Schweres Zugunglück in Spanien

Alles rund um die Eisenbahnen außerhalb von Deutschland
Antworten
Benutzeravatar
218 466-1
"Lebende Forenlegende"
Beiträge: 8253
Registriert: 02 Aug 2010, 15:13
Wohnort: Red Bank NJ, ex-Ingolstadt

Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von 218 466-1 »

Mindestens 68 Tote nach Zugunglück in Spanien
Das Unglück ereignete sich kurz vor 9 Uhr in der zentralen Provinz Toledo. Ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo [wie schon im Januar ein FS Frecciarossa 1000] kam zum Stehen, ein nachfolgender Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe [Br 103, ICE 3-Ableger] fuhr auf ihn auf. Mehrere Waggons entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter. In beiden Zügen waren nach amtlichen Angaben insgesamt rund 540 Passagiere von Madrid nach Andalusien unterwegs.
Keine Alternative zum Transrapid MUC
Bild
tkellermann68
Jungspund
Beiträge: 7
Registriert: 20 Okt 2026, 07:16

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von tkellermann68 »

Ich bau ja grad meine H0-Anlage im Keller und hab da ne ordentliche Blockstrecke mit Besetztmeldern drin. Das Prinzip ist simpel: Steht vorne ein Zug, kriegt der Nachfolger im Abschnitt dahinter einfach keinen Fahrstrom mehr. Beim Modell kostet mich das ein paar Euro pro Block, mal eben mit dem Lötkolben erledigt. Beim Original ist das natürlich ne ganz andere Hausnummer, aber wichtig ist halt, das immer ein Abschnitt dazwischen frei bleibt ... und genau da bin ich gespannt, was die Untersuchung ergibt.
Benutzeravatar
karhu
Kaiser
Beiträge: 1532
Registriert: 18 Dez 2007, 17:03
Wohnort: Tampere (Stuttgart)

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von karhu »

In diesem Fall gibt es aber keine klassischen Blockstellen sondern da wird vermutlich ETCS verwendet da es eine moderne Schnellfahrstrecke ist. Dieses ETCS System ist laut Berichten ausgefallen, eigentlich hätte man dann nur auf Sicht weiterfahren sollen. Doch der Zug beschleunigte auf 200km/h.
Benutzeravatar
Russischer Spion
Lebende Forenlegende
Beiträge: 2135
Registriert: 04 Jan 2008, 15:25
Wohnort: Moskau
Kontaktdaten:

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von Russischer Spion »

Info aus einem russischen Eisenbahn-Telegramkanal:

Die Zahl der Todesopfer bei einem Eisenbahnunglück in Spanien ist auf 68 gestiegen; Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Unter den Betroffenen befinden sich mindestens 15 Personen in kritischem Zustand. Rettungskräfte sind weiterhin damit beschäftigt, die völlig zerstörten Waggons zu untersuchen; die Zahl der Opfer könnte noch weiter steigen.
 
Der Unfall ereignete sich am 28. Oktober um 8:53 Uhr Ortszeit in der Nähe der Stadt Urda in der Provinz Toledo. Ein Hochgeschwindigkeitszug des Typs AVE der Bahngesellschaft Renfe, der von Madrid nach Sevilla unterwegs war, prallte auf einen Zug des privaten italienischen Betreibers Iryo*, der auf der Strecke stand. In den beiden Zügen befanden sich insgesamt mehr als 500 Passagiere.
 
Durch den Aufprall entgleisten mehrere Waggons und stürzten einen Bahndamm hinab. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde eingestellt.
 
Ersten Erkenntnissen zufolge fiel gegen 8:30 Uhr das Sicherheitssystem LZB** aus. Die Züge kamen daraufhin automatisch zum Stehen. Anschließend wies ein Fahrdienstleiter den Lokführer des AVE-Zuges an, die Fahrt mit "normaler" Geschwindigkeit fortzusetzen – trotz eines "Halt" zeigenden Signals. Verkehrsminister Óscar Puente bezeichnete diese Entscheidung als unerklärlich.
 
Nach Angaben des Ministers war der Leitstelle der Standort aller sechs zum Stehen gekommenen Züge bekannt. Dennoch erhielt der Lokführer des AVE die Anweisung, die Fahrt ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fortzusetzen. 17 Minuten später kam es zur Kollision. Dabei hatte der Lokführer eines anderen Zuges den Fahrdienstleiter sogar noch daran erinnert, dass bei einer Weiterfahrt „auf Sicht“ eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuhalten sei – doch der Fahrdienstleiter ordnete an, gemäß dem regulären Fahrplan weiterzufahren.

* Iryo ist ein Zug des privaten italienischen Betreibers. Iryo war bereits in ein Unglück verwickelt, das sich im Januar dieses Jahres in Spanien ereignete.

** LZB (Linienzugbeeinflussung) ist ein deutsches System, das es Zügen ermöglicht, mit Geschwindigkeiten von über 160 km/h zu fahren, ohne sich dabei an den Signalen entlang der Strecke orientieren zu müssen. In Spanien wurde es 1992 auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid - Sevilla in Betrieb genommen. In Deutschland selbst ist das System bis heute störungsfrei im Einsatz.

In Spanien wurde eine dreitägige Trauerzeit vom 29. bis zum 31. Oktober ausgerufen.
-
Benutzeravatar
218 466-1
"Lebende Forenlegende"
Beiträge: 8253
Registriert: 02 Aug 2010, 15:13
Wohnort: Red Bank NJ, ex-Ingolstadt

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von 218 466-1 »

Unfallstelle aus dem Fuhrerstand bei Km 118.4 konkret dort wo weiter rechts ein Strommasten steht. Der Stehende Zug stand vor dem Einfahrsignal des Bahnhof Urga.

Bildergalerie

Unfallstelle bei Google Maps (Züge fuhren in südlicher Richtung)
Bild
Keine Alternative zum Transrapid MUC
Bild
Benutzeravatar
218 466-1
"Lebende Forenlegende"
Beiträge: 8253
Registriert: 02 Aug 2010, 15:13
Wohnort: Red Bank NJ, ex-Ingolstadt

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von 218 466-1 »

Keine Alternative zum Transrapid MUC
Bild
Benutzeravatar
gmg
"Lebende Forenlegende"
Beiträge: 5775
Registriert: 14 Okt 2004, 15:23
Wohnort: Germering

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von gmg »

Ich schlage vor, nur noch hier zu schreiben und das Konkurrenz-Thema abrutschen zu lassen. In Spanien gibt es ganz schon oft schwere Zugunglücke!
Santiago de C. Dann war doch letztes Jahr das in Andalusien.
Benutzeravatar
Russischer Spion
Lebende Forenlegende
Beiträge: 2135
Registriert: 04 Jan 2008, 15:25
Wohnort: Moskau
Kontaktdaten:

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von Russischer Spion »

Es wird immer krasser:


Es kommen neue Details zum schrecklichen Eisenbahnunglück in Spanien ans Licht. Die Zeitung „El País“ hat Aufzeichnungen der Kommunikation zwischen dem Lokführer und der Betriebszentrale in Atocha veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem:

„Der Zug lässt mich das LZB-System nicht neu starten. Deshalb stehe ich immer noch vor dem Einfahrsignal!“

Zuvor hatte der Fahrdienstleiter einem nachfolgenden AVE-Zug die Anweisung gegeben, die Fahrt fortzusetzen. Warum die Informationen der Besatzung des vorausfahrenden Zuges – der auf den Gleisen feststeckte – nicht an den nachfolgenden Zug weitergegeben wurden, bleibt ein Rätsel.

Ein weiterer Aspekt des Unglücks betrifft die Computertechnik, deren Ausfall dem Absturz vorausging. Laut „20minutos“ hätte die Hardware bereits vor einem Jahr ausgetauscht werden sollen. Die Ausrüstung, die zu den fatalen Fehlern führte, soll angeblich noch aus den frühen 1990er Jahren stammen. Warum der Austausch nicht erfolgte, werden nun die zuständigen Behörden untersuchen – allerdings, wie so oft, erst im Nachhinein.
-
Nordlicht
König
Beiträge: 964
Registriert: 07 Nov 2020, 18:22

Re: Schweres Zugunglück in Spanien

Beitrag von Nordlicht »

gmg hat geschrieben: ↑29 Okt 2026, 09:24 In Spanien gibt es ganz schon oft schwere Zugunglücke!
Santiago de C. Dann war doch letztes Jahr das in Andalusien.
Und leider ist ein größerer Teil dieser Unglücke auf die meinen Augen absolut unzureichende Logik der Sicherungssysteme zurückzuführen.
In Santiago und O Porriño konnte ohne weiteres die signalisierte Geschwindigkeit überschritten werden, weil eine einfache Quittierung der Kenntnisnahme von Signalen reichte und es keinerlei Zwangsbremsungseinleitungen gab oder die Geschwindigkeitsüberschreitung irgendwie kenntlich gemacht werden konnte.
Am Ende heißt es dann immer menschliches Versagen (aus Gewohnheit nicht gebremst, da sonst immer freie Fahrt...) aber in meinen Augen haben wir es in Spanien eher mit systemischen Versagen zu tun. Ich hoffe wirklich, dass man da künftig dran arbeitet...
Antworten