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Prag - Stadt der 1000 Türme und Tatras [Zur Themenübersicht]
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DumbShitAward
  Geschrieben am: 13 Mar 2015, 20:24


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QUOTE (Entenfang @ 11 Mar 2015, 15:51)
Die unverschämten Wechselkurse im Hbf tue ich mir nicht an. In der Wechselstube in Bahnhofsnähe ist der Kurs aber auch nicht gerade berauschend.

Ich war gerade eine Woche in England, da ist mir das auch wieder aufgefallen. Da gibts im Prinzip nur drei Kategorien: Wucherer, Halsabschneider und Apotheker.
Entsprechend habe ich der Einrichtung "Wechselstube" schon lange den Rücken gekehrt, da ist es ja oft sogar mit Standardkreditkarten günstiger, Geld am Automaten abzuheben. Ansonsten einfach V-Pay oder Maestro/Cirrus-Karte in den Automaten stopfen, paar Cent Gebühren berappen und gut ists (da lauert natürlich gleich der nächste Fallstrick: immer in Landeswährung buchen, sonst erscheint einem die Wechselstube fast günstig...)

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Lektion 73 in unserer Serie "Rechtsstaat für Anfänger", heute: §81 StGB

Wer es unternimmt, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen oder die auf dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland beruhende verfassungsmäßige Ordnung zu ändern, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.
    
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Oliver-BergamLaim
  Geschrieben am: 14 Mar 2015, 14:25


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Danke für diesen absolut genialen Bilderbeitrag! Prag ist für mich, noch leicht vor Barcelona und Kiew, definitiv die Schönste der rund 30 Millionenstädte Europas (wenn man die Millionenstädte im europäischen Teil Russlands mitzählt, analog Wikipedia). Prag ist für mich der real gewordene Traum einer Großstadt, die ich mir in der Fantasie nicht schöner schaffen könnte. Die riesengroße, mit prachtvollen historischen Gebäuden im Überfluß ausgestattete Altstadt, das Gassengewirr, der breite Fluß mit zahllosen Brücken, die hügelige Topographie mit dem grünen Umland, der großteils gelungene Kontrast aus alt und neu (Auffüllen der wenigen Bombenlücken aus dem WKII mit Häusern wie dem "tanzenden Haus"), der immer noch leicht vorhandene sozialistische Touch (einige Gebäude im Zentrum, viele Gebäude außerhalb des Zentrums, völlig unmodernisierte Bahnhöfe wie Smichov, Metro-Stationen wie in Moskau oder Kiew), das dichte Tramnetz, das hervorragende tschechische Essen, die perfekte touristische Infrastruktur, und vor allem: es liegt fast vor der Haustür smile.gif

Das mit der Schönheit Prags schätzen auch sehr viele andere Besucher aus der ganzen Welt (zu Recht) so ein, weswegen der Massentourismus natürlich zumindest entlang des "Königswegs" und an den Hauptplätzen der Altstadt schon längst überhand genommen hat und auch die sonst bekannten Nebenerscheinungen wie fliegende Händler, Restaurant-Werber, Stripclub-Werber, Flyer-Verteiler etc. mit sich bringt. Schlimmer als in anderen Massentourismus-Zentren wie Wien, Mailand oder Amsterdam ist es aber auch nicht. Im Vergleich zum restlichen Tschechien ist das Preisniveau in Prag aber extrem hoch, vor allem im Zentrum und vor allem bei Hotels und Gastronomie. Das kann man natürlich umgehen, indem man z.B. eher außerhalb des Zentrums irgendwo entlang einer Tramstrecke in einer der zahlreichen Nachbarschafts-Wirtschaften ißt, wo ein vergleichbares Gericht umgerechnet nur etwa 4-5 Euro kostet statt 12 Euro wie im Zentrum.

Um noch auf einige Deiner Fragen bzw. Kommentare, lieber Entenfang, einzugehen:

QUOTE (Entenfang @ 13 Mar 2015, 15:58)
Auf dem Weg zur Burg Vysehrad heult plötzlich eine Sirene ohrenbetäubend laut. Sind die Russen in Estland einmarschiert? Aber keinen scheint es zu interessieren, also wohl nur ein Probealarm. In der Tat verstummt die Sirene nach etwa einer Minute wieder.
In Prag gibt es - wie meines Wissens nach wohl auch im ganzen restlichen Tschechien - an jedem ersten Mittwoch im Monat einen Sirenentest. Es müßte irgendwann vormittags oder mittags sein, entweder um 10, 11 oder 12 Uhr, ich weiß es nicht mehr genau. Da Prag ja bis 1945 deutsch besetzt war, vermute ich, dass in Prag großteils noch Original Siemens-Sirenen aus deutscher Produktion aus den späten 1930er Jahren zum Einsatz kommen. Wenn man bei so einem Sirenentest mitten in einem der Gründerzeit-Wohnviertel wie z.B. Vinohrady steht und auf einmal rundherum die Sirenen auf den Hausdächern losheulen, möchte man meinen, man ist tatsächlich in den 1940ern und ein Angriff der Amerikaner steht kurz bevor. Zu einem wirklich relativ großen Bombenangriff kam es aber zum Glück in der Geschichte Prags nur ein einziges Mal, am 14. Februar 1945, und das war - unter Historikern immer noch umstritten - wohl ein Fehler einiger Bomberpiloten, die eigentlich das nahegelegene Dresden ansteuern hätten sollen. Dabei wurden im Zentrum von Prag einige Gebäude zerstört, an deren Stelle später teilweise ansprechende Neubauten wie das Tanzende Haus entstanden sind. So massiv wie in deutschen Großstädten waren die Bombenschäden aber bei weitem nicht.

QUOTE (Entenfang @ 11 Mar 2015, 15:53)
Für was der Mann im albernen Kostüm, das eine Mischung aus Drache und Krokodil darstellt, Werbung macht, ist mir aber nicht klar geworden.
Mir sind nur als Stoff-Haifische verkleidete Vietnamesen bekannt, die Werbung für die zahlreichen von Vietnamesen betriebenen "Fish-spas" im Zentrum Prags machen. Dort kann man sich von Putzfischen die Füße massieren/säubern/was auch immer lassen.

QUOTE (Entenfang @ 11 Mar 2015, 15:54)
Ich lese noch den Flyer durch, der die wichtigsten Tarifinformationen in 10 Sprachen sowie ein schematisches Tram+Metronetz enthält. Dabei stelle ich fest, dass mein Koffer schwarzgefahren ist, denn während die Fahrradmitnahme kostenlos ist, muss man für Gepäck eine Fahrkarte zum ermäßigten Tarif lösen. Darauf hätte man mich an der Information ja hinweisen können…
In sehr vielen osteuropäischen Betrieben muß man für den Koffer einen extra Fahrschein entwerten (teilweise voller Tarif, teilweise eine ermäßigte Karte z.B. zum Kinderpreis, je nach Betrieb). Ich glaube, das wird in Osteuropa als so normal angesehen, dass man auch als Angestellter eines Verkehrsbetriebes einfach nicht darauf kommen würde, dass das in anderen Ländern anders sein könnte, und dass man Touristen deswegen drauf hinweisen müßte.

In Sofia durfte ich deswegen in der Tram mal Strafe zahlen, was von einer lebhaften Diskussion zwischen einigen älteren mitfahrenden Bulgaren (die wohl meinten, dass mein Koffer von den Abmessungen her klein genug sei, um unter die "Fahrscheingrenze" zu fallen) und den ebenfalls schon älteren Kontrolleurinnen begleitet wurde - großes Kino. Seitdem habe ich in Osteuropa, egal ob in St. Petersburg, Prag oder Lviv, einfach immer einen zweiten Fahrschein für den Koffer mitgekauft.

QUOTE (Entenfang @ 13 Mar 2015, 15:59)
Teilweise haben es Fußgänger ziemlich schwer, man wird durch Absperrungen schikaniert und es gibt extrem kurze Grünphasen oder nur Umwege durch Unterführungen. Eine Besonderheit sind die Zebrastreifen.
Ja, fußgängertechnisch ist Prag teilweise nicht das Gelbe vom Ei, aber das gilt generell für viele osteuropäische Städte. Witzig in Prag sind auch die Hauptkreuzungen, an denen man die Straße mittels Fußgängerampel nur auf jeweils einer Seite der Kreuzung überqueren kann, wodurch man teilweise erhebliche "Zick-Zack-Umwege" über die andere Seite der Kreuzung laufen muß. Auch die vielen Zebrastreifen entlang mehrspuriger Hauptstraßen, die 5-Sekunden-Grünphasen für Fußgänger etc sind alles nicht so der Hit. Aber das geht auch alles noch weit fußgängerunfreundlicher, wie z.B. in Moskau (Wartezeit für Grünphase Fußgängerampel lt. Countdown-Anzeige: 150 Sekunden), Lviv (häufig auch an größeren Kreuzungen gar keine Ampeln, wobei man immerhin zur EM 2012 noch einige Kreuzungen nachgerüstet hat, und wenn Ampeln, dann häufig Null Sekunden Räumzeit - Fußgängerampel wird rot, Querverkehr bekommt gleichzeitig (!) grün), oder Kiew (wohl legal durchrauschende Rechtsabbieger bei rot genau wenn die Fußgänger grün bekommen, Zebrastreifen über sechsspurige Tempo 60-Straßen ohne Mittelteiler, teilweise ohne Unterführungen überhaupt keine Querungsmöglichkeiten z.B. entlang des gesamten Chreshatik und weiterführender Straßen über mehrere Kilometer). Und: die Prager Autofahrer kommen mir - zumindest großteils - recht gesittet vor. An Zebrastreifen wird in Prag eher angehalten, als in München. Gilt natürlich nicht für die Tram - was für Touristen mitunter wirklich gefährlich werden kann.

Die Absperrgitter an vielen Stellen in Prag finde ich aber eigentlich ganz gut. Würde ich mir in München auch mehr wünschen, vor allem im Umgriff größerer Kreuzungen und Tramhaltestellen. So können nicht von allen Seiten noch Radler quer in und über die Kreuzung schießen, man kann nicht durch die Menschenmassen aus Versehen auf die Fahrbahn geschoben werden, man nutzt wirklich die Ampel statt zehn Meter weiter hinten durch stehende Autos oder hinter nem haltenden Bus in den Gegenverkehr reinzulaufen etc pp. Und wenn man nicht grade Kinderwagen oder Rollkoffer dabei hat, sind Unterführungen eigentlich auch gar nicht so schlecht: man muss keine Grünphase abwarten, kann nicht von nem Abbieger mitgenommen werden, und der Verkehrsfluss verbessert sich tatsächlich, wenn nicht die halbe oder dreiviertelte Auto-Grünphase für Abbieger wegen der Fußgängermassen nicht nutzbar ist.
    
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  Geschrieben am: 14 Mar 2015, 22:43


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QUOTE
In Prag gibt es - wie meines Wissens nach wohl auch im ganzen restlichen Tschechien - an jedem ersten Mittwoch im Monat einen Sirenentest. Es müßte irgendwann vormittags oder mittags sein, entweder um 10, 11 oder 12 Uhr, ich weiß es nicht mehr genau.

Es war der 1. Donnerstag im März um 12 Uhr.

QUOTE
In sehr vielen osteuropäischen Betrieben muß man für den Koffer einen extra Fahrschein entwerten (teilweise voller Tarif, teilweise eine ermäßigte Karte z.B. zum Kinderpreis, je nach Betrieb). Ich glaube, das wird in Osteuropa als so normal angesehen, dass man auch als Angestellter eines Verkehrsbetriebes einfach nicht darauf kommen würde, dass das in anderen Ländern anders sein könnte, und dass man Touristen deswegen drauf hinweisen müßte.

Dann ist mein Koffer wohl nicht das erste Mal schwarzgefahren... Ich habe bisher noch nie irgendeinen Hinweis gelesen, dass man für Gepäck extra zahlen muss. Immerhin bin ich jetzt schlauer.

QUOTE
Und wenn man nicht grade Kinderwagen oder Rollkoffer dabei hat, sind Unterführungen eigentlich auch gar nicht so schlecht

Das sehe ich anders. Sicher haben an einigen Stellen Unterführungen ihre Berechtigung. Grundsätzlich finde ich ebenerdige Querungsmöglichkeiten aber besser. Und beispielsweise in München sind die meisten Ampeln recht gut geschaltet, sodass man als Fußgänger eigentlich nicht lange warten muss. In Dresden nerven nicht nur mich die Fußgängerampeln - wesentlich mehr gehen dort bei rot als in München.

Danke für die Erklärungen, einige deiner persönlichen Einschätzungen zu Prag stehen tatsächlich nahezu 1:1 im 4. und letzten Teil meines Berichts drin. Wir scheinen einige Dinge ähnlich zu sehen tongue.gif


Tag 4

Heute ist es ziemlich frisch. Zuerst steht eine Fototour auf der Neubaustrecke der Tram nach Sidliste Barrandov an.
Beginnen wir an der Haltestelle Svandovo divadlo auf der Kleinseite.
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Innenraum modernisierter KT8D5
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Auf der Fahrt Richtung Südwesten durchfährt die Tram das Stadtviertel Smichov. Insbesondere am Bahnhof Smichov hätte es vor 30 Jahren wohl genauso aussehen können wie heute.
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Machen wir noch einen kleinen Exkurs zu den Bussen, die in den engen Straßen der Innenstadt mit sehr dichtem Tram- und Metronetz kaum anzutreffen sind.
Weiter außerhalb sieht man recht häufig 4-Türer SORCity NB12 und 5-Türer SORCity NB18.
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Die weitere Strecke zur früheren Endhaltestelle Hlubocepy ist teilweise in schlechtem Zustand, die einzige Stelle, an der es mir auf den befahrenen Tramstrecken aufgefallen ist.
9253 macht sich bereit zum Anstieg Richtung Sidliste Barrandov
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9078 rollt gemächlich auf die Haltestelle Hlubocepy zu.
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Nicht nur die Aussicht auf der Fahrt zur 100m höhergelegenen Haltestelle Geologicka über den Viadukt ist beeindruckend, sondern auch die Taktdichte. In der NVZ befahren 3 Linien im Takt 10 die Strecke, in der HVZ 4 Linien, davon 2 im Takt 7/8.
Obwohl die Trassierung sehr großzügig ist, wird eher gemütlich bergab gefahren. Mit Hebel auf dem Pult wären zwischen den über 1,5 km auseinanderliegenden Haltestellen wohl locker 100 km/h drin…
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  Geschrieben am: 14 Mar 2015, 22:44


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Den Großteil des Anstiegs hat das T6A5-Gespann beim Erreichen der Haltestelle K Barrandovu bereits hinter sich.
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9204 verlässt die Haltestelle K Barrandovu
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9066 ebendort
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Die Neubaustrecke ist weitgehend kreuzungsfrei trassiert und umfasst auch Tunnelabschnitte.
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Ganz schlau bin ich aus der Haltestellenausstattung nicht geworden. Warum Sitzgelegenheiten und Infotafeln anbringen und sie anschließend durch Absperrungen unzugänglich machen?
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T3-Gespann kurz vor dem Erreichen der Endhaltestelle Sidliste Barrandov
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T6A5-Gespann erreicht die Endstation
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Die großzügige Wendeanlage Sidliste Barrandov
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Einen Hügelkamm weiter liegt die nächste Hochhaussiedlung
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Dann geht es wieder zurück Richtung Innenstadt. Da der Mittagsalex wieder zeitlich gut passt, wird die Gelegenheit genutzt.
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  Geschrieben am: 14 Mar 2015, 22:45


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Kurz darauf folgt ein Regionova.
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Nun will ich mir nochmal den Staromestske namesti bei Tageslicht vornehmen. Also wieder durch die Gassen der Altstadt…
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Es ist kurz vor 2. In wenigen Minuten werden sich also die Figuren der Rathausuhr zeigen. Ich warte inmitten von Menschenmassen und mit Stöcken, Schirmen, Fahnen und sonstigen Gegenständen ausgestatteten Führern.
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Um Punkt 2 ist es endlich so weit. Die Menschenmenge starrt gebannt auf das Figurenschauspiel, das weniger als 30 Sekunden dauert.
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Ich lasse meinen Blick umherschweifen, bevor es Richtung Norden weitergeht.
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Mit der Tram geht es hoch nach Kobylisy. T3-Gespann an der Haltestelle Nad Trojou
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Kurz darauf folgt 8499, der einem mir nicht bekannten Zweck dient.
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  Geschrieben am: 14 Mar 2015, 22:46


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Beim Blick ins Tal ist der Höhenunterschied gut zu erkennen.
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Die Strecke wirkt hier etwas überlandig, es ist die Verbindung zwischen zwei Stadtvierteln mit etwas weniger Bebauung. Interessant an diesem und vielen weiteren Streckenabschnitten ist die Führung entlang der Metrolinien. Prag zeigt sehr schön, dass Tram und Metro auf ähnlichen Linienwegen absolut kein Widerspruch sein müssen. Dazu sei noch angemerkt, dass beide Verkehrsmittel im dichten Takt (die Metro alle 2-3 Minuten in der HVZ, Tram-Hauptlinien Takt 7/8) verkehren und nachgefragt sind. Der hier gezeigte Abschnitt ist durchaus besonders, denn die Entfernung zwischen den beiden nächstgelegenen Metrostationen beträgt über 2 km und durch den Umweg der Tramstrecke sind es bei 4 Zwischenhalten immer noch durchschnittlich 500 m Haltestellenabstand bei der Tram.

Der vorbildlich angelegte Umsteigepunkt Kobylisy – links die Tramhaltestelle, rechts oben die Bushaltestelle und in dem Betonklotz in der Mitte der Metrozugang.
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T3-Gespann und Skoda 15T in Kobylisy
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Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick in die Metro.
Es gibt zwei verschiedene Fahrzeugtypen, die ältere Generation stammt größtenteils aus den 80ern von Metrowagonmasch. Die teilweise modernisierten Wagen sind auf den Linien A und B im Einsatz.
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Die Beschilderung ist in den Farben der jeweiligen Linie gehalten. Das Bild entstand am Bahnsteig der gelben Linie B und es besteht Umsteigemöglichkeit zur roten Linie C.

Die Umsteigewege sind ziemlich lang und führen durch verwinkelte Verbindungstunnels und über mehrere Rolltreppen.
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Einige Zwischengeschosse sind sehr unübersichtlich. Da die Beschilderung teilweise etwas sparsam ausfällt, findet man vor lauter Buden und Schaufenstern gar nicht den Zugang zu Bahnsteig. Auch an der Oberfläche sind die Eingänge manchmal etwas versteckt, zumindest wenn man ein großes weißes U auf blauem Hintergrund gewohnt ist.

Auf der Linie C sind die neueren M1-Wagen von Siemens und Adtranz unterwegs.
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Weiter außerhalb sind die Stationen oft deutlich näher an der Oberfläche und lassen Tageslicht herein, was das Knipsen deutlich vereinfacht.
Vysehrad
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Es gibt deutlich weniger Sicherungen an Bahnbrücken. Wie auf der Fußgängerbrücke im nächsten Bild folgenden U-Bahnhof Strizkov ist auch an Brücken über elektrifizierte Bahnstrecken meist nur ein normales Geländer angebracht.
Für mehr Sicherheit soll an drei 2008 eröffneten U-Bahnhöfen der LED-Sicherheitsstreifen sorgen, der bei Annäherung und Abfahrt eines Zuges blinkt.
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In den M1-Zügen war es im Gegensatz zu den älteren Fahrzeugen angenehm warm.
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Die Ansage vor der Abfahrt der Züge ist sehr lange und lädt zum Hereinspringen oder gewaltsamen Offenhalten ein.

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  Geschrieben am: 14 Mar 2015, 22:48


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Nun ist es Zeit, mich zu meinem Alex zu begeben. Pünktlich verlassen wir den Prager Hbf und den absolut unmodernisierten Bahnhof Smichov. Hinter Beroun endet das osteuropatypische *kadong kadong*, denn hier ist der Streckenausbau abgeschlossen. Statt sozialistischem Flair gibt es nun barrierefreie Bahnsteige.
Überpünktlich kommen wir in Rokycany an, dann kommt die Durchsage: „Ladies and gentlemen, this train will be 10 minutes delayed due to construction works.“
Nachdem der Gegenzug angekommen ist, fahren wir ab, also gehe ich stark davon aus, dass nur 1 Gleis zur Verfügung steht. Der Bummelzug nach Pilsen wurde sogar über 30 Minuten zurückgehalten.
Aus den +13 in Rokycany werden durch gemütliche Baustellengeschwindigkeit +17 in Pilsen. Dort wird auf eine 223 umgespannt und der 5. Wagen abgehängt. Außerdem verlassen viele Fahrgäste den Zug und es wird deutlich leerer. Ab hier habe ich bis München ein Abteil für mich alleine.

Der Pilsener Bahnhof wird zurzeit umgebaut und auch die Gleise erneuert, was angesichts des Gleiszustands auch bitter nötig ist.
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Das Signal springt auf Fahrt und ich habe keine Zeit mehr, den Fokus manuell einzustellen. Der Autofokus ist für dieses Bild verantwortlich.
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Das gewohnte *kadong kadong* ist wieder da. Wir behalten unsere +17 in Domazlice und in Ceska Kubice wird mal wieder ein außerplanmäßiger Halt eingelegt. Da sehe ich nur rot…
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Wir stehen und stehen uns die Räder platt. Versuch eines Stimmungsbildes…
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Nachdem der ebenfalls verspätete Gegenalex abgwartet wurde, verstummt nach kurzer Fahrt das *kadong kadong* Wir sind wieder in Deutschland. In Furth im Wald fahren wir mit +24 ab und der Zoll findet mich verdächtig. Ob ich etwas aus Tschechien mitgebracht habe?
Ziemlich viele Bilder. Nein, das sage ich lieber nicht…
Verbotene Gegenstände? Waffen? Messer?
Mein Küchenmesser wird wohl als nicht unbedingt kampftauglich angesehen, auch die kritisch beäugten Stative werden nach einer Erklärung akzeptiert.
Bisschen im Rucksack wühlen und schnuppern, dann ist der Spuk vorbei.
In Cham sind es +25.

In Altenschwand warten wir kurz einen Gegenzug ab, dann geht es weiter.
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In Schwandorf sehe ich keine Lok warten. Dann gibt es ganz sicher noch mehr Verspätung. Nach dem Umsetzen der Lok geht es mit +34 weiter. Immerhin weiß ich jetzt, was sich hinter der ominösen Verspätung aus dem Ausland verbirgt.

Zügig geht es weiter und Taurus mit 4 Wagen mag ich immer noch ganz gerne. Bis Landshut holen wir 10 Minuten auf. Dann landen wir hinter der RB, +27 in Freising, mit +24 kommen wir schließlich in München an.


Fazit
Prag ist eine interessante Stadt, die mir sehr gut gefallen hat. Die große Altstadt ist einfach wunderschön und hat trotz oder gerade wegen der vielen heruntergekommenen Ecken ihr ganz besonderes Flair. Findet man sich auf einem Platz in Touristenmassen wieder, kann es 2 Straßen weiter schon wieder ganz anders sein und es gibt ein leckeres Mittagessen für weniger als 5€. Gerne hätte ich noch mehr Zeit in Prag verbracht, denn um alle interessanten Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten und auch noch genug Zeit für den ÖPNV zu haben, hätte ich mindestens eine Woche gebraucht.

Auch wenn man es den Fußgängern an einigen Stellen unnötig schwer macht, entdeckt man die Altstadt am besten zu Fuß. Sie ist weiträumig für den Durchgangsverkehr gesperrt, nur die Tram und einige Busse dürfen durchfahren. Und wenn man müde wird, hat man es nicht weit bis zur nächsten Haltestelle. In den verwinkelten Gassen kann man jedoch sehr leicht die Orientierung verlieren.

Beim Radverkehr ist noch ordentlich Luft nach oben. Es gibt zwar ein Fahrradleitsystem, aber wegen des Kopfsteinpflasters ist die Altstadt quasi nicht befahrbar und auf den umgebenden Hauptstraßen herrscht viel Verkehr. Fahrradwege oder –streifen sind hier Fehlanzeige. Zudem gibt es an vielen Gleiskreuzungen Abschnitte mit Kopfsteinpflaster. Wenn auch etwas weiter außerhalb Ansätze zur Verbesserung vorhanden sind, gibt es noch viel zu tun.

Die Metro ist sehr schnell und im Zentrum sehr tief. Die Eingänge sind teilweise ziemlich gut in Hauseingängen versteckt. Da die meisten Bahnhöfe nur einen Zugang vom Zwischengeschoss zum Bahnsteig haben, ist die Metronutzung oft mit langen Fußwegen und Umwegen verbunden. Der Takt ist tagsüber extrem dicht, in der SVZ wird im Takt 10 gefahren.

Das spektakulärste Verkehrsmittel in Prag ist aber mit Sicherheit die Tram. Das Tramnetz kann man wohl ganz ohne Übertreibung als außergewöhnlich bezeichnen. Der Kontrast zwischen den extrem engen Kurvenradien, Hausdurchfahrten und Engstellen im Zentrum könnte nicht größer zu den oft großzügig trassierten Schnellstraßenbahnstrecken weiter außerhalb sein. Dazu kommen noch die nicht unerheblichen Steigungen auf die Hügel am Stadtrand. Die Haltestellenabstände sind auch im Zentrum relativ groß. Der Gleiszustand ist größtenteils gut, zumindest auf den Strecken, die ich gefahren bin. Durch die starke Ausprägung eines Verästelungsnetzes gibt es zahlreiche Linienüberlagerungen, sodass der Takt auf vielen Abschnitten sehr dicht ist. Die meisten Linien fahren bis Mitternacht im Takt 10, es gibt auch ein Nachtnetz im Takt 30. Das Rumpeln an den Weichen und das Fahrgeräusch der Tatras ist in der Stadt allgegenwärtig – und die Tatras passen einfach hervorragend ins Stadtbild.

Man könnte sagen, Prag war Liebe auf den ersten Blick. Mein erster und mit Sicherheit nicht letzter Besuch in der Goldenen Stadt!


Manche Dinge ändern sich nie. Der ALX 350 hat Verspätung (immerhin weiß ich jetzt warum) und die DB war beim mir nicht erfolgreich mit der Kannibalisierung des internationalen Bahnverkehrs durch den gut 1h schnelleren IC-Bus. Und da ich von JeDi erfahren habe, dass die CD Online-Tickets für 19€ verkauft, habe ich nicht nur viel im Vergleich zum Normalpreis der DB für den Alex (52,70€) gespart, sondern sogar den Bus für 21,75€ unterboten.


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Oliver-BergamLaim
  Geschrieben am: 14 Mar 2015, 23:40


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QUOTE (Entenfang @ 14 Mar 2015, 22:43)
Es war der 1. Donnerstag im März um 12 Uhr.
Dann war es nicht der allgemeine Sirenentest, denn der ist tatsächlich immer mittwochs. Ich hab nochmal etwas recherchiert, was es mit einer Sirene am Donnerstag auf sich haben könnte: mit den Sirenen am Donnerstag, den 2. März wurde in ganz Tschechien den Opfern von Uhersky Brod gedacht, wo ein Bewaffneter in einem Restaurant mehrere Menschen getötet hatte: Info bei Radio Prag

Ansonsten kann ich Deinem Fazit zu Prag in vielen Punkten absolut zustimmen! smile.gif Insbesondere Deine Anmerkungen zum Tramnetz treffen es vorzüglich. Da kann nichtmal das zugegebenermaßen auch sehr interessante Netz in Budapest mithalten.
Nur in einem muss ich Dir widersprechen: selbst eine ganze Woche Prag reicht nicht für alles Interessante, was man machen, befahren und ansehen könnte. Ich hab's selbst probiert, es reicht einfach nicht wink.gif Was ich Dir noch als Tipps für einen nächsten Besuch mitgeben kann:

- den "Prager Semmering" (KBS 122) von Prag-Smichov Na Knizeci weg befahren. Eine hochinteressante, steigungsreich trassierte Nebenbahn mit verschlafenen Haltepunkten, die teils einfach aus einerm Wellblechhäuschen auf einem zugewachsenen Grasstreifen bestehen und wo gerade mal eine Brotbüchse hinpasst. Wenn Du den Bahnhof "Smichov-Na Knizeci" gefunden hast (der liegt nicht direkt im Bahnhof Smichov), hast Du Dir die Mitfahrt schon redlich verdient - der Zugang zu diesem Bahnsteig ist eines der weiteren Kuriosa im Verkehrsgeschehen Prags wink.gif Wenn man bis Praha-Zlicin mitfährt, hat man den wesentlich interessanten Abschnitt gesehen und kann dort zu Fuß zur riesengroßen Tram-Endstelle "Sidliste Repy" eine Gehminute daneben rübergehen

- außerdem eröffnet am 6. April die Verlängerung der Metro-Linie A vom bisherigen Endpunkt Dejvicka über mehrere Stationen bis nach Nemocnice Motol. Die neuen Stationen werden sicherlich auch sehenswert. Im Tramverkehr ändert sich, soweit ich mitbekommen habe, außer der Einstellung der Verstärkerlinie 2 nichts. Später soll die Linie A irgendwann sogar bis zum Flughafen draußen in Letnany weitergebaut werden

- ein Spaziergang im Luxuswohnviertel Vinohrady mit seinen prachtvoll sanierten Gründerzeitbauten, einem Besuch auf der öffentlichen Aussichtsplattform des Fernsehturms Zizkov sowie der architektonisch sehr ungewöhnlichen Kirche auf dem Platz am U-Bahnhof Jiriho z Podebrad. In der Gegend kann man sich auch noch den Wasserturm "Vinohradska vodarna" sowie das Nationaldenkmal auf dem Vitkov-Hügel ansehen

- ein sehr ungewöhnliches Eck ist auch die Straße "Apolinarska" mit dem riesigen Backsteinbau der gynäkologischen Klinik, der kleinen Kirche an der Ecke mit der Straße Vinicna sowie dem steil abfallenden Berg zur Straße "Na stupni". Die gynäkologische Klinik erinnert vom Baustil her eher an altenglische Städte wie Cambridge und vor allem nachts sind die laternengesäumten Gassen mit dem dunklen Backsteinbau und der hell erleuchteten Kirche ein Setting wie für "28 days later"...

- wer sich etwas für "urban exploration" oder leerstehende Gebäude interessiert, findet mit den "Barrandovske terasy" ein absolutes Highlight. Ein seit 1982 leerstehendes Restaurant-Gebäude hoch oben über dem Ufer der Moldau, das von der Architektur her an eine Mischung aus Ufo, Flughafentower und amerikanischem Diner der 1950er Jahre erinnert. Wenn man im richtigen Moment aufpaßt, kann man das Gebäude sogar bei der Alex-Fahrt nach Prag sehen, wenn man Richtung Prag nach links oben aus dem Fenster sieht. Fotos z.B. bei Panoramio oder bei Wikipedia

Es gäbe sicher noch viel mehr Geheimtipps und nicht so geheime Tipps, und ich selbst bin immer noch dabei, die Stadt in ihrer Gesamtheit zu begreifen und zu erfassen! smile.gif Auch ich freue mich daher auf viele weitere Besuche in der Goldenen Stadt smile.gif

Bearbeitet von Oliver-BergamLaim am 14 Mar 2015, 23:41
    
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viafierretica
  Geschrieben am: 15 Mar 2015, 00:01


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Noch kurze Ergänzung: im Tramnetz sollte sich ab dem 6.4. so ziemlich alles ändern, und außer den Touristen-17 und 22 sollten nur sehr wenige Linien unverändert bleiben
(http://www.ropid.cz/tiskove-informace/zmeny-mhd-navrzene-na-duben-2015-se-odkladaji__s193x2823.html);
Beschreibung und Plan in den links ganz unten auf der Seite.

Offensichtlich gab es auch hier starke Proteste, und nun bleibt (vorerst?) alles beim Alten- außer der Einstellung der Linie 2. Nebenbei gab es wohl auch starke Proteste gegen eine Verlängerung der Tram von der Divorka Sarka nach Dedina seitens der Bevölkerung (http://praha.idnes.cz/prodlouzeni-tramvajove-linky-na-dedinu-fcb-/praha-zpravy.aspx?c=A150103_2128243_praha-zpravy_prp).

Auf der übrigens sehr lesenswerten Facebook-Seite des Prager Verkehrsverbunds (ROPID; Pražská integrovaná doprava) gibt es laufend neue Infos und Fotos von den neuen U-Bahnhöfen. Die Berichte über das neue Tramnetz wurden wohl mittlerweile - mit Ausnahme dieser Pressemeldung vom 12.02.2015 auf der homepage (www.ropid.cz) gelöscht.

Bearbeitet von viafierretica am 15 Mar 2015, 00:12
    
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Entenfang
  Geschrieben am: 6 Dec 2016, 16:17


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Tatra, Desiro und Gulasch - Prag-Exkursion November 2016

Anmerkung: Wegen mangelnder Forenkompatibilität (könnte man da mal was machen?) Sonderzeichen teilweise weggelassen.

Tag 1 TU Prag

An einem tristgrauen Morgen besteigen wir den langen EC nach Prag. Hinten hängen noch die Wagen des Nachtzuges dran. Mit +6 starten wir und laufen kurz hinter Pirna auf die S-Bahn auf. Aufgrund von Bauarbeiten ist im Elbtal mal wieder abschnittsweise eingleisiger Betrieb und bis Bad Schandau haben wir +12 auf dem Zähler stehen.
Auf tschechischer Seite begrüßt und die automatische Ansage zuerst auf Tschechisch, dann auf Englisch und zuletzt auf Österreichisch.
Vor der Ankunft in Prag informiert uns die Ansage noch über den Grund für die inzwischen auf fast 20 angewachsenen Bonusminuten. „Wegen einer verspäteten Übergabe aus dem Ausland…“ Im Zweifel sind immer die anderen schuld.
Interessant ist durchaus der angegebene Zuglauf.
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Berlin-Wannsee ist wohl nur ein Betriebshalt zum Ankuppeln der Wagen an den CNL aus Köln.

Große Verwunderung löst der DB-Desiro ein paar Gleise weiter aus. Seit wann fährt denn die U28 bis nach Prag? Des Rätsels Lösung sollten wir früher erfahren, als uns lieb ist.

An der Tramhaltestelle wird gerade Wasser mit Desinfektionsmittel versprüht.
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Eine Frau ist derart in ihr Handy vertieft, dass sie erst mit fuchtelnden Gesten der Fahrer verscheucht werden kann.

Nachdem das Gepäck im Hotel abgeladen ist, fahren wir Richtung TU Prag.
An der Haltestelle Biskupcova sind Bahnen dreier Generationen unterwegs
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Die Haltestelle ist nicht sonderlich großzügig angelegt. Zwei Passanten können kaum aneinander vorbeigehen und mit einem Kinderwagen ist der Durchgang komplett dicht.
8304/8305 an der Haltestelle Lazarská
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Bald öffnet die dichte Wolkendecke ihre Pforten.
8224 nähert sich Albertov
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Nun ist es nur noch ein kurzer Fußweg zum Ziel.
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Für das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Praha-Vyšehrad existieren Pläne, es für ein Kasino zu nutzen. Bisher gibt es aber noch keine Genehmigung für den Umbau.
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Erst gibt es eine kurze Einführung zur TU Prag, einem Gebäude, in dem das Ostblockflair noch hautnah erlebt werden kann. Dort lernen etwa 23.000 Studenten.
Unter anderem wird seit etwa 20 Jahren an einem ITF für Tschechien geforscht, doch die unterschiedlichen Zuständigkeiten für NV (Regionen) und FV (Landesweit) machen es nicht einfacher.

Da der Crashtestsimulator leider aktuell außer Betrieb ist, können wir diesen nicht besichtigen. Stattdessen geht es zum Flugsimulator, der durch Studenten in Eigenbau entstanden ist.
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Eisenbahner im Cockpit, das kann einfach nicht gutgehen. Die durchgeführten Flugmanöver würden wohl nicht mal Kunstflieger wagen…

Auch wenn es eine schöne Abwechslung zur Eisenbahn ist, fühlen wir uns im gewohnten Sektor doch deutlich wohler.
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Im Vordergrund der durch ein Relaisstellwerk gesteuerte Bahnhof Strancice, im Hintergrund eine Übersicht über die kompletten Gleisanlagen.

Trotz der Sprachbarriere lernen wir schnell den Umgang mit der tschechischen Stellwerkstechnik, die sich in Details von der Gewohnten unterscheidet. Ein wesentlicher Unterschied stellt die übliche Besetzung eines Bahnhofs bei Alttechnik dar. In der Mitte des Bahnhofs sitzt der Fdl, der Befehle an die Wärter an jedem Bahnhofskopf gibt. In jedem Bahnhof sind also drei Menschen beschäftigt.
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Links eine Blockstelle, rechts ein Wärterstellwerk des Bahnhofs Senohraby.
Der gelbe Hebel verschließt die eingestellte Fahrstraße.

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  Geschrieben am: 6 Dec 2016, 16:20


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Fdl-Arbeitsplatz Senohraby

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Gleisanlage im Detail
Zum Einstellen einer Fahrstraße wird der Griff auf das gewünschte Gleis geschoben, anschließend der Hebel an der Vorderseite auf Ujezd (Einfahrt) oder Odjezd (Ausfahrt) gestellt und der Befehl zum Einstellen der Fahrstraße an den jeweiligen Wärter gegeben. Da die Strecke nach Stráncice (links) zweigleisig ist, können gleichzeitig Ein- und Ausfahrt gestellt werden. Daher gibt es separate Hebel für Ein- und Ausfahrt. Nach Cercany (rechts) ist die Strecke nur eingleisig, sodass der Hebel in die entsprechende Position für Ein- bzw. Ausfahrt gelegt werden muss. Im silbernen Kasten oben rechts kann die Erlaubnis angefordert werden. Der große schwarze Knopf in der Mitte (Induktor) erspart das Kurbeln zum Erzeugen der Wechselstromfelder.
Die roten „Fahrzeuge“ dienen als Gedächtnisstütze, um nicht versehentlich eine Einfahrt in ein besetztes Gleis zu stellen.
Rechts des Fdl-Arbeitsplatzes gibt es noch ein weiteres Wärterstellwerk, welches dem oben gezeigten ähnelt. Der Bahnhofskopf an der eingleisigen Strecke ist noch mit Handweichen ausgestattet.
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Das elektromechanische Stellwerk des Bahnhofs Sedlnice unterscheidet sich nicht wesentlich vom gewohnten Bild.
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Der gelbe Drehknauf dient vermutlich dem Durchschalten des Stellwerks, wenn es nicht besetzt ist.

Mangels Auswahl an tschechischem Wagenmaterial im Maßstab 1:87 werden einige fotografisch interessante Zugkompositionen eingesetzt.
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Es gibt aber auch stilechte Garnituren
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Auf die Landschaft sind wir richtig neidisch, denn in Dresden wird nur streng wissenschaftlich ohne Deko gefahren.

Abschließend noch einen Blick nach Strancice.
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Und ehe man es bemerkt, haben wir zwei Stunden gespielt. Jetzt muss erstmal für das leibliche Wohl gesorgt werden. Gulasch, Lendenbraten und Knödel füllen unsere Mägen. Informativ und für uns ziemlich ungewohnt ist das Abendessen gemeinsam mit Studenten und Dozenten jedenfalls.

Anschließend brechen wir zu einem kleinen Abendspaziergang durch die Innenstadt auf.
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Ein Motiv, an dem ich mich nicht satt sehen könnte: Der Blick über die Moldau zur Burg…
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  Geschrieben am: 6 Dec 2016, 16:20


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…und zur Kleinseite mit Petrín-Hügel und dem zugehörigen Aussichtsturm
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Im Rudolfinum finden regelmäßig Konzerte der Tschechischen Philharmonie statt.
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"Wollt ihr noch weitergehen?" JAAAAA!

Am Marienplatz steht das Neue Rathaus.
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Der ruhende Verkehr ist in der Innenstadt ein riesiges Problem. Ein Großteil der engen Gassen sind hoffnungslos zugeparkt und zwingen Fußgänger zu einem Hürdenlauf. Daher wird der Platz auch Marienparkplatz genannt.

Die Teynkirche ragt 80 Meter über den Altstädter Ring empor
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Das Jan-Hus-Denkmal erinnert an den gleichnamigen Kirchenreformer.
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Nach langem Kampf gegen die auf den Stufen ruhenden Touristen hat man nun endlich Bänke davor aufgestellt. Leider sucht man in der Altstadt Sitzgelegenheiten meist vergeblich.

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Eine interessante Radwegführung entgegen der Einbahnstraße kann man immer wieder entdecken. Trotz einiger zaghafter Versuche, die Situation für Radfahrer zu verbessern, ist die Stadt immer noch extrem fahrradunfreundlich. Es gibt kaum Fahrradwege, dafür viele stark befahrene Straßen mit bei Nässe äußerst rutschigem Kopfsteinpflaster. Die großen Steigungen tun ihr Übriges, um den Modal Split nicht über 1% steigen zu lassen.

Bald erreichen wir den Regionalbahnhof Masarykovo nádraží. Eine Škoda T14 wartet den Fahrgastwechsel ab.
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In den 1850er Jahren wurde eines der ersten Anschlussgleise überhaupt vom Masarykovo nádraží zum Námestí Republiky gelegt.
Sehr fuzzifreundlich ist das zu erwartende Wagenmaterial abgebildet.
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Am Fahrkartenschalter
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Die Tram bringt uns schließlich zurück zum Hotel. Wie praktisch, dass die Hauptlinien bis Mitternacht im Takt 10 fahren.
Ding. Lipanská. Príští zastávka: Olšanské námestí. Ein Obdachloser sitzt zusammengekauert auf einem Sitz und schnarcht leise vor sich hin. FIIIIIIIIIEP! Die Türen schließen und der T6 setzt seine Fahrt fort.


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  Geschrieben am: 7 Dec 2016, 22:21


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Tag 2 Karlštejn

Nach einem ausgiebigen Frühstück teilen wir uns in Sightseeing- und Fuzzigruppe auf. Ich wähle erstere und wir fahren zur Burg Karlštejn. Der 17. November ist ein wichtiger Feiertag mit dem Namen „Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie“. Der Name könnte auch für jeden beliebigen Feiertag jeder beliebigen Diktatur verwendet werden, erinnert aber tatsächlich an den Aufstand gegen die Besatzung durch die Nazis im Jahr 1939 sowie an den Beginn der Samtenen Revolution 50 Jahre später.
Nicht nur die Trambahnen sind mit der tschechischen Flagge geschmückt, sondern auch einige Menschen auf der Straße schwenken Fahnen. Eine ist sogar am Kinderwagen montiert.
Am Hbf kaufen wir eine Anschlussfahrkarte zu unserer im Stadtgebiet gültigen 72h-Karte. Die restliche Wartezeit lässt sich wunderbar fotografisch nutzen.
Am Wochenende werden auf der Semmeringbahn nach Praha-Zlicín zusätzliche Fahrten im Zweistundentakt mit historischen Triebwagen angeboten.
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Man beachte die nur halbseitige Sanierung der Bahnsteighalle. Da ein Investor kurzfristig abgesprungen ist, verzögert sich die Fortsetzung auf unbestimmte Zeit.

Tschechischer HGV
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Knödelpresse
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Blick in den Himmel auf den unsanierten Teil der Bahnsteigüberdachung
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Der vormittags stündlich, nachmittags halbstündlich verkehrende CityElefant ist gut gefüllt und leert sich erst allmählich.
Nach der Ankunft in Karlštejn
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Weit kommen wir nicht, da schließt der BÜ bereits wieder und gemeinschaftlich wird 362 046 beim Passieren des Wärterstellwerks erlegt.
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Blick über die Berounka
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Wir spazieren durch den Ort, welcher außerhalb der Saison ziemlich ausgestorben wirkt. Nur einige hartnäckige Souvenirshops warten vergeblich auf Kundschaft.
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Auch wenn nicht „Powered by Google Übersetzer“ druntersteht, wissen wir, was hier vermutlich schiefgelaufen ist.
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Ein weiteres Highlight ist auch der Kaffee mit Schaum auf der Speisekarte.

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  Geschrieben am: 7 Dec 2016, 22:22


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Die imposante Burg, im 14. Jahrhundert von Karl IV. erbaut, thront über der Stadt
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Blick auf den kleinen Ort
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Die Burg lässt sich nur im Rahmen von Führungen besichtigen und weil wir nicht bis zur deutschen Führung im kalten Wind warten wollen, kaufen wir Karten für die nächste englische Führung. Der Eintritt kostet für Ausländer mehr als 50% Aufschlag verglichen mit dem Preis für Einheimische.
Da abgesehen von uns noch eine deutsche Familie die Führung gebucht hat, wird spontan eine deutsche Führerin gefunden und wir bekommen die englische Führung auf Deutsch. Aufgrund der top motivierten Frau, die uns so viel über die Burg erzählt, läuft die nächste Führung bald auf. Blöd, dass DB Netz hier alle Überholungsmöglichkeiten wegrationalisiert hat…
In den Räumen ist es kälter als draußen. Das Mauerwerk speichert die Temperatur über etwa einen Monat, sodass es im Herbst noch sehr lange warm, im Frühling aber auch kalt bleibt.
Ziemlich durchgefroren laufen wir zurück in den Ort, um uns zu stärken. Bis wir den Bahnhof erreichen, hat sich der zwischenzeitlich stark verspätete Zugverkehr wieder normalisiert.
Absolut modellbahntauglich wäre das Wärterstellwerk jedenfalls.
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Eine blaue Bank auf dem Bahnsteig
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Gehe ich recht in der Annahme, dass die Metallbalken zwischen den Schienen auf Höhe der Signale zur Zugbeeinflussung gehören? Sie sind auch auf dem Bild von der Knödelpresse nach der Ankunft gut zu erkennen.

Ein gemütlicher Kleinstadtbahnhof
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Die Sperrung bei Praha-Smíchov dauert immer noch an und wir werden umgeleitet, sodass wir einige Minuten verspätet am Hbf ankommen. Aufgrund der kurzen Wendezeit startet der Zug in Gegenrichtung bereits mit Verspätung.

Ziemlich unbekannt ist das wunderschöne historische Empfangsgebäude, welches sich über der Shopping Mall an einer Schnellstraße befindet.
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Anschließend fahren wir mit der Metro, die so überfüllt ist, dass die Türen erst nach mehreren Versuchen geschlossen werden können.
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Weiß jemand, wofür dieses Kabel über den Gleisen der Metro dient? Eine Oberleitung ist es jedenfalls nicht.
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Zum Feiertag gibt es in der Innenstadt ein großes und lautes Fest und wir geraten an den Rand einer leicht gewalttätigen Demo von Nationalisten in den engen Gassen. Herbeieilende Polizisten versuchen die Teilnehmer einzukesseln. Wir machen schleunigst kehrt und genießen einen Kaffee. Nächstes Mal müssen wir dringend eine Exkursion nach Wien machen…

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  Geschrieben am: 7 Dec 2016, 22:22


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Anschließend lege ich eine Nachtfototour ein.
9095 am Strossmayerovo námestí
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9128 ebendort
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Vor der mächtigen Antonína-Kirche wirkt 8633 geradezu winzig
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8439 hält an der Metrostation Vltavská
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Wartebereich
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Bewegung in Palmovka
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