9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Fragen und Diskussionen zu den Tarifen von Bahnen und Verkehrsverbünden.
bestia_negra
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von bestia_negra »

Elch hat geschrieben: 28 Mär 2022, 15:22 Mal abgesehen von der konkreten Umsetzung sehe ich gerade in meinem Umfeld beim autofahrenden Teil der Bevölkerung gerade wenig Motivation "umzusteigen". Die einen wollen nicht öffentlich fahren, weil weil sie trotz Maskenpflicht Angst vor einer Infektion haben, und die anderen wollen wegen der Maskenpflicht nicht fahren.
Und die, die ehrlich sind, wollen nicht ÖPNV fahren, weil das Auto bequemer ist...


Im Endeffekt sind das doch die gleichen wie vor Corona. Das Thema "Maske" ist doch nur vorgeschoben.

Es gibt einfach eine Gruppe von Leuten, die fahren nur öffentlich, wenn sie aus irgendwelchen Gründen (quasi) keine andere Wahl haben.

Um die in den ÖPNV zu bekommen, müsste das Autofahren noch unattraktiver werden:
1. noch höhere Kosten (Sprit, Parkgebühren, City-Maut, etc.)
2. weniger Parkplätze am Ziel
3. deutlich längere Fahrzeiten


1. ist nicht gewollt bzw. da wird politisch gerade in die entgegengesetzte Richtung gesteuert.
2. und 3. ist nur in der Stadt eine realistische Option. Da kann man Parkplätze streichen und den MIV ausbremsen (z.B. indem man immer mehr Flächen dem ÖPNV, Rad und Fußverkehr übergibt).
Auf dem Land kann man das aber auch vergessen.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von NatchO »

Das Problem dabei ist, dass die Staatsregierung aktuell alles tut um den ÖPNV kleinzuhalten, weil sie glauben, dass ihre Wähler das so wollen.

Ein erster Schritt in München wäre die drastische Erhöhung der Parkplatzpreise, von mir aus auch mit Rabatten für Handwerker, so dass sich das Parken in der Innenstadt nicht mehr lohnt. Es leuchtet ja ein, dass es mehr Sinn ergibt sich für 3 Euro ein Parkticket zu ziehen, als ein Tagesticket für 12 Euro.

Letztendlich erreicht man nur etwas, wenn Autofahren den Nutzer so viel kostet, wie es die Allgemeinheit kostet.
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Iarn
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Iarn »

Tatsächlich hat die Stadt die Preise für eine Jahresvignette für Handwerker um ein vielfaches erhöht, während die Preise für Auto gedeckelt bleiben (da gibt es Höchstsätze, die die Stadt nicht ändern kann).
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Jean
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Jean »

Iarn hat geschrieben: 30 Mär 2022, 11:42 Tatsächlich hat die Stadt die Preise für eine Jahresvignette für Handwerker um ein vielfaches erhöht, während die Preise für Auto gedeckelt bleiben (da gibt es Höchstsätze, die die Stadt nicht ändern kann).
Ich hätte es genau anders rum gemacht, aber wie du sagst, da muss erst der Freistaat eine Änderung bei sich durchführen...
Danke für das Forum

Für den ÖPNV Ausbau Gegen Experimente und Träuereien. Eine Trambahn braucht einen eigenen Fahrweg, unabhängig vom MIV!
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Jojo423
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Jojo423 »

Iarn hat geschrieben: 30 Mär 2022, 11:42 Tatsächlich hat die Stadt die Preise für eine Jahresvignette für Handwerker um ein vielfaches erhöht, während die Preise für Auto gedeckelt bleiben (da gibt es Höchstsätze, die die Stadt nicht ändern kann).
Das zeigt ja das Bestreben der Stadt, den Parkraum auch wirklich höher bepreisen zu wollen. Vielleicht geht ja mit der Ampel im
Bund mehr als mit der CDU/CSU.
Viele Grüße
Jojo423
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von NatchO »

Jojo423 hat geschrieben: 30 Mär 2022, 11:48
Iarn hat geschrieben: 30 Mär 2022, 11:42 Tatsächlich hat die Stadt die Preise für eine Jahresvignette für Handwerker um ein vielfaches erhöht, während die Preise für Auto gedeckelt bleiben (da gibt es Höchstsätze, die die Stadt nicht ändern kann).
Das zeigt ja das Bestreben der Stadt, den Parkraum auch wirklich höher bepreisen zu wollen. Vielleicht geht ja mit der Ampel im
Bund mehr als mit der CDU/CSU.
Ich befürchte, dass sich erst was ändert, wenn Söder nächstes Jahr das Projekt 18 durchzieht. Ansonsten wird weiter rumposaunt und nichts getan.
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Südostbayer
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Südostbayer »

https://www.rnd.de/politik/ab-1-juni-ve ... HKQEI.html
11. April 2022:
Das 9-Euro-Ticket im Regionalverkehr wird aller Voraussicht nach zum 1. Juni kommen – und bundesweit gültig sein. Das erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus dem Verkehrsausschuss des Bundestages. (...)
Unstrittig ist inzwischen, dass Zeitkartenabonnenten eine Gutschrift oder eine Erstattung für die Differenz zwischen ihrem Abopreis und dem 9-Euro-Ticket bekommen. Wie diese genau ausgezahlt wird, soll den Verkehrsunternehmen überlassen werden. (...)
Die Tickets sollen online, über die DB-Navigator-App und am Schalter erhältlich sein, voraussichtlich aber nicht am Automaten.
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Lazarus
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Lazarus »

Bedeutet also, man wird gezwungen, ein Handyticket zu nutzen. Ganz toll. Wenn es nicht funktioniert, bezahlt man mehr, als wie das, was man einspart...
Mehr Geld für den ÖPNV-Ausbau in München! Es wird höchste Zeit!
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Tram-Bahni »

Lazarus hat geschrieben: 11 Apr 2022, 17:57 Bedeutet also, man wird gezwungen, ein Handyticket zu nutzen. Ganz toll. Wenn es nicht funktioniert, bezahlt man mehr, als wie das, was man einspart...
Bei dir gilt das Angebot sowieso nicht, siehe die Angebotsbedingungen.
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Südostbayer
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Südostbayer »

Lazarus hat geschrieben: 11 Apr 2022, 17:57 Bedeutet also, man wird gezwungen, ein Handyticket zu nutzen. Ganz toll. Wenn es nicht funktioniert, bezahlt man mehr, als wie das, was man einspart...
Hast Du den letzten Satz meines vorigen Beitrags wirklich gelesen? Wer zwingt Dich zu was? DB OnlineTickets sind keine Handytickets und Fahrscheine vom Schalter ebenfalls nicht.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Cloakmaster »

Jetzt mal ganz doof gefragt: Schließt der "bundesweite Regionalverkehr" automatisch auch Buslinien, U-Bahnen, Tram etc mit ein? Und wie ist das ist mit Fährschiffen? Die Fährverbindungen zu den deutschen Inseln gelten zwar einerseits als "öffentlicher Regionaverkehr", sind aber andererseits von allen Sparangeboten wie etwa den "Länder-Tickets" ausgenommen. Innerstädtischen Fährverkehr gibt es sowohl als Teil des normalen ÖPNV, als auch als eigenes Tarifangebot. In Bad Reichenhall gilt die Seilbahn auf den Predigtstuhl als innerstädtischer ÖPNV, aber ebenfalls mit eigenem Tarif...
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von AK1 »

Offen ist noch vieles, das werden wir dann wissen, wenn das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen ist.
Bei der Konkurrenz wurde schon gemutmaßt, das Flixbus drei Monate den Betrieb einstellen könnte, wer sollte damit noch fahren? Vielleicht schaffen die es aber dann auch, da Geld rauszuschlagen... Auch DB Fernverkehr wird Kunden verlieren, teilweise ist der zeitliche Vorteil ja überschaubar und da wo NV-Fahrkarten anerkannt werden kann man eh im selben Zug billiger fahren.
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Iarn
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Iarn »

Ich denke, wer DB Fernverkehr abschwört ,weil er München - Frankfurt oder Köln - Berlin mit Nahverkehr fahren will, ist längst bei Flixbus.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von 146225 »

Iarn hat geschrieben: 11 Apr 2022, 22:45 Ich denke, wer DB Fernverkehr abschwört ,weil er München - Frankfurt oder Köln - Berlin mit Nahverkehr fahren will, ist längst bei Flixbus.
Dort, wo es ein Angebot von Flixdings gibt mag das so sein (falls der potentielle Kunde mit dem teilweise dünnen Angebot klar kommt). Und ich denke auch, dass die Zahl derjenigen, die unbedingt Schwörstadt - Hohenwulsch oder Großarmschlag - Alpen mit dem 9-€-Ticket fahren müssen, überschaubar sein wird.

Allerdings könnte dürfte sollte es auf "attraktiven Freizeitstrecken" diesen Sommer noch ein bisschen enger werden als ohnehin schon üblich. Hamburg nach Westerland oder Berlin in Richtung Ostsee (z.B. der RE 3 für Usedom und Rügen) wären so Klassiker, aber auch anderswo könnte es in dieser Hinsicht enger werden.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von TheBaxhers »

Cloakmaster hat geschrieben: 11 Apr 2022, 19:37 Jetzt mal ganz doof gefragt: Schließt der "bundesweite Regionalverkehr" automatisch auch Buslinien, U-Bahnen, Tram etc mit ein? Und wie ist das ist mit Fährschiffen? Die Fährverbindungen zu den deutschen Inseln gelten zwar einerseits als "öffentlicher Regionaverkehr", sind aber andererseits von allen Sparangeboten wie etwa den "Länder-Tickets" ausgenommen. Innerstädtischen Fährverkehr gibt es sowohl als Teil des normalen ÖPNV, als auch als eigenes Tarifangebot. In Bad Reichenhall gilt die Seilbahn auf den Predigtstuhl als innerstädtischer ÖPNV, aber ebenfalls mit eigenem Tarif...
Das ist tatsächlich eine gute Frage.
Ich wurde beim Wandern auch einmal überrascht, dass in der Gegend von Garmisch die roten Busse des RVO nicht im Bayernticket inklusive sind. Hoffentlich wird das bei dem 9€-Ticket ordentlich gelöst, sodass es da nicht unschöne Überraschungen gibt. Wäre doch schade, wenn die neu gewonnenen Öffi-Nutzer (im besten Fall vom Auto umgestiegen) dann durch das komplexe Tarifsystem und im schlimmsten Falle mit 60€-Strafe abgeschreckt werden.

Grundsätzlich finde ich das 9€-Ticket aber sehr positiv. Ich hatte schon befürchtet, dass es für jeden Tarifverbund ein eigenes Ticket braucht und es ein Chaos gibt. Man könnte fast meinen, dass es was bringt, dass der alte Filz in der Bundesregierung langsam entflochten wird.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von AK1 »

Die RVO-Busse sind genauso dabei wie Gemeindewerke GAP. Nur bei Mautstrecken muss man aufzahlen - ist mir aber jetzt in dem Bereich keine geläufig.
Das Einzige, was nicht mir drin ist, ist der Eibseebus - der steht in der Liste der ausgeschlossenen Busse: https://www.bahn.de/angebot/regio/laend ... yernticket
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von AK1 »

Iarn hat geschrieben: 11 Apr 2022, 22:45 Ich denke, wer DB Fernverkehr abschwört ,weil er München - Frankfurt oder Köln - Berlin mit Nahverkehr fahren will, ist längst bei Flixbus.
Auf solchen Strecken werden die Verluste weniger sein, aber es gibt ja auch kürzere, bei denen dann der zeitliche Unterschied geringer wird. München - Nürnberg werden vielleicht nicht mehr viele buchen. Wenn ich alternativ ein Bayern-Ticket brauche, ist der Sparpreis nicht unbedingt viel teurer, wenn ich die Flatrate habe (die ich mir wohl auch ohne konkretes Verkehrsbedürfnis kaufen werde), sieht das anders aus.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von GT6M »

Nein stimmt nicht

RVO-Bus ist nicht komplett Siehe Beispiel Schongau
Dort gibt es Buslinien die zwar tendenziell zum RVO gehören jedoch von Enzian betrieben werden u.a. Stadtbus Schongau alias 9620 oder 9820 bin mir grad nicht sicher. Der hat einen Fuhrpark von 3 Niederflurbussen + 1 Hochflurreservebus.
Da der auch die Linie SOG - Herzogsägmühle -( Peiting -) Herzogsägmühle- SOG mit 1 nem dieser Busse betreibt, hat der ein spezielles Fahrkartenverkaufssystem (IPad + Drucker mit Qualität 1€-Shop Kassenzettel). Seit Jahren wird gefordert das Bayernticket etc. Dort Gültigkeit bekommen. Dies sei nicht möglich hieß es. Mir viel übrigens mal auf das Fahrgäste aus Herzogsägmühle dort Papierscheine dem Fahrer beim einsteigen als Geldersatz geben und hab da mal Interessemäßig nachgefragt. In der Herzogsägmühle wohnen wohl Menschen denen man das Geld für die Fahrkarte nicht geben kann weil sie es für andere Zwecke ausgeben würden, deshalb bekommen Alle die in Einrichtung/Werkstätten etc. mit Titel Herzogsägmühle gefördert sind pro Einfache Fahrt einen Wertscheck (wenn ichs noch richtig im Kopf hab: weiß= Strecke SOG - Herzogsägmühle / gelb= Herzogsägmühle-Peiting /rosa= Stadtbus Schongau). Der Fahrer rechnet diesen Wertscheck anhand einer mehrstelligen fortlaufenden Codenr. Ab. Dadurch bekommt die Fa. Enzian den Fahrpreis von dem Dorf/Verein Herzogsägmühle. Alle anderen müssen normale Fahrkartenkaufen. Dort wurde zum Ende meiner Zeit ein neues AmmerxxxTagTicket eingeführt (Schongau oder Peiting 2€ / Schongau und Peiting nur Bus kein Zug 4€). Des war ein jahrelanges Theater!
Ähnliches System gibt es übrigens auf der Linie 9657 SOG - Altenstadt (Dort ist eine Förderzentrum für Kinder) - Hohenfurch - SOG. Diese Linie wird meist durch einen Peitinger Privatanbieter, ich meine Koch oder so, der einen Bus im RVO Logo hat betrieben. Dort werden weiße einlaminierte Fahrscheine oder Wertmarken ausgegeben.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von NÜ313 CNG »

(Kleiner Exkurs zu diesem Thema: Die Linien 9820, 9826 und 9827 im Bereich Schongau sind keine RVO-Linien, die sind auf die Firma Enzian Bustouristik konzessioniert und werden auch von dieser betrieben. Das ist an den - zugegebenermaßen fast gleich aussehenden - Aushang- und Fahrplantabellen auch so angegeben. Mittlerweile sollte auf den Linien das Bayern-Ticket übrigens gelten (9820 = Stadtbus Schongau auf jeden Fall), da wurden beide Tarifsysteme (RVO und Enzian fahren fallweise parallel) aufeinander angeglichen, und es gibt auch nur noch ein Kassensystem. Ist aber schon einige Zeit so. Hochflurbus dürfte der Enzian übrigens auch keinen mehr haben, der hat die letzten Jahre ganz massiv in die Modernisierung des Wagenparks investiert.

In der Region GAP gilt das BayernTicket auf jeden Fall in allen RVO-Bussen. Jedoch: Auf der Eibseebus-Linie wurde, wenn ich mich recht erinnere, letzten Sommer ein roter RVO-Gelenkbus als Verstärker eingesetzt, evtl. könnte das also dort gewesen sein (und dort werden definitiv im Gegensatz zu Gemeindewerken GAP und RVO nur Fahrscheine nach Haustarif verkauft und anerkannt). Solche Leiheinsätze sind problemlos möglich, da beide Unternehmen das gleiche Kassensystem verwenden und vor Einsatzbeginn ggf. nur Details angepasst werden müssten (softwareseitig).)


Zurück zum eigentlichen Thema: Mich würde beim 9€-Ticket grundsätzlich interessieren, wie das mit der Gültigkeit gehandhabt wird, wenn es um ländliche Verkehrsgebiete oder gar verbundfreie Bedienungsgebiete geht. Es gibt ja auch Verkehrsverbünde, in denen z.B. LänderTickets nicht oder nur teilweise anerkannt werden (z.B. die LVG Landsberg am Lech). Bislang war darüber ja nicht sehr viel zu erfahren, hoffen wir also, dass da noch ein Bisserl ins Detail gegangen wird. Sonst gibt's nur Ärger am Ende und frustrierte Kundschaft. Aber ein Bisserl Zeit ist ja noch. ;-)
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Jogi »

Ein kurzer Überblick zum 9-Euro-Ticket:

Die genauen Beförderungsbedingungen lassen sich etwa auf der Seite des Deutschlandtarifs einsehen (bisschen runterscrollen). In Anlage 1 findet sich auch eine Liste des Geltungsbereichs, der anerkennenden Verkehrsunternehmen und der Verkehrsverbünde.

Gerade bei einigen Sonderverkehrsmitteln scheint durchzuschlagen, dass die Aktion mit der heißen Nadel gestrickt wurde: Während die BB eine Nutzung davon ausschließen, weil nicht erwähnt, liest es sich auf der Seite der Betreiber oder des Verbundes anders. Von daher der Tipp, will etwa eine Seil- oder dampfbetriebene Schmalspurbahn benutzt werden, direkt an der Quelle beim Betreiber nachschauen.

Wo das Angebot außerhalb bestehender Zeitkartenregelungen von Verbünden definitiv nicht gilt, sind (Stand jetzt mit einer Ausnahme, s.u.) sämtliche von DB Fernverkehr betriebenen Züge, weil sie kein Ausgleich aus den Bundesmitteln erhält. Das schließt auch die tarifintegrierten Code-Sharing-Leistungen wie auch auf Teilstrecken bloß als RE vermarktete Fahrten ein. Diese Fahrten werden in der DB-Reiseauskunft markiert, zum einen als Hinweismeldung mit dem Ausrufezeichen, zum anderen in den Bemerkungen zu den zugscharfen Fahrtinformationen. Ein Hinweis kann auch sein, dass für diese Verbindungen kein Angebot mit 9 Euro Verkaufspreis angezeigt wird.
Keine Regel ohne Ausnahme, DB Fern und das Land Baden-Württemberg haben sich auf eine Anerkennung des 9-Euro-Tickets auf der Gäubahn geeinigt, d.h. auf der Strecke Stuttgart-Rottweil-Singen-Konstanz können alle IC-Züge genutzt werden.

Es gelten die üblichen Fahrgastrechte nach EU-Verordnung 1371/2007. Das heißt u.a., ist eine Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielbahnhof nach Deutschland-Tarif der Fahrt absehbar, kann gegen Vorkasse auch ein Fernzug benutzt werden. Die Fahrkarte ist dann bei dem EVU einzureichen, bei dem die maßgebliche Verspätung eingefahren wurde – das kann das Servicecenter Fahrgastrechte sein, muss aber nicht.
Daneben können auch die Mobilitätsgarantien von Verkehrsverbünden greifen, wie hierzuforum aufgeschrieben.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von TramBahnFreak »

Interessant, wer da alles dabei ist (auch wenn die Liste des Geltungsbereichs an manchen Stellen offenbar falsch ist...)

agilis – via Asch wird auch Tschechien erreicht
Arriva Openbaar Vervoer – darf ich mit dem 9-€-Ticket quer durch die halben Niederlande fahren?
CFL – ab der Grenze ist eh kostenlos, aber der IC von Düsseldorf darf bis Trier nicht benutzt werden?
HANS – Nesutrelitz - Mirow und Waren - Inselstadt Malchow ist nicht dabei? Eigentlich ist das doch auch bestellter NV?
neg Niebüll – "alle" würde eigentlich bedeuten bis Esbjerg, ich meine aber, irgendwo gelesen zu haben, dass das Ticket "nur" bis Tonder gilt (ist immerhin auch schon ein stück innerhalb Dänemarks)
SBB Deutschland – mindestens mit der S6 sollte man also auch bis Basel SBB gelangen
Die Länderbahn – auch Vogtlandbahn, Oberpfalzbahn, Trilex und insbesondere "Die Länderbahn CZ" fahren ja teils sogar recht weit nach Tschechien hinein; gemäß der Liste sollte das 9-€-T aber auch hier gelten?
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218217-8
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von 218217-8 »

DIe von dir aufgelisteten VU stehen ja im Kapitel 1: "(...) gelten zur Fahrt auf den Strecken und in den Zügen der folgenden Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) in Deutschland".
In Kapitel 2 folgen dann die ausländischen Streckenabschnitte. Und diese Liste ist dann doch recht kurz.
Bei der AVG ist mir noch aufgefallen, dass die Strecke Heilbronn - Mosbach / - Sinsheim (S41/S42) fehlt.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Cloakmaster »

Ich halte die Rgelung, daß das 9€-Ticket in Fernzügen, wo zB das Länderticket anerkannt ist, nicht gelten soll für grundfalsch.

Grund für diese Freigabe ist, daß diese Fernzüge nur darum gefahren werden können, weil das entsprechende Regioangebot zu dieser Zeit aussetzt.

Beispiel: Der IC/RE "Königssee" im Abschnitt Freilassing-Berchtesgaden.

Die Strecke ist eingleisig, es fährt im Abschnit Bad Reichenhall-Berchtesgaden einmal pro Stunde die S-Bahn Linie 4 der Salzburger S-Bahn.

Zweimal am Tag muss diese S-Bahn aber ausfallen, weil sonst der "IC Königssee" den Königssee (bzw. dessen nächstgelegenen Bahnhof) gar nicht erreichen könnte.

Der Kunde soll nun also draufkommen, daß er mit seinem Nahverkehrsticket plötzlich keinen Stundentakt mehr hat, sondern es plötzlich je einmal morgens und nachmittags eine Lücke von 2 Stunden gibt? Wie unpraktikalbel, und Kundenunfreundlich ist das denn?

Neulich gab es allein schon deshalb Ärger, weil man in der S-Bahn sein Ticket beim Zugbegleiter kaufen kann, auf der "Ersazfahrt" der S-Bahn aber nicht mehr.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von TramBahnFreak »

@218: Ich hatte das jetzt als „deutsche EVUs“ aufgefasst, aber das kann natürlich gut sein.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Entenfang »

Danke Jogi für den Link und die äusserst nützliche Info bzgl. FGR!

@Trambahnfreak: Ich lese das auch eindeutig so wie 218217 - gültig bei allen genannten EVU, aber nur innerhalb Deutschlands mit den wenigen Ausnahmen aus Kapitel 2. Wobei da kurioserweise Basel Bad Bf - Rheinfelden nicht extra aufgeführt ist.
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- vielleicht von Alexander von Humboldt, vielleicht auch nicht.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Jogi »

Und die nächste Ausnahme bei der IC-Regelung, auch zwischen Dillenburg, Siegen und Letmathe wird das 9-Euro-Ticket im IC/RE34 anerkannt, verlautbart der Besteller NWL.
Achtung, wie auch bei der regulären Tarifintegration fallen hier die zwei Zugpaare Frankfurt<>Hamm<>Münster/Norddeich raus, die zwischen Siegen (an & ab jeweils zur Stunde 11 und 15) und Letmathe ausschließlich in Altenhundem halten. Zu diesen Stunden fahren dann die normalen RE16 bis Siegen; zwischen Siegen und Dillenburg bleibt aber eine tariftechnische Lücke.

Kleiner Reminder über die I-technischen Tücken der Reiseauskunft:
Trotz dieser grundsätzlichen Einigung mit DB Fernverkehr kann es noch bis Ende dieser Woche [= Fr, 3.Juni.] zu davon abweichenden Informationen in den Auskunftsmedien der DB kommen. Dies ist technisch bedingt und sollte die Nutzer des 9-Euro-Tickets nicht irritieren.[/url]
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Valentin »

Jogi hat geschrieben: 31 Mai 2022, 10:24 Und die nächste Ausnahme bei der IC-Regelung, auch zwischen Dillenburg, Siegen und Letmathe wird das 9-Euro-Ticket im IC/RE34 anerkannt, verlautbart der Besteller NWL.
Achtung, wie auch bei der regulären Tarifintegration fallen hier die zwei Zugpaare Frankfurt<>Hamm<>Münster/Norddeich raus, die zwischen Siegen (an & ab jeweils zur Stunde 11 und 15) und Letmathe ausschließlich in Altenhundem halten. Zu diesen Stunden fahren dann die normalen RE16 bis Siegen; zwischen Siegen und Dillenburg bleibt aber eine tariftechnische Lücke.
Allein für die Anerkennung des 9 Eur Tickets im IC/RE auf der Strecke Bremen-Norddeich-Mole fordert die DB 5,25 Mio Euro. Sonst werden die Touristen der Region fehlen...
Da sieht man, um welche Ausgleichssummen hier gestritten wird.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Mark82216 »

Von dort:
Martin H. hat geschrieben: 04 Jun 2022, 22:26 Das Ticket ist aber nur eine Entlastungsmaßnahme, so können alle die immer schon öffentlich fahren die gestiegenen Preise für zum Beispiel Lebensmittel ein wenig abfangen weil einfach wieder mehr übrigbleibt. Oder überhaupt etwas übrigbleibt.
Die erste Idee des 9-Euro-Ticket war ja, Monatskarten auf diesen Betrag zu deckeln, um die ÖPNV-Pendler gegenüber dem Tankrabatt für Autopendler nicht schlechter zu stellen. Die Spezialitäten des ÖPNV, insbesondere das Tarifgefüge war bei der Idee jedoch in keinster Weise berücksichtigt, weshalb es ja von Anfang an gleich mal Wind und Fragen gab. Weil man speziell auf verbundübergreifende, verbundfreie oder verbundausbrechende Fahrten, auch über die Grenzen der Bundesländer hinaus keine Antworten hatte, kam das bundesweite 9-Euro-TIcket. Die Grundidee für das Ticket wurde damit beerdigt und man dachte sich als neue Begründung aus, es würde einen Anreiz geben, den ÖPNV auszuprobieren. Nun, für diese Begründung ist der parallele Zeitraum zum Tankrabatt falsch.
Ich persönlich hätte es schön gefunden, parallel zu dem 30%igen Tankrabatt auch sämtliche ÖPNV und ÖPFV um 30% zu senken und den VU anhand der verkauften Fahrkarten diese 30% zu erstatten. Das wäre nicht nur berechenbarer gewesen, es wäre auch vom eigentlich Ansatz her das gerechtere Verfahren gewesen. Zum Umstieg von Autofahrern auf den ÖPNV/ÖPFV ist der Ansatz eines einzigen Preises für ganz Deutschland zwar richtig - aber dann als Daueraktion, nicht nur für drei Monate und auch nicht zum Ramschpreis.
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Iarn
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Iarn »

Die langfristuge Lösung ist meiner Meinjng nach ein Klimaticker nach österreichischen Vorbild.
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Re: 9 Euro Nahverkehrsticket gegen Ölpreis Anstieg

Beitrag von Valentin »

Iarn hat geschrieben: 05 Jun 2022, 09:28 Die langfristuge Lösung ist meiner Meinjng nach ein Klimaticker nach österreichischen Vorbild.
Aber nur in Kombination mit Kurzparkzone für die gesamten Stadt. Wie effektiv diese Kombination ist, sieht man gerade Wien: Dort sind plötzlich auch Tagsüber viele Parkplätze frei und können anders genutzt werden. NÖ schimpft natürlich darüber wie ein Rohrspatz. Und die Züge nach Wien sind plötzlich auch voller.
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