guru61 hat geschrieben: ↑31 Mär 2026, 09:08
U-Bahn Gern hat geschrieben: ↑26 Mär 2026, 22:55
Als ich vor ein paar Jahren in Japan war, ist mir dort beim Bahnnetz etwas aufgefallen, was wohl maßgeblich zur perfekten Pünktlichkeit dort beitragen wird: Es gibt so gut wie keine Überlagerung an Linien, vor allem im Regionalverkehr. Fast jede Strecke wird von genauer einer Linie bedient. Die Idee blieb mir im Kopf. Theoretisch könnte das auch hier funktionieren.
Klar gibt es, vor allem in einem dichten und organischen Netz wie DE, dadurch einige Nachteile. Weniger Direktverbindungen und mehr Umsteigen. Aber mal ehrlich: Wäre es wirklich schlimmer, einmal einen (dann gut organisierten und pünktlichen) Umstieg zu machen, als mit einem Direktzug zwei Stunden später anzukommen, weil die Strecke überlastet war? Oder gar nicht, weil der Zug früher enden musste?

Ich denke, dass wir nur mit einer solchen Vereinfachung des Bestandnetzes wirklich etwas verbessern können.
Hallo
Ich wundere mich immer und erhielt auch nie eine Antwort, wie hoch denn die Deutschen Strecken belegt sind.
Eine Antwort, geschweige denn einen grafischen Fahrplan habe nie erhalten, auch von Herrn Nagl nicht.
Was mir einfach auffällt, wenn ich in Deutschland unterwegs bin: Während, sagen wir mal zwischen Liestal und Olten tagsüber bis zu 7 Zügen entgegen kommen:
https://www.oev-info.ch/sites/default/f ... 6/G411.pdf
geschieht das in Deutschland wesentlich seltener.
In D sind die Blockabstände viel grösser, man kann also nicht so einfach hintereinander her fahren.
Ich werfe mal den Abschnitt zwischen Reichenau-Tamins und Rhäzüns bei der RhB ins Rennen: Tagsüber pro Stunde und Richtung 5 Züge, auf einem Gleis.
Wenn ich mit meinen Bekannten aus Deutschland spreche, die nicht Railgeil sind, dann haben alle eine Heidenangst vor Umsteigen!
Solange man immer die Angst im Nacken haben muss, dass man den Anschluss verliert und im FV vielleicht dann auch eine Reservation, mit dem Problem, dass man in einem nachfolgenden Zug, der überfüllt ist, bei der Räumung rausgeschmissen wird, weil man keine Reservation hat, zieht man lieber einen direkten Zug vor, auch wenn es länger dauern würde.
Wenn Die mal auf Besuch kommen und wir eine Reise per Bahn mit Umsteigen machen, muss man immer Überzeugungsarbeit leisten, dass 4 Minuten in Olten, 5 Minuten in Bern und 7 Minuten in Zürich als Umsteigezeit völlig genügen.
Das bestärkt mich in der Meinung, das Verlässlichkeit, vor Allem bei Anschlüssen, viel wichtiger ist als megakurze Fahrzeiten: Denn wenn dir ein Anschluss flöten geht hast du sofort Geschwindigkeitseinbussen in der Reisezeit im 2 stelligen Prozentbereich!
Vermehrt umsteigen, da bin ich mir sicher, würde mehr Leute auf die Strasse treiben.
Gruss Guru
In D wird "Eisenbahn" nicht als Netz gedacht, sondern jeder einzelne Zug als Einzelverbindung. Und das entspricht natürlich in keinster Weise dem Nutzungsverhalten, mit eben den von dir skizzierten Folgen.
guru61 hat geschrieben: ↑31 Mär 2026, 09:35Natürlich hast du Recht, dass man die Schweiz nicht 1:1 auf Deutschland übertragen kann.
Was würde dann dagegen Sprechen, wenn man eine ähnliche Struktur, wie in der Schweiz, bis zum IC hätte und darüber ein übergeordnetes Netz von Sprintern als ICE. damit liesse sich sicher einiges machen.
Gruss Guru
Der Deutschland-Takt geht ja grob in eine ähnliche Richtung.
FloSch hat geschrieben: ↑31 Mär 2026, 11:16
Ob es jetzt gewollt ist, dass ein Anschluss nicht erreicht wird wegen drei Minuten Verspätung und man den Anschlusszug noch abfahren sieht am Nebengleis, sei mal dahingestellt. 30 Sekunden warten hätte da vermutlich auch keinen Systemzusammenbruch an anderer Stelle nach sich gezogen.
Mit diesen 30 Sekunden ist es aber nicht getan.
Für jeden Bahnhof ist die Mindest-Übergangszeit definiert. Und wenn der Anschluss offiziell gehalten wird, muss diese auch eingehalten werden, um sicherzustellen, dass der Umstieg auch möglich ist.
(Dass diese Zeit stellenweise bereits sehr optimistisch ist, ist ein anderes Thema...)
Der Perfektionsmus in der Schweiz funktioniert meistens sehr gut (ich bin auch schon viel in der Schweiz unterwegs gewesen), aber auch da gibt's eben Fälle, wo es nicht zu 100% funktioniert. Auch eine Stellwerkstörung mit >1h Stillstand habe ich da schon erlebt, das kommt eben sehr selten vor, weil der Stellenwert der Schiene und des ÖPNV im Allgemeinen ganz anders ist in der Schweiz. Dafür wird eben auch viel mehr Geld in die Hand genommen, als das z.B. in Deutschland ist.
Und das wiederum spiegelt sich in einer viel höheren Resilienz im Betrieb wider, mit viel mehr und häufigeren Rückfallebenen.