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Incredible India, Wo der offiz. Werbeslogan Programm ist [Zur Themenübersicht]
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  Geschrieben am: 4 Sep 2020, 10:26


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Tag 29 Ahmedabad

Heute schaffen wir es erst kurz vor 10 Uhr in die Uni - stört aber offenbar niemanden. Alle Kollegen scheinen irgendwo anders beschäftigt zu sein, denn das Großraumbüro ist fast leer. Das heute ein Kochwettbewerb mit anschließender gemeinsamer Verkostung stattfindet, erfahre ich leider erst, nachdem alles aufgegessen ist.
Ich beschließe, nachmittags zur Science City zu fahren. Zufälligerweise fährt gerade einer der Kollegen in diese Richtung - nur leider mit dem Mofa. Ich willige schließlich ein, dieses für Indien so typische Verkehrsmittel auch mal auszuprobieren - aber bitte mit Helm. Aber das wäre hier doch gar nicht vorgeschrieben, meint der Kollege. Zumindest in Kalkutta standen überall entsprechende Schilder und selbst wenn es nicht vorgeschrieben wäre, bestehe ich trotzdem darauf.
Ganz wohl ist mir wirklich nicht auf der ersten Mofafahrt meines Lebens und das, obwohl wir nur auf Straßen mit wenig Verkehr unterwegs sind und der Kollege sich alle Mühe gibt, vorsichtig zu fahren. Ich bin jedenfalls heilfroh, als ich nach einer Viertelstunde wieder absteigen kann.
Am Eingang zur Science City besteht mal wieder ein Verbot, Essen mitzunehmen. Ich behaupte einfach, keines dabeizuhaben. "Ok, show." Die Wächterin findet die letzten Reste meiner Lindt-Schokolade im Rucksack, begutachtet sie dann ausgiebig. Möglicherweise fällt das unter zulässiges Essen, denn ich darf damit rein.

Bunte Blüten im Park
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Am Eingang zum naturwissenschaftlichen Museum muss ich sogar meine Wasserflasche abgeben, was mir natürlich gar nicht taugt. Nachdem die Kamera schon die Aufbewahrung überstanden hat, wird es meine Wasserflasche wohl auch tun.
In einem halbkugelförmigen Gebäude gibt es physikalische Experimente zum Ausprobieren, von denen die Hälfte nicht funktionieren.
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Das Highlight ist eine Show zu Außerirdischen. Auf Anweisung eines Aufsehers werden alle umstehenden Personen in einen runden Raum eingelassen, dort setzen sich alle auf den Boden. Der Raum ist ab drei Metern Höhe von einer Leinwand umgeben, die von mehreren Beamern mit völlig unterschiedlichen und unpassenden Trapezeinstellungen und selbstverständlich nicht von einem zusammenhängenden Bild bestrahlt werden.

Irgendwo im Park steht dieser Dinosaurier
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In der Weltkugel gibt es noch ein Museum zu Naturkräften.

Bevor ich das Gelände verlasse, setze ich mich noch auf eine schattige Bank. Bald kommt eine indische Familie vorbei, mit der ich Händeschütteln und Fotos machen muss. Zwei der erwachsenen Kinder haben Masken auf, gegen Corona, wie mir die Mutter ausführlich erläutert.

Ich versuche mich am AMTS-Bus.
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Drei Haltestellen entlang der Hauptstraße ist eigentlich eine sichere Sache und laut Google Maps soll alle paar Minuten ein Bus kommen. Ich muss nicht lange warten, springe in den bereits anfahrenden Bus, und bis ich bezahlt habe, muss ich auch schon wieder aussteigen. Das Prinzip ist: Hinten beim Schaffner einsteigen, vorne beim Fahrer aussteigen, damit dieser weiß, wann jemand raus möchte. Haltewunschtasten gibt es natürlich nicht.

Im auserwählten Café gibt es leider nur Cremetorten, die sich gar nicht zum Mitnehmen eignen und Sitzgelegenheiten sind keine vorhanden. Notgedrungen kaufe ich zwei abgepackte Muffins und esse sie auf einer Bank am Straßenrand.

Ich starte einen weiteren Versuch am bereits bekannten BÜ, nachdem ich mit Uber hingefahren bin.
Von Westen her ziehen wuchtige Quellwolken auf und ich bin mir ziemlich sicher, dass es regnen wird, auch wenn die Wettervorhersage 5% Regenwahrscheinlichkeit angekündigt hat.
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Heute kommen zwar mehr Züge vorbei, doch die Sonne verschwindet bald hinter den Wolken.
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Allein schon an den Hektometersteinen erkennt man, wie groß Indien ist.
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Vier Jungs zwischen 10 und 13 fragen mich, was ich hier machen würde. Leider sprechen sie in einer Mischung aus Hindi und Englisch, sodass ich die weiteren Fragen nur mit größter Mühe verstehe. Manchmal helfen sie sich gegenseitig mit englischen Vokabeln aus.

Ein Zug rauscht durch, doch das Signal in Gegenrichtung steht auch noch auf Fahrt und der BÜ bleibt zu. So warte ich 5 Minuten, doch kein weiterer Zug kommt. Das Signal wird irgendwann zurückgenommen und der BÜ geöffnet.

Kein seltenes Bild am Straßenrand:
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  Geschrieben am: 4 Sep 2020, 10:26


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Als ich auf dem Rückweg bin, fallen ein paar Regentropfen. Die vier Jungs kommen auf einem Mofa angebraust. "Photo, please!!!"
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Der offensichtlich viel zu junge Fahrer zieht es anscheinend vor, nicht abgelichtet zu werden.
Vermutlich haben sie auf einem Mofa mehr Spaß als ich...

Und tatsächlich gibt es rund eine Stunde später zu meiner großen Freude einen kräftigen Regenguss, welcher endlich den ganzen Staub wegspült.


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  Geschrieben am: 5 Sep 2020, 22:20


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Tag 30 Ahmedabad

Den nach dem gestrigen Regen verhältnismäßig kühlen Vormittag nutze ich für ein paar weitere Bahnfotos.
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Und das heutige Highlight - eine bunte Dotra
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Diesen Sarg braucht offenbar niemand mehr - wollen wir hoffen, dass derjenige, für den er gedacht war, einfach nicht gestorben ist.
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Ein Kollege hat vorgeschlagen, abends gemeinsam bei einer Kette essen zu gehen, bei der ich noch ein paar neue Gerichte ausprobieren könne.
Ich starte ein bisschen früher, um noch Nachtfotos zu machen.

Braucht jemand ein paar Kokosnüsse zum Opfern?
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Mal wieder versuchen ein paar Autos und Mofas, sich vor oder hinter dem Bus über die BRT-Trasse durchzumogeln. Heute Abend ist auf der normalen Fahrbahn gar kein Stau - das verstehe, wer will... Ich glaube ja inzwischen, dass sich in Indien schon aus Prinzip keiner an irgendwelche Regeln hält. Selbst wenn die komplette Straße frei ist, fahren alle irgendwo und nicht in den markierten Fahrstreifen.

Eine typische Ladenzeile
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Eisstand
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Obst- und Popcornverkäufer
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Jede Menge Billig-Plastik
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  Geschrieben am: 5 Sep 2020, 22:20


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Bereits mehrfach bin ich mit dem Bus an einem Gemüsemarkt vorbeigefahren, jetzt steige ich einfach mal aus und schaue ihn mir an. Das Geschrei der Händler hallt über die Stände.
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Nur das übliche Chaos
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Das Highlight des Abends ist das hier:
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Die schmackhaften Bällchen heißen Panipuri und sind mit Gemüse gefüllt. Ich bin froh, dass der Kollege mir erklärt, wie man die überhaupt isst - man füllt nach Belieben vom roten Chutney und vom Korianderwasser in ein Bällchen und steckt es dann ganz in den Mund, um keine Sauerei zu verursachen.


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  Geschrieben am: 6 Sep 2020, 18:03


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Tag 31 Ahmedabad

Heute schlafe ich richtig aus, denn nachmittags habe ich viel vor. Ein Kollege hat mir eine Stadtbesichtigungstour empfohlen. Um ein Haar hätte ich vorschnell abgelehnt, weil ich absurde Touri-Preise erwartet habe. Aber als ich gehört habe, dass die gesamte Tour nur 6 ¤ kostet und auch einen Teil außerhalb der Stadt hat, wo ich ohnehin hinwollte, sage ich zu.

Ich fahre zunächst mit dem Fahrrad zur BRT-Station. Laut App sollen die Abfahrten heute zur Minute 6 sein. Ich bin früh dran und sehe um 12:00 Uhr den Bus abfahren. Grmpf, hätte ich doch lieber auf meine beobachtete Minute 9 vertraut.

Ich warte geschlagene 16 Minuten auf den nächsten Bus, während drei stadtauswärts fahren. Laut App dauert die Fahrt 46 Minuten und die Tour startet um 13:15 Uhr. Also sollten trotz der langen Wartezeit noch ein paar Minuten Puffer bleiben. Gefühlsmäßig habe ich bisher aber immer länger als voranschlagt gebraucht. Ärgerlicherweise finde ich nicht mal hier am Stadtrand einen Sitzplatz, weil davor so eine lange Lücke war.
Ich steige nach 4 Minuten Wartezeit um - zu meiner großen Freude bekomme ich endlich eine Testfahrt im Elektrobus.
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Der Unterschied zum Dieselbus ist enorm - statt eines schwerfälligen, lauten Monsters sitze ich in einem flinken Wiesel, in dem man kaum Stehen kann, so sehr gleicht die Fahrt einer Achterbahn.

Auf der Strecke gibt es etliche LSA mit Umlaufzeit 180 s und da es für den BRT keine Vorrangschaltung und nur eine relativ kurze Freigabephase gibt, verbummle ich einige Minuten vor Kreuzungen.
Wie die Läufer vor dem Start - Auf die Plätze... ...fertig... ...LOOOOOOS!
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Hier ist die BRT-Trasse momentan wegen der Metro-Baustelle gesperrt und der Bus hält am Fahrbahnrand
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Der Bus"bahnhof" RTO Circle - nach 55 Minuten statt 46 habe ich mein Ziel fast erreicht.
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"Photo, please!"
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Wo wir gerade dabei sind, kann mich einer von euch Rikschafahrern zu Gandhi Ashram bringen?
"Na klar, nur rein!"
Moooooment. Wie viel kostet das?
"100." Haha, guter Witz. 20. "70." 30. "50." 40 oder ich buche Uber. "Ok, 40."

Eine Rikscha mit Werbung, die den professionellen Umgang mit Photoshop demonstriert
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Kaum 3 Minuten später bin ich am Ziel. Ein roter Sightseeing-Bus steht herum, aber wo und wann startet die Tour? Einige Minuten vergehen, bis mich jemand mit meinem Namen anspricht. Er hätte sich schon gewundert, wo denn der Ausländer der Tour bleiben würde.

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Mahatma Gandhi lebte hier für 12 Jahre. Ahmedabad war im Jahr 1930 Startpunkt von Gandhis Salzmarsch, einem Protest gegen die hohen Steuern auf Salz von der britischen Kolonialregierung.

In einem klimatisierten Bus - welch ein Luxus - klappern wir dann ein paar Sehenswürdigkeiten in der Stadt ab. Der erste Stop ist am Hutheesing Jain Temple. Extra für mich erläutert die Führerin alles auch auf Englisch, nachdem sie mit Hindi durch ist.
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Ein Inder, der in London lebt und auf Heimatbesuch ist, drängt sich mir geradezu auf, mich zu fotografieren. Leider scheint ihm nicht bewusst zu sein, dass meine Kamera im Gegensatz zu seinem Handy auch die Möglichkeit hat, das Hauptmotiv durch Zoomen in den Mittelpunkt zu rücken. Das Ergebnis sieht nämlich so aus, als wäre ich zufällig ins Bild gelaufen…

Nur ein kurzer Blick von außen auf das kunstvolle Fenster der Sidi-Saiyyed-Moschee
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  Geschrieben am: 6 Sep 2020, 18:04


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Nächster Halt: Rani Sipri Ki-Moschee
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Shaking Minarets
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Überall herrscht der gewohnte Trubel, erst am National Memorial am Stadtrand ist es ruhiger.
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Highlight dieses Museums ist ein Multimedia-Raum, in dem mehrere Wachleute auf über 50 nicht funktionierende Bildschirme aufpassen. Dieses Museum kann man gesehen haben, muss man aber nicht.

Der Bus ist im Schatten geparkt, man beachte die eigene Tür für den Fahrer auf der "falschen" Seite
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Die vereinbarte Abfahrtszeit verstreicht, doch von einigen Teilnehmern ist ebenso wenig zu sehen wie vom Busfahrer. Die Führerin hupt ungeduldig mit dem Bus, doch es vergehen weitere 15 Minuten, bis sich endlich alle inklusive Busfahrer an Ort und Stelle eingefunden haben.

Der nächste Halt ist Adalaj Stepwell, ein etwas außerhalb der Stadt gelegener Brunnen.
Spielende Hunde gehören zu Indien dazu
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Es ist ein hübscher Ort. Alle kloppen sich um die besten Fotostellen, die meisten Selfies und laufen sich gegenseitig ins Bild.
Kein Ort ohne Schrein
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Der Inder aus London zeigt mir, was für ein tolles Bild er mit seinem Handy geschossen hat und drängt sich erneut auf, Bilder für mich zu machen. Da eine gute Stelle gerade frei ist, drängle ich mich elegant vor unentschlossene Einheimische und lasse ihn machen. Bei einem Bild ist zwar mein halber Kopf abgeschnitten, aber immerhin ein brauchbares Bild entsteht an diesem Tag doch. Hier sehe ich die ersten Ausländer während meines bisher 10-tägigen Aufenthalts in Ahmedabad. Ironischerweise sind es zwei Chinesen mit kleinen Rollkoffern.

Von oben ist das Gebäude übrigens indientypisch ohne jede Sicherung - hier geht es mehrere Meter in die Tiefe.
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  Geschrieben am: 6 Sep 2020, 18:04


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Interessanter Schmuck an einem Tempel, der aussieht, als wäre er aus Alufolie.
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Letzter Halt des Tages ist der Akshardam-Tempel in der Planstadt Gandhinagar, welche auch gleichzeitig Regierungssitz des Bundesstaats Gujarat ist. In der zweiten Phase soll sie auch an das Metronetz angeschlossen werden.
Leider gelten im Tempel außerordentlich strenge Sicherheitsvorschriften - man darf nichts außer einem Geldbeutel und einer Flasche Wasser mitnehmen. Nein, nicht mal ein Handy, wiederholt die Führerin noch zweimal im Bus, was nichts daran ändert, dass trotzdem zwei nochmal zurück zum Bus müssen, weil sie das Handy nicht zurückgelassen haben.
Sogar Smartwatches sind verboten. Wenn die Inder was durchziehen, dann aber mit maximaler Konsequenz. Es ist jammerschade, dass ich keine Kamera mitnehmen kann, denn der Tempel erstrahlt gerade golden im schönsten Abendlicht.

Hier gibt es ein paar Eindrücke:
https://www.financialexpress.com/photos/bus...tunning-images/

Ich überspringe einen Teil des Museums zugunsten des Abendessens. Das Essen im Tempelareal wäre besonders gesund, hat die Führerin zuvor erläutert. Was an frittiertem Zeug, Pizza und einer interessanten Interpretation von italienischer Pasta so außergewöhnlich gesund sein soll, leuchtet mir zwar nicht ein, aber was soll's. Nachdem ich endlich herausgefunden habe, wo man was wie bezahlen und abholen kann, gibt es Samosa und ein Kichererbsengericht mit Naan. Danach bleiben mir noch ein paar Minuten, um den Tempel zur blauen Stunde zu bestaunen - ein ebenfalls herrlicher Anblick.

Dann fahren wir zurück. Der Busfahrer verschafft sich, wie so oft, durch viel Hupen freie Bahn. Ich frage, ob es möglich wäre, bereits am RTO Circle auszusteigen, um dort direkt in den BRT umsteigen zu können. Klar geht das.
Kaum öffnen die Türen, nerven schon fünf Rikschafahrer, die ich allesamt abschüttle und im Kabuff im Getümmel eine Busfahrkarte für 30 Cent kaufe.

Jetzt muss ich nur noch den richtigen Bus finden. Ich kann die Linien 3, 4 oder 201 nehmen. Momentan stehen 2x 12 und die 101 da.
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Ein weiterer Bus hält am Straßenrand, doch die Liniennummer lässt sich anhand Klebespuren auf der Windschutzscheibe nicht eindeutig bestimmen. Eine 4 fährt ohne Halt vorbei, obwohl ein Einheimischer winkt.
Schließlich bietet mir jemand Hilfe an. Welche Richtung? Shivranjani. Er führt mich zu einem 20 m abseits geparkten Fahrzeug. Dort ist in der Scheibe eine 3 zu erahnen. Als einziger Fahrgast steige ich ein und wenig später fahren wir ab. Der Busfahrer hat offenbar Freude daran, im 2. Gang durch die Stadt zu dröhnen. Der Frontmotor gibt auch bei halbwegs normalem Fahrverhalten schon einen Höllenlärm ab, aber der Lärmpegel auf dieser Fahrt ist wirklich unbeschreiblich.

Wieder bremsen uns die LSA stark aus. Während der langen Rotphase stauen sich gleich immer zwei bis drei Busse pro Richtung, um sich dann pulkweise in Bewegung zu setzen.

Wir sind an dritter Stelle im Pulk und das erste Fahrzeug schafft offenbar nicht mehr als 30 km/h. Der Bus vor uns überholt irgendwann, doch der Fahrer meines Busses hat es offenbar nicht so eilig und überholt nicht.

An der Umsteigehaltestelle wird keine 1 innerhalb der nächsten 12 Minuten verkündet. Erst kommt eine 8, die zwar in die richtige Richtung fährt, aber schon zuvor endet. Direkt dahinter kommt ein Fahrzeug ohne klare Nummer. Jemand fragt, ich höre nur ISKCON und springe schnell rein. Mit viel Fantasie kann ich in der Frontscheibe eine 1 erahnen, doch der Bus endet leider trotzdem vorzeitig wie die 8.
Immerhin muss ich nicht lange auf die nächste 1 warten. Der Fahrer hat offenbar Freude daran, auf völlig freier Trasse zu hupen.
Fast am Ziel angekommen, stehen zwei Männer mitten auf der BRT-Trasse und bewegen sich selbst unter massivem Hupen nur äußerst widerwillig zur Seite. Sie starren, wie mindestens 50 weitere Menschen, wie gebannt auf irgendeinen Brand. Ob es ein Haus, ein Trafo oder ein Auto ist, kann ich auf die Schnelle nicht erkennen.
Immer wieder werde ich von anderen Fahrgästen angestarrt - meistens fällt es mir gar nicht mehr auf, so sehr habe ich mich schon daran gewöhnt. Für die Rückfahrt brauche ich satte 65 statt 46 Minuten. Während ich das Fahrrad aufsperre, fragt mich der Obstverkäufer, woher ich kommen würde. Muss wohl bald jedem hier im Viertel bekannt sein... Ich bin müde und nicht sehr motiviert für Smalltalk und radle lieber zügig zwischen Hunden und Kühen auf mein Bett zu.


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  Geschrieben am: 7 Sep 2020, 11:27


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Tag 32 Ahmedabad

Der heutige Tag beginnt früh - sehr früh. Schon um 6 Uhr stehe ich auf, um mit Uber zum nahegelegenen Vogelreservat Thol Lake zu fahren. Der Fahrer nutzt die leeren Straßen, um Rallye zu fahren. Ich werde durchgeschüttelt und werde von einer Seite auf die andere geschleudert, während die Dämmerung anbricht. Einige Radfahrer nutzen die angenehmen Temperaturen des frühen Morgens für eine Fahrt.

Kurz bevor ich am Ziel bin, geht die Sonne auf. Mist, 10 Minuten zu spät dran. Der Wachmann am Eingangstor druckst eine Weile herum, erzählt etwas von Camera not allowed. Schließlich zahle ich fast 8 ¤ Eintritt und bekomme irgendeine Quittung. Einige weitere Fotografen stehen schon bereit.


Langsam spaziere ich am See entlang, sehe aber kaum Vögel.
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Ärgerlicherweise darf man ein Stück des Weges auch mit dem Auto oder Mofa entlangfahren und so tauchen ständig lärmende Einheimische auf. Da nehmen wohl alle Vögel Reißaus.

Als der parallele Fahrweg endet, wird es bald einsamer und ruhiger.
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Ich begegne drei jungen Männern, die ein Schlauchboot schleppen. Nach dem üblichen Smalltalk meinen sie nur: "2 weeks in Ahmedabad? Bless you!"

Zwei Männer um die 40 und 60 haben Modelle von Mercedes-SUV auf dem Boden geparkt und setzen sie - im Staub liegend - mit ihren Handys in Szene. Dabei erläutert der Jüngere dem Älteren, wie er das am besten machen soll.

Hier gibt es ja doch Vögel - leider hat meine Kamera nicht genug Tele, um sie schön nah heranzuholen.
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Dorfeinwohner vertreiben durch Rufe und Tröten die Affen, die auf dem Weg sitzen.

Die nächste Zeit bin ich ganz allein.
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Während ich eine Pause im Schatten einlege, flattert sogar ein Eisvogel vorbei.

Mein Plan sieht eigentlich vor, einmal komplett um den See zu laufen, nur führt der Trampelpfad im Osten vom See weg und die Uferlinie ist hinter Gebüsch nicht mehr erkennbar. Weder Google Maps noch maps.me bieten eine brauchbare Karte und so kann ich mich nur mit GPS und einem blauen Punkt, der langsam auf einer weißen Fläche wandert, orientieren. Bald sieht es so aus, als würde ich wieder zum See zurückkommen und erfreulicherweise schützt mich lockerer Wald von der immer höherstehenden Sonne. Zwei Männer knattern auf ihrem Mofa an mir vorbei. Ein Stück vor mir springt einer von ihnen ab und kommt auf mich zu, während der andere weiterfährt. Er spricht mich auf Hindi an und ich verstehe kein Wort. Ich deute auf meinen Startpunkt in Google Maps, der gleichzeitig auch mein Ziel ist.
Er bedeutet mir, zu warten und ruft jemanden an. Ich verstehe nur was von Amerikaner. Bald reicht der Mann mir das Handy weiter und ich werde auf Englisch angesprochen. Woher ich denn kommen würde? Dass ich nur beim offiziellen Eingang reindürfe und Eintritt zahlen müsse. Ähm, ich komme doch vom offiziellen Eingang und 8 ¤ Eintritt sind wahrlich kein Schnäppchen?! Etwas ungläubig meint er, ich solle dem Mann die Quittung zeigen - ich vermute mal, so weit wie ich hat es noch niemand zu Fuß geschafft.
Ich tue, wie mir geheißen und der Mann gibt sich zufrieden, macht aber keine Anstalten, mich allein zu lassen. Er zeigt mir noch ein paar Vögel und gibt mir zu verstehen, ich solle den weiteren Weg suchen.
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Auf Google Maps sieht es so aus, dass der linke Trampelpfad die bessere Wahl ist, sodass ich ihn wähle. Der Mann folgt mir. Ich frage mich nur, wieso ich navigieren soll. Wenn der Mann von hier stammt, müsste er doch die Wege deutlich besser kennen als ich...
Grob nach Himmelsrichtung den Pfaden durch den Wald zu folgen, klappt erstaunlich gut. Hier lang, da lang, abbiegen und immer weiter folge ich den Pfaden durch den Wald - der Mann lässt mich nicht aus den Augen. Vögel sehe ich im Wald keine mehr, wie schade.
Ein Pfad biegt immer weiter nach Süden ab und folgt schließlich dem Ufer in die falsche Richtung. Es ist das einzige Mal, dass wir umkehren müssen. Der Mann folgt mir weiter stumm. Irgendwann deutet er durch Gesten an, wo ich denn mein Fahrzeug geparkt habe. Ich sag nur Uber.
Irgendwie artet in diesem Land alles in ein Abenteuer aus...

Wir passieren schließlich einige Ölförderpumpen und erreichen wenig später die Landstraße, welche zu dem Ort am See führt, in den ich eigentlich immer am Ufer entlanglaufen wollte. 2 km entlang einer Landstraße müssen aber nicht unbedingt sein und ich gebe dem Mann zu verstehen, dass ich eine Rikscha anhalten möchte. Offenbar will er das für mich übernehmen, lässt aber die erste nach rund drei Minuten und nur mit einem Fahrgast besetzte vorbeifahren, um dann die nächste anzuhalten, in der bereits fünf Frauen sitzen. Ohje, muss das sein? Der Fahrer winkt mich zu sich auf den Fahrersitz, ich versuche irgendwie einen Preis auszuhandeln, was aber aufgrund der Sprachbarriere schwierig ist. Der Mann bleibt zurück, keine Ahnung, ob der jetzt den ganzen Weg fast eine Stunde zurücklaufen wird...

Die Frauen plappern auf mich ein und insbesondere die Älteren auf der Rückbank begrapschen mich andauernd. Dann wird ein Ghettoblaster aufgedreht, die Frauen sind offenbar in ebenso guter Stimmung wie der Rikschafahrer, welcher sich offenbar mehr auf seinen ungewöhnlichen Fahrgast als auf die Straße konzentriert, deswegen eine Bodenwelle übersieht, diese viel zu schnell überfährt und infolgedessen das überladene Fahrzeug so heftig durchgeschüttelt wird, dass ich fürchte, aus der Rikscha geschleudert zu werden. Gott sei Dank dauert die Fahrt nur wenige Minuten, ich drücke dem Fahrer etwa 60 Cent in die Hand, was die Frauen grölend und lachend zur Kenntnis nehmen und bin froh, die letzten 2 km zum Ausgangspunkt zunächst auf einem schmalen Fahrweg zurücklegen zu können, der mich dann wieder zum Seeufer führt.
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Heute sollte ich wohl ein Opfer bringen, weil das Abenteuer gut gegangen ist...
    
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  Geschrieben am: 7 Sep 2020, 11:28


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Kuhweide im Busch
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Blütenpracht
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Endlich wieder am See - ich setze mich auf einen Baumstamm im Schatten, um mich zu erholen.
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Ein paar Mädels bitten mich darum, ein Gruppenbild von ihnen zu machen, dann geht mir noch ein besonders aufdringlicher Bettler auf die Nerven. Ich sehe keinen anderen Ausweg, als weiter zu gehen, um in Ruhe gelassen zu werden.
Für die Rückfahrt muss ich fast 20 Minuten warten, bis ein Uber kommt, doch glücklicherweise funktioniert die Abholung einwandfrei. Ich hatte befürchtet, dass der Fahrer vielleicht die kleine Seitenstraße nicht findet, doch der Fahrer erzählt mir, dass er schon über 20 Fahrten zum Eingang des Vogelreservats gemacht hat.

Nachmittags brauche ich dringend einen Kaffee.
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Die Schwarzwälder Torte hat mit dem Original allerdings wenig gemeinsam außer dem Namen.

Einige Busse der Marke Corona haben ein Automatikgetriebe und Heckmotor und weisen wesentlich bessere Fahreigenschaften auf und sind auch viel leiser.
Diesel trifft Elektro am Law Garden
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Das übliche bunte Treiben am Straßenrand
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Oh, ein Fahrradweg.
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Im angenehmen Park Law Garden
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Ich setze mich auf eine Bank, um mal wieder ein paar Nachrichten aus der Heimat zu lesen. Liveblog zum Corona-Virus - Wegwisch. Aktuelle Fallzahlen nach Bundesland - Wegwisch. Seufz. In Deutschland gibt es nur ein Thema, doch hier in Indien erscheint es um Lichtjahre entfernt. Die Supermärkte daheim sind leergehamstert, Lufthansa hat alle Flüge nach Indien bereits eingestellt.

Drei Halbstarke setzen sich auffallend nahe zu mir auf die Bank und fuchteln mit dem Handy herum. 20 Rupees.
Da schauen sie ziemlich blöd - tut nicht so unschuldig, ich habs genau gesehen, dass ich auf dem Foto drauf bin.
Vielleicht bin ich zu nett für dieses Land und lasse mich doch noch zu einem Selfie überreden.
Doch damit nicht genug, ich werde weiterhin als Fotomotiv begehrt und muss mich schließlich umsetzen, um meine Ruhe zu haben.

Eine halbe Stunde später sprechen mich drei Studenten an. Einer will seinen Master in Deutschland machen und so fragt er mich, wie viel denn ein Ingenieur in Deutschland verdienen würde. Ich rechne 40.000 ¤ in Rupien um, ein für indische Verhältnisse absurd hoher Betrag im Millionenbereich kommt heraus. Tatsächlich scheint er sich schon einige Gedanken gemacht zu haben, denn Fragen zu Studiengebühren und ob es auch Vorlesungen auf Englisch gibt übersteigen dann doch den üblichen Smalltalk. Zum Schluss komme ich natürlich um ein weiteres Selfie nicht herum.

Es vergehen keine fünf Minuten, da spricht mich der nächste Student an. Deutschland scheint bei indischen Studenten immer höher im Kurs zu stehen, denn bald darf ich ähnliche Fragen nochmal beantworten. Uff, jetzt habe ich aber langsam Hunger und begebe mich zurück zur Bushaltestelle.
So schön wie hier ist der Linienverlauf leider selten dargestellt
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  Geschrieben am: 7 Sep 2020, 11:28


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Je später der Tag, desto mehr Trubel
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Straßenhändler warten auf Kundschaft
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Für die Fahrt zeigt die App 36 Minuten an, was aber nicht sein kann, wenn in den Details 26 Minuten Fahrzeit in der ersten Linie, dann 3 Minuten Umsteigezeit und nochmal 10 Minuten Fahrzeit mit einer anderen Linie stehen.
Tatsächlich sind es 29+1+8, was ausnahmsweise erstaunlich gut an die Prognose der App herankommt.
An einer Haltestelle gehen die Bahnsteigtüren nicht auf und ein Fahrgast wendet sofort rohe Gewalt an, um auszusteigen. Wieder spricht mich ein Fahrgast an. Woher ich kommen würde. Ob München größer als Ahmedabad wäre. Wohin ich fahren würde.

Auf Empfehlung eines Kollegen esse ich heute Abend südindisch. Es gibt Medu Vada (frittierte Kringel)...
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...und Idli (schwammartige, gedämpfte Teigware).
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Dazu werden diverse Chutneys und Soßen gereicht, die alle sehr lecker sind. Aber fies, dass ausgerechnet die grüne am schärfsten ist.

Gut gefüllt fahre ich schließlich zurück. Ich habe dummerweise gedacht, dass es vernünftig ist, abends mal gut durchzulüften und bin erstmal eine Stunde beschäftigt, 100 Stechmücken zu jagen. Dann rennt auch noch ein riesiges Insekt, vermutlich eine Heuschrecke, über den Boden unter den Schrank und es wird ein langes Katz- und Mausspiel, ehe ich sie endlich eingefangen und nach draußen befördert habe.


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  Geschrieben am: 16 Sep 2020, 10:25


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Gleis EF: Einfahrt Reisebericht nach Delhi Sarai Rohilla über Jodhpur, Abfahrt ursprünglich 8. September.


Tag 33 Ahmedabad

Was im einen Moment ein ruhiger Schleichweg ist, den man mal mit dem Fahrrad erkunden kann...
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...führt dann plötzlich durch eine Müllkippe, die auch gleichzeitig Kuhweide ist.
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Ich frage mich, ob es überhaupt Sinn ergibt, meinen Müll ordnungsgemäß zu entsorgen, wenn der ohnehin später hier in die Landschaft gekippt und vom Wind verteilt wird.

Kleine Erkundungstour durch die dörfliche Gegend
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Nachmittags zieht es mich ins historische Zentrum, welches ich bisher noch gar nicht besucht habe.
Immer wieder passiere ich solche Holzhaufen und wundere mich, welchem Zweck sie dienen.
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Meistens folgen die aufgeständerten U-Bahnen breiten Straßen. Doch in Ahmedabad ergab sich für die Nord-Süd-Linie ein glücklicher Zufall.
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Eine Eisenbahntrasse führt mitten durch die ganze Stadt, sodass ausreichend Fläche vorhanden ist. Die Meterspurstrecke soll auf indische Breitspur umgespurt und dann wieder in Betrieb genommen werden.

Die Ellis Bridge stammt aus dem Jahr 1869 - nur schade, dass man die neuen Brücken nicht dazu genutzt hat, sie beispielsweise als Fußgängerboulevard zu nutzen.
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Auch diese Fahrt dauert deutlich länger als voranschlagt. Natürlich herrscht in der Innenstadt das übliche Gewusel. Statt Autos zieht sich ein endloser Strom Mofas und Rikschas durch die engen Straßen. Die BRT-Trasse wird hier auch durch die AMTS-Fahrzeuge mitgenutzt.
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  Geschrieben am: 16 Sep 2020, 10:25


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Dieser Hund hat einen sicheren Schlafplatz gefunden - auf dem Boden ist die Gefahr einfach sehr groß, überfahren zu werden.
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Ich lasse mich durch die Gassen treiben und lande vor diesem kleinen Tempel.
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Augenblicklich bin ich von mehreren Menschen umringt, die jede Menge Fragen an mich haben. Woher ich komme. Ob mir Indien gefalle. Ob ich allein unterwegs wäre. In welchem Hotel ich wohnen würde. Dass ich sehr klug wäre.
Na da fühle ich mich aber geehrt...

Jemand bietet mir einen Plastikstuhl an. Um 19 Uhr würde der Holzhaufen angezündet, ich könne gerne als VIP so lange sitzen bleiben.

So richtig Lust habe ich nicht darauf, eine Stunde lang alle möglichen Fragen zu beantworten und außerdem wollte ich noch mehr als 5 Minuten von der Bushaltestelle laufen.
Also beschließe ich, weiterzuziehen und später nochmal zurückzukehren, um mir das Spektakel anzusehen.
Ein paar Eindrücke von den belebten Straßen
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  Geschrieben am: 16 Sep 2020, 10:26


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Schließlich lande ich an einem reich dekorierten Tempel.
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Ich kehre zum kleinen Tempel zurück, nicht ohne noch mehrmals angequatscht worden zu sein und wegen dem permanenten Gehupe kurz vor dem Nervenzusammenbruch zu stehen. Um 19 Uhr wird der Holzhaufen nach mehreren Versuchen schließlich erfolgreich angezündet.
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Ein Mann verteilt Süßigkeiten an die Umstehenden, während einige weißes Pulver ins Feuer werfen und beim Umkreisen Weihwasser versprengen.
Ich setze mich auf einen Mauervorsprung und schaue dem Treiben eine Weile zu. Dabei entsteht auch dieses Bild vom Blick in einen Hauseingang.
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Einige Passanten und Mofafahrer falten im Vorbeigehen die Hände und nehmen die Süßigkeiten gerne entgegen. Ich bekomme in 15 Minuten schon die dritte angeboten. Ein Mann telefoniert, während er das Weihwasser versprengt. Das Leben geht weiter, trotz des wichtigen Holi-Fests.

Irgendwann empfiehlt mir jemand, auch mal auf die Hauptstraße zu gehen und dort die Feuer anzuschauen. Ich will mich gerade auf den Weg machen, da quatscht mich ein vielleicht neunjähriger Junge an und bedeutet mir, mitzukommen.

Zwei verwinkelte Hausdurchgänge später stehe ich auf der nächsten Straße, wo ein Feuer über zwei Meter hoch lodert und eine enorme Hitze ausstrahlt.
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  Geschrieben am: 16 Sep 2020, 10:26


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Und ehe ich es mich versehe, bin ich von fünf Kindern umringt, die mir Popcorn anbieten, auf mich einplappern und meine Fotolinie komplett blockieren. Nur mit Mühe kann ich mich nach einiger Zeit wieder losreißen und schaue mich noch in weiteren Straßen um.
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Angemerkt sei noch, dass sich durch die Straßen dichter Verkehr quält - die Bilder sind in den wenigen Augenblicken entstanden, als sich gerade kein Mofa und keine Rikscha ihre Bahn durch die Menschenmange gehupt hat.

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Zwei ältere Herren nutzen die Gelegenheit, irgendwelche alten Bretter loszuwerden - Sperrmüllentsorgung auf indische Art.
Kaum bleibe ich stehen, spricht mich ein junger Mann an und die Fragerei geht von Neuem los. Bald stehen zehn Menschen um mich herum und er übersetzt für alle. Praktischerweise ist bei so vielen Menschen immer jemand dabei, der Englisch spricht.

Weitere Eindrücke aus der nächtlichen Innenstadt
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  Geschrieben am: 16 Sep 2020, 10:26


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Abendgebet in der Jama Masjid
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Eigentlich bin ich in die Stadt gefahren, um mich mit einem Kollegen für eine kulinarische Expedition über den Night Market zu treffen. Dass ich schon früher losgefahren bin und die ganzen Feuer gesehen habe, war ein glücklicher Zufall.

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Ab etwa 21 Uhr geht es auf dem Nachtmarkt los.

Auch wenn der Kollege mehrfach betont, dass alles hygienisch und unbedenklich ist, bleibe ich dabei, ausschließlich durchgegarte Speisen zu probieren.
Los geht's mit knusprigen, frittierten Objekten.
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Die orangefarbenen Schnecken rechts sind im Gegensatz zum Rest pappsüß. An die Chutneys habe ich mich nicht getraut und an die Chilis nur mit äußerster Vorsicht, doch ich konnte sie problemlos essen.

Auf dem Platz werden Tische und Stühle aufgestellt und man kann sich einfach hinsetzen. Ah, da ist ja ein freier Tisch. JAAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUUUUULLLLLLLL! Ohgottohgott?!?!
Beim Hinsetzen muss ich mich auf einen Hund gesetzt haben, der unter dem Tisch gelegen hat und den ich nicht gesehen habe. Etwas verstört zieht er von dannen und ich setze mich, noch ziemlich erschrocken, wieder ganz vorsichtig hin.
Nur schwer können wir einen abschütteln, der uns unbedingt Kaffee verkaufen will. Stattdessen bestellt der Kollege Dosa an einem Stand des Vertrauens. Serviert werden alle Gerichte leider auf Einweggeschirr.
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Nicht zuletzt die Soße rechts, welche zu einem Großteil aus Käse besteht, macht ziemlich satt.

Als kleinen Nachtisch gibt es noch eingedickte und gezuckerte Milch - die wäre selbstverständlich gekocht, ich solle mir keine Sorgen machen.
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Das wird mir übrigens als "Medium Crowd" verkauft - der Nachtmarkt läuft bis spät nachts um 3 und wird bis Mitternacht noch viel voller als auf den Bildern, erfahre ich. Ursprünglich hatte der Nachtmarkt einen praktischen Hintergrund. Auf dem Platz gibt es zahlreiche Schmuckgeschäfte. Einbrecher sollen abgeschreckt werden, wenn außerhalb der Öffnungszeiten viele Menschen zugegen sind.

Der Kollege bietet mir an, mich mit dem Mofa zurückzufahren, aber ich schrecke doch sehr davor zurück, in diesem Chaos ungeschützt unterwegs zu sein und bevorzuge es dann doch, nur ein kurzes Stück bis zur Bushaltestelle mitzufahren. Naja, noch ein oder zwei Fahrten mehr und ich beginne Spaß am Mofafahren zu haben, meine ich lachend zum Kollegen.

Ein Bus fährt mir vor der Nase weg, weil der Fahrkartenverkäufer ewig herumtrödelt. Dafür erklärt er mir dann bereitwillig, wo ich wann wie umsteigen müsse. Voranschlagt sind 30 Min. bis ISKCON, dann 3 Min. Umsteigezeit, dann 12 Min. bis Bopal. Es muss für den Busfahrer die letzte Fahrt vor Feierabend sein, denn er fährt derart schnell, dass es nicht mehr feierlich ist. Wann immer kein Ein- oder Ausstiegswunsch erkennbar scheint, rauscht er ohne Halt durch die Haltestellen. Viele Schranken stehen jetzt offen, die wenigen geschlossenen sorgen für empfindliche Geschwindigkeitsdämpfer, weil sie nicht auf Durchfahrten ausgelegt sind. Überall glimmen letzte Reste der Feuer.
Wir überfahren mehr als zehn Ampeln bei Rot und siehe da - statt 30 dauert die erste Fahrt nur 28 Minuten. Die angegebenen Fahrzeiten sind jedenfalls unter Normalbedingungen völlig illusorisch.

Statt 3 warte ich geschlagene 23 Min. auf den Anschluss und stehe schon kurz davor, ein Uber zu bestellen, als der Bus doch noch kommt. Wieder rauschen wir durch etliche Haltestellen durch, die teilweise sogar schon verriegelt sind. Und wenn da jemand noch aussteigen will?!
In Bopal ist auch schon das Tor auf einer Seite geschlossen. Ich steige als einziger Fahrgast aus, ein Wachmann, eingepackt in einen Schal, streckt die Hand nach meiner Fahrkarte aus und winkt mir zum Abschied zu.

Gerade als ich die komplett unbeleuchtete Unterführung passiere, höre ich einen Zug pfeifen und halte nochmal an, um die mystische Stimmung des späten Abends einzufangen.
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Schön, dass Sie da sind. Mit gesundem Menschenverstand kommen Sie auch in schwierigen Zeiten an Ihr Ziel. Schützen Sie sich und Söders Kanzlerkandidatur. Halten Sie den Mindestabstand zu Verschwörungstheoretikern und Moralaposteln ein. Tragen Sie Ihre Mund-Nase-Bedeckung im gesamten Intimbereich. Nutzen Sie die gesamte Breite an Experten zur Information und Desinformation. Werden Sie vernünftig.
    
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