendy.cz/images/spsimpleportfolio/smazeny-syr/smazeny_syr_nejoblibenejsi_ceska_klasika_od_vendy_2.jpg (Frittierter Edamer) zum Abendessen. Ein Solaris-Obus, dessen brettharte Sitze und ohrenbetäubendes Piepen mir in Erinnerung geblieben sind, bringt mich zum Wohnheim.

Geschrieben von: Lobedan am 5 Jan 2018, 08:41
Das sind wirklich tolle Landschaftsbilder!

Geschrieben von: Muffo1234 am 5 Jan 2018, 14:13
Ich möchte anmerken, dass es sich bei dem von dir gescholteten Auto um einen Europcar-Mietwagen handelt, der vermutlich aus Tschechien stammt biggrin.gif

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:15
QUOTE (Muffo1234 @ 5 Jan 2018, 14:13)
Ich möchte anmerken, dass es sich bei dem von dir gescholteten Auto um einen Europcar-Mietwagen handelt, der vermutlich aus Tschechien stammt biggrin.gif

Das mag schon sein - aber der Fahrer war definitiv deutscher Fuzzi. rolleyes.gif


Tag 15 Tábor

Der Regen klopft gegen mein Fenster. Dann kann ich mich ja beruhigt nochmal umdrehen und weiterschlafen.

Gegen Mittag nehme ich den Obus zum Bahnhof. Bisher habe ich nie länger als drei Minuten zum Fahrkartenkauf gebraucht – ich würde sagen, dass es trotz der Sprachbarriere meistens schneller ging als an einem deutschen Automaten, an dem ich weiß, was ich brauche.
Ohne erkennbaren Grund stehen wir nach der planmäßigen Abfahrt noch acht Minuten herum.

Interessant finde ich, wie in Tschechien der fehlende http://www.tf-ausbildung.de/SignalbuchOnline/Grafiken/fahrtanzeiger.png kompensiert wird. Der Tf pfeift, sobald das Signal auf Fahrt geht, wenn es der Zugchef nicht erkennen kann.
Die Hälfte der Verspätung fahren wir wieder raus und nach der Ankunft suche ich den Fahrradverleih der CD auf. Hoffentlich haben die Räder wenigstens eine Gangschaltung, sonst komme ich im hügeligen Tábor nicht weit…
Positive Überraschung: Der Preis liegt mit 200 Kronen pro Tag (129 für 5h) unter dem Fahrradverleih in Budweis und das Fahrrad ist deutlich besser ausgestattet und in gutem Zustand.
https://flic.kr/p/23dxSXZ

Die Mitarbeiterin lobt mich für meine guten Tschechischkenntnisse. Naja, ich muss wohl langsam Fortschritte machen…
Einziges Manko: Ich muss das Fahrrad bis 17 Uhr zurückgeben. Doch der wichtigste Grund, warum ich unbedingt nochmal ein Fahrrad brauche, lässt sich in der Zeit problemlos erledigen.

Die Hochschule für Agrarwissenschaften spiegelt sich im vom letzten Schauer nassen Beton.
https://flic.kr/p/23dy22K

Ein großes Lob muss ich dem ausgesprochen guten Fußgängerleitsystem aussprechen. Das gilt nicht nur für Tábor, sondern praktisch jeden Ort, den ich besucht habe. Der Weg vom Zentrum zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof ist überall beschildert. Selbst die kleinsten Dörfer haben eine Übersichtskarte am Dorfplatz aushängen. Da kann man sich in Deutschland definitiv inspirieren lassen.
https://flic.kr/p/23dysBn

Ebenfalls einen detaillierten Blick lohnt das Fahrkartenangebot, welches hier besonders übersichtlich dargestellt ist.
https://flic.kr/p/23dyeGV

In Tschechien sind Einzelfahrkarten im deutschen Sinne weitgehend unbekannt – stattdessen gibt es nur Zeitkarten unterschiedlicher Dauer, während der alle zugelassenen Verkehrsmittel der jeweiligen Tarifzone in jede beliebige Richtung genutzt werden können. Der Ausschluss von Rück- und Rundfahrten existiert in Tschechien üblicherweise nicht.
In dieser Hinsicht ist die Zeitkartenregelung sicher fahrgastfreundlicher als bei uns, doch sehe ich auch einen entscheidenden Nachteil. Wie an den Fahrplänen zu erkennen ist, richtet sich die Gültigkeit der Fahrkarten nach der fahrplanmäßigen Beförderungszeit und gilt daher unabhängig von der tatsächlichen Dauer der Fahrt auf der entsprechenden Strecke. Das mag zwar in einem Midibus im Stadtverkehr von Tábor problemlos überschaubar sein, in einer Stadt der Größe von Prag mit erheblichen Unterschieden der Fahrtdauern zwischen HVZ und NVZ eher weniger. Am Ende wird also der Fahrgast dafür bestraft, dass die Tram im Stau feststeckt und die geplante Reisedauer überschritten wird. Wie solche Fälle bei einer Kontrolle gehandhabt werden, ist mir allerdings nicht bekannt.

Bis das Objekt der Begierde seine Fahrt beginnt, habe ich noch ganz entspannt Zeit für einen Blick in die Innenstadt.
https://flic.kr/p/F5Pp4y

Wirklich weit komme ich nicht, denn ein kräftiger Schauer setzt ein und ich stelle mich in einer Hausdurchfahrt unter. Eine Viertelstunde später wage ich mich auf den Žižkovo námestí hervor.
https://flic.kr/p/F5Pg9L

Mein Gedanke war: Wenn man aus dem Zug eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hat, müsste sich folglich auch eine wunderbare Aussicht auf die Stadt mit Zug verewigen lassen. Also strample ich durch das Tal und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hoch – alle 21 Gänge kommen zum Einsatz. Doch das Motiv ist die Mühe wert:
https://flic.kr/p/228UK6W

Wo geht’s lang und wer darf zuerst?
https://flic.kr/p/21Rno7F

Nun noch einen ausgiebigeren Blick in die recht große Altstadt, die zwar nicht so spektakulär wie Ceský Krumlov ist, dafür aber absolut nicht überlaufen.
https://flic.kr/p/JgUeKp

https://flic.kr/p/JgU2K2

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:15
https://flic.kr/p/23aRJFG

Ich stelle schon bald fest, dass ich mir zu wenig Zeit genommen habe. Ehe ich zurück zum Bahnhof muss, besteige ich noch den Turm der Kirche mit dem schönen Namen Promenení Páne na hore Tábor.
Nach dem Aufstieg erwartet mich diese Mischung aus Museum und Souvenirhandel:
https://flic.kr/p/23dwufX

Der Ausblick kann sich jedenfalls sehen lassen – zum innenstadtnahen Gewässer…
https://flic.kr/p/23dwmai

…auf versteckte Dachterrassen…
https://flic.kr/p/228TQ4y

…und über den Žižkovo námestí. Die Fotostelle für den Zug nach Bechynĕ befindet sich übrigens auf einer Brücke ganz links oben im Bild.
https://flic.kr/p/DyGoQi

Ich versuche mich an der Rückkehr aus Bechyne, doch der straßenbahnartige Abschnitt ist undankbar und extrem vermastet.
https://flic.kr/p/228TD4N

Wenige Minuten später wird der historische Zug weggesetzt.
https://flic.kr/p/DyFTBt

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:16
Mit dem Stadtbus fahre ich nach Fahrradrückgabe zurück in die Innenstadt. Neben Kaffee und Kuchen steht noch das Schokoladen- und Marzipanmuseum auf dem Plan. Was man nicht alles aus Marzipan erschaffen kann…
https://flic.kr/p/228TqJs

https://flic.kr/p/F5MeYy

https://flic.kr/p/JgSvUx

https://flic.kr/p/F5QSSY

https://flic.kr/p/F5QH8Y

Wem das alles zu filigran ist, der findet vielleicht Gefallen am Žižkovo námestí im Maßstab 1:100.
https://flic.kr/p/23dyEQF
Dafür wurden in 331 Arbeitsstunden 36 kg Marzipan verbaut.

Selbstverständlich kann ich nicht gehen, ohne eine Schachtel Pralinen zu kaufen. Es klart allmählich auf, während ich langsam den Rückweg antrete.
https://flic.kr/p/23aNbSY

https://flic.kr/p/DyF16x
Nein, da war ich schon. Einmal pro Tag muss reichen…

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:16
https://flic.kr/p/23duFWg

https://flic.kr/p/F5LtAA

https://flic.kr/p/DyEG6p

https://flic.kr/p/DyEpji

Durch diese Engstelle verkehrt auch der Midibus.
https://flic.kr/p/23duuxe

Der Regionova aus Bechyne strebt seinem Fahrtziel entgegen
https://flic.kr/p/23aPuE9

Nach einer kurzen Busfahrt zum Bahnhof lasse ich mich erschöpft in den Abteilwagen plumpsen. Vom vielen Herumlaufen schmerzen meine Beine ziemlich. Während der Fahrt lerne ich noch eine wichtige Vokabel: Náhradní autobusová doprava – zu Deutsch SEV.

Mit -4 wird Budweis erreicht, nach einem Sprint erreiche ich einen Obus früher als geplant. Es handelt sich um einen nagelneuen Solaris. Vorteile: Keine Vollwerbung, nicht so schlimmes Piepen, gute Raumaufteilung.
https://flic.kr/p/F5KdLh
Nachteil: Ganz eindeutig die harten Sitze. Ja, ich weiß, ich wiederhole mich.

Geschrieben von: Lobedan am 6 Jan 2018, 08:09
Diese Stadt erinnert mich architektonisch und mit all den Gassen an Zittau (warst du dort mal?), nur in deutlich herausgeputzterem Zustand. Gefällt mir!
Vermutung zu dem guten Wegeleitsystem: EU-Fördermittel. Cottbus hat darüber jedenfalls auch sehr viel angeschafft, was sie sich eigentlich nicht leisten konnten, aber den Touristen hilft.

Und wegen der Kontrolle der Zeitkarten bei Stau: Wie ist es denn in Deutschland, wenn ich mit meiner 60 Minuten gültigen Einzelfahrt im Stau stehe, dann den Anschluss verpasse und deswegen das Zeitlimit nicht mehr einhalten kann? Gelten die 60 Minuten nach Uhr oder nach der Station, die ich laut Fahrplan erreichen kann?

Geschrieben von: 218217-8 am 6 Jan 2018, 16:32
Vielen Dank für den tollen Bericht in bewährter Entenfang-Qualität ™
Vieles erinnert mich an einen Besuch in Mähren im Jahr 2011. Von damals sind mir das Land, aber auch die CD, als meist sehr sympathisch in Erinnerung: idyllische Landschaften, liebevoll herausgeputzte Städte und Dörfer, die Bahnanlagen und Züge der CD immer gut gepflegt und die Züge auch fast immer pünktlich.
Die Landschaftsaufnahmen und die Haltepunkte der Strecke nach Bechyne erinnern sehr an die Schmalspurbahn nach Hotzenplotz. Man hat das Gefühl, die Strecke windet sich deshalb so verschlungen durch die idyllische Landschaft, damit man die Haltepunkte jeweils möglichst weit entfernt vom zugehörigen Ort errichten konnte. wink.gif Zumindest gibt es keine erkennbaren topographischen Gründe für den mäandrierenden Streckenverlauf. Und die Orte zu den Haltepunkten sind manchmal noch nicht einmal zu sehen.

QUOTE
Nach einer Viertelstunde klingelt der BÜ, ein Regionova fährt in das besetzte Gleis ein und hängt sich mit einem kräftigen Rumms an die beiden Brotbüchsen dran. Alle darin befindlichen Fahrgäste steigen aus, die Frau und ich werden in die vordere Brotbüchse gebeten.
Software scheint bei dem Dreierpack Triebwagen wohl kein Problem zu sein, alle drei Triebwagen haben sogar Licht.

Da Regionova nur umgebaute Brotbüchsen sind, ist die Kompatibilität wohl gegeben.

QUOTE
Der zeitlos gestaltete Warteraum bietet nicht nur kostengünstige und vandalismusresistente Sitzmöglichkeiten, sondern auch Ankunfts- und Abfahrstafel in extra großer Schrift für Sehbehinderte sowie interaktive Kursbuchtabellen. Die Nachrüstung einer Touchscreen-Funktion ist für das nächste Jahrhundert geplant.

laugh.gif laugh.gif Die "interaktiven Kursbuchtabellen" haben mich auch beeindruckt!

Die Entenfang-Qualität ™ des Berichts erreicht an dem Tag in Nové Hrady ihren Höhepunkt, wo man den Wetterumschwung durch die plastische Beschreibung, garniert mit aussagekräftigen Bildern förmlich spüren kann. Auch am verregneten Tag danach fröstelt einen schiergar beim Betrachten der Bilder, so stark hat es abgekühlt. Von den lautmalerischen Beschreibungen der Zuggeräusche ganz zu schweigen ...

Weiter so! Ich kann die nächsten Teile des Berichts kaum erwarten.

Geschrieben von: Entenfang am 6 Jan 2018, 18:16
QUOTE (Lobedan @ 6 Jan 2018, 08:09)
Diese Stadt erinnert mich architektonisch und mit all den Gassen an Zittau (warst du dort mal?), nur in deutlich herausgeputzterem Zustand. Gefällt mir!

Nein, in der Altstadt von Zittau war ich noch nicht. Das lässt sich bei Gelegenheit ganz gut mit dem Ast der SOEG nach Jonsdorf kombinieren, der mir auch noch fehlt...

QUOTE
Vermutung zu dem guten Wegeleitsystem: EU-Fördermittel. Cottbus hat darüber jedenfalls auch sehr viel angeschafft, was sie sich eigentlich nicht leisten konnten, aber den Touristen hilft.

Ob mit oder ohne EU-Fördermittel - jedenfalls sind die Tschechen damit vielen deutschen Städten weit voraus, z.B. München.

QUOTE
Und wegen der Kontrolle der Zeitkarten bei Stau: Wie ist es denn in Deutschland, wenn ich mit meiner 60 Minuten gültigen Einzelfahrt im Stau stehe, dann den Anschluss verpasse und deswegen das Zeitlimit nicht mehr einhalten kann? Gelten die 60 Minuten nach Uhr oder nach der Station, die ich laut Fahrplan erreichen kann?

Das ist wirklich eine gute Frage! Ich habe mal recherchiert und beim MVV nur Folgendes gefunden:

Aus den MVV-Tarifbestimmungen
QUOTE
4.1.4  Anschlussfahrkarten
(2) 1Bei  Angeboten  mit  zeitlicher  Einschränkung  (z.B.  IsarCard9Uhr,  IsarCard60,  IsarCard  S)  sind  für  Fahrten,  die  vor  Beginn  der  Geltungsdauer  angetreten  werden,  Fahrkarten  des  Zonentarifs  oder  des  Kurzstreckentarifs  –  bis  zur  ersten  Haltestelle,  die  das  Verkehrsmittel  fahrplanmäßig  ab  der  festgesetzten  Geltungsdauer  erreicht  hat  –  zu  kaufen. 
2Für  Fahrten  nach  Ablauf  der  Geltungsdauer  sind  Fahrkarten  des  Zonentarifs oder des Kurzstreckentarifs ab der letzten Haltestelle, die das Verkehrsmittel fahrplanmäßig bis zur festgesetzten Geltungsdauer erreicht, zu kaufen.

Das bedeutet, dass wohl die Fahrplan-Zeiten gelten (wie auch im Beispiel in Tschechien). Da aber nur von einem Verkehrsmittel die Rede ist, würde ich davon ausgehen, dass man wohl bei Anschlussverlust nachlösen muss.
Bemerkenswert (und wenig fahrgastfreundlich) finde ich auch den Satz 1. Demnach dürfte man in ein verspätetes Verkehrsmittel mit der IsarCard9Uhr nicht zusteigen, wenn es eigentlich vor 9:00 hätte abfahren sollen.


Tag 16

Die Wochenkarte muss sich noch lohnen, also liegt der Fokus der letzten Tage auf dem Obus. Nach dem gestrigen Aprilwetter wechseln sich heute Sonne und Wolken ab, also geradezu ideales Fotowetter, welches ich natürlich zu nutzen weiß. Kaffee- und Mittagspause werden vollständig zum Knipsen genutzt, das leibliche Wohl muss etwas zurückstecken. Aber ich zehre noch vom ausgiebigen Frühstück.

57 an der Jihoceská univerzitá
https://flic.kr/p/F7aiz1

75 nähert sich der Endstation Máj - Antonína Barcala
https://flic.kr/p/F79Uiw

49 zwischen Blumen und Plattenbauten
https://flic.kr/p/22ad5Po

91 wenige Meter weiter
https://flic.kr/p/F79zcW

75 kehrt zurück
https://flic.kr/p/F79oLf
Die beliebten Wertstoffinseln gibt es auch in Tschechien. Das Thema Lärmschutz löst man dort, indem die Container teilweise komplett unter die Erde verlegt werden. Jedenfalls konnte ich keinen Hinweis entdecken, der den Einwurf zeitlich auf Dienstage nach Vollmond außerhalb der Ferienzeit zwischen 8:37 und 10:52 Uhr sowie Freitage während der Ferien außer an Brückentagen zwischen 15:19 und 16:26 Uhr beschränkt.

Nochmal 57
https://flic.kr/p/21SE4L2

Die großzügige Obus-Wendeschleife am Rande des Plattenbauviertels Máj, rechts ein Oberleitungsinspektionswagen
https://flic.kr/p/21SEQ1V

Was man beim Spaziergang in der Innenstadt entdeckt: Neue Ideen für Uhren.
https://flic.kr/p/JidSPc

Ein Regionalbus passiert die Nationalbank, rechts beginnt die Fußgängerzone zum Bahnhof, in der die üblichen Geschäfte zu finden sind.
https://flic.kr/p/JidNA2

Als Streckenkunde ist heute die einzige Überland-Obuslinie 2 nach Borek an der Reihe. Sie verkehrt auf einer stark befahrenen Ausfallstraße je nach Tageszeit irgendetwas zwischen Takt 20 und 60.
https://flic.kr/p/22accro

Geschrieben von: Entenfang am 6 Jan 2018, 18:16
Das kleine Dorf vor den Toren von Budweis wird durch Reihenhäuser und Autohäuser geprägt.
https://flic.kr/p/23cctAW

Zurück erwische ich leider kein elektrisches Fahrzeug.
https://flic.kr/p/23eR8D2

Später dann noch ein Motiv am Ostast vom 9er. Doch ärgerlicherweise kommen erstmal zwei Dieselkurse, ehe endlich zwei fotogene Fahrzeuge folgen.
https://flic.kr/p/F78tsS

https://flic.kr/p/DA1YqT

91 am Senovážné náměstí
https://flic.kr/p/23cc1Ns


Der námestí Premysla Otakara II. im letzten Licht
https://flic.kr/p/23cbUjW

https://flic.kr/p/Jid5mc

Der abendliche Blick aus meinem Fenster
https://flic.kr/p/Jid1St

Heute muss ich endlich mal das Stativ benutzen. Mit Cesneková polévka (Knoblauchsuppe) und Kartoffelpuffern stärke ich mich zuvor.
https://flic.kr/p/JicWEv
Die Knoblauchsuppe schmeckt unerwartet gut, ich wollte sie einfach mal probieren und bin positiv überrascht. In der Gemüsesuppe ist nicht nur viel Knoblauch drin, sondern auch ein Käse, der verdammt lange Fäden zieht.


Der Gründer von Budweis wacht über den nächtlichen Grüngürtel
https://flic.kr/p/23eQqGx

Geschrieben von: Entenfang am 6 Jan 2018, 18:17
Gasse der Innenstadt
https://flic.kr/p/23eQnHg
Eine Frau erkundigt sich, wie lange ich denn noch brauchen würde. Bittebitte, einfach durchgehen. Es ist der erste spontane Kontakt auf der Straße seit über 2 Wochen – bisher hat mich noch niemand nach dem Weg gefragt, niemand wollte wissen, ob dieser Bus auch nach xy fährt, niemand wollte Geld und niemand hat mich beim Fotografieren angepöbelt.

St.-Nikolaus-Kirche samt Uhrturm – wer findet das Insekt?
https://flic.kr/p/DA1kYp

Nachteindrücke im Zentrum
https://flic.kr/p/21SCrip

https://flic.kr/p/23ePWtD

https://flic.kr/p/F7bHD1

84 am Metropol
https://flic.kr/p/21SCh78

Verkehr unter Mondschein
https://flic.kr/p/JicdkR

Geschrieben von: Lobedan am 6 Jan 2018, 19:34
QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Nein, in der Altstadt von Zittau war ich noch nicht. Das lässt sich bei Gelegenheit ganz gut mit dem Ast der SOEG nach Jonsdorf kombinieren, der mir auch noch fehlt...

Solltest du nachholen, Zittau hat ziemlich viele architektonische Schmuckstücke!

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Ob mit oder ohne EU-Fördermittel - jedenfalls sind die Tschechen damit vielen deutschen Städten weit voraus, z.B. München.

Ich finde München generell ein schlechtes Beispiel für so ziemlich alles. laugh.gif

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Das ist wirklich eine gute Frage! Ich habe mal recherchiert und beim MVV nur Folgendes gefunden:

Aus den MVV-Tarifbestimmungen
QUOTE
4.1.4   Anschlussfahrkarten
(2) 1Bei  Angeboten  mit  zeitlicher  Einschränkung  (z.B.  IsarCard9Uhr,  IsarCard60,  IsarCard  S)  sind  für  Fahrten,  die  vor  Beginn  der  Geltungsdauer  angetreten  werden,  Fahrkarten  des  Zonentarifs  oder  des  Kurzstreckentarifs  –  bis  zur  ersten  Haltestelle,  die  das  Verkehrsmittel  fahrplanmäßig  ab  der  festgesetzten  Geltungsdauer  erreicht  hat  –  zu  kaufen. 
2Für  Fahrten  nach  Ablauf  der  Geltungsdauer  sind  Fahrkarten  des  Zonentarifs oder des Kurzstreckentarifs ab der letzten Haltestelle, die das Verkehrsmittel fahrplanmäßig bis zur festgesetzten Geltungsdauer erreicht, zu kaufen.

Das bedeutet, dass wohl die Fahrplan-Zeiten gelten (wie auch im Beispiel in Tschechien). Da aber nur von einem Verkehrsmittel die Rede ist, würde ich davon ausgehen, dass man wohl bei Anschlussverlust nachlösen muss.
Bemerkenswert (und wenig fahrgastfreundlich) finde ich auch den Satz 1. Demnach dürfte man in ein verspätetes Verkehrsmittel mit der IsarCard9Uhr nicht zusteigen, wenn es eigentlich vor 9:00 hätte abfahren sollen.

Das ist tatsächlich keine sonderlich fahrgastfreundliche Regelung.

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Die beliebten Wertstoffinseln gibt es auch in Tschechien. Das Thema Lärmschutz löst man dort, indem die Container teilweise komplett unter die Erde verlegt werden. Jedenfalls konnte ich keinen Hinweis entdecken, der den Einwurf zeitlich auf Dienstage nach Vollmond außerhalb der Ferienzeit zwischen 8:37 und 10:52 Uhr sowie Freitage während der Ferien außer an Brückentagen zwischen 15:19 und 16:26 Uhr beschränkt.

unsure.gif laugh.gif
Aber sowas gibts auch in Deutschland. Mit Zeitbegrenzung. Sogar der in der Erde steckende Papiercontainer in Unterföhrung hat extra ein Schild, das den Einwurf nach 19 Uhr verbietet.

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:17)
Eine Frau erkundigt sich, wie lange ich denn noch brauchen würde. Bittebitte, einfach durchgehen. Es ist der erste spontane Kontakt auf der Straße seit über 2 Wochen – bisher hat mich noch niemand nach dem Weg gefragt, niemand wollte wissen, ob dieser Bus auch nach xy fährt, niemand wollte Geld und niemand hat mich beim Fotografieren angepöbelt.

Ein echter Segen nach Marokko. ph34r.gif

Geschrieben von: Michi Greger am 6 Jan 2018, 21:25
Ich kann mich dem
QUOTE (218217-8 @ 6 Jan 2018, 16:32)
Vielen Dank für den tollen Bericht in bewährter Entenfang-Qualität ™

nur anschließen, nachdem ich die letzten berichte schändlicherweise zwar mit Freude gelesen, aber nicht kommentiert habe... smile.gif Genauso wie viele andere tolle Fotos in anderen Threads von Dir.
Grade so Kleinigkeiten wie
QUOTE (Entenfang @ 5 Jan 2018, 22:15)
Wo geht’s lang und wer darf zuerst?

sind für mich ein "Typischer Entenfang" und machen die Berichte so locker und schön lesbar smile.gif
Und auch
QUOTE
Weiter so! Ich kann die nächsten Teile des Berichts kaum erwarten.

Kann ich 1:1 übernehmen! biggrin.gif

Gruß Michi

Geschrieben von: Entenfang am 7 Jan 2018, 19:07
QUOTE (218217-8 @ 6 Jan 2018, 16:32)
Vielen Dank für den tollen Bericht in bewährter Entenfang-Qualität ™

Gerne!

QUOTE
Von damals sind mir das Land, aber auch die CD, als meist sehr sympathisch in Erinnerung: idyllische Landschaften,

Zustimmung.

QUOTE
liebevoll herausgeputzte Städte und Dörfer,

Kommt ganz darauf an, wo man ist. Im grenznahen Raum zu Deutschland meistens eher nicht.

QUOTE
die Bahnanlagen und Züge der CD immer gut gepflegt

Zustimmung.

QUOTE
und die Züge auch fast immer pünktlich.

Naja. wink.gif

QUOTE
Die Landschaftsaufnahmen und die Haltepunkte der Strecke nach Bechyne erinnern sehr an die Schmalspurbahn nach Hotzenplotz. Man hat das Gefühl, die Strecke windet sich deshalb so verschlungen durch die idyllische Landschaft, damit man die Haltepunkte jeweils möglichst weit entfernt vom zugehörigen Ort errichten konnte.  wink.gif  Zumindest gibt es keine erkennbaren topographischen Gründe für den mäandrierenden Streckenverlauf. Und die Orte zu den Haltepunkten sind manchmal noch nicht einmal zu sehen.

Jetzt, wo du es erwähnst, bin ich den Streckenverlauf nochmal auf Google Earth nachgeflogen. Zumindest auf den ersten Blick erkenne ich auch keinen Grund, die Strecke so ortsfern zu bauen.

QUOTE
Da Regionova nur umgebaute Brotbüchsen sind, ist die Kompatibilität wohl gegeben.

Oh, das wusste ich noch gar nicht. Danke für die Info, man lernt nie aus...

QUOTE
Weiter so! Ich kann die nächsten Teile des Berichts kaum erwarten.

Na dann bin ich mal lieber still und mache die Bahn frei für...


Tag 17

Auflösung von gestern:
https://flic.kr/p/23gPdcH
Warum diese riesige Fliege am Turm hängt, konnte ich leider nicht herausfinden.


Die Mittagspause dient der Turmbesteigung.
Blick nach Westen Richtung Uni und Máj…
https://flic.kr/p/22cb95J

…und nach Süden über den námestí Premysla Otakara II.
https://flic.kr/p/JkbXip

Im Norden thront nicht nur das Schloss Hluboká, sondern auch das AKW Temelín über der Landschaft.
https://flic.kr/p/F9aDkG

Am Ufer der Malše
https://flic.kr/p/DC32UH

Heute ist die Altwagenquote auf dem 3er erfreulich groß.

An der Jihoceská univerzita, …
https://flic.kr/p/JkbzvX

https://flic.kr/p/DC2EKZ

…am Senovážné námestí…
https://flic.kr/p/22caF3h

…und nochmal an der Nationalbank
https://flic.kr/p/DC1jXp

Nachmittags nehme ich mir das Südnetz des 2er und 5er vor. Auf diesen Linien ist die Hochflurquote nach bisherigen Sichtungen eher gering, da sie an zwei Krankenhäusern vorbeiführen. Auch die Dieselquote ist relativ hoch.

81 wendet in Rožnov
https://flic.kr/p/DC2uMn

Geschrieben von: Entenfang am 7 Jan 2018, 19:07
82 passiert die Kneipe U Táty
https://flic.kr/p/F99zgw

169 als Dieselkurs in Rožnov
https://flic.kr/p/JkaPrp

72 rollt an einem ehemaligen Gehöft am Námestí Bratrí Capku vorüber
https://flic.kr/p/JkaGB2

74 im Zentrum von Rožnov
https://flic.kr/p/F99cH1

87 überquert ein Anschlussgleis unweit der Haltestelle Papírenská
https://flic.kr/p/23gMCiT

Nach den bisher gezeigten Vorfahrtsregeln für Fortgeschrittene folgt heute die ultimative Stufe für Profis: Abknickende Vorfahrt mit BÜ mittendurch.
https://flic.kr/p/F994xJ

Hochflur-Diesel auf dem 2er
https://flic.kr/p/23gMeLi

Ein selten, nur zweimal während der HVZ gesichteter Hochflur-Diesel auf dem 3er
https://flic.kr/p/F98v8y

Die blaue Stunde trifft den 20 Uhr-Knoten inzwischen perfekt, weshalb ich den Bahnhof abends aufsuche.
https://flic.kr/p/23eb8Ed

Geschrieben von: Entenfang am 7 Jan 2018, 19:07
362 120 wartet mit dem R nach Pilsen
https://flic.kr/p/22c97tG

Alles Rot, nur einer fährt
https://flic.kr/p/DBZL5k

Tf-Wechsel am R Richtung Linz, aufgrund von SEV auf österreichischer Seite zu diesem Zeitpunkt nur bis Rybník. Da der Zug mit Verspätung aus Prag kommt, haben alle anderen Züge des 20 Uhr-Knotens ebenfalls Verspätung aufgrund von Warten auf Anschlussreisende.
https://flic.kr/p/DBZCfT

Während der R weiterfährt, wartet die Brotbüchse noch auf Umsteiger
https://flic.kr/p/Jk9dSX

Eine schöne Parallelausfahrt legen die beiden Schnellzüge nach Pilsen und Prag hin, als sie dann endlich Fahrt bekommen.
https://flic.kr/p/F97FSb

Dieser Regionova wartet auf die Rangiererlaubnis
https://flic.kr/p/DBZ4n8

Nach der verspäteten Knotenauflösung muss noch ein bisschen Wartezeit auf den Obus überbrückt werden
https://flic.kr/p/21UzHga

Dass es beim Obus Budweis keine Bedarfshaltestellen gibt und jedes Fahrzeug stets überall hält, macht sich für Nachtfotos sehr gut. 75 an der Jihoceská univerzita
https://flic.kr/p/23gKKR2

Geschrieben von: Entenfang am 8 Jan 2018, 18:56
QUOTE (Lobedan @ 6 Jan 2018, 19:34)
Solltest du nachholen, Zittau hat ziemlich viele architektonische Schmuckstücke!

Oh weia, meine To-do-Liste fürs Sommersemester ist schon jetzt gerammelt voll. wink.gif

QUOTE
Ein echter Segen nach Marokko. ph34r.gif

Definitiv. Ich finde die Tschechen im Allgemeinen angenehm zurückhaltend, manchmal fast ein wenig zu kühl-distanziert.


Tag 18

Der Morgen startet Grau in Grau, doch bis zur Mittagspause bessert sich das Wetter bereits wieder.

Man merkt, dass sich der Sprachkurs dem Ende zuneigt. Allmählich lässt die Konzentration im Unterricht nach. Auch ich spüre das ständige Unterwegssein allmählich in den Knochen. Das tolle Wetter habe ich so ausgiebig genutzt, dass ich von den beiden mitgebrachten Büchern gerade mal das erste Drittel des ersten Buches geschafft habe.

Treffen von Neu und Alt an der Jihoceská univerzita
https://flic.kr/p/21WoVg2

Während ich in Máj eine Fotostelle suche, knarzen plötzlich die in Tschechien noch überall vorhandenen Sirenen und verkünden erst auf Tschechisch, dann auf Englisch und zuletzt auf Deutsch: „Achtung, Probealarm! Achtung, Probealarm! In wenigen Minuten startet ein Probealarm!“ Wenig später heulen alle Sirenen los, als wäre der 3. Weltkrieg ausgebrochen. Das Geräusch wird von den Wohnblocks reflektiert und hallt durch die Straßen. Keiner der Passanten schenkt dem Beachtung, alle gehen weiter ihres Weges. Glücklicherweise ist das Spektakel eine Minute später wieder vorbei. Der Probealarm wird jeden ersten Mittwoch im Monat durchgeführt.
https://www.prag-aktuell.cz/basisinfo/sirenenalarm-probealarm

Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, heult 56 nicht mal halb so laut vorbei.
https://flic.kr/p/21Wp7oc

Unterwegs zwischen Plattenbauten
https://flic.kr/p/21WoHP4

Eine elegante Wendemöglichkeit hat der 1er im Kreisverkehr
https://flic.kr/p/FaUKAf

Mit der Fahrt im 8er am Stadtrand entlang, möglicherweise ein Stadtentwicklungsgebiet, habe ich die Netzbefahrung des Obus Budweis offiziell abgeschlossen. Die Altwagenquote auf dem 3er ist heute ziemlich niedrig und ärgerlicherweise setzt ausgerechnet mein Lieblingsfahrzeug – der beigebraune – als erster Kurs nach der HVZ aus. Auf dem 9er sieht es dagegen erfreulich aus.

52 hält in Vltava stred
https://flic.kr/p/23fYT5m

In Gegenrichtung ist 06 auf dem 5er eingesetzt
https://flic.kr/p/23fYJru

56 an der für den Haltestellennamen „U Konícka“ verantwortlichen Statue
https://flic.kr/p/FaUaiC

Mit dem Ausleihen eines Rekola-Fahrrads klappt es heute nicht wirklich gut. Die ersten beiden Fahrräder sind nicht an der in der App angegebenen Position. Also muss ich notgedrungen ein Stück laufen.
https://flic.kr/p/21WoqGt
Burggraben um die Altstadt

Die selfiestickfuchtelnde chinesische Reisegruppe lasse ich fix hinter den Blumen verschwinden.
https://flic.kr/p/23ixfJr

Schließlich werde ich doch noch fündig und muss für das Fahrrad jetzt nur noch 15 Kronen pro Stunde zahlen. Muss wohl daran liegen, dass ich so ein braver Kunde war.

Später nehme ich den Obus zum Bahnhof.
https://flic.kr/p/23ixbUH

Geschrieben von: Entenfang am 8 Jan 2018, 18:57
Denn auch heute steht wieder der 20 Uhr-Knoten auf der To-Do-Liste.
https://flic.kr/p/DDLhJT

https://flic.kr/p/23iwUX2

Weil der Express aus Prag 25 Minuten Verspätung hat, warten drei Anschlusszüge ebenfalls bis zu 25 Minuten, obwohl es zwei Stunden später noch eine Fahrtmöglichkeit geben würde.
https://flic.kr/p/22dWryh
In Tschechien werden Dispositionsentscheidungen grundsätzlich anders als bei uns getroffen. Die Reisekette wird höher gewichtet als die Pünktlichkeit einzelner Züge oder die Betriebsqualität. Bei acht Zügen, die zwischen 19:30 Uhr und 20:00 Uhr ankommen, ist im Zweifel immer einer dabei, der verspätet ist. Und dessen Verspätung pflanzt sich unbarmherzig auf die sieben bis 20:20 Uhr abfahrenden Züge fort, da bei meinen Stichproben Anschlüsse immer abgewartet wurden. Die vielen eingleisigen Strecken in der Region tun ihr Übriges dafür, dass den 20 Uhr-Knoten mit vielen knappen Umsteigezeiten selten ein Zug pünktlich verlässt.

Bis zur Abfahrt des Regiopanters werden noch ein paar Minuten vergehen. Da bleibt noch genügend Zeit für einen Plausch am Bahnsteig.
https://flic.kr/p/22dWz4Y

Brotbüchse im Detail
https://flic.kr/p/23iwrcx

Der Regiopanter verabschiedet sich schließlich leise surrend in die Nacht, die Brotbüchse tuckert weiter im Leerlauf vor sich hin. Bei der heutigen Aufstellung der Züge (Gleise sind in Tschechien nicht fest zugewiesen) sind Parallelausfahrten Richtung Süden nach Ceské Velenice (Regiopanter) und Ceský Krumlov (Brotbüchse) nicht möglich. Planmäßig sollen sie im Abstand von nur 1 Minute abfahren. Das ist zwar sportlich, aber schaffbar.

Irgendwann geht das Signal für die Brotbüchse auf Fahrt. Die Schaffnerin hat die Pfeife schon im Mund und die Kelle in der Hand, da kommt ein Tourist, einen Koffer zerrend, von hinten angerannt. „Can you please wait?“, ruft der der Schaffnerin außer Atem zu, „there are more people coming!“ Der Tf vom Zug nach Horní Dvorište ist schon genervt und fuchtelt herum, dass sie endlich abfahren sollen. Denn die Brotbüchse verkehrt erstmal zwei Kilometer auf der eingleisigen Strecke vorneweg.
„Just two more minutes!“, bettelt der Tourist. Was zur Hölle machen die so lange? Der Zug aus Prag ist schon vor mehreren Minuten angekommen.
Der Tf fuchtelt noch wilder herum.
„HURRY UP!“, schreit der Tourist in die Unterführung. Die Schaffnerin nimmt die Pfeife wieder in den Mund und will gerade das Abfahrtsignal geben, da tauchen weitere Koffer zerrende Touristen auf. „HURRY UP!!!!! IT´S GOING!!!!!“, schreit er und sie legen einen Zahn zu, springen rein, die Schaffnerin pfeift, schwingt die Kelle und eine Abgaswolke zurücklassend verschwindet der Triebwagen endlich in der Dunkelheit.
Wenig später erhält auch der Os nach Horní Dvorište Ausfahrt. Dann bin ich ziemlich alleine am Bahnhof, nur ein paar Rangierer und Reinigungskräfte wuseln geschäftig umher.
https://flic.kr/p/23fXsYh

Ein Obdachloser isst genüsslich seinen Döner in der Wartehalle, während die daraus resultierende Sauerei missbilligend von den Wachmännern beäugt wird. Ein junger Mann mit Fahrrad wartet auf den Zug nach Linz.
Ich begebe mich erschöpft zum Obus und nehme das Piepen nur noch am Rande wahr.

Geschrieben von: Lobedan am 8 Jan 2018, 19:52
QUOTE (Entenfang @ 8 Jan 2018, 18:56)
Oh weia, meine To-do-Liste fürs Sommersemester ist schon jetzt gerammelt voll.  wink.gif

Tut mir leid, dass ich meine 3,5 Jahre Studium dort nicht dafür genutzt habe, hier einen ausführlichen Bericht über den Ort zu machen. Wenn man dort wohnt, wird die Stadt ziemlich ... nun ja. unsure.gif
Und dann gibt es mit diesen Gebäuden nicht mal nennenswerten ÖPNV zu fotografieren, um die Motive zusätzlich in Szene zu setzen. Wobei die Schmalspurbahn zumindest ein paar Kuriosita im Straßenverkehr verursacht. Bei Bedarf kann ich dir ein paar Ecken empfehlen, in denen sich ein Foto lohnt.

QUOTE (Entenfang @ 8 Jan 2018, 18:56)
Während ich in Máj eine Fotostelle suche, knarzen plötzlich die in Tschechien noch überall vorhandenen Sirenen und verkünden erst auf Tschechisch, dann auf Englisch und zuletzt auf Deutsch: „Achtung, Probealarm! Achtung, Probealarm! In wenigen Minuten startet ein Probealarm!“ Wenig später heulen alle Sirenen los, als wäre der 3. Weltkrieg ausgebrochen. Das Geräusch wird von den Wohnblocks reflektiert und hallt durch die Straßen. Keiner der Passanten schenkt dem Beachtung, alle gehen weiter ihres Weges. Glücklicherweise ist das Spektakel eine Minute später wieder vorbei. Der Probealarm wird jeden ersten Mittwoch im Monat durchgeführt.
https://www.prag-aktuell.cz/basisinfo/sirenenalarm-probealarm

So komplett durch die ganze Stadt habe ich das auch noch nicht erlebt. In Cottbus heult aber bis heute jeden Mittwoch 15 Uhr die Sirene vom Bahn-Ausbesserungswerk, was sehr weit hörbar ist. Ich bin ein gutes Stück südlich der Bahntrasse aufgewachsen, das Werk ist nördlich davon, dennoch waren die Sirenen für uns sehr präsent.

Geschrieben von: Entenfang am 9 Jan 2018, 20:40
QUOTE (Lobedan @ 8 Jan 2018, 19:52)
Bei Bedarf kann ich dir ein paar Ecken empfehlen, in denen sich ein Foto lohnt.

Oh ja gerne, ich werde zu gegebener Zeit darauf zurückkommen! smile.gif


Tag 19

An Schultagen verkehrt der 3er tagsüber mindestens im Takt 7,5 und in der Kaffeepause schauen des Öfteren mal fotogene Fahrzeuge vorbei.
https://flic.kr/p/23kjjx2

https://flic.kr/p/DFvDei

Leider bin ich einfach zu müde, nachmittags noch eine größere Fototour zu unternehmen. Nur ein kurzer Blick auf die Verkehrsplanung in Innenstadtnähe ist noch drinnen.
Ein echter Glückstreffer gelingt mir an der Haltestelle U Zelené ratolesti. Dass beim Takt 5 zwei Kurse direkt hintereinanderkommen, habe ich einige Male beobachtet. Dass es zwei Altwagen unterschiedlicher Farbe sind, macht schon was her. Und dass das Bild auf der stark befahrenen Straße nicht zugefahren wurde, macht mich wirklich glücklich!
https://flic.kr/p/23kj4Zz

Richtung Bahnhof gibt es entlang dem Grüngürtel einen Busfahrstreifen, welcher eigentlich nicht für Radfahrer freigegeben ist.
https://flic.kr/p/JoBKsT

Allerdings steht auf einer Länge von rund 100 Metern kein Busfahrstreifen zur Verfügung und der Bus fädelt sich LSA-gesichert in den MIV ein. Warum der Bus allerdings abends um 22 Uhr vor der leeren Kreuzung auf sein Signal warten muss, steht wohl in den Sternen.
https://flic.kr/p/21Y8AFz

Direkt um die Ecke heißt es dann wieder freie Fahrt für den ÖPNV.
https://flic.kr/p/DFva4v

Ebenfalls stark behindernd ist die in südlicher Richtung am Pražská trida verlaufende Rechtsabbiegerspur, auf welcher der Bus geradeaus verkehrt. Da die Rechtsabbieger die parallel querenden Fußgänger passieren lassen müssen, verliert der Bus gelegentlich eine ganze Ampelphase, obwohl nur wenige PKW vorneweg fahren.
https://flic.kr/p/23kip5F

https://flic.kr/p/FcBn3w

Der innenstadtnahe Norden ist durch moderne Bauten geprägt.
https://flic.kr/p/FcAVwm

Geschrieben von: Entenfang am 9 Jan 2018, 20:41
Zum Abschluss noch ein kurzer Spaziergang am Dominikanerkloster vorbei…
https://flic.kr/p/FcAQ4h

…und durch die hübsch hergerichtete Mlýnská-Gasse
https://flic.kr/p/FcAGoh

Zum Abendbrot gibt es ein großes Abschiedsbuffet mit Chlebičky, Schnitzel, Salaten und Kuchen. Ich erfahre, dass die früher bestehende zweite Tarifzone abgeschafft wurde, damit Busfahren für die Menschen der umliegenden Dörfer attraktiver wird. In der Tat ist das Gebiet, in welchem die günstigen Stadtverkehrstickets gelten, ziemlich groß. Nur leider dürfen nur die Stadtbusse genutzt werden, nicht die parallel verkehrenden und oftmals dank weniger Zwischenhalten schnelleren Regionalbusse. Alle nutzbaren Linien sind im Netzplan eingetragen. https://www.dpmcb.cz/galerie/tinymce/dpmcb_schema.pdf

Am Wochenende und abends würden des Öfteren Dieselbusse eingesetzt, weil die Gelenker dann nicht dem Verkehrsaufkommen entsprechen und der Verkehrsbetrieb keine Solo-Obusse besitzt. Ob das auch für den Nachtverkehr zutrifft, kann ich nicht sagen. Und ich bin auch zu müde, um heute bis halb eins aufzubleiben und eine Stichprobe zu sichten.
Interessant ist die Fahrplangestaltung der täglich (!) verkehrenden Nachtlinien 53 und 59 jedenfalls:
https://www.dpmcb.cz/cestovani-mhd/jizdni-rady.html
Obwohl der Takt 60 problemlos mit einem Kurs pro Linie fahrbar wäre, sind zwei Kurse im Einsatz. Alle vier Fahrzeuge treffen sich am Bahnhof zum Umsteigen. Die Fahrer können an den Endstationen eine halbe Stunde schlafen…

Geschrieben von: Entenfang am 10 Jan 2018, 22:37
Tag 20 Budweis -> Domažlice -> München

Der heutige Fahrplan ist deutlich weniger kompliziert als die Hinfahrt.

Ceské Budejovice............ab 14:04......R 666
Horaždovice predm.........an 15:07

......................................ab 15:18.......Os 17514
Klatovy...........................an 16:36

......................................ab 16:40.......Os 17552
Domažlice ......................an 17:35

Domažlice mesto............ab 19:27.......Os 7209
Domažlice ......................an 19:29

......................................ab 19:46.......ALX 350
München Hbf...................an 23:05


Nachdem ich den ganzen Vormittag verquatscht habe, nehme ich ein letztes Mal den Obus zum Bahnhof. Leider bleibt mir keine Zeit mehr, nochmal Svícková zu essen. Während ich in Bahnhofnähe einen Imbiss suche, will ein Mann 5 Kronen von mir – das erste Mal in drei Wochen.

Heute sind die Schlangen an den Fahrkartenschaltern schockierend lange, aber ich habe glücklicherweise mein First Minute Europe schon vor der Hinfahrt gekauft. Also gehe ich direkt zum R nach Pilsen, welcher gut gefüllt ist.
Selbstverständlich fahren wir nicht pünktlich ab, die Entschädigung folgt in Form eines spektakulären Wettrennens mit dem R nach Prag. Ich döse vor mich hin, während Wiesen und Fischteiche vorbeiziehen.
https://flic.kr/p/23n5A7e

Ab Horaždovice predmesti geht es dann in gemütlichem Tempo im Regionova weiter. In diesem ist es furchtbar heiß, weil die Heizung trotz des warmen Wetters auf höchster Stufe läuft.
Kadongkadong. DUNNNNG.
Kadongkadong. DUNNNNG.
https://flic.kr/p/Jqn7RT

Allmählich leert sich der Triebwagen an den außerordentlich gepflegten Provinzbahnhöfen.
https://flic.kr/p/Jqnf3X

https://flic.kr/p/23jsC45

https://flic.kr/p/22hv2cN

Schließlich erreichen wir Klatovy, weiter geht´s in einer Brotbüchse. Hier sind die Bahnhöfe nicht mehr so großzügig ausgebaut und weniger Blumen schmücken die Zugangsstellen. Wir kreuzen einen Regionova, der von einer Taucherbrille gezogen wird. Abgesehen davon gibt es keine Überraschungen und leicht hinter Plan bin ich in Domažlice.
https://flic.kr/p/22huVT1

Dort gebe ich meinen Koffer zur Aufbewahrung ab. Der 2-Minuten-Anschluss nach Domažlice mĕsto ist zwar gut gemeint, für mich aber deswegen nicht erreichbar. Also ab zum Busbahnhof auf dem Vorplatz.
https://flic.kr/p/23n4TN8

Der erste Bus fährt einfach durch und ignoriert mich. Vermutlich steigt hier nie jemand ein, um die letzten zwei Haltestellen bis in die Stadtmitte zu fahren.
Die vielen Haltepositionen finde ich ziemlich unübersichtlich und da in 5 Min. ein Bus von Halteposition 1 abfahren soll, begebe ich mich beizeiten an diese Stelle. Doch dann kommt der verspätete Bus von der Halteposition 5. Ich renne keine 10 Meter, da fährt er schon wieder ab. Aber der Busfahrer ist großzügig und hält an der falschen Position nochmal, um mich zusteigen zu lassen. 8 Kronen muss ich für die Fahrt berappen.

Geschrieben von: Entenfang am 10 Jan 2018, 22:38
Die Innenstadt kann sich sehen lassen - ein Zwischenstop, der sich gelohnt hat.
https://flic.kr/p/FeikAY

https://flic.kr/p/JqmhNP

https://flic.kr/p/23js593

https://flic.kr/p/Jqm7W4

Allmählich macht sich mein Magen nach dem kargen Mittagssnack bemerkbar und ich wittere meine letzte Chance auf Svícková. Grmpf, am Hauptplatz gibt es nur Pizza, Steaks und Mexikanisch. Eine Parallelstraße weiter entdecke ich eine versteckte Kneipe und auf der vollgekritzelten Kreidetafel am Eingang ist „Svícková“ das einzige Wort, welches ich entziffern kann. Ich lande in einem sehr dunklen, urigen Laden mit ausschließlich Einheimischen (und glücklicherweise dank endlich im Mai 2017 durchgesetztem Nichtraucherschutzgesetz ohne den typischen Qualm). Der Svícková schmeckt jedenfalls hervorragend.

Anschließend laufe ich zum Hp Domažlice mesto, der aber auch nicht wirklich viel näher an der Innenstadt liegt.
Die kurze Fahrt mit der Bahn kostet ebenfalls 8 Kronen.

Haischnauze
https://flic.kr/p/DHdmB2

Fahrplanübergabe
https://flic.kr/p/21ZR4BR

Der Alex kommt pünktlich, das grenzt ja schon fast an ein Wunder. In Ceská Kubice warten wir den Gegenalex ab und erreichen Furth im Wald mit +3. Es dauert keine Minute, bis die Polizei meinen Ausweis kontrolliert. Meine Aussage, dass ich in Tschechien lediglich Pralinen eingekauft habe, ist jedenfalls zufriedenstellend.
„Meine Damen und Herren! Ich begrüße Sie! Im Alex! Von Cham! Nach München! Über Schwandorf, Regensburg, Landshut und Freising! Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise! Bitte beachten Sie folgenden wichtigen Hinweis! In Schwandorf werden die ersten beiden Wagen abgehängt. Bitte steigen Sie in die hinteren beiden Wagen oder in die beiden in Schwandorf neu bereitgestellten Wagen um!“, verkündet die Zub in äußerst guter Stimmung. Dann wird der in Schwandorf zu erwartende Vorgang nochmal jedem persönlich erläutert. „Ja, aber wir haben doch hier reserviert! Müssen wir trotzdem raus?“ „Ja, die Wagen bleiben in Schwandorf. Die haben Frist. TÜV.“

„Und Sie sprechen auch Deutsch?“, meint die Zub immer noch extrem gut gelaunt zu mir.
Im nächsten Abteil höre ich nur: „Und Sie sprechen kein Deutsch? Wirklich gar nicht?“ Ich eile zu Hilfe. In meinem Hinterkopf rattert es schon, wie man das auf Tschechisch sagt, aber Englisch tut es dann doch.
In Schwandorf verscheuche ich zwei Rentner, die in den zweiten Wagen einsteigen wollen und platziere mich im dritten Wagen, um in München möglichst weit vorne zu sein. Es wird eifrig rangiert und gebremsprobt, doch der RE darf erstmal vor und wir setzen die Fahrt mit +6 fort.
„Do you speak English?“, erkundigt sich eine junge Frau. „Do you know if this train is going to München? Because we just changed direction…?“ Keine Sorge. Das passiert gleich nochmal.

Ein arabischstämmiger Mann fragt mich in brüchigem Englisch, wo er im Zug rauchen kann.
Gar nicht. Erst in Regensburg.
Dort fällt die Raucherpause üppiger aus als erwartet, denn der 612er rangiert munter herum. „Mobbing ist das!“, kommentiert die Zub.
Ein älterer Mann stürmt die Treppe samt Koffer herunter. „Lassen Sie sich Zeit, wir haben noch Rot. Da haben Sie jetzt aber wirklich Glück gehabt, das sage ich Ihnen!“
„Ach wissen Sie, wir sind mit dem Bus gekommen und haben die Haltestelle verpasst.“

Wie sich herausstellt, ist der Araber aus Dubai nach Prag geflogen, um von dort weiter nach München zu fahren, wo er Ingenieur für Medizintechnik ist. Inzwischen raucht er hektisch die dritte Zigarette, welche er am Glimmstängel der Zub angezündet hat.
Endlich springt das Signal auf Fahrt. „So alle rein!“ Pfeif! Und der Taurus zieht die vier Wagen schwungvoll aus dem Regensburger Hbf – bis zum nächsten Signal.

Dennoch rollen wir pünktlich in den Münchner Hbf ein und ich muss den tief und fest schlafenden Araber wachrütteln, sonst wäre er wohl aufs Abstellgleis mitgefahren.


Fazit

Die meisten Eindrücke habe ich bereits direkt an jenem Tag festgehalten, als sie mir bewusstgeworden sind. Denn oftmals gewöhnt man sich nach einigen Tagen daran und nimmt es gar nicht mehr wahr.
Insgesamt habe ich drei wunderschöne Wochen bei den Nachbarn verbracht. Nicht nur sprachlich konnte ich neue Eindrücke sammeln, sondern auch reichlich verkehrlicher Art. Der Obus Budweis führt das Thema Elektromobilität mal wieder ad absurdum – da werden jahrelang Akkubusse in Prag getestet, die sich letztlich allesamt als nicht praxistauglich erwiesen haben. Die Oberleitung in Budweis hängt, normale Obusse sind erprobt und von der Stange zu kaufen – und es werden zahlreiche Dieselkurse eingesetzt. Das wäre doch mal ein Ansatz für EU-Fördermittel. Übrigens sind auch alle DFI-Anzeiger mit einem EU-Bapperl versehen.

Die geringe Bevölkerungsdichte Südböhmens (63 EW/km^2) trägt sicher ihren Teil zum weit verbreiteten Zweistundentakt bei der Bahn bei. Die Hauptstrecke nach Prag ist davon natürlich ausgenommen. Zum stündlichen R (Reisezeit etwa 2,5h) verkehren noch einige Ex-Züge mit Halt nur in Tábor (Reisezeit 2h). Teilweise gibt es sogar böse Taktlücken, wie beispielsweise zwischen Tábor und Bechynĕ, wo samstags und sonntags eine vierstündige Mittagspause eingelegt wird. Nicht überall wird sauberer Taktverkehr angeboten, die Strecke über Ceský Krumlov nach Nové Údolí ist ein besonders schlechtes Beispiel dafür, zumal sie auch noch touristisch interessant ist. Vermutlich verspielt man hier durch den unsauberen Zweistundentakt Potential an den Bus. Arriva fährt vermutlich nicht völlig grundlos am Wochenende ein Zugpaar direkt aus Prag durch. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 wurde der Verkehr nach Ceský Krumlov durch Arriva allerdings vorerst eingestellt.
Durch das häufige Abwarten von Anschlüssen sind die Züge in der Region durch die vielen eingleisigen Strecken leider oft verspätet.

Sehr positiv ist mir dagegen die Graffitiarmut aufgefallen. Auch wenn die Verbreitung von Lärmschutzwänden immer mehr zunimmt, halten sich die Künstler zumindest in dieser Region stark zurück. Zum guten Zustand der Bahnhöfe, die sicher auch durch die Besetzung vor Ort bedingt ist, muss ich wohl nichts mehr ergänzen.

Weiterhin sehr entspannt ist der Umgang mit Gleislatschern, welche immer wieder selbst auf stark und schnell befahrenen Hauptstrecken vorkommen.

Überhaupt finde ich den Umgang der Menschen miteinander lockerer und angenehmer als in Deutschland – man wird nicht ständig bevormundet und besserwisserisch angemacht. „Hey, der geht ja bei Röt!“; „Sieht der nicht, dass das ein Fußweg ist?“ Dennoch sind alle Busfahrer in geschlossenen Fahrerkabinen verbarrikadiert.
Das Freihalten von Kreuzungen bei grüner Ampel im Stau spricht auch für das Mitdenken der Tschechen – in dieser Hinsicht sind sie den Deutschen weit voraus.



Statistik

Gefahrene Bahnkm:.............1420

Fahrtkosten
Bahn .......................62,80€
Fahrradkarten..........10,50€
Bus.........................6,30€
ÖPNV......................12,00€
IN 25......................5,75€
Fahrrad....................91,20€
________________________________
..............................188,55€

Gesamtreisezeit Bahn:.............26h 56min
Durchschnittsgeschw................52,8 km/h

Gesamtverspätung (analog FGR): 91 min.

Geschrieben von: 218217-8 am 10 Jan 2018, 23:34
Meine Erfahrungen mit der CD bezüglich Pünktlichkeit 2011 in Mähren waren, wie weiter oben schon erwähnt, sehr positiv. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte damals nur ein einziger Zug Verspätung auf der Reise. Anscheinend hat sich das leider geändert. Oder in Böhmen sind die Verhältnisse etwas anders als in Mähren.
Jedenfalls vielen Dank für den bis zum Schluss spannenden und informativen Bericht aus einer Region, die ich bisher noch nicht besucht habe.

Geschrieben von: karhu am 10 Jan 2018, 23:37
Danke für den tollen Bericht smile.gif

Geschrieben von: Rathgeber am 11 Jan 2018, 00:24
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

In Sušice habe ich 1992/93 den Jahreswechsel, der gleichzeitig die Trennung von Tschechien und der Slowakei bedeutete, mit lauter Sachsen gefeiert. Sehr skurril war der Moment, als aus den Lautsprechern der Kirche am zentralen Platz Karel Gott auf Tschechisch dröhnte...

Geschrieben von: 146225 am 11 Jan 2018, 06:04
Auch ich danke für die vielfältigen Eindrücke! smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 11 Jan 2018, 23:03
Und ich freue mich, dass er euch gefallen hat und danke für die vielen Anmerkungen und positiven Rückmeldungen!

Geschrieben von: JeDi am 11 Jan 2018, 23:41
QUOTE (Lobedan @ 6 Jan 2018, 08:09)
Diese Stadt erinnert mich architektonisch und mit all den Gassen an Zittau (warst du dort mal?), nur in deutlich herausgeputzterem Zustand. Gefällt mir!

An Zittau musste ich spontan auch denken ;-)

Ansonsten: Danke für den Bericht, Tipp für den LST-Interessierten in Zittau: Das Lehrstellwerk in Zittau-Süd ;-)

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 12 Jan 2018, 14:24
Ein wahnsinnig schöner, detailverliebter und mit feinster Wahrnehmung geschriebener Bildbericht aus einer wahnsinnig schön-ursprünglichen Ecke eines meiner absoluten Lieblingsländer! smile.gif smile.gif smile.gif Herzlichen Dank für die Zeit und Mühe, Deine Reise für uns hier im Forum so spannend aufzubereiten und uns an Deinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

Es ist immer wieder schön zu sehen, wie ursprünglich trotz des allgegenwärtigen Fortschritts vieles in Tschechien immer noch wirkt. Seit meinem ersten Besuch in diesem Land im Sommer 2008 (damals übrigens einem Sommersprachkurs in Brno eines sehr guten Freundes geschuldet wink.gif) war ich insgesamt 38 Mal dort, und die Faszination hat mich nie wieder losgelassen.

Ja, der Alltag unter den Menschen in Tschechien wirkt großteils deutlich angenehmer als in Deutschland. Herzlicher, unverkrampfter, weniger verbissen. Weniger mit erhobenem Zeigefinger gegenüber dem, was andere machen, und mit weniger unsinnigen Verboten im Alltag. Auch das Verhalten von Autofahrern in Tschechien gegenüber Fußgängern und generell gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern kam mir insgesamt eher entspannter vor als in Deutschland, wobei ich auch durchaus gefährliche Szenen mitbekommen habe auf meinen Reisen dort, die alleine der Agressivität oder dem Fehlverhalten von Autofahrern geschuldet waren (mit Tempo 60 auf einen Zebrastreifen zufahren und mehrfach laut hupen, während Fussgänger queren).

Zur Eisenbahn... immer noch genial. 25 Jahre Modernisierungsstau, in welchen vorrangig die Substanz der 1970er Jahre abgefahren wurde, sind eben auch mit EU-Fördermitteln und den in den letzten Jahren (leider für Freaks) gefühlt massiv ansteigenden Fahrzeug-Neubeschaffungen nicht so leicht aufzuholen. Irgendwie wirkt die Eisenbahn dort derzeit immer noch wie in Deutschland Anfang der 1990er Jahre.

Die größeren Verspätungen im Zugverkehr Tschechiens sind meiner Beobachtung nach übrigens nicht zwangsläufig isoliert auf das eingleisige Streckennetz rund um Ceske Budejovice. 20 Minuten Verspätung habe ich in allen Landesteilen, auch entlang zweigleisiger Strecken immer wieder erlebt - weil eben auch entlang zweigleisiger Hauptstrecken oft lange auf verspätete andere Züge gewartet wird. Alleine schon ein verspätet aus Deutschland kommender EC/Ex kann einen Dominoeffekt auf Knoten wie Usti oder Plzen haben und auf alles, was von dort irgendwohin startet.

Ceske Budejovice... aufgrund der relativ isoliert liegenden Lage eine Stadt, die trotz ihrer Gemütlichkeit und Schönheit von Touristenhorden bisher überwiegend verschont geblieben ist. Selbst an einem Samstagabend mitten in den Gassen und Gaststätten des Stadtzentrums hat man das Gefühl, zu 95% unter Einheimischen zu sein. Überhaupt kam mir in Tschechien alles relativ bis sehr untouristisch und überraschend wenig überlaufen vor, abseits von den "big 4" Prag, Karlstejn, Karlovy Vary und Cesky Krumlov. Alleine schon ein Kleinod wie Schloss Hluboka wäre in Deutschland rettunglos überlaufen; als ich im Sommer vor einigen Jahren mal dort war, waren gerade mal um die 20 andere Touristen am und im Schloss (das war aber auch ein Wochentag).

Danke dafür, dass Du viele Erinnerungen an meine 10 Jahre lang dauernde Liebe zu diesem Land in Deinem Bericht wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses geholt hast! smile.gif

Mit dem kulturell-historisch stark verwandten Nachbarland, der Slowakei, bin ich übrigens aus irgendeinem Grund nicht annähernd so warm geworden. Weder mit Sprache, Essen, Eisenbahn, Städten, Natur/Landschaft oder Landesstruktur... für mich geht meine Liebe dann erst wieder hinter der Slowakei weiter, nämlich in der Ukraine, die ich ebenfalls sehr liebe smile.gif

Ich freue mich schon sehr darauf, wenn Du vielleicht 2018 wieder eine Reise unternimmst und uns daran teilhaben lässt! smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 12 Jan 2018, 18:27
QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 12 Jan 2018, 14:24)
Danke dafür, dass Du viele Erinnerungen an meine 10 Jahre lang dauernde Liebe zu diesem Land in Deinem Bericht wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses geholt hast!  smile.gif

Gerne, gerne! Ich muss ja gestehen, dass ich mich irgendwie ein Stück weit in das Land verliebt habe, was mich auch dazu veranlasst hat, so eine "unnötige" Sprache zu lernen. Ich war 2014 das erste Mal im Rahmen einer Exkursion in Tschechien (u.a. in Budweis) und war vor allem von der Eisenbahn sehr fasziniert. Inzwischen dürfte die Zahl meiner Besuche auch schon zweistellig sein, wobei darunter natürlich viele Tagesausflüge waren.

QUOTE
Überhaupt kam mir in Tschechien alles relativ bis sehr untouristisch und überraschend wenig überlaufen vor,

Diesem Punkt habe ich nichts hinzuzufügen - es macht meiner Meinung nach einen wesentlichen Teil des Reizes dieses Landes aus und genau deswegen kommt man abseits der Touristenorte mit Englisch auch nicht weit (in der grenznahen Region dagegen recht gut mit Deutsch). Mit ein paar Brocken Tschechisch wird manches viel einfacher, da fängt bei Dingen wie Fahrkartenkäufen an und hört bei rein tschechischen Speisekarten auf.

QUOTE
Ich freue mich schon sehr darauf, wenn Du vielleicht 2018 wieder eine Reise unternimmst und uns daran teilhaben lässt!  smile.gif

Ich sage dazu nur, dass eine große Winterreise derzeit schon in der Detailplanung ist und dass sie (hoffentlich) auch viel Bahnbezug haben wird.

Geschrieben von: Luas am 13 Jan 2018, 16:48
Danke bzw Dekuji für den spannenden Bericht! Ich habe Tschechien im August 2007 auch mal mit dem Drahtesel entdeckt. Bin damals mit dem Rad von Prag aus die Moldau und Elbe entlang bis Dresden gestrampelt. Nicht nur Prag, die Nachts besonders romantisch wirkt, sondern auch die ländlichen Regionen Böhmens haben diese Radtour zum einzigartigen Erlebnis gemacht. An sich gab es damals in CZ kaum eigene asphaltierte Radwege, dafür verlief ein Großteil der Radroute auf einsame und idyllischen Nebenstraßen. In Litomerice habe ich per Zufall eine Handvoll ehemaliger BOGESTRA Busse vom Typ MB O 405 N gesichtet. Zudem sind die Tschechen sehr hilfsbereit.

Geschrieben von: Entenfang am 21 Jul 2018, 11:37
Von Heidelbeersammlern und Tatras im Grünen Tal


Tag 1 Dresden -> Jelenia Góra -> Liberec

Pünktlich bringt mich der Trilex nach Görlitz. Weiter geht es mit dem Pesa-Tw.
https://flic.kr/p/Md8gmy

Kadong Kadong. Mit maximal 60 km/h, oft auch deutlich langsamer, rumpelt der Tw Richtung Osten.
https://flic.kr/p/KEmrNi

In Luban ist der Spaß schon vorbei, denn wir bleiben erstmal stehen. Tf und Zub rauchen und es sieht so aus, als würden wir auf den Anschluss von einem SEV-Bus warten. Erst mit +14 geht es weiter. Das ist eher ungünstig, denn ich habe mich für die letzte Verbindung des Tages entschieden und in Jelenia Góra nur 12 min. Umsteigezeit. Sehr gemütlich wird die Fahrt durch das Hügelland fortgesetzt, es bleibt reichlich Zeit, die deutschen Formsignale an Abzweigstellen mitten im Wald zu bestaunen. Hühner picken auf einem Stück Wassermelone herum, ein Reh blickt den Tw ganz erstaunt aus einem Getreidefeld an, Kinder winken dem Zug aus einem Garten zu.
Wir halten an einem Hp mitten in der Pampa. Ein junger Mann erwartet seine Freundin, der Sandhügel mit Blechunterstand ist von hüfthohem Gras umgeben. Nur eine Schotterpiste dient als Zufahrtsweg.
Pfeif! Dietdietdietrummms!
An der Verspätung tut sich nichts Nennenswertes. Zahlreiche Las an Brücken und Dämmen sorgen auch nicht gerade für eine zügige Fahrt. Den Bereich des 2. Gleises hat sich die Natur längst zurückerobert.

Die Zub erklärt mir, dass ich mit dem Bus weiter nach Szklarska Poręba Górna fahren muss – zumindest glaube ich das. Merkwürdig, davon ist im Internet nichts zu lesen.
Jedenfalls kommt mir der Anschlusszug bei der Einfahrt nicht entgegen, sondern steht am Gleis gegenüber. Die Zub korrigiert ihre Aussage und deutet auf den Zug. Ich springe schnell in dem Newag Impuls rein, welcher in sehr dunklen Farben gehalten ist.
https://flic.kr/p/28fv8tE

Hier verbergen sich die Rollstuhlrampen
https://flic.kr/p/28fv8jm

Doch erstmal tut sich nichts, weil wir noch den TLK nach Gdynia abwarten müssen. +20 bei 5 Min. Umsteigezeit sind denkbar ungünstig…
Doch dank entfallener Kreuzung und zügiger Fahrweise des Tf (falls man das bei 40 bis 50 km/h so bezeichnen kann) geht es bald auf +10 zurück. Ich suche den Zub auf und stammle irgendwas auf Polnisch zusammen. „English?“ Puh, Glück gehabt. Als ich die Geschichte später erzähle, kommentiert das ein Kommilitone mit den Worten: „Waaaas? Du hast in Polen einen Zub gefunden, der Englisch kann???“ War ein Junger. „Naja, gefühlt arbeiten alle Jungen, die kein Englisch können, bei der Bahn…“

Jedenfalls ruft der Zub irgendwo an und verkündet kurz darauf: „This train wait.“ Auf die Tschechen ist eben Verlass.

Nachdem der E-Tw erfolgreich die 40%o-Steigung ins Riesengebirge erklommen hat, wartet dort ein Regiospider (= RS1) auf mich und zwei weitere Umsteiger. Ein Mann ist bereits im Zug, steigt aber noch auf polnischer Seite wieder aus.
Die Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Verkehrs auf dieser Strecke im Jahr 2010 ist ein großer Erfolg nach mehr als 60 Jahren Pause.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Jelenia_G%C3%B3ra%E2%80%93Ko%C5%99enov
Die Strecke wird 3x täglich bedient, im Winter, Sommer und an Wochenenden verkehren teilweise bis zu 6 weitere Zugpaare.
Nach dem Überschreiten der Grenze tritt in Harrachov dann mal wieder der Tschechien-Effekt auf – die Fahrgastzahl wird schlagartig zweistellig – an einem Bahnhof, der mitten im Wald und über 2 km vom zugehörigen Ferienort entfernt liegt.

Die zahlreichen Nebenstrecken des dichten Bahnnetzes rund um Liberec werden ausschließlich von Regiospidern bedient, die überwiegend im sauberen Taktverkehr unterwegs sind.
https://flic.kr/p/28fv84m

Von wenigen Zugpaaren täglich bis zum Halbstundentakt ist alles dabei. Aufgrund der anspruchsvollen Topografie und der kurzen Haltestellenabstände ist die Fahrzeugwahl sicher nicht verkehrt.
https://flic.kr/p/28fv8ao
Im weiteren Verlauf steigt die Auslastung und schwankt dann zwischen 1/4 und 1/3.

Pünktlich erreiche ich dann Liberec. 6h 10 min. Fahrzeit für 280 Bahnkm ist kein Geschwindigkeitsrekord… Mit 30,2 km/h liegt der tschechische Teil noch unter dem polnischen Teil mit 36,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Von Jelenia Góra bis Liberec dauert die Bahnfahrt (2h 45 min) mehr als doppelt so lange wie mit dem Auto (1h 19 min).

Abendfotorunde am Šaldovo námestí
https://flic.kr/p/KEmtCv

https://flic.kr/p/26A7ub9

https://flic.kr/p/KEmtsk

Die perfekte Unterkunft mit Straßenbahnblick habe ich mir jedenfalls ausgesucht…
https://flic.kr/p/28fv7Vq

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:16
Uff, zu viel um die Ohren... Jetzt geht´s aber weiter:


Tag 2

Was gibt es Schöneres, als mit dem Blick auf die Trambahn zu erwachen?
https://flic.kr/p/KQ6Cne

Die größte Hürde ist heute gemeistert, als ich endlich frühstücken kann. Denn von den 10 Bäckern in der näheren Umgebung haben genau 0 sonntags geöffnet. Also gibt’s notgedrungen Backwaren von Billa.

Tauben am Badesee
https://flic.kr/p/Mo5UGm

Námestí Dr. E. Beneše mit Rathaus
https://flic.kr/p/28qnwnG

Fußgängerzone, die bis 1984 von der Tram durchfahren wurde
https://flic.kr/p/28qnwcb

Als erstes ist der Ast der Linie 3 nach Horní Hanychov an der Reihe.
Es gibt keine Nf-Bahnen, nur einige umgebaute T3 mit Nf-Abteil.
https://flic.kr/p/28qnwCm

77 nähert sich der Haltestelle Fügnerova.
https://flic.kr/p/KQ6DVe

Nach der Wende begann die Umspurung des meterspurigen Betriebs auf Regelspur. Dabei blieb die Überlandlinie nach Jablonec n.N. jedoch außen vor, sodass im Stadtgebiet teilweise 3-Schienen-Gleise verlegt sind.
http://www.orangesmile.com/common/img_tram_maps/liberec-map-tram-big.png

77 durchfährt das Viadukt, über welchen die Bahnstrecken von Liberec Richtung Norden verlaufen.
https://flic.kr/p/29vFBse

Hier wendet die Überlandlinie 11 und das Dreischienengleis endet.
https://flic.kr/p/KQ6CGT
Im weiteren Verlauf führt die Strecke durch ein Wohngebiet stets bergauf. Am Wochenende wird im Takt 10 bis zur Endstation in Horní Hanychov gefahren, unter der Woche endet dagegen jeder zweite Kurs in Dolní Hanychov.

Kein Glück ist mir an der Fotostelle an der Kirche Hanychov vergönnt, wo zwei Kurse aufeinanderfolgend im Schatten vorbeikommen.
https://flic.kr/p/KQ6D7a

43 und 60 treffen sich bei der Feuerwehr
https://flic.kr/p/29vFBFa

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:17
43 bei Spálenište, im Hintergrund irgendein historischer Wagen
https://flic.kr/p/28qnvLm

Für Radfahrer gibt es das passende Busangebot
https://flic.kr/p/KQ6DpV

Der Baustil hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Voralpenland…
https://flic.kr/p/28qnvTA

59 erklimmt die beträchtliche Steigung unweit der Endstation
https://flic.kr/p/28qnvXU

77 in Horní Hanychov, im Hintergrund des Ješted. Leider muss man von der Endstation noch rund 1 km bis zur Talstation laufen. Die Seilbahn wird übrigens von der CD betrieben.
https://flic.kr/p/KQ6DMi

Spurwechsel in den meterspurigen T3 Richtung Jablonec.
https://flic.kr/p/29vFB6n

Der Innenraum der unterscheidet sich nicht, nur an den bunten Aufklebern auf der Fahrzeugfront ist auf den ersten Blick zu erkennen, auf welcher Spurweite sie unterwegs sind.
Der T3-Solo ist bald gut gefüllt und auf der Überlandfahrt müssen einige Fahrgäste stehen. Die rund 12 km lange Überlandstrecke ist komplett saniert, die BÜ gesichert und erlaubt eine zügige Fahrweise.

Leider liegt auch in Jablonec sowohl der Bahnhof als auch die Innenstadt einige hundert Meter von der Wendeschleife entfernt.
https://flic.kr/p/29vFAMM

39 tritt die Rückfahrt nach Liberec an
https://flic.kr/p/28qnSe5

Der hübsch sanierte Ortskern am Dolní námestí
https://flic.kr/p/28qnRLb

Ich stärke mich mit Svícková. Mal im Ernst, hat die tschechische Küche irgendwas Besseres anzubieten?
https://flic.kr/p/Mo68oU

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:17
Nicht ganz so hübsch saniert sind die Häuser ein paar Straßen weiter
https://flic.kr/p/288UBYx

Zeit für die Rückfahrt mit Zwischenstops.
https://flic.kr/p/Mo685C

https://flic.kr/p/28qnR7A

In der Wendeschleife gibt es sogar eine Arbeitsgrube.
https://flic.kr/p/29rAA5u

Und ab in den Wald.
29 bei Menírna
https://flic.kr/p/29rAzQ1

Und wie passend doch der Name „Grünes Tal“ ist…
https://flic.kr/p/28qnQom

https://flic.kr/p/29rAzFJ

Die Heidelbeersammler beäugen mich etwas skeptisch, während die Tramfahrer von deren Anblick unberührt sein dürften. Tschechen sammeln gerne Pilze und Beeren im Wald.
https://flic.kr/p/28qnQ4y

Interessant sind die Eisenbahnsignale, welche die eingleisigen Abschnitte sowohl gegen Folge- als auch Gegenfahrten sichern.
https://flic.kr/p/28qnQHQ

35 legt sich bei Nový svet – deutsch Neue Welt – in die Kurve.
https://flic.kr/p/29rAzsN

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:18
Nach getaner Arbeit warten die Heidelbeersammler auf die Rückfahrt mit der Tram.
https://flic.kr/p/28qnPKC


Eine Dotra RegioSpider ist zwischen Prosec und Jablonec unterwegs.
https://flic.kr/p/28qnPv9

Bahn und Tram verlaufen auf einem Großteil der Strecke (nahezu) parallel.
https://flic.kr/p/29vFKwa

Daher kam bereits vor rund 15 Jahren die Idee auf, eine Regionalstadtbahn nach Karlsruher Modell einzurichten. Dies war auch der Hauptgrund für den Beginn der Umspurung. Bisher ist jedoch nichts daraus geworden und daran wird sich wohl auf absehbare Zeit auch nichts ändern.
Vor dem Hintergrund der parallelen Strecken und der vielen kurzen Haltestellenabstände erscheint mir eine Regionalstadtbahn durchaus sinnvoll.

https://flic.kr/p/28qnPiq
35 saust durch den Wald

https://flic.kr/p/288UAsB
Nf-Abteil

42 ist am Stadtrand von Vratislavice unterwegs
https://flic.kr/p/288UAkx


Zurück in Liberec – 39 bei Textilana
https://flic.kr/p/29rAxv1

Das meterspurige Drehgestell ist unsymmetrisch angeordnet
https://flic.kr/p/29vFKQ6

29 zwischen Textilana und U Lomu
https://flic.kr/p/28qnHEw

35 an der Zentralhaltestelle Fügnerova
https://flic.kr/p/28qnHvJ

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:18
Abendstimmung über der Stadt
https://flic.kr/p/28qnHeG

Abschließend steht noch der Ast nach Lidové Sady – Zoo zur Befahrung aus. Er führt durch ein Villenviertel.
https://flic.kr/p/288UAcX

https://flic.kr/p/28qnS6E

Aussichtsturm am Volkspark
https://flic.kr/p/288UzVp

9 wendet
https://flic.kr/p/28qnRVj

Der Fahrer brummelt irgendwas auf Tschechisch und klopft an den Entwerter, weil es inzwischen nach 20 Uhr ist und ich hinten eingestiegen bin. Nach 20 Uhr muss man vorne einsteigen und seine Fahrkarte vorzeigen. Ich zeige meine 24h-Karte vor und er nimmt sie kopfnickend zur Kenntnis.

Das letzte Licht am Námestí Dr. E. Beneše
https://flic.kr/p/288UzL6
Sonntagabend ist leider kein geöffnetes tschechisches Restaurant mehr aufzutreiben, sodass es notgedrungen Take-away-Pizza gibt.

9 an der Haltestelle Fügnerova
https://flic.kr/p/29rAy3o

Den Abend nutze ich für Nachtfotos am stimmungsvollen Bahnhof.
https://flic.kr/p/28qnMT1

https://flic.kr/p/29rAxRS

https://flic.kr/p/29rAxJC

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:18
Zum Abschluss des Tages nochmal 9, hier an der 5. Kvetna
https://flic.kr/p/28qnMvC

Geschrieben von: 146225 am 26 Jul 2018, 19:59
Danke @Entenfang: noch ein paar Gründe mehr, warum das auch noch auf meiner persönlichen da-will-ich-noch-hin-Liste-steht. smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 27 Jul 2018, 21:53
QUOTE (146225 @ 26 Jul 2018, 20:59)
Danke @Entenfang: noch ein paar Gründe mehr, warum das auch noch auf meiner persönlichen da-will-ich-noch-hin-Liste-steht.  smile.gif

Bei mir stand das auch sehr, sehr, sehr lange auf der da-will-ich-noch-hin-Liste... wink.gif


Tag 3 Liberec -> Decín -> Dresden

Heute ist Montag und die Bahnen auch in Dotra unterwegs. Blick von oben…
https://flic.kr/p/29tB6Qu

…und von unten.
https://flic.kr/p/28aWRHR

Immerhin sind sie in zueinander passenden Werbekleidern unterwegs.

Dann ist es auch schon Zeit, wieder zurückzufahren. Am Bahnhof wartet auf mich ein Schrank mit Beiwagen.
Die Fahrt führt durch Hügelland.
https://flic.kr/p/28aWRBD

Taktknoten in Ceská Lípa
https://flic.kr/p/28aWRyx

Arbeiten am Gz
https://flic.kr/p/29tB6m3

In Decín kann ich die Umsteigezeit sinnvoll nutzen, um mir ein Fahrplanbuch zu kaufen. Mit U28 und S-Bahn geht es pünktlich wieder zurück nach Dresden.

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 31 Jul 2018, 14:48
Liberec ist ein netter kleiner Betrieb, den ich vor einigen Jahren auch mal besucht habe smile.gif Leider war bei meinem Besuch die gesamte Überlandstrecke wegen Bauarbeiten außer Betrieb und ich konnte nur das Stadtnetz befahren. Das Rathaus von Liberec ist übrigens architektonisch bewusst dem großen Vorbild, dem Wiener Rathaus, nachempfunden. Wenn Du in der Ecke nochmal was Interessantes sehen willst, kann ich das durchaus spannende O-Bus-Netz des sehr hügeligen Usti nad Labem empfehlen, das für eine Stadt dieser Größe sehr umfangreich ist smile.gif Auch die Straßenbahn Most-Litvinov ist einen Besuch wert smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 31 Jul 2018, 20:50
QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 31 Jul 2018, 15:48)
Wenn Du in der Ecke nochmal was Interessantes sehen willst, kann ich das durchaus spannende O-Bus-Netz des sehr hügeligen Usti nad Labem empfehlen, das für eine Stadt dieser Größe sehr umfangreich ist  smile.gif

Nach 5 Jahren immer noch nicht geschafft...

QUOTE
Auch die Straßenbahn Most-Litvinov ist einen Besuch wert  smile.gif

Habe ich schon https://www.eisenbahnforum.de/index.php?s=1bae3f24faf410a45d8c2536b90b2329&act=ST&f=40&t=15421&st=120&#entry646507 - der Betrieb hat mich aber nicht besonders vom Hocker gehauen. Liberec hat mir besser gefallen.

Geschrieben von: Entenfang am 15 Jan 2019, 22:45
Eine weitere Suche nach Schnee – ich nehme den R Richtung Brno, welcher mit Interpantern bedient wird. Neuerdings gibt es leider bei Onlinebuchungen der CD die Möglichkeit, kostenlos einen Sitzplatz zu reservieren. Demzufolge werde ich auch ziemlich bald von einem jungen Mann angesprochen, der den als Expressreservierung deklarierten Platz beansprucht. Er setzt sich dann aber doch auf einen der zahlreichen freien Plätze. Grmpf, Bahnfahren hieß bei mir in Tschechien immer: Fahrkarte kaufen, in den nächsten Zug einsteigen, hinsetzen. Abgesehen vom Pendolino und den Privaten an Einfachheit nicht zu überbieten.

Es gibt nur wenige Wandfensterplätze, aber leider auch nur sehr wenig Platz für Gepäck. Die Überkopfablagen sind über den Drehgestellen zur Hutablage degradiert worden. In den Zweierreihen gibt es große Klapptische, die Vierer müssen allerdings ohne auskommen. Außerdem gibt es einen Snackautomat im Zug.

Pünktlich setzt mich der Panter in Chocen ab.
https://flic.kr/p/23CdqfB

Bald kommt der leicht verspätete Os zur Weiterfahrt nach Bezpraví.
https://flic.kr/p/2d8DTo9

Der RegioNova links kommt übrigens nicht von der SNCB, sondern in der Lackierung des Pardubický kraj daher...

Das Ziel ist mir schon bei vorherigen Fahrten ins Auge gefallen. Auf der überwiegend unspektakulären Hauptstrecke von Prag nach Olomouc gibt es einen landschaftlich sehr schönen Abschnitt, wo sich die Strecke durch das Tal der Orlice windet. Und bei http://www.gvd.cz/czx/data/njr/png/L501_o/index.html muss man auch selten länger als 5 Minuten auf den nächsten Zug warten. Das Zugangebot ist extrem bunt und vom Güterzug bis Pendolino alles dabei.

https://flic.kr/p/2d8DSRC

https://flic.kr/p/2d8DRCf

https://flic.kr/p/23Cdo54

https://flic.kr/p/2cQQHxD

Die Schneemenge ist zwar weniger als erhofft und verglichen mit Holzkirchen ein schlechter Witz, aber man muss das nehmen, was man bekommt...
https://flic.kr/p/23CdoUR

https://flic.kr/p/2cQQGBk

https://flic.kr/p/QtnLJt

Ein Glück, dass hier vMax 80 ist, sonst wäre ich bei den Lichtverhältnissen chancenlos.

https://flic.kr/p/23CdnBk

Geschrieben von: Entenfang am 15 Jan 2019, 22:45
https://flic.kr/p/2d8DNEG

https://flic.kr/p/QtnKpe
Mit den Knödelpressen ganz in Gelb kann ich mich irgendwie nicht anfreunden. Ich finde, die Farbgestaltung steht der Lok nicht. Jedenfalls Grüße an den Tf! smile.gif

https://flic.kr/p/S6zKaE

Es regnet mehrere Male und als gegen 15 Uhr die Dämmerung einsetzt, bin ich auch schon ziemlich durchgefroren. Die nächste Rückfahrgelegenheit ist mit einem Umweg nach Ústí nad Orlicí. Da es keinen personenbedienten Verkauf an diesem einsamen Hp gibt, kaufe ich bei der Schaffnerin. 58 Kronen kosten mich die 160 km. Bis der Kaufvorgang erledigt ist, rollen wir schon in Ústí nad Orlicí ein. Ich müsse hier umsteigen. Ähm, nein? Wer diese Verbindung nimmt, sollte besser genau hinschauen. Denn die stündlich verkehrenden Fernzüge halten abwechselnd in Ústí nad Orlicí am Hbf und am Stadtbahnhof. In dieser Stunde muss ich am Stadtbahnhof umsteigen, also einen Halt weiter. Ich kann die Zub davon überzeugen. Sie stellt mir eine neue Fahrkarte aus (ist schließlich 2 km weiter). Das kostet eigentlich 59 Kronen, ich muss aber nichts nachzahlen.
Nachdem ich die Wartezeit im beschaulichen, aber beheizten Warteraum verbracht habe, bringt mich der EC aus Krakau pünktlich zurück nach Prag.

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