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Eisenbahnforum.de > Fotoreportagen und Reiseberichte > Lendenbraten und Knödelpressen


Geschrieben von: Entenfang am 17 Dec 2017, 15:31
Im Spätsommer habe ich 3 Wochen jenseits des Bayerischen Walds verbracht - da wird es langsam mal Zeit, das entstandende Material zu zeigen. Tschechische Wörter mangels Forenkompatibilität wie immer eingedeutscht.

Was habe ich auf der Festplatte herumliegen?

Taucherbrillen
https://flic.kr/p/21f1V8a

Obusse
https://flic.kr/p/21f1xKF

Svícková (Lendenbraten)
https://flic.kr/p/EsAq7Y

Böhmische Dörfer
https://flic.kr/p/21f1ENt


Details folgen in Kürze.

Geschrieben von: Entenfang am 18 Dec 2017, 18:25
1 Tag vorher

Ein schöner Plan für die Hinfahrt liegt bereits länger vor:

München Hbf........ab 10:16........RE 4066
Plattling................an 11:53

...........................ab 12:00........ICE 23
Passau Hbf...........an 12:34

...........................ab 13:00.......ITB
Freyung...............an 14:21

Mittagspause

Freyung...............ab 15:35.......ITB
Waldkirchen.........an 15:58

...........................ab 16:00.......Bus 6177
Nové Údolí...........an 16:36

...........................ab 17:19.......Os 8114
Ceské Budejovice..an 19:36


Der ICE zwischen Plattling und Passau ist übrigens nur wegen der Nutzung des Sommertickets vorgesehen.
Doch diesen Plan kann ich am Abend vor der Abfahrt getrost vergessen, denn die der Betrieb der Ilztalbahn währte diesen Sommer nicht lange. Das Unwetter am Tag zuvor sorgt für mehrere Bäume im Gleis und der Betrieb muss erstmal wieder ruhen.

Die schnellste Route würde übrigens via Nürnberg – Marktredwitz – Cheb - Plzen in rund sechseinhalb Stunden führen. Die Variante über Linz scheitert am zu diesem Zeitpunkt eingesetzten SEV. Im Vergleich mit dem MIV (etwa dreieinhalb Stunden) definitiv kein Ruhmesblatt für den ÖV.

Geschrieben von: Entenfang am 19 Dec 2017, 21:21
Tag 1 München -> *ein paar Busse und Bahnen* -> Budweis

Der eilig ausgearbeitete Ersatzfahrplan macht das Ganze leider deutlich komplizierter.

München Hbf..................ab 10:16......RE 4066
Plattling.........................an 11:53

....................................ab 12:06.......WBA 83921
Zwiesel.........................an 12:58

....................................ab 13:04.......WBA 84009
Grafenau......................an 13:53

....................................ab 14:15.......Bus 7594
Neuschönau, Kirche........an 14:32

.....................................ab 14:58......Bus 6115
Teufelshäng, Grenze.......an 15:39

DB Fuß 200 m

Bucina, st. hr..................ab 15:45......Bus 710
Kvilda.............................an 15:55

.....................................ab 16:20......Bus 900
Lenora...........................an 16:57

.....................................ab 17:00......Os 18110
Volary............................an 17:14

.....................................ab 17:21......Os 18010
Cerný Kríž .....................an 17:28

.....................................ab 17:36......Os 8114
Ceské Budejovice...........an 19:36


Unspektakulär startet die Fahrt pünktlich mit dem DIX, der mich immer noch pünktlich in Plattling absetzt. Und weiter mit der Waldbahn. „Das Sommerticket ist bei uns nicht gültig!“ Wie? Was? Warum? Steht doch „Gültig in Zügen der DB einschließlich NE-Verkehr“ drauf. „Hmm, darf ich nochmal sehen?“ Bitte, jederzeit gerne. „Na gut, dann muss ich nochmal nachfragen. Wir hatten eigentlich eine Dienstanweisung…“
Zügig windet sich der RS bergauf und Zwiesel wird bald pünktlich erreicht. Der Bahnhof zeichnet sich durch seine sehr interessante Bahnsteiganordnung aus, um möglichst wenige Reisendenübergänge erforderlich zu machen.
https://flic.kr/p/HJ3fZp

Während die Fahrt bis hierhin zügig verlief, ändert sich das nun. Mit maximal 50 km/h quietscht der RS durch die sehr engen Bögen der Nebenbahn Richtung Grafenau. Einige technisch nicht gesicherte BÜ sind auch dabei. Auf dem Grafenauer Ast wird nur ein 2h-Takt angeboten, weil die beiden Kreuzungsmöglichkeiten in Spiegelau und Frauenau zwar rein theoretisch noch existieren, das 2. Gleis in beiden Fällen aber praktisch zum Biotop geworden und damit nicht mehr nutzbar ist. Für Sonntagmittag ist erstaunlich viel los und ich bin mir sicher, man könnte mit einem Stundentakt noch mehr Fahrgäste gewinnen. Zwei Rückfallweichen mit TUZ kann doch nicht so schwer umzusetzen sein… Aber so ist die Strecke halt – frei nach einem Kommilitonen – ein 30 km langes Abstellgleis. Ein BÜ wird nicht als gesichert angezeigt, obwohl auf den ersten Blick alles in Ordnung scheint. Der Tf hüpft ins Gleis, um den HET zu aktivieren.
„Ham Sie nen Schluck Wasser für mich?“ Ein alter Mann deutet auf seine leere Halbliterflasche. „Ich hob zwenich getrunka und mir ist schwindelig.“ Ich fülle ein wenig Wasser aus meiner Flasche um, er trinkt aus und ich schenke nach.

https://flic.kr/p/HJ38WM
In Grafenau hängt ein Dutzend junger Männer ab. Einer kniet auf dem Bahnsteig mit der Stirn auf den Pflastersteinen. „Allahu akbar“, murmelt er, während er sich wieder aufrichtet.

https://flic.kr/p/HJ33Zn
Weiter geht´s mit dem http://www.ostbayernbus.de/ostbayernbus/view/angebot/buslinien/igelbusse.shtml

Positiv anzumerken, dass die Busse unter der Woche wie am Wochenende verkehren, für deutsche Regionalbusse eine überdurchschnittliche Annäherung eines Taktverkehrs anbieten sowie für Touristen mit Gästekarte kostenlos sind.

Einige Minuten vor der Abfahrt öffnet der Fahrer die Tür, Eltern mit Kindern und ein paar Rentner steigen ein. Ob das Sommerticket wohl in den Regionalbussen der DB gilt? Im Internet habe ich dazu nichts gefunden. Jedenfalls habe ich sicherheitshalber Urschalling → Teufelshäng, Grenze draufgeschrieben.
Der Busfahrer überlegt. „Also ich hab ja schon viele Fahrscheine gesehen, aber Sommer-Ticket… Das weiß ich jetzt nicht. Ich denke eher nicht. Aber ich bin mir nicht sicher und weil die Fahrgäste ja nichts dafür können, wenn sich der Busfahrer nicht sicher ist, lasse ich Sie mitfahren.“

Mittagspause in Neuschönau, bis hierhin ist niemand ausgestiegen.
https://flic.kr/p/22EK7LF
Der zusätzliche Umstieg in diesem beschaulichen Ort war übrigens nur aus dem Grund erforderlich, um die Strecke nach Grafenau komplett abzufahren. Ich hätte auch direkt von Spiegelau an die Grenze fahren können.

Der nächste Bus kommt mit Fahrradanhänger. Ob ich hier wohl auch mit dem Sommerticket durchkomme? „Neee! Wohin soll es eigentlich gehen?“ Die Busfahrerin wählt das Ziel aus und drückt auf BC-Rabatt, doch der Computer will nicht. Nachdem sie eine Weile fluchend herumgedrückt hat und sich die beiden alten Fahrgäste allmählich wundern, was los ist, schlage ich vor, erstmal weiterzufahren, damit keine Anschlüsse verloren gehen. „Ach, die fahren nur ne Runde.“ Die Fahrerin drückt noch ein bisschen herum – ohne Erfolg.
Leicht hinter Plan und mit einigen zusätzlichen Fahrgästen lassen wir das Nationalparkzentrum hinter uns. Dann zeigt sich der Computer doch noch gnädig und druckt mir eine Fahrkarte für 3€ aus. Wenig überraschend bin ich bald mal wieder der einzige Fahrgast, während wir über kleine Landstraßen durch die Dörfer fahren. „Ach, um die Zeit ist nicht so viel los, die meisten fahren morgens hin und um diese Zeit zurück. Aber einen mit Koffer, das hatte ich auch noch nie…“ Ich nehme den Hinweis der Neugierde auf und beginne zu erzählen.
„Soso, einen Tschechischkurs. Und das auch noch für drei Wochen. Ich hatte mich mal kurzzeitig an der Sprache versucht, aber nein… Das ist für mich wie eine kryptische Mischung aus Russisch und Polnisch.“

„Boah, muss der hier parken? Das ist eine Buswendeschleife! Aber das scheint hier keiner zu wissen. Schlimm hier auf dem Land…“ Ich beruhige sie, dass es in der Stadt keineswegs besser ist. „Ja, aber dort ist wenigstens die Polizei schnell da. Wenn ich hier die Polizei rufe, dann dauert das manchmal zwei Stunden, bis die kommen! Und ich muss noch meinen Lebenslauf hinterlassen. Von wegen, warum ich hier überhaupt mit dem Bus langfahre…“
Dann steigen doch noch fünf Fahrgäste zu, um bis zur Grenze zu fahren.
„Bist du eigentlich vom Landratsamt? Vorhin hatte ich da welche, die haben irgendwelche Sachen kontrolliert…“ Nein, nein. Ich bin hier rein aus persönlichem Interesse unterwegs.

Leicht vor Plan wird also die Grenze erreicht.
https://flic.kr/p/D2wvWP


https://flic.kr/p/22C5nBd
Die Wanderer beäugen mich etwas skeptisch, während ich meinen Koffer die 200 Meter über den Schotterweg zur tschechischen Bushaltestelle zerre.

https://flic.kr/p/21AcetC
Drei sind schon drin, ich zahle 13 Kronen für die Fahrt bis Kvilda. Der Bus füllt sich bald deutlich.

Im Ort herrscht reger Betrieb und ich tue mich schwer, die richtige Abfahrtsposition für den Bus nach Lenora zu finden.
https://flic.kr/p/22C2Q1m

Ganz untypisch für Tschechien bin ich der einzige Fahrgast. Mein Koffer wird mit Spanngurten auf der Mehrzweckfläche gesichert und ich frage mich noch, wozu. Aber als ich sehe, wie schnell der Busfahrer durch die engen Kurven der schmalen Landstraße rast, kenne ich die Antwort. Bald steigt eine Frau mit Kinderwagen zu, welcher ebenfalls mit Spanngurten verstaut wird. An einem Haus mitten im Wald verabschiedet sich ein Mann von seiner Familie und steigt ebenfalls zu. Sein fünfjähriger Sohn bleibt winkend stehen, bis der Bus davonbraust. Am Straßenrand sind noch die Reste des Sturms von vorgestern erkennbar.
Der Mann steigt zwei Dörfer weiter wieder aus, nur die Frau mit Kinderwagen und ich fahren weiter bis zum Bahnhof in Lenora, wo planmäßig 2 bzw. 3 Minuten Umsteigezeit zu den sich kreuzenden Zügen im 2h-Takt besteht. Ein Selbstmordkommando?
Wir kommen mit -3 an, bald rollen die Züge herbei.
https://flic.kr/p/22C4VZw

Ich setze zum ersten Mal meine vorläufige IN-Karta 25 ein. Ob der Fahrkartenverkauf wohl bald durch den Blechschaffner übernommen wird?
https://flic.kr/p/22EJd2T

112 Kronen kosten die 108 km mit zwei Umstiegen in 2h 36 min.
Holperholperklongtrööööööt!
Quietschkadongkadongtrööööööt!

Geschrieben von: Entenfang am 19 Dec 2017, 21:22
In Volary gibt es ein großes Bahnbetriebswerk, in dem die Fahrzeuge gewartet werden.
https://flic.kr/p/21jXeh4

Knuffig finde ich die niedrigen Signale
https://flic.kr/p/HJ1B7n

Weiter geht die Fahrt nach Černý Kříž mit Halt an diesem sehr naturnahen Hp.
https://flic.kr/p/22EHHfK

Mein letzter Umstieg erfolgt mitten im Wald.
https://flic.kr/p/ExroaE
Im Hintergrund ist die Gleistopologie zu erahnen – aus allen drei Gleisen ist die Ausfahrt sowohl auf die Strecke nach Volary als auch nach Budweis möglich, sogar als Parallelausfahrt.

Nachdem der Regionova fünf Minuten gestanden hat, erhält er Ausfahrt. Also muss der Zug nach Budweis verspätet sein. Zwei junge Männer springen abwechselnd über das Gleis, um ins Gras zu pinkeln, weil sie die ganze Zeit Bier trinken.

Ich setze mich auf die Bank am Bahnhofsgebäude, +15 verkündet der Abfahrtsmonitor.
https://flic.kr/p/22EHpFg

Diese Uhr tickt hier wohl seit Kaisers Zeiten.
https://flic.kr/p/D2uQjK

Als ich nochmal schaue, sind es schon +20. Die Frau mit Kinderwagen, die mit mir im Bus nach Lenora gefahren ist, wartet ebenfalls. Das Kind läuft herum und schenkt einer alten Frau einen Stock. +25.
Ich bekomme auch eine Blume und einen Stock. +30.

In der Ferne ist Pfeifen zu hören und alle Fahrgäste strömen zurück auf den Bahnsteig. Aber keiner bleibt in der Nähe des Übergangs stehen, sondern erst ein Stück weiter hinten. Doch als die Taucherbrille mit zwei Abteilwägen, einem Dosto und einem Gepäckwagen einfährt, dämmert mir, dass die alle gewusst haben, dass der Zug lokbespannt ist und man deswegen ganz vorne nicht einsteigen kann. Wenn ich da an die deutschen Verhältnisse denke…

Zwei Schaffner helfen bei der Verladung von Fahrrädern, doch trotz grüner Welle steigt die Verspätung stetig an.
Auch hier sind die Reste des Sturms unübersehbar.
https://flic.kr/p/Exr3kE

Ein Mann bittet mich, von ihm ein Bild zu machen, während er aus dem Fenster schaut. Viele Spaziergänger bleiben stehen und knipsen den Zug, während er trötend und quietschend vorbeirumpelt. Alles Freaks hier…

Hat der Tag noch recht trist begonnen, zeigt sich nun doch noch die Abendsonne.
https://flic.kr/p/21jVS6P

Die ersten für die Region so typischen Fischteiche (Rybník) tauchen am Fenster auf. Der Zug fährt teilweise auf Dämmen quasi durch sie hindurch. Das könnten doch interessante Fotomotive sein…
https://flic.kr/p/ExqQCm

https://flic.kr/p/HHZH6i

Mit +45 erreiche ich schließlich Budweis, der letzte Zug nach Pilsen hat 20 Minuten auf uns gewartet.
Ich versuche erfolglos, beim Busfahrer eine Wochenkarte zu kaufen und kümmere mich erstmal um das leibliche Wohl in der Innenstadt. Doch das ist in Budweis vor allem Sonntagabend nicht ganz einfach, denn viele Restaurants schließen sehr früh. So startet mein Tschechienaufenthalt mit Lasagne statt Lendenbraten.

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 20 Dec 2017, 12:09
QUOTE (Entenfang @ 18 Dec 2017, 19:25)
Die schnellste Route würde übrigens via Nürnberg – Marktredwitz – Cheb - Plzen in rund sechseinhalb Stunden führen. Die Variante über Linz scheitert am zu diesem Zeitpunkt eingesetzten SEV. Im Vergleich mit dem MIV (etwa dreieinhalb Stunden) definitiv kein Ruhmesblatt für den ÖV.

Wäre die Route München - Plzen (im ALX/EX nach Prag) und Umsteigen in Plzen nach Budejovice nicht die schnellste gewesen? Oder war das auch wegen SEV etc. nicht praktikabel, als Du gefahren bist? Zugegebenermaßen hat die Wald- und Wiesenroute quer über die Grenze mit Bussen und Fußwegen landschaftlich natürlich weitaus größeren Reiz und gibt dazu gleich noch ein gewisses Entdeckergefühl, das man in Mitteleuropa nicht mehr oft findet außer eben z.B. zwischen Bayrischem Wald und Böhmerwald. smile.gif

QUOTE (Entenfang @ 19 Dec 2017, 22:21)
Holperholperklongtrööööööt!
Quietschkadongkadongtrööööööt!

Ich hatte es schon so vermisst biggrin.gif wink.gif gerne jederzeit mehr Bilder und Berichte aus Deiner Schatztruhe smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 20 Dec 2017, 20:30
QUOTE
Wäre die Route München - Plzen (im ALX/EX nach Prag) und Umsteigen in Plzen nach Budejovice nicht die schnellste gewesen?

https://flic.kr/p/21Byg93
Hätte 7h gedauert, weil man in Pilsen 1:05h Umsteigezeit hat. Ist sogar noch in der Reiseauskunft drin, Hinfahrt war am 20.8.17. Toll ist ja auch die Verbindung München - Nürnberg - Prag - Budweis mit IC-Bus.

QUOTE
Zugegebenermaßen hat die Wald- und Wiesenroute quer über die Grenze mit Bussen und Fußwegen landschaftlich natürlich weitaus größeren Reiz und gibt dazu gleich noch ein gewisses Entdeckergefühl, das man in Mitteleuropa nicht mehr oft findet außer eben z.B. zwischen Bayrischem Wald und Böhmerwald.  smile.gif

Definitiv. Die Route war mit Absicht so kompliziert gewählt und ich habe es nicht bereut. Ich wollte noch ein paar Strecken abfahren. Nach 10h und 9 Umstiegen fühlt man sich wie nach einer Weltreise, dabei waren es gerade mal 450 km...

QUOTE
QUOTE (Entenfang @ 19 Dec 2017, 22:21)
Holperholperklongtrööööööt!
Quietschkadongkadongtrööööööt!

Ich hatte es schon so vermisst biggrin.gif wink.gif

Ist halt noch richtige Eisenbahn dort... smile.gif

QUOTE
gerne jederzeit mehr Bilder und Berichte aus Deiner Schatztruhe  smile.gif

Da kannst du dich in den nächsten Tagen noch auf was freuen!

Tag 2

Ostalgie vom Feinsten im Wohnheim – mit nur 2 Steckdosen pro Zimmer hat wohl damals noch niemand an Smartphones gedacht…
https://flic.kr/p/EyTZMy

https://flic.kr/p/21mEaE6

Alle Anweisungen nur auf Tschechisch – da bleibt es jedem Einzelnen überlassen, was darunter zu verstehen ist. Nach dem Einstufungstest widme ich mich während der Mittagspause dem Obus.
Moment, sagte ich gerade Obus?
https://flic.kr/p/21BzFuA

Ein permanentes Ärgernis nicht nur aus fotografischer Sicht waren die Dieselkurse. Da redet alle Welt von Elektromobilität, dabei wird die vorhandene Infrastruktur nicht mal genutzt. Immerhin rennen die Tschechen nicht dem Akkubuswahn hinterher.

Eine der zahlreichen Kneipen in den Plattenbausiedlungen
https://flic.kr/p/21BzySh

Rund um die historische Innenstadt gibt es einen Grüngürtel sowie eine Halbringstraße, auf der ziemlich viele Busse fahren und vor allem zur HVZ leider auch dichter MIV.
https://flic.kr/p/22DHgnj

Die sehr hübsch herausgeputzte Innenstadt ist leider nicht flächendeckend verkehrsberuhigt und die Art der Häuser hat wenig mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen zu tun.
https://flic.kr/p/HKqfKB

Das Zentrum der gut 90.000 Einwohner beherbergenden Stadt ist der rund ein Hektar große, quadratische Námestí Premysla Otakara II.
https://flic.kr/p/D3Wbmc

Welche Geschichte die Stadt hinter sich hat, ist schon alleine an den früheren Namen dieses Platzes erkennbar:
Bis 1915: Hlavní námestí (Hauptplatz)
1915-1918: Kaiser-Franz-Josef-Platz
1918-1934: Námestí Svobody (Platz der Freiheit)
1934-1938: Masarykovo námestí (Benannt nach dem ersten Präsidenten der Tschechoslowakei)
1938-1945: Adolf-Hitler-Platz
1945-1951: Masarykovo námestí
1951-1991: Žižkovo námestí (Benannt nach Jan Žižka von Trocnov, einem hussitischen Feldherr)
Seit 1991: Námestí Premysla Otakara II. (benannt nach dem mittelalterlichen König von Böhmen, der Budweis gründete)

Die Platzmitte schmückt ein hübscher Brunnen.
https://flic.kr/p/HKq5c2

Auch das Rathaus ist sehenswert.
https://flic.kr/p/21mEhfk

Geschrieben von: Entenfang am 20 Dec 2017, 20:31
Nachmittags suche ich einen Fahrradverleih auf. Leider ist die Auswahl in Budweis sehr beschränkt und der Preis für 9€ pro Tag ganz schön happig. Zum Vergleich: Die Wochenkarte in Budweis kostet 7,30€.

Ich folge der Moldau stromabwärts und stoße irgendwann auf die Bahnstrecke nach Pilsen.
Die oftmals bunten Züge finde ich ziemlich faszinierend.
https://flic.kr/p/22DGY2C

An der Statue vorbei
https://flic.kr/p/HKpUBk

Rund 10 km entfernt thront das prachtvolle Schloss Hluboká nad Vltavou auf einem Hügel.
https://flic.kr/p/21mEAvZ

Sonnenuntergang an einem der unzähligen Fischteiche
https://flic.kr/p/21mEqLP

Bei Kaufland mache ich mich nicht gerade beliebt, weil ich vergessen habe, dass man in Tschechien Obst und Gemüse selbst wiegen muss.
Zum Abschluss des Tages noch ein Blick aus dem Fenster über den Unicampus mit dem Stadtviertel Máj im Hintergrund
https://flic.kr/p/22DGurs

Geschrieben von: Entenfang am 21 Dec 2017, 22:04
Tag 3

Das tschechische Frühstück ist und bleibt eine Besonderheit. Zu den kleinen Plastikverpackungen, deren Inhalt aus undefinierbarem gefärbtem Gelee besteht (angeblich soll das Marmelade sein…), gesellen sich stets frische Backwaren und leckere süße Teilchen. Brötchen sind in Tschechien weniger verbreitet, dort gibt es stets https://cs.wikipedia.org/wiki/Rohl%C3%ADk#/media/File:V%C3%BDroba_rohl%C3%ADku_(25).JPG

Diese sind aber offensichtlich bei den ausländischen Kursteilnehmern wenig beliebt, zumindest schließe ich das aus dem geringen Verbrauch beim Frühstücksbuffet.

Das Wetter bleibt äußerst fotogen und spätsommerlich heiß.

Bereits in der morgendlichen Kaffeepause brennt die Sonne vom Himmel. Vermutlich unterhalten sich die beiden alten Damen aber nicht über den Obus.
https://flic.kr/p/HMDRe8


Nachmittags dann nochmal eine größere Fahrradtour durch die böhmischen Dörfer.

In der Dorfmitte gibt es stets einen Fischteich.
https://flic.kr/p/21oNTbK

https://flic.kr/p/D634ex

https://flic.kr/p/D62yJr

Doch ganz so idyllisch geht es nicht überall zu. In Südböhmen gibt es nur sehr wenig Autobahnen, der Fern- und Schwerlastverkehr läuft über Landstraßen mitten durch die Dörfer.
https://flic.kr/p/EB25wC
Eine derartige Straßengestaltung sorgt natürlich nicht gerade für eine geringe Geschwindigkeit.

Es gibt jedoch unzählige kleine Landstraßen und Feldwege, auf denen das Radfahren sehr angenehm ist. Die Tschechen sind auch durchaus rücksichtsvollere Fahrzeuglenker, als man sich das vielleicht vorstellt. Aber sie fahren gerne schnell, das gilt insbesondere für Busfahrer.

Vorsicht, Entenwanderung!
https://flic.kr/p/22FQW5d

Blühender Teich
https://flic.kr/p/22Jfhc8

Ständig trifft man auf Kreuze und kleine Kapellen mitten im Wald und an Landstraßen, die häufig mit schönen Blumen geschmückt sind. Keine Ahnung, wer sich hier mitten im Nirgendwo darum kümmert, aber bei den Temperaturen müssen die Blumen wohl spätestens jeden zweiten Tag gegossen werden.
https://flic.kr/p/22JeNLr

Nach längerer Suche entdecke ich ein gemütliches Plätzchen, das offensichtlich bei Verliebten ziemlich beliebt ist.
https://flic.kr/p/22FPR4U

Geschrieben von: Entenfang am 21 Dec 2017, 22:04
Am mit 520 Hektar zweitgrößten Fischteich der Region kann man nicht nur entspannen und den sich im Wind neigenden Schilf zusehen…
https://flic.kr/p/22JetYg

…sondern hat auch einen hervorragenden Blick auf die Bahnstrecke nach Pilsen.
https://flic.kr/p/22JeiWn

https://flic.kr/p/D61Qgv

https://flic.kr/p/21oLTGt


Beenden wir den Tag mit einem Blick in den Abendhimmel.
https://flic.kr/p/22JdYvD

Geschrieben von: Entenfang am 22 Dec 2017, 23:24
Tag 4

Heute Mohnstrudel zum Frühstück – bisher jeden Tag etwas Anderes.

Schön finde ich den Baustil der Philosophischen Fakultät.
https://flic.kr/p/D81hWK
Die Verglasung vor den Fenstern ermöglicht das Öffnen der Fenster trotz des Verkehrslärms.

Kaffeepause…
https://flic.kr/p/22HMhfj

https://flic.kr/p/D81hyF

…und Mittagspause werden natürlich wieder fotografisch genutzt. Bei der gebotenen Qualität in der Mensa ist es auch kein Schaden, dass ich deswegen das Mittagessen verpasse. Und zum Glück gibt es ja einen Billa in der Nähe…

754 015 zieht den Personenzug nach Nové Údolí aus dem Budweiser Bahnhof.
https://flic.kr/p/D81h6r

Im Bereich der Fußgängerunterführung zu den Gleisen gibt es keinen Durchgang auf die Ostseite der Gleisanlagen. Man muss einen großen Umweg in Kauf nehmen und entweder eine Straßenunterführung nördlich oder die Fußgängerbrücke südlich des Bahnhofs überqueren. Von letzterer entstand auch das Bild - leider sind Bilder mit Licht kaum umsetzbar, da direkt entlang der Brücke auch das dicke Rohr die Gleise überquert und jedes Bild zunichtemacht.

Nachmittags gönne ich mir erstmal ein Eis, ehe ich mich erneut auf den Weg in die Fischteiche mache.
https://flic.kr/p/D81gzr
Im Hintergrund die weithin sichtbare St. Peter und Paul-Kirche.

Über einen zugewachsenen Anglerpfad kämpfe ich mich in der Nähe der gestrigen Stelle am Rybník Bezdrev voran.
https://flic.kr/p/21FJxWC

Doch dann kommt die böse Überraschung, die aus meiner Karte nicht ersichtlich war – der Weg wird von zehn Metern Wasser unterbrochen, sodass ich nicht mehr weiterkomme.
https://flic.kr/p/HPFGNK

Aber ich wollte eigentlich eh erstmal ein Bild machen…
https://flic.kr/p/HPFGqv

Mir bleibt also nichts anderes übrig, als den ganzen Weg wieder zurückzufahren. Inzwischen erschöpft, beschließe ich, die letzten Kilometer mit dem Zug zurückzufahren und suche den nächsten Bahnhof auf.

Geschrieben von: Entenfang am 22 Dec 2017, 23:24
Dieser liegt mitten im Wald und mehr etwa drei Kilometer vom namensgebenden Ort Hluboká mit dem bekannten Schloss entfernt.
Doch er entpuppt sich – wie so viele tschechische Kaffbahnhöfe – als wahres Kleinod zwischen leicht schäbigem Charme, sowjetischen Relikten und urtümlicher Gemütlichkeit.
https://flic.kr/p/22HMdJm

https://flic.kr/p/21FJxcb

https://flic.kr/p/22LfRD6
20 Minuten vor Abfahrt bin ich hier der einzige – naja, abgesehen von der Bahnhofsvorsteherin.
Durch einen Türspalt kann ich sehen, wie sie die fortschreitende Rotausleuchtung der eingestellten Fahrstraße am Computer beobachtet.
Tock. Tock.
Der Minutenzeiger der beiden historischen Bahnhofsuhren wandert weiter. Das Bahnhofsgebäude ist bis 23 Uhr geöffnet, obwohl unter der Woche mein Zug um halb acht der Letzte Halt hier ist.

https://flic.kr/p/21FJwW1
Nachdem die Durchfahrt ordnungsgemäß überprüft wurde, kümmert sich die Dame um den Fahrkartenverkauf. Grmpf, jetzt zahle ich doch glatt 6 Kronen zu viel, weil ich meine vor einem Monat bestellte InKarta noch nicht abgeholt habe.
Tock. Tock.
Drrrrrrring. Rückblock.

Drei Minuten vor der Abfahrt tauchen dann doch noch vier Fahrgäste auf. Über den pünktlich heranrollenden Regiopanter bin ich wegen des Fahrrads nicht übermäßig unglücklich. Doch hinter der Tür mit Fahrradsymbol verbirgt sich kein Mehrzweckbereich, sodass ich es im Fluchtweg stehen lassen muss. Da der Zug ohnehin komplett leer ist, stört das den Schaffner aber nicht.

Zum Abendessen gibt es endlich Svíčková (Lendenbraten) – mein absolutes Lieblingsessen der tschechischen Küche.

Und zum Abschluss des Tages nochmal der Blick aus dem Fenster.
https://flic.kr/p/22HMbTN

Geschrieben von: Entenfang am 23 Dec 2017, 15:55
Tag 5

Es herrscht rege Betriebsamkeit im Wohnheim – zahlreiche Besucher der Agrarmesse sind offensichtlich im Studentenwohnheim einquartiert worden. Ob sich die zwischen den Studenten völlig deplatziert wirkenden Anzugträger auch ein Doppelzimmer teilen müssen, ist mir nicht bekannt. Eine Kursteilnehmerin meinte jedenfalls, dass sie als Erstsemester wohl einen ziemlichen Schock bekommen hätte, wenn sie hier für ein paar Jahre wohnen müsste.
Es gibt wunderbaren Apfelstrudel zum Frühstück.
Ehe ich zum Knipsen komme, habe ich ihn bereits verspeist. Doch das Rätsel möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten:
https://flic.kr/p/D9cdjk
Warum haben die Tabletts so eine merkwürdige Form?


Wegen der Messe ist die Obuslinie 3 im dichteren Takt unterwegs (während der Sommerferien tagsüber in der NVZ sonst nur Takt 10) und es werden mehr Hochflurfahrzeuge eingesetzt. Leider passen die Einsatzzeiten nur schlecht zu meiner Kaffeepause, aber in der Mittagspause lege ich mich erfolgreich auf die Lauer.
https://flic.kr/p/EEbtyy

Etwas unübersichtlich sind die Haltepositionen am Hbf und die Unterführung sollte man besser nur mit Wäscheklammer auf der Nase nutzen.
https://flic.kr/p/21s72GF

Nun möchte ich endlich meine InKarta abholen und frage mich im Bahnhof zum richtigen Schalter durch. Um 12:20 Uhr habe ich ihn gefunden. Doch vor mir ist gerade ein Kunde dran, der ewig braucht. Als er endlich abgefertigt ist, wird mir um Punkt 12:30 Uhr der Rollladen vor meiner Nase runtergelassen und die Mittagspause angetreten. Ich solle doch bitte in einer halben Stunde wiederkommen. Mangels Alternativen trete auch ich die Mittagspause an und entdecke in Bahnhofsnähe einen kleinen Laden, in dem es kantinenähnliches Mittagessen inklusive Suppe für unter 3€ gibt. Die Gelegenheit für ein schnelles Mittagessen nutzen viele Einheimische.

Um Punkt 1 erscheine ich wieder am Schalter, die Mitarbeiterin sucht gefühlte 10 Minuten in irgendwelchen Papierstapeln und Ordnern herum, zaubert dann aber doch die gewünschte Karte hervor. So jetzt aber fix zurück, der Sprachkurs geht bald weiter…


Die verschiedenen Lackierungen der Altwagen stellen einen erfreulichen Kontrast zu den überwiegend unfotogen und fahrgastunfreundlich mit Vollwerbung zugekleisterten Niederflurfahrzeugen dar. Und auch der Sound dieser Fuhren macht was her!
https://flic.kr/p/D9cfGM

Nachmittags steht eine Fahrradtour nach Osten aus der Stadt an. Die Landschaft ist hier ziemlich hügelig, sodass hier kräftig gestrampelt werden muss.

Verschnaufpause in „Gutes Wasser bei Budweis“
https://flic.kr/p/D9ceSk

Die zugehörige Dorfkirche
https://flic.kr/p/D9cepM

Der Blick schweift über die Wiesen. Mit dem Neubau der beiden Häuser links oben wird ein bisschen was für die Zersiedelung getan (aber der Ausblick ist zugegebenermaßen schon toll).
https://flic.kr/p/22K2aoQ

Natürlich gibt es auch hier Fischteiche.
https://flic.kr/p/22K2aaJ

Den Abend lassen wir in einem gemütlichen Laden ausklingen, der solide tschechische Küche zu günstigen Preisen bietet. Ich treffe eine gute Wahl mit Palacinky, Eis und Früchten.

Geschrieben von: imp-cen am 23 Dec 2017, 17:01
QUOTE (Entenfang @ 23 Dec 2017, 15:55)
Warum haben die Tabletts so eine merkwürdige Form?

Na, damit man mehr draufbekommt. Wenn schon nicht aufs Tablett, dann auf...
wink.gif

Geschrieben von: Entenfang am 24 Dec 2017, 16:44
QUOTE (imp-cen @ 23 Dec 2017, 17:01)
Na, damit man mehr draufbekommt.

Ich bin mir nicht sicher, ob du das richtige meinst. Die Form wurde gewählt, damit vier Tabletts auf dem Tisch Platz finden.



Tag 6 Ceský Krumlov

In der Kaffeepause entsteht nichts Vorzeigenswertes vom Obus, sodass ich gleich zur großen Fahrradtour übergehe, die ich nach Unterrichtsende antrete. Das rund 30 km entfernte Ceský Krumlov steht auf dem Plan. Es ist ein heißer Spätsommertag, als ich entlang der Moldau nach Süden starte. Doch leider verlaufen nur die ersten Kilometer entspannt am Fluss.

Ehe es steil bergauf geht, lege ich eine Mittagspause ein.
https://flic.kr/p/22M3cMd
Das auf dem Bild sichtbare Mittagsmenü aus Kartoffelsuppe, frittierter Zucchini und Kartoffeln ist für knapp 4€ zu haben. Doch welch mysteriöse Beilage ist rechts zu sehen?

Erbarmungslos brennt die Mittagssonne auf mich nieder, während ich durch Felder, Wiesen und kleine Dörfer fahre.
https://flic.kr/p/22M3Eyu

https://flic.kr/p/21u4bTR
Es herrscht nahezu völlige Stille, nur gelegentlich hört man irgendwo ein Gespräch, einen Hahn krähen oder ganz selten ein Auto.

Ich ruhe mich eine Weile auf einer Bank unter einer mächtigen Linde aus, die mir Schatten spendet.


Nachdem ich eine Weile über das Hochplateau unterwegs war, folgt diese Warnung:
https://flic.kr/p/21K32g5

Ich gehe davon aus, dass es sich um einen Hinweis handelt, das Fahrrad zu schieben. In der Tat ist der relativ enge uns sehr steile Weg mit einigen Schlaglöchern und feuchtem Laub gespickt.

Ich hoffe, nun wieder gemütlich am Ufer entlangradeln zu können, doch Fehlanzeige. Ich muss auf der anderen Seite wieder steil bergauf fahren. Dabei bleibe ich in der Nähe der Bahnstrecke und entdecke das eine oder andere interessante Motiv, doch bei einem 2h-Takt wäre die Wartezeit zu lange.
Zum Schluss ist der Weg nicht mehr so gut beschildert, ich verfahre mich und lande auf einer stark befahrenen Bundesstraße, auf welcher der Stau einige Kilometer aus dem Ort herausreicht und ich mit dem Fahrrad schneller bin. Ich erreiche Ceský Krumlov durch ein Wohngebiet.

Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist ein wahrer Touristenmagnet. Da in den engen Gassen viele Menschen unterwegs und die Gassen mit holprigem Kopfsteinpflaster befestigt sind, parke ich mein Fahrrad am Rand und setze meinen Weg zu Fuß fort.

Blick über die Moldau zum Schlossturm
https://flic.kr/p/22M3Bm7

Ahooooooj! Wer es etwas wilder mag, fährt mit dem Kanu über die Rutsche.
https://flic.kr/p/22M3Cmo

Heiligenfigur auf der Lazebnický most mit der St.-Jost-Kirche im Hintergrund
https://flic.kr/p/21u4a9i

Schlossturm im Detail
https://flic.kr/p/22M3A8q

Die typischen Gassen der Altstadt
https://flic.kr/p/22M3zHY

https://flic.kr/p/21K2TrC

Der Massentourismus hat jedoch seinen Preis. In der Innenstadt wohnt kein Einheimischer, da sie nur aus Geschäften und Hotels besteht. Für ein ähnliches Mittagsmenü bestehend aus Suppe und Hauptgericht müsste ich hier 279 statt 99 Kronen bezahlen.
Ein klares Indiz für einen Touristenort sind auch die vielen Trdelnik-Verkaufsstände. Ich finde die Baumstriezel aber trotzdem lecker und gönne mir sogleich einen.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Dec 2017, 16:44
Als nächstes erklimme ich den Weg zur Burg, links die dreistöckige Plást´ový most zwischen Burg und Schlosspark.
https://flic.kr/p/22PzgVP

Die Aussicht über die idyllisch in der Moldauschleife gelegenen Altstadt kann sich sehen lassen.
https://flic.kr/p/21u49rg
Wer einen ruhigeren Aussichtspunkt sucht, dem sei der Kreuzberg mit Kapelle empfohlen, im Hintergrund mittig rechts neben der dominanten St.-Veit-Kirche zu sehen.

Der großzügige Schlosspark bietet nicht nur ausreichend Platz für selfiesickfuchtelnde Asiaten, sondern auch für Brunnen…
https://flic.kr/p/HSYG5Z

…und dem Open-Air-Theater mit 360° drehbarer Zuschauertribüne.
https://flic.kr/p/22M3x5b

Da gerade eine Aufführung stattfindet, kann ich mir sie leider nicht aus der Nähe anschauen.

In der Stadt gibt es für jeden Geschmack den passenden Laden.
https://flic.kr/p/21u48N2

https://flic.kr/p/21K2Rfo

https://flic.kr/p/21K2Pys

Bei genauerem Hinschauen entdeckt man inmitten der Altstadt weniger überlaufene Orte, an denen man sich etwas ausruhen kann. Dafür bietet sich beispielsweise der Klostergarten an.
https://flic.kr/p/EGdr1G

Seitengasse zur Brauerei Eggenberg
https://flic.kr/p/21K2RTY

Der Marktplatz mit Mariensäule – keine Ahnung, ob das Bild gerade ist. In der Stadt geht es überall rauf und runter und um die Ecke, sodass es nicht immer einfach ist, die Waagerechte zu finden.
https://flic.kr/p/22Pz8FT

Nach so viel Kultur und Selfiesticks schwinge ich mich abermals auf den Sattel, um gut zwei Kilometer außerhalb eine geeignete Fotostelle aufzusuchen.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Dec 2017, 16:45
TRÖÖÖT! TRÖÖÖT! Kadongkadong. Kadongkadong.
https://flic.kr/p/21K2Nz3
Im Hintergrund ist übrigens kein Nebel zu sehen, sondern der Rauch der zahlreichen Grills an einem Festival. Fetzen der Musik sind bis hier oben zu hören.

Lichttechnisch interessanter ist aber eigentlich der Gegenzug. Der steht mit +4 in der App. Und die Schatten wandern schnell, sehr schnell. Das Ende des Sommers macht sich bemerkbar.
So langsam könnte er aber wirklich mal kommen…

Mit +6 höre ich es tröten und es hätte keine Minute später sein dürfen.
https://flic.kr/p/21u46SD

Nach einem kleinen Snack zum Abendbrot mache ich noch einen kleinen Spaziergang. Da der letzte Zug zur Rückfahrt mit +15 angekündigt ist, bleibt mir noch ein bisschen Zeit. Die Dämmerung bricht herein.
https://flic.kr/p/HSYyY4

Ich entdecke einen tollen Aussichtspunkt und bleibe dort hängen. Aus den +15 sind +35 geworden und ich bin kein bisschen böse drum. Also kann ich noch die blaue Stunde abwarten und hätte als Rückfallebene immer noch einen Bus um 22:00 Uhr.
„Pane! Mužete delat foto?“, ruft mir eine Gruppe Jugendlicher zu, während ich versuche, meiner Kamera stativlos einigermaßen Halt zu verschaffen.
Ich bekomme ein iPhone in die Hand gedrückt und versuche mein Glück. Für das Ergebnis will ich mir zwar nicht verbürgen, doch sie sind damit zufrieden (und ich bin zufrieden damit, dass ich verstanden habe, was sie von mir wollen…)

https://flic.kr/p/EGdkpS
Ich setze mich auf eine Bank, um den Abend noch ein wenig zu genießen. Routinemäßig kontrolliere ich nochmals die Abfahrt.
Uuups, der Zug hat hier in Ceský Krumlov 14 Minuten Aufenthalt. Dann habe ich doch nicht mehr so viel Zeit und trete schleunigst den Rückweg an.
https://flic.kr/p/HSYypt

Der Bahnhof liegt ein gutes Stück außerhalb und oberhalb der Stadt, sodass ich nochmal kräftig strampeln muss. 5 Minuten nach der planmäßigen Abfahrt stehe ich am Bahnsteig, nur noch eine Frau wartet dort. Zwei Brotbüchsen sind abgestellt und dunkel.

Nach einer Viertelstunde klingelt der BÜ, ein Regionova fährt in das besetzte Gleis ein und hängt sich mit einem kräftigen Rumms an die beiden Brotbüchsen dran. Alle darin befindlichen Fahrgäste steigen aus, die Frau und ich werden in die vordere Brotbüchse gebeten.
Software scheint bei dem Dreierpack Triebwagen wohl kein Problem zu sein, alle drei Triebwagen haben sogar Licht.
Etwas 2,80€ kostet die Fahrt mit Fahrrad und IN25 über 31 km in 45 Minuten. Bald setzt sich der interessante Zug mit Tröten in Bewegung und die Luft des lauen Sommerabends strömt durch das offene Fenster. Der Fahrtwind trägt abwechselnd Dieselabgase, den Geruch des Dungs von den Feldern und der Nadelhölzer herein. TRÖÖÖT! Kadongkadong. Quieeeeeetsch! Dingding. Dingding. Pozor vlak!
In gemütlichem Tempo führt die stimmungsvolle Fahrt zurück nach Budweis und endet mit +26.
https://flic.kr/p/22M3s9j

Geschrieben von: Entenfang am 25 Dec 2017, 19:25
Tag 7 Lipno nad Vltavou

Auflösung von gestern: Bei der mysteriösen Beilage handelt es sich um Gurkensalat, der aber aus mehr Wasser als Gurke bestand.


Es ist Samstag – Zeit zum Ausschlafen und für einen weiteren Ausflug. Da es ein heißer Tag wird, passt die vorgesehene Tour in die Berge ganz gut.
Obwohl (oder gerade weil) die Abfahrt erst um 12:06 Uhr ist, schaffe ich es irgendwie, mich hoffnungslos zu vertrödeln und rase zum Bahnhof. 4 Minuten bis zur Abfahrt und ich muss noch eine Fahrkarte für mich und Fahrrad kaufen.

Wie könnte es anders sein, alle Schalter sind besetzt. Immerhin bin ich nach einer guten Minute dran. Die Uhr zeigt 12:03 Uhr.
Glücklicherweise fällt mir alles Notwendige auf Tschechisch ein. Die Mitarbeiterin erzählt mir etwas von Reservierung für das Fahrrad, ich nicke nur und sage ja und amen. 12:04.

Sie fragt nochmal etwas, dass ich nicht verstehe. Aber ich muss wohl alle notwendigen Infos gegeben haben, denn sie beginnt, die Fahrkarten zu drucken. Und das sind ganz schön viele. 12:05.

Sie deutet noch auf Wagen 362, aber ich nehme das gar nicht mehr richtig wahr, während ich die vier Fahrkarten in meinem Rucksack stopfe und in die Unterführung renne. Ich wuchte das Fahrrad die Treppe hoch, die Uhr steht bereits auf 12:06.

Als ich die EC-Wagen sehe, dämmert mir so langsam, was es mit der Reservierung für das Fahrrad auf sich hat. Das hatte ich nicht bedacht, denn in Tschechien galt für mich immer: Fahrkarte von A nach B kaufen und in den nächsten Zug einsteigen.
Am Treppenaufgang steht Wagen 359, der Zug ist abfahrtbereit, das Signal auf Fahrt und die Zeit überfällig.
Ihr habt 3 Sekunden, eine Entscheidung zu fällen.

Ich wähle reinspringen und blockiere mit meinem Fahrrad natürlich den Einstiegsbereich. Gut eine Minute später setzt sich der Zug in Bewegung. Eine Handvoll Fahrgäste quetscht sich in den nächsten Minuten an mir vorbei, aber niemand kommentiert etwas.

Was ich an diesem Land so toll finde, selbst wenn du etwas Dummes machst, motzen dich die Leute nicht gleich an und reiben dir deinen Fehler unter die Nase. Fußgänger entschuldigen sich sogar, wenn sie auf dem Fußweg den Radfahrern keinen Platz gemacht haben. Ob Radfahren auf dem Fußweg nun erlaubt ist oder nicht, konnte ich nicht klären.
Bei stockendem Verkehr blockiert niemand die Kreuzung, sondern die Wartepflichtigen werden reingelassen.
Na gut, die Schaffnerin meckert dann doch geringfügig. Davon verstehe ich maximal ein Viertel, entschuldige mich und deute auf das Verkaufsdatum der Fahrkarte. Dass ich offensichtlich alle benötigten Fahrscheine habe, besänftigt sie glücklicherweise etwas und ich verspreche, am nächsten Bahnhof in den richtigen Wagen umzusteigen.

Als mich die Schaffnerin beim nächsten Kontrollgang mit ordnungsgemäß verstautem Fahrrad entdeckt, nimmt sie das wohlwollend zur Kenntnis. Inzwischen habe ich auch herausgefunden, dass die Rückfahrt glücklicherweise mit einem Os vorgesehen ist, für den ich keine Fahrradreservierung lösen muss.

Ich bereite mich auf den Umstieg in den Zug nach Vyšší brod vor. Dazu muss ein Reisendenübergang quer über alle Bahnhofsgleise benutzt werden.
https://flic.kr/p/EJvGZE
Als ich dem Fahrgaststrom folgen möchte, schnauzt mich ein Bahnmitarbeiter an. Er deutet auf das Empfangsgebäude und grummelt irgendwas.
Die Schaffnerin fragt mich, wohin ich wolle und ich sage Lipno. Sie bedeutet mir zu folgen, der Mann motzt aber wieder herum, ich solle warten. Herrje.
Eine halbe Minute später darf ich dann doch rüber. Der Gepäckwagen ist nicht in Benutzung und ich verlade mein Fahrrad in den Dosto.

https://flic.kr/p/22PrUq9
Feuchtwarme Sommerluft strömt herein.

Auf etwa halber Strecke muss in Vyšší brod klášter umgestiegen werden. Von dort pendeln an diesem Wochenende zwei Züge im 35-Minuten-Takt bis Lipno. Auf dem Abfahrtsplan lese ich etwas von Rafting-Event und wundere mich, was der Unfug soll.

Mit erheblicher Verspätung rollt der Zug aus Lipno herbei.
https://flic.kr/p/DdyWWZ
Die Handvoll Fahrräder werden in den Dosto geschickt. Wofür haben wir denn einen Gepäckwagen, wenn er nicht verwendet werden soll?

Nun, die Antwort erhalte ich am nächsten Hp.
https://flic.kr/p/21MqYLs

Bald ist nicht nur der gesamte Gepäckwagen mit Kanus vollgestapelt, sondern auch der Dosto. Ich stehe eingepfercht zwischen nassen Kanus und ihren ebenfalls nassen Fahrern in Neopren-Anzügen. Einige Fahrgäste müssen zurückbleiben und mit +17 geht´s weiter. Am nächsten Halt wird ein Teil der Kanus wieder entladen.
https://flic.kr/p/21MqXZs
Auf dem im Bild sichtbaren Gleis hat übrigens wenige Augenblicke zuvor der Gegenzug gekreuzt, nachdem er sich mit Pfeifen angekündigt hatte und sich die Kanufahrer dicht gedrängt an den stehenden Zug geschmiegt haben.
Übrigens dürfte die Gleisnutzlänge zum Kreuzen wohl ausschlaggebend für die kurzen Zweiwagenzüge sein – mehr als Sandwichbespannung und zwei Wagen sind nicht fahrbar.
Dennoch scheint das Betriebskonzept wie gemacht für die Anforderung, denn aus der vorhandenen Infrastruktur wird das größtmögliche herausgeholt und dabei ein stabiler Fahrplan gefahren. Die Verspätungen übertragen sich nicht auf den Anschluss in Rybník und die nassen und verschmutzten Wagen bleiben ebenfalls in einem kleinen Einzugsbereich.
Nach der Ankunft in Lipno gleicht der Wagen einer Sauna und ich bin ziemlich nass – eine Mischung aus Schweiß und der Nässe der Kanufahrer.
https://flic.kr/p/21MqXsA

Anschließend verewige ich einige Fahrten.
Kurz vor der Ankunft in Lipno – argh, blöde Brennnessel!
https://flic.kr/p/21MqWAL


Gegenzug unweit des Loucovice zastávka
https://flic.kr/p/DdyT1T

Und die Rückfahrt im Wald bei Lipno
https://flic.kr/p/21MqViL

Es folgt eine Fahrradtour um einen Teil des riesigen Stausees.
In Frymburk wechsle ich per Fähre die Seite und strample zurück zum Bahnhof.
https://flic.kr/p/22PrRPh

Geschrieben von: Entenfang am 25 Dec 2017, 19:25
Pause am Ufer
https://flic.kr/p/DdyR7x


Ein paar Minuten bleiben mir noch bis zur Abfahrt – Zeit genug für einen Blick auf das hübsche Bahnhofsgebäude.
https://flic.kr/p/EJvKi7
In Deutschland wäre der Bahnhof wohl längst zum Hp rückgebaut und das verfallene Empfangsgebäude durch einen kostengünstigen Fertigteilunterstand ersetzt worden.

Für ein Stück Kuchen hat es nicht mehr gereicht, doch in Vyšší brod habe ich 27 Minuten Umsteigezeit. Hm, der Coop hat samstags nur bis 12:30 Uhr geöffnet, der Bäcker vor 10 Minuten geschlossen. Laut Google gibt es aber einen kleinen Laden, der bis 22 Uhr geöffnet ist.
Ich schwinge mich auf den Sattel und finde ihn fünf Minuten später. Ein typischer vietnamesischer Tante-Emma-Laden, wie man ihn in Tschechien oft findet. Eine Packung Kekse reicher kehre ich zum Bahnhof zurück. Einzelne Zugleistungen werden morgen im SEV bedient. Vermutlich wird dieses Fahrzeug zum Einsatz kommen:
https://flic.kr/p/EJvJF5

An die Gemütlichkeit solcher Abteilwägen kommt einfach kein designpreisgekröntes Neufahrzeug dran.
https://flic.kr/p/EJvJcE

Laut summend kühlt der Lüfter die E-Lok auf der gemütlichen Rückfahrt nach Rybník.
https://flic.kr/p/EJvHCy
Solche Nebenbahnen kann man wohl nur bei geöffneten Übersatzfenstern richtig „erfahren“.

In Rybník geht noch immer derselbe Mitarbeiter anderen Fahrgästen auf die Nerven, doch der Tf des Zuges nach Budweis ist deutlich hilfsbereiter und organisiert den Schlüssel für den Gepäckwagen. Übrigens ist keiner der tschechischen Fahrgäste mit Fahrrädern auf die Idee gekommen, bei den normalen Türen einzusteigen und alles zu blockieren. Sie begeben sich stets zum Gepäckwagen.
Schnauze im Abendlicht
https://flic.kr/p/EJvFBj
Wir warten auf den SEV aus Linz und starten mit +9.

Der typische tschechische Provinzbahnhof an Hauptstrecken in unmodernisiertem Zustand
https://flic.kr/p/EJvF1E

Pozor vlak!
https://flic.kr/p/21wsKNR

Die Übersatzfenster bleiben einfach eine wunderbare Einrichtung – so wird jeder Abschied romantisch.
https://flic.kr/p/21wsKgi

Geschrieben von: Entenfang am 25 Dec 2017, 19:25
Flotte Fahrt in den Sommerabend
https://flic.kr/p/EJvDkW

https://flic.kr/p/EJvD5W

https://flic.kr/p/EJvCGG

Der Tf weiß offenkundig, was er tut und bremst den Zug stets zielgenau ab. Bei dem straffen Fahrplan ist das Herausfahren von 4 Minuten Verspätung auf 52 Minuten Fahrzeit bis Budweis sicher keine schlechte Leistung.
„Praha tady! Nekdo Praha?“, ruft die Schaffnerin vom vorderen Teil des Bahnsteigs, wo der Anschluss nach Prag wartet.

Auf mich wartet nun noch die Fahrradrückgabe und das Abendessen. Sollte ich es als Kompliment nehmen, dass ich ungefragt die Speisekarte auf Tschechisch bekomme, obwohl es auch englische gibt?

Geschrieben von: 146225 am 26 Dec 2017, 06:05
QUOTE (Entenfang @ 25 Dec 2017, 19:25)
An die Gemütlichkeit solcher Abteilwägen kommt einfach kein designpreisgekröntes Neufahrzeug dran.

In deinem jugendlichen Alter magst das gerne so sehen, wer "vor der Haustür" noch den Alltag mit dem Bm 232 (& Co.) jahrelang erfahren hat, ist oft etwas zurückhaltender mit derartigen Beurteilungen.

Bislang übrigens ein sehr interessanter Bericht, Danke für die Mühen. wink.gif

Geschrieben von: Lobedan am 26 Dec 2017, 18:17
Da entführst du uns ja mal wieder in schmucke Altstädte und tolle Natur!
Da Weihnachten mich in Beschlag genommen hat, konnte ich erst heute alles lesen und nicht an den Rätseln teilnehmen. Aber ich hätte eh falsch gelegen. Dafür habe ich noch eine neunmal-schlaue Anmerkung:
QUOTE (Entenfang @ 20 Dec 2017, 20:31)
Bei Kaufland mache ich mich nicht gerade beliebt, weil ich vergessen habe, dass man in Tschechien Obst und Gemüse selbst wiegen muss.

Das ist in deutschen Kaufland-Märkten ebenfalls noch so.

Geschrieben von: Entenfang am 26 Dec 2017, 23:56
Tag 8 Bechyne

Der Tag beginnt mit einer kurzen Obusfahrt zum Bahnhof, wo ich fix eine Fahrkarte erwerbe.
Die CD bietet Tageskarten für einzelne Regionen oder auch das ganze Land an. Die Preise variieren je nach Größe des Gebiets. Das https://www.cd.cz/typy-jizdenek/vnitrostatni-jizdenky/-28370/ ähnelt unseren Ländertickets.
Die zwei wesentlichen Unterschiede sind die Gültigkeit in allen Zügen (im SC muss die obligatorische Platzreservierung dazugebucht werden) sowie die ausschließliche Anerkennung in CD-Zügen – also kein Stadtverkehr in Verbünden.
Für 7€ bekomme ich die Tageskarte für Südböhmen, ganz Tschechien kostet etwa 23€.

Die Fahrt startet mit dem Schnellzug nach Tábor, zunächst eher gemütlich durch dichten Wald auf eingleisiger Strecke, später dann schneller auf ausgebauter Strecke mit Lärmschutzwänden. Ich finde es erstaunlich, wie wenig Graffiti es in Tschechien verglichen mit Deutschland gibt.
Parallel wird gerade die Bundesstraße zur Autobahn ausgebaut.
https://flic.kr/p/EM3GN3

In Tábor begebe ich mich zum abseits liegenden Bahnsteig Richtung Bechyne. Dort wartet die historische E 422 0003 „Bobinka“ auf mich. Der historische Zug wird an Sommerwochenenden im Regelbetrieb eingesetzt und ist ohne Aufpreis nutzbar.
https://flic.kr/p/Dg9baK

Die 24 km lange Nebenbahn ist seit ihrer Eröffnung 1903 elektrifiziert und eine der ersten elektrisch betriebenen Eisenbahnen der Welt. 1500 V Gleichstrom ist für Tschechien ein ungewöhnlicher Wert, zumal im Süden des Landes die restlichen Strecken mit 25 kV Wechselstrom elektrifiziert sind.

In gemächlichem Tempo beginnt die Fahrt straßenbahnartig mit sehr engen Bögen zwischen den Häusern über bimmelnde BÜ. Ein Highlight der Strecke ist die Querung des Flusses Lužnice.
https://flic.kr/p/22UzdYX

Der Zug wird von Ausflüglern, aber auch von „normalen“ Fahrgästen genutzt, die nach und nach an den sehr ortsfern gelegenen Hp der Dörfer aussteigen.
https://flic.kr/p/21z5iz4

https://flic.kr/p/21z5idH

Die Strecke ist sehr geländenah mit extrem engen Bögen (125 m) und großen Längsneigungen (41%o) trassiert und erlaubt daher nicht zuletzt wegen der zahlreichen technisch nicht gesicherten BÜ maximal 50 km/h, oft aber deutlich weniger.
https://flic.kr/p/21Q53Aq

Ein am BÜ wartender Autofahrer zückt spontan sein Handy, als er den historischen Zug erblickt.

Die meiste Zeit führt die Strecke durch offenes Gras- und Ackerland. Hier nähert sich der Zug dem vorletzten Halt Bechyne zastávka.
https://flic.kr/p/21z5hzt

Doch der interessanteste Abschnitt ist sicher die Überquerung des Bechynská duha (Bechyner Regenbogen), eine kombinierte Bahn- und Straßenbrücke. Und die betriebliche Regelung ist sicher das Highlight:
https://flic.kr/p/Dg986Z
Für die Straße handelt es sich um einen 200 m langen BÜ – aber wohlgemerkt nur in die Richtung, auf deren Seite das Gleis liegt. Wie unschwer zu erkennen ist, verkehrt der MIV im Gegenverkehr völlig normal.

Nachdem der Zug die Brücke befahren hat, darf der MIV sogleich nachfolgen.
https://flic.kr/p/21Q4ZFN

Wenn man vor lauter Begeisterung über dieses Kuriosum nicht in Schockstarre verfällt, kann man auch den Ausblick zum Franziskanerkloster genießen.
https://flic.kr/p/21z5gvp

Geschrieben von: Entenfang am 26 Dec 2017, 23:56
Während der Wendezeit lässt sich die Brücke problemlos fußläufig aufsuchen, um die Rückfahrt abzuwarten. Doch für die Eisenbahn eher ungewöhnlich besteht bei diesem Motiv durchaus die Zufahrproblematik – wird doch auch bei der Rückfahrt nur der MIV in eine Richtung angehalten. Doch zu meinem Glück kommt genau passend ein einziges Auto vorbei, welches sich aber schön im Hintergrund hält.
https://flic.kr/p/21z5fFZ

Ich finde es nicht besonders vertrauenserweckend, dass die Brücke maximal 25t standhält – da sorgt auch das Zusatzschild „einzelne Fahrzeuge 40t“ nicht für Beruhigung, bringt doch alleine die Lok 48t auf die Waage…


Ich gehe ein wenig spazieren…
https://flic.kr/p/21Q4YDC

…und erkunde den Schlosshof…
https://flic.kr/p/Dg96hZ

…samt modellbahnartigem Blick ins Tal…
https://flic.kr/p/21Q4X3S

…und die malerische Innenstadt.
https://flic.kr/p/21Q4W1m


Nach dem Mittagessen nutze ich die Gelegenheit, den Kirchturm zu besteigen, da das erste Gewitter vorübergezogen ist.
https://flic.kr/p/Dg94MK

Blick auf den hübschen Námestí T.G. Masaryka mit für meinen Geschmack einem Tick zu vielen Parkplätzen, im Hintergrund die Bahnbrücke
https://flic.kr/p/Dg94eR

Während ich die Ankunft des Zuges abwarte, zieht es immer stärker zu.
https://flic.kr/p/Dg93ue

Für die Rückfahrt suche ich den nahegelegenen Park des Franziskanerklosters auf.
Zwei alte Frauen unterhalten sich, eine spricht mich an. Ja, schöne Aussicht. Kurzer Smalltalk in meinem brüchigen Tschechisch, doch merke dir, wenn dich jemand allzu freundlich anspricht, dann sind es die Zeugen Jehowas…
https://flic.kr/p/Dg92EP

Ein kurzer Schauer zieht durch, den ich unter einer mächtigen Linde abwarte und laufe anschließend Richtung Bahnhof.
Zwar handelt es sich um einen Kurort, doch für ein Dorf mit 5000 Einwohnern irgendwo in der Provinz ist es ziemlich gut ausgestattet.
Es gibt viele kleine Geschäfte, den typischen Dorf-Coop, der zwar üblicherweise sonntags geöffnet hat, aber am Wochenende äußerst begrenzte Öffnungszeiten bietet.
https://flic.kr/p/EM3JF1

Geschrieben von: Entenfang am 26 Dec 2017, 23:56
Es gibt sogar ein kleines Kino.
https://flic.kr/p/Dg91Ti

Nachdem ich mich im Tesco mit Essen versorgt habe, bleibe ich am Bahnhof sitzen, da sich der Himmel immer weiter verdunkelt. Gute Entscheidung, denn bald regnet es.
Ein Bild des ankommenden Regionovas muss aber trotzdem sein.
https://flic.kr/p/21z5an2

Schade, dass die Elektrifizierung nur für historische Fahrten genutzt wird und nicht alle Zugpaare damit gefahren werden.
https://flic.kr/p/EM3Hn9

Der Regionova füllt sich auf der Rückfahrt wieder und im strömenden Regen unter einem Regenbogen erreichen wir Tábor. Von dort bringt mich der Schnellzug durch den dunstigen Abend zurück nach Budweis.
https://flic.kr/p/21z59iP

Und ein Abendbild aus dem Fenster – die Sonne versinkt im Nebel.
https://flic.kr/p/EM3Fpw

Hochhäuser im Dunst
https://flic.kr/p/21z58MZ

Geschrieben von: Lobedan am 27 Dec 2017, 09:48
QUOTE (Entenfang @ 26 Dec 2017, 23:56)
Ich finde es nicht besonders vertrauenserweckend, dass die Brücke maximal 25t standhält – da sorgt auch das Zusatzschild „einzelne Fahrzeuge 40t“ nicht für Beruhigung, bringt doch alleine die Lok 48t auf die Waage…

Vielleicht ist das die Zusatzlast zum Zug! unsure.gif
Oder die geringere Achslast der Lok im Verhältnis zu LKW gleicht es aus.

Geschrieben von: TramBahnFreak am 27 Dec 2017, 14:23
QUOTE (Lobedan @ 27 Dec 2017, 09:48)
Vielleicht ist das die Zusatzlast zum Zug! unsure.gif
Oder die geringere Achslast der Lok im Verhältnis zu LKW gleicht es aus.

Oder die Brücke verträgt zusätzlich zum Zug noch maximal 25 t...?

Geschrieben von: Entenfang am 27 Dec 2017, 17:04
QUOTE (TramBahnFreak @ 27 Dec 2017, 14:23)
Oder die Brücke verträgt zusätzlich zum Zug noch maximal 25 t...?

Das wäre natürlich eine denkbare Möglichkeit...


Tag 9

Die Kaffeepause nutze ich zum Knipsen im nahegelegenen Stadtteilzentrum.
https://flic.kr/p/HZ5Qkt

Die Gegenrichtung – die beiden Vollwerbungen sind noch die der angenehmeren Sorte und der Bilderrahmen um das Fenster noch einigermaßen kreativ.
https://flic.kr/p/HZ5NXZ

Ein Hund bellt wie verrückt. In Tschechien gibt es einfach zu viele Kläffer, die sich gerne mal raufen.
https://flic.kr/p/HZ5Pv2

Es klart im Laufe des Tages auf und für die nächste Zeit ist wieder strahlender Sonnenschein angekündigt. Folglich muss wieder ein Fahrrad her. Nachdem ich im verleihenden Café ein Stück Torte verspeist habe, steht der Ausleihe des letzten verfügbaren Fahrrads nichts mehr im Wege.

Leider haben sich die auffallend rosafarbenen Fahrräder des Bikesharing-Systems Rekola nicht wirklich bewährt. https://www.rekola.cz/en/
Sie eignen sich nur für kurze Fahrten in der Stadt, nicht aber für längere Touren, denn sie haben keine Gangschaltung und die Bremsen sind auch eher mäßig.


Eine sehr schöne Fotostelle für regen Regional-, Stadt- und Obusverkehr findet sich an der Dlouhý Most (Lange Brücke). Im dichten Verkehr der nachmittäglichen HVZ wird meine Geduld aber stark strapaziert und ich suche die Stelle zu leicht veränderten Tageszeiten mehrfach auf, ehe ich einige halbwegs brauchbare Bilder bekomme.
https://flic.kr/p/HZ5N1t

https://flic.kr/p/21AfUUM

https://flic.kr/p/DhiKo4

https://flic.kr/p/HZ5S3g

Einige Meter weiter an der Haltestelle U Zelené ratolesti…
https://flic.kr/p/22Td5qo

…und an der folgenden Haltestelle Poliklinika Sever.
https://flic.kr/p/21AfZHe

Leider muss sich der ÖPNV durch den in der HVZ permanent stockenden Verkehr um die Altstadt quälen. Mitten ins Zentrum wird aber immer ein Fußweg von rund einem halben Kilometer fällig, während man mit dem Auto direkt dorthin fahren kann. Eine flächendeckende Verkehrsberuhigung der Altstadt wäre äußerst wünschenswert.

Geschrieben von: Entenfang am 27 Dec 2017, 17:04
Nachmittags unternehme ich mal wieder eine Radtour durch Dörfer und Wiesen.
https://flic.kr/p/22Td3zu

https://flic.kr/p/22VMpAP

https://flic.kr/p/22Td22j

Ein Bus hat sich mitten aufs Feld verirrt
https://flic.kr/p/22VMo1z


Ich passiere die Wendeschleife vom 9er und sehe einen Altwagen. Also schnell weiter und eine passende Stelle suchen. Da wagt sich noch ein Lichtstrahl zwischen den Bäumen hindurch… Doch die Wendezeit ist zu groß und das Licht hinfort, als das typische Heulen der Altwagen erklingt.
https://flic.kr/p/22VMoQv

Rangierdienst am Hbf
https://flic.kr/p/HZ5TdT

Inzwischen habe ich die tschechische Küche satt und gönne mir ein Sandwich mit Hummus und Petersilie in einem Café, das genauso gut in Berlin-Kreuzberg sein könnte.

Geschrieben von: Luas am 28 Dec 2017, 17:19
Der abgestellte Niederflurbus auf der Wiese könnte anhand der Farbgebung ein ehemaliger Linienbus aus Prag sein.

Und beide Daumen hoch für den faszinierenden Bilderbericht!

Geschrieben von: Entenfang am 28 Dec 2017, 18:30
Tag 10 Trebon

Den tschechischen Filmnachmittag lasse ich mal ausfallen und fahre als Alternativprogramm nach Trebon.

Richtung Osten ist es ganz schön hügelig, was die Strampelarbeit zwar massiv erhöht, aber dafür einige Ausblicke bietet, hier auf Rudolfov
https://flic.kr/p/J1VDqD

Erwähnenswert ist die Beschilderung der verwinkelten Gassen in vielen Dörfern. Oftmals bekommt man einen kleinen Stadtplan vorgesetzt und Spiegel ermöglichen den Blick um die Ecke.
https://flic.kr/p/J1VChr

So schnell, wie die Tschechen über die kleinen und kurvigen Landstraßen rasen, sollte man besser oft beten…
https://flic.kr/p/22XyoZH

Angenehmerweise geht es zum Schluss nur noch bergab, ehe ich vor den Toren der Stadt an der Schwarzenberger Gruft einen kurzen Stop einlege. Es stammt vom Adelsgeschlecht der Schwarzenberger, die von 1660 bis 1924 die Entwicklung der Stadt prägten.
https://flic.kr/p/21T2VEh


Trebon ist für seine Karpfen bekannt. Im Spätherbst werden sie aus den unzähligen Fischteichen geangelt und sind in Tschechien ein äußerst beliebtes Weihnachtsessen.

Der Masarykovo námestí ist das Herz der Altstadt. In der Mitte befindet sich eine Mariensäule mit Brunnen, rechts das Rathaus. Die große Anzahl an Sitzbänken gefällt mir.
https://flic.kr/p/22Xyo8T

Auf die Schnelle finde ich keine geeignete Fotostelle für den nächsten Zug, doch die hölzerne Kurbelschranke ist auf jeden Fall sehenswert.
https://flic.kr/p/J1VyZp
Der BÜ ist übrigens weder durch den Fdl einsehbar noch kameraüberwacht – in Deutschland undenkbar.

Kleiner Stadtspaziergang durch das überschaubare Zentrum
https://flic.kr/p/EQ31QQ

https://flic.kr/p/J1VxR2

https://flic.kr/p/22XymiR

https://flic.kr/p/22Xykra

Geschrieben von: Entenfang am 28 Dec 2017, 18:31
Außerdem hat die Stadt noch ein großes Schloss samt zugehörigem Schlossgarten zu bieten.
https://flic.kr/p/22XyjXV

Pause am Rybník Svet samt Landebahnmarkierung für die zahlreichen Wasservögel
https://flic.kr/p/J1Vwpp

Die Rückfahrt findet per Bahn statt.
Im großzügigen Bahnhof von Trebon kreuzen sich planmäßig die zweistündlich verkehrenden Züge zwischen Veselí nad Lužnicí und Ceské Velenice.
https://flic.kr/p/EQ2Yjs

Ich wähle die Verbindung über Letzteren, um keine mit Fahrrad reservierungspflichtige Züge zu erwischen.
Älteren Menschen sowie denen mit sperrigem Gepäck können an den niedrigen Bahnsteigen zwar keine Schiebetritte angeboten werden, dafür bieten sich sofort helfende Hände vom Schaffner und anderen Fahrgästen an. Übrigens hat sich niemand auf meinen bisherigen Fahrten über Zugluft durch geöffnete Fenster beschwert.

Die Strecke bietet große Gleisradien und lässt hohe Geschwindigkeiten zu.
Hierbei handelt es sich wohl um ein Gruppen-ASig.
https://flic.kr/p/J1VvRv

Der Fdl gibt seine Zustimmung zur Weiterfahrt.
https://flic.kr/p/EQ2Xqy

Eigentlich möchte ich die Umsteigezeit in Ceské Velenice für ein Bild vom Zug aus Wien nutzen, doch dieser verkehrt wegen Bauarbeiten im SEV. Sehr sinnvoll, dass man gleich zwei benachbarte Grenzübergänge auf österreichischer Seite total gesperrt hat… Laut Durchsage verkehrt der Zug aus betrieblichen Gründen nicht – da kann ich sogleich zwei Kreuzchen in meinem Bullshit-Bingo setzen. Es sollten die einzigen beiden während meines gesamten Aufenthalts bleiben.
Der Regiopanter nach Budweis sonnt sich im riesigen Bahnhof für recht überschaubaren Zugverkehr.
https://flic.kr/p/J1Vve8

Nun komme ich doch in die Verlegenheit, mich dumm anzustellen. Zwar klebt auf jeder Tür ein Fahrradsymbol, dahinter verbirgt sich aber kein Mehrzweckbereich. Der Schaffner schimpft, als er mich im Vierer mit Fahrrad im Gang sieht und schickt mich in den Einstiegsbereich. Ja, aber dann blockiere ich doch die Türen…
Eine alte Frau gibt mir den entscheidenden Denkanstoß zur richtigen Verstauung, indem sie auf den Haken deutet.
https://flic.kr/p/21T2NXj

Geschrieben von: Lobedan am 28 Dec 2017, 18:43
QUOTE (Entenfang @ 28 Dec 2017, 18:30)
Auf die Schnelle finde ich keine geeignete Fotostelle für den nächsten Zug, doch die hölzerne Kurbelschranke ist auf jeden Fall sehenswert.
https://flic.kr/p/J1VyZp
Der BÜ ist übrigens weder durch den Fdl einsehbar noch kameraüberwacht – in Deutschland undenkbar.

Der Ort erinnert sehr stark an die sanierten Altstädte Ostdeutschlands. Dazu passt auch dieser Bahnübergang hervorragend: Wie eine aus der Zeit gefallene Nebenbahn. Selbst die Freihaltung für ein zweites Gleis wirkt da eher obligatorisch. Lag es dort jemals und wurde rückgebaut oder hat man den BÜ nur zukunftsorientiert errichtet?

QUOTE (Entenfang @ 28 Dec 2017, 18:31)
Nun komme ich doch in die Verlegenheit, mich dumm anzustellen. Zwar klebt auf jeder Tür ein Fahrradsymbol, dahinter verbirgt sich aber kein Mehrzweckbereich. Der Schaffner schimpft, als er mich im Vierer mit Fahrrad im Gang sieht und schickt mich in den Einstiegsbereich. Ja, aber dann blockiere ich doch die Türen…
Eine alte Frau gibt mir den entscheidenden Denkanstoß zur richtigen Verstauung, indem sie auf den Haken deutet.
https://flic.kr/p/21T2NXj

Hihi, die Menschen schauen nie nach oben. laugh.gif Aber schon eine sehr praktische und platzsparende Lösung. Gibt es die Haken beiderseits der Tür auf auch auf der gegenüberliegenden Türseite? Denn ein Fahrrad pro Wagenteil ist dann doch etwas mager.

Geschrieben von: Valentin am 29 Dec 2017, 12:45
QUOTE (Lobedan @ 28 Dec 2017, 18:43)
QUOTE (Entenfang @ 28 Dec 2017, 18:30)
Auf die Schnelle finde ich keine geeignete Fotostelle für den nächsten Zug, doch die hölzerne Kurbelschranke ist auf jeden Fall sehenswert.
https://flic.kr/p/J1VyZp
Der BÜ ist übrigens weder durch den Fdl einsehbar noch kameraüberwacht – in Deutschland undenkbar.

Der Ort erinnert sehr stark an die sanierten Altstädte Ostdeutschlands. Dazu passt auch dieser Bahnübergang hervorragend: Wie eine aus der Zeit gefallene Nebenbahn. Selbst die Freihaltung für ein zweites Gleis wirkt da eher obligatorisch. Lag es dort jemals und wurde rückgebaut oder hat man den BÜ nur zukunftsorientiert errichtet?

War dieser Streckemteil Teil der Franz Josefs Bahn? Sie war in der k.u.k. Monarchie eine wichtige zweigleisige Hauptbahn, die Wien mit dem böhmischen Industrierevier und Eger verband. Um 1960 wurde in Österreich das 2. Gleis entfernt. Wird bei der Fortsetzung ab dem Gmünder Hauptbahnhof (heute Ceské Velenice) ähnlich gelaufen sein.


Während 160km der Strecke von Prag Richtung Grenze inzwischen zweigleisig und auf 160km/h ausgebaut werden, vertröstet man in Österreich die vielen Fernpendler von Waldviertl nach Wien auf einen in sehr ferner Zukunft liegenden zweiggleisigen Rück-Ausbau der Strecke, der durch einen angenachte Neutrassierung erst recht nicht näher rückt...

Geschrieben von: Entenfang am 29 Dec 2017, 15:52
QUOTE (Lobedan @ 28 Dec 2017, 18:43)
Hihi, die Menschen schauen nie nach oben. laugh.gif Aber schon eine sehr praktische und platzsparende Lösung. Gibt es die Haken beiderseits der Tür auf auch auf der gegenüberliegenden Türseite? Denn ein Fahrrad pro Wagenteil ist dann doch etwas mager.

WIMRE nur 1 Haken pro Eingangsbereich. Wie man aber sieht, blockiert das Fahrrad schon ganz schön den Durchgang. Und praktisch, naja. Wenn die Reifen schmutzig sind, sieht die weiße Wandverkleidung wohl bald nicht mehr hübsch aus...


QUOTE
War dieser Streckemteil Teil der Franz Josefs Bahn? Sie war in der k.u.k. Monarchie eine wichtige zweigleisige Hauptbahn, die Wien mit dem böhmischen Industrierevier und Eger verband. Um 1960 wurde in Österreich das 2. Gleis entfernt. Wird bei der Fortsetzung ab dem Gmünder Hauptbahnhof (heute Ceské Velenice) ähnlich gelaufen sein.

Ja, war Teil der Franz-Josefs-Bahn. Danke für die Info, dazu hatte ich auf die Schnelle nichts gefunden. Aber ob der Teil in Tschechien wieder ausgebaut wird, mag ich eher zu bezweifeln. Von Prag bis Veselí nad Luznici sicher ja, das ist Teil der Hauptstrecke nach Budweis.


Tag 11

Der Sommer dreht nochmal richtig auf und die Temperatur kratzt wieder an der 30°-Marke. Ich nutze die Mittagspause mal wieder zur Dokumentation der Obusse.

52 kurz vor der Station Vysokoškolské koleje
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76 an der Post
https://flic.kr/p/22WnXCC

52 gefolgt von 151 am Reiterstandbild, welches sich rechts hinter dem Mastwald versteckt und auch namensgebend für die sehr zu empfehlende Kneipe links im Bild ist.
https://flic.kr/p/DkttNZ
Bemerkenswert finde ich, dass Obusse im Gegensatz zu Dieselbussen in Tschechien kein Kennzeichen benötigen.

Aus Zeitgründen gibt es nur Chlebický (belegte Brote; wörtlich Brötchen im Sinne einer Verkleinerung) zum Mittagessen.

Nachmittags zur kleinen Abwechslung mal wieder eine Fahrradtour. Nach dem Kampf mit den Hügeln darf es mal wieder was Flaches Richtung Nordwesten sein.
Nicht wirklich geplant lande ich dann nochmal an der Fotostelle, die ich bereits am dritten Tag entdeckt hatte.
https://flic.kr/p/22WnWJU

Hat jemand Angst vor Spinnen? Dann bitte das nächste Bild überspringen.
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Ortskern von Zbudov
https://flic.kr/p/DktrJP

Ländliche Idylle
https://flic.kr/p/Dktrcr

Und auf Wiedersehen bzw. Na shledanou!
https://flic.kr/p/Dktqjp

Geschrieben von: Entenfang am 29 Dec 2017, 15:52
Wenige Kilometer weiter ist der Bahnhof von Dívcice erreicht. Von dort soll die Rückfahrt mit dem unter der Woche letzten Zug des Tages um 19:12 Uhr nach Budweis erfolgen. Später verkehren nur noch Schnellzüge, die an den kleinen Bahnhöfen durchfahren.
Auch dieser Bahnhof entpuppt sich als wahres Kleinod.
https://flic.kr/p/22WnU81

Da hat wohl jemand die Wartezeit künstlerisch überbrückt – im Gegensatz zur Raketenabschussrampe gibt es das AKW tatsächlich. Es befindet sich im 15 km entfernten Temelín.
https://flic.kr/p/22Z149c

Die überschaubare Zuggarnitur nach Budweis
https://flic.kr/p/DktoTP

Und bei offenem Fenster den Sommerabend genießen… Gibt es etwas Schöneres?
https://flic.kr/p/Dktos8


Verehrte Leser, auf dem folgenden Streckenabschnitt kann leider kein WLAN angeboten werden. Aus diesem Grund verzögert sich die Fortsetzung des Reiseberichts um wenige Tage. Wir bitten um Geduld!

Geschrieben von: Lobedan am 29 Dec 2017, 16:01
Danke für die Zusatzinfos!

Und danke wärmenden für die Sommerbilder. So schön blau sah der Himmel hier heute Morgen auch mal ein paar Stündchen lang aus, leider aber bei fast 40 Grad weniger als auf deinen Fotos. ph34r.gif

Geschrieben von: vloppy am 1 Jan 2018, 11:12
Interessant - das Fahrrad blockiert nicht nur den Durchgang, sondern insbesondere den Notrufknopf - Sicherheit wird da auch nicht allzu groß geschrieben biggrin.gif

Geschrieben von: Entenfang am 2 Jan 2018, 23:44
QUOTE (vloppy @ 1 Jan 2018, 11:12)
Interessant - das Fahrrad blockiert nicht nur den Durchgang, sondern insbesondere den Notrufknopf - Sicherheit wird da auch nicht allzu groß geschrieben  biggrin.gif

Generell haben die Tschechen ein völlig anderes Verständnis von diesem Thema - man bedenke die neuen EC-Wagen, die generell die Türen unter 3 km/h auf beiden Seiten freigeben. Ich wage zu behaupten, dass in Tschechien keiner auf die Idee kommt, auf der Strecke oder auf der falschen Seite auszusteigen. Gehirn einschalten ist dort im Gegensatz zu Deutschland nicht nur erwünscht, sondern notwendig.

QUOTE
Und danke wärmenden für die Sommerbilder.

Gerne - und weiter gehts. Der Sommer sollte allerdings am Tag 12 ein jähes Ende finden.


Tag 12 Nové Hrady

Heute ist der Nachmittag mal wieder frei und es ist sehr heiß. Für den Abend sind allerdings Gewitter angekündigt.

Ein bisschen Mittagspausen-Fuzzen

Der werbefreie Wagen 82 biegt vor der Post ab, im Hintergrund der Cerná vež (Schwarzer Turm).
https://flic.kr/p/223dTDh

Unzählige Bus- und Obuslinien verkehren vom Bahnhof Richtung Innenstadt, sodass man reichlich Auswahl hat.
https://flic.kr/p/Jb737X

75 hat die Haltestelle Metropol verlassen und ist auf dem Weg in den Süden der Stadt.
https://flic.kr/p/EZaDMN

67 am leicht herabgekommen wirkenden Bahnhofsgebäude
https://flic.kr/p/Dt8xYV

Nach dem Mittagessen beim Italiener besteige ich den Regiopanter, welcher mich in 37 Minuten ins 37 km entfernte Nové Hrady bringt.
Weiter geht’s mit dem Fahrrad, nicht ohne an einem kleinen Fischteich eine Pause einzulegen…
https://flic.kr/p/21MaJTt

…und den Gegenzug abzuwarten.
https://flic.kr/p/DtbJ6x

Unter drückender Schwüle kämpfe ich mich in den gleichnamigen Ort, der aber über 6 km entfernt ist, bergauf. Am fernen Horizont ziehen die ersten Wolken auf.

Der gemütliche námestí Republiky bildet das Stadtzentrum.
https://flic.kr/p/223d5Cd

https://flic.kr/p/Jb5Mjc

Während meiner kurzen Burgbesichtigung verschwindet die Sonne und ich bin kein bisschen böse drum.
https://flic.kr/p/2357eou

Traumhafte Kürbisse
https://flic.kr/p/EZ9TK9

Ich folge einem einladenden Schild in ein Restaurant zu einem Kaffee und einem sehr leckeren Zwetschgenkuchen.

Geschrieben von: Entenfang am 2 Jan 2018, 23:45
Kein Sonnenstrahl durchdringt mehr die Wolkendecke, der Regenradar ist allerdings der Meinung, das erste Gewitter würde vorbeiziehen. Also strample ich dennoch weiter zum Tercino údolí, einem Landschaftspark im Südwesten der Stadt. Er wurde 1756 künstlich angelegt, im 20. Jahrhundert allerdings durch zwei Hochwasserereignisse sowie mangelnde Instandhaltung während des Ostblocks beschädigt.
Er bietet einige architektonische Kleinode, die nicht alle so verfallen sind wie die Ruine im Hintergrund.
https://flic.kr/p/Jb5dCR

Von der Festung Cuknštejn kann der Blick in die Ferne schweifen. Der Wind frischt auf, die Wolken sehen in Wirklichkeit viel bedrohlicher aus als auf den Bildern und einige Tropfen fallen. Der Regenradar hat seine Meinung leider geändert…
https://flic.kr/p/2356ZHy

https://flic.kr/p/237Q7FK

Ich verschwinde schleunigst wieder im Wald, wo ich besser geschützt bin und ggf. das Gewitter abwarten kann. Inzwischen habe ich den anfangs noch gut besuchten Park komplett für mich alleine. Kurze Bedenkpause am ebenfalls künstlich angelegten Wasserfall.
https://flic.kr/p/Dt7h8P

https://flic.kr/p/2356N6f

Immer noch keine Änderung des Wetters eingetreten, nur ein fernes Donnergrollen ist zu vernehmen.

Ich trete den Rückweg an, um mich nötigenfalls in Nové Hrady eine Weile unterstellen zu können und das schlimmste Gewitter abzuwarten.
Doch im Ort angekommen, ist immer noch keine Veränderung zu spüren. Unverändert bedrohlich wandert die schwarze Wolkenfront über den Himmel, einige kräftige Böen streichen über das Land und ein paar Tropfen fallen vom Himmel.

Der Bahnhof ist 6 km entfernt und mir bleiben 75 Minuten bis zur Zugabfahrt. Legt das Gewitter erst in einer Weile los, verpasse ich den Zug, sollte ich hier warten. Und im Zweifel ist eine trockene Straße besser als eine nasse, denn mein Fahrrad hat kein Schutzblech und ich nur eine Regenjacke dabei.
Also Hebel nach vorne, volle Kraft voraus. Ärgerlicherweise geht es zunächst ein Stück bergauf, doch nachdem ich Nové Hrady zurückgelassen habe, geht es erwartungsgemäß nur noch bergab und ich habe Rückenwind.

Der Himmel verdunkelt sich weiter und ein Blitz erhellt die Landschaft. Gut die Hälfte der Strecke habe ich geschafft, als die Intensität der Tropfen zunimmt. Egal, immer weiterfahren. Ich habe jetzt ohnehin keine andere Wahl.

Es bleibt bei den wenigen Tropfen und im Schutze einer Allee tauchen erfreulich bald die Baken zur Ankündigung des BÜ auf. Ich kann das Bahnhofsgebäude schon sehen.
https://flic.kr/p/Dt71Na

Zwei Minuten später stehe ich unter dem Dach, Gott sei Dank. Auf die Erfahrung, klitschnass eine Stunde auf den Zug warten zu müssen, um anschließend noch eine gute halbe Stunde zu fahren, kann ich gut verzichten.
https://flic.kr/p/223bGyq

Es regnet etwas stärker, doch der Wind hat nachgelassen und es zucken auch keine Blitze mehr über den Himmel. Nach gut 20 Minuten beruhigt sich das Wetter schon wieder und ich nutze sogleich die Gelegenheit.
650 003 verlässt die temporäre La, deren Beginn durch Z wie zacátek angekündigt wird.
https://flic.kr/p/223bxFA


Anschließend ruhe ich ein paar Minuten am nahen Rybník mit sonderbarer Lichtstimmung.
https://flic.kr/p/EZ8CKm

Dann fahre ich zurück zum Bahnhof, dessen Glanz durch die nicht mehr vorhandene Besetzung verblichen ist. Statt Blumen zieren nur einige hartnäckige Unkräuter den Wartebereich.
https://flic.kr/p/237PkrB

Geschrieben von: Entenfang am 2 Jan 2018, 23:45
Dafür gibt es einen barrierefreien Bahnsteig mit Standard-Wartehäuschen.
https://flic.kr/p/Jb4zVH
Die Ladestraße links wird zur Holzverladung genutzt, bei meiner Ankunft einige Stunden zuvor standen dort noch zwei Wagen.

Auch wenn ich den Innenraum des Regiopanter etwas verbaut finde, muss man positiv anmerken, dass es keine Wandfensterplätze gibt.
https://flic.kr/p/Dt4Q6n

https://flic.kr/p/237LQec

Eindrucksvolle Wolkenkulissen prägen den Übergang zur blauen Stunde. Bei leichtem Nieselregen endet die Fahrt in Budweis.
Kurzer Fotohalt in der Innenstadt
https://flic.kr/p/21M5VAv
Bis der Regen richtig loslegt, bin ich längst in meinem Zimmer.

Bisher kann ich mich nun wirklich nicht beschweren, kein Glück mit dem Wetter gehabt zu haben. Und heute hatte ich mehr Glück als Verstand…

Geschrieben von: Entenfang am 3 Jan 2018, 23:27
Tag 13 Hluboká

Die Temperatur hat sich halbiert, Dauerregen erwartet mich nach dem Aufstehen.
https://flic.kr/p/239AjoD

Ich verwerfe den Plan, die 10 km bis zum Schloss Hluboká mit dem Fahrrad zurückzulegen, da mich meine Regenklamotten wohl nicht trocken gehalten hätten. Also suche ich den Busbahnhof auf, welcher sich auf dem Dach des Einkaufszentrums Mercury gegenüber vom Bahnhof befindet.
https://flic.kr/p/JcUMea

Der Weg ist äußerst mühsam zu finden, da er extrem schlecht beschildert ist. Ich irre ein paar Minuten durch das Einkaufszentrum, ehe ich die riesige und ziemlich unübersichtliche Fläche mit 50 Haltepositionen erreiche.
Ich nehme den schnellen Regionalbus, welcher bis nach Prag verkehrt und wie alle anderen Regionalbusse auch, nicht mit Fahrkarten des Stadtverkehrs genutzt werden kann, obwohl sich Hluboká noch im Tarifgebiet von Budweis befindet. Eigentlich kann man nicht mehr von Regionalverkehr sprechen, da die Gesamtreisezeit bis Prag drei Stunden beträgt.

Nach einer Pizza zur Stärkung beginne ich den kurzen Aufstieg zum Schloss.
https://flic.kr/p/239A7ir

Das aus dem 13. Jahrhundert stammende, aber mehrmals umgebaute Schloss wäre samt seiner Gärten wohl noch deutlich schöner, wenn es nicht ununterbrochen regnen würde.
https://flic.kr/p/239zVgM

Fremdsprachige Führungen kosten doppelt so viel wie Tschechische und wir müssen erst mal einige Minuten warten, weil ein Mann seine Eintrittskarte nicht mehr findet. Auch seine Frau durchwühlt alle Taschen, ohne fündig zu werden. Schließlich stellt sich heraus, dass sie die Eintrittskarten an der Kasse vergessen haben.
Die Räume sind prachtvoll verziert, fast schon überladen mit Stuck und schweren Holzverkleidungen. Auch eine Heizung kann das Schloss bieten, nur der Ausblick nach Budweis fehlt heute.


Trotz des unverändert miesen Wetters unternehme ich am späten Nachmittag doch noch eine kleine Fahrradtour, die unbeabsichtigt deutlich länger wird. Nachdem ein Gz direkt hinter meinem Rücken durchgerauscht ist, erreiche ich die geplante Fotostelle.
https://flic.kr/p/F1YeKQ

Allmählich kriecht mir die Kälte in die Knochen und als aus den angekündigten +5 schon +10 geworden sind und immer noch kein Zug zu sehen ist, lasse ich es gut sein und trete den Rückweg an.

Man beachte die Straßenquerschnittsgestaltung in diesem Dorf, stellvertretend für sehr viele – es gibt keinen Fußweg, aber der MIV hat innerorts wie außerorts dieselbe Breite zur Verfügung.
https://flic.kr/p/239zJ58

Ziemlich nass erreiche ich den Fahrradverleih, gebe den Drahtesel ab, kaufe ein wenig ein und beende den Tag.

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:26
Tag 14 Nová Bystrice

Viel zu früh beginnt das zweite Wochenende, aber die Umsteigezeiten zum Dampfzug sind äußerst bescheiden, sodass ich ziemlich früh starten muss. Sonntags fährt überhaupt nichts Passendes, sodass ich dann sogar noch eine Stunde früher losfahren müsste.

Allmählich setzt sich das neue blauweiße Lackschema bei der CD durch.
https://flic.kr/p/Jf8PQp

Unspektakulär verläuft die Fahrt im Schnellzug nach Veselí nad Lužnicí.
https://flic.kr/p/21PCXrD

Weiter geht’s im Regiopanter bis Jindrichuv Hradec.
https://flic.kr/p/227aUPq

Dort kann ich mir eine Dreiviertelstunde das Treiben am Schmalspurbahnhof anschauen. Auch einige neugierige Einheimische sind schon vor Ort. Ein Zugpaar verkehrt am Wochenende als Dampfzug. Alle Züge werden von der JHMD auf von der SŽDC übernommenen Strecken betrieben, die Betriebsführung liegt neuerdings nach einem Unfall im Jahr 2016 wieder bei der SŽDC.

Mit blank geputzten Schildern kann die 46.001 bereitgestellt werden.
https://flic.kr/p/227aKKU

Diese Lok wurde aus Rumänien übernommen.
https://flic.kr/p/2397NHm

Ankunft des Zuges aus Nová Bystrice. Die JHMD besitzt einige bunte Dieselloks mit Baujahr 1958, die teilweise modernisiert wurden. Der Güterwagen dient dem Fahrradtransport, auch sie stammen teilweise von der CFR.
https://flic.kr/p/23bX9FP

Von der anderen Strecke aus Obratan rollt ebenfalls ein Zug ein.
https://flic.kr/p/Jf84bp

Wenn ich spontan Rollmaterial nennen müsste, das mir überhaupt nicht gefällt, dann wohl diese tarnfarbenen u-bootartigen Gebilde mit winzigen Bullaugen, daher auch der Spitzname Nautilus. Derartige Nebenbahnen muss man in Altwagen bei offenem Fenster erleben, nicht in modernisierten und klimatisierten Triebwagen, die von der PKP übernommen wurden.

Ich suche das Kundenzentrum auf, um mir Fahrkarten zu besorgen. Die Hinfahrt möchte ich mit dem Dampfzug, die Rückfahrt im Dieselzug machen. Oh je, die Frau spricht kein Wort Englisch. Ich bemühe mein Handy. Wie sagt man Dampfzug auf Tschechisch?
Glücklicherweise bietet ein Mann seine Hilfe an. Zwei Minuten später halte ich die gewünschten Fahrkarten in der Hand. 240 Kronen kostet die Hinfahrt mit dem Dampfzug, 36 Kronen die Rückfahrt im Dieselzug. Die Regelzüge im Zweistundentakt dienen der normalen Verkehrsanbindung, sind aber extrem langsam. Für die 33 km auf einer Spurweite von 760 mm muss man sich 1h 25 min. Zeit nehmen.

Der Zug ist nicht überfüllt, bei dem Wetter kein Wunder. Ganz so leer wie auf dem Bild bleibt es aber nicht.
https://flic.kr/p/F47Bsj
Das Thermometer zeigt gerade einmal 15° und ein frischer Wind tut sein Übriges.

Die Fahrt startet zunächst entlang der normalen Bahnstrecke im Dreischienengleis, ehe nach zwei Kilometern die Schmalspurstrecke abzweigt.
https://flic.kr/p/2397c2S
Nur ab und zu trauen sich die hartnäckigen Fuzzis auf den Aussichtswagen. Mit 10° mehr würde die Fahrt deutlich mehr Spaß machen. Auch im Wagen ist es ziemlich kalt.

Ab und zu zerrt jemand seinen großen Hund vor und zurück, der vorhin laut gebellt hat. In diesem Land gibt es einfach zu viele Kläffer…

Es folgt eine offene Hügellandschaft und der Zug dampft durch die Hausgärten der Anlieger.
https://flic.kr/p/22743Vj

Vermutlich werden sie Räucherkürbisse und Räucheräpfel ernten…
Einige Hühner suchen schleunigst das Weite, andere starren das dampfende Ungetüm nur an. Auf einer Wiese ist eine Gruppe Reiter unterwegs, deren Pferde durchdrehen und vor dem pfeifenden und qualmenden Monster fliehen wollen.

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:26
Bald folgt dichter Wald, unterbrochen von einigen Fischteichen und mir wird klar, warum die Landschaft auch Böhmisch Kanada genannt wird.
https://flic.kr/p/F47gqf

https://flic.kr/p/2279Hcu

https://flic.kr/p/F474sC

In Kunžak-Lomy dann Wasserpause, Fahrgäste und Fuzzis springen auf den Gleisen herum, ehe ein Mitarbeiter darauf hinweist, dass in Kürze der Dieselzug überholen wird.
Die Fotolinie üben wir nochmal?
https://flic.kr/p/F46WWm

Nach einem kurzen Halt setzt sich der Regelzug schon wieder in Bewegung. Der Mitarbeiter an der Lok verkürzt seinen Fußweg bis zur Handweiche.
https://flic.kr/p/DwXzhT
Übrigens: Wenn Autos dämlich geparkt sind, kann es sich nur um deutsche Fuzzis handeln, wie in diesem Fall der weiße Polo rechts im Bild.

Nach einer halben Stunde setzt sich der Zug dampfend wieder in Bewegung und wird allmählich leerer. Überall stehen Fuzzis an der Strecke, viele Spaziergänger bleiben stehen, Anwohner filmen aus ihren Gärten, während die Kinder winken. Ab und zu entdecke ich Fuzzimobile mit deutschem Kennzeichen, manche aufgrund der geringen Geschwindigkeit des Zuges auch mehrmals.
https://flic.kr/p/23bKBnP

Nach über zwei Stunden ist Nová Bystrice erreicht.
https://flic.kr/p/23bKom8

Nun bleibt mir reichlich Zeit, eine geeignete Fotostelle für die Rückfahrt aufzusuchen und ich bin über den bewölkten Tag gar nicht so unglücklich.
Zunächst die Ankunft des nächsten Regelzuges…
https://flic.kr/p/2278TdJ

…und seine Rückkehr.
https://flic.kr/p/Jf6Z9i

Wartezeit vertreiben…
https://flic.kr/p/2278kzJ

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:27
Schließlich folgt der Dampfzug.
https://flic.kr/p/F466i3

Jetzt brauche ich erst mal Kaffee und Kuchen, um mich wieder aufzuwärmen…
Im Ortskern werde ich fündig und kann mich glücklich schätzen, zur besten Nachmittagszeit noch einen freien Tisch zu finden.
Die Einfahrt des nächsten Zuges verpasse ich um genau eine Minute. Ich entdecke eine Weiche, die Dokumentationszwecken dient und spiele am Verschluss herum. Der Klammerspitzenverschluss weicht leicht von der http://www.ralf-gunkel.de/dso/kspv-anl.JPG
https://flic.kr/p/21PAn2v
Im momentanen Zustand ist die Weiche nicht verschlossen, da der gelbe Hebel ganz oben eingeklappt ist. Trotz mäßig geschmierter Gleitstühle kann ich die Weiche problemlos umstellen.

Oh, da ist ja sogar ein Schlüssel drin! Die Weiche lässt sich allerdings nur in der geraden Stellung verschließen.
https://flic.kr/p/DwWrSz
Nachdem ich fertig geschlüsselt habe, kommt sogleich eine Angestellte vorbei und räumt den Schlüssel weg. Schade, dann kann der nächste nicht mehr spielen…

Interessant finde ich auch die Kupplung.
https://flic.kr/p/2392YVf

In der Zwischenzeit hat die Lok umgesetzt.
https://flic.kr/p/Jf3Weg

Übrigens können in den Bahnhöfen Ferienwohnungen gemietet werden – eine nette Geschäftsidee zur Nutzung der Gebäude.
http://jhmd.cz/leistungen/unterkunft-auf-dem-bahnhof

Tuuuut!
https://flic.kr/p/2275nHY
Kadongkadong. Und wieder bergab. Kadongkadong.
https://flic.kr/p/2391vQq

https://flic.kr/p/2275ch7

https://flic.kr/p/21PwtgH

https://flic.kr/p/Jf2voB

An einem Zwischenhalt nimmt eine junge Frau in Alufolie verpacktes Essen von ihren Eltern am Bahnsteig entgegen.

Winkend stehen Kinder neben der Strecke und spielen sogleich weiter, als wir vorbeigefahren sind. Im Gleisbereich, versteht sich.

Geschrieben von: Entenfang am 4 Jan 2018, 22:27
Kreuzung in Strížovice
https://flic.kr/p/F41UhJ


Leider ist die Ölheizung nicht in Betrieb, man könnte sie aber gebrauchen…
https://flic.kr/p/Jf2GDT

In Jindrichuv Hradec bleiben mir noch ein paar Minuten, um mir den Bahnhof anzusehen.
https://flic.kr/p/23bDA48
Der zeitlos gestaltete Warteraum bietet nicht nur kostengünstige und vandalismusresistente Sitzmöglichkeiten, sondern auch Ankunfts- und Abfahrstafel in extra großer Schrift für Sehbehinderte sowie interaktive Kursbuchtabellen. Die Nachrüstung einer Touchscreen-Funktion ist für das nächste Jahrhundert geplant.

https://flic.kr/p/2391JUG
Im glücklicherweise gut beheizten Abteilwagen geht es direkt nach Budweis. Ich finde immer noch, dass ein gut gepflegter Abteilwagen viel gemütlicher ist als jeder moderne Großraumwagen mit Klobeleuchtung. Das unruhigere Laufverhalten machen die gut gepolsterten Sitze, in denen ich tief einsinke, locker wett.
https://flic.kr/p/23bDkak

Mit -2 bin ich am Ziel, es folgt eine Station Diesel- statt Obus, anschließend http://varimesvendy.cz/images/spsimpleportfolio/smazeny-syr/smazeny_syr_nejoblibenejsi_ceska_klasika_od_vendy_2.jpg (Frittierter Edamer) zum Abendessen. Ein Solaris-Obus, dessen brettharte Sitze und ohrenbetäubendes Piepen mir in Erinnerung geblieben sind, bringt mich zum Wohnheim.

Geschrieben von: Lobedan am 5 Jan 2018, 08:41
Das sind wirklich tolle Landschaftsbilder!

Geschrieben von: Muffo1234 am 5 Jan 2018, 14:13
Ich möchte anmerken, dass es sich bei dem von dir gescholteten Auto um einen Europcar-Mietwagen handelt, der vermutlich aus Tschechien stammt biggrin.gif

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:15
QUOTE (Muffo1234 @ 5 Jan 2018, 14:13)
Ich möchte anmerken, dass es sich bei dem von dir gescholteten Auto um einen Europcar-Mietwagen handelt, der vermutlich aus Tschechien stammt biggrin.gif

Das mag schon sein - aber der Fahrer war definitiv deutscher Fuzzi. rolleyes.gif


Tag 15 Tábor

Der Regen klopft gegen mein Fenster. Dann kann ich mich ja beruhigt nochmal umdrehen und weiterschlafen.

Gegen Mittag nehme ich den Obus zum Bahnhof. Bisher habe ich nie länger als drei Minuten zum Fahrkartenkauf gebraucht – ich würde sagen, dass es trotz der Sprachbarriere meistens schneller ging als an einem deutschen Automaten, an dem ich weiß, was ich brauche.
Ohne erkennbaren Grund stehen wir nach der planmäßigen Abfahrt noch acht Minuten herum.

Interessant finde ich, wie in Tschechien der fehlende http://www.tf-ausbildung.de/SignalbuchOnline/Grafiken/fahrtanzeiger.png kompensiert wird. Der Tf pfeift, sobald das Signal auf Fahrt geht, wenn es der Zugchef nicht erkennen kann.
Die Hälfte der Verspätung fahren wir wieder raus und nach der Ankunft suche ich den Fahrradverleih der CD auf. Hoffentlich haben die Räder wenigstens eine Gangschaltung, sonst komme ich im hügeligen Tábor nicht weit…
Positive Überraschung: Der Preis liegt mit 200 Kronen pro Tag (129 für 5h) unter dem Fahrradverleih in Budweis und das Fahrrad ist deutlich besser ausgestattet und in gutem Zustand.
https://flic.kr/p/23dxSXZ

Die Mitarbeiterin lobt mich für meine guten Tschechischkenntnisse. Naja, ich muss wohl langsam Fortschritte machen…
Einziges Manko: Ich muss das Fahrrad bis 17 Uhr zurückgeben. Doch der wichtigste Grund, warum ich unbedingt nochmal ein Fahrrad brauche, lässt sich in der Zeit problemlos erledigen.

Die Hochschule für Agrarwissenschaften spiegelt sich im vom letzten Schauer nassen Beton.
https://flic.kr/p/23dy22K

Ein großes Lob muss ich dem ausgesprochen guten Fußgängerleitsystem aussprechen. Das gilt nicht nur für Tábor, sondern praktisch jeden Ort, den ich besucht habe. Der Weg vom Zentrum zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof ist überall beschildert. Selbst die kleinsten Dörfer haben eine Übersichtskarte am Dorfplatz aushängen. Da kann man sich in Deutschland definitiv inspirieren lassen.
https://flic.kr/p/23dysBn

Ebenfalls einen detaillierten Blick lohnt das Fahrkartenangebot, welches hier besonders übersichtlich dargestellt ist.
https://flic.kr/p/23dyeGV

In Tschechien sind Einzelfahrkarten im deutschen Sinne weitgehend unbekannt – stattdessen gibt es nur Zeitkarten unterschiedlicher Dauer, während der alle zugelassenen Verkehrsmittel der jeweiligen Tarifzone in jede beliebige Richtung genutzt werden können. Der Ausschluss von Rück- und Rundfahrten existiert in Tschechien üblicherweise nicht.
In dieser Hinsicht ist die Zeitkartenregelung sicher fahrgastfreundlicher als bei uns, doch sehe ich auch einen entscheidenden Nachteil. Wie an den Fahrplänen zu erkennen ist, richtet sich die Gültigkeit der Fahrkarten nach der fahrplanmäßigen Beförderungszeit und gilt daher unabhängig von der tatsächlichen Dauer der Fahrt auf der entsprechenden Strecke. Das mag zwar in einem Midibus im Stadtverkehr von Tábor problemlos überschaubar sein, in einer Stadt der Größe von Prag mit erheblichen Unterschieden der Fahrtdauern zwischen HVZ und NVZ eher weniger. Am Ende wird also der Fahrgast dafür bestraft, dass die Tram im Stau feststeckt und die geplante Reisedauer überschritten wird. Wie solche Fälle bei einer Kontrolle gehandhabt werden, ist mir allerdings nicht bekannt.

Bis das Objekt der Begierde seine Fahrt beginnt, habe ich noch ganz entspannt Zeit für einen Blick in die Innenstadt.
https://flic.kr/p/F5Pp4y

Wirklich weit komme ich nicht, denn ein kräftiger Schauer setzt ein und ich stelle mich in einer Hausdurchfahrt unter. Eine Viertelstunde später wage ich mich auf den Žižkovo námestí hervor.
https://flic.kr/p/F5Pg9L

Mein Gedanke war: Wenn man aus dem Zug eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hat, müsste sich folglich auch eine wunderbare Aussicht auf die Stadt mit Zug verewigen lassen. Also strample ich durch das Tal und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hoch – alle 21 Gänge kommen zum Einsatz. Doch das Motiv ist die Mühe wert:
https://flic.kr/p/228UK6W

Wo geht’s lang und wer darf zuerst?
https://flic.kr/p/21Rno7F

Nun noch einen ausgiebigeren Blick in die recht große Altstadt, die zwar nicht so spektakulär wie Ceský Krumlov ist, dafür aber absolut nicht überlaufen.
https://flic.kr/p/JgUeKp

https://flic.kr/p/JgU2K2

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:15
https://flic.kr/p/23aRJFG

Ich stelle schon bald fest, dass ich mir zu wenig Zeit genommen habe. Ehe ich zurück zum Bahnhof muss, besteige ich noch den Turm der Kirche mit dem schönen Namen Promenení Páne na hore Tábor.
Nach dem Aufstieg erwartet mich diese Mischung aus Museum und Souvenirhandel:
https://flic.kr/p/23dwufX

Der Ausblick kann sich jedenfalls sehen lassen – zum innenstadtnahen Gewässer…
https://flic.kr/p/23dwmai

…auf versteckte Dachterrassen…
https://flic.kr/p/228TQ4y

…und über den Žižkovo námestí. Die Fotostelle für den Zug nach Bechynĕ befindet sich übrigens auf einer Brücke ganz links oben im Bild.
https://flic.kr/p/DyGoQi

Ich versuche mich an der Rückkehr aus Bechyne, doch der straßenbahnartige Abschnitt ist undankbar und extrem vermastet.
https://flic.kr/p/228TD4N

Wenige Minuten später wird der historische Zug weggesetzt.
https://flic.kr/p/DyFTBt

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:16
Mit dem Stadtbus fahre ich nach Fahrradrückgabe zurück in die Innenstadt. Neben Kaffee und Kuchen steht noch das Schokoladen- und Marzipanmuseum auf dem Plan. Was man nicht alles aus Marzipan erschaffen kann…
https://flic.kr/p/228TqJs

https://flic.kr/p/F5MeYy

https://flic.kr/p/JgSvUx

https://flic.kr/p/F5QSSY

https://flic.kr/p/F5QH8Y

Wem das alles zu filigran ist, der findet vielleicht Gefallen am Žižkovo námestí im Maßstab 1:100.
https://flic.kr/p/23dyEQF
Dafür wurden in 331 Arbeitsstunden 36 kg Marzipan verbaut.

Selbstverständlich kann ich nicht gehen, ohne eine Schachtel Pralinen zu kaufen. Es klart allmählich auf, während ich langsam den Rückweg antrete.
https://flic.kr/p/23aNbSY

https://flic.kr/p/DyF16x
Nein, da war ich schon. Einmal pro Tag muss reichen…

Geschrieben von: Entenfang am 5 Jan 2018, 22:16
https://flic.kr/p/23duFWg

https://flic.kr/p/F5LtAA

https://flic.kr/p/DyEG6p

https://flic.kr/p/DyEpji

Durch diese Engstelle verkehrt auch der Midibus.
https://flic.kr/p/23duuxe

Der Regionova aus Bechyne strebt seinem Fahrtziel entgegen
https://flic.kr/p/23aPuE9

Nach einer kurzen Busfahrt zum Bahnhof lasse ich mich erschöpft in den Abteilwagen plumpsen. Vom vielen Herumlaufen schmerzen meine Beine ziemlich. Während der Fahrt lerne ich noch eine wichtige Vokabel: Náhradní autobusová doprava – zu Deutsch SEV.

Mit -4 wird Budweis erreicht, nach einem Sprint erreiche ich einen Obus früher als geplant. Es handelt sich um einen nagelneuen Solaris. Vorteile: Keine Vollwerbung, nicht so schlimmes Piepen, gute Raumaufteilung.
https://flic.kr/p/F5KdLh
Nachteil: Ganz eindeutig die harten Sitze. Ja, ich weiß, ich wiederhole mich.

Geschrieben von: Lobedan am 6 Jan 2018, 08:09
Diese Stadt erinnert mich architektonisch und mit all den Gassen an Zittau (warst du dort mal?), nur in deutlich herausgeputzterem Zustand. Gefällt mir!
Vermutung zu dem guten Wegeleitsystem: EU-Fördermittel. Cottbus hat darüber jedenfalls auch sehr viel angeschafft, was sie sich eigentlich nicht leisten konnten, aber den Touristen hilft.

Und wegen der Kontrolle der Zeitkarten bei Stau: Wie ist es denn in Deutschland, wenn ich mit meiner 60 Minuten gültigen Einzelfahrt im Stau stehe, dann den Anschluss verpasse und deswegen das Zeitlimit nicht mehr einhalten kann? Gelten die 60 Minuten nach Uhr oder nach der Station, die ich laut Fahrplan erreichen kann?

Geschrieben von: 218217-8 am 6 Jan 2018, 16:32
Vielen Dank für den tollen Bericht in bewährter Entenfang-Qualität ™
Vieles erinnert mich an einen Besuch in Mähren im Jahr 2011. Von damals sind mir das Land, aber auch die CD, als meist sehr sympathisch in Erinnerung: idyllische Landschaften, liebevoll herausgeputzte Städte und Dörfer, die Bahnanlagen und Züge der CD immer gut gepflegt und die Züge auch fast immer pünktlich.
Die Landschaftsaufnahmen und die Haltepunkte der Strecke nach Bechyne erinnern sehr an die Schmalspurbahn nach Hotzenplotz. Man hat das Gefühl, die Strecke windet sich deshalb so verschlungen durch die idyllische Landschaft, damit man die Haltepunkte jeweils möglichst weit entfernt vom zugehörigen Ort errichten konnte. wink.gif Zumindest gibt es keine erkennbaren topographischen Gründe für den mäandrierenden Streckenverlauf. Und die Orte zu den Haltepunkten sind manchmal noch nicht einmal zu sehen.

QUOTE
Nach einer Viertelstunde klingelt der BÜ, ein Regionova fährt in das besetzte Gleis ein und hängt sich mit einem kräftigen Rumms an die beiden Brotbüchsen dran. Alle darin befindlichen Fahrgäste steigen aus, die Frau und ich werden in die vordere Brotbüchse gebeten.
Software scheint bei dem Dreierpack Triebwagen wohl kein Problem zu sein, alle drei Triebwagen haben sogar Licht.

Da Regionova nur umgebaute Brotbüchsen sind, ist die Kompatibilität wohl gegeben.

QUOTE
Der zeitlos gestaltete Warteraum bietet nicht nur kostengünstige und vandalismusresistente Sitzmöglichkeiten, sondern auch Ankunfts- und Abfahrstafel in extra großer Schrift für Sehbehinderte sowie interaktive Kursbuchtabellen. Die Nachrüstung einer Touchscreen-Funktion ist für das nächste Jahrhundert geplant.

laugh.gif laugh.gif Die "interaktiven Kursbuchtabellen" haben mich auch beeindruckt!

Die Entenfang-Qualität ™ des Berichts erreicht an dem Tag in Nové Hrady ihren Höhepunkt, wo man den Wetterumschwung durch die plastische Beschreibung, garniert mit aussagekräftigen Bildern förmlich spüren kann. Auch am verregneten Tag danach fröstelt einen schiergar beim Betrachten der Bilder, so stark hat es abgekühlt. Von den lautmalerischen Beschreibungen der Zuggeräusche ganz zu schweigen ...

Weiter so! Ich kann die nächsten Teile des Berichts kaum erwarten.

Geschrieben von: Entenfang am 6 Jan 2018, 18:16
QUOTE (Lobedan @ 6 Jan 2018, 08:09)
Diese Stadt erinnert mich architektonisch und mit all den Gassen an Zittau (warst du dort mal?), nur in deutlich herausgeputzterem Zustand. Gefällt mir!

Nein, in der Altstadt von Zittau war ich noch nicht. Das lässt sich bei Gelegenheit ganz gut mit dem Ast der SOEG nach Jonsdorf kombinieren, der mir auch noch fehlt...

QUOTE
Vermutung zu dem guten Wegeleitsystem: EU-Fördermittel. Cottbus hat darüber jedenfalls auch sehr viel angeschafft, was sie sich eigentlich nicht leisten konnten, aber den Touristen hilft.

Ob mit oder ohne EU-Fördermittel - jedenfalls sind die Tschechen damit vielen deutschen Städten weit voraus, z.B. München.

QUOTE
Und wegen der Kontrolle der Zeitkarten bei Stau: Wie ist es denn in Deutschland, wenn ich mit meiner 60 Minuten gültigen Einzelfahrt im Stau stehe, dann den Anschluss verpasse und deswegen das Zeitlimit nicht mehr einhalten kann? Gelten die 60 Minuten nach Uhr oder nach der Station, die ich laut Fahrplan erreichen kann?

Das ist wirklich eine gute Frage! Ich habe mal recherchiert und beim MVV nur Folgendes gefunden:

Aus den MVV-Tarifbestimmungen
QUOTE
4.1.4  Anschlussfahrkarten
(2) 1Bei  Angeboten  mit  zeitlicher  Einschränkung  (z.B.  IsarCard9Uhr,  IsarCard60,  IsarCard  S)  sind  für  Fahrten,  die  vor  Beginn  der  Geltungsdauer  angetreten  werden,  Fahrkarten  des  Zonentarifs  oder  des  Kurzstreckentarifs  –  bis  zur  ersten  Haltestelle,  die  das  Verkehrsmittel  fahrplanmäßig  ab  der  festgesetzten  Geltungsdauer  erreicht  hat  –  zu  kaufen. 
2Für  Fahrten  nach  Ablauf  der  Geltungsdauer  sind  Fahrkarten  des  Zonentarifs oder des Kurzstreckentarifs ab der letzten Haltestelle, die das Verkehrsmittel fahrplanmäßig bis zur festgesetzten Geltungsdauer erreicht, zu kaufen.

Das bedeutet, dass wohl die Fahrplan-Zeiten gelten (wie auch im Beispiel in Tschechien). Da aber nur von einem Verkehrsmittel die Rede ist, würde ich davon ausgehen, dass man wohl bei Anschlussverlust nachlösen muss.
Bemerkenswert (und wenig fahrgastfreundlich) finde ich auch den Satz 1. Demnach dürfte man in ein verspätetes Verkehrsmittel mit der IsarCard9Uhr nicht zusteigen, wenn es eigentlich vor 9:00 hätte abfahren sollen.


Tag 16

Die Wochenkarte muss sich noch lohnen, also liegt der Fokus der letzten Tage auf dem Obus. Nach dem gestrigen Aprilwetter wechseln sich heute Sonne und Wolken ab, also geradezu ideales Fotowetter, welches ich natürlich zu nutzen weiß. Kaffee- und Mittagspause werden vollständig zum Knipsen genutzt, das leibliche Wohl muss etwas zurückstecken. Aber ich zehre noch vom ausgiebigen Frühstück.

57 an der Jihoceská univerzitá
https://flic.kr/p/F7aiz1

75 nähert sich der Endstation Máj - Antonína Barcala
https://flic.kr/p/F79Uiw

49 zwischen Blumen und Plattenbauten
https://flic.kr/p/22ad5Po

91 wenige Meter weiter
https://flic.kr/p/F79zcW

75 kehrt zurück
https://flic.kr/p/F79oLf
Die beliebten Wertstoffinseln gibt es auch in Tschechien. Das Thema Lärmschutz löst man dort, indem die Container teilweise komplett unter die Erde verlegt werden. Jedenfalls konnte ich keinen Hinweis entdecken, der den Einwurf zeitlich auf Dienstage nach Vollmond außerhalb der Ferienzeit zwischen 8:37 und 10:52 Uhr sowie Freitage während der Ferien außer an Brückentagen zwischen 15:19 und 16:26 Uhr beschränkt.

Nochmal 57
https://flic.kr/p/21SE4L2

Die großzügige Obus-Wendeschleife am Rande des Plattenbauviertels Máj, rechts ein Oberleitungsinspektionswagen
https://flic.kr/p/21SEQ1V

Was man beim Spaziergang in der Innenstadt entdeckt: Neue Ideen für Uhren.
https://flic.kr/p/JidSPc

Ein Regionalbus passiert die Nationalbank, rechts beginnt die Fußgängerzone zum Bahnhof, in der die üblichen Geschäfte zu finden sind.
https://flic.kr/p/JidNA2

Als Streckenkunde ist heute die einzige Überland-Obuslinie 2 nach Borek an der Reihe. Sie verkehrt auf einer stark befahrenen Ausfallstraße je nach Tageszeit irgendetwas zwischen Takt 20 und 60.
https://flic.kr/p/22accro

Geschrieben von: Entenfang am 6 Jan 2018, 18:16
Das kleine Dorf vor den Toren von Budweis wird durch Reihenhäuser und Autohäuser geprägt.
https://flic.kr/p/23cctAW

Zurück erwische ich leider kein elektrisches Fahrzeug.
https://flic.kr/p/23eR8D2

Später dann noch ein Motiv am Ostast vom 9er. Doch ärgerlicherweise kommen erstmal zwei Dieselkurse, ehe endlich zwei fotogene Fahrzeuge folgen.
https://flic.kr/p/F78tsS

https://flic.kr/p/DA1YqT

91 am Senovážné náměstí
https://flic.kr/p/23cc1Ns


Der námestí Premysla Otakara II. im letzten Licht
https://flic.kr/p/23cbUjW

https://flic.kr/p/Jid5mc

Der abendliche Blick aus meinem Fenster
https://flic.kr/p/Jid1St

Heute muss ich endlich mal das Stativ benutzen. Mit Cesneková polévka (Knoblauchsuppe) und Kartoffelpuffern stärke ich mich zuvor.
https://flic.kr/p/JicWEv
Die Knoblauchsuppe schmeckt unerwartet gut, ich wollte sie einfach mal probieren und bin positiv überrascht. In der Gemüsesuppe ist nicht nur viel Knoblauch drin, sondern auch ein Käse, der verdammt lange Fäden zieht.


Der Gründer von Budweis wacht über den nächtlichen Grüngürtel
https://flic.kr/p/23eQqGx

Geschrieben von: Entenfang am 6 Jan 2018, 18:17
Gasse der Innenstadt
https://flic.kr/p/23eQnHg
Eine Frau erkundigt sich, wie lange ich denn noch brauchen würde. Bittebitte, einfach durchgehen. Es ist der erste spontane Kontakt auf der Straße seit über 2 Wochen – bisher hat mich noch niemand nach dem Weg gefragt, niemand wollte wissen, ob dieser Bus auch nach xy fährt, niemand wollte Geld und niemand hat mich beim Fotografieren angepöbelt.

St.-Nikolaus-Kirche samt Uhrturm – wer findet das Insekt?
https://flic.kr/p/DA1kYp

Nachteindrücke im Zentrum
https://flic.kr/p/21SCrip

https://flic.kr/p/23ePWtD

https://flic.kr/p/F7bHD1

84 am Metropol
https://flic.kr/p/21SCh78

Verkehr unter Mondschein
https://flic.kr/p/JicdkR

Geschrieben von: Lobedan am 6 Jan 2018, 19:34
QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Nein, in der Altstadt von Zittau war ich noch nicht. Das lässt sich bei Gelegenheit ganz gut mit dem Ast der SOEG nach Jonsdorf kombinieren, der mir auch noch fehlt...

Solltest du nachholen, Zittau hat ziemlich viele architektonische Schmuckstücke!

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Ob mit oder ohne EU-Fördermittel - jedenfalls sind die Tschechen damit vielen deutschen Städten weit voraus, z.B. München.

Ich finde München generell ein schlechtes Beispiel für so ziemlich alles. laugh.gif

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Das ist wirklich eine gute Frage! Ich habe mal recherchiert und beim MVV nur Folgendes gefunden:

Aus den MVV-Tarifbestimmungen
QUOTE
4.1.4   Anschlussfahrkarten
(2) 1Bei  Angeboten  mit  zeitlicher  Einschränkung  (z.B.  IsarCard9Uhr,  IsarCard60,  IsarCard  S)  sind  für  Fahrten,  die  vor  Beginn  der  Geltungsdauer  angetreten  werden,  Fahrkarten  des  Zonentarifs  oder  des  Kurzstreckentarifs  –  bis  zur  ersten  Haltestelle,  die  das  Verkehrsmittel  fahrplanmäßig  ab  der  festgesetzten  Geltungsdauer  erreicht  hat  –  zu  kaufen. 
2Für  Fahrten  nach  Ablauf  der  Geltungsdauer  sind  Fahrkarten  des  Zonentarifs oder des Kurzstreckentarifs ab der letzten Haltestelle, die das Verkehrsmittel fahrplanmäßig bis zur festgesetzten Geltungsdauer erreicht, zu kaufen.

Das bedeutet, dass wohl die Fahrplan-Zeiten gelten (wie auch im Beispiel in Tschechien). Da aber nur von einem Verkehrsmittel die Rede ist, würde ich davon ausgehen, dass man wohl bei Anschlussverlust nachlösen muss.
Bemerkenswert (und wenig fahrgastfreundlich) finde ich auch den Satz 1. Demnach dürfte man in ein verspätetes Verkehrsmittel mit der IsarCard9Uhr nicht zusteigen, wenn es eigentlich vor 9:00 hätte abfahren sollen.

Das ist tatsächlich keine sonderlich fahrgastfreundliche Regelung.

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:16)
Die beliebten Wertstoffinseln gibt es auch in Tschechien. Das Thema Lärmschutz löst man dort, indem die Container teilweise komplett unter die Erde verlegt werden. Jedenfalls konnte ich keinen Hinweis entdecken, der den Einwurf zeitlich auf Dienstage nach Vollmond außerhalb der Ferienzeit zwischen 8:37 und 10:52 Uhr sowie Freitage während der Ferien außer an Brückentagen zwischen 15:19 und 16:26 Uhr beschränkt.

unsure.gif laugh.gif
Aber sowas gibts auch in Deutschland. Mit Zeitbegrenzung. Sogar der in der Erde steckende Papiercontainer in Unterföhrung hat extra ein Schild, das den Einwurf nach 19 Uhr verbietet.

QUOTE (Entenfang @ 6 Jan 2018, 18:17)
Eine Frau erkundigt sich, wie lange ich denn noch brauchen würde. Bittebitte, einfach durchgehen. Es ist der erste spontane Kontakt auf der Straße seit über 2 Wochen – bisher hat mich noch niemand nach dem Weg gefragt, niemand wollte wissen, ob dieser Bus auch nach xy fährt, niemand wollte Geld und niemand hat mich beim Fotografieren angepöbelt.

Ein echter Segen nach Marokko. ph34r.gif

Geschrieben von: Michi Greger am 6 Jan 2018, 21:25
Ich kann mich dem
QUOTE (218217-8 @ 6 Jan 2018, 16:32)
Vielen Dank für den tollen Bericht in bewährter Entenfang-Qualität ™

nur anschließen, nachdem ich die letzten berichte schändlicherweise zwar mit Freude gelesen, aber nicht kommentiert habe... smile.gif Genauso wie viele andere tolle Fotos in anderen Threads von Dir.
Grade so Kleinigkeiten wie
QUOTE (Entenfang @ 5 Jan 2018, 22:15)
Wo geht’s lang und wer darf zuerst?

sind für mich ein "Typischer Entenfang" und machen die Berichte so locker und schön lesbar smile.gif
Und auch
QUOTE
Weiter so! Ich kann die nächsten Teile des Berichts kaum erwarten.

Kann ich 1:1 übernehmen! biggrin.gif

Gruß Michi

Geschrieben von: Entenfang am 7 Jan 2018, 19:07
QUOTE (218217-8 @ 6 Jan 2018, 16:32)
Vielen Dank für den tollen Bericht in bewährter Entenfang-Qualität ™

Gerne!

QUOTE
Von damals sind mir das Land, aber auch die CD, als meist sehr sympathisch in Erinnerung: idyllische Landschaften,

Zustimmung.

QUOTE
liebevoll herausgeputzte Städte und Dörfer,

Kommt ganz darauf an, wo man ist. Im grenznahen Raum zu Deutschland meistens eher nicht.

QUOTE
die Bahnanlagen und Züge der CD immer gut gepflegt

Zustimmung.

QUOTE
und die Züge auch fast immer pünktlich.

Naja. wink.gif

QUOTE
Die Landschaftsaufnahmen und die Haltepunkte der Strecke nach Bechyne erinnern sehr an die Schmalspurbahn nach Hotzenplotz. Man hat das Gefühl, die Strecke windet sich deshalb so verschlungen durch die idyllische Landschaft, damit man die Haltepunkte jeweils möglichst weit entfernt vom zugehörigen Ort errichten konnte.  wink.gif  Zumindest gibt es keine erkennbaren topographischen Gründe für den mäandrierenden Streckenverlauf. Und die Orte zu den Haltepunkten sind manchmal noch nicht einmal zu sehen.

Jetzt, wo du es erwähnst, bin ich den Streckenverlauf nochmal auf Google Earth nachgeflogen. Zumindest auf den ersten Blick erkenne ich auch keinen Grund, die Strecke so ortsfern zu bauen.

QUOTE
Da Regionova nur umgebaute Brotbüchsen sind, ist die Kompatibilität wohl gegeben.

Oh, das wusste ich noch gar nicht. Danke für die Info, man lernt nie aus...

QUOTE
Weiter so! Ich kann die nächsten Teile des Berichts kaum erwarten.

Na dann bin ich mal lieber still und mache die Bahn frei für...


Tag 17

Auflösung von gestern:
https://flic.kr/p/23gPdcH
Warum diese riesige Fliege am Turm hängt, konnte ich leider nicht herausfinden.


Die Mittagspause dient der Turmbesteigung.
Blick nach Westen Richtung Uni und Máj…
https://flic.kr/p/22cb95J

…und nach Süden über den námestí Premysla Otakara II.
https://flic.kr/p/JkbXip

Im Norden thront nicht nur das Schloss Hluboká, sondern auch das AKW Temelín über der Landschaft.
https://flic.kr/p/F9aDkG

Am Ufer der Malše
https://flic.kr/p/DC32UH

Heute ist die Altwagenquote auf dem 3er erfreulich groß.

An der Jihoceská univerzita, …
https://flic.kr/p/JkbzvX

https://flic.kr/p/DC2EKZ

…am Senovážné námestí…
https://flic.kr/p/22caF3h

…und nochmal an der Nationalbank
https://flic.kr/p/DC1jXp

Nachmittags nehme ich mir das Südnetz des 2er und 5er vor. Auf diesen Linien ist die Hochflurquote nach bisherigen Sichtungen eher gering, da sie an zwei Krankenhäusern vorbeiführen. Auch die Dieselquote ist relativ hoch.

81 wendet in Rožnov
https://flic.kr/p/DC2uMn

Geschrieben von: Entenfang am 7 Jan 2018, 19:07
82 passiert die Kneipe U Táty
https://flic.kr/p/F99zgw

169 als Dieselkurs in Rožnov
https://flic.kr/p/JkaPrp

72 rollt an einem ehemaligen Gehöft am Námestí Bratrí Capku vorüber
https://flic.kr/p/JkaGB2

74 im Zentrum von Rožnov
https://flic.kr/p/F99cH1

87 überquert ein Anschlussgleis unweit der Haltestelle Papírenská
https://flic.kr/p/23gMCiT

Nach den bisher gezeigten Vorfahrtsregeln für Fortgeschrittene folgt heute die ultimative Stufe für Profis: Abknickende Vorfahrt mit BÜ mittendurch.
https://flic.kr/p/F994xJ

Hochflur-Diesel auf dem 2er
https://flic.kr/p/23gMeLi

Ein selten, nur zweimal während der HVZ gesichteter Hochflur-Diesel auf dem 3er
https://flic.kr/p/F98v8y

Die blaue Stunde trifft den 20 Uhr-Knoten inzwischen perfekt, weshalb ich den Bahnhof abends aufsuche.
https://flic.kr/p/23eb8Ed

Geschrieben von: Entenfang am 7 Jan 2018, 19:07
362 120 wartet mit dem R nach Pilsen
https://flic.kr/p/22c97tG

Alles Rot, nur einer fährt
https://flic.kr/p/DBZL5k

Tf-Wechsel am R Richtung Linz, aufgrund von SEV auf österreichischer Seite zu diesem Zeitpunkt nur bis Rybník. Da der Zug mit Verspätung aus Prag kommt, haben alle anderen Züge des 20 Uhr-Knotens ebenfalls Verspätung aufgrund von Warten auf Anschlussreisende.
https://flic.kr/p/DBZCfT

Während der R weiterfährt, wartet die Brotbüchse noch auf Umsteiger
https://flic.kr/p/Jk9dSX

Eine schöne Parallelausfahrt legen die beiden Schnellzüge nach Pilsen und Prag hin, als sie dann endlich Fahrt bekommen.
https://flic.kr/p/F97FSb

Dieser Regionova wartet auf die Rangiererlaubnis
https://flic.kr/p/DBZ4n8

Nach der verspäteten Knotenauflösung muss noch ein bisschen Wartezeit auf den Obus überbrückt werden
https://flic.kr/p/21UzHga

Dass es beim Obus Budweis keine Bedarfshaltestellen gibt und jedes Fahrzeug stets überall hält, macht sich für Nachtfotos sehr gut. 75 an der Jihoceská univerzita
https://flic.kr/p/23gKKR2

Geschrieben von: Entenfang am 8 Jan 2018, 18:56
QUOTE (Lobedan @ 6 Jan 2018, 19:34)
Solltest du nachholen, Zittau hat ziemlich viele architektonische Schmuckstücke!

Oh weia, meine To-do-Liste fürs Sommersemester ist schon jetzt gerammelt voll. wink.gif

QUOTE
Ein echter Segen nach Marokko. ph34r.gif

Definitiv. Ich finde die Tschechen im Allgemeinen angenehm zurückhaltend, manchmal fast ein wenig zu kühl-distanziert.


Tag 18

Der Morgen startet Grau in Grau, doch bis zur Mittagspause bessert sich das Wetter bereits wieder.

Man merkt, dass sich der Sprachkurs dem Ende zuneigt. Allmählich lässt die Konzentration im Unterricht nach. Auch ich spüre das ständige Unterwegssein allmählich in den Knochen. Das tolle Wetter habe ich so ausgiebig genutzt, dass ich von den beiden mitgebrachten Büchern gerade mal das erste Drittel des ersten Buches geschafft habe.

Treffen von Neu und Alt an der Jihoceská univerzita
https://flic.kr/p/21WoVg2

Während ich in Máj eine Fotostelle suche, knarzen plötzlich die in Tschechien noch überall vorhandenen Sirenen und verkünden erst auf Tschechisch, dann auf Englisch und zuletzt auf Deutsch: „Achtung, Probealarm! Achtung, Probealarm! In wenigen Minuten startet ein Probealarm!“ Wenig später heulen alle Sirenen los, als wäre der 3. Weltkrieg ausgebrochen. Das Geräusch wird von den Wohnblocks reflektiert und hallt durch die Straßen. Keiner der Passanten schenkt dem Beachtung, alle gehen weiter ihres Weges. Glücklicherweise ist das Spektakel eine Minute später wieder vorbei. Der Probealarm wird jeden ersten Mittwoch im Monat durchgeführt.
https://www.prag-aktuell.cz/basisinfo/sirenenalarm-probealarm

Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, heult 56 nicht mal halb so laut vorbei.
https://flic.kr/p/21Wp7oc

Unterwegs zwischen Plattenbauten
https://flic.kr/p/21WoHP4

Eine elegante Wendemöglichkeit hat der 1er im Kreisverkehr
https://flic.kr/p/FaUKAf

Mit der Fahrt im 8er am Stadtrand entlang, möglicherweise ein Stadtentwicklungsgebiet, habe ich die Netzbefahrung des Obus Budweis offiziell abgeschlossen. Die Altwagenquote auf dem 3er ist heute ziemlich niedrig und ärgerlicherweise setzt ausgerechnet mein Lieblingsfahrzeug – der beigebraune – als erster Kurs nach der HVZ aus. Auf dem 9er sieht es dagegen erfreulich aus.

52 hält in Vltava stred
https://flic.kr/p/23fYT5m

In Gegenrichtung ist 06 auf dem 5er eingesetzt
https://flic.kr/p/23fYJru

56 an der für den Haltestellennamen „U Konícka“ verantwortlichen Statue
https://flic.kr/p/FaUaiC

Mit dem Ausleihen eines Rekola-Fahrrads klappt es heute nicht wirklich gut. Die ersten beiden Fahrräder sind nicht an der in der App angegebenen Position. Also muss ich notgedrungen ein Stück laufen.
https://flic.kr/p/21WoqGt
Burggraben um die Altstadt

Die selfiestickfuchtelnde chinesische Reisegruppe lasse ich fix hinter den Blumen verschwinden.
https://flic.kr/p/23ixfJr

Schließlich werde ich doch noch fündig und muss für das Fahrrad jetzt nur noch 15 Kronen pro Stunde zahlen. Muss wohl daran liegen, dass ich so ein braver Kunde war.

Später nehme ich den Obus zum Bahnhof.
https://flic.kr/p/23ixbUH

Geschrieben von: Entenfang am 8 Jan 2018, 18:57
Denn auch heute steht wieder der 20 Uhr-Knoten auf der To-Do-Liste.
https://flic.kr/p/DDLhJT

https://flic.kr/p/23iwUX2

Weil der Express aus Prag 25 Minuten Verspätung hat, warten drei Anschlusszüge ebenfalls bis zu 25 Minuten, obwohl es zwei Stunden später noch eine Fahrtmöglichkeit geben würde.
https://flic.kr/p/22dWryh
In Tschechien werden Dispositionsentscheidungen grundsätzlich anders als bei uns getroffen. Die Reisekette wird höher gewichtet als die Pünktlichkeit einzelner Züge oder die Betriebsqualität. Bei acht Zügen, die zwischen 19:30 Uhr und 20:00 Uhr ankommen, ist im Zweifel immer einer dabei, der verspätet ist. Und dessen Verspätung pflanzt sich unbarmherzig auf die sieben bis 20:20 Uhr abfahrenden Züge fort, da bei meinen Stichproben Anschlüsse immer abgewartet wurden. Die vielen eingleisigen Strecken in der Region tun ihr Übriges dafür, dass den 20 Uhr-Knoten mit vielen knappen Umsteigezeiten selten ein Zug pünktlich verlässt.

Bis zur Abfahrt des Regiopanters werden noch ein paar Minuten vergehen. Da bleibt noch genügend Zeit für einen Plausch am Bahnsteig.
https://flic.kr/p/22dWz4Y

Brotbüchse im Detail
https://flic.kr/p/23iwrcx

Der Regiopanter verabschiedet sich schließlich leise surrend in die Nacht, die Brotbüchse tuckert weiter im Leerlauf vor sich hin. Bei der heutigen Aufstellung der Züge (Gleise sind in Tschechien nicht fest zugewiesen) sind Parallelausfahrten Richtung Süden nach Ceské Velenice (Regiopanter) und Ceský Krumlov (Brotbüchse) nicht möglich. Planmäßig sollen sie im Abstand von nur 1 Minute abfahren. Das ist zwar sportlich, aber schaffbar.

Irgendwann geht das Signal für die Brotbüchse auf Fahrt. Die Schaffnerin hat die Pfeife schon im Mund und die Kelle in der Hand, da kommt ein Tourist, einen Koffer zerrend, von hinten angerannt. „Can you please wait?“, ruft der der Schaffnerin außer Atem zu, „there are more people coming!“ Der Tf vom Zug nach Horní Dvorište ist schon genervt und fuchtelt herum, dass sie endlich abfahren sollen. Denn die Brotbüchse verkehrt erstmal zwei Kilometer auf der eingleisigen Strecke vorneweg.
„Just two more minutes!“, bettelt der Tourist. Was zur Hölle machen die so lange? Der Zug aus Prag ist schon vor mehreren Minuten angekommen.
Der Tf fuchtelt noch wilder herum.
„HURRY UP!“, schreit der Tourist in die Unterführung. Die Schaffnerin nimmt die Pfeife wieder in den Mund und will gerade das Abfahrtsignal geben, da tauchen weitere Koffer zerrende Touristen auf. „HURRY UP!!!!! IT´S GOING!!!!!“, schreit er und sie legen einen Zahn zu, springen rein, die Schaffnerin pfeift, schwingt die Kelle und eine Abgaswolke zurücklassend verschwindet der Triebwagen endlich in der Dunkelheit.
Wenig später erhält auch der Os nach Horní Dvorište Ausfahrt. Dann bin ich ziemlich alleine am Bahnhof, nur ein paar Rangierer und Reinigungskräfte wuseln geschäftig umher.
https://flic.kr/p/23fXsYh

Ein Obdachloser isst genüsslich seinen Döner in der Wartehalle, während die daraus resultierende Sauerei missbilligend von den Wachmännern beäugt wird. Ein junger Mann mit Fahrrad wartet auf den Zug nach Linz.
Ich begebe mich erschöpft zum Obus und nehme das Piepen nur noch am Rande wahr.

Geschrieben von: Lobedan am 8 Jan 2018, 19:52
QUOTE (Entenfang @ 8 Jan 2018, 18:56)
Oh weia, meine To-do-Liste fürs Sommersemester ist schon jetzt gerammelt voll.  wink.gif

Tut mir leid, dass ich meine 3,5 Jahre Studium dort nicht dafür genutzt habe, hier einen ausführlichen Bericht über den Ort zu machen. Wenn man dort wohnt, wird die Stadt ziemlich ... nun ja. unsure.gif
Und dann gibt es mit diesen Gebäuden nicht mal nennenswerten ÖPNV zu fotografieren, um die Motive zusätzlich in Szene zu setzen. Wobei die Schmalspurbahn zumindest ein paar Kuriosita im Straßenverkehr verursacht. Bei Bedarf kann ich dir ein paar Ecken empfehlen, in denen sich ein Foto lohnt.

QUOTE (Entenfang @ 8 Jan 2018, 18:56)
Während ich in Máj eine Fotostelle suche, knarzen plötzlich die in Tschechien noch überall vorhandenen Sirenen und verkünden erst auf Tschechisch, dann auf Englisch und zuletzt auf Deutsch: „Achtung, Probealarm! Achtung, Probealarm! In wenigen Minuten startet ein Probealarm!“ Wenig später heulen alle Sirenen los, als wäre der 3. Weltkrieg ausgebrochen. Das Geräusch wird von den Wohnblocks reflektiert und hallt durch die Straßen. Keiner der Passanten schenkt dem Beachtung, alle gehen weiter ihres Weges. Glücklicherweise ist das Spektakel eine Minute später wieder vorbei. Der Probealarm wird jeden ersten Mittwoch im Monat durchgeführt.
https://www.prag-aktuell.cz/basisinfo/sirenenalarm-probealarm

So komplett durch die ganze Stadt habe ich das auch noch nicht erlebt. In Cottbus heult aber bis heute jeden Mittwoch 15 Uhr die Sirene vom Bahn-Ausbesserungswerk, was sehr weit hörbar ist. Ich bin ein gutes Stück südlich der Bahntrasse aufgewachsen, das Werk ist nördlich davon, dennoch waren die Sirenen für uns sehr präsent.

Geschrieben von: Entenfang am 9 Jan 2018, 20:40
QUOTE (Lobedan @ 8 Jan 2018, 19:52)
Bei Bedarf kann ich dir ein paar Ecken empfehlen, in denen sich ein Foto lohnt.

Oh ja gerne, ich werde zu gegebener Zeit darauf zurückkommen! smile.gif


Tag 19

An Schultagen verkehrt der 3er tagsüber mindestens im Takt 7,5 und in der Kaffeepause schauen des Öfteren mal fotogene Fahrzeuge vorbei.
https://flic.kr/p/23kjjx2

https://flic.kr/p/DFvDei

Leider bin ich einfach zu müde, nachmittags noch eine größere Fototour zu unternehmen. Nur ein kurzer Blick auf die Verkehrsplanung in Innenstadtnähe ist noch drinnen.
Ein echter Glückstreffer gelingt mir an der Haltestelle U Zelené ratolesti. Dass beim Takt 5 zwei Kurse direkt hintereinanderkommen, habe ich einige Male beobachtet. Dass es zwei Altwagen unterschiedlicher Farbe sind, macht schon was her. Und dass das Bild auf der stark befahrenen Straße nicht zugefahren wurde, macht mich wirklich glücklich!
https://flic.kr/p/23kj4Zz

Richtung Bahnhof gibt es entlang dem Grüngürtel einen Busfahrstreifen, welcher eigentlich nicht für Radfahrer freigegeben ist.
https://flic.kr/p/JoBKsT

Allerdings steht auf einer Länge von rund 100 Metern kein Busfahrstreifen zur Verfügung und der Bus fädelt sich LSA-gesichert in den MIV ein. Warum der Bus allerdings abends um 22 Uhr vor der leeren Kreuzung auf sein Signal warten muss, steht wohl in den Sternen.
https://flic.kr/p/21Y8AFz

Direkt um die Ecke heißt es dann wieder freie Fahrt für den ÖPNV.
https://flic.kr/p/DFva4v

Ebenfalls stark behindernd ist die in südlicher Richtung am Pražská trida verlaufende Rechtsabbiegerspur, auf welcher der Bus geradeaus verkehrt. Da die Rechtsabbieger die parallel querenden Fußgänger passieren lassen müssen, verliert der Bus gelegentlich eine ganze Ampelphase, obwohl nur wenige PKW vorneweg fahren.
https://flic.kr/p/23kip5F

https://flic.kr/p/FcBn3w

Der innenstadtnahe Norden ist durch moderne Bauten geprägt.
https://flic.kr/p/FcAVwm

Geschrieben von: Entenfang am 9 Jan 2018, 20:41
Zum Abschluss noch ein kurzer Spaziergang am Dominikanerkloster vorbei…
https://flic.kr/p/FcAQ4h

…und durch die hübsch hergerichtete Mlýnská-Gasse
https://flic.kr/p/FcAGoh

Zum Abendbrot gibt es ein großes Abschiedsbuffet mit Chlebičky, Schnitzel, Salaten und Kuchen. Ich erfahre, dass die früher bestehende zweite Tarifzone abgeschafft wurde, damit Busfahren für die Menschen der umliegenden Dörfer attraktiver wird. In der Tat ist das Gebiet, in welchem die günstigen Stadtverkehrstickets gelten, ziemlich groß. Nur leider dürfen nur die Stadtbusse genutzt werden, nicht die parallel verkehrenden und oftmals dank weniger Zwischenhalten schnelleren Regionalbusse. Alle nutzbaren Linien sind im Netzplan eingetragen. https://www.dpmcb.cz/galerie/tinymce/dpmcb_schema.pdf

Am Wochenende und abends würden des Öfteren Dieselbusse eingesetzt, weil die Gelenker dann nicht dem Verkehrsaufkommen entsprechen und der Verkehrsbetrieb keine Solo-Obusse besitzt. Ob das auch für den Nachtverkehr zutrifft, kann ich nicht sagen. Und ich bin auch zu müde, um heute bis halb eins aufzubleiben und eine Stichprobe zu sichten.
Interessant ist die Fahrplangestaltung der täglich (!) verkehrenden Nachtlinien 53 und 59 jedenfalls:
https://www.dpmcb.cz/cestovani-mhd/jizdni-rady.html
Obwohl der Takt 60 problemlos mit einem Kurs pro Linie fahrbar wäre, sind zwei Kurse im Einsatz. Alle vier Fahrzeuge treffen sich am Bahnhof zum Umsteigen. Die Fahrer können an den Endstationen eine halbe Stunde schlafen…

Geschrieben von: Entenfang am 10 Jan 2018, 22:37
Tag 20 Budweis -> Domažlice -> München

Der heutige Fahrplan ist deutlich weniger kompliziert als die Hinfahrt.

Ceské Budejovice............ab 14:04......R 666
Horaždovice predm.........an 15:07

......................................ab 15:18.......Os 17514
Klatovy...........................an 16:36

......................................ab 16:40.......Os 17552
Domažlice ......................an 17:35

Domažlice mesto............ab 19:27.......Os 7209
Domažlice ......................an 19:29

......................................ab 19:46.......ALX 350
München Hbf...................an 23:05


Nachdem ich den ganzen Vormittag verquatscht habe, nehme ich ein letztes Mal den Obus zum Bahnhof. Leider bleibt mir keine Zeit mehr, nochmal Svícková zu essen. Während ich in Bahnhofnähe einen Imbiss suche, will ein Mann 5 Kronen von mir – das erste Mal in drei Wochen.

Heute sind die Schlangen an den Fahrkartenschaltern schockierend lange, aber ich habe glücklicherweise mein First Minute Europe schon vor der Hinfahrt gekauft. Also gehe ich direkt zum R nach Pilsen, welcher gut gefüllt ist.
Selbstverständlich fahren wir nicht pünktlich ab, die Entschädigung folgt in Form eines spektakulären Wettrennens mit dem R nach Prag. Ich döse vor mich hin, während Wiesen und Fischteiche vorbeiziehen.
https://flic.kr/p/23n5A7e

Ab Horaždovice predmesti geht es dann in gemütlichem Tempo im Regionova weiter. In diesem ist es furchtbar heiß, weil die Heizung trotz des warmen Wetters auf höchster Stufe läuft.
Kadongkadong. DUNNNNG.
Kadongkadong. DUNNNNG.
https://flic.kr/p/Jqn7RT

Allmählich leert sich der Triebwagen an den außerordentlich gepflegten Provinzbahnhöfen.
https://flic.kr/p/Jqnf3X

https://flic.kr/p/23jsC45

https://flic.kr/p/22hv2cN

Schließlich erreichen wir Klatovy, weiter geht´s in einer Brotbüchse. Hier sind die Bahnhöfe nicht mehr so großzügig ausgebaut und weniger Blumen schmücken die Zugangsstellen. Wir kreuzen einen Regionova, der von einer Taucherbrille gezogen wird. Abgesehen davon gibt es keine Überraschungen und leicht hinter Plan bin ich in Domažlice.
https://flic.kr/p/22huVT1

Dort gebe ich meinen Koffer zur Aufbewahrung ab. Der 2-Minuten-Anschluss nach Domažlice mĕsto ist zwar gut gemeint, für mich aber deswegen nicht erreichbar. Also ab zum Busbahnhof auf dem Vorplatz.
https://flic.kr/p/23n4TN8

Der erste Bus fährt einfach durch und ignoriert mich. Vermutlich steigt hier nie jemand ein, um die letzten zwei Haltestellen bis in die Stadtmitte zu fahren.
Die vielen Haltepositionen finde ich ziemlich unübersichtlich und da in 5 Min. ein Bus von Halteposition 1 abfahren soll, begebe ich mich beizeiten an diese Stelle. Doch dann kommt der verspätete Bus von der Halteposition 5. Ich renne keine 10 Meter, da fährt er schon wieder ab. Aber der Busfahrer ist großzügig und hält an der falschen Position nochmal, um mich zusteigen zu lassen. 8 Kronen muss ich für die Fahrt berappen.

Geschrieben von: Entenfang am 10 Jan 2018, 22:38
Die Innenstadt kann sich sehen lassen - ein Zwischenstop, der sich gelohnt hat.
https://flic.kr/p/FeikAY

https://flic.kr/p/JqmhNP

https://flic.kr/p/23js593

https://flic.kr/p/Jqm7W4

Allmählich macht sich mein Magen nach dem kargen Mittagssnack bemerkbar und ich wittere meine letzte Chance auf Svícková. Grmpf, am Hauptplatz gibt es nur Pizza, Steaks und Mexikanisch. Eine Parallelstraße weiter entdecke ich eine versteckte Kneipe und auf der vollgekritzelten Kreidetafel am Eingang ist „Svícková“ das einzige Wort, welches ich entziffern kann. Ich lande in einem sehr dunklen, urigen Laden mit ausschließlich Einheimischen (und glücklicherweise dank endlich im Mai 2017 durchgesetztem Nichtraucherschutzgesetz ohne den typischen Qualm). Der Svícková schmeckt jedenfalls hervorragend.

Anschließend laufe ich zum Hp Domažlice mesto, der aber auch nicht wirklich viel näher an der Innenstadt liegt.
Die kurze Fahrt mit der Bahn kostet ebenfalls 8 Kronen.

Haischnauze
https://flic.kr/p/DHdmB2

Fahrplanübergabe
https://flic.kr/p/21ZR4BR

Der Alex kommt pünktlich, das grenzt ja schon fast an ein Wunder. In Ceská Kubice warten wir den Gegenalex ab und erreichen Furth im Wald mit +3. Es dauert keine Minute, bis die Polizei meinen Ausweis kontrolliert. Meine Aussage, dass ich in Tschechien lediglich Pralinen eingekauft habe, ist jedenfalls zufriedenstellend.
„Meine Damen und Herren! Ich begrüße Sie! Im Alex! Von Cham! Nach München! Über Schwandorf, Regensburg, Landshut und Freising! Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise! Bitte beachten Sie folgenden wichtigen Hinweis! In Schwandorf werden die ersten beiden Wagen abgehängt. Bitte steigen Sie in die hinteren beiden Wagen oder in die beiden in Schwandorf neu bereitgestellten Wagen um!“, verkündet die Zub in äußerst guter Stimmung. Dann wird der in Schwandorf zu erwartende Vorgang nochmal jedem persönlich erläutert. „Ja, aber wir haben doch hier reserviert! Müssen wir trotzdem raus?“ „Ja, die Wagen bleiben in Schwandorf. Die haben Frist. TÜV.“

„Und Sie sprechen auch Deutsch?“, meint die Zub immer noch extrem gut gelaunt zu mir.
Im nächsten Abteil höre ich nur: „Und Sie sprechen kein Deutsch? Wirklich gar nicht?“ Ich eile zu Hilfe. In meinem Hinterkopf rattert es schon, wie man das auf Tschechisch sagt, aber Englisch tut es dann doch.
In Schwandorf verscheuche ich zwei Rentner, die in den zweiten Wagen einsteigen wollen und platziere mich im dritten Wagen, um in München möglichst weit vorne zu sein. Es wird eifrig rangiert und gebremsprobt, doch der RE darf erstmal vor und wir setzen die Fahrt mit +6 fort.
„Do you speak English?“, erkundigt sich eine junge Frau. „Do you know if this train is going to München? Because we just changed direction…?“ Keine Sorge. Das passiert gleich nochmal.

Ein arabischstämmiger Mann fragt mich in brüchigem Englisch, wo er im Zug rauchen kann.
Gar nicht. Erst in Regensburg.
Dort fällt die Raucherpause üppiger aus als erwartet, denn der 612er rangiert munter herum. „Mobbing ist das!“, kommentiert die Zub.
Ein älterer Mann stürmt die Treppe samt Koffer herunter. „Lassen Sie sich Zeit, wir haben noch Rot. Da haben Sie jetzt aber wirklich Glück gehabt, das sage ich Ihnen!“
„Ach wissen Sie, wir sind mit dem Bus gekommen und haben die Haltestelle verpasst.“

Wie sich herausstellt, ist der Araber aus Dubai nach Prag geflogen, um von dort weiter nach München zu fahren, wo er Ingenieur für Medizintechnik ist. Inzwischen raucht er hektisch die dritte Zigarette, welche er am Glimmstängel der Zub angezündet hat.
Endlich springt das Signal auf Fahrt. „So alle rein!“ Pfeif! Und der Taurus zieht die vier Wagen schwungvoll aus dem Regensburger Hbf – bis zum nächsten Signal.

Dennoch rollen wir pünktlich in den Münchner Hbf ein und ich muss den tief und fest schlafenden Araber wachrütteln, sonst wäre er wohl aufs Abstellgleis mitgefahren.


Fazit

Die meisten Eindrücke habe ich bereits direkt an jenem Tag festgehalten, als sie mir bewusstgeworden sind. Denn oftmals gewöhnt man sich nach einigen Tagen daran und nimmt es gar nicht mehr wahr.
Insgesamt habe ich drei wunderschöne Wochen bei den Nachbarn verbracht. Nicht nur sprachlich konnte ich neue Eindrücke sammeln, sondern auch reichlich verkehrlicher Art. Der Obus Budweis führt das Thema Elektromobilität mal wieder ad absurdum – da werden jahrelang Akkubusse in Prag getestet, die sich letztlich allesamt als nicht praxistauglich erwiesen haben. Die Oberleitung in Budweis hängt, normale Obusse sind erprobt und von der Stange zu kaufen – und es werden zahlreiche Dieselkurse eingesetzt. Das wäre doch mal ein Ansatz für EU-Fördermittel. Übrigens sind auch alle DFI-Anzeiger mit einem EU-Bapperl versehen.

Die geringe Bevölkerungsdichte Südböhmens (63 EW/km^2) trägt sicher ihren Teil zum weit verbreiteten Zweistundentakt bei der Bahn bei. Die Hauptstrecke nach Prag ist davon natürlich ausgenommen. Zum stündlichen R (Reisezeit etwa 2,5h) verkehren noch einige Ex-Züge mit Halt nur in Tábor (Reisezeit 2h). Teilweise gibt es sogar böse Taktlücken, wie beispielsweise zwischen Tábor und Bechynĕ, wo samstags und sonntags eine vierstündige Mittagspause eingelegt wird. Nicht überall wird sauberer Taktverkehr angeboten, die Strecke über Ceský Krumlov nach Nové Údolí ist ein besonders schlechtes Beispiel dafür, zumal sie auch noch touristisch interessant ist. Vermutlich verspielt man hier durch den unsauberen Zweistundentakt Potential an den Bus. Arriva fährt vermutlich nicht völlig grundlos am Wochenende ein Zugpaar direkt aus Prag durch. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 wurde der Verkehr nach Ceský Krumlov durch Arriva allerdings vorerst eingestellt.
Durch das häufige Abwarten von Anschlüssen sind die Züge in der Region durch die vielen eingleisigen Strecken leider oft verspätet.

Sehr positiv ist mir dagegen die Graffitiarmut aufgefallen. Auch wenn die Verbreitung von Lärmschutzwänden immer mehr zunimmt, halten sich die Künstler zumindest in dieser Region stark zurück. Zum guten Zustand der Bahnhöfe, die sicher auch durch die Besetzung vor Ort bedingt ist, muss ich wohl nichts mehr ergänzen.

Weiterhin sehr entspannt ist der Umgang mit Gleislatschern, welche immer wieder selbst auf stark und schnell befahrenen Hauptstrecken vorkommen.

Überhaupt finde ich den Umgang der Menschen miteinander lockerer und angenehmer als in Deutschland – man wird nicht ständig bevormundet und besserwisserisch angemacht. „Hey, der geht ja bei Röt!“; „Sieht der nicht, dass das ein Fußweg ist?“ Dennoch sind alle Busfahrer in geschlossenen Fahrerkabinen verbarrikadiert.
Das Freihalten von Kreuzungen bei grüner Ampel im Stau spricht auch für das Mitdenken der Tschechen – in dieser Hinsicht sind sie den Deutschen weit voraus.



Statistik

Gefahrene Bahnkm:.............1420

Fahrtkosten
Bahn .......................62,80€
Fahrradkarten..........10,50€
Bus.........................6,30€
ÖPNV......................12,00€
IN 25......................5,75€
Fahrrad....................91,20€
________________________________
..............................188,55€

Gesamtreisezeit Bahn:.............26h 56min
Durchschnittsgeschw................52,8 km/h

Gesamtverspätung (analog FGR): 91 min.

Geschrieben von: 218217-8 am 10 Jan 2018, 23:34
Meine Erfahrungen mit der CD bezüglich Pünktlichkeit 2011 in Mähren waren, wie weiter oben schon erwähnt, sehr positiv. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte damals nur ein einziger Zug Verspätung auf der Reise. Anscheinend hat sich das leider geändert. Oder in Böhmen sind die Verhältnisse etwas anders als in Mähren.
Jedenfalls vielen Dank für den bis zum Schluss spannenden und informativen Bericht aus einer Region, die ich bisher noch nicht besucht habe.

Geschrieben von: karhu am 10 Jan 2018, 23:37
Danke für den tollen Bericht smile.gif

Geschrieben von: Rathgeber am 11 Jan 2018, 00:24
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

In Sušice habe ich 1992/93 den Jahreswechsel, der gleichzeitig die Trennung von Tschechien und der Slowakei bedeutete, mit lauter Sachsen gefeiert. Sehr skurril war der Moment, als aus den Lautsprechern der Kirche am zentralen Platz Karel Gott auf Tschechisch dröhnte...

Geschrieben von: 146225 am 11 Jan 2018, 06:04
Auch ich danke für die vielfältigen Eindrücke! smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 11 Jan 2018, 23:03
Und ich freue mich, dass er euch gefallen hat und danke für die vielen Anmerkungen und positiven Rückmeldungen!

Geschrieben von: JeDi am 11 Jan 2018, 23:41
QUOTE (Lobedan @ 6 Jan 2018, 08:09)
Diese Stadt erinnert mich architektonisch und mit all den Gassen an Zittau (warst du dort mal?), nur in deutlich herausgeputzterem Zustand. Gefällt mir!

An Zittau musste ich spontan auch denken ;-)

Ansonsten: Danke für den Bericht, Tipp für den LST-Interessierten in Zittau: Das Lehrstellwerk in Zittau-Süd ;-)

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 12 Jan 2018, 14:24
Ein wahnsinnig schöner, detailverliebter und mit feinster Wahrnehmung geschriebener Bildbericht aus einer wahnsinnig schön-ursprünglichen Ecke eines meiner absoluten Lieblingsländer! smile.gif smile.gif smile.gif Herzlichen Dank für die Zeit und Mühe, Deine Reise für uns hier im Forum so spannend aufzubereiten und uns an Deinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

Es ist immer wieder schön zu sehen, wie ursprünglich trotz des allgegenwärtigen Fortschritts vieles in Tschechien immer noch wirkt. Seit meinem ersten Besuch in diesem Land im Sommer 2008 (damals übrigens einem Sommersprachkurs in Brno eines sehr guten Freundes geschuldet wink.gif) war ich insgesamt 38 Mal dort, und die Faszination hat mich nie wieder losgelassen.

Ja, der Alltag unter den Menschen in Tschechien wirkt großteils deutlich angenehmer als in Deutschland. Herzlicher, unverkrampfter, weniger verbissen. Weniger mit erhobenem Zeigefinger gegenüber dem, was andere machen, und mit weniger unsinnigen Verboten im Alltag. Auch das Verhalten von Autofahrern in Tschechien gegenüber Fußgängern und generell gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern kam mir insgesamt eher entspannter vor als in Deutschland, wobei ich auch durchaus gefährliche Szenen mitbekommen habe auf meinen Reisen dort, die alleine der Agressivität oder dem Fehlverhalten von Autofahrern geschuldet waren (mit Tempo 60 auf einen Zebrastreifen zufahren und mehrfach laut hupen, während Fussgänger queren).

Zur Eisenbahn... immer noch genial. 25 Jahre Modernisierungsstau, in welchen vorrangig die Substanz der 1970er Jahre abgefahren wurde, sind eben auch mit EU-Fördermitteln und den in den letzten Jahren (leider für Freaks) gefühlt massiv ansteigenden Fahrzeug-Neubeschaffungen nicht so leicht aufzuholen. Irgendwie wirkt die Eisenbahn dort derzeit immer noch wie in Deutschland Anfang der 1990er Jahre.

Die größeren Verspätungen im Zugverkehr Tschechiens sind meiner Beobachtung nach übrigens nicht zwangsläufig isoliert auf das eingleisige Streckennetz rund um Ceske Budejovice. 20 Minuten Verspätung habe ich in allen Landesteilen, auch entlang zweigleisiger Strecken immer wieder erlebt - weil eben auch entlang zweigleisiger Hauptstrecken oft lange auf verspätete andere Züge gewartet wird. Alleine schon ein verspätet aus Deutschland kommender EC/Ex kann einen Dominoeffekt auf Knoten wie Usti oder Plzen haben und auf alles, was von dort irgendwohin startet.

Ceske Budejovice... aufgrund der relativ isoliert liegenden Lage eine Stadt, die trotz ihrer Gemütlichkeit und Schönheit von Touristenhorden bisher überwiegend verschont geblieben ist. Selbst an einem Samstagabend mitten in den Gassen und Gaststätten des Stadtzentrums hat man das Gefühl, zu 95% unter Einheimischen zu sein. Überhaupt kam mir in Tschechien alles relativ bis sehr untouristisch und überraschend wenig überlaufen vor, abseits von den "big 4" Prag, Karlstejn, Karlovy Vary und Cesky Krumlov. Alleine schon ein Kleinod wie Schloss Hluboka wäre in Deutschland rettunglos überlaufen; als ich im Sommer vor einigen Jahren mal dort war, waren gerade mal um die 20 andere Touristen am und im Schloss (das war aber auch ein Wochentag).

Danke dafür, dass Du viele Erinnerungen an meine 10 Jahre lang dauernde Liebe zu diesem Land in Deinem Bericht wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses geholt hast! smile.gif

Mit dem kulturell-historisch stark verwandten Nachbarland, der Slowakei, bin ich übrigens aus irgendeinem Grund nicht annähernd so warm geworden. Weder mit Sprache, Essen, Eisenbahn, Städten, Natur/Landschaft oder Landesstruktur... für mich geht meine Liebe dann erst wieder hinter der Slowakei weiter, nämlich in der Ukraine, die ich ebenfalls sehr liebe smile.gif

Ich freue mich schon sehr darauf, wenn Du vielleicht 2018 wieder eine Reise unternimmst und uns daran teilhaben lässt! smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 12 Jan 2018, 18:27
QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 12 Jan 2018, 14:24)
Danke dafür, dass Du viele Erinnerungen an meine 10 Jahre lang dauernde Liebe zu diesem Land in Deinem Bericht wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses geholt hast!  smile.gif

Gerne, gerne! Ich muss ja gestehen, dass ich mich irgendwie ein Stück weit in das Land verliebt habe, was mich auch dazu veranlasst hat, so eine "unnötige" Sprache zu lernen. Ich war 2014 das erste Mal im Rahmen einer Exkursion in Tschechien (u.a. in Budweis) und war vor allem von der Eisenbahn sehr fasziniert. Inzwischen dürfte die Zahl meiner Besuche auch schon zweistellig sein, wobei darunter natürlich viele Tagesausflüge waren.

QUOTE
Überhaupt kam mir in Tschechien alles relativ bis sehr untouristisch und überraschend wenig überlaufen vor,

Diesem Punkt habe ich nichts hinzuzufügen - es macht meiner Meinung nach einen wesentlichen Teil des Reizes dieses Landes aus und genau deswegen kommt man abseits der Touristenorte mit Englisch auch nicht weit (in der grenznahen Region dagegen recht gut mit Deutsch). Mit ein paar Brocken Tschechisch wird manches viel einfacher, da fängt bei Dingen wie Fahrkartenkäufen an und hört bei rein tschechischen Speisekarten auf.

QUOTE
Ich freue mich schon sehr darauf, wenn Du vielleicht 2018 wieder eine Reise unternimmst und uns daran teilhaben lässt!  smile.gif

Ich sage dazu nur, dass eine große Winterreise derzeit schon in der Detailplanung ist und dass sie (hoffentlich) auch viel Bahnbezug haben wird.

Geschrieben von: Luas am 13 Jan 2018, 16:48
Danke bzw Dekuji für den spannenden Bericht! Ich habe Tschechien im August 2007 auch mal mit dem Drahtesel entdeckt. Bin damals mit dem Rad von Prag aus die Moldau und Elbe entlang bis Dresden gestrampelt. Nicht nur Prag, die Nachts besonders romantisch wirkt, sondern auch die ländlichen Regionen Böhmens haben diese Radtour zum einzigartigen Erlebnis gemacht. An sich gab es damals in CZ kaum eigene asphaltierte Radwege, dafür verlief ein Großteil der Radroute auf einsame und idyllischen Nebenstraßen. In Litomerice habe ich per Zufall eine Handvoll ehemaliger BOGESTRA Busse vom Typ MB O 405 N gesichtet. Zudem sind die Tschechen sehr hilfsbereit.

Geschrieben von: Entenfang am 21 Jul 2018, 11:37
Von Heidelbeersammlern und Tatras im Grünen Tal


Tag 1 Dresden -> Jelenia Góra -> Liberec

Pünktlich bringt mich der Trilex nach Görlitz. Weiter geht es mit dem Pesa-Tw.
https://flic.kr/p/Md8gmy

Kadong Kadong. Mit maximal 60 km/h, oft auch deutlich langsamer, rumpelt der Tw Richtung Osten.
https://flic.kr/p/KEmrNi

In Luban ist der Spaß schon vorbei, denn wir bleiben erstmal stehen. Tf und Zub rauchen und es sieht so aus, als würden wir auf den Anschluss von einem SEV-Bus warten. Erst mit +14 geht es weiter. Das ist eher ungünstig, denn ich habe mich für die letzte Verbindung des Tages entschieden und in Jelenia Góra nur 12 min. Umsteigezeit. Sehr gemütlich wird die Fahrt durch das Hügelland fortgesetzt, es bleibt reichlich Zeit, die deutschen Formsignale an Abzweigstellen mitten im Wald zu bestaunen. Hühner picken auf einem Stück Wassermelone herum, ein Reh blickt den Tw ganz erstaunt aus einem Getreidefeld an, Kinder winken dem Zug aus einem Garten zu.
Wir halten an einem Hp mitten in der Pampa. Ein junger Mann erwartet seine Freundin, der Sandhügel mit Blechunterstand ist von hüfthohem Gras umgeben. Nur eine Schotterpiste dient als Zufahrtsweg.
Pfeif! Dietdietdietrummms!
An der Verspätung tut sich nichts Nennenswertes. Zahlreiche Las an Brücken und Dämmen sorgen auch nicht gerade für eine zügige Fahrt. Den Bereich des 2. Gleises hat sich die Natur längst zurückerobert.

Die Zub erklärt mir, dass ich mit dem Bus weiter nach Szklarska Poręba Górna fahren muss – zumindest glaube ich das. Merkwürdig, davon ist im Internet nichts zu lesen.
Jedenfalls kommt mir der Anschlusszug bei der Einfahrt nicht entgegen, sondern steht am Gleis gegenüber. Die Zub korrigiert ihre Aussage und deutet auf den Zug. Ich springe schnell in dem Newag Impuls rein, welcher in sehr dunklen Farben gehalten ist.
https://flic.kr/p/28fv8tE

Hier verbergen sich die Rollstuhlrampen
https://flic.kr/p/28fv8jm

Doch erstmal tut sich nichts, weil wir noch den TLK nach Gdynia abwarten müssen. +20 bei 5 Min. Umsteigezeit sind denkbar ungünstig…
Doch dank entfallener Kreuzung und zügiger Fahrweise des Tf (falls man das bei 40 bis 50 km/h so bezeichnen kann) geht es bald auf +10 zurück. Ich suche den Zub auf und stammle irgendwas auf Polnisch zusammen. „English?“ Puh, Glück gehabt. Als ich die Geschichte später erzähle, kommentiert das ein Kommilitone mit den Worten: „Waaaas? Du hast in Polen einen Zub gefunden, der Englisch kann???“ War ein Junger. „Naja, gefühlt arbeiten alle Jungen, die kein Englisch können, bei der Bahn…“

Jedenfalls ruft der Zub irgendwo an und verkündet kurz darauf: „This train wait.“ Auf die Tschechen ist eben Verlass.

Nachdem der E-Tw erfolgreich die 40%o-Steigung ins Riesengebirge erklommen hat, wartet dort ein Regiospider (= RS1) auf mich und zwei weitere Umsteiger. Ein Mann ist bereits im Zug, steigt aber noch auf polnischer Seite wieder aus.
Die Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Verkehrs auf dieser Strecke im Jahr 2010 ist ein großer Erfolg nach mehr als 60 Jahren Pause.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Jelenia_G%C3%B3ra%E2%80%93Ko%C5%99enov
Die Strecke wird 3x täglich bedient, im Winter, Sommer und an Wochenenden verkehren teilweise bis zu 6 weitere Zugpaare.
Nach dem Überschreiten der Grenze tritt in Harrachov dann mal wieder der Tschechien-Effekt auf – die Fahrgastzahl wird schlagartig zweistellig – an einem Bahnhof, der mitten im Wald und über 2 km vom zugehörigen Ferienort entfernt liegt.

Die zahlreichen Nebenstrecken des dichten Bahnnetzes rund um Liberec werden ausschließlich von Regiospidern bedient, die überwiegend im sauberen Taktverkehr unterwegs sind.
https://flic.kr/p/28fv84m

Von wenigen Zugpaaren täglich bis zum Halbstundentakt ist alles dabei. Aufgrund der anspruchsvollen Topografie und der kurzen Haltestellenabstände ist die Fahrzeugwahl sicher nicht verkehrt.
https://flic.kr/p/28fv8ao
Im weiteren Verlauf steigt die Auslastung und schwankt dann zwischen 1/4 und 1/3.

Pünktlich erreiche ich dann Liberec. 6h 10 min. Fahrzeit für 280 Bahnkm ist kein Geschwindigkeitsrekord… Mit 30,2 km/h liegt der tschechische Teil noch unter dem polnischen Teil mit 36,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Von Jelenia Góra bis Liberec dauert die Bahnfahrt (2h 45 min) mehr als doppelt so lange wie mit dem Auto (1h 19 min).

Abendfotorunde am Šaldovo námestí
https://flic.kr/p/KEmtCv

https://flic.kr/p/26A7ub9

https://flic.kr/p/KEmtsk

Die perfekte Unterkunft mit Straßenbahnblick habe ich mir jedenfalls ausgesucht…
https://flic.kr/p/28fv7Vq

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:16
Uff, zu viel um die Ohren... Jetzt geht´s aber weiter:


Tag 2

Was gibt es Schöneres, als mit dem Blick auf die Trambahn zu erwachen?
https://flic.kr/p/KQ6Cne

Die größte Hürde ist heute gemeistert, als ich endlich frühstücken kann. Denn von den 10 Bäckern in der näheren Umgebung haben genau 0 sonntags geöffnet. Also gibt’s notgedrungen Backwaren von Billa.

Tauben am Badesee
https://flic.kr/p/Mo5UGm

Námestí Dr. E. Beneše mit Rathaus
https://flic.kr/p/28qnwnG

Fußgängerzone, die bis 1984 von der Tram durchfahren wurde
https://flic.kr/p/28qnwcb

Als erstes ist der Ast der Linie 3 nach Horní Hanychov an der Reihe.
Es gibt keine Nf-Bahnen, nur einige umgebaute T3 mit Nf-Abteil.
https://flic.kr/p/28qnwCm

77 nähert sich der Haltestelle Fügnerova.
https://flic.kr/p/KQ6DVe

Nach der Wende begann die Umspurung des meterspurigen Betriebs auf Regelspur. Dabei blieb die Überlandlinie nach Jablonec n.N. jedoch außen vor, sodass im Stadtgebiet teilweise 3-Schienen-Gleise verlegt sind.
http://www.orangesmile.com/common/img_tram_maps/liberec-map-tram-big.png

77 durchfährt das Viadukt, über welchen die Bahnstrecken von Liberec Richtung Norden verlaufen.
https://flic.kr/p/29vFBse

Hier wendet die Überlandlinie 11 und das Dreischienengleis endet.
https://flic.kr/p/KQ6CGT
Im weiteren Verlauf führt die Strecke durch ein Wohngebiet stets bergauf. Am Wochenende wird im Takt 10 bis zur Endstation in Horní Hanychov gefahren, unter der Woche endet dagegen jeder zweite Kurs in Dolní Hanychov.

Kein Glück ist mir an der Fotostelle an der Kirche Hanychov vergönnt, wo zwei Kurse aufeinanderfolgend im Schatten vorbeikommen.
https://flic.kr/p/KQ6D7a

43 und 60 treffen sich bei der Feuerwehr
https://flic.kr/p/29vFBFa

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:17
43 bei Spálenište, im Hintergrund irgendein historischer Wagen
https://flic.kr/p/28qnvLm

Für Radfahrer gibt es das passende Busangebot
https://flic.kr/p/KQ6DpV

Der Baustil hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Voralpenland…
https://flic.kr/p/28qnvTA

59 erklimmt die beträchtliche Steigung unweit der Endstation
https://flic.kr/p/28qnvXU

77 in Horní Hanychov, im Hintergrund des Ješted. Leider muss man von der Endstation noch rund 1 km bis zur Talstation laufen. Die Seilbahn wird übrigens von der CD betrieben.
https://flic.kr/p/KQ6DMi

Spurwechsel in den meterspurigen T3 Richtung Jablonec.
https://flic.kr/p/29vFB6n

Der Innenraum der unterscheidet sich nicht, nur an den bunten Aufklebern auf der Fahrzeugfront ist auf den ersten Blick zu erkennen, auf welcher Spurweite sie unterwegs sind.
Der T3-Solo ist bald gut gefüllt und auf der Überlandfahrt müssen einige Fahrgäste stehen. Die rund 12 km lange Überlandstrecke ist komplett saniert, die BÜ gesichert und erlaubt eine zügige Fahrweise.

Leider liegt auch in Jablonec sowohl der Bahnhof als auch die Innenstadt einige hundert Meter von der Wendeschleife entfernt.
https://flic.kr/p/29vFAMM

39 tritt die Rückfahrt nach Liberec an
https://flic.kr/p/28qnSe5

Der hübsch sanierte Ortskern am Dolní námestí
https://flic.kr/p/28qnRLb

Ich stärke mich mit Svícková. Mal im Ernst, hat die tschechische Küche irgendwas Besseres anzubieten?
https://flic.kr/p/Mo68oU

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:17
Nicht ganz so hübsch saniert sind die Häuser ein paar Straßen weiter
https://flic.kr/p/288UBYx

Zeit für die Rückfahrt mit Zwischenstops.
https://flic.kr/p/Mo685C

https://flic.kr/p/28qnR7A

In der Wendeschleife gibt es sogar eine Arbeitsgrube.
https://flic.kr/p/29rAA5u

Und ab in den Wald.
29 bei Menírna
https://flic.kr/p/29rAzQ1

Und wie passend doch der Name „Grünes Tal“ ist…
https://flic.kr/p/28qnQom

https://flic.kr/p/29rAzFJ

Die Heidelbeersammler beäugen mich etwas skeptisch, während die Tramfahrer von deren Anblick unberührt sein dürften. Tschechen sammeln gerne Pilze und Beeren im Wald.
https://flic.kr/p/28qnQ4y

Interessant sind die Eisenbahnsignale, welche die eingleisigen Abschnitte sowohl gegen Folge- als auch Gegenfahrten sichern.
https://flic.kr/p/28qnQHQ

35 legt sich bei Nový svet – deutsch Neue Welt – in die Kurve.
https://flic.kr/p/29rAzsN

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:18
Nach getaner Arbeit warten die Heidelbeersammler auf die Rückfahrt mit der Tram.
https://flic.kr/p/28qnPKC


Eine Dotra RegioSpider ist zwischen Prosec und Jablonec unterwegs.
https://flic.kr/p/28qnPv9

Bahn und Tram verlaufen auf einem Großteil der Strecke (nahezu) parallel.
https://flic.kr/p/29vFKwa

Daher kam bereits vor rund 15 Jahren die Idee auf, eine Regionalstadtbahn nach Karlsruher Modell einzurichten. Dies war auch der Hauptgrund für den Beginn der Umspurung. Bisher ist jedoch nichts daraus geworden und daran wird sich wohl auf absehbare Zeit auch nichts ändern.
Vor dem Hintergrund der parallelen Strecken und der vielen kurzen Haltestellenabstände erscheint mir eine Regionalstadtbahn durchaus sinnvoll.

https://flic.kr/p/28qnPiq
35 saust durch den Wald

https://flic.kr/p/288UAsB
Nf-Abteil

42 ist am Stadtrand von Vratislavice unterwegs
https://flic.kr/p/288UAkx


Zurück in Liberec – 39 bei Textilana
https://flic.kr/p/29rAxv1

Das meterspurige Drehgestell ist unsymmetrisch angeordnet
https://flic.kr/p/29vFKQ6

29 zwischen Textilana und U Lomu
https://flic.kr/p/28qnHEw

35 an der Zentralhaltestelle Fügnerova
https://flic.kr/p/28qnHvJ

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:18
Abendstimmung über der Stadt
https://flic.kr/p/28qnHeG

Abschließend steht noch der Ast nach Lidové Sady – Zoo zur Befahrung aus. Er führt durch ein Villenviertel.
https://flic.kr/p/288UAcX

https://flic.kr/p/28qnS6E

Aussichtsturm am Volkspark
https://flic.kr/p/288UzVp

9 wendet
https://flic.kr/p/28qnRVj

Der Fahrer brummelt irgendwas auf Tschechisch und klopft an den Entwerter, weil es inzwischen nach 20 Uhr ist und ich hinten eingestiegen bin. Nach 20 Uhr muss man vorne einsteigen und seine Fahrkarte vorzeigen. Ich zeige meine 24h-Karte vor und er nimmt sie kopfnickend zur Kenntnis.

Das letzte Licht am Námestí Dr. E. Beneše
https://flic.kr/p/288UzL6
Sonntagabend ist leider kein geöffnetes tschechisches Restaurant mehr aufzutreiben, sodass es notgedrungen Take-away-Pizza gibt.

9 an der Haltestelle Fügnerova
https://flic.kr/p/29rAy3o

Den Abend nutze ich für Nachtfotos am stimmungsvollen Bahnhof.
https://flic.kr/p/28qnMT1

https://flic.kr/p/29rAxRS

https://flic.kr/p/29rAxJC

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2018, 19:18
Zum Abschluss des Tages nochmal 9, hier an der 5. Kvetna
https://flic.kr/p/28qnMvC

Geschrieben von: 146225 am 26 Jul 2018, 19:59
Danke @Entenfang: noch ein paar Gründe mehr, warum das auch noch auf meiner persönlichen da-will-ich-noch-hin-Liste-steht. smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 27 Jul 2018, 21:53
QUOTE (146225 @ 26 Jul 2018, 20:59)
Danke @Entenfang: noch ein paar Gründe mehr, warum das auch noch auf meiner persönlichen da-will-ich-noch-hin-Liste-steht.  smile.gif

Bei mir stand das auch sehr, sehr, sehr lange auf der da-will-ich-noch-hin-Liste... wink.gif


Tag 3 Liberec -> Decín -> Dresden

Heute ist Montag und die Bahnen auch in Dotra unterwegs. Blick von oben…
https://flic.kr/p/29tB6Qu

…und von unten.
https://flic.kr/p/28aWRHR

Immerhin sind sie in zueinander passenden Werbekleidern unterwegs.

Dann ist es auch schon Zeit, wieder zurückzufahren. Am Bahnhof wartet auf mich ein Schrank mit Beiwagen.
Die Fahrt führt durch Hügelland.
https://flic.kr/p/28aWRBD

Taktknoten in Ceská Lípa
https://flic.kr/p/28aWRyx

Arbeiten am Gz
https://flic.kr/p/29tB6m3

In Decín kann ich die Umsteigezeit sinnvoll nutzen, um mir ein Fahrplanbuch zu kaufen. Mit U28 und S-Bahn geht es pünktlich wieder zurück nach Dresden.

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 31 Jul 2018, 14:48
Liberec ist ein netter kleiner Betrieb, den ich vor einigen Jahren auch mal besucht habe smile.gif Leider war bei meinem Besuch die gesamte Überlandstrecke wegen Bauarbeiten außer Betrieb und ich konnte nur das Stadtnetz befahren. Das Rathaus von Liberec ist übrigens architektonisch bewusst dem großen Vorbild, dem Wiener Rathaus, nachempfunden. Wenn Du in der Ecke nochmal was Interessantes sehen willst, kann ich das durchaus spannende O-Bus-Netz des sehr hügeligen Usti nad Labem empfehlen, das für eine Stadt dieser Größe sehr umfangreich ist smile.gif Auch die Straßenbahn Most-Litvinov ist einen Besuch wert smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 31 Jul 2018, 20:50
QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 31 Jul 2018, 15:48)
Wenn Du in der Ecke nochmal was Interessantes sehen willst, kann ich das durchaus spannende O-Bus-Netz des sehr hügeligen Usti nad Labem empfehlen, das für eine Stadt dieser Größe sehr umfangreich ist  smile.gif

Nach 5 Jahren immer noch nicht geschafft...

QUOTE
Auch die Straßenbahn Most-Litvinov ist einen Besuch wert  smile.gif

Habe ich schon https://www.eisenbahnforum.de/index.php?s=1bae3f24faf410a45d8c2536b90b2329&act=ST&f=40&t=15421&st=120&#entry646507 - der Betrieb hat mich aber nicht besonders vom Hocker gehauen. Liberec hat mir besser gefallen.

Geschrieben von: Entenfang am 15 Jan 2019, 22:45
Eine weitere Suche nach Schnee – ich nehme den R Richtung Brno, welcher mit Interpantern bedient wird. Neuerdings gibt es leider bei Onlinebuchungen der CD die Möglichkeit, kostenlos einen Sitzplatz zu reservieren. Demzufolge werde ich auch ziemlich bald von einem jungen Mann angesprochen, der den als Expressreservierung deklarierten Platz beansprucht. Er setzt sich dann aber doch auf einen der zahlreichen freien Plätze. Grmpf, Bahnfahren hieß bei mir in Tschechien immer: Fahrkarte kaufen, in den nächsten Zug einsteigen, hinsetzen. Abgesehen vom Pendolino und den Privaten an Einfachheit nicht zu überbieten.

Es gibt nur wenige Wandfensterplätze, aber leider auch nur sehr wenig Platz für Gepäck. Die Überkopfablagen sind über den Drehgestellen zur Hutablage degradiert worden. In den Zweierreihen gibt es große Klapptische, die Vierer müssen allerdings ohne auskommen. Außerdem gibt es einen Snackautomat im Zug.

Pünktlich setzt mich der Panter in Chocen ab.
https://flic.kr/p/23CdqfB

Bald kommt der leicht verspätete Os zur Weiterfahrt nach Bezpraví.
https://flic.kr/p/2d8DTo9

Der RegioNova links kommt übrigens nicht von der SNCB, sondern in der Lackierung des Pardubický kraj daher...

Das Ziel ist mir schon bei vorherigen Fahrten ins Auge gefallen. Auf der überwiegend unspektakulären Hauptstrecke von Prag nach Olomouc gibt es einen landschaftlich sehr schönen Abschnitt, wo sich die Strecke durch das Tal der Orlice windet. Und bei http://www.gvd.cz/czx/data/njr/png/L501_o/index.html muss man auch selten länger als 5 Minuten auf den nächsten Zug warten. Das Zugangebot ist extrem bunt und vom Güterzug bis Pendolino alles dabei.

https://flic.kr/p/2d8DSRC

https://flic.kr/p/2d8DRCf

https://flic.kr/p/23Cdo54

https://flic.kr/p/2cQQHxD

Die Schneemenge ist zwar weniger als erhofft und verglichen mit Holzkirchen ein schlechter Witz, aber man muss das nehmen, was man bekommt...
https://flic.kr/p/23CdoUR

https://flic.kr/p/2cQQGBk

https://flic.kr/p/QtnLJt

Ein Glück, dass hier vMax 80 ist, sonst wäre ich bei den Lichtverhältnissen chancenlos.

https://flic.kr/p/23CdnBk

Geschrieben von: Entenfang am 15 Jan 2019, 22:45
https://flic.kr/p/2d8DNEG

https://flic.kr/p/QtnKpe
Mit den Knödelpressen ganz in Gelb kann ich mich irgendwie nicht anfreunden. Ich finde, die Farbgestaltung steht der Lok nicht. Jedenfalls Grüße an den Tf! smile.gif

https://flic.kr/p/S6zKaE

Es regnet mehrere Male und als gegen 15 Uhr die Dämmerung einsetzt, bin ich auch schon ziemlich durchgefroren. Die nächste Rückfahrgelegenheit ist mit einem Umweg nach Ústí nad Orlicí. Da es keinen personenbedienten Verkauf an diesem einsamen Hp gibt, kaufe ich bei der Schaffnerin. 58 Kronen kosten mich die 160 km. Bis der Kaufvorgang erledigt ist, rollen wir schon in Ústí nad Orlicí ein. Ich müsse hier umsteigen. Ähm, nein? Wer diese Verbindung nimmt, sollte besser genau hinschauen. Denn die stündlich verkehrenden Fernzüge halten abwechselnd in Ústí nad Orlicí am Hbf und am Stadtbahnhof. In dieser Stunde muss ich am Stadtbahnhof umsteigen, also einen Halt weiter. Ich kann die Zub davon überzeugen. Sie stellt mir eine neue Fahrkarte aus (ist schließlich 2 km weiter). Das kostet eigentlich 59 Kronen, ich muss aber nichts nachzahlen.
Nachdem ich die Wartezeit im beschaulichen, aber beheizten Warteraum verbracht habe, bringt mich der EC aus Krakau pünktlich zurück nach Prag.

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2019, 15:46
Zurück im Land der Knödel...
https://flic.kr/p/2gH8f2A

...pressen
https://flic.kr/p/2gH7AYr

https://flic.kr/p/2gH7AT6
Stillleben in Pilsen

https://flic.kr/p/2gH7AP8
Mit dem Alex durch das Berounka-Tal

https://flic.kr/p/2gH8kY5
Berounka-Tal

https://flic.kr/p/2gH8kTq
Elefant in Karlštejn

https://flic.kr/p/2gH7Axb
Sonnenstrahl

Dieses Mal: Hradec Králové

Tag 0 – Erste Eindrücke unter Hitzelast

Der Fahrzeugpark des Bus- und Obusbetriebs der ca. 90.000 Einwohnerstadt ist sehr modern und wenig abwechslungsreich. Der Obus wurde 1949 in Betrieb genommen.

Noch ganz neu und seit 2018 im Einsatz sind die 8 klimatisierten Iveco Urbanway 12M, hier am westlichen Ring um die Altstadt.
https://flic.kr/p/2gH8kLX

Aufgrund der großen Hitze wurde erstmal eine Shopping Mall aufgesucht. Der Blick über den danebenliegenden Kreisverkehr darf nicht fehlen:
https://flic.kr/p/2gH7Apq

Die Obusflotte umfasst 40 Škoda-SOR-Fahrzeuge, davon 13 Gelenkwagen und 27 Solowagen, von letzteren sind 9 mit einem Hilfsakku und einer Klimaanlage ausgestattet. Der Hilfsakku ermöglicht die Bedienung von drei Abschnitten ohne Oberleitung. Dazu kommen ebenfalls ganz neu 20 SOR NS 12 Electric, die auch klimatisiert sind, hier beim Laden in der Slezské predmestí.
https://flic.kr/p/2gH8kBd

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2019, 15:47
29 und 235 in der westlichen Altstadt unweit der Haltestelle Adalbertinum
https://flic.kr/p/2gH7F3i

12 an der Prager Brücke
https://flic.kr/p/2gH7EVz
Die Fahrpläne des Stadtverkehrs in Hradec Králové sind ein einziges Kuriosum – die Linie 6 ist ein perfektes Beispiel.
http://www.dpmhk.cz/common/cms_files/jizdni_rady/06_od_2018_04_03.pdf

Ein Škoda 31Tr überquert die Prager Brücke
https://flic.kr/p/2gH8pXh

Begegnung am südlichen Ring
https://flic.kr/p/2gH7Esk

67 wenige Meter weiter
https://flic.kr/p/2gH7E68

36 als Vertreter der Hilfsantriebsfahrzeuge ebenfalls südlich der Innenstadt
https://flic.kr/p/2gH7DM7

Bus und Obus an der Haltestelle Zimní stadion
https://flic.kr/p/2gH8p2p

In der Wendeschleife im südlichen Plattenbauviertel herrscht reger Betrieb. Interessant finde ich, dass die Obusse mit Hilfsakku offenbar während der Wendezeit nicht eindrahten (siehe hinten rechts).
https://flic.kr/p/2gH7Ag4

Weiter geht’s in die Wendeschleife Nový Hradec Králové, von der stündlich ebenfalls mit Hilfsantrieb bis Kluky Planetarium weitergefahren wird.
https://flic.kr/p/2gH7Acr

Sprung zum Hbf, wo uns 17 begegnet. Man beachte die aufwendige Oberleitungskonstruktion mit Umfahrmöglichkeiten.
https://flic.kr/p/2gH7zV9

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2019, 15:48
64 und 66 ebendort – die schwarze Vollwerbung ist bei diesen Temperaturen einfach nur grausam.
https://flic.kr/p/2gH7A4q

Eine Besonderheit sind die Š-Linien, welche nur 1x täglich vor Schulbeginn oder nach Schulschluss verkehren. Im Fahrplan sind sie mit der Anmerkung "Hauptsächlich für Schüler und ihre Begleitpersonen (z.B. Eltern)“ versehen.
https://flic.kr/p/2gH7W9v

Nun einen Blick ans westliche Ende der Linie 3 im dörflichen Placice, das außerhalb der HVZ nur alle 45 min. angefahren wird.
https://flic.kr/p/2gH8kgU

Ist das noch eine abknickende Vorfahrtstraße oder schon ein chinesisches Schriftzeichen? tongue.gif
https://flic.kr/p/2gH7DVJ

Werfen wir noch einen Blick in die Innenstadt.

Skyline am Großen Platz
https://flic.kr/p/2gH7uB3

Der „Große Platz“ müsste eigentlich „Großer Parkplatz“ heißen.
https://flic.kr/p/2gHdZen

Gartendeko
https://flic.kr/p/2gH7EKz

Brunnen der südlichen Terrasse
https://flic.kr/p/2gH8pL5

Gocárovo schodište
https://flic.kr/p/2gH8pjy

Die Stadt ist weitgehend flach – nur die Altstadt liegt auf einem kleinen Hügel.
https://flic.kr/p/2gH7DHz

Geschrieben von: Entenfang am 26 Jul 2019, 15:49

Und noch einen Blick westlich der Altstadt auf den obligatorischen Masarykovo námestí
https://flic.kr/p/2gH7DBH


Auszug aus dem Glossar
Z technických duvodu zavreno: Wörtliche Übersetzung „Aus technischen Gründen geschlossen“. Während der Sommerferien sehr häufig aufzufindender Schriftzug auf Zetteln, die an Eingangstüren zu Geschäften jeder Art hängen. Bedeutung: Wegen Urlaub geschlossen.

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 27 Jul 2019, 12:11
Danke für den Bilderbogen! smile.gif Auch wenn ich für mich Hradec Kralove als eine der weniger interessanten tschechischen Städte in Erinnerung habe, ähnlich wie das benachbarte und etwa gleich große Pardubice. Auch dass einige Betriebe mittlerweile komplett auf moderne Niederflur-Fahrzeuge umgestellt sind, lässt den Flair früherer Tschechien-Reisen leider immer mehr verloren gehen sad.gif

Wahnsinn finde ich auch, wie durchsaniert das Land mittlerweile ist, selbst in abgelegenen und relativ unbekannten Provinzstädten wie Hradec Kralove ohne jegliche touristische Bedeutung. Auf Deinen Fotos fällt es wieder besondes auf: überall top sanierte Fassaden sowohl bei Altbauten wie auch Plattenbauten; alles sauber, nirgend achtlos umhergeworfener Müll im öffentlichen Raum; Straßen, Plätze, Gehwege und Treppen im besten Zustand mit barrierefreien Querungen und Abmarkierungen für Radler, durchgehend nagelneue Fahrzeuge im ÖPNV, keine Graffiti- oder Vandalismusschäden an Hausfassaden und ÖPNV-Haltestellen, mittlerweile ein ganz ganz extremer Kontrast zu den meisten Städten in Deutschland und insbesondere auch zu vielen Teilen Münchens! Hast Du als Tschechien-Erfahrener eine Idee, woran das liegen könnte?

Geschrieben von: 146225 am 27 Jul 2019, 15:09
QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 27 Jul 2019, 12:11)
Wahnsinn finde ich auch, wie durchsaniert das Land mittlerweile ist [...] Auf Deinen Fotos fällt es wieder besondes auf: überall top sanierte Fassaden sowohl bei Altbauten wie auch Plattenbauten; alles sauber, nirgend achtlos umhergeworfener Müll im öffentlichen Raum; Straßen, Plätze, Gehwege und Treppen im besten Zustand mit barrierefreien Querungen und Abmarkierungen für Radler, durchgehend nagelneue Fahrzeuge im ÖPNV, keine Graffiti- oder Vandalismusschäden an Hausfassaden und ÖPNV-Haltestellen [...] eine Idee, woran das liegen könnte?

Wahrscheinlich eine Konzentration auf das Wesentliche statt ausufernder "Gestaltungssatzungen", wo im Zweifelsfall monatelang heftigste Grabenkämpfe um jeden Parkplatz stattfinden. Achtsamkeit für- und miteinander. Und keine Verwechslung von "Flair" mit ranzig und gammlig, eine Erscheinung, die gerade bei Bahnfreaks immer wieder auffällt.

Geschrieben von: Rohrbacher am 27 Jul 2019, 15:41
QUOTE (146225 @ 27 Jul 2019, 16:09)
Und keine Verwechslung von "Flair" mit ranzig und gammlig, eine Erscheinung, die gerade bei Bahnfreaks immer wieder auffällt.

Ja, auch hier im Forum laufen fanatische Befürworter des Rückbaus und Investitionsstaus rum. Entsetzlich. Schöne Grüße.

QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 27 Jul 2019, 13:11)
woran das liegen könnte?

Ich würde andersrum fragen: Warum müllt unser Konsumschnöseltum die Städte eigentlich so zu? Kein EU-Land hinterlässt so viel Verpackungsmüll wie Deutschland. Vor 20 Jahren war München ja auch noch nicht ganzjährig mit Kaffeebechern und anderem To-Go-Müll zugemüllt. Ansonsten könnten die Fotos auch in Magdeburg, Görlitz oder Ingolstadt entstanden sein, denn das mit den Fassaden ist vielleicht einfach eine Frage der Subventionen. Da haben wir in Deutschland genug vergleichbare Beispiele, nicht nur in der ehemaligen DDR, auch im einst armen Bauernstaat Bayern. Wenn man sich Fotos von Städten wie Erding oder Aichach vor 30 Jahren anschaut, dann ist da durchaus auch was passiert.

Geschrieben von: Entenfang am 27 Jul 2019, 22:46
QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 27 Jul 2019, 12:11)
Auch dass einige Betriebe mittlerweile komplett auf moderne Niederflur-Fahrzeuge umgestellt sind, lässt den Flair früherer Tschechien-Reisen leider immer mehr verloren gehen  sad.gif

Aus Freaksicht ist das natürlich weniger erfreulich, aber die Modernisierung des ÖV schreitet in Riesenschritten voran.

QUOTE
Wahnsinn finde ich auch, wie durchsaniert das Land mittlerweile ist, selbst in abgelegenen und relativ unbekannten Provinzstädten wie Hradec Kralove ohne jegliche touristische Bedeutung.

Naja, Hradec Králové ist immerhin Landeshauptstadt und hat eine ziemlich große Uni, die - wie ich gehört habe - bei Deutschen, die Medizin studieren wollen, recht beliebt ist.

QUOTE
Auf Deinen Fotos fällt es wieder besondes auf: überall top sanierte Fassaden sowohl bei Altbauten wie auch Plattenbauten; alles sauber, nirgend achtlos umhergeworfener Müll im öffentlichen Raum; Straßen, Plätze, Gehwege und Treppen im besten Zustand mit barrierefreien Querungen und Abmarkierungen für Radler, durchgehend nagelneue Fahrzeuge im ÖPNV, keine Graffiti- oder Vandalismusschäden an Hausfassaden und ÖPNV-Haltestellen, mittlerweile ein ganz ganz extremer Kontrast zu den meisten Städten in Deutschland und insbesondere auch zu vielen Teilen Münchens! Hast Du als Tschechien-Erfahrener eine Idee, woran das liegen könnte?

1. Idee - selektive Bildauswahl. Die top herausgeputzten Fassaden und perfekten Fußwege gibt es vor allem in der Altstadt und dafür gibt es sicher EU-Gelder. Weiter außerhalb gibt es ein völlig anderes Bild. Wenn meine Kamera nicht gerade in Reparatur wäre, könnte ich noch ein paar Beweisfotos liefern und allein der Blick aus meinem Fenster in den Hinterhof spricht da eine völlig andere Sprache. Reiche ich noch nach.
Und Radfahrstreifen gibt es in dieser Stadt vermutlich mehr als in Prag (immerhin positiv) und leider auch noch extrem bescheuerte Radwege auf dem Fußweg, die an jeder kleinen Kreuzung mit einem Vorfahrt Gewähren versehen sind.
2. Idee - Graffiti ist ein sehr lokales Phänomen. In Berlin gibt es ja auch viel mehr davon als in München und in manchen Regionen Deutschlands sieht man fast gar keins. In Prag sieht man fast keine S-Bahn ohne Graffiti. Auch in der Altstadt in Hradec gibt es welches, man muss nur die engen Gassen, die nicht so gut unter Beobachtung stehen, aufsuchen. Und ich kann dich beruhigen, dass die Gassen sowie diverse Hausdurchgänge und Grünflächen genauso nach Pisse stinken wie in Deutschland auch. wink.gif
3. Idee - ich denke, Rohrbacher trifft hier schon einen Punkt: Gefühlt gibt es in Tschechien weniger To-Go, was halt in Deutschland durch den unterschiedlichen Mehrwertsteuersatz sogar noch gefördert wird, während der Preis in Tschechien (meistens) derselbe ist, unabhängig davon, ob man die Sachen vor Ort oder zum Mitnehmen bestellt.
Dazu kommt noch, dass gerade in Prag einfach häufiger gereinigt wird. Dort sind ständig Putztrupps unterwegs, um die Straßen sauber zu halten. Das sollte man in Deutschland auch machen, dann würde es nicht so schmutzig aussehen.


Tag 4

Eine erste Erkundung entlang der Bahnstrecke nach Pardubice erweist sich als sehr motivreich.
https://flic.kr/p/2gHPEv9
Der stündliche elektrische Os und Sp-Verkehr zwischen Pardubice und Jaromer ist fest in der Hand der Regiopanter - 441 010 verlässt Hradec Králové hl.n.

https://flic.kr/p/2gHPE5j
Grabstein

Die Strecke wird traurigerweise von zahlreichen Kreuzen gesäumt, wie man sie bei uns vor allem von kurvigen Landstraßen auf beliebten Motorradrouten kennt. Das allzu unvorsichtige Gleislatschen fordert in diesem Land seinen Tribut.

https://flic.kr/p/2gHPDGf
Ein Regiopanter am Stadtrand von Hradec Králové

https://flic.kr/p/2gHPDm5
441 009 passiert ein Feld

https://flic.kr/p/2gHPCEL
Den Charme eines unmodernisierten Bahnhofs versprüht Opatovice-Pohrebacka. Die R "Jested" der Relation Pardubice - Turnov werden mit 843 gefahren.

Von diesem Bahnhof ist es nicht weit bis zum Badesee, der, wie es sich in Tschechien gehört, mit einem großen FKK-Bereich ausgewiesen ist. Daher war ich beim Knipsen etwas vorsichtiger...
https://flic.kr/p/2gHPC4k

Wieder zurück in der Stadt - das kleine Wasserkraftwerk Hucák an der Elbe
https://flic.kr/p/2gHQksi

Auszug aus dem Glossar

Landesgrenze:
Unüberwindbares Hindernis für durchgehende Zugverbindungen im Regionalverkehr.

Geschrieben von: Entenfang am 29 Jul 2019, 17:08
Tag 5

Die neue Wohnung kaum fertig eingerichtet, juckt es mich schon in den Fingern, mal wieder eine Bahnrundfahrt zu unternehmen. Los geht’s.

Stillleben am Bahnsteig - kein Trinkwasser!
https://flic.kr/p/2gJT51e

https://flic.kr/p/2gJT4sq
Bye, bye, Brotbüchse - SPNV im Umbruch. Im Dezember 2019 läuft ein großer Verkehrsvertrag mit der CD aus und z.B. das E-Netz Ùstí n.L. wird durch Regiojet übernommen.

Hradec Králové hl.n.......Sp 1843.......ab 9:37

Pardubice-Rosice n.L.........................an 9:49
....................................Os 5313.......ab 10:00

Hlinsko v Cechách............................an 10:56
....................................Os 5581......ab 11:02

Havlíckuv Brod.................................an 11:48
....................................R 979..........ab 12:02

Žd’ar nad Sázavou............................an 12:27

Der Zug nach Hlinsko kommt aus Pardubice hl.n. und muss in Rosice n.L. Richtungswechsel machen - Ein weiteres Beispiel kurioser Streckenausrichtungen, die nicht mehr den heutigen Verkehrsbedürfnissen entsprechen (in Tschechien sind viele Strecken auf das Zentrum ihrer Bauzeit ausgelegt – also Wien.)
https://flic.kr/p/2gJSjnX
Zwischen Museum und Regelbetrieb

Und der Regionova ist ziemlich voll. Ich bekomme zwar noch einen Sitzplatz, aber einige müssen stehen. Es ist schon unangenehm heiß im Fahrzeug, obwohl die Außentemperatur noch einigermaßen erträglich ist.

Mit überwiegend 80 km/h – für tschechische Nebenbahnen schon ziemlich schnell – rollen wir vorbei an Sonnenblumenfeldern in voller Blüte sowie Mais und Weizen. Allmählich geht die brettflache Tiefebene wieder in die tschechientypische Hügellandschaft über. Holzspäne werden mit einem riesigen Bagger verladen und ein Arbeiter fegt die Späne vom Rand der Waggons.

Glücklicherweise leert sich der Zug schon bald etwas, sodass mehr Luft zum atmen bleibt. Pünktlich wird Hlinsko erreicht und schon bald rollt auch der Anschlusszug ein.
https://flic.kr/p/2gJT3mC

https://flic.kr/p/2gJT28W

Es gibt eine kurze Übergangszeit und nach wenigen Minuten Wendezeit treten beide Züge mit ähnlicher Gefäßgröße wieder die Rückfahrt an. Und warum kann man dann nicht einfach durchfahren?
Ahhh, sagt es doch gleich, dass hier die Grenze zwischen zwei Bundesländern ist…

Um den Ärger über das moderne Klump noch zu steigern, sind fast alle Fahrzeuge mit Vollwerbung beklebt, sodass man kaum nach draußen sieht. Zumindest sind sie klimatisiert, was heute nicht unbedingt von Nachteil ist.

Ebenfalls pünktlich komme ich in Havlíckuv Brod an, einem spannenden und großen Bahnhof mit sehr buntem Fahrzeugpark.
https://flic.kr/p/2gJSZYG

https://flic.kr/p/2gJSewK

https://flic.kr/p/2gJSWL4

Ein Mann läuft über einen Dienstweg über die Gleise, obwohl ein stehender Zug die Sicht verdeckt und eine Einfahrt angekündigt ist.

Der R aus Prag kommt eingefahren und alle wartenden Fahrgäste werden am Bahnsteig weiter nach vorne gescheucht. Das Zuglaufschild in den letzten drei Wagen verkündet, dass diese hier enden. Zügig werden diese abgekuppelt – planmäßig sind dafür 5 min. vorgesehen. Dann rollt der Zug an und die klotzgebremsten Interregiowagen verursachen bald einen Höllenlärm.
https://flic.kr/p/2gJScgY

Warum die drei Wagen abgehängt wurden, klärt sich bereits am nächsten Halt in Pribyslav. Dort passt nämlich der verkürzte Zug gerade an den Bahnsteig. Die Geschwindigkeit schwankt mehrmals zwischen 90 und 120 km/h und konsequenterweise endet auch stets die Zugbeeinflussung, wenn die Höchstgeschwindigkeit nur noch 100 km/h beträgt (vorgeschrieben ist sie in Tschechien nur bei mehr als 100 km/h). Das stelle ich mir für den Tf ziemlich anstrengend vor.

Ebenfalls pünktlich erreiche ich schon bald Žd’ar nad Sázavou.
https://flic.kr/p/2gJSbsy

Geschrieben von: Entenfang am 29 Jul 2019, 17:09
Laut dem Flyer, den ich beim Einzug erhalten habe, ist der Ort eine der wenigen Top-Sehenswürdigkeiten Tschechiens, die ich noch nicht kenne. Doch zunächst muss ich erstmal mit dem Bus fahren, denn schon das Zentrum ist über 1 km vom Bahnhof entfernt.
https://flic.kr/p/2gJSUq2
Vorbildlich befinden sich hier Bahnhof und Busbahnhof direkt nebeneinander.


https://flic.kr/p/2gJSSkR
Nam. Republiky

Nach einer kleinen Stärkung fahre ich mit dem nächsten Bus weiter bis zum Stadtrand, wo das Schloss...
https://flic.kr/p/2gJSRJL

https://flic.kr/p/2gJS5YH

...mit Klosterkirche...
https://flic.kr/p/2gJSR7J

...und die Kirche des heiligen Nepomuk auf dem grünen Hügel steht. Letztere ist leider gerade in der Renovierung und ich setze mich statt einer umfangreichen Besichtigung lieber unter eine mächtige Buche und genieße den angenehmen Wind.
https://flic.kr/p/2gJSQft
Das Besondere ist die Sternform, die man aber nur aus https://img.blesk.cz/img/1/full/3081439-img-santini-zelena-hora-architektura-kostel-pamatky-zdar-nad-sazavou-v1.jpg?v=1 wirklich gut erkennt.

Eine Viertelstunde später muss ich bereits den Rückweg zur Bushaltestelle antreten – wie kurz doch drei Stunden Aufenthalt sind…
Während ich mich der Haltestelle nähere, sausen ein paar Autos vorbei. Ein LKW. Ein Bus. Ein Bus? Mein Bus!!! Ich sprinte die letzten 100 m. Grummelbrummel, 2 Minuten zu früh dran…
Die Mittagshitze hat sich im Bus gestaut und macht die Fahrt durch die Seitenstraßen unangenehm lange.

Mir bleibt noch Zeit, um das Treiben in der Wartehalle zu dokumentieren. Die bunte Popcornmaschine verbreitet einen verführerischen Duft, Kinder bestaunen den Getränkeautomaten und aus der Bahnhofskneipe dudelt Popmusik.
https://flic.kr/p/2gJS5ur

Dudadi! Rychlík cislo 980 Vysocina linky R9 spolecnosti Ceské drahy ze smeru Brno Královo Pole a Križanov pravidelný prijezd v 15:30 prijede k nastupište cislo 2 kolej 2. Vlak dále pokracuje smer Havlíckuv Brod, Praha hl.n. a Praha-Smíchov, pravidelný odjezd 15:32. Didadu.

https://flic.kr/p/2gJSNrP

Žd’ar nad Sázavou.......Os 4605......ab 15:34

Dolní Loucky...................................an 16:22

...................................Os 4913......ab 17:22

Brno-Královo Pole...........................an 17:50

Aber Entenfang, warum baust du eine Stunde Aufenthalt an einem Wald- und Wiesen-Hp ein?
Der Grund ist eine hervorragende Fotostelle auf ein Viadukt, die zudem nur wenige Minuten vom Haltepunkt entfernt liegt. Während meines Aufenthalts kommen planmäßig ein Personenzug und ein Schnellzug durch. Oh, was rumpelt denn da so plötzlich? Einen Güterzug bekomme ich auch noch und alle drei Züge trotz der Wolkenlotterie im Licht – da kann man nicht meckern.

https://flic.kr/p/2gJS1Mg

https://flic.kr/p/2gJRZCH

Geschrieben von: Entenfang am 29 Jul 2019, 17:09
https://flic.kr/p/2gJRXfm

Wer von Prag nach Brno will und es nicht so eilig hat, dem kann ich diese Route nur empfehlen - sie ist landschaftlich deutlich spannender als die Hauptroute via Pardubice und Ceská Trebová.

Nur die Fahrt in den nur mit Klappfenster ausgestatteten Wagen ist nicht so angenehm. Zudem kann man die anrollende Hitzewelle deutlich spüren, denn über den Tag wird es ständig wärmer.
https://flic.kr/p/2gJSKWy

Es ist wenig los, niemand außer mir steigt im Wald aus, allerdings eine Familie in den nächsten Zug ein.
https://flic.kr/p/2gJSCJY

Momentan wird der Bahnknoten Brno komplett umgebaut, sodass eine Durchfahrt durch den Hbf nicht möglich ist.
https://flic.kr/p/2gJSMom
Daher fährt u. A. mein Os zum Dolní nádraží (unterer Bf), welcher etwa 15 min. Fußweg vom Hbf entfernt ist und keine besonders gute ÖPNV-Anbindung besitzt. Mein Aufenthalt in Brno soll zum Aufsuchen zweier Geschäfte genutzt werden, die sich in der Innenstadt befinden. Für mich ist diese Umleitung daher äußerst ungünstig. Also steige ich bereits am Královo pole aus und fahre von dort mit der Straßenbahn weiter in die Innenstadt. Hätte ich den Umleitungsplan genau angeschaut, hätte ich auf den Kauf einer Fahrkarte für die Straßenbahn verzichten können. Während der Sperrung des Hbf gelten nämlich CD-Fahrkarten im Stadtverkehr zwischen den Bahnhöfen. Die Tramlinie 6 wird dafür extra durch die Linie P6 zwischen Královo pole und Hbf verstärkt.


Gut 45 Minuten später stehe ich mit gut gefülltem Rucksack am Hbf und kaufe fix in der App eine Fahrkarte für den Zug, der in 10 Minuten abfährt. Ob ich wohl für 6 Kronen weniger eine Zugbindung akzeptiere? Ich denke, ja. Da die Reservierung bei innertschechischen Fahrten ohnehin kostenlos ist, nehme ich die auch gleich mit.
Der Hbf in Brno wird derzeit stark von Pantern dominiert. Mein Platz ist im Zug als Express-Reservierungsbereich ausgeschildert.

Brno hl.n.................R 860..........ab 18:53

Chocen......................................an 20:35
..............................Os 5118......ab 21:02

Týnište n. Orlicí...........................an 21:29
..............................Os 20216.....ab 21:32

Hradec Králové hl.n......................an 21:57

Auch hier habe ich nochmal einen kleinen Abstecher eingebaut. Statt bis Pardubice im Zug zu bleiben und dort nach Hradec Králové umzusteigen, verlasse ich den Interpanter bereits in Chocen.
Langsam wird es Abend.
https://flic.kr/p/2gJRSu4

"Hey, kannst du mal schauen, ob die Bremsen in Ordnung sind?"
https://flic.kr/p/2gJSA5e

https://flic.kr/p/2gJRR4y
Mit einem Bierchen lässt sich die Wartezeit verkürzen...

Rumpelnd fährt der Regionova durch den Sommerabend. Der Duft der satten Weiden zieht durch das Fenster. Auch eine Frau steht am Fenster und genießt die Fahrt auf diese Weise.
https://flic.kr/p/2gJSyEF

Schon bald ist Týnište erreicht und dort findet ein hervorragender Knoten statt. Mit 3 Minuten Übergangszeit kann hier in zwei weitere Züge umgestiegen werden. Ich bin nicht unglücklich darüber, dass der Ex-ODEG RS nicht meiner ist, sondern die Brotbüchse.
https://flic.kr/p/2gJRPhC

https://flic.kr/p/2gJRN1E
Bei der Ausfahrt gibt es eine 1A-Parallelfahrt mit dem Regionova nach Náchod, die erst nach etwa 3 Minuten endet, als dieser über eine Brücke die Trasse nach Hradec Králové überquert.

Pünktlich endet der Tagesausflug am Ausgangspunkt, 383 km in 7h 9 min sind geschafft. Mit 100% pünktlichen Zügen und einem gerade passend ankommenden Bus hätte es heute kaum besser laufen können. Ein sauberer Einstieg!


Notizen aus dem Alltag - Tag 9
Im Kaufland steht ein Mann hinter mir an der Kasse. Auf dem Kassenband hat er fünf zugeknotete Plastiktüten voller Rohlík gelegt und sagt dem Kassierer, das wären 100 Stück. Dazu kommen noch vier riesige Brote und drei Großpackungen Burgerbrot. Sonst hat er nichts dabei – na Mahlzeit. Selbst mit seinen mindestens 150 kg wird er die wohl kaum alleine essen und Rohlík sind nach einem Tag ungenießbar trocken. Seine Tochter, etwa 12, ist dagegen gertenschlank und mit einem so kurzen Minirock bekleidet, wie ihn nur Tschechinnen tragen können.

Auszug aus dem Glossar
Staatsgrenze: Nahezu unüberwindbares Hindernis für öffentliche Verkehrsmittel aller Art.

Geschrieben von: Entenfang am 4 Aug 2019, 22:11
Bild des Tages
Cerná hora
https://flic.kr/p/2gQ1po8
Wie der Schwarze Berg zu seinem Namen kommt, ist auf dem Bild deutlich zu erkennen.


Notizen aus dem Alltag - Tag 12
Die automatische Drehtür zur Shopping Mall ist ein Wunderwerk der Technik. Wenn jemand zu knapp vor der anrückenden Glaswand reinspringt, bleibt sie ruckartig stehen. Dies passiert auch heute. Nun hält die Tür also einen Moment an und währenddessen kommen weitere Leute dazu, die eintreten. Folglich stoppt die Tür beim Wiederanlaufen gleich wieder. Noch mehr Leute kommen, dieses Mal von drinnen. Mit demselben Ergebnis – nach 10 cm steht die Tür wieder. Noch mehr drängen von draußen rein. Der Bereich ist inzwischen gut gefüllt, sodass beim Wiederanlaufen jemand im Sperrbereich steht und die Tür wieder anhält. Allmählich sind die Leute genervt und wollen die Tür gewaltsam anschieben. Doch irgendwann klappt es und ein Schwall Menschen ergießt sich sowohl in als auch aus der Mall.

Auszug aus dem Glossar
Vollwerbung: Willkommene Einnahmequelle für Verkehrsunternehmen, denen Autohäuser als Kunden wichtiger sind als Fahrgäste.

Geschrieben von: Entenfang am 14 Aug 2019, 22:44
Bild des Tages
Mit der Brotbüchse durch den Spätsommer
https://flic.kr/p/2gXgadT

Ja, ich weiß, die Qualität ist grauenvoll. Aber kann mir mal jemand erklären, warum die Diagnose eines Defekts an meiner "richtigen" Kamera mehr als 2 Wochen braucht? dry.gif

Geschrieben von: Entenfang am 16 Aug 2019, 21:55
Bild des Tages
https://flic.kr/p/2gYybMu

Sächsische Schweiz? Nein, Ceský ráj (dt.: Böhmisches Paradies)

Geschrieben von: Iarn am 17 Aug 2019, 13:43
Blöde Frage, aber ist die Flagge im letzten Bild per Photoshop rein retouchiert worden? Die sieht so unnatürlich aus.

Geschrieben von: Entenfang am 17 Aug 2019, 23:33
QUOTE (Iarn @ 17 Aug 2019, 13:43)
Blöde Frage, aber ist die Flagge im letzten Bild per Photoshop rein retouchiert worden? Die sieht so unnatürlich aus.

Nein, die steht wirklich da. Bisschen Nationalstolz muss sein! laugh.gif

Geschrieben von: Entenfang am 24 Aug 2019, 21:22
Bild des Tages
Mit dem Regionova ins Sandsteingebirge

Extra früh bin ich aufgestanden, um dieses Motiv passend im Licht zu bekommen. Beim 2h-Takt war klar, dass ich genau eine Chance habe. Ständig tauchen Wanderer in bunter Funktionskleidung auf und die Sonne verschwindet auch ab und an für eine Weile hinter den sehr fotogenen Wolken. Doch am Ende passt alles - die Sonne strahlt und bis zum Horizont ist keine Zulatschgefahr zu sehen...
https://flic.kr/p/2h4NwtQ

Beschwingt kann ich meine Wanderung durch die Adrspasské skály beginnen - das Sandsteingebirge hat starke Ähnlichkeiten zur sächsischen Schweiz.

Geschrieben von: Entenfang am 27 Aug 2019, 20:25
Damit niemand meint, in Hradec Králové gibt es nur top sanierte Ecken...
https://flic.kr/p/2h6qn1J

In der Mährischen Vorstadt gibt es einige ziemlich unheimliche Angsträume vor, zwischen und unter Plattenbauten.

Geschrieben von: Entenfang am 12 Sep 2019, 23:01
Bilder des Abends
Ziel der spontanen Abendfahrradtour war das Schloss Hrádek, welches sich im schönsten Abendrot zeigt
https://flic.kr/p/2heAmDE

Die Rückfahrt findet im Mondenschein statt - Grüße an die Rehe und sorry für die Störung. wink.gif
https://flic.kr/p/2hexLuN

Geschrieben von: Entenfang am 13 Sep 2019, 21:14
Bild des Tages:
Reisendensicherung

https://flic.kr/p/2heZiwg

......kann in Tschechien auf unterschiedliche Weise erfolgen. Üblicherweise erfolgt zuerst die Einfahrt auf das Gleis, welches dem Empfangsgebäude am nächsten ist und anschließend auf die weiteren Gleise der Reihe nach. Manchmal ist das auf betrieblichen Gründen nicht möglich oder sinnvoll, sodass dann vom Fdl meistens H-Tafeln aufgestellt werden. Oder es wird - wie hier - einfach eine rote Fahne geschwungen.

Geschrieben von: Entenfang am 15 Sep 2019, 23:22
Tag 58 Regionalní den ¸eleznice - Ceská Trebová

Im September gibt es an verschiedenen Standorten Tag der offenen Tür in Betriebswerken. Wie es sich gehört, werden auch Sonderfahrten angeboten. Heute hatte der historische Triebwagen ´abotlam Ausfahrt, unter anderem als Premiere auf der 2008 elektrifizierten Strecke Ùsti nad Orlicí - Lichkov. Für sämtliche Fahrten gilt übrigens der CD-Tarif mit 40 Kronen Zuschlag.

Ich fahre aus Hradec über Pardubice nach Ùstí, um dort die Rückkehr des Triebwagens zu erwarten und einzusteigen. Außer mir warten noch ein paar Fuzzis auf den Zug. Auch zwei Jungs, etwa 13 Jahre alt, sind eifrig dabei.
https://flic.kr/p/2hfW3uU

Aufgrund der eingleisigen Strecke hat der Zug die üblichen +15 und kommt gut gefüllt an.
https://flic.kr/p/2hfW3n9

Ich finde trotzdem einen freien Vierer und genieße die Fahrt - die meisten anderen offenbar auch.
https://flic.kr/p/2hfYE2q

In Ceská Trebová stehen natürlich wieder alle zum Fotografieren und Filmen im Gleis.
https://flic.kr/p/2hfXHHE

Der Zug wird abgefertigt und rollt unter den Augen eines Aufsehers an. Doch nicht weit, denn der pfeift zweimal und schwingt Kreissignal. Mit einem Rucken kommen wir zum Stehen. Ein Fuzzi ist ausgestiegen und hat die Abfahrt verpasst. Nachdem die Türen nochmal geöffnet wurden und er wieder drin ist, geht es weiter nach Svitavy. Dabei wird der Lokfriedhofdas Depot Ceská Trebova passiert - ich muss mal eine Hitparade der besten Fotostandpunkte beginnen, die ich in Tschechien gesehen habe:
https://flic.kr/p/2hfXHws

https://flic.kr/p/2hfYDpd

In Svitavy wird etwa 20 Minuten pausiert, ehe die Rückfahrt angetreten wird. Es ist das übliche Bild bei Sonderfahrten - einige Freaks wollen ein möglichst menschenfreies Bild aus 10 Meter Entfernung schießen und 20 andere Leute stehen 2 m vor dem Triebwagen, um Handyfotos zu machen oder ihren Familienausflug zu verewigen.
https://flic.kr/p/2hfW2qe

Doch die tschechischen Fotografen sind ungeduldig und sorgen bald für freie Fotolinie.
https://flic.kr/p/2hfW2eT

Der Fdl versucht mit mehreren Ansagen vor der nahenden Einfahrt eines Zuges zu warnen und die Fuzzis vom Herumspringen im Gleisbett abzuhalten.

https://flic.kr/p/2hfXGNJ
Stillleben mit Bahnsteigdach

Für die Rückfahrt nach Ceská Trebová hat man sich ein Highlight ausgedacht - eine kilometerlange Parallelfahrt mit dem planmäßigen Schnellzug nach Prag. Nachdem der Nullknoten wie aus dem Bilderbuch abgehalten ist, erhalten wir gleichzeitig mit dem R Ausfahrt.
https://flic.kr/p/2hfYCHD

Geschrieben von: Entenfang am 15 Sep 2019, 23:22
Sowohl für die Fahrgäste des R als auch des historischen Zuges ist es ein Heidenspaß und die Insassen beider Züge winken sich durch die Fenster zu.
https://flic.kr/p/2hfWbRt

Der Tf des Interpanters hat vermutlich auch seine Freude, zieht ein bisschen vor, lässt sich dann wieder zurückfallen und holt wieder auf. Nach über 10 Minuten erhält der historische Zug Halt erwarten und der R verschwindet endgültig aus dem Blickfeld.
https://flic.kr/p/2hfXSjxr

Für die Festbesucher, die nicht vom Bahnhof knapp 2 km durch Gleisanlagen latschen wollen, gibt es einen kostenlosen Shuttleservice mit einem Regionova.
https://flic.kr/p/2hfYKPc

Einige Fahrten werden als besondere Rundfahrt über das Containerterminal von Metrans angeboten. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Dafür muss erstmal im Sägezahnverfahren hin und her rangiert werden und der Tf läuft vor und zurück.
https://flic.kr/p/2hfXPvm

https://flic.kr/p/2hfYN5e
Auf dem Gelände sind zahlreiche ausrangierte und ausgeschlachtete Fahrzeuge abgestellt, die von einigen Jungs gerne erkundet werden. Für Lost-Places-Liebhaber sehr empfehlenswert!
Am Bahnsteig vor dem Betriebswerk läuft Rasputin, was über die Werkslautsprecher ein bisschen komisch und blechern klingt.

https://flic.kr/p/2hfXRRo

https://flic.kr/p/2hfYMx7

https://flic.kr/p/2hfXRkd

https://flic.kr/p/2hfXR7T

https://flic.kr/p/2hfXQWN

Geschrieben von: Entenfang am 15 Sep 2019, 23:24
https://flic.kr/p/2hfXQLc

https://flic.kr/p/2hfXQAn

Zabotlam durchquert den Lokfriedhof das Depot
https://flic.kr/p/2hfYLi8

Im Betriebswerk gibt es eine hübsche Auswahl von Fahrzeugen rund um die Drehscheibe zu bewundern und die meisten sind auch zugänglich.
https://flic.kr/p/2hfXPWr

Knödelpresse für Reisezüge und Gleichstrom
https://flic.kr/p/2hfXPf6

https://flic.kr/p/2hfYJHz

Die Knödelpresse von CD Cargo ist aufgebügelt. Eine Mutter ist mit ihrer dreijährigen Tochter im Führerstand. Das Mädchen findet großen Gefallen daran, die Pfeife zu betätigen und drückt immer wieder. Die Mutter kann sie nicht überzeugen, aufzuhören. Das Gepfeife geht ein paar Minuten, dann kommt ein Angestellter, und bittet darum, aufzuhören, weil es langsam nerven würde.
Ich nehme auf dem Sitz platz und frage sicherheitshalber nach, ob ich die Hebel anfassen darf. "Jaja, du kannst", meint der Tf. Der Regler für die HLL steht bei 3,5 bar, sodass ich wohl nicht allzu weit kommen würde, selbst wenn ich wollte.
https://flic.kr/p/2hfYJdm


https://flic.kr/p/2hfXNsK
Führerstand 742 196

Für die Schwere-Diesel-Quote
https://flic.kr/p/2hfYHY3
Führerstand T679 1529

https://flic.kr/p/2hfYHFQ
Auf dieser Rangierlok darf man mitfahren und als die kleine Gruppe Interessierter drin ist, übernimmt ein 14-Jähriger unter den fachkundigen Anweisungen des Tf das Steuer. Er scheint schon ziemlich gut zu wissen, wie man mit dem Beschleunigungshebel und der Bremse umgeht. Die 300 m Rangierfahrt vor und zurück absolviert er souverän. Ob ich auch mal darf? Aber sicher!
Ja, so eine einzelne Lok hat ganz schön viel Power, uiuiui, da ist man schnell bei 20... Das Aus-dem-Weg-Pfeifen von Fuzzis hat ein anderer Junge übernommen, während ich versuche, die Lok am anderen Ende des Gleises möglichst sanft anzuhalten, was mir absolut nicht gelingt. Ich ziehe den Hebel sanft zu mir und nichts passiert. "Mehr, mehr", meint der Tf. Dann stehen wir unsanft nach 5 Metern.
Richtungsschalter umlegen und wieder zurück. Pfeifen nicht vergessen und loooos geht's! Und jetzt kommt die schwierigste Aufgabe. Um das Ein- und Aussteigen zu erleichtern, wurde eine 1 m breite Treppe aufgestellt. Die sollte ich wieder treffen. Nun ja, das Ergebnis bleibt dasselbe. Ich bremse erst zu schwach und stehe dann - immerhin nicht ganz so unsanft - aber immer noch zu früh. Ich muss zugeben, der Junge vor mir hat sich deutlich besser angestellt.

Es sind auch moderne Fahrzeuge ausgestellt, z.B. ein Regioshark, welcher schon die ganze Zeit vor sich hinbrummt. Ich wittere die Gelegenheit, mal ein bisschen in den Führerstand zu schauen und steige ein. Die Tür ist offen, jemand schaut sich um. Ich nehme nach ihm Platz, alles ist aufgerüstet. Oh. Hier ist die HLL nicht bei 3,5 bar, sondern bei 5 und irgendwie sieht das alles so abfahrtbereit aus. Ich lasse lieber die Finger von jeglichen Knöpfen und Hebeln.

Geschrieben von: Entenfang am 15 Sep 2019, 23:25
Keine Minute später kommt ein Mann zielstrebig in den Führerstand. Ich vermute, er führt jetzt vielleicht irgendwas vor, z.B. ZZA einstellen, wie ich es zuvor beobachtet habe. Er nimmt Platz, schließt die Türen, pfeift und fährt ohne Ankündigung los.
https://flic.kr/p/2hfYHq4

Wow, sogar eine Demonstrationsfahrt. Hmm, ganz schön lange Demonstrationsfahrt. Er nimmt das Telefon in die Hand und von der Antwort des Fdl verstehe ich nur irgendwas von Pardubice. Er gibt eine Zugnummer in den Bordcomputer ein. Ein paar Leute gucken neugierig über die Schulter und filmen, während wir durch den Bahnhof zuckeln. Wenig später stehen wir in Ceská Trebová am Bahnsteig. Es sieht nicht danach aus, dass hier Schluss wäre und ich frage nach, während alle anderen aussteigen. Ja, der Zug würde jetzt nach Pardubice fahren. Der Mann, welcher vor mir im Führerstand saß, kommt zurück und verkündet, dass das Fahrzeug jetzt leer wäre. Ich wittere eine Chance. Darf ich vielleicht hierbleiben und mitfahren?

Ich darf. Die Fdl bringt den Fahrplan vorbei. Zu dritt im Führerstand warten wir die Überholung des Regiojets ab, ehe wir Ausfahrt erhalten.
Ich erkundige mich, ob die Züge hier in Tschechien auch so viele Probleme machen würden wie in Deutschland. So direkt will der Tf das nicht bestätigen. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist seiner Meinung nach das größte Problem, dass die Heizung/Klimaanlage gelegentlich mal Wasser verliert und/oder nicht funktioniert. Mit den MTU-Motoren wäre man wohl auch nicht ganz glücklich.
Dann rauschen wir mit grüner Welle Richtung Westen. Die Triebwagen haben eine AFB-ähnliche Geschwindigkeitsregelung und der Tf lobt sie, da sie im Gegensatz zu anderen Fahrzeugen sehr sanft regeln und nicht ständig beschleunigen und bremsen würde. Außerdem besteht die Möglichkeit, Leistung individuell (z.B. auf 80%) zu drosseln. Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht nur zum energiesparenden Fahren bei pünktlicher Abfahrt sinnvoll ist sondern auch, um bei schlüpfrigen Schienen nicht allzu sehr ins Schleudern zu geraten. Die grüne Welle finde ich ja ein bisschen schade, denn ich würde gerne mal die tschechische Zugbeeinflussung in Aktion sehen.
Überall stehen Fuzzis unterwegs, wohl um die später folgende zweite Runde des ´abotlam-Triebwagens zu verewigen. Alles Freaks hier. "Nene", meint der Tf, "das sind nicht alles Tschechen. Sogar englische Bahnfreaks sind extra für dieses Event angereist."
In Ùstí nad Orlicí halten wir am äußersten Ende des Bahnsteigs, um keine blinden Passagiere zu bekommen. Der andere Mann wird hier abgesetzt und winkt uns über die Kameras zu, welche eine entspannte Abfertigung ohne den typischen Blick aus dem Fenster ermöglichen.

Der Fahrradweg von Chocen nach Ùstí wäre wunderschön, empfiehlt mir der Tf, während wir den einzigen wirklich kurvigen und landschaftlich sehr reizvollen Abschnitt der Strecke Prag - Ostrava befahren. Zur Abkürzung einer Flussschleife und Erhöhung der Geschwindigkeit von 90 auf 160 km/h gibt es verschiedene Trassierungsvarianten, die sich in der Tunnellänge unterscheiden. Wenig überraschend ist die mit dem längsten Tunnel am teuersten, sodass sie vermutlich nicht kommen wird. Anschließend geht es schnurgerade weiter. Oh, ich sehe Halt erwarten. Sehr gut. Die in Tschechien (erforderlich ab 100 km/h) und der Slowakei (erforderlich ab 120 km/h) eingesetzte Zugbeeinflussung LS ist eine linienförmige Beeinflussung, d.h. im Gegensatz zur PZB kann sie ein zwischenzeitlich frei gewordenes Signal sofort erkennen und im Führerstand anzeigen. Beim Passieren eines Signals in Warnstellung oder einer Geschwindigkeitsreduktion drückt der Tf eine Quittierungstaste, die unserer Wachsamkeitstaste gleicht. Eine Optik zeigt die Stellung des nächsten Signals an.
https://de.wikipedia.org/wiki/LS_(Zugsicherung)#/media/Datei:Ls2_zobrazovac1.JPG
Im Regioshark ist sie digital auf einem Bildschirm. Das gelbe Licht mit schwarzem Punkt unten deutet auf eine Geschwindigkeitsreduktion hin.
Das blaue Licht leuchtet immer. Ist der Zug in einer Beeinflussung, geht es in regelmäßigen Abständen - ich würde vielleicht 20-30 Sekunden schätzen - aus. Der Tf hat dann 3,5 s Zeit, es zu quittieren und das blaue Licht geht wieder an. Andernfalls erfolgt eine Zwangsbremsung. Ein wesentlicher Sicherheitsnachteil gegenüber der PZB ist aber die fehlende Geschwindigkeitsüberwachung, d.h. bei korrekter Quittierung kann der Zug mit Höchstgeschwindigkeit weiterfahren, ohne zwangsgebremst zu werden.
Wir kommen vor dem Asig zum Stehen. "Hmm, was soll das? Der Regiojet müsste doch schon längst weg sein." Hat der Fdl bestimmt gemacht, damit ich mal die Zugbeeinflussung in Aktion sehen kann.
Ein paar Minuten vergehen. "Ich wollte heute eigentlich ganz gerne noch grillen und ein Bier trinken. Meine Freundin wartet schon auf mich."
Die Weiche geht in abzweigende Stellung. "Komisch, neben uns ist doch auch Rot. Da kann uns ja nichts überholen."
Und des Rätsels Lösung: ein Ex kommt uns auf dem Gegengleis entgegen. Wenig später kommt auf dem Regelgleis ein Railjet entgegen. Hübsche Parallelfahrt muss das gewesen sein...
Kaum ist der Ex durch, können wir weiterfahren. Sobald das Signal auf Fahrt geht, wird das Display grün. Zuckeln mit 24,9 km/h bis zum Signal ist hier nicht bekannt.

Während wir wieder mit 120 dahinsausen, erzählt mit der Tf noch, dass es hier in Moravany vor ca. 10 Jahren einen Eisenbahnunfall gegeben hat. Den Hergang verstehe ich zwar nicht, doch das nachträgliche googlen ergibt einen Unfallhergang unter Beteiligung von Sand und Freimeldung mit Gleisstromkreisen. Der Tf eines Personenzugs hatte bei schlüpfrigen Schienen in der Steigung zum Anfahren gesandet. Aufgrund eines technischen Defekts hat sich das Sandrohr jedoch nicht wieder geschlossen und so fiel beim Bremsen im nächsten Bahnhof viel Sand auf die Schienen und ließ den haltenden Personenzug für die Gleisfreimeldeanlage unsichtbar werden, da der Widerstand für den Gleisstromkreis zu groß wurde. Die darauffolgende Tfzf ist dann reingerauscht.

Außerdem fällt mir bei einer Diskussion um Signalisierungen zum ersten Mal auf, dass das tschechische Signalsystem nicht mit dem Hl-System identisch ist. http://www.tf-ausbildung.de/SignalbuchOnline/hl2.htm würde in Tschechien nämlich 80 km/h, vMax erwarten bedeuten. Mit dem http://vlaky.bestsite.cz/zeleznice/rychlostni-navestni-soustava-2-4.htm#doplneni_1985 lässt sich im Gegensatz zum Hl-System auch 80 km/h anzeigen. Auch das gelbe Blinken, welches im Hl-System sowohl 40 als auch 60 km/h erwarten bedeuten kann, ist in Tschechien unterschiedlich: Schnelles Blinken: 60 erwarten. Langsames Blinken: 40 erwarten. Knuffig finde ich auch zwei grüne Streifen für 100 km/h.

Schon bald rollen wir in Pardubice ein, wie schnell 1 Stunde vergeht, wenn man vorne im Führerstand plaudert... Ich springe ins Gleisbett, klettere auf den Bahnsteig und der Regioshark verabschiedet sich schon wieder auf Rangierfahrt in Gegenrichtung.

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 16 Sep 2019, 15:13
Herzlichen Dank fürs Mitnehmen auf die Ausflüge - gerade in stressigen Wochen kann man bei Deinen Erlebnisberichten wunderbar ein paar Minuten entschleunigen und sich in die tschechische Eisenbahnwelt träumen! smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 17 Sep 2019, 22:51
Immer wieder gern - sei versichert, das "Erfahren" dieser Eisenbahnwelt ist jeden Tag aufs Neue wie ein Traum smile.gif

Bild des Tages
https://flic.kr/p/2hgYfuf
Ein Regionova auf weitem Feld bei Dlouhé Dvory

Geschrieben von: Entenfang am 20 Sep 2019, 21:27
Tag 59 Regionalní den ¸eleznice - Trutnov

Und weil es gestern so schön war, heute gleich nochmal. Wegen der nervigen Langzeitbaustelle fährt für mindestens ein halbes Jahr kein Zug von Hradec Králové nach Trutnov, sodass ich lieber gleich mit dem Bus fahre. Um 10:15 Uhr soll der aus Prag kommende Bus abfahren und um 11:03 Uhr in Trutnov sein. 48 Min. für 49 km halte ich schon für sehr sportlich. Offenbar waren auch die anderthalb Stunden aus Prag selbst am Sonntagmorgen zu optimistisch gerechnet, denn die Abfahrtszeit verstreicht und nichts passiert. Nach etwa 10 Minuten taucht der Bus dann auf, ein Ex-deutscher MAN Reisebus, wie an den "Notausstieg Scheibe einschlagen"-Hinweisen zweifelsfrei erkennbar ist. So viel zum Thema Emissionen durch Beschaffung von Neufahrzeugen senken - dann werden die halt in Tschechien ausgestoßen.

Die Nachfrage ist beträchtlich und der Bus fast ganz voll, vermutlich nutze nicht nur ich ihn als SEV. Mit +16 geht es los. Meine Vermutung: Es wird nicht dabei bleiben.
Es ist das übliche Bild: Radfahrer, Baustellen und Ortsdurchfahrten. Eine Frau wendet sich an den Busfahrer, der auf seinen Kollegen, welcher für die Gepäckverladung und zum Quatschen verantwortlich ist, verweist. "Erreiche ich noch den Zug nach Adr¨pach um 11:21 Uhr?" Die Antwort kann ich nicht verstehen, würde aber auf Nein tippen. Wer die tschechische Fahrplanauskunft IDOS benutzt, sollte ich ihrer Tücken bewusst sein. Denn dann kann schon mal 4 Minuten Übergangszeit vom Fernbus zum Zug bei 4 Minuten Fußweg rauskommen.

Ich behalte Recht und mit +23 erreichen wir Trutnov. Während in Ceská Trebová Freaks das Bild beherrscht haben, sind es hier Familien mit Kindern. Zu sehen gibt es jedenfalls genug.
Die wenigen 100 m vom Bahnhof zum Betriebswerk lassen sich mit diesem historischen Tw zurücklegen:
https://flic.kr/p/2hhR3aG

Schneeräumfahrzeug
https://flic.kr/p/2hhS1iu

...und der Blick in den Führerstand
https://flic.kr/p/2hhPpdu

Schwellenbagger
https://flic.kr/p/2hhS16A

Originelle Anbringung des Fahrplans für den Pendelzug
https://flic.kr/p/2hhRZYw

Es gibt auch ganz kleine Bahn zu bestaunen - die Modellbahnanlage im Maßstab TT ist mit viel Liebe auf jedem Quadratzentimeter gestaltet.
https://flic.kr/p/2hhPoNm

https://flic.kr/p/2hhRZFC

Blick in den Führerstand - Taucherbrille modernisiert (BR 750)
https://flic.kr/p/2hhR2jy

Maschinenraum
https://flic.kr/p/2hhRZvh
Hat echt was von Schiff!

Führerstand BR 854, ebenfalls modernisiert
https://flic.kr/p/2hhRZnw

Geschrieben von: Entenfang am 20 Sep 2019, 21:27
Und noch bisschen was draußen
https://flic.kr/p/2hhPogp

Während auf der Rangierlok rechts Führerstandmitfahrten angeboten wurden, ist im Fst der T669 ist noch der Fahrplan von der Überführung 3 Tage zuvor drin:
https://flic.kr/p/2hhPo7S

Buntes Treiben
https://flic.kr/p/2hhR1Kc

https://flic.kr/p/2hhPnR1
Ökologisches WC
!!!Bitte nicht benutzen!!!

Schließlich nehme ich den Sonderzug nach Vrchlabí, vorne mit Diesel, hinten mit Dampf bespannt.
https://flic.kr/p/2hhR1uT
Ich sichere mir rechtzeitig ein Abteil. Natürlich tritt das schlimmstmögliche Szenario ein - eine Frau mit 4 Kindern setzt sich dazu. Es wird ein wenig herumgewuselt, Süßigkeiten ausgepackt. Plötzlich schnauzt die Frau die 13-jährige Tochter an. Warum, kann ich nicht erkennen. "Komm her." Die ahnt wohl schon, was ihr blüht und hält ausreichend Abstand. Dementsprechend erfolglos fällt auch die Ohrfeige aus. "Lass mich doch in Ruhe, Mama!"

https://flic.kr/p/2hhPnAg
423 009 rangiert in Trutnov

Da nun das Fenster ohnehin dauerhaft blockiert ist, stelle ich mich lieber in den Gang, als die ungewöhnliche Garnitur Fahrt aufnimmt, natürlich wie immer mit +15. Das ist sehr schade, denn damit bleibt mir keine realistische Chance, die eigentlich knappe Stunde Aufenthalt in Vrchlabí für eine kurze Stadtbesichtigung zu nutzen.
https://flic.kr/p/2hhPno2

Der Schaffner geht durch den Zug und verkauft Fahrkarten. Macht dann 23 Kronen - für eine Stunde Fahrt mit dem Sonderzug!
Die Anteilnahme von Anwohnern, Spaziergängern, Radfahrern und Fotografen ist groß. Alle stehen winkend da und bestaunen den vorbeirauschenden Zug. Ein Hund wedelt freudig mit dem Schwanz. Die grasenden Kühe lassen sich nicht stören.
https://flic.kr/p/2hhS2xJ

Die Abgaswolke der Diesellok...
https://flic.kr/p/2hhS2JF
...ist oftmals übler als die der Dampflok...
https://flic.kr/p/2hhR4q2
...und riecht dazu noch sehr unangenehm nach verbranntem Öl.

Geschrieben von: Entenfang am 20 Sep 2019, 21:28
Unterwegs steigen einige aus, einige ein.
Die KBS 040 ist für ihre Alttechnik bekannt. Ein Fdl hat sie mal als Freilichtmuseum bezeichnet.
https://flic.kr/p/2hhPqu2

https://flic.kr/p/2hhS2k9

https://flic.kr/p/2hhS2eY

https://flic.kr/p/2hhS1Lo

Auch die Einfahrt in Vrchlabí wird mit Begeisterung dokumentiert.
https://flic.kr/p/2hhR3Xt

Ich ersetze die Stadtbesichtigung durch einen kurzen Besuch bei Penny, um zumindest ein paar Vorräte für die anstehende Rückfahrt einzukaufen. Ich werde heute noch eine Weile unterwegs sein.

https://flic.kr/p/2hhPq9h

Dann kehre ich schon wieder zum Bahnhof zurück, wo eine beträchtliche Zahl Schaulustiger die inzwischen eingetroffene Feuerwehr bestaunt.
https://flic.kr/p/2hhS1Vg

Löschen muss sie allerdings nichts - mangels Wasserkran ist die Feuerwehr zur Betankung der Dampflok mit einem ähnlich historischen Fahrzeug angerückt.
https://flic.kr/p/2hhS21g


Kurz vor der planmäßigen Rückfahrt muss die Brotbüchse ankommen und sie tut das ziemlich pünktlich. Es vergehen noch ein paar Minuten, die Menschen warten gespannt auf die Abfahrt. Ein Teil hängt aus den Fenstern, ein Teil steht irgendwo im Gleisbett herum. Der Fdl taucht hinter der Brotbüchse auf, die Schaffner gehen in Position. Weiterhin gespanntes Warten. Der Fdl geht noch ein paar Schritte weiter, damit der Tf ihn gut sehen kann. Und dann - endlich- hebt er die grüne Kelle. Der Schaffner am Zugschluss pfeift, schwingt die grüne Kelle. Der nächste tut es ihm gleich. Der dritte ebenso. Der vierte pfeift. Er schwingt die Kelle, der Tf der jetzt vorne verkehrenden Dampflok bestätigt winkend. Die Dampflok pfeift. Die Diesellok am Zugschluss trötet bestätigend. Ein heftiger Ruck geht durch den Zug und los geht die lange Fahrt unter den wachsamen Augen des Weichenwärters.
https://flic.kr/p/2hhS1QS

Für die 148 km bis Hradec Králové wird er 5h 17 min. unterwegs sein. Dafür gibt es zwei Gründe: 1. werden zwei längere Aufenthalte zum Wassertanken eingelegt. 2. Der Zuglauf führt über gleich 2 Umwege. Er fährt von Trutnov die entsetzlich langsame, aber landschaftlich reizvolle und ausflugszielreiche Route via Adr¨pach - Teplice n.M. nach Náchod.
Zum Mitfahren:
https://www.openrailwaymap.org/?lang=null&lat=50.486784211316376&lon=16.09874725341797&zoom=11&style=standard
Selbst wenn man von dort geradeaus nach Hradec fahren könnte, was aufgrund der Strecken nur mit zweimaligen Richtungswechsel gehen würde, wäre in Ceská Skalice Schluss. Denn wie bereits erwähnt, ist die weitere Strecke dank einer extrem lästigen Baustelle gesperrt.

Wieder begleiten uns viele Schaulustige und Fuzzis auf dieser wunderschönen und sehr motivreichen Strecke zurück nach Trutnov. Ein Fuzzi ist kurzerhand mit seinem Auto ein paar hundert Meter querfeldein über eine Wiese gefahren. Ob er ein deutsches Kennzeichen hat, kann ich leider nicht erkennen. Wundern würde es mich aber nicht.

Doch da ich die große Runde ohnehin schon kenne, möchte ich lieber noch ein Foto vom Zug machen.
https://flic.kr/p/2hhR7Ey

Geschrieben von: Entenfang am 20 Sep 2019, 21:28
Dazu mache ich mir den etwa halbstündigen Aufenthalt des Sonderzugs in Trutnov zu Nutze und fahre mit dem nächsten Regelzug eine Haltestelle bis Trutnov stred. Im Osten der Stadt gibt es eine vielversprechende Fotostelle, die sogar hervorragend durch den Hp Trutnov zastávka angebunden ist. Nur leider im Zweistundentakt und ich bin in der falschen Stunde unterwegs. Deshalb steht mir gut 1 km Fußmarsch bevor. Da kann eigentlich nichts schief gehen, wenn ich mir meine Karte anschaue.
Maps.me zeigt eine schnurgerade verlaufende Straße an, in Realität kommt bald ein verrostetes Tor. Es steht weit offen, nicht mal ein Vstup zakázán-Schild hängt dran. Leicht verunsichert gehe ich weiter. Ein übergewichtiger Wachmann pinkelt gerade ins Gebüsch, als ich mich einer Pforte mit moderner Schranke zu einer Fabrik mit morbidem Charme nähere. "Guten Tag, suchen Sie etwas?" Kann ich hier durchgehen? "Durchgehen wohin?" Hmm, zur Fotostelle kann ich ja schlecht sagen, also sage ich aufs Geratewohl: Zum Eisenbahn-Hp. "Hier ist eine Fabrik. Hier ist eine Schranke, Sie müssen zurück gehen, dann rechts, über die Gleise, dann rechts." Ich werfe einen schnellen Blick aufs Handy - ja, den Weg gibt es. Aber er ist länger. Nur habe ich keine andere Wahl und folge der Wegbeschreibung, die bald auf einen schmalen Trampelpfad führt. Dass dieser offenbar eine gewisse Bedeutung hat, ist an der Beleuchtung erkennbar. Aber bitte, der Weg führt immerhin zum Knotenbahnhof Trutnov-Poricí und dort fahren unter der Woche 5 Züge pro Tag ab. Im Winter sind die Abfahrten wohl zu 100% im Dunklen.
https://idos.idnes.cz/vlakyautobusymhdvse/odjezdy/vysledky/?date=16.09.2019&time=05:00&f=Trutnov-Po%C5%99%C3%AD%C4%8D%C3%AD&fc=100003&fi=39910&cmd=cmdSearch

Ich fürchte schon, dass mir der Zug vor der Nase durchfährt und ich den ganzen Weg umsonst gelatscht bin. Doch wie erwartet ist der Sonderzug nicht pünktlich abgefahren. Endlich erreiche ich die gesuchten Brücken. Ich komme kaum dazu, die passende Perspektive zu suchen, da steigt ein älterer Herr aus seinem Fiat Punto aus. "Weißt du, wohin die Strecken auf den Brücken führen?" Klar, oben nach Starkoc und unten nach Adr¨pach. Er überlegt einen Moment, sucht die Orte auf seiner inneren Landkarte und nickt dann zufrieden. Ich bin weniger zufrieden, denn die wesentlich fotogenere Brücke ist die obere, nur wird der Sonderzug leider auf der unteren kommen. Und das tut er auch keine 5 Minuten später.
https://flic.kr/p/2hhR7xQ

Während ich mich nach diesem versemmelten Bild mental auf den Fußmarsch zurück vorbereite, hat der ältere Herr wohl auch seinen Dienst getan und hupt grüßend, während er in seinem Fiat Punto samt Beifahrerin davonbraust.

Nach so viel Herumgelatsche werden die Füße langsam müde, doch zur Rast habe ich keine Zeit. Wie so oft ist der Weg zur Fotostelle dann doch länger als erwartet und ich muss mich beeilen, um den Zug eine Stunde später in Trutnov stred zu erwischen. Denn mein weiterer Plan sieht vor, über die kürzere Route via Starkoc und Václavice nach Náchod zu fahren, dort kurz vor dem Dampfzug einzutreffen und mit ihm zurück nach Hradec zu fahren.

Kinder fahren auf ihren Fahrrädern durch die Straßen, auf denen kein Verkehr herrscht. Dass es hier kaum irgendwo Fußwege gibt, fällt mir schon gar nicht mehr richtig auf. Es ist in Tschechien einfach Normalität. Eine ältere Frau gibt im Gehen irgendwelche Zischgeräusche von sich und ruft nach jemandem. Sie schaut in Richtung einer dichten Hecke. Nach einigen Versuchen kommt eine Katze hervorgesaust, unter einem Gartentor durch und in den nächsten Garten rein. Die Frau geht zischend weiter. Eine Fahrschule nutzt den verkehrsarmen Sonntagnachmittag für die ersten Fahrstunden. Immer schön blinken, wenn man parkende Autos "überholt".

Mein Timing war gut, denn als ich am Bahnhof eintreffe, wird gerade die Einfahrt des Zuges angekündigt. Erschöpft lasse ich mich in den Sitz fallen. Zum Glück habe ich mich bei Penny versorgt...

In Starkoc steige ich zusammen mit vielen weiteren in den Regionova nach Václavice um.
https://flic.kr/p/2hhR7qL

Blick auf den Speichersee Rozkos
https://flic.kr/p/2hhS5rp

Der Zuglauf von 3 km dürfte zusammen mit dem Pendel A¨ - A¨ mesto zu den kürzesten mir bekannten Zugläufen gehören. Zumindest schön vertaktet ist dieser gordische Knoten und man kann direkt weiter Richtung Chocen umsteigen.
https://flic.kr/p/2hhS5nr

Ich wähle die andere Richtung und erreiche bald Náchod.
Dort erwartet mich eine riesige Überraschung. Nicht. Der Sonderzug hat +30. Ich war aufgrund des sportlichen Fahrplans über die eingleisigen Strecken fest davon ausgegangen und hatte doch auf das Gegenteil gehofft. Denn ich bekomme schon wieder Hunger und habe absolut nichts mehr Essbares in meinem Rucksack, aber noch 2h Fahrzeit vor mir.
Auch hier stehen schon einige Schaulustige und die Feuerwehr zum Auftanken der Dampflok bereit. Der Regionova als Gegenzug zum Sonderzug darf schon mal von der Halteposition zum Asig vorziehen. Wenig später dampft mit +10 das Objekt der Begierde ein.
https://flic.kr/p/2hhR75L

Der Feuerwehrschlauch wird über das Gleis gelegt, welches der Regionova zuvor geräumt hat und versorgt das Dampfross mit dem kühlen Nass.
Erinnerungsbild für das Zugpersonal
https://flic.kr/p/2hhR6YP

Die Eisenbahner tun geschäftig ihren Dienst und lassen sich von den vielen Handys und Kameras nicht stören. Ich wage schon zu hoffen, dass wir doch pünktlich abfahren können.
https://flic.kr/p/2hhPt8o

https://flic.kr/p/2hhR6JA

"Er ist leer!!!", ruft der Feuerwehrmann. Tja, die Dampflok hat wohl einen größeren Wassertank als der Feuerwehrwagen. Der Wagen saust davon, um Nachschub zu holen. Das Abendrot sorgt für fantastische Stimmungen, auch wenn sie mit dem schwindenden Licht immer schwieriger einzufangen sind.
https://flic.kr/p/2hhS4Zh

https://flic.kr/p/2hhS4Tk

Geschrieben von: Entenfang am 20 Sep 2019, 21:29
Die Feuerwehr kehrt zurück, um mehr Wasser zu spendieren. Inzwischen fährt der ebenfalls um 20 Minuten verspätete Regionova, welcher hinter dem Sonderzug verkehrte, ein. Der Tankvorgang ist abgeschlossen, als der Regelzug abfährt. Dahinter muss noch ein inzwischen auch schon ein paar Minuten verspäteter Regelzug fahren und dann sind wir dran. So viel zum Thema Verspätung aufholen.
https://flic.kr/p/2hhS4Q4

So ziehen die Minuten ins Land, die blaue Stunde bricht an und endlich erhalten wir mit +25 Ausfahrt. Mit einem beeindruckenden Schauspiel verlässt der inzwischen nur noch von einigen hartgesottenen Freaks wie mir benutzte Zug den Bahnhof.

"Guten Abend, hier noch zugestiegen?" Hradec bitte, mit ISIC. "Darf ich die Karte mal sehen? Ahso, nee, Sie waren ja vorhin schon im Zug. 39 Kronen, bitte."

Bereits in Václavice müssen wir die Kreuzung abwarten. Ich beobachte das Treiben auf dem Bahnsteig. Ein junger Mann steigt aus dem Gegenzug und bestaunt den Sonderzug. Er trägt einen verpackten Anzug in der Hand. "Wohin fahrt ihr?", fragt er mich, "nach Chocen?" Nee, Hradec. "Ohh, Hradec! Ach, ich wäre auch so gerne mitgefahren, aber ich musste heute kurzfristig dienstlich nach Prag..." Er will noch die Loknummern wissen und meint, ich solle mal ein Foto von ihm vor dem Zug machen. Das lässt sich dank der riesigen Fenster problemlos einrichten. Gib doch mal deine E-Mail, dann schick ich es dir. "Oh, wirklich? Kannst du mir auch ein paar andere Fotos schicken?"
Ich reiche Zettel und Stift durchs Fenster zu ihm auf den Bahnsteig. Er schreibt auf und reicht mir beides zurück.
"Ah, ihr habt Ausfahrt. Vielen Dank und gute Fahrt, das wird bestimmt super!" Es ruckt heftig und die letzten bunten Farbtöne des Himmels spiegeln sich im großen Wasserreservoir Rozko¨, als sich der Zug wieder in Bewegung setzt.
Ich habe nicht nur ein Abteil, sondern einen ganzen Wagen für mich alleine, der große Vorteil von Sonderfahrten zu "unchristlichen" Zeiten. Und die Nachtfahrt wird so toll wie erwartet, denn es gibt kein bisschen Licht im Wagen und ich kann den letzten schwachen Schimmer im Westen lange verfolgen.
Im Osten ist ein ganz schwacher Silberstreifen am Horizont über den Hügelketten zu erahnen. Eine Viertelstunde später taucht ein leicht verschleierter Vollmond die Szenerie in zartes Licht. Unentwegt rumpelt der Zug dahin, der Geruch nach Dampflok stets präsent. Eine Fahrt, wie man sie sich nur wünschen kann. Und eine Fahrt, die in Deutschland ein Vermögen kosten würde und die es in Tschechien zum normalen Tarif mit Dampfzuschlag und mit 75% Studentenrabatt gibt.
Nur mein Magen knurrt. Jetzt rächt sich ein fataler Fehler - ich habe versäumt, die Notration Müsliriegel, welche ich auf der langen Fahrt von Metzingen letzte Woche aufgefuttert habe, zu ersetzen.
Die Hügel weichen dunklem Wald, nach einer Kreuzung mit einem Gz haben wir schon +35. Schließlich rollen wir in Tyni¨te ein, wo ein Richtungswechsel zu vollziehen ist. Einige Minuten später geht es Diesellok voraus auf die letzte halbe Stunde nach Hradec durch die Nacht.
In Trebechovice begrüßt der Fdl eine Schaffnerin mit Küsschen und Umarmung und die beiden quatschen während des kurzen Aufenthalts. Der Fdl schwingt das grüne Licht, der Zug setzt sich in Bewegung und die beiden wechseln ihre letzten Worte durch die offene Tür, bis sie außer Hörweite kommen. Die Tür wird zugeschlagen. Ein kleines Kind wird von seinem Vater vom Zug über die Gleise und aus dem Bahnhof getragen. Vermutlich schläft es schon.

Bald kommt Hradec Králové in Sicht, wir warten noch auf dem Güterzuggleis in der Schlesischen Vorstadt die Kreuzung mit einem Planzug ab. Währenddessen steigen zwei schonmal aus und verschwinden irgendwo in der nächsten Straße. Ein letztes Mal setzt sich der Zug in Bewegung und lädt mich mit +45 am Hbf ab. Mangels Stativ und aufgrund von großem Hunger verzichte ich auf Fotos, nehme schleunigst den nächsten Obus.
Als ich mir die Hände wasche, fällt mir erst auf, wie stark ich nach Öl und Dampflok rieche, die letzten Zeugen einer traumhaften Fahrt.

Wenn es ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten in puncto Eisenbahn gibt, dann wohl Tschechien.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Sep 2019, 23:02
Umsteigezeit sinnvoll genutzt - Elefant in Nymburk

https://flic.kr/p/2hkqZQ1

Geschrieben von: Entenfang am 25 Sep 2019, 21:34
Bild des Tages
Leuchtspuren der Linie 9

https://flic.kr/p/2hkT9XJ

Notizen aus dem Alltag - Tag 69

"Was fotografieren Sie denn hier?", fragt mich eine mittelalte Frau im schlimmsten Plattenbauviertel von Hradec Králové. Ich finde die Architektur interessant. "Interessante Architektur? Pfff." Ich fürchte schon, zu dick aufgetragen zu haben, obwohl ich die Wahrheit gesagt habe und angepöbelt zu werden. "Ist doch alles kaputt hier. Nur Plattenbauten. Kommen Sie, ich zeige Ihnen eine schöne Fotostelle da vorne auf der Treppe neben der Bushaltestelle", meint sie leicht betrunken, während sie zusammen mit ihrem ebenfalls leicht betrunkenen Mann weitergeht.
Was das Besondere an der Fotostelle sein soll, kann ich allerdings nicht erkennen. Sie bittet mich, ein Foto von ihr mit ihrem Mann zu machen. Nachdem sie einen Zug von seiner Zigarette genommen hat, umarmt sie ihn leicht schwankend, ich mache ein Bild und sie verabschieden sich.

Geschrieben von: Entenfang am 29 Sep 2019, 21:26
Die spinnen, die Tschechen... Alljährlich findet in Hradec Králové ein Fahrradwettkampf statt, dessen Route über die Treppen der Altstadt führt:
https://flic.kr/p/2hnL1j7

Geschrieben von: Entenfang am 30 Sep 2019, 20:21
Allzu sorgloses Gleislatschen ist in Tschechien gang und gäbe, leider oft mit tödlichem Ausgang - hier direkt neben einem Schild mit der Aufschrift "Betreten des Gleisbereichs verboten"
https://flic.kr/p/2hof7v1

Geschrieben von: Entenfang am 1 Oct 2019, 21:54
Goldener Herbst
https://flic.kr/p/2hoRc9y

Schmuddelherbst
https://flic.kr/p/2hoNqSH
Zwei Tage zuvor stand das Feld noch in voller Senfblüte. Eine halbe Stunde zuvor herrschte noch strahlender Sonnenschein. Manchmal hat man einfach kein Glück.

Auszug aus dem Glossar
Fahrrad: Bevorzugtes Verkehrsmittel deutscher Studenten. In Tschechien daran zu erkennen, dass es im Haus plötzlich einen Fahrradparkplatzmangel gibt, seit einige deutsche Studenten eingezogen sind.

Geschrieben von: Entenfang am 6 Oct 2019, 23:39
Die Tschechen und ihre Zugbildungen - immer für eine Überraschung gut...
https://flic.kr/p/2hreew8
Was tun, wenn die Kapazität eines RS nicht ausreicht? Man hängt einen Regionova dran.
841 073 (Ex ODEG) samt Anhänger hat gerade den Startbahnhof Hradec Králové hl.n. verlassen.

https://flic.kr/p/2hrbo7M
Um von Pardubice hl.n. nach Süden Richtung Chrudim zu fahren, muss mangels Verbindungskurve zunächst auf der Strecke Richtung Hradec Králové bis in den Vorort Pardubice-Rosice nad Labem gefahren und dort ein Richtungswechsel gemacht werden.
Aufgrund der durchaus hohen Streckenauslastung verkehrt der Regionova nach ´d'árec u Skutce bzw. Havlickuv Brod auf dem kurzen Abschnitt vereinigt mit dem Rychlík (Schnellzug) Pardubice - Hradec Králové - Liberec. Da Letzterer aufgrund von Bauarbeiten im Jahr 2019 monatelang zwischen Hradec Králové und Stará Paka im SEV gefahren wird, konnte diese kuriose Zugbildung beobachtet werden. Normalerweise wird auf dem R Pardubice - Liberec mangels Elektrifizierung die https://flic.kr/p/2gHPCEL eingesetzt.
Für die Zugtrennung hier sind planmäßig 2 Minuten vorgesehen, was etwa dem tatsächlich beobachteten Wert entspricht. Eine Bremsprobe wurde nicht durchgeführt, es stellt sich daher die Frage, wie diese Fuhre eigentlich auf dem kurzen gemeinsamen Abschnitt gebremst wird... Der Regionova hat jedenfalls deutlich hörbar aktiv gebremst.

Geschrieben von: Entenfang am 9 Oct 2019, 21:47
QUOTE (Bayernlover @ 9 Oct 2019, 14:05)
Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass deine Berichte eine Bereicherung für das Forum sind!

Dann danke ich für die Blumen und schiebe gerne noch was nach:

Tag 79 Nicht der naheliegendste Weg von Prag nach Hradec Králové

Das verlängerte Wochenende um den 3. Oktober haben gefühlt alle Deutschen für ein Wochenendtrip nach Prag genutzt. Zumindest hört man fast mehr Deutsch als Tschechisch. Den regnerischen Vormittag bis zur Abfahrt meines Zuges verbringe ich auf einer Runde 23, die bald rappelvoll Touristen zur Burg transportiert. Kurz vor der Endstation Královka sitzt dann nur noch eine Handvoll Einheimischer drin.
https://flic.kr/p/2hsCDtp

Am Wochenende im Viertelstundentakt treffen sich planmäßig 2 Bahnen in der Wendeschleife:
https://flic.kr/p/2hsBD5V

Unter der Woche verkehrt die Linie nur im 30-Minuten-Takt bzw. im http://jrportal.dpp.cz/DataFTP/JRPortalData/_23/20191005/23_linka.pdf Hintergrund ist der 8-Minuten-Grundtakt der Oberflächenverkehrsmittel während der HVZ, sodass sich diese krummen Zahlen dann besser einfügen.

Ich nehme die nächste Bahn zurück und fahre weiter zum Bahnhof, immer noch im Regen.
https://flic.kr/p/2hsyW78
Prag, die graue Stadt. Für mich ist die Stadt Prag irgendwie immer eine Assoziation mit miesem Wetter. Fast bei jedem Besuch dort sieht es so aus.

Der EC nach Budapest fährt pünktlich ab und bringt mich nach einigen Minuten Wartezeit an der Vegetationspflege vor Pardubice mit +5 dorthin. https://www.openrailwaymap.org/?lang=null&lat=50.02119666339291&lon=15.935497283935547&zoom=12&style=standard
Zügiger Umstieg zum R Richtung Liberec mit Zugteil nach ´d'árec u Skutce. Letzteren nehme ich - sehr feine Kombination aus Knödelpresse mit 3 Wagen und Regionova. Wie diese Fuhre eigentlich auf dem kurzen gemeinsamen Abschnitt bis Pardubice-Rosice n.L. gebremst wird, ist mir nicht klar geworden. Die Bremsen waren zwar aktiv, aber angesichts der blitzschnellen Zugtrennung ohne Bremsprobe stelle ich hinter die verbundenen Bremsschläuche mal ein Fragezeichen. Vielleicht hat der Tf auch einfach nur nach Gutdünken mitgebremst.

Weiter geht's nach einem Richtungswechsel bis Chrudim, wo heute 150 Jahre Lokalbahn gefeiert wird und deshalb eine Dampfzugsonderfahrt über Moravany, Holice nach Borohrádek und weiter nach Chocen stattfindet. Das möchte ich nutzen, um noch unbekannte Strecken abzufahren und auch den seit Dezember 2018 nicht mehr mit SPNV bedienten Abschnitt Holice - Borohrádek mitzunehmen. Dass auf dem etwa 10 km langen Stück ein recht geringes Fahrgastpotenzial besteht, könnte an der Trassierung durch die idyllische Hügellandschaft und den dichten Wald ohne Besiedelung liegen.

https://flic.kr/p/2hsCuF3
423 009 bekommt in Chrudim Wasser - diese Aufgabe hat mal wieder die Feuerwehr übernommen. Viele der Feuerwehrler nutzen die Gelegenheit für ein paar Fotos.

https://flic.kr/p/2hsCurq
Ein verregneter Tag in Chrudim

Als ich in Chrudim in den Dampfzug einsteige, sitzt ein Mann mit aufgeklapptem Laptop auf dem Schoß bereits drin. Sein Mund ist weit aufgeklappt und er schläft.

Wie sich das in Tschechien so gehört, macht man dann eine Parallelausfahrt mit dem historischen Triebwagen nach Pardubice.
https://flic.kr/p/2hsDunb

https://flic.kr/p/2hsCtzq
Landschaft zwischen Frühling und Herbst

Ein idyllischer Hp auf dem Feld
https://flic.kr/p/2hsDuah

Mit Volldampf weiter
https://flic.kr/p/2hszLGz

Kurze Pause in Moravany
https://flic.kr/p/2hszLhM

Geschrieben von: Entenfang am 9 Oct 2019, 21:48
https://flic.kr/p/2hszLaC
Am Bahnhof Borohrádek

Hier muss die Lok umgesetzt werden...
https://flic.kr/p/2hszL3t

...und wieder Wasser gefasst werden.
https://flic.kr/p/2hsCsTL

https://flic.kr/p/2hszPL5

Dann wird die Lok in Position gebracht...
https://flic.kr/p/2hsCwRR

...und pünktlich weitergedampft.
https://flic.kr/p/2hsDwCt

Gibt es Schöneres, als bei einsetzender Dämmerung die Landschaft vorbeiziehen zu sehen?
https://flic.kr/p/2hszPmY

Nach der Ankunft in Chocen...
https://flic.kr/p/2hszP6c

...verschwinden bald die meisten Schaulustigen. Nur der Heizer muss noch im Schein des Feuers schuften.
https://flic.kr/p/2hsDw3A

Und zum Abschluss der ganze Zug zu Beginn der blauen Stunde...
https://flic.kr/p/2hsCvV2

...und wenige Minuten später kommt auch schon mein R, der mich zum zweiten Mal heute nach Pardubice bringt. 4h später befahre ich nochmal die Verbindungskurve nach Rosice n.L., dieses Mal aber ohne Zugteil nach Chrudim. Wieder ist dafür ein Lok/Wagenzug mit Knödelpresse eingeteilt. Die Umlaufplanung der CD muss sehr kompliziert sein - ich jedenfalls habe sie noch nicht durchblickt.

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 10 Oct 2019, 14:47
Weiterhin ganz großes Kino aus einem kleinen Land mit einer großen Liebe zur Eisenbahn! smile.gif

Geschrieben von: Entenfang am 13 Oct 2019, 21:40
Bild des Tages
https://flic.kr/p/2hux9gy
Bunte Perlenkette im Elbtal bei Decin

Geschrieben von: Entenfang am 15 Oct 2019, 22:49
Herbst in und um Hradec Králové

...mit Entenfang
https://flic.kr/p/2hvCD7d

Aprilwetter
https://flic.kr/p/2hvzZ3D

Goldener Herbst
https://flic.kr/p/2hvDJZz
158 am Flughafen

https://flic.kr/p/2hvzXZX
Wasserkraftwerk Hucak

https://flic.kr/p/2hvDJAi
An der Elbe

https://flic.kr/p/2hvzZah
Im Hügelland

Irgendwo zwischen Frühling und Herbst rollt ein Regiopanter nach Lochenice
https://flic.kr/p/2hvDJQ1


Geschrieben von: Entenfang am 16 Oct 2019, 21:42
Gleislatscher des Tages
https://flic.kr/p/2hw5pTi

"Dumdodedim! Verehrte Fahrgäste, der Schnellzug Nummer 790 der Gesellschaft Ceské drahy aus Kolín, weiter nach Ùstí nad Labem západ fährt auf Gleis 3 ein. Wir erinnern die Fahrgäste daran, dass das Betreten des Gleisbereichs vor dem Halt des Zuges verboten ist. Dodong."

Er war übrigens nicht der einzige. Als drei Leute im Bild waren, habe ich aufgegeben, die Einfahrt festzuhalten.


Notizen aus dem Alltag - Tag 90

Ein Auto biegt aus einer Seitenstraße ein Stück vor mir ein. Dank Gefälle habe ich auf dem Fahrrad ordentlich Schwung und muss erstmal abbremsen, weil das Auto kaum beschleunigt. Als ich näher dran bin, weiß ich auch, warum: Ein Reifen ist komplett platt, in den anderen kaum Luft. Quietschend und ächzend rollt das betagte Fahrzeug durch die Gegend. Kurz nachdem ich überholt habe, verschwindet es in einer Grundstückseinfahrt.

Geschrieben von: Entenfang am 23 Oct 2019, 22:02
Wo wir beim Thema Zugbildungen waren...
https://flic.kr/p/2hzu8g3
R Je¨ted mit Sp ´ejbro am Zugschluss verlässt Pardubice hl.n.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Oct 2019, 22:16
Tag 92 Ein alltäglicher Ausflug mit kleinen Überraschungen

Was tun, wenn eisenbahninteressierter Besuch vor Ort ist? Nach langem Beratschlagen steht folgender Plan:

Hradec Králové hl.n.........R 948...........ab 9:08

Chlumec n.C.......................................an 9:27
.....................................Sp 1807........ab 9:32

Trutnov hl.n........................................an 11:50
....................................Os 15761.......ab 13:21

Adr¨pach.............................................an 14:12

---

Teplice n.M. skály..........Os 15763.........ab 16:20

Teplice n.M...........................................an 16:27
...................................Sp 1763...........ab 16:30

Náchod................................................an 16:58
...................................Os 5135...........ab 17:21

Týni¨te n.O..........................................an 18:15
...................................Sp 1958...........ab 18:31

Hradec Králové hl.n..............................an 18:53


Damit sind sämtliche SEV mehr oder weniger elegant umfahren, eine landschaftlich wie betrieblich interessante Strecke dabei und noch Zeit zum Wandern. Dass die Hinfahrt deswegen 5:04 für 156 km dauert (auf der Straße ist es etwa halb so weit), lassen wir mal getrost unter den Tisch fallen. Der anderthalbstündige Aufenthalt in Trutnov ist ebenfalls unvermeidlich, denn wie man die Runde auch dreht, zwischen dem zweistündlichen Sp Chlumec - Trutnov und dem zweistündlichen Os Trutnov - Teplice ist die Umsteigezeit immer so lange.

Nach Warten auf den SEV-Bus starten wir - wie immer - mit Verspätung in Hradec, die üblichen +8.
https://flic.kr/p/2hzXD1f

https://flic.kr/p/2hzWF1U

Doch der Anschluss in Chlumec wird - wie immer - abgewartet. Der Eilzug bringt uns durch den goldenen Herbst, mit Formsignalen, Kurbelschranken und grandiosen Ausblicken auf das Riesengebirge. Und ein Bahnhof ist schöner wie der andere.
https://flic.kr/p/2hzWEUm

https://flic.kr/p/2hzTQES

https://flic.kr/p/2hzWEgs

https://flic.kr/p/2hzTQwk

Oh, da steht ja ein Fuzzi an der Strecke. Der Grund dafür ist nicht schwer zu erraten, als wir wenig später einen Gz, bespannt mit Bardotka, kreuzen.
https://flic.kr/p/2hzTQpG

Als dieser noch während unseres Haltes anfährt, ist es ein https://youtu.be/mxCsijC2Qko?t=79 Und die Rußwolke ist auch beachtlich...

In Martinice steht die Brotbüchse nach Rokytnice bereit
https://flic.kr/p/2hzWDY8

Und auf einmal setzen sich alle drei Züge in Bewegung, wobei der Gegenzug nach Kolín eine Brotbüchse am Zugschluss mitführt
https://flic.kr/p/2hzXBBo

https://flic.kr/p/2hzTQ7s
"Du wusstest das, oder?", bekomme ich nach meinem zielsicheren Öffnen des Fensters auf der richtigen Seite vor der Einfahrt in Trutnov zu hören, bei der man einen herrlichen Blick auf das Betriebswerk erhält.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Oct 2019, 22:16
https://flic.kr/p/2hzTQ2T
Kleines Schwätzchen nach der Ankunft, während die Kollegin irgendeine Kiste verlädt.

https://flic.kr/p/2hzTPVL
Rangieren ist Millimeterarbeit

https://flic.kr/p/2hzXBg8
Die Taucherbrille rangiert an den Hradecan. Der Weichenwärter sorgt durch Umstellen der Handweichen dafür, dass sie im gewünschten Gleis ankommt.

https://flic.kr/p/2hzXBa6
Punkt 12 am Bahnhof Trutnov

Die anderthalb Stunden in Trutnov wissen wir für eine kleine Stadtbesichtigung zu nutzen. Wir kommen uns so vor, als hätten wir schon eine beachtliche Reise gemacht, schließlich sind wir schon 1h40 unterwegs. Auf der Straße sind wir von unserem Startpunkt gerade einmal 50 km (!) entfernt. So kann man sich irren.
https://flic.kr/p/2hzWDfQ
Löwe aus Stahlplatten

Große Schwierigkeiten bereitet mir die tschechische Kommunikation vor allem dann, wenn mein Gesprächspartner ebenfalls kein Muttersprachler ist. Ich kann nur raten, was der Pole am Gemüsestand zu mir sagt, ich glaube, er will mir noch ein paar polnische Produkte aufschwatzen.

Krakono¨ovo námesti
https://flic.kr/p/2hzWDaQ

https://flic.kr/p/2hzTPsm

Rathaus
https://flic.kr/p/2hzWCZK

Zeit für ein Eis
https://flic.kr/p/2hzXAD1

Nach einem Päuschen auf dem zentralen Platz, der in Trutnov erfreulicherweise nur sehr begrenzt ein Parkplatz ist, begeben wir uns Richtung Bushaltestelle. Ich wollte mich ganz gerne nochmal an der modellbahnartigen Brückenkonstruktion (zu viele Gleise und zu viele Bahnhöfe auf einem Haufen!) im Osten der Stadt versuchen. Dafür nehmen wir einen Stadtbus. Trutnov hat wirklich luxuriöse, erdgasbetriebene Fahrzeuge. Zum ersten Mal stelle ich fest, das SOR-Busse nicht zwangsläufig billig aussehen und brettharte Sitze haben müssen.
https://flic.kr/p/2hzWCLo

Geschrieben von: Entenfang am 24 Oct 2019, 22:18
Ob es nun bei einem Stadtbus sinnvoll ist, auf der Anzeige stets Trutnov, Poricí vor die Haltestelle zu schreiben, sei mal dahingestellt. Denn das führt dazu, dass der eigentliche Haltestellenname kaum noch Platz findet. Nach einem kurzen Fußweg im Industriegebiet ist die herrliche Stelle in Sicht. Planmäßig sollte der Zug über die obere Brücke um 11:26 Uhr in Trutnov stred ankommen. Unser Os 15761 zur Weiterfahrt nimmt den Anschluss auf und fährt um 11:29 Uhr ab, um wenig später am Hp Trutnov zastávka zu halten, der 200 m von der Fotostelle entfernt ist, sodass das Zeitfenster ausreicht, um diesen entspannt zu erreichen.
https://flic.kr/p/2hzXAoG

Doch der sorgfältig ausgearbeitete Plan droht zu scheitern. Der R aus Ceská Skalice ist mit +16 angekündigt, später steigt die Verspätung sogar auf +20. Ich gehe zur Lösung des Dilemmas wie folgt vor: Wir positionieren uns zunächst am Hp, für den Fall, dass der Os den Anschluss nicht abwartet, was ich angesichts der beträchtlichen Verspätung für durchaus möglich halte. Die Abfahrtszeit verstreicht, der BÜ neben uns bleibt still. Die Muj vlak-App hat die kuriose Eigenschaft, für manche Züge einfach zu behaupten, sie wären abgefahren, obwohl sie es nicht sind. Doch inzwischen kann ich die Tücken der Technik erkennen und interpretieren. App zeigt noch das Gleis an: Zug ist noch nicht abgefahren, auch wenn es im Zuglauf behauptet wird. App zeigt das Gleis nicht mehr an: Zug ist abgefahren.
Die Abfahrtszeit verstreicht, das Gleis in Trutnov stred bleibt drin, obwohl die App im Zuglauf behauptet, er wäre schon an uns vorbei. Nach 5 Minuten gehe ich davon aus, dass der Anschluss also abgewartet wird und ich die Fotostelle aufsuchen kann. Wenig später rumpelt der R über die Brücke, natürlich genau im Sonnenloch. Was soll's, ich wollte ja eh nochmal wiederkommen.
https://flic.kr/p/2hzWCtV

Es vergehen noch ein paar Minuten, ehe die Brotbüchse endlich angerumpelt kommt, gut gefüllt unter anderem mit jungen Leuten auf der Heimfahrt, reif fürs Wochenende. Auch wenn ich vom regen Geplapper nichts verstehe, ist es ziemlich offensichtlich, dass ein Mädchen gerade einen Lehrer nachäfft. Meistens spricht nur sie, ab und zu ihre Freundin neben ihr, die gegenüber schläft mit Kopfhörern in den Ohren und die schräg gegenüber sitzt nur stumm da und starrt Löcher in die Luft.

Mit +12 erreichen wir schließlich unser Wanderziel, auch hier kommen gewisse Parallelen zur Modellbaulandschaft auf. Der Bahnhof Adr¨pach ist zum Wandern einfach genial, weil er nur 100 m von den Sandsteinfelsen entfernt liegt.

Um in das Wandergebiet zu gelangen, muss man Eintritt bezahlen. Ich verstehe 40 und lege eine 50er-Münze hin, worauf ich die Kassiererin fragend anschaut. Sie sagt 70 auf Polnisch und schreibt das auch auf. "English, Deutsch?", fragt eine andere Mitarbeiterin und hält die Infoflyer hin. "Das sind keine Polen", meint sie auf Tschechisch zu ihrer Kollegin, nachdem ich den deutschen Flyer genommen habe. Muss wohl doch an meinem Akzent liegen, denn das ist nun schon das dritte Mal, dass mir eine polnische Herkunft unterstellt wird.
Schließlich klärt sich alles auf - der Preis beträgt zusammen 140 und ich habe die 100 überhört.

https://flic.kr/p/2hzWCfy

https://flic.kr/p/2hzTNMy

Kaum legen wir am See im Nachmittagslicht mit bunten Herbstbäumen eine Pause ein, da kommen auch schon quakend Enten herbei.
https://flic.kr/p/2hzXzVs

https://flic.kr/p/2hzTNtT

https://flic.kr/p/2hzTNkw

Wir sind uns schnell einig, dass zwei Stunden fürs Wandern vielleicht doch ein bisschen knapp berechnet sind. Die Wahl besteht also zwischen zügig durchhetzen oder zwei Stunden später fahren. Wir nehmen Letzteres, sodass viel Zeit zum Betrachten der spektakulären Felsformationen bleibt. Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch am Sommerwochenende herrscht keine Völkerwanderung, sodass es wesentlich entspannter zugeht.

Hier hat Obelix einen Hinkelstein abgestellt
https://flic.kr/p/2hzWBJZ

Der weitere Weg würde hervorragend in ein Adventure-Computerspiel passen.
Nach dem Tor kommt bestimmt ein Boss...
https://flic.kr/p/2hzTN4K

...oder vielleicht der Elefantentreffpunkt? Wäre für einen Bossfight aber eine passende Stelle mit ausreichend Platz.
https://flic.kr/p/2hzWBs6

Geschrieben von: Entenfang am 24 Oct 2019, 22:19
Glückwunsch, Boss besiegt! Du hast 5 Minuten, um zum nächsten Checkpoint zu kommen. Los geht's:
https://flic.kr/p/2hzXz35[

Die letzte Gelegenheit auf eine kleine Bootstour haben wir leider knapp verpasst, also bleiben wir bei Jump and Walk und rasten anschließend an der Bootsanlegestelle.
https://flic.kr/p/2hzXyTn

Uhoh, lauert da etwa schon der nächste Boss?
https://flic.kr/p/2hzWAZs

Und da kommt schon das Piratenschiff...
https://flic.kr/p/2hzXxYg

Das letzte Boot legt an, der Führer mit Piratenhut hat einen Trinkgeldbehälter platziert und einen Hinweis für die geplante Verwendung angebracht: Feierabendbier.
Nachdem er seine Kasse leert, erkundige ich mich, ob es denn fürs Bier reicht. Er zählt: 1, 2, 3, 4. Also ja. In einer Mischung aus Deutsch, Englisch, Polnisch und Tschechisch fragt er uns, woher wir denn kommen. "Aha, Deutsch?" Dass ich in Hradec Králové wohne, findet er interessant. Schließlich besteigt er wieder das Boot, um es zum Ausgangspunkt zurückzubefördern. Dabei brummt er "Finish, konec, Schluss" vor sich hin und verschwindet wenig später leise summend um den nächsten Felsen.

Wir legen den restlichen Weg in völliger Einsamkeit zurück...
https://flic.kr/p/2hzTLhZ

https://flic.kr/p/2hzXyxh

https://flic.kr/p/2hzWACR

...und erreichen den Bahnhof etwas zu früh, nicht zuletzt, da der Zug natürlich die üblichen +10 hat. Inzwischen ist es fast ganz dunkel und allzu üppig ist der Bahnsteig nicht beleuchtet. Schließlich rumpelt die Brotbüchse herbei und bringt uns nach Teplice, wo wir zügig in den bereits wartenden Regionova umsteigen. Damit ist Rausschauen dank der grellen Beleuchtung erstmal beendet und wir beschließen, am Náchod lieber direkt mit dem SEV zurück nach Hradec zu fahren, um das Abendessen nicht allzu sehr zu verspäten.

Der Fdl gibt den Busfahrern stets das Kommando zum Abfahren. Damit ist sichergestellt, dass alle Fahrgäste den Umstieg schaffen. Nur schade, dass er nicht auf Eisenbahnerart die grüne Kelle zeigt.
Viel los ist im Bus nicht, sodass wir uns in die erste Reihe setzen. Wenn wir schon nicht aus dem Abteilfenster gucken können, dann wenigstens dem Busfahrer über die Schulter. Bald steigt eine Frau mit einem kleinen Kind zu, welches den Busfahrer ganz begeistert grüßt. "Ahoj! Musst du denn noch nicht schlafen?", meint dieser.
Wenig später klingelt während der Fahrt sein Handy. Selbstverständlich nimmt er an und mal im Ernst - gibt es eine bessere Gelegenheit, als während der Nachtfahrt über eine Landstraße ein bisschen zu Quatschen? Nur blöd, dass der Bus kein Automatikgetriebe hat. Das verlangt eine recht vorausschauende Fahrweise, denn da eine Hand das Handy halten muss, bleibt nur noch eine fürs Lenkrad bzw. den Schalthebel. Und in der Kurve läuft der Bus vielleicht nicht dorthin, wo er soll, wenn man das Lenkrad loslässt, folglich kann nur auf geraden Abschnitten geschaltet werden. Das kriegt der Fahrer ganz passabel hin. Ahh, schön, auch noch ein Kreisverkehr mit einer Hand am Lenker - der kann seinen Job wenigstens!

Das geht mindestens eine halbe Stunde so, während wir über breite Landstraßen, Ortsdurchfahrten mit Zugabe durch Baustellenampeln, Bahnübergängen und plötzlich auf schnurgeraden Abschnitten haltenden Autos - Linksabbiegerspuren werden überbewertet - sausen. Vielleicht ist eine Autobahn hier doch nicht ganz verkehrt. Ohne böse Überraschungen erreichen wir Hradec ein paar Minuten hinter Plan und lassen den Tag mit Svícková ausklingen. Den haben wir uns nach so viel Herumfahren redlich verdient.

Geschrieben von: Entenfang am 25 Oct 2019, 23:40
Bild des Tages

https://flic.kr/p/2hAr9Qr
Ein Obus aus dem Nebel

Auszug aus dem Glossar
Vorfahrt:
Essenzieller Bestandteil der Verkehrsregeln, deren Verständnis in Tschechien das Anhalten vor der entsprechenden Kreuzung und Lesen einer Landkarte erfordert. Sofort verständlich ist nur, dass Radfahrer fast immer wartepflichtig sind.

Geschrieben von: Entenfang am 28 Oct 2019, 23:53
Bild des Tages
Brotbüchsenknoten in Mestec Králové
https://flic.kr/p/2hBUej7

"Wo fahren Sie denn hin?", fragt mich der Schaffner, als ich mit meiner Fahrkarte Hradec Králové - München auf dieser Nebenbahn unterwegs bin.
Wundern Sie sich nicht, ich wollte mal eine andere Route ausprobieren...

Statt von Chlumec den direkten Weg mit der netten Schleife bei Velký Osek nach Nymburk zu nehmen, habe ich mal die Nebenbahn nördlich davon https://www.openrailwaymap.org/?lang=null&lat=50.22348794428793&lon=15.219154357910154&zoom=11&style=standard


Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 29 Oct 2019, 16:15
Ein wunderschöner, herbstlicher Reisebericht von der Tour mit der großen Schleife über Adrspach! Die ganze Ecke da hinten habe ich vor einigen Jahren auch mal im Herbst ausgefahren, daher kenne ich die von Dir gezeigten Bahnhöfe und Strecken alle. smile.gif Eine der verträumtesten und schönsten Ecken in ganz Europa für eine Eisenbahn-Tour... die Stimmung auf den Fotos von der menschenleeren Wanderung in Adrspach im nebligen Herbst erzeugen sofort wieder Fernweh in mir!

Danke für die regelmäßigen Fortsetzungen!

Geschrieben von: Entenfang am 20 Nov 2019, 00:58
Zufällig nach Kouty nad Desnou

Zum Mitfahren:
https://www.openrailwaymap.org/?lang=null&lat=50.009062884923054&lon=16.72496795654297&zoom=11&style=standard

Geplant ist eine Bahnrundfahrt mit Wanderung zwischendrin. Von Hradec Králové soll es über Pardubice, Zábreh na Morave, Hanu¨ovice nach Staré mesto p. Sne¸níkem gehen. Auf der Rückfahrt kann ich dann die mir ebenfalls noch fehlende Strecke Hanu¨ovice - Lichkov abfahren. Sie wird nur am Wochenende bedient und ab Dezember übernimmt dort Leo Express.
Pünktlich bringt mich der Regiopanter nach Pardubice, wo ich planmäßig eine halbe Stunde Aufenthalt habe. Die Gelegenheit möchte ich nutzen, um mal ein paar der schönen Bahnhofsgongs aufzunehmen, die je nach Ansage verschieden sind. Ein leicht trauriger Gong kündigt übrigens Verspätungen an. Immer ein Blick wert - die Bahnhofshalle Pardubice.
https://flic.kr/p/2hNaAK7

Nach erfolgreichen Aufnahmen kommt der gut gefüllte Ex nach ´ilina auch schon eingefahren. Überpünktlich erreiche ich Zábreh na Morave. In der App wird mein Anschluss bereits mit +20 angekündigt, was bei 6 Minuten Übergang in Hanu¨ovice unschön ist, ich kann aber davon ausgehen, dass er abgewartet wird.
Rumpelnd und quietschend wird gestopft, Arbeiter mit Grabgabeln schaufeln Schotter durch die Gegend. Ein Zweiwegebagger liefert Nachschub.
https://flic.kr/p/2hN6Xr6
links: vorher - rechts: nachher

https://flic.kr/p/2hN9zE7
Die Taucherbrille wartet vergeblich darauf, endlich den Zug nach Jeseník übernehmen zu können.

Ich verschaffe mir einen Überblick über die Betriebssituation - es ist ein Fiasko. Bei Olomouc gibt es einen PU und kein Zug kann aus dieser Richtung fahren. Mein Anschluss kommt aber von dort.
In der beheizten Wartehalle sitzen und stehen unzählige Menschen und warten teils noch auf den zwei Stunden verspäteten Regiojet nach Prag. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ebenfalls zu warten. Die Verspätungen werden stets nach oben korrigiert. Ich habe vor einer Weile angefangen, Abfahrtsbildschirme zu fotografieren, wenn alle Abfahrten/Ankünfte darauf zu spät sind. Mal sehen, ob ich diese Summe noch übertreffen werde können...
https://flic.kr/p/2hN6Xe2
Man beachte die planmäßige Abfahrtszeit nach Kouty, die angezeigte Verspätung und vergleiche sie mit der Uhrzeit.

Ich probiere den Bustrick, denn oft fahren in Tschechien noch irgendwelche Buslinien mehr oder weniger parallel zu Bahnstrecken. Doch in meine Richtung gibt es absolut nichts. Während ich im Warteraum sitze, laufen quasi ununterbrochen Verspätungsdurchsagen durch. Dumdodedim. Omlouváme se za zpo¸dení vlaku. Vlak RJ 1008 spolecnost Regiojet ze smeru Vrútky, který dalé pokracuje smer Praha hlavní nádra¸í bude opo¸den. Predpokladané zpo¸dení je asi 120 minut. Upozorneme cestujicí, ¸e odhla¨ená zpo¸dení se mu¸e zmenít. Train delay announcement. Train one ou ou eight of Regiojet company from Vrútky that goes on to Praha hlavní nádra¸í is about 120 minutes late on arrival. Please note, that the announced delay may change. Ladies and gentlemen, we apologize for any inconvenience caused by the delayed train. Ding. Omlouváme se za zpo¸dení vlaku. Vlak Eurocity 116 Varsovia spolecnost Ceské drahy linky Ex 3 ze smeru Warszawa Wschodnia, který dalé pokracuje smer Praha hlavní nádra¸í bude opo¸den. Predpokladané zpo¸dení je asi 60 minut. Upozorneme cestujicí, ¸e odhla¨ená zpo¸dení se mu¸e zmenít. Train delay announcement. Train one one six of the company Ceské drahy line Ih Ex three from Warszawa Wschodnia that goes on to Praha hlavní nádra¸í is about 60 minutes late on arrival. Please note, that the announced delay may change. Ladies and gentlemen, we apologize for any inconvenience caused by the delayed train. Ding. Omlouváme se za zpo¸dení vlaku... Inzwischen haben sich so viele verspätete Züge auf der Anzeigetafel gesammelt, dass der pünktliche Leo Express Richtung Olomouc gar nicht mehr draufsteht, als er einfährt. Nach etwa 30 Minuten wird zur großen Erleichterung einiger Fahrgäste endlich die Einfahrt des Regiojet nach Prag verkündet. Die Wartenden lichten sich etwas und strömen durch die Unterführung.
Etwas später wird als nächster für mich interessanter Zug ein Os nach Kouty nad Desnou angekündigt. Ich überprüfe in der App, mein geplanter Anschluss ist natürlich längst weg und der nächste fährt erst in zwei Stunden. Ich beschließe, spontan umzudisponieren, da ich die Strecke nach Kouty nad Desnou auch noch nicht kenne. In der App kann ich die Fahrkarte nicht mehr kaufen, da der Zug planmäßig bereits abgefahren wäre. Die Schlange im Reisezentrum ist beachtlich. Das wird knapp mit der Abfahrt in wenigen Minuten... Doch es gibt noch einen Schalter außerhalb des Reisezentrums, der besetzt aussieht, wo aber gerade niemand sitzt. Und kaum habe ich mich in die Schlange angestellt, kommt eine Mitarbeiterin, um den Schalter draußen wieder zu besetzen. Ich kaufe fix meine Fahrkarte für 14 Kronen und begebe mich zum Bahnsteig, wo mit +68 der Regiopanter nach Kouty einfährt.
Der Plan sieht vor, das gute Wetter doch noch für eine Wanderung zu nutzen. Unweit des Endbahnhofs gibt es nämlich einen Sessellift auf einen Berg, den ich als Ausflugsziel von Brno im letzten Sommer sogar schon mal ins Auge gefasst habe.
Ich nutze die Gelegenheit, schon mal die Rückfahrt am Abend zu klären. Um 56 Minuten Übergang in Zábreh zu vermeiden, kann ich mit Regiojet nach Pardubice fahren. Im gesuchten Zug gibt es nur noch genau einen freien Platz und der ist in der Business-Klasse. Merke, wenn du 9,80¤ für 100 km in der 1. Klasse entsetzlich teuer findest (weil es darauf keinen Studentenrabatt gibt), warst du zu lange in Tschechien. Da man Regiojet-Fahrkarten praktischerweise ohne Gebühren bis 15 Minuten vor Abfahrt stornieren kann, gehe ich kein Risiko ein und buche den Platz. Sollte der CD-Zug eine Stunde früher +5 haben (und der Zug aus Kouty pünktlich sein), kann ich ggf. noch umbuchen und 90% sparen.

In ¦umperk stehen zahlreiche 628 herum, manche noch in stark verblichener Lackierung von DB Regio, die meisten jedoch modernisiert im Arriva-Türkis. Vermutlich werden sie ab Dezember irgendwelche Leistungen im SPNV übernehmen.
Der Zug leert sich langsam mit jedem der zahlreichen Halte, es geht nur noch langsam voran. Bei vMax 50 und einem Haltestellenabstand von weniger als 2 km ist es wenig verwunderlich, dass die 32 km planmäßig 57 Minuten dauern.
In Loucná kreuzen wir den Gegenzug, bestehend aus Knödelpresse mit 3 Wagen. Dabei wird auch das Personal ausgetauscht - die Zub aus meinem Zug übernimmt den Gegenzug, dessen Zub meinen übernimmt.
Mit +62 wird schließlich der Endbahnhof erreicht. Ich bin der einzige Fahrgast, der bis hierhin mitgefahren ist und ich ahne schon, heute nochmal umplanen zu müssen.
https://flic.kr/p/2hN9zy5

Wer sich nun über das merkwürdige Logo am Bahnhof wundert, der wundert sich zurecht. Im Gegensatz zu Deutschland sind private EIU in Tschechien nämlich sehr selten. Außer der Schmalspurbahn JHMD ist mir nur diese Strecke bekannt. Im Jahr 1997 wurde sie bei einem Hochwasser schwer beschädigt. Damals wurde die Einstellung vieler Nebenstrecken diskutiert - im Verkehrsministerium fiel die Entscheidung, die Strecke nicht wieder aufzubauen. Doch dagegen formierte sich Widerstand aus der Region, denn die Anliegergemeinden wollten sich damit nicht abfinden. Sie gründeten das EIU ´eleznice Desná und finanzierten den Wiederaufbau. Knapp ein Jahr später wurde der erste Abschnitt ¦umperk - Sobotín wieder in Betrieb genommen. Die 3 km lange Stichstrecke Petrov - Sobotín weist heute allerdings nur ein bescheidenes Angebot auf - werktags 2 Zugpaare und an Sommerwochenenden 4. Ein weiteres Jahr später ist wieder die Gesamtstrecke bis Kouty befahrbar. Bis 2002 fuhren auf der Strecke Züge der ´eleznice Desná, dann übernahm Arriva den Betrieb. Im Jahr 2015 erfolgte dann der große Umbau - alle Bahnhöfe wurden barrierefrei ausgebaut und die Strecke von ¦umperk bis Kouty elektrifiziert. Seitdem wird grundsätzlich mindestens bis Zábreh gefahren, viele Züge sind aber über Olomouc bis nach Nezamyslice durchgebunden. Es fahren abwechselnd Regiopanter und Knödelpressen mit 3 Wagen. Der ganztägige 2h-Takt (HVZ 1h-Takt) ist für eine Nebenstrecke dieser Art sicher ein gutes Angebot - die Strecke zeigt eindrucksvoll, was aus einer Nebenbahn mit großer regionaler Unterstützung werden kann.
Laut diesem Schild ist EIU der Strecke die Baufirma sart
https://flic.kr/p/2hN6X6M

https://flic.kr/p/2hN9zqz
Sinnvolle Wegführung?!

Als ich mich der Talstation des Sessellifts nähere, wird die Vermutung Gewissheit. Es ist November, Nebensaison, und der Lift natürlich außer Betrieb. Zum zweiten Mal muss ich umdisponieren und entscheide mich, dem Berg stattdessen zu Fuß zu besteigen. Auch wenn es aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit wohl nicht mehr bis ganz nach oben und wieder runter reichen wird, ehe es dunkel wird, laufe ich einfach mal los. Einige wenige Wanderer kommen mir entgegen, während ich mich den steilen Weg hinaufkämpfe.
https://flic.kr/p/2hNaAbB
Die Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 macht sich überall in Tschechien bemerkbar - vielerorts sind ganze Wälder abgestorben.

Blick ins dunstige Tal
https://flic.kr/p/2hN9zda

Doch ich werde belohnt, ich erhalte einen Blick auf den nahenden Sonnenuntergang. Mit etwas Geschick kann ich die Schneekanonen und Liftmasten auch aus den Fotos fernhalten.
https://flic.kr/p/2hN9zbm

Geschrieben von: Entenfang am 20 Nov 2019, 00:58
https://flic.kr/p/2hN6WFt

https://flic.kr/p/2hN6WAd

Ein Mountainbiker auf Talfahrt begegnet mir, dann sehe ich lange niemanden mehr. Als sich die Sonne unter herrlicher Wolkenkulisse dem Horizont nähert, muss ich doch nochmal eine Pause einlegen. Die Zugabfahrt ist dabei unkritisch, wohl aber die nahende Dunkelheit. Eine Frau hat es auch noch bis hierhin geschafft, steigt aber bereits weit vor mir wieder ab.
https://flic.kr/p/2hN6Wxc

https://flic.kr/p/2hN9ySf
Schweren Herzens gehe ich eine Viertelstunde später weiter. Vermutlich gibt es heute wunderbare rot angestrahlte Wolken, doch der weitere Abstieg führt mich durch dichten Wald ohne weitere Ausblicke.
Dennoch war es die richtige Entscheidung, denn die Dämmerung ist längst angebrochen, als ich unten bin und den Bahnhof erreiche. Hurra, kein Regiopanter. Grmpf, nur Großraumwagen. Doch die sind halb so schlimm, weil das Zugpersonal mitgedacht hat und nur jeweils im halben Wagen die Beleuchtung eingeschaltet hat, sodass die Nachtfahrt entspannt im Dunklen erfolgen kann.
https://flic.kr/p/2hN9yNC

Kurzer Check der Betriebssituation - der frühere Ex hat +38. Hey, ich wollte nur +5 bis +10! So nützt mir der -4-Minuten-Übergang nichts, denn damit verpasse ich den früheren Anschluss in Pardubice. Mein Regiojet hat Ostrava pünktlich verlassen und sollte damit vor dem verspäteten Ex eintreffen.
Ich hänge ohnehin die meiste Zeit beim Fenster raus, denn es ist ein warmer Novemberabend bei gemütlichem Tempo. Tröööööt! Dingding. Dingding. Glücklicherweise beschwert sich niemand.
Der Zug füllt sich nach und nach, Wanderer auf dem Rückweg in die Städte, es ist Sonntagnachmittag. Manche fahren auch einfach nur zwei Halte weiter ins nächste Dorf.
Durch Kreuzungen haben wir ein paar Minuten +, als wir in ¦umperk halten. Allmählich muss ich mich entscheiden, ob ich den Regiojet stornieren will. Also ein weiterer Blick auf die nächsten Abfahrten - es ist wieder das totale Chaos. Der Ex hat inzwischen über +60, der Regiojet steht mit +30 drin, da flattert auch schon die Mail rein, die meinen Zug mit +25 ankündigt. Er muss nach der Abfahrt in Ostrava irgendwo herumgestanden haben. Ich habe so ein ungutes Gefühl bei der Sache und sehe mein Abendessen in Gefahr.
https://flic.kr/p/2hN6WmF

Der 8 Minuten vor meiner Ankunft abfahrende Leo hat +25, sodass ich ihn trotz der inzwischen eingesammelten +6 noch locker erwische. Ist nur die Frage, ob noch ein Platz frei ist. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Sonntagnachmittag das gesamte Land im Zug ist und davon 3/4 nach Prag fahren. Ja, es gibt noch 5 freie Plätze, ich kann sie auch buchen, obwohl die planmäßige Abfahrt schon verstrichen ist. Aber - seufz - wieder nur Business für sündhaft teure 13¤!!! Ich beschließe, dass mir ein pünktliches Abendessen das Geld wert ist, storniere die Regiojet-Fahrkarte und buche den Leo.
Wenig später rollt er auch schon herbei. Ist so ungewohnt, nach der 1 Ausschau zu halten..."Haben Sie eine Fahrkarte?", spricht mich die Zub an, bevor ich einsteigen kann. Ja, natürlich. "Haben Sie Business?", fragt sie schon deutlich ungläubiger. Jaja. Was kann ich denn dafür, wenn sonst keine Plätze mehr frei sind...? Ich krame mein Handy raus, um den QR-Code zu suchen. Inzwischen ist der Zug abfahrtbereit. "Naja, kommen Sie mal rein." Sie gibt den Abfahrtauftrag. Die Türen schließen, der Tf schiebt den Hebel nach vorne. Der Flirt geht ab wie eine Rakete, nur um 20 Meter weiter ebenso schnell zum Stehen zu kommen und mich dabei ordentlich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Den Auslöser für die Schnellbremsung kann ich nicht erkennen, aber wenige Sekunden später geht es wieder mit Volldampf voraus. Ich habe die Fahrkarte inzwischen gefunden. Sinnigerweise hat jemand auf eine Fahrkarte im DIN-A4-Format irgendwo oben rechts einen kleinen QR-Code platziert. Sie versucht ihn zu scannen, erfolglos. Ich scrolle näher hin. Sie scannt nochmal. "Ich kann Ihre Fahrkarte nicht finden." Die habe ich aber gerade vor 10 Minuten gekauft. Außerdem bin ich mir sicher, dass ich eine habe, sonst wäre wohl kaum etwas von meiner Kreditkarte abgebucht worden. "Zeigen Sie mal nochmal her." Nach ausgiebigem Scrollen füllt der QR-Code zumindest den halben Bildschirm, sie scannt nochmal, dieses Mal erfolgreich. "Mhm, Student?" Ja-ha. Ich weiß, dass ich keinen Rabatt bekomme... Aber ich habe keine Lust, hier eine Stunde zu warten. "Hier bitteschön, Ihr Sitzplatz." Studenten in der Business-Klasse, das ist wohl in Tschechien nicht vorgesehen. Anstatt mich darüber zu ärgern, dass ich 13¤ statt 1¤ gezahlt habe, denke ich mir lieber, wie viel die Fahrt in Deutschland gekostet hätte und mein Ärger ist verflogen. Dafür genieße ich das kostenlose Wasser und ebenso kostenlose nichtalkoholische Getränk nach Wahl. Den eigentlichen Plan, wenigstens gratis Kaffee und Kuchen zu machen, muss ich wieder verwerfen. Denn einen Snack gibt es erst bei Reisen über 50 Minuten gratis und bis Pardubice sind es nur 49.

Dafür rauschen wir flott durch die Nacht und ich stelle bald fest, alles richtig gemacht zu haben. Der Regiojet ist inzwischen wie der Ex bei +60 und ich schaffe in Pardubice sogar noch einen Zug früher nach Hradec, sodass ich im Endeffekt durch das Chaos zwar den 10-fachen Preis gezahlt habe, aber dafür mit -30 mein Ziel erreiche.

Der Fluch der Konkurrenz im SPFV - der Fahrgast darf mit drei verschiedenen Fahrkarten herumjonglieren...

Geschrieben von: Oliver-BergamLaim am 20 Nov 2019, 12:23
Herzlichen Dank für die traumhaften Bilder aus der Natur! Und dann abends im Dunklen an einen schönen kleinen Dorfbahnhof kommen, ein schöner Zug mit Altbau-E-Lok und alten Waggons steht zum Einsteigen bereit... herrlich! Tschechien steht nach 2 Jahren Abstinenz (2018+2019 hab ich es einfach nicht rübergeschafft) für nächstes Jahr wieder mit ganz oben auf meiner Wunschliste smile.gif

edit für eine kurze Frage: früher konnte man auf der CD-Webseite als pdf die offizielle Kursbuch-Streckenkarte für ganz Tschechien herunterladen (die, die früher auch im gedruckten Kursbuch in der vorderen Umschlagklappe abgedruckt war). Ich kann diese Karte jedoch auf der Webseite nicht mehr finden. Falls es sie noch gibt, könnte jemand netterweise einen Link dazu posten? Danke!

Geschrieben von: JeDi am 20 Nov 2019, 17:01
Die Karte gibts da, wo es sie immer gab: bei der Infrastruktur als Herausgeber der Fahrplantabellen: [URL] https://www.szdc.cz/documents/50004227/77921601/mapa-trati.pdf/c3fb0514-54d9-4167-898e-e71be33c196f[/URL]

Geschrieben von: Entenfang am 20 Nov 2019, 23:15
QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 20 Nov 2019, 12:23)
Herzlichen Dank für die traumhaften Bilder aus der Natur!


Bitteschön! smile.gif

QUOTE
die offizielle Kursbuch-Streckenkarte für ganz Tschechien herunterladen (die, die früher auch im gedruckten Kursbuch in der vorderen Umschlagklappe abgedruckt war).

...ist glücklicherweise im Kursbuch 2019 immer noch in der Umschlagklappe drin, sonst dürfte es schwierig werden, die richtigen Fahrpläne zu finden. wink.gif


Museumsbahn im Regelbetrieb

Ein großes Anliegen war mir noch während des goldenen Herbsts ein ausgiebiger Besuch entlang der auch als Freilichtmuseum bekannten Eisenbahnstrecke Chlumec n.C. - Trutnov. Daher sieht der Plan vor, mit Fahrrad nach Trutnov zu fahren und dann ein bisschen die Strecke zu erkunden. Nur gibt es da eine kleine Hürde - wenn man irgendwann mal ankommen will, ist SEV unumgänglich. Nun ist ja eine gewisse Problematik bekannt, wenn man Fahrradbeförderung und SEV in einem Satz erwähnt. Bisher habe ich in diesem Hinblick einige positive Beispiele in Tschechien gehabt, indem z.B. ein Bus mit Anhänger oder dem Hörensagen nach sogar mal ein LKW zusätzlich eingesetzt wird. Zwischen Hradec Králové und Ceská Skalice ist das aber nicht der Fall, hier kommen üblicherweise https://www.cdsnachod.cz/novinkaiveco.htmlmit einem Rollstuhlstellplatz oder ex-Deutsche Lion's City zum Einsatz. Interessanterweise ist in der CD-Fahrplanauskunft bei den ausdrücklich als SEV-Bussen ausgewiesenen Verbindungen ein Fahrradsymbol dabei und die wörtliche Übersetzung der Beschreibung lautet: "Transport von Fahrrädern bis zur Kapazitätsausschöpfung" - auf Deutsch würde man wohl "Fahrradmitnahme begrenzt möglich" sagen. Mangels Alternativen lasse ich es mal drauf ankommen und setze darauf, dass am Montagmorgen um 9 die Kapazität nicht ausgeschöpft ist.

Als der R aus Prag beim Frühstück mit +22 drinsteht, mache ich mir keine Eile mehr. Der SEV wird ohnehin nicht pünktlich abfahren. So komme ich bei planmäßiger Abfahrt um 9:00 Uhr um 8:59 Uhr an der Bushaltestelle an. Ich ernte leicht irritierte Blicke, als ich meinen Wunsch auf Beförderung samt Fahrrad beim Schaffner vor der Bustür kundtue. "Hier ist doch kein Platz - probieren Sie mal den nächsten Bus." Sehr sinnvoll, da sich die Innenraumgestaltung der http://www.icomtransport.cz/images/stories/PDF/ICOM/setra.PNG nur unwesentlich von den Crossways unterscheidet. "Wo sollen wir denn das Fahrrad mitnehmen?", meint der Schaffner am zweiten Bus skeptisch, "naja, fragen Sie mal den Busfahrer..." "Hier ist kein Platz", meint er. Moment mal, im Internet steht aber, dass im SEV Fahrräder befördert werden. "Ja, das gilt nur, wenn der Zug fährt." Jaja, klar. Deswegen steht ja auch ausdrücklich Bus 1784 mit Fahrradsymbol in der Fahrplanauskunft, denke ich mir. Ich halte mein Handy mit dem entsprechenden Symbol hin. Dass sich bei einer niedrigen zweistelligen Zahl Fahrgästen, 0 Kinderwagen, 0 Rollstühlen und 0 Schrankkoffern – verteilt auf 3 Busse - wohl schlecht mit einer Ausschöpfung der Kapazität argumentieren lässt, sieht der Schaffner wohl auch ein. "Außerdem ist das Fahrrad ganz dreckig", protestiert der Busfahrer. Gut, ich gebe zu, mein Fahrrad ist nicht blitzblank geputzt, aber auch nicht so dreckig, dass gleich der ganze Bus zur Schlammwüste wird. Wenn jemand bei nassem Wetter mit dreckigen Schuhen einsteigt, dürfte die Verschmutzung wohl schlimmer ausfallen. Widerwillig öffnet der Busfahrer die hintere Tür. "Mhmgrmblpf, probieren Sie mal..."
Mein Fahrrad passt leicht schräg ganz hervorragend in das Rollstuhlabteil, inzwischen gibt es den Abfahrtauftrag vom zuständigen Dispatcher, denn der Anschluss aus Prag wird nicht abgewartet. Das Schließen der Türen belohnt die Software des Busses erstmal mit einem Absterben des Motors und dem Aktivieren der Weihnachtsbeleuchtung. Fluchend setzt der Fahrer den Motor wieder in Gang und wir fahren ab.

In Gegenrichtung stauen sich die polnischen LKWs nahezu Stoßstange an Stoßstange, an einer Stelle muss die Buskolonne kräftig abbremsen, weil auf der Gegenspur zwei Autos nebeneinanderstehen und deshalb über die Mittellinie ragen. Ob das rechte Fahrzeug eine Panne hat, oder ich das Resultat eines unnötigen Überholmanövers sehe, ist auf die Schnelle nicht zu klären. Mit einigen Verzögerungen kommen wir in Jaromer an. Gerade als der Fahrdienstleiter den Abfahrauftrag geben will, kommt ein älterer Mann angerannt und sagt irgendwas. Dem Busfahrer scheint das nicht zu passen und er schließt die Tür, um abzufahren. Doch das Ergebnis ist dasselbe wie in Hradec, der Motor geht aus und die Weihnachtsbeleuchtung an. Während der Busfahrer fluchend den Motor neustartet, gesellen sich zwei weitere Männer zum ersten dazu, welcher mit der flachen Hand gegen die Tür klopft. Immer noch fluchend öffnet der Busfahrer wieder die Tür, der Mann hält ihm ein bisschen überdeutlich eine Fahrkarte unter die Nase. "Da - 3 Leute nach Ceská Skalice." Dass die drei Alkoholiker sind, rieche ich sofort durch den halben Bus. Ausländer mit Fahrrad, spinnende Software, Säufer morgens um halb 10, der Tag kann für den Busfahrer wohl nur noch besser werden...

Als wir und endlich mit noch mehr Verspätung der zusätzlichen Haltestelle im Ortskern von Ceská Skalice nähern, stehen die drei auf, einer mit geöffneter Bierflasche in der Hand und begeben sich wankend zur Tür. Die Bewegungen des fahrenden Busses sorgen dafür, dass einer fast auf die Schnauze fliegt. Glücklicherweise schaffen sie es alle nach draußen und wenig später kann ich mein Fahrrad erfolgreich in den bereits 15 Minuten wartenden Zug zur Weiterfahrt nach Trutnov umladen, zumindest nachdem ein Fahrgast ein bisschen von hinten geschoben hat, um das Fahrrad vom Erdhaufen knapp über SOK in den Reisezugwagen zu bekommen.

https://flic.kr/p/2hNxr7E
Schwellenbagger

https://flic.kr/p/2hNxr2j
Volle Kraft voraus

https://flic.kr/p/2hNyryL
Der Hochnebel löst sich auf

https://flic.kr/p/2hNuPFF
Ein Bild ohne Waagrechte - wenn ich die Bäume geraderichte, stimmt die Überhöhung nicht mehr... unsure.gif

https://flic.kr/p/2hNuPCj
Zugkreuzung in Trutnov Stred

https://flic.kr/p/2hNyrjn
Holztransport ist ein wichtiges Standbein im tschechischen SGV, insbesondere abseits der Magistralen.

Dank der (zugegebenermaßen erwarteten) Verspätung geht mein Fotoplan nicht mehr auf, denn eigentlich hätte ich von Trutnov stred etwa 11 Minuten Zeit, um die Fotostelle an der netten Brücke aufzusuchen. Damit kann ich mich 55 Minuten im Industriegebiet an den Straßenrand setzen und auf den nächsten Zug warten und mit etwas Glück einen Güterzug erwischen.
https://flic.kr/p/2hNuPut
Zunächst kommt einer der modernen Erdgas-Stadtbusse Trutnovs vorbei, farblich hervorragend passend zur Brücke.

Dieses Glück habe ist mir zwar nicht vergönnt, doch die beiden in kurzem Abstand folgenden Züge nehme ich auf, ehe ich die Fahrt nach Westen beginne.
https://flic.kr/p/2hNxqus

https://flic.kr/p/2hNuPib
Würde man so eine Konstruktion bei der Modellbahn einrichten, wäre sie wohl als zu viele Gleise und Bahnhöfe auf einem Haufen verschrien...

Leider führt ein nicht unbeträchtlicher Teil meiner Fahrt über eine Bundesstraße, die jedoch glücklicherweise nicht allzu stark befahren ist. Das hindert aber manchen Autofahrer weder daran, mich mit ziemlich wenig Abstand oder vor nicht einsehbaren Kurven zu überholen.

https://flic.kr/p/2hNuPaa
Eine Brotbüchse bei Vlcice

Geschrieben von: Entenfang am 20 Nov 2019, 23:16
Ich entdecke ein fotogen platziertes Spiegelei und während ich durchrechne, ob sich das Warten auf den nächsten Zug noch mit dem Erreichen meines Ziels vereinbaren lässt, höre ich es in der Ferne pfeifen. Die vorher gefahrene Brotbüchse müsste eigentlich schon längst weg sein und irgendwie klingt es nicht nach Brotbüchse. Ich höre es noch ein paar Mal pfeifen. Nein, keine Einbildung. Dann passiert eine Minute lang nichts. Ich überlege schon, ob es doch die zuvor vorbeigefahrene Brotbüchse gewesen sein könnte und plötzlich dröhnt und rumpelt und pfeift es in unmittelbarer Nähe - Jackpot. Gruß an den Tf!
https://flic.kr/p/2hNuP1N

Den Bahnhof Pilníkov mit Formsignalen überspringe ich aus Zeitgründen, nur ein schnelles zugloses Bild vom Weichenwärterhäuschen mit mechanischen Schranken muss drin sein.
https://flic.kr/p/2hNxpZp

Stattdessen warte ich den nächsten Zug an der zweiten mechanischen Schranke ab. Sie wird schon lange vor der Ankunft des Zuges geschlossen und nicht durch eine Kamera überwacht, sodass ich davon ausgehe, dass sie bereits mit der Meldung der Zugabfahrt an der vorherigen Betriebsstelle geschlossen wird.
https://flic.kr/p/2hNuNPF

https://flic.kr/p/2hNxpLo
854 023 passiert das Esig Pilníkov

https://flic.kr/p/2hNxpBA
810 124 in Chotevice

In Chotevice halte ich ein kleines Schwätzchen mit der Schrankenwärterin und frage sie, woher sie eigentlich weiß, wann der von ihr nicht einsehbare BÜ (vorheriges Bild) geöffnet werden kann. Anscheinend muss der Zug sie anrufen, nachdem er ihn passiert hat. So weit ich das überblickt habe, scheint das jedoch nicht passiert zu sein. Ob das reiner Zufall war oder der üblichen Laissez-Faire-Einstellung der Tschechen in puncto Sicherheit geschuldet, lässt sich nicht klären. Sie mag ihren Job offenbar und sieht es als guten Ersatz zum Fitnesstudio, etwa 2x stündlich die Schranken runter- und hochzukurbeln.
https://flic.kr/p/2hNuNtf

https://flic.kr/p/2hNuNjs

https://flic.kr/p/2hNypUo

https://flic.kr/p/2hNxpbq

Sie empfiehlt mir jedenfalls, weiter nach Hostinné lieber den Radweg über den Berg zu nehmen, anstatt auf der Straße zu fahren, weil man dort eine schöne Aussicht auf das Riesengebirge genießt.
https://flic.kr/p/2hNuMYT

Geschrieben von: Entenfang am 20 Nov 2019, 23:17
Das stimmt tatsächlich, nur frage ich mich zum wiederholten Male, ob Radwegeplaner in Tschechien schon jemals selbst mit dem Fahrrad gefahren sind. Ich jedenfalls finde es nicht sinnvoll, einen ausgeschilderten Radweg mit mindestens 15% Gefälle mit schön viel Splitt zu bestreuen, auch wenn das vielleicht weniger Flächenversiegelung bedeutet...

Stellwerk Hostinné
https://flic.kr/p/2hNxoYS

https://flic.kr/p/2hNxoTS
854 034 rollt durch das Elbtal bei Prosecné

https://flic.kr/p/2hNxoNr
Wo gehts hier lang?

https://flic.kr/p/2hNxoLx
Eine Brotbüchse im weiten Elbtal kommt im Sonnenloch, die nächste Fotostelle erreiche ich eine halbe Minute zu spät, sodass ich auf dem letzten und ebenfalls sehr fotogenen Abschnitt vor Kuncice kein Bild mehr machen kann. So strample ich gemütlich weiter zum Bahnhof, nicht ohne unterwegs von einem Passanten begrüßt zu werden. Hier gibt es echte Landidylle mit Kühen, Hühnern und Schafen. Kinder fahren auf der Ladefläche eines Traktors mit.
https://flic.kr/p/2hNxoGQ

https://flic.kr/p/2hNuMAJ

Ein Radfahrer vor mir - immerhin führt auf dieser Straße der Elbradweg entlang - wird von einem Autofahrer kurz vor einer überhaupt nicht einsehbaren Kurve überholt und der entgegenkommende Lieferwagen muss aufs Bankett ausweichen. So viele Leitpfosten, wie überall im Gras rumliegen, muss das wohl öfter vorkommen. Warum man wegen ein paar Sekunden Zeitgewinn einen Frontalcrash riskiert, werde ich wohl nie begreifen.

Blumen müssen sein - ich frage mich, ob die SZDC dafür ein eigenes Budget hat...
https://flic.kr/p/2hNuMq3

https://flic.kr/p/2hNxokh
Die Steck-Abfahrtstafel ist in Rente gegangen

https://flic.kr/p/2hNyoNR
Wirklich gemütlich ist der Warteraum hier nicht

https://flic.kr/p/2hNyoD2
Schwätzchen bei der Einfahrt

Geschrieben von: Entenfang am 20 Nov 2019, 23:17
Für die Rückfahrt verzichte ich auf weitere SEV-mit-Fahrrad-Erfahrungen und fahre stattdessen via Chlumec zurück. Nimmt denn der nervtötende SEV von Hradec Králové nach Stará Paka und Náchod gar kein Ende mehr?

https://flic.kr/p/2hNuLMV
914 055 in Ostromer

Abends am Bf Chlumec
https://flic.kr/p/2hNyooc

...und Abfahrt in den Abend.
https://flic.kr/p/2hNyohf

Geschrieben von: JeDi am 21 Nov 2019, 07:32
QUOTE (Entenfang @ 20 Nov 2019, 23:15)
...ist glücklicherweise im Kursbuch 2019 immer noch in der Umschlagklappe drin, sonst dürfte es schwierig werden, die richtigen Fahrpläne zu finden. wink.gif

"Früher" stimmt aber freilich insoweit, dass das Kursbuch 2020 wohl nur mehr als Dienststück herausgegeben wird...

Geschrieben von: Entenfang am 23 Nov 2019, 00:21
Bild des Tages

Der Blockwärter aus Ble¨no

https://flic.kr/p/2hPs8E5

...wird diesen Arbeitsplatz nur noch etwa 3 Jahre haben, denn dann wird die Strecke Velký Osek - Hradec Králové - Chocen modernisiert und zweigleisig ausgebaut, um mehr Güterverkehr von der chronisch überlasteten Hauptstrecke Prag - Ceská Trebová umleiten zu können.


Notizen aus dem Alltag - Tag 110

"Führen Sie hier eine Statistik?", fragt mich eine Frau, während ich in der Bushaltestelle auf die nächste Abfahrt warte. Ja, wir machen Fahrgastzählung. "Können Sie nicht mal was machen, dass die 9 und die 24 nicht immer direkt hintereinanderfahren und dann eine halbe Stunde lang nichts? Die fahren doch dieselbe Strecke..."

Anmerkung: Tatsächlich gibt es Abfahrten um 13:12, 13:16 und dann erst wieder um 13:37 und 13:38. Der Grund für den chaotischen Fahrplan ist die Gewährung von Fahrerpausen und die Abstimmung der Linien 9 und 24 mit der Linie 1 auf der stärker nachgefragten Querschnitt Fakultní nemocnice. Da die Linie 9 den Ortsteil Trebe¨ auf der Umgehungsstraße umfährt, ist ihre Fahrzeit kürzer als die der Linie 24, was zu den vorhandenen Häufungen an der Haltestelle Hvezda führt.
http://www.dpmhk.cz/common/cms_files/schemata/schema_MHDHK_2019_06_03.jpg

Geschrieben von: 218217-8 am 24 Nov 2019, 13:27
Zum mehrfach wiederholten Male verfolge ich deine aktuellen Berichte aus Tschechien mit Hingabe. Der "versehentliche" Ausflug nach Kouty nad Desnou hat in mir Erinnerungen geweckt an einen schönen Urlaub 2011 in Mähren. Wir waren für ein paar Tage in ¦umperk und haben von dort aus Ausflüge u. a. nach Hanu¨ovice, Jeseník, Olomouc und eben nach Kouty nad Desnou gemacht. Hauptgrund der Reise war die Suche nach "Nähmaschinen", deren letztes Einsatzgebiet von ¦umperk aus war. Leider konnten wir nur noch abgestellte Exemplare entdecken. Ein weiterer Ausflug hat uns über Głuchołazy zur Schmalspurbahn nach Osoblaha gebracht.

Auf der extrem beschaulichen Desnátalbahn waren damals noch Brotbüchsen und Regionovas in ´D-Farben unterwegs. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass diese Strecke jemals elektrifiziert und von lokbespannten Zügen befahren werden würde! Danke für den Bericht!

Im Anschluss sind wir dann über die Grenze nach Polen gereist und haben noch ein paar Tage in Glatz verbracht. Beidseits der Grenze war die Region (damals) vom internationalen Tourismus noch weitgehend verschont, so dass wir ein recht unverfälschtes Mähren und Oberschlesien erleben durften.

Viellleicht sollte ich deinen aktuellen Bericht als Anlass für eine Rückschau in Form eines Bilderberichts über meine damalige Reise nehmen.

Geschrieben von: Entenfang am 24 Nov 2019, 22:41
QUOTE (218217-8 @ 24 Nov 2019, 13:27)
Viellleicht sollte ich deinen aktuellen Bericht als Anlass für eine Rückschau in Form eines Bilderberichts über meine damalige Reise nehmen.

Ohja, sehr gerne! Ich kenne Tschechien noch nicht sehr lange - 2014 war ich das erste Mal drüben und seitdem hat mich das Land nicht mehr losgelassen. Bin mal gespannt, was sich in den Jahren davor getan hat.

Bild des Tages
Blaue Stunde an der Elbe

https://flic.kr/p/2hQneDE
Immer wieder faszinieren mich die leuchtenden "Tore" an den Zufahrten zur Pra¸ský most.

Geschrieben von: Entenfang am 27 Nov 2019, 22:57
Bild des Tages...
https://flic.kr/p/2hRQwHY

...und die zugehörige Geschichte:

Der letzte EC des Tages bringt mich pünktlich von Dresden nach Prag. Dort habe ich die Wahl, um 21:56 Uhr mit Umstieg in Pardubice weiterzufahren (Hradec Králové an 23:23) oder mit dem direkten Hradecan um 22:06 (Hradec Králové an 23:49). Schon alleine aufgrund der kürzeren Reisezeit bevorzuge ich Variante 1. Außerdem hat Variante 2 den Nachteil, dass um 23:58 Uhr der letzte Bus am Bahnhof abfährt und bei Verspätung schnell ein Taxi nötig wird. Einigermaßen pünktlich verlässt der Metropolitan Prag und ich überprüfe in der Muj Vlak-App die weitere Verbindung. Uhoh, sie vermeldet 1x außerordentliches Ereignis, die sind meistens böse. Die Hauptstrecke von Prag nach Osten ist zwischen Velim und Kolín nach einem PU gesperrt. Memo an mich selbst - erst Betriebslage checken, dann einsteigen. Der Zug soll über Nymburk umgeleitet werden, also genau die Strecke, über die der Hradecan auch verkehrt. Als wir in Poricany die Hauptstrecke verlassen, erkundige ich mich bei der Zub, ob wir denn in Nymburk halten würden. Als sie verneint, frage ich, ob wir denn nicht halten könnten, damit ich umsteigen kann. Der 4-Minuten-Umstieg in Pardubice ist aussichtslos und der nächste Zug nach Hradec fährt erst zwei Stunden später um 1:05 Uhr ab.
Sie ruft den Dispatcher an. Wir fahren durch ein Funkloch und eine Minute später ruft er zurück - außerplanmäßiger Verkehrshalt genehmigt. Ich bin der einzige, der davon Gebrauch macht. Nach unerklärlichen 10 Minuten Aufenthalt wird gerade der Abfahrtauftrag gegeben.

So einfach und kundenfreundlich kann Eisenbahn sein. Der Hradecan hat durch das Chaos übrigens +25 eingesammelt, sodass mich die Bahnfahrt insgesamt 5,10¤ und das Taxi vom Bahnhof zur Wohnung 6¤ gekostet hat... biggrin.gif

Geschrieben von: Iarn am 28 Nov 2019, 07:50
Danke für Deine wie immer sehr erfrischend zu lesenden Reiseberichte.

Du hast allerdings wohl den unschlagbaren Vorteil, die Landessprache zu beherrschen ich frage mich, wie man sich als Durchscnnittstourist, der bitte, danke, guten Tag beherrscht, so durchschlagen würde.

Geschrieben von: Entenfang am 28 Nov 2019, 21:17
QUOTE (Iarn @ 28 Nov 2019, 07:50)
Du hast allerdings wohl den unschlagbaren Vorteil, die Landessprache zu beherrschen ich frage mich, wie man sich als Durchscnnittstourist, der bitte, danke, guten Tag beherrscht, so durchschlagen würde.

Das ist schon mehr, als der Durchschnittstourist auf Tschechisch kann. biggrin.gif

Im Ernst - die Landessprache zu beherrschen, ist immer ein unschlagbarer Vorteil, egal, wo man ist. Es gibt vielleicht Länder, wo es weniger bringt, weil eh jeder Englisch kann (Niederlande, Skandinavien) und Länder, wo es mehr bringt, weil niemand Englisch spricht (Belarus). Aber in Tschechien würde ich mir da an deiner Stelle keine allzu großen Sorgen machen. Die Zub hätte wohl auch Pardubice - Hradec Králové?!?!, evtl. in Verbindung mit dem nachgeschlagenen Wort für Umstieg (prestup) verstanden. Und im Zweifel findet sich eigentlich immer irgendeine jüngere Person im Zug und die jungen Tschechen können eigentlich alle Englisch (ganz im Gegensatz z.B. zu Ukraine, Belarus, Russland oder China). Im grenznahen Raum können fast alle Deutsch. Zugbegleiter in internationalen Zügen können eigentlich immer entweder Deutsch oder Englisch oder beides, bei innertschechischen Verbindungen ist meist das Gegenteil der Fall. Da hilft nur Zielort nennen, Zahl vom Terminal ablesen und bezahlen. Wenn du abseits der Touristenrouten und nicht im grenznahen Raum unterwegs bist, kannst du allerdings weniger damit rechnen, dass du mit Deutsch oder Englisch weit kommst. Da helfen dann nur Hände und Füße bzw. Google Übersetzer. Aber ist ja in Deutschland auch nicht anders - in der Provinz wirst du kaum eine Speisekarte auf Englisch bekommen...

Geschrieben von: Entenfang am 1 Dec 2019, 23:24
Bild des Tages
https://flic.kr/p/2hTyB2K
Die Wendeschleife Nový Hradec Králové befindet sich in einer alten Einfamilienhaussiedlung und muss einst von großer Bedeutung gewesen sein. Noch vor 15 Jahren wurde hier in der HVZ ein 6-Minuten-Takt angeboten - heute sind es immerhin noch 8 Abfahrten pro Stunde, wenn auch ohne gleichmäßigen Takt.

Geschrieben von: Entenfang am 2 Dec 2019, 22:34
Bild des Tages
Punkevní jeskyne

https://flic.kr/p/2hU5k9H

Die bekannteste Tropfsteinhöhle des Mährischen Karstes ist von kaum zu begreifender Schönheit (und deswegen im Sommer immer ausgebucht). Ein absolutes Highlight ist die Bootstour durch den überfluteten Höhlenteil.

Notizen aus dem Alltag - Tag 137

"Ich habe gehört, in Deutschland wären sämtliche Bushaltestellen Bedarfshaltestellen...", meint der Busfahrer zu mir, als wäre das etwas völlig Außergewöhnliches. Verglichen mit Tschechien ist es das auch, denn an der Mehrheit der Haltestellen muss immer gehalten werden. "Welche Busse habt ihr denn so in Dresden?", will er wissen, "hier in Hradec haben wir ja einige neue Ivecos gekauft." In Deutschland fahren überwiegend MAN und Citaros - nur teure Fahrzeuge... SOR sucht man dagegen vergeblich. "Klar, in Deutschland gibt es ja mehr Geld. Aber sagen Sie mal, ich habe im Internet gelesen, dass es in Deutschland nachts für Frauen nicht sehr sicher auf der Straße ist. Naja, ist wohl eine politische Entscheidung..." Oh nein, nicht schon wieder, denke ich nur. Bereits einige Male habe ich mir ungefragt die Meinung zu Merkels Flüchtlingspolitik anhören müssen und die ist in Tschechien eindeutig nicht positiv.

Geschrieben von: Iarn am 2 Dec 2019, 22:44
QUOTE (Entenfang @ 2 Dec 2019, 22:34)
Bereits einige Male habe ich mir ungefragt die Meinung zu Merkels Flüchtlingspolitik anhören müssen und die ist in Tschechien eindeutig nicht positiv.

Generell ist das Thema in allen Visegrad Staaten schizophren. Jahrzehntelang haben sie gejammert, dass Deutschland und Westeuropa zu restriktiv mit den Grenzen seien und kaum haben sie Zugang, beschweren sie sich über jeden anderen der rein kommt.
Am absurdesten ist es, wenn in Polen die Rechten Verständnis für den Brexit aufbringen, obwohl einer der Auslöser in Großbritannien die (in meinen Augen völlig unberechtigte) Angst vor zu vielen Polen war.

Geschrieben von: Entenfang am 6 Dec 2019, 01:00
Bild des Tages
Nikolaus-Obus


https://flic.kr/p/2hVurHz


https://flic.kr/p/2hVqRgL
Wie sich das für jeden anständigen Verkehrsbetrieb gehört, wird ein Fahrzeug weihnachtlich geschmückt. In Hradec Králové verkehrt der Nikolaus-Obus bereits zum 29. mal. Die Nachfrage ist enorm und das, obwohl der Krampus manch Kleines ganz schön erschreckt hat...

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