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Nicht nur ÖPNV in und um Leipzig, Entdeckungen in Sachsens größter Stadt [Zur Themenübersicht]
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Oliver-BergamLaim
  Geschrieben am: 23 Sep 2019, 10:13


Lebende Forenlegende


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Alter: 35
Wohnort: München


Stichwort morbider Charme... ich war im Frühjahr 2006 das erste Mal in Leipzig (und in den Jahren 2006 bis 2011 folgten noch mehrere weitere Besuche). Als Münchner ist einem damals die Kinnlade runtergekippt, selbst wenn man schon das teilweise auch noch ganz schön wilde und wüste Berlin der Jahrtausendwende kannte. Leipzig war aber nochmal eine ganz andere Kategorie an Verfall, Leerstand und Morbidität. Leipzig hatte damals 20% Leerstand bei den Wohnungen, und ganze Stadtviertel bestanden aus leerstehenden Fabrikruinen und Brachflächen. Insbesondere Plagwitz und die berüchtigte Ecke Hermann Liebmann-/Eisenbahnstraße sahen aus wie nach einem Krieg, nicht umsonst gab es in Bezug auf Bausubstanz in der DDR auch den Spruch "Ruinen schaffen ohne Waffen". In manchen Straßenblöcken in unattraktiven Lagen (z.B. zwischen Eisenbahnstrecken und Hauptstraßen mit Tram) standen von 20 Gründerzeit-Altbau-Mietshäusern oft 15 komplett leer. Ich werde auch nie die diversen alten S-Bahnhöfe vergessen, bevor für die S-Bahn Mitteldeutschland in der ganzen Stadt durchrenoviert wurde. Teilweise standen nur noch rostige, nackte Trägergerippe der aufgrund von Baufälligkeit entfernten Bahnsteigdächer, die Tiefbahnsteige hatten noch Kopfsteinpflaster im gefühlten Vorkriegszustand. Das alles war damals so dermaßen surreal und - entschuldigt die saloppe Wortwahl - einfach nur megageil. Detroit Mitteldeutschlands wurde Leipzig damals auch genannt. Top sanierte 3 Zimmer-Altbauwohnungen in ansprechend sanierten Gründerzeitbauten gab es damals für 300 bis 350 Euro warm im Monat.

Ich war seit mittlerweile sieben oder acht Jahren nicht mehr in Leipzig. Gelesen habe ich aber, dass der Wohnungsleerstand mittlerweile auf etwa 5% unten ist, dass die Mieten kräftig angezogen haben, und dass die Stadt mittlerweile als Boomstadt oder Schwarmstadt gilt. Dass die S-Bahn mittlerweile oft Überfüllungsprobleme und Fahrzeugmangel hat, weil man vom Bevölkerungszuwachs und dem dadurch gestiegenen Fahrgastaufkommen überrascht und überrollt wurde. Schön zu sehen, dass es wohl trotzdem noch ein paar Ecken gibt, die sich etwas von ihrem morbiden Charme bewahrt haben.

Leipzig, für mich immer noch die Stadt in Deutschland, die mit Abstand am meisten schöne Gründerzeit-Altbauten flächendeckend in den Wohnvierteln hat - ich sollte vielleicht doch mal wieder hinfahren und schauen, wie mir das Leipzig des Jahres 2019 so gefällt smile.gif
    
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