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Incredible India, Wo der offiz. Werbeslogan Programm ist [Zur Themenübersicht]
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  Geschrieben am: 12 Aug 2020, 11:22


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Durch eine Unterführung...
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...kommen wir zum Fähranleger.
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Neues Bild für die Reisebüro-Serie - ich kann das Modell aber überhaupt nicht zuordnen. Es sieht irgendwie breitspurig aus...
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Blick zurück zum mit 23 Gleisen größten und über 1 Mio. Fahrgästen täglich am stärksten genutzten Personenbahnhof Indiens
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Vom Fähranleger fahren Schiffe in zwei verschiedene Richtungen ab. Diese haben jedoch keine separaten Anleger, sondern man muss durch ein Schiff auf das andere laufen.
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Keine Ahnung, warum eine Lebensversicherung mit auf den Strand gephotoshoppten Fahrrädern wirbt...

Fähranleger auf der anderen Uferseite des Hugli-Flusses
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Die Fahrkarten werden eingesammelt und über das Geländer in den Fluss geworfen - manche hat der Wind aber offenbar auf dem Pflaster verteilt.

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Wir überqueren diesen BÜ, welcher von einigen Vorortzügen täglich befahren wird. Sehr schön finde ich, dass im gesamten Land offenbar die Daten aller Gleisbogen direkt auf einer Steintafel vermerkt sind. Vermutlich ist es im indischen Chaos andernfalls unmöglich, sie jemals wiederzufinden...

Weil das mit den Bussen so eine Sache ist, ...
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  Geschrieben am: 12 Aug 2020, 11:22


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...denn sie halten nie richtig an, weil es in Kalkutta generell keine Haltestellen gibt...
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...und man weiß auch nicht so recht, wohin sie fahren.
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Also nehmen wir ein Uber, stehen aber ewig im Stau. Würde es in Indien richtige Bürgersteige geben, wären wir zu Fuß schneller gewesen, nicht zuletzt, weil man in Kalkutta oft Umwege wegen der zahlreichen Einbahnstraßen fahren muss.

Unser Zimmer einer typischen Mittelklassen-Kette für 25 ¤ pro Nacht
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Hurra, die Klimaanlage funktioniert und das warme Wasser auch! Und sogar das Bad ist sauber...

Da ich von der Sauberkeit begeistert bin, traue ich mich im Hotelrestaurant auch gleich an eines der wenigen Fleischgerichte, das ich in Indien unbedingt mal probieren will - Chicken Tandoori.
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Das Hähnchen wird in Joghurt und Gewürzen mariniert, ehe es (traditionell in einem Lehmofen) gegrillt wird. Lecker ist es auf jeden Fall!

Den Nachmittag nutze ich für eine Ruhepause, in der Hoffnung, meine Erkältung und den dadurch verursachten Husten endlich loszuwerden.

Abendspaziergang
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Oder doch schon wieder Bergwanderung?
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Zum Abendessen suchen wir eine Kette, bekannt für ihren Fokus auf bengalische Spezialitäten, auf. Wir bekommen eine Speisekarte voller Gerichte, deren Namen wir noch nie zuvor gehört haben. Unsere Bitte um Empfehlung führt zu diesem Ergebnis:
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Es gibt Gemüse, Dal und Paul nimmt auch noch Fisch dazu - das würde ich mich in Indien nie trauen, selbst wenn ich Fisch mögen würde.

Markt in einer Tramwendeschleife. Eigentlich müsste hier laut meiner Recherchen vor der Reise noch Betrieb stattfinden. Zumindest ein Gleis von vielen ist definitiv abgeschliffen.
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Ich warte ab und tatsächlich rumpelt nach einiger Zeit eine Tram heran. Doch ehe mir ein Nachtfoto gelingt, verschwindet sie schon wieder im Verkehrsgewühl. Zwei junge Männer sprechen mich an. Woher ich kommen würde? Ob mir Indien gefallen würde?
Währenddessen ruft ständig ein Mann "Hallo! Hallo!", doch ich ignoriere ihn einfach. Als ich mich schließlich zum Metroeingang begebe, raunzt er mich an, dass das Fotografieren in der Metro verboten wäre. Aha, hier befinden wir uns also in der Metro???
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"Easy, easy," meinen die beiden Jungen nur, "many weird people here in India." Außerdem würde es ihrer Meinung nach zu viele Menschen geben, die nur herumsitzen und nicht arbeiten. Ob ich vielleicht gute Tipps hätte, wie man an ein Visum für Deutschland kommt?


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  Geschrieben am: 13 Aug 2020, 12:19


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Tag 14 Kalkutta

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So leer wie auf diesem Bild sind die Straßen seltenst - üblicherweise quält sich der Verkehr in Schrittgeschwindigkeit voran.
Ich versuche, den Tag gemütlich anzugehen und nehme die Metro zur Wendeschleife der Tram, an der ich gestern Abend erfolglos war.

Für deutsche Verhältnisse ist der Betriebsbeginn der U-Bahn sehr spät (sonntags erst ab 10:00 Uhr (!)) und der Betriebsschluss recht früh.
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Die Nord-Süd-Linie ist Indiens erste U-Bahnstrecke. Das 1. Teilstück wurde 1984 eröffnet und in äußerst langsamem Tempo ausgebaut. Kurz vor unserem Besuch wurde ein kurzer Abschnitt der lange erwarteten Ost-West-Linie eröffnet, der jedoch noch keine Umsteigemöglichkeit zur Linie 1 bietet und recht weit außerhalb ist, sodass ich ihn nicht besucht habe. Ungewöhnlich ist, dass die Metro Kalkutta zu Indian Railways gehört. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die Linie 1 auf indischer Breitspur verkehrt. Um die Beschaffung von Rollmaterial zu vereinfachen, werden alle neuen Linien inklusive der Linie 2 regelspurig sein.

18 Fahrzeuge der 1. und 2. Generation sind nicht klimatisiert, ab der 3. Generation kommt der Fahrgast in den Genuss dieses Luxus. Ein klimatisierter Zug der 3. Generation verlässt die Haltestelle Central, welche als einzige in der Innenstadt mit spanischen Bahnsteigen ausgestattet ist. Die Außenbahnsteige werden allerdings nicht genutzt und sind von einer dicken Staubschicht bedeckt.
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Welkes Laub auf abgefahrenen Schienen
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Wer mit der Tram fahren will, braucht viel Geduld, denn sie fährt äußerst selten... Da schaue ich mir noch das inmitten der Wendeschleife abgestellte und in ein Museum umgewandelte Fahrzeug an.
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Obsthändler
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Das Erbe der einstigen britischen Kolonialhauptstadt ist unübersehbar
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Eine große Baustelle für die zweite Metrolinie hat zu weiteren "vorübergehenden" Streckenreduzierungen bei der Tram geführt.
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Vom Busbahnhof nach Süden müsste es eigentlich auch noch ein Tramstrecke geben. Also laufe ich durch diese Stände...
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...zu diesem riesigen Platz, auf dem hunderte Busse und Taxis stehen.
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Gleis und Oberleitung sind zumindest da. Jetzt fehlt nur noch ein Schienenfahrzeug...

Ständig bieten Taxifahrer ihre Dienste an. Jemand fragt mich, ob ich wohl den Bus nach Darjeeling suchen würde. Nein, eigentlich die Tram.
    
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  Geschrieben am: 13 Aug 2020, 12:19


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Blinder Passagier
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Als die Tram klingelnd in Schrittgeschwindigkeit nach mehr als einer Viertelstunde Wartezeit endlich kommt, müssen erst mal diverse Fahrzeuge umgeparkt werden, um sie passieren zu lassen.
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Die Lücken verschwinden ganz schnell wieder.
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Nach nur kurzer Wendezeit kämpft sich die Tram wieder durch das Chaos.
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Mit der Metro fahre ich zurück zum Marmorpalast, für dessen Besichtigung man erst bei einer Touristeninformation eine besondere Erlaubnis abholen muss. Da diese aber nicht passgebunden ist, könnte man es auch gleich sein lassen.
Einer von uns muss sich mit Geburtsdatum und Adresse in ein Gästebuch eintragen und der Wachmann erklärt uns gleich, dass man drinnen auf keinen Fall fotografieren dürfe, weil es sich um eine private Ausstellung handelt. Wir setzen uns zuerst in den Park und lauschen dem Vogelzwitschern. Wie sehr wir uns doch nach Ruhe sehnen...
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Vor dem Eingang in den Palast müssen wir unsere Schuhe ausziehen, während irgendwelche Einheimische einfach mit Schuhen reinlatschen. Und unsere Rucksäcke dürfen wir auch nicht mitnehmen. Schweren Herzens muss ich meine Kamera wohl unbeaufsichtigt lassen - leider lassen sich gewisse Risiken in Indien einfach nicht vermeiden.
Wir müssen erstmal auf einer Bank im Eingangsbereich platznehmen, bis nach wenigen Minuten ein Guide kommt, der uns durch die Räume führt. In kaum verständlichem Englisch nuschelt er das, was ohnehin schon auf den Schildern vor den Kunstwerken steht. "Black dog. Jupiter. Italian marble." Ein Mann wedelt mit einem Besen herum. Auch wenn es sich um ein sehr prächtiges Gebäude handelt, nagt der Zahn Indiens deutlich erkennbar daran. Und warum stellt man irgendwelche Vitrinen und Skulpturen direkt vor Gemälde...?

Seitenstraße
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Ebenfalls unzweifelhaft ein koloniales Erbe, das ich nur in Kalkutta gesehen habe, sind diese Handkarren.
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Dass darauf mal vor etlichen Jahrzehnten Kolonialherren durch die Hitze gezogen wurden, kann ich mir gut vorstellen. Im Zeitalter der Autos wirken sie dagegen hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Ihre Benutzung durch Einheimische konnte ich einige Male beobachten, um schwere Lasten wie Säcke oder Bauteile zu bewegen.

Mittagssnack gibt's in einem Café, welches mit Pizza und Maggi wirbt und rappelvoll mit indischen Studenten ist. Dass die Zielgruppe eindeutig Einheimische sind, merkt man nicht zuletzt am Plumpsklo, welches sich in einem Anbau außerhalb des Gebäudes befindet.

Mit einem Uber kämpfen wir uns durch den endlosen Stau Richtung Howrah Bridge. Unter einer Schnellstraßenbrücke wendet dort eine modernisierte Tram in einem Wendehammer inmitten des dichten Autoverkehrs.
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In der Nähe gibt es einen Blumenmarkt, den wir uns ansehen wollen.
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  Geschrieben am: 13 Aug 2020, 12:20


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Allerdings ist er derart überlaufen, dass die Besichtigung überhaupt keinen Spaß macht und ich ständig Angst habe, dass mir im Gedränge jemand etwas aus dem Rucksack klaut.
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Als sich auch noch Fahrradrikschas klingelnd und Kleintransporter hupend rücksichtslos ihren Weg durch die Menschenmassen bahnen, wird es mir endgültig nicht mehr geheuer und ich flüchte über eine Treppe auf die Howrah Bridge, um einen besseren Überblick zu bekommen.
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Ich plane, mit der Tram zurückzufahren. Doch ich warte eine halbe Stunde im Verkehrsgewühl und keine Tram in Sicht.
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Daher riskiere ich doch mal eine Busfahrt. Von hier zur nächsten Metrostation zweigen nur kleine Seitenstraßen ab, sodass ich mir sicher sein kann, dass alle 1000 Busse die richtige Strecke fahren werden. Das Auf- und Abspringen während der Fahrt finde ich stark gewöhnungsbedürftig und ich beobachte erst ein paar Einheimische dabei, ehe ich mich selbst traue. Ganz wohl ist mir allerdings nicht dabei und so bin ich ganz froh, dass der Bus zufällig doch vollständig anhält.
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Die Busbegleiter stehen stets in der offenen Tür und plärren ununterbrochen irgendwas. Ob das Hinweise an den Busfahrer sind oder der Fahrgastakquise dienen soll, weiß ich nicht.
Langsam, aber sicher bringt mich der Bus zur Metro und ich fahre zum Supermarkt. Glücklicherweise muss ich meinen Rucksack hier im Gegensatz zu Allahabad nicht abgeben, sondern ein Wachmann am Eingang verschließt den Reißverschluss mit Kabelbindern.
Meine Bekannte hat mir einen indischen Hustentee mit Kräuterzusatz empfohlen, um endlich meinen Husten loszuwerden. Taschentücher bräuchte ich inzwischen auch wieder dringend, finde aber keine.

Ein Tourist filmt den chaotischen Verkehr einer großen Kreuzung. Natürlich darf auch ein kurzer Blick in die Tramwendeschleife nicht fehlen.
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"Photo, please!"
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  Geschrieben am: 13 Aug 2020, 12:20


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Ein Bus wartet auf seinen nächsten Einsatz
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Verkaufsstand
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Abendspaziergang
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Überall liegen Gleise im Teer, doch viele sind stillgelegt.

Ich entdecke einen kleinen Laden, der Papiertaschentücher verkauft. Der Verkäufer bietet mir eine einzelne Packung mit 10 Taschentüchern an. Mehr, viel mehr, bitte... Er nimmt eine neue Packung, wie sie bei uns üblich ist und will sie schon aufreißen. Ich halte ihn davon ab und kaufe sie zu seiner großen Überraschung komplett. Wenn meine Erkältung so weitergeht, wird es wegen mir bald einen Taschentuchmangel in Indien geben.

Eine Wonton-Suppe ist eine willkommene Abwechslung und gut für meinen rauen Hals.
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Geschäftiges Treiben in den abendlichen Seitengassen
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einen_Benutzernamen
  Geschrieben am: 13 Aug 2020, 16:16


Kaiser


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cool.gif Hast du wenigstens ein paar Ountis getroffen?

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  Geschrieben am: 14 Aug 2020, 11:17


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QUOTE (einen_Benutzernamen @ 13 Aug 2020, 16:16)
cool.gif Hast du wenigstens ein paar Ountis getroffen?

Bitte wen oder was? huh.gif



Tag 15 Kalkutta

Zum Start in den Tag gibt es ein sparsames Frühstück, denn mehr als zwei Scheiben Toast mit einer winzigen Packung Glibberpaste und Butter und ein kleines Omelette stehen einem Hotelgast nicht zu.

Los geht's mit der U-Bahn. Auch wenn es nicht so aussieht, handelt es sich um einen klimatisierten Zug der dritten Generation mit Baujahr ab 2010.
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Offenbar sind immer beide Führerstände besetzt, wie am herausgestreckten Kopf zu erkennen ist. Der Mitarbeiter im hinteren Führerstand hilft beim Abfertigen der rund 150 m langen Züge.

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Etliche Einbahnstraßen wechseln je nach Tageszeit ihre Richtung.

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Statue der ehemaligen Premierministerin Indira Gandhi, die 1984 ermordet wurde. Tote gab es in Indien aufgrund religiöser Konflikte leider in der Vergangenheit sehr viele - und bevor sich die Welt nur noch für Corona interessierte, wurde vom Premierminister Modi ein äußerst umstrittenes Gesetz zur Bevölkerungsregistrierung, das von Muslimen jahrzehntealte Dokumente verlangt, verabschiedet.
https://www.nbcnews.com/think/opinion/india...ght-ncna1112446

Das koloniale Erbe ist in den breiten, grünen Boulevards unübersehbar. Sogar Fußwege haben die Briten gebracht!
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St. Paul's Cathedral
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Victoria Park
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Victoria Memorial - ich fühle mich nach London versetzt.
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  Geschrieben am: 14 Aug 2020, 11:18


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Ich setze mich auf eine schattige Bank und genieße es, das Gehupe und Dröhnen der Stadt nur ganz am Rande zu hören. In den Vordergrund drängen sich das laute Geplapper und Telefonieren der Einheimischen sowie über Handys abgespielte Musik.
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Ich laufe zur nächsten Tramstrecke und hoffe auf eine stadtauswärtige Abfahrt. Ich setze mich auf ein Mäuerchen und warte. Zeit verliert an Bedeutung, wenn man in einem Land wie Indien unterwegs ist. Es vergehen über 15 Minuten, ehe eine Tram kommt. Leider fährt sie nicht in die erhoffte Richtung. Da ich mir nahezu sicher bin, dass kein weiterer Kurs stadtseitig unterwegs ist, müsste ich auf die Rückkehr dieses Wagens warten.
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Ehe ich noch ewig herumsitze, steige ich lieber ein, um zur Esplanade zurückzufahren. Hier im Park gibt es wenigstens einen eigenen Gleiskörper.

Besonders überfüllt sind die Trambahnen normalerweise nicht, da sie so selten und langsam fahren, dass ihre Nutzung für den normalen Fahrgast sehr unattraktiv ist.
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Als wir uns dem chaotischen Busbahnhof nähern, müssen wieder erst unzählige Fahrzeuge umgeparkt werden, um die Tram passieren zu lassen - der Polizeiwagen braucht dafür gleich mehrere Minuten.
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Die Tram wendet im Gewusel - zum Glück dauert das Umparken der Fahrzeuge so lange, dass ich problemlos zu Fuß mitlaufen kann und mehrere Versuche habe und zumindest ein Bild erhalte, das nicht komplett zugelaufen ist.
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Für das Mittagessen suche ich nochmal die bengalische Kette auf. Im Eingangsbereich warten um die 10 Menschen auf einen freien Tisch und der Wachmann erklärt, dass ich kurz warten müsste. Doch schon nach weniger als einer Minute werde ich vor den Einheimischen durchgewunken - ganz wohl fühle ich mich dabei nicht. Das Restaurant ist voller Büroleute in der Mittagspause, aber auch einige Familien sind dabei.

An einer längeren Tramfahrt führt kein Weg vorbei, denn für mich ist sie klar das verkehrliche Highlight der Reise. Also suche ich mal wieder die großzügige Wendeschleife auf.
Statt einer Tram stolpere ich aber erst über diesen fabrikneuen Elektrobus.
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Nach etwa einer Viertelstunde kommen gleich drei Trambahnen hintereinander.
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Ich hoffe auf eine Linie 5 nach Norden, um von der dortigen Endstation mit der Metro zurückfahren zu können. Glücklicherweise ist die gewünschte Linie dabei.
Los geht's.
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Bimmelnd kämpft sich der Wagen Meter für Meter voran.
Autos und Mofas müssen umgeparkt werden...
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  Geschrieben am: 14 Aug 2020, 11:24


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Die Fahrt hat etwas Historisches - beide Wagen sind mit Schaffnern begleitet, die Fahrkarten für 9 Cent verkaufen. Da es keine festen Haltestellen gibt, zieht der Schaffner einmal an einer Schnur und es klingelt. So weiß der Fahrer, dass jemand aussteigen möchte. Wer zusteigen möchte, winkt am Straßenrand oder springt einfach während der Fahrt auf.
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Zum Abfertigen klingelt erst der Schaffner hinten zweimal, dann der im vorderen Wagen zweimal und der Fahrer setzt die Fahrt fort. Manchmal kommen wir keine 50 m weit, ehe wieder jemand ein- oder aussteigen möchte.

Durch eine quirlige Einkaufsstraße geht es Richtung Norden. Hier ist der Verkehr zwar nicht so dicht, aber dafür möchte ständig jemand ein- oder aussteigen und wir fahren selten mehr als 100 m am Stück. Ding. Halten. Dingding. Bw fertig. Dingding. Tw fertig. Ruckartig setzt sich die Tram wieder in Bewegung.

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Manchmal sind die Gleise für eine Weile blockiert.
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Ein aussichtsloser Versuch, die Menschen zu weniger Hupen zu erziehen
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Was auch immer das mal werden sollte, es ist nicht fertiggestellt worden.
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Besonders interessant sind Abbiegemanöver, weil die Gleise eigentlich immer durch Gegenverkehr belegt sind. Dann hilft nur viel Winken, Rangieren und vor allem viel, viel Geduld.
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Die hier gezeigte Strecke ist aber ohnehin "vorübergehend" wegen den Bauarbeiten an der Metrolinie 2 eingestellt.

Die Endstation Shyambazar macht ihrem Namen alle Ehre
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Angesichts des beschriebenen Fahrtverlaufs wird es niemanden wundern, dass wir für 5,2 km satte 45 Minuten benötigen, was einem Schnitt von rund 7 km/h (!) entspricht.

Die zugehörige Abstellanlage
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Der Personalraum
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Warten auf den nächsten Einsatz
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  Geschrieben am: 14 Aug 2020, 11:24


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Und weil es so schön ist, noch ein Bild der Abfahrt in den letzten Sonnenstrahlen des Tages
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Ein paar Sprüche auf dem Bus - aber ich sage ganz klar: Safe drive - save life auf ein Fahrzeug draufzuschreiben, reicht nicht. Man muss schon selbst entsprechend handeln...
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Eine Kreuzung in der Nähe. Die weitere Strecke ist bereits eingestellt und das einst riesige Depot Belgachia wird offenbar jetzt für Busse genutzt.
https://goo.gl/maps/4ksTPd68nZUgof2G7

Der Tabakverkäufer bittet um ein Foto
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Ich habe Mühe, vor lauter Marktständen den Metroeingang zu finden und fahre schließlich zurück nach Süden. In der Park Street sind einige europäische Verpflegungsmöglichkeiten beheimatet, darunter auch ein Café. Ein Wächter öffnet mir die Tür. Es handelt sich um ein riesiges Wiener Café und ist fast vollständig mit Einheimischen gefüllt. Entenfang gönnt sich richtig - einen Cappuccino, ein Stück Kuchen und eine Leipziger Lerche (mit Marzipan) zum Preis eines indischen Mittagessens. Ahhh, köstlich...
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Auf dem Rückweg zur Metro
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Eines ist klar - ich möchte den Abend für eine Nachtfahrt mit der Tram nutzen. Die Musik des in Dauerschleife auf den zahlreichen Fernsehern in der Station Esplanade laufenden Filmtrailers begrüßt mich jedes Mal aufs Neue, als ich aus in der nun herrschenden HVZ sehr vollen U-Bahn aussteige.

Wenig später stehe ich wieder in der Wendeschleife. Nach eigenen Sichtungen müsste es noch zwei andere Linien geben, die hier abfahren. Nach rund zehn Minuten fahren wieder drei Bahnen auf einmal ein. Die erste ist eine 5, die kenne ich schon. Die hinteren beiden sind 25er.
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Ich nehme die hintere 25 und setze mich in den Bw, welcher mit Längsbestuhlung ausgestattet ist.
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Im Tw gibt es teilweise Querbestuhlung und größere Ventilatoren, daher bevorzugen ihn die meisten Fahrgäste.
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Die Auslastung ist gering - soweit ich es erkennen kann, sind Zusteiger unterwegs vor allem Gelegenheitsfahrgäste, die einsteigen, weil die Tram gerade zufällig vorbeikommt.

Der Schaffner spricht mich an - überraschenderweise in perfektem Englisch, womit ich bei seinem Beruf nicht gerechnet habe. Ja, ich interessiere mich für Straßenbahnen und finde den Betrieb hier wirklich faszinierend. Leider würden die Fahrzeuge nicht gut gewartet, meint er bedauernd. Wie alles in Indien..., denke ich. Er erzählt weiter, dass auch sein Vater und Großvater bei der Tram beschäftigt waren und er jetzt auch schon über 30 Jahre dabei wäre. Er hat den Niedergang der Straßenbahn Kalkutta in voller Länge miterlebt - zu Beginn waren über 250 Fahrzeuge gleichzeitig im Einsatz, heute sind es weniger als 20. Damals wären die Straßen komplett frei gewesen, aber heute herrscht das totale Chaos. Die Regierung würde sich wenig um die Tram kümmern, aber er ist sich sicher, dass sie nie ganz eingestellt wird. Zumindest ein Alibi-Fahrzeug würde weiterfahren, denn eine komplette Stilllegung scheut die Regierung auch, weil doch zahlreiche Einheimische von diesem Verkehrsmittel begeistert wären.
In der Tat ist mir aufgefallen, dass mehrfach die vorbeifahrende Tram von Passanten gefilmt wurde. Zwei weitere Männer sitzen in der Nähe und quatschen auch mit dem Schaffner. Gelegentlich stellen sie mir eine Frage in einer Mischung aus Hindi und Englisch, die ich kaum verstehen kann. Der Schaffner dolmetscht.

Besonders hart wird der Kampf, als wir eine Einbahnstraße entgegen ihrer Fahrtrichtung befahren müssen. Für 1,5 km brauchen wir vermutlich über 15 Minuten, nicht zuletzt, weil auch noch zwei Falschparker die Gleise blockieren und erst durch Dauerbimmeln herbeigeordert werden müssen.

Nach gut 50 Minuten erreichen wir die Endstation Gariahat Tram Depot, was einem Schnitt von rund 7 km/h entspricht. Da wird das Abfahren einer Tramlinie zum Halbtagesausflug. Der Schaffner meint zu mir, er hätte jetzt erstmal eine Stunde Pause und würde kurz vor 9 wieder zurückfahren. Ich könne doch wieder mitfahren.
Warum eigentlich nicht? Die Pause lässt sich hervorragend nutzen, um das Abendessen einzunehmen. Hoffentlich reicht die Zeit...
    
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  Geschrieben am: 14 Aug 2020, 11:24


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Im Depot stehen einige Fahrzeuge im Dämmerlicht, doch ein Wachmann schaut schon schief, bevor ich die Kamera überhaupt zücke und so versuche ich es lieber von draußen.
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Doch sofort taucht ein anderer Wachmann auf und verbietet weitere Fotos. Grmpf.

Die erste Option für das Abendessen ist zwar auf Google Maps eingetragen, ich finde sie aber nicht in der Realität. Bei der zweiten Option werde ich fündig und schaffe es problemlos bis 20:45 Uhr zurück zum Depot.
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Kurz vor neun taucht der Fahrer wieder auf, ich steige als einziger Fahrgast in den Bw ein. Da kommt auch schon der Schaffner und die beiden anderen Männer, die bereits auf der Hinfahrt mitgequatscht haben und offensichtlich auch nur spazieren fahren.

Auf den nun deutlich leereren Straßen geht es zügiger voran, aber kaum weniger laut. Durch die offenen Fenster dringen das Rattern und Hupen ungedämpft herein und macht eine Unterhaltung sehr schwierig. Die beiden Männer steigen unterwegs irgendwann aus und ich bleibe die restliche Fahrt allein mit dem Schaffner im Beiwagen. "Die fahren nächste Woche zurück nach Bangladesch. Und du bald nach Deutschland...", meint er. Es wird sicher noch weitere gesprächsfreudige Fahrgäste geben...
Der Schaffner erzählt mir noch, dass er zu einer christlichen Minderheit gehört, die auf Ehen von Briten während der Kolonialzeit mit Einheimischen zurückgeht und deren Muttersprache Englisch ist. Er bittet um ein gemeinsames Foto und schießt ein verwackeltes Selfie.
Kalkutta würde ihm eigentlich gar nicht gefallen, obwohl er hier schon sein ganzes Leben verbracht hat. Er träumt von einem Leben in Europa, wo es laut den Fernsehdokus, die er gesehen hat, sauber und gut organisiert ist. Außerdem hätte er auch Freunde in Europa, Dubai und Kanada und dank Internet wäre ja die Kommunikation auch sehr einfach und billig.
Er fragt schließlich danach, ob wir denn in Deutschland auch einen Straßenbahnbetrieb hätten. Nicht einen, sondern 57. Während der Fahrt kann man bei uns aber nicht ein- und aussteigen. Wie das? Wir haben automatische Türen, die elektrisch betrieben sind und während der Fahrt verschlossen sind. Für einen Straßenbahner aus Kalkutta muss das mindestens genauso absurd klingen wie für uns das Auf- und Abspringen während der Fahrt...

Bis auf einen Taxifahrer, der auf der Gegenfahrbahn an der Kreuzung steht und deswegen die Gleise blockiert sowie einem am Straßenrand parkenden LKW, dessen Passieren Millimeterarbeit erfordert, läuft alles rund und nach weniger als 40 Minuten sind wir "schon" wieder zurück in der Wendeschleife Esplanade - immerhin ein Schnitt von fast 10 km/h.

Bewegtbilder? Hier, bitte:
https://www.youtube.com/watch?v=pMxp4YKKPqs

Der Filmtrailer empfängt mich in der U-Bahnstation. Es ist immer wieder lustig anzuschauen, wenn Leute nicht wissen, wie man eine Rolltreppe benutzt. Auch eine halbe Stunde vor Betriebsschluss sind die Bahnen noch gut gefüllt.
Noch immer verzaubert von der stimmungsvollen Nachtfahrt fahre ich zurück zum Hotel. Sie wird mein schönstes Erlebnis der Reise bleiben.


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  Geschrieben am: 14 Aug 2020, 15:15


Kaiser


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