Da man im Ländle inzwischen sogar an Sonntagen einen recht brauchbaren Verkehr abseits der Bahnstrecken hat, habe ich mir einen kleinen Ausflug bei frühsommerlichen Temperaturen nicht nehmen lassen. Los geht’s mit dem MEX aus Metzingen nach Tübingen. Im Gegensatz zu den Vorjahren ist auf der Neckar-Alb-Bahn der Betrieb mal über Ostern nicht komplett eingestellt, sondern immerhin stündlich verkehren die Züge zwischen Stuttgart und Tübingen, während mehr oder weniger alles andere zwischen Nürtingen und Reutlingen im SEV gefahren wird. Zu meiner großen Überraschung ist der MEX auch mal pünktlich und so bleibt beim 10-min-Umstieg zum Bus noch Zeit für ein Bild in voller bwegt-Pracht. Verkehrsrot ist inzwischen (leider) fast vollständig verschwunden.

10 Minuten sind gar nicht mal so lang. Der Busbahnhof in Tübingen ist ziemlich groß und auf dem Abfahrtsmonitor vor dem Bahnhof stehen nur die Zugabfahrten. Im DB Navigator ist die Haltekante nicht hinterlegt. Ich probiere es auf gut Glück, finde aber die Linie 828 nicht.


Also schaue ich mir die Aushänge im Wartehäuschen an und dort finde ich auch einen Kantenplan. Ohje, ganz am anderen Ende… Und ich habe keine zwei Minuten mehr bis zur Abfahrt, sodass ich einen kleinen Sprint quer über den Busbahnhof hinlegen muss.
Ich sage beim Einstieg Hallo zum Fahrer, er schaut nicht einmal vom Handy auf und meine Fahrkarte will er auch nicht sehen.
Zunächst ist nur eine Handvoll Leute im Bus, doch innerhalb von Tübingen steigen an mehreren Haltestellen noch weitere Fahrgäste zu, sodass es am Ende über 20 sind. Das beweist doch recht eindrucksvoll, dass es durchaus Nachfrage an einem Ostersonntag-Mittag gibt, sicher nicht die nachfragestärkste Zeit. Einen Mann, der beim Einsteigen eine Fahrkarte lösen möchte, winkt der offensichtlich lustlose Busfahrer mit einem gemurmelten „Passt schon“ durch und auch eine Frau, die irgendeine Karte scannen will, lotst er durch. Irgendwie finde ich das kein gutes Bild gegenüber zahlenden Fahrgästen und wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorteilhaft.
Pünktlich kommen wir in Dettenhausen an, wo etwa die Hälfte zur Bahn umsteigt.
Blick zum Streckenende mit Betriebswerk

Die Schönbuchbahn könnte eigentlich ein Beispiel für die Erfolgsgeschichte einer Nebenbahn sein – und wurde von Pleiten, Pech und Pannen heimgesucht. Kurz zusammengefasst – die Zulassung der Neufahrzeuge von CAF nahm 8 Jahre in Anspruch und ihr Betrieb ist immer noch nur unter bestimmten Auflagen möglich, sodass seit 2019 abwechselnd weiterhin Regioshuttle, angemietete 425 und kompletter SEV gefahren wurden.
https://www.lrabb.de/site/LRA-BB-2018/n ... 6nbuchbahn
Immer wieder hatte ich die Strecke für eine Befahrung im Blick, doch jedes Mal, wenn ich hinwollte, gab es SEV…
Die Schönbuchbahn hat ein attraktives Angebot auf ähnlichem Niveau wie die S-Bahn Stuttgart. Es gibt ein halbstündliches Grundangebot (Sa und So in der SVZ nur stündlich) und theoretisch unter der Woche morgens und nachmittags einen Viertelstundentakt zwischen Böblingen und Holzgerlingen, der aktuell aufgrund der mangelhaften Fahrzeugverfügbarkeit noch im SEV gefahren wird.
https://www.schoenbuchbahn.de/site/LRA- ... 3.2026.PDF
Und er fährt doch, der ultra-innovative Nexio…



Im ersten und dritten Wagenteil gibt es in Türnähe einen großen Mehrzweckbereich.

Im gesamten Fahrzeug gibt es ausschließlich Vis-a-vis-Bestuhlung
Im mittleren Wagen gibt es kleinere Abstellflächen an den Türen und etwas fragwürdig positionierte Steckdosen.

In einem Wagenteil ist es eiskalt mit starker Zugluft, im restlichen Fahrzeug dagegen heiß und stickig. Die Klimaanlage scheint noch nicht optimal eingestellt zu sein.
Nach nur einer Haltestelle verlasse ich den Zug bereits wieder zwecks Fotostop.

Die Strecke weist einen geringen Haltestellenabstand auf, um eine möglichst gute Erschließung zu bieten (ähnlich wie beim Karlsruher Modell). Die Streckengeschwindigkeit wechselt sehr häufig. Zusätzlich gibt es noch einige Las.

455 511 vor der Skyline von Weil
Zügigen Schrittes kehre ich zum Hp zurück und wenig später auch der Triebwagen

In diesem Zug ist es überall sehr heiß und die Durchsagen und Türschließtöne sind unangenehm laut.
An der Strecke ließen sich noch weitere interessante Motive umsetzen, doch dafür reicht mir die Zeit heute nicht mehr, denn ich möchte noch eine weitere Strecke besuchen.
Man kann dem Tf durch eine Scheibe in der Führerstandstür über die Schulter schauen und so entdecke ich auch den zweigleisigen Begegnungsabschnitt nördlich von Holzgerlingen, der eine fliegende Kreuzung erlaubt. Dort sind bis zu 100 km/h möglich.







































