Das Prinzip einer Genossenschaft beruht ja darauf, dass sich Menschen oder Unternehmen freiwillig zusammenschließen, um gemeinsam Interessen zu erreichen - die meisten kennen Genossenschaften im großstädtischen Raum (wo ich auch seit Jahren in mehreren Projekten engagiert bin) aus dem Wohnungsbau. Hier ist das Ziel meist günstiger Wohnraum für die Mitglieder, der nicht dem kommerziellen Prinzip der Gewinnmaximierung unterworfen ist. Es gibt aber beispielsweise auch genossenschaftlich organisierte Supermärkte, die einen besonderen Fokus auf regionaler Lebensmittelproduktion haben. Mitglieder zahlen in diesen Märkten meist einen günstigeren Preis an der Kasse, "normale" Kunden (ohne Mitgliedschaft in der Genossenschaft) können zu einem höheren Preis einkaufen.
Nun gibt es ja zahlreiche Großstädte in Deutschland, die aktuell keine Anbindung an den Fernverkehr haben, sich aber - dank teils sehr starker Wirtschaft - eine solche Anbindung wünschen würden. Das Prinzip der Genossenschaft ließe sich in der Theorie ja auf den Bahnverkehr übertragen: Privatpersonen oder Unternehmen schließen sich zusammen und organisieren in der Nische einen Fernverkehr, der meinetwegen eine tägliche Tagesrandverbindung in eine für die Region wichtige Metropole anbietet.
Folgendes Beispiel frei erfunden: Die Region Heilbronn (unter anderem mit Dieter Schwarz/Lidl, Audi, KI-Clustern, etc. entsprechend stark in der Wirtschaft) würde sich eine Verbindung nach Hamburg wünschen. Eine Genossenschaft, die nun morgens eine Verbindung beispielsweise in Stuttgart starten, über Heilbronn und Bad Friedrichshall-Jagstfeld nach Würzburg und von dort über den normalen Laufweg der Bahn-ICEs nach Hamburg fahren lässt (abends retour!) könnte diese Lücke ja theoretisch ausfüllen. Ergebnis: Tägliche Verbindung gesichert, keine "Umsteigeverluste" für Geschäftsreisende und eilige Privatpersonen beim ansonsten nötigen Umstieg in Würzburg.
Im Luftverkehr gab es ja bereits in den vergangenen Jahren immer wieder mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, einzelne Nischenairports mit Metropolen zu verbinden: Rhein-Neckar-Air in Mannheim, SkyPAD in Paderborn oder - aktuell - Air UniQon am Standort Friedrichshafen. Warum gibt es entsprechende Projekte ausschließlich in der Luftfahrt, aber eben keinerlei Versuche (zumindest nicht hierzulande, im Ausland gibt es aber auch sehr wenige Beispiele) potenziell nachgefragte, aber durch die DB nicht bediente Fernstrecken quasi als genossenschaftlichen Betrieb zu organisieren?
Im Luftverkehr funktionieren diese Konstrukte meist auf dem sogenannten "Wet-Lease" (eine Fluggesellschaft vermietet also Flugzeug inkl. Besatzung) an das "Nischenprojekt", eine sogenannte virtuelle Fluggesellschaft. Um bei dem aktuellen Beispiel aus Friedrichshafen zu bleiben: Die (virtuelle) Fluggesellschaft "Air UniQon" betreibt das Flugzeug nicht selbst, sondern kümmert sich "nur" um Ticketverkauf und Marketing. Der Betrieb erfolgt durch eine Charterfluggesellschaft.
Ich kann mir vorstellen, dass im Bahnverkehr schlicht die "Operators" fehlen, die geeignetes (attraktives) Wagenmaterial zum Charter zur Verfügung stellen können. Aber welche Hürden seht Ihr hier noch?! Mir erscheint ein Einstieg einer Genossenschaft im Flugverkehr einfacher als im Bahngeschäft.
Wie seht Ihr das?!
Nischenstrecken im Fernverkehr als Genossenschaft organisiert
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