[ULM] Planungen Regio-S-Bahn Donau-Iller

Alles über die Netze von S-Bahnen
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Didy
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Beitrag von Didy »

Hallo allerseits,

schon seit einiger Zeit kursieren im Raum Ulm Planungen für eine Regio-S-Bahn, d.h. also den Ausbau des vorhandenen SPNV mitsamt nötigen Infrastrukturmaßnahmen. Habe es bislang leider nicht geschafft, Meldungen dazu hier zu versammeln, nur mal ein paar Einzelteile im Weißenhorn-Thread gepostet: http://www.eisenbahnforum.de/index.php?s=0...=0&#entry367691

So langsam wird die Sache aber konkreter. Gestern wurde im Regionalverband Donau-Iller der Entwurf der Vorstudie zur Realisierbarkeit einer Regio-S-Bahn Donau-Iller vorgestellt. Diese ist hier abrufbar:
http://www.rvdi.de/fileadmin/Bilder-Dateie...1_Vorstudie.pdf

Mit 48 Seiten einiges zu lesen, ich konnte es bislang auch nur überfliegen.

Die Presse:
http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/art4299,670881
http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/art4299,670488

Ein bischen S21-Propaganda muß ein Stadtrat natürlich auch machen.... Egal was man von S21 hält, wieso die Planung für einen besseren Regionalverkehr rund um Ulm makulatur sein sollte, wenn man in Stuttgart keinen neuen Bahnhof baut, erschließt sich mir nicht im geringsten.


Aber einen Kritikpunkt hab ich trotz nur-überfliegen schon:
Die wollen die Züge aus Illertissen nicht mehr in Neu-Ulm Finningerstraße halten lassen, sondern nur die Züge aus Weißenhorn. Kann ich nicht nachvollziehen. Wird eine Minute sparen, dafür wird man wohl viele Pendler die im dortigen Industriegebiet arbeiten und im Illertal wohnen verlieren. Denn wie der Mensch von Interplan in der Südwestpresse zitiert wird: "Wir verlieren ein Drittel der Fahrgäste beim Umsteigen." (Zumal die derzeitige Busbedienung in dem Industriegebiet - gelinde gesagt - verbesserungsbedürftig ist)




So am Rande noch ein anderes Thema:
Schon länger ist ja bekannt, dass Ulm ein Teil der aufgaben des heutigen BW Stuttgart-Rosensteinpark übernehmen soll, und im Zuge dessen das gesamte BW überarbeitet wird. Dazu schreibt die Südwestpresse diese Woche auch wieder ein paar Zeilen: http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/.../art4329,668821


Grüße,
Didi
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Naseweis
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Beitrag von Naseweis »

Didy @ 13 Oct 2010, 23:46 hat geschrieben:Ein bischen S21-Propaganda muß ein Stadtrat natürlich auch machen.... Egal was man von S21 hält, wieso die Planung für einen besseren Regionalverkehr rund um Ulm makulatur sein sollte, wenn man in Stuttgart keinen neuen Bahnhof baut, erschließt sich mir nicht im geringsten.
Da werden halt einige die NBS Wendlingen-Ulm und deren Fahrzeitverkürzungen mit Stuttgart-21 identifizieren. Der Teil Wahrheit, der darin steckt, ist, dass es ohne den Kellerbahnhof mit Flughafen-Anbindung die Alb-NBS so schnell nicht geben wird, eher frühestens 10 Jahre später, also vielleicht 2030.

Was SMA in der Studie immer wieder betonen, zumindest ist es mir aufgefallen: Der RE-Verkehr ist im Gegensatz zum RB-Verkehr auf den Fernverkehr im Knoten Ulm ausgerichtet. Ändert sich die Zeitlage und Taktung des Fernverkehr, sei es durch den Stuttgart-21, die Alb-NBS, den K-21-ITF oder Weiß-der-Geier, ändert sich der RE-Verkehr und somit auch natürlich auch für die geplante S-Bahn das ein oder andere, gerade bei eingleisigen Strecken. Das wäre ein weiterer Grund, wieso man bei der Planung und Abwägung nicht ohne die Frage nach der Entwicklung der Causa Stuttgart-21 auskommt.
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Beitrag von FR16 »

Sind eigentlich die Planungen für die Bodensee-S-Bahn noch aktuell? Die Netze würden sich ja dann anscheinend teilweise überschneiden.
Taschenschieber

Beitrag von Taschenschieber »

Und wann kommt eigentlich die Regio-S-Bahn Mühldorf?

Langsam wird mir das mit diesen Pseudo-S-Bahnen doch etwas zu inflationär.
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Beitrag von ubahnfahrn »

Taschenschieber @ 15 Oct 2010, 11:27 hat geschrieben: Und wann kommt eigentlich die Regio-S-Bahn Mühldorf?

Langsam wird mir das mit diesen Pseudo-S-Bahnen doch etwas zu inflationär.
Wieso Pseudo-S-Bahn - schau mal in die Schweiz, da gibt es nur S-Bahn, Regionalzug, IR und IC, das alles mindestens stündlich und nicht den Systemdurcheinander wie bei uns hier, wo ein RE nur alle 2 Stunden fährt und hält wie früher eine RB und eine RB Halte ausläst ... :rolleyes:

Der bundesweite Halbstundentakt muß her mit klar definierten Bedienungsvorgaben.
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Beitrag von FR16 »

Taschenschieber @ 15 Oct 2010, 10:27 hat geschrieben:Und wann kommt eigentlich die Regio-S-Bahn Mühldorf?

Langsam wird mir das mit diesen Pseudo-S-Bahnen doch etwas zu inflationär.
Wenn man damit zu vertretbaren Kosten eine spürbare Verbesserung des Angebots erreichen kann - warum nicht? Gerade in Regionalzentren könnte da doch schon Potential sein, da man keine teuren Tunnel durch Innenstädte braucht und viel bestehende Infrastruktur nutzen kann. Außer natürlich, man fährt dann Takt 120, da kann mans auch gleich lassen.

Aber die meisten dieser Regio-S-Bahnen kommen eh nie über frühe Planungen hinaus...
Taschenschieber

Beitrag von Taschenschieber »

Nichts gegen das Konzept - aber man muss nicht überall "S-Bahn" draufpinseln. "Regionalnetz Ulm" oder so würde es auch tun.
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Naseweis
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Beitrag von Naseweis »

Dass man diese Angebotsverbesserung nicht unbedingt S-Bahn nennen müsste, ist klar.


Ein Beispiel wie es im Falle Ulm laufen könnte, sollte die Breisgau-S-Bahn rund um Freiburg sein.
Nahverkehrskonzept Breisgau-S-Bahn, Übersicht und Stand der Projektentwicklung:

- Breisacher Bahn: 1997 -> 2004 Fahrgäste/Jahr + 420 %, also Verfünffachung
- Elztalbahn: 1999 -> 2007 Fahrgäste/Jahr + 220 %, also Verdreifachung

Der 30-min-Takt, moderner Fahrzeuge und Stationen und ein günstiger Verkehrsverbund sind wohl Hauptursachen des Erfolgs. Jetzt soll der Takt weiter verdichtet und elektrifiziert werden. Der Kapazitätsausbau ist wegen des Erfolgs im ungeahnten Ausmaß überfällig. Gut, ich weiß, die Regio-Shuttle sind rund um Ulm schon heute unterwegs, deutliche Verbesserung im Fahrzeugbereich sich also nicht mehr so einfach.
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Beitrag von Xenon »

Der bundesweite Halbstundentakt muß her mit klar definierten Bedienungsvorgaben.
Ein bundesweiter Halbstundentakt nach dem Gießkannenprinzip geht meiner Meinung nach am Bedarf vorbei. In Deutschland gibt es viele dünn besiedelte Gebiete, wo schlicht und einfach "nichts los" ist und ein Stundentakt völlig ausreicht. In der Schweiz ist das auch nicht anders.

Stattdessen sollte man einen 30 oder 15-Minutentakt auf Strecken konzentrieren, wo ein erhöhtes Verkehrsaufkommen besteht. Der Einzugsbereich von Großstädten wie Ulm gehört mit Ermessen dazu.
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Beitrag von ubahnfahrn »

Xenon @ 16 Oct 2010, 19:49 hat geschrieben:
Ein bundesweiter Halbstundentakt nach dem Gießkannenprinzip geht meiner Meinung nach am Bedarf vorbei. In Deutschland gibt es viele dünn besiedelte Gebiete, wo schlicht und einfach "nichts los" ist und ein Stundentakt völlig ausreicht.
Na wenn's denn wenigstens einen Stundentakt gäbe :rolleyes:
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Beitrag von Electrification »

Taschenschieber @ 15 Oct 2010, 21:54 hat geschrieben: Nichts gegen das Konzept - aber man muss nicht überall "S-Bahn" draufpinseln. "Regionalnetz Ulm" oder so würde es auch tun.
Was spricht dagegen es Regio-S-Bahn zu nennen? Für mich ist das alleine schon eine kleine Abgrenzung zur "normalen" S-Bahn, außerdem zieht der Begriff "S-Bahn" einfach mehr Kunden an, da spielt der psychologische Faktor eine große Rolle.
Man sollte nicht immer die Pleitestadt Berlin oder Hamburg heranziehen als Vergleich was sich S-Bahn nennen darf, wichtig ist dass mehr Fahrgäste umsteigen und mit Sicherheit nicht solche Namenskindereien wie hier oder auf DSO von einigen an den Tag gelegt werden, werdet erwachsen!

Warum sollte diese Regio-S-Bahn kein Erfolg werden? Auch die Region Neckar-Alb um Tübingen-Reutlingen ist dafür bestens geeignet, sogar noch mehr als Ulm.
Auch in ländlicheren Regionen kann sowas, zusammen mit dichten Haltestellenabständen dort wie die Leute wohnen und ein Busnetz dass auf die Bahn abgestimmt ist (und kein wildes durcheinander- und gegeneinanderfahren), zu riesigem Erfolg führen. Ich verweise hier auf den Ringzug, ebenfalls in Baden-Württemberg und dort gibts nicht mal so ein Knotenzentrum wie Ulm oder Tübingen-Reutlingen.
Das würde ein riesiger Erfolg.
Schade dass die Ulmer Straßenbahn auf 1000m fährt, sonst hätte man hier nach dem Karlsruher Modell verfahren können, zumindest für die Züge in den unmittelbaren Nahbereich.
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Beitrag von FR16 »

Gibt es denn eigentlich eine annerkannte Definition von S-Bahn? Bei "U-Bahn" gibt es da verschiedene und es werden heftige Glaubenskriege geführt.
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3247
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Beitrag von 3247 »

FR16 @ 16 Oct 2010, 23:12 hat geschrieben: Gibt es denn eigentlich eine annerkannte Definition von S-Bahn?
S-Bahn ist eine Marke der Deutschen Bahn. Was auch immer von der DB oder von Lizenznehmern damit gekennzeichnet wird, ist eine S-Bahn.
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Beitrag von Rathgeber »

FR16 @ 16 Oct 2010, 23:12 hat geschrieben: Gibt es denn eigentlich eine annerkannte Definition von S-Bahn? Bei "U-Bahn" gibt es da verschiedene und es werden heftige Glaubenskriege geführt.
Dem Fahrgast ist es doch vollkommen wumpe, ob das Kind S-Bahn, Regionalbahn, Regio-S-Bahn, Stadt-Umlandbahn oder sonst wie heißt.
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Beitrag von FR16 »

Rathgeber @ 17 Oct 2010, 01:24 hat geschrieben:Dem Fahrgast ist es doch vollkommen wumpe, ob das Kind S-Bahn, Regionalbahn, Regio-S-Bahn, Stadt-Umlandbahn oder sonst wie heißt.
So ganz wumpe ist es eben nicht:
Electrification @ 16 Oct 2010, 19:31 hat geschrieben:außerdem zieht der Begriff "S-Bahn" einfach mehr Kunden an, da spielt der psychologische Faktor eine große Rolle.
Wohl deswegen bezeichnet die DB auch Konstrukte wie die neuen Leipziger Fernbahnanschlüsse als S-Bahn...
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Beitrag von Rathgeber »

Der Fahrgast merkt aber auch sehr schnell, wenn er in eine Mogelpackung namens S-Bahn einsteigt. Entscheidend sind zunächst die Taktzeiten. Ein Produkt, das als S-Bahn verkauft wird, aber nur alle 60 - 120 Minuten mit ungepflegtem Gerümpel fährt, wird nicht die Akzeptanz erreichen wie eine irgendwie benannte Bahn, die alle 30 Minuten und auch für den Fahrgast sichtbar gewarteten Fahrzeugen.
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Beitrag von viafierretica »

Rathgeber @ 17 Oct 2010, 08:33 hat geschrieben: Der Fahrgast merkt aber auch sehr schnell, wenn er in eine Mogelpackung namens S-Bahn einsteigt. Entscheidend sind zunächst die Taktzeiten. Ein Produkt, das als S-Bahn verkauft wird, aber nur alle 60 - 120 Minuten mit ungepflegtem Gerümpel fährt, wird nicht die Akzeptanz erreichen wie eine irgendwie benannte Bahn, die alle 30 Minuten und auch für den Fahrgast sichtbar gewarteten Fahrzeugen.
Leider wird der Fahrgast, der einmal in ein ungepflegtes Gerümpel, das achtmal am Tag fährt und sich S-Bahn schimpft, die S-Bahn nicht mehr als hochwertiges städtisches Verkehrsmittel empfinden.
Wer sich so einen Kraut- und Rübenfahrplan einer "S-Bahn" ansieht wie z.B. der S31 in der St. Eiermark, der wird von der Vorteilen einer S-Bahn sehr angetan sein. Sonntags fährt übrigens nix. Überflüssig zu erwähnen, dass die Gegend, durch die die S-Bahn fährt, ausgesprochen idyllisch ist, aber mit Ballungsraum so viel zu tun hat wie China mit Demokratie.

http://www.verbundlinie.at/busbahnbim-ausk..._36S31m_j10.pdf
Didy
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Beitrag von Didy »

Zwischenzeitlich ist sicher einiges gewesen, über das man hätte berichten sollen. Damit nicht noch mehr in der Versekung verschwindet, einfach mal zusammehanglos jüngste Pressemeldung:
http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/Re...1158552,3451991
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