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[PL|BY|LV|RU] Von Pierogi bis Pelmeni, und von Zloty bis Bezkontakt [Zur Themenübersicht]
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  Geschrieben am: 11 Dec 2018, 20:15


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QUOTE (Oliver-BergamLaim @ 11 Dec 2018, 15:18)
Es handelt sich um eine der Sieben Schwestern aus der Stalinzeit, gebaut zwischen 1947 und 1957.

Das war der Name, den ich gesucht habe, mir aber nicht mehr eingefallen ist. Danke fürs Aufgleisen.

QUOTE
Die Kulturpaläste in Warschau und Riga - auf dem in Riga warst Du ja auf der Aussichtsplattform oben - sind ebenfalls in den 1950er Jahren entstanden und architektonisch an die Moskauer Vorbilder angelehnt.  smile.gif

Und in Prag gibts auch ein Exemplar, wie mir kürzlich aufgefallen ist.

QUOTE
Der Münchner Marienplatz und der Stachus lassen grüßen  wink.gif zumindest, was Sitzgelegenheiten ohne Verzehrzwang betrifft.

Stimmt, jetzt wo du es sagst. Ein Unding, das irgendwie alle zentralen Plätze gemeinsam haben. Staromestské namestí in Prag? Nach langem Ringen ein paar Bänke. Markusplatz in Venedig? Überall Verbotsschilder, man dürfe sich nicht auf Treppen und Sockel setzen.

QUOTE
Gab es denn wirklich keinerlei ersichtlichen Preisaushang? Selbst wenn der nur auf Russisch/kyrillisch gewesen wäre, würde man ja die Zahlen rauslesen können oder etwas wie "24" für den Preis von 24 Stunden Gepäckaufbewahrung erkennen.

Doch, gab es, ein unscheinbarer A4-Zettel an der Wand neben der Annahmestelle. Ich habe ihn aber zuvor nicht gesehen/beachtet. Der Preis ging daraus zweifelsfrei hervor.

QUOTE
Denn nach wie vor, mögen die meisten Russen im Zug lieber schlafen und nicht sitzen.

Das Gefühl hatten wir auch.

---

Noch ein Nachtrag zu Riga, da ich inzwischen eine sehr ausführliche Erläuterung der Verkehrsbetriebe zu meinem Vorschlag für Taktverkehr bekommen habe:

Die Rigaer Verkehrsbetriebe sehen die Prioritäten offensichtlich anders, als man das bei uns in Deutschland gewohnt ist. Ein merkbarer Fahrplan ist ihnen nicht so wichtig. Grundsätzlich nennen sie 7 Gründe, die gegen meinen Wagenlaufplan sprechen.

1. Entspricht die aus den Aushangfahrplänen ersichtliche Umlaufzeit nicht dem realen Wert. Dieser ist 2 Minuten höher und ergibt sich aus der fahrgastlosen Fahrt durch die Wendeschleife Kengarags.
2 Punkte beziehen sich auf Anschlussbeziehungen zur Linie 5 am Nationaltheater und die mehr oder weniger parallel (aber sehr selten) verkehrenden Verstärkerlinien 3 und 9. Natürlich müssten deren Fahrpläne dann auch angepasst werden.
3. sollen an der Einfachhaltestelle Centraltirgus möglichst große Abstände zwischen den ankommenden Bahnen von 6 Linien liegen, weil sonst der hintere Zug warten muss.

Die letzten beiden Punkte habe ich bereits als Gründe ausgemacht bzw. geahnt:

4. Während einer Schicht muss der Fahrer mindestens 20 Min. zusammenhängende Pause haben.
5. In der Morgenspitze fahren die Bahnen derzeit teilweise etwas dichter als Takt 7/8. Aufgrund der sehr hohen Auslastung wird selbst eine geringfügige Taktausdünnung als nicht machbar angesehen.

Für mich sieht es ganz danach aus, als hätte man mein Konzept tatsächlich ernsthaft geprüft. Es ist jedenfalls klar, dass mit dem im Riga praktizierten System mit demselben Ressourcenaufwand an Fahrzeugen und Fahrpersonel mehr Abfahrten angeboten werden können als im Taktverkehr. Oder um es plakativ aus einer Vorlesung zur S-Bahn zu übernehmen: Takt ist teuer.

---


Tag 15 Samara

Vor dem Weiterlesen bitte mal eine Landkarte Russlands vorstellen.

Dann gedanklich eine Stecknadel für Moskau setzen.

Aber wo liegt eigentlich Samara? Das war eine der häufigsten Fragen, die mir zu dieser Reise gestellt wurden. Samara ist immerhin mit knapp 1,2 Mio. Einwohner die sechstgrößte Stadt Russlands. Und wahre Geografieexperten können doch sicher auch noch die anderen 14 russischen Millionenstädte nennen?


Inzwischen ist es zur Gewohnheit geworden, morgens im Zug aufzuwachen. Bunt gefärbte Bäume ziehen vorbei, dann Sümpfe.
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Schließlich queren wir die Samara, einen Nebenfluss der Wolga.
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Nach dem Ausstieg wird das beeindruckende Lichtraumprofil deutlich.
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An der Bahnsteighöhe ist erkennbar, dass die Gleise auch dem GV dienen. In Moskau sind wir bodengleich eingestiegen.

Der Bahnhof von Samara ist modern und es gibt noch eine Postverladestelle. Dieser Zug führt einen Postwagen mit.
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Unser Dolmetscher erwartet uns hier und wird uns die nächsten 5 Tage quasi Tag und Nacht zur Seite stehen.


Um das Geografierätsel zu lösen: Samara liegt gut 1000 km ostsüdöstlich von Moskau. So, und jetzt bitte ein klischeehaftes Bild einer gesichtslosen russischen Großstadt vorstellen.



Bitte wirklich klischeehaft!


Sieht das dann so aus?
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Verlassen wir also den Bahnhof, und sehen wir nach, ob Samara die gesichtslose Großstadt ist, die wir uns alle vorgestellt haben.
Obusse auf dem Bahnhofsvorplatz
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Wir aber nehmen eine Marschrutka und fahren eine halbe Stunde Richtung Uni.

In Samara ist der Verkehr viel chaotischer als in St. Petersburg oder Moskau und zwischen die schwarzen Hausfrauenpanzer SUV gesellen sich viele alte Klapperkisten. Unsere Marschrutka ist da keine Ausnahme. Hochflur-Obusse und klapprige Tatras rumpeln durch die schier endlose Stadt, die aus einer Ansammlung von Wohnblocks, Autohäusern und Brachflächen zu bestehen scheint. Zumindest bis hierhin scheint unser Klischeebild zuzutreffen.

Die Fußwege sind hier ebenfalls in wesentlich schlechterem Zustand, aber durchaus noch ok.
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Spielplatz im Hinterhof
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Spätestens mit der Ankunft am Gästehaus beginnt das Klischee zu bröckeln – man scheint sich am CRH380D inspiriert zu haben.
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Nicht nur von außen, sondern auch von innen komplett saniert und auf einem modernen Stand ist es mit Abstand unsere luxuriöseste Unterkunft.

Nach einem schnellen Mittagessen in der Stolovaya nebenan gibt es eine Führung über den Campus. Die nähere Umgebung wirkt eher wie ein Urwald.
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Wir wollen ganz zwanglos mit Studenten ins Gespräch kommen. Das funktioniert so: Der Dolmetscher quatscht einfach willkürlich irgendwelche herumstehenden oder -laufenden Studenten an. Sie sollen uns bitte auf Englisch irgendeine Frage stellen. Das klappt mittelmäßig gut – um es mal vorsichtig auszudrücken. Entweder die russischen Studenten können kein Englisch oder sie trauen sich nicht, es in plötzlicher Anwesenheit einer deutschen Studentengruppe anzuwenden. (oder sie wollen einfach in Ruhe ihre Zigarette rauchen.)
    
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  Geschrieben am: 11 Dec 2018, 20:16


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Woran man merkt, dass wir unsere Partneruni erreicht haben:
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Der wohl unangenehmste Programmpunkt ist der anschließende offizielle Empfang. Der Prorektor begrüßt uns, während zehn russische Studenten in Uniform dabeistehen. Anschließend soll eine ganz „ungezwungene“ Unterhaltung stattfinden. Ohne Dolmetscher funktioniert das aber aufgrund der fehlenden Englischkenntnisse kaum. Von den zehn Studenten war nur eine schon mal in Deutschland – als kleines Kind.
Wir bitten die Studenten dennoch, drei Begriffe zu nennen, die ihnen durch den Kopf gehen, wenn sie „Deutschland“ hören.


Vor dem Weiterlesen bitte erstmal selbst drei Begriffe überlegen!



Genannt werden, in dieser Reihenfolge:

-Gotische Kathedralen
-Autos
-Pünktlichkeit

Dass wir hier im „richtigen“ Russland angekommen sind, merkt man an vielen Dingen. Statt auf Hochglanz poliertes Parkett gibt es hier Fliesen, die zum Teil locker sind. Außerdem ist das Gebäude gespickt mit Stolperfallen. Das beginnt beim Straßenpflaster und den Löchern, die Treppenstufen sowohl außerhalb des Gebäudes, aber auch im Treppenhaus sind ungleich hoch und überall gibt es kleine Rampen und Türschwellen. Es gibt nur Hockklos, och nö. Die habe ich seit Marokko wirklich nicht vermisst.
In unserer Unterkunft dagegen gibt es richtige Toilettenschüsseln und über die korrekte Benutzung ebendieser gibt es in Russland oft die 4 practical advice for visitors of the toilet room:
20693
Eigentlich sind es ja 5, und der No smoking ist generell der wichtigste.

Man merkt es aber auch an so typisch russischen Konstruktionen. Was den typisch Russisch sei, habe ich zu Beginn der Reise jemanden gefragt, der bereits vor 5 Jahren auf der Exkursion nach Omsk dabei war. „Du wirst es merken.“
Vielleicht war ja diese Kreuzung gemeint. Eine Fußgängerampel gibt es, Zebrastreifen auch. Man hat auch daran gedacht, das Geländer zu unterbrechen. Nur einen Fußweg zu bauen, das ist dann doch zu viel verlangt.
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Oder diese Rohre, die quer über das ganze Unigelände verlaufen und deren Isolierung wohl dem Wetter nicht standgehalten hat.
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Außerdem bekommen wir eine Führung durch das komplette Uni-Gebäude, welches auch zahlreiche Sporträume beherbergt. Es gibt Hallenfußball, Boxraum, Krafttraining… Als wir letzteren Raum betreten, dreht der Führer einfach mal die Musik leiser, damit er uns ein paar Worte erzählen kann. Dafür gibt es missbilligende Blicke der Trainierenden.
Die schlimmste Aktion ist jedoch die Führung ins Schwimmbad mit Straßenschuhen. Als die Putzfrau das sieht…

Zuletzt besichtigen wir noch die integrierte Kirche. Auch für Verkehrsstudenten sind Sport- und Religionskurse teilweise verpflichtend oder werden als Wahlfach angeboten. „Die meisten Studenten nehmen das Fach ernst.“ Für mich klingt das eher danach, dass die meisten es nicht ernst nehmen. „Ach, und Wahlfach bedeutet in Russland übrigens nicht, dass du das selbst auswählst“, erläutert mir der Dolmetscher anschließend, „das entscheidet der Rektor.“
Das russische Bildungssystem und auch die Universitätsausbildung unterscheidet sich ganz erheblich von unserer Gewohnheit. Selbst an der Uni ist die Bildung viel umfassender und mehr an unseren Schulfächern orientiert, es gibt weniger Freiheiten und Wahlmöglichkeiten und Sport wird viel wichtiger angesehen. Fremdsprachen spielen dagegen kaum eine Rolle. Diese Eindrücke habe ich zumindest aus unserem (sehr kurzen) Besuch mitgenommen.

Zeit für einen Abendspaziergang an der Wolga – wir fahren Metro. Das Metronetz Samara ist sehr übersichtlich.
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Geplant war ursprünglich mal das typisch sowjetische Sekantennetz, eine zeitnahe Umsetzung ist aber keinesfalls zu erwarten. Der Ausbau steht weit hinter den Planungen zurück und geht nur im Schneckentempo voran.

Am wahrscheinlichsten ist noch eine Verlängerung Richtung Südwesten, die schließlich Richtung Süden abknickt und den Bahnhof anbindet.
Tagsüber verkehren 4-Wagen-Züge etwa im Takt 10, abends etwas seltener.

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Hat doch bisschen was vom B-Wagen, oder?


Der letzte Ausbau um eine Station bis Alabinskaja erfolgte 2015.
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Die Rolltreppenüberwacherin schläft in ihrem Kabuff. Gibt ja angesichts der überschaubaren Fahrgastzahlen kaum was zu sehen. Lediglich 44.000 Fahrgäste täglich nutzen die Metro.

Geschmückter Plattenbau
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Wir haben schon die Ladas vermisst – in Samara entdecken wir sie endlich in großer Stückzahl.
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Im nahe gelegenen Toljatti befindet sich das Lada-Werk.

Zur WM wurde das Stadtbild aufgehübscht und unter anderem Spielplätze errichtet.
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Zentrumsnäher sind auch die Fußwege in besserem Zustand.
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  Geschrieben am: 11 Dec 2018, 20:18


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Als wir die Uferpromenade samt Radweg erreichen, wird das Wetter ungemütlich.
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Willkommen im Matroschka-Land.
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Blick über die Wolga
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Das Abendessen fällt miserabel aus, weil die eigentlich ausgesuchte Brauerei voll ist. Wir bekommen nach ewiger Wartezeit irgendwas Gebratenes im Plastikgeschirr und teilweise nicht mal das, was wir bestellt haben.

Die Müdigkeit schlägt zu und ich beschließe, früh Feierabend zu machen und mit der Tram zurückzufahren. Blick Richtung Brauerei
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Hoppla. Samara hat ja auch schöne Seiten.

Puschkin-Platz mit orthodoxer Kirche
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Vasili-Capaev-Monument und Theater
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Katholische Kirche
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An der Haltestelle gibt es keinerlei Informationen, keinen Fahrplan, nicht mal Liniennummern. Nur ein simples Haltestellenschild. Ohne Yandex Transport wäre die Nutzung schwierig.

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Ich steige ein und rätsele, wo ich meine Smartcard entwerten kann. Da winkt mir die Schaffnerin zu, ich halte die Karte an das Lesegerät und bekomme eine Quittung. Statt 25 Rubel zahlt man so nur 23 Rubel (30 Cent).
Der T3 rumpelt mit einer Handvoll Fahrgäste durch die stimmungsvoll beleuchteten Straßen. Hier sind die Haltestellenabstände ziemlich kurz, alle 300 m bleiben wir stehen. Alle Weichen müssen von Hand gestellt werden.

Und auf einmal halten wir ruckartig ein Stück vor einer Haltestelle an. Das Licht im Innenraum ist erloschen. Die Fahrerin steigt aus und kontrolliert den Stromabnehmer. Dann zündet sie sich eine Zigarette an. Sieht nicht so aus, als würden wir gleich weiterfahren. Ich schaue auch raus, der Stromabnehmer scheint in Ordnung zu sein. Die Fahrerin sagt etwas zu mir, aber ich verstehe es natürlich nicht. Ich stottere irgendwas in einer Mischung aus Tschechisch und Russisch zusammen. „Ten minutes“, meint ein älterer Herr, der ebenfalls qualmend neben der Fahrerin und der Schaffnerin steht.
Ein paar Minuten später probiert die Fahrerin, ob wieder Strom da ist. Nichts.

Der nächste Kurs läuft auf.
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Auch die nächsten zwei Versuche schlagen fehl, inzwischen sind schon mehr als 10 Minuten vergangen und der Mann als einziger Fahrgast verschwindet mit einem Bus. Ich suche mithilfe der Handy-Taschenlampe anhand des aushängenden Netzplans nach Alternativen.

In der Bahn hängt übrigens ein noch älteres Exemplar aus. Er entspricht zwar nicht 100% der Realität, eignet sich aber dennoch ganz gut zur Orientierung.

Ein Nf-Gespann läuft ebenfalls auf.
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  Geschrieben am: 11 Dec 2018, 20:18


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Gerade, als ich eine andere Haltestelle um die Ecke aufsuchen will, an der wir heute Morgen mit der Marschrutka vorbeigefahren sind, geht das Licht wieder an und die Fahrerin winkt mir zu. Ich steige wieder ein und mit einem weiteren Fahrgast rumpeln wir um die Ecke. Nach 300 Metern kommen wir abermals zum Halten. Hmm, der Tatra da vorne sieht irgendwie komisch aus. Und da steht ein Turmwagen und ein paar Leute laufen geschäftig hin und her. Die Fahrerin steigt aus und ich weiß, dass ich heute nicht mehr mit der Tram zur Unterkunft zurückfahren werde.

Finde den Fehler:
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Der Stromabnehmer liegt seltsam verzogen auf dem Bürgersteig…

Also suche ich die nächste Bushaltestelle auf, natürlich gibt es auch hier überhaupt keine Infos zu Linienverläufen. Ein 41er kommt vorbei. Metro Pobeda? „Njet, njet“, meint eine Frau. Schade, eigentlich dachte ich doch, das wäre der richtige. (Anm.: Wäre er auch gewesen.) Ich warte dann trotzdem lieber ab. Sie schaut nach und meint, der 34er wäre Mittel der Wahl. Ich ahne schon, was jetzt kommen wird, denn während des Stromausfalls vorhin ist gerade ein 34er vorbeigefahren. Laut App kommt der nächste in 25 Minuten…
Marschrutka? Sie schaut nochmal nach, der 212er würde gehen. Der große Nachteil der Marschrutkas ist aber, dass man nie weiß, wann sie kommen. Da nähert sich die Buslinie 1, ich kann „Metro Moskovskaja“ auf der Linienverlaufstafel entziffern, weiß aber natürlich nicht sicher, ob die Haltestelle erst noch kommt oder schon war. Ich riskiere es mal und steige zusammen mit der Frau ein. Sie schaut mich fragend an und ich deute auf die entdeckte Haltestelle. „Da, da!“, meint sie schmunzelnd. Zwei Haltestellen weiter taucht der Metroeingang auf.

Zwei Wachmänner stehen bereit sowie eine Rolltreppenwächterin. Von den drei ziemlich kurzen Rolltreppen läuft eine nach oben, die mittlere ist ausgeschaltet und die rechte kaputt. Unten sitzt eine weitere Rolltreppenwächterin in ihrem Kabuff und starrt ausdruckslos die leere und kaputte Rolltreppe an.
Ich glaube, so eine leere U-Bahnstation habe ich noch nie gesehen.
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Die Treppe in Bahnsteigmitte wird vielleicht in ferner Zukunft irgendwann Umsteiger zur zweiten Linie bringen. Ich bezweifle allerdings, dass ich das noch erleben werde.

Nach 9:59 erlischt der Zeitzähler, offensichtlich ist ein Takt größer 10 Minuten bei diesen Uhren nicht vorgesehen. Zwei Minuten später rollt der ziemlich leere Zug ein.
Ostorožno, dveri zakryvajutsja! Rumms. Rumpelschepperschepperkadongkadong.

Die Station Pobeda gehört zum 1. Bauabschnitt, der 1987 eröffnet wurde.
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"Die S-Bahn rollt wie ein Uhrwerk."

Frankfurter Abendpost am 29.5.1978, dem Tag nach der Inbetriebnahme des Frankfurter S-Bahntunnels
    
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Oliver-BergamLaim
  Geschrieben am: 11 Dec 2018, 21:50


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QUOTE (Entenfang @ 11 Dec 2018, 21:16)
Oder diese Rohre, die quer über das ganze Unigelände verlaufen und deren Isolierung wohl dem Wetter nicht standgehalten hat.

Das beste und für mich typisch Russische an dem Bild sind noch nichtmal die Rohre, sondern der Straßenname der Seitengasse: der lautet nämlich übersetzt schlicht "1. namenlose Gasse" tongue.gif
    
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  Geschrieben am: 12 Dec 2018, 19:46


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Tag 16 Samara

Heute soll meine verlorene Migrationskarte ersetzt werden. Deshalb werde ich um halb neun an der Rezeption erwartet. Kurz vor neun wird dann ein Auto mit Fahrer bereitgestellt, der mich und eine Mitarbeiterin der Uni zum zuständigen Amt bringen wird. Durch zähen Verkehr quälen wir uns eine Dreiviertelstunde durch die Stadt.
Wie in Russland üblich, sitzt am Eingang des Amtes ein Wachmann. Er wiegt deutlich über hundert Kilo, trägt Nadelstreifenanzug und ein weißes Hemd. Gelangweilt starrt er in die Luft. Im Hintergrund dudelt ein Radio vor sich hin. Auf dem Schreibtisch vor ihm liegt ein kariertes Schreibheft, in welches von Hand Zeilen und Spalten eingezeichnet wurden. Dort wird jeder Besucher samt Passnummer eingetragen. Außerdem gibt es einen Ständer mit vier Russlandfähnchen.

Nach drei Minuten werden wir hereingebeten. Deshalb muss der Wachmann gleich mal tätig werden und das Drehkreuz ins Gebäude freigeben. Die Uniangestellte füllt erstmal zwei Formulare auf Russisch aus. Anschließend muss ich Fingerabdrücke abgeben. Erstmal alle zusammen, dann nochmal jeden einzeln, dann nochmal gerollt, dann noch vom Handballen und die Hand von der Seite. Immerhin wird dafür kein Stempelkissen sondern ein Gerät benutzt.
Eine Mitreisende wird das später folgendermaßen kommentieren: „Ich glaube, du bist jetzt in einer russischen Datenbank, in der du nie sein wolltest.“
Ich denke, dass die Angelegenheit erledigt ist, als wir eine halbe Stunde später das Gebäude verlassen. Die Uniangestellte spricht leider so viel Deutsch wie ich Russisch und natürlich kein Englisch, gibt mir aber zu verstehen, dass wir eine Stunde warten müssen.

Sie schlägt einen Spaziergang zur Wolga vor. Beim heutigen Wetter macht das natürlich viel mehr Spaß als gestern Abend. Die Selfiespots wurden für die WM angelegt.
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Es gibt auch einen hübschen Park.
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Vasili-Capaev-Monument und Theater bei Tageslicht
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Spaziergang durch die Innenstadt:

Pinocchio
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Auch bei Tageslicht zeigen sich die schönen Ecken Samaras.
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  Geschrieben am: 12 Dec 2018, 19:46


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Auf den Stadtbuslinien werden meistens Kleinbusse aus belarussischer Produktion eingesetzt.
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Nicht mal eine echte Fußgängerzone fehlt.
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Bewunderung…
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Diese beeindruckende, überlebensgroße Bronzestatue steht ebenfalls in der Fußgängerzone.
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Und im Überblick:
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Oberleitungskreuzung zwischen Tram und Obus
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Etwa anderthalb Stunden später nehmen wir wieder im Eingangsbereich des Amtes Platz. Der Wachmann gähnt. Eine Viertelstunde vergeht.
Der Wachmann schaut sich ein Video auf seinem Handy an. Eine halbe Stunde vergeht.
Ein Schwall Angestellter verlässt das Gebäude. Es ist 12:01 Uhr. Einigen schüttelt der Wachmann die Hand.
Ein Drucker wird abtransportiert. Eine Dreiviertelstunde vergeht.
Ein PC-Bildschirm wird rausgetragen. Eine Stunde vergeht.
Eine Angestellte trägt geschäftig Papiere vom linken in den rechten Gang und wieder zurück. Eineinhalbstunden vergehen.
Zwei Männer kommen aus dem ersten Stock und gehen zum Ausgang. Als der Wachmann sie bemerkt, springt er sofort auf und bleibt stehen, bis sie draußen sind. Zwei Stunden vergehen.
Der Wachmann zieht Striche auf der nächsten Doppelseite, um die Tabelle zu verlängern.

Allmählich bekomme ich Hunger und ich schlage vor, beim Mittagessen auf die Mühlen der Bürokratie zu warten. Wir begeben uns in ein nahegelegenes Café und kaum haben wir bestellt, ruft jemand die Uniangestellte an und teilt mit, dass meine Migrationskarte fertig ist.
Oh yeah, ich halte diesen unnötigen Fetzen Papier wieder in der Hand… Sollte jemand mal vorgehabt haben, seine Migrationskarte zu verlieren: Ich würde davon abraten.

Nachmittags können wir in (wirklich) entspannter Runde mit Studenten kommunizieren, die Deutsch lernen. Dazu gibt es Tee und Weihnachtsgebäck vom letzten Jahr.
Einige trauen sich nicht so recht, mit uns Deutsch zu sprechen und lassen lieber die Lehrerinnen oder den Dolmetscher vor oder schauen alles auf Google Übersetzer nach. Auf der anderen Seite haben die Lehrerinnen nicht besonders viel Geduld und schreiten sofort ein, wenn die Studenten nicht schnell genug antworten.
So wie ich es verstanden habe, können sie sich gar nicht aussuchen, ob sie Deutsch oder Englisch lernen wollen.
Zum Abschluss drückt uns der Dolmetscher noch eine Packung Lebkuchen in die Hand. Die müssten endlich mal weg.


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"Die S-Bahn rollt wie ein Uhrwerk."

Frankfurter Abendpost am 29.5.1978, dem Tag nach der Inbetriebnahme des Frankfurter S-Bahntunnels
    
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