Regioshuttle-Abschied in der Prignitz (5 Bilder)

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Autobahn
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Beitrag von Autobahn »

@ riedfritz

Ohne die Folgen des 2. Weltkrieges wäre Bayern auch heute noch ein überwiegend landwirtschaftliche geprägtes Bundesland. Die Industrie in der DDR lag in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Thüringen. Von dort kamen auch die meisten Aussiedler und Flüchtlinge nach Bayern.

Es ist eine Utopie, in dem seit jeher landwirtschaftlich geprägten Nordosten Deutschlands eine Industrieregion zu machen. Und wozu auch? Deutschland braucht auch solche naturnahen Gebiete.
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Beitrag von Bayernlover »

riedfritz @ 7 Dec 2012, 15:20 hat geschrieben: dort zu wohnen muss man sich erst mal leisten können!

Weder das Wohnungsangebot reicht, noch sind z.B. die Preise für eine "Normalverdienerfamilie" erschwinglich.
In Zeiten ständig steigender Kraftstoff-/Bahnpreise ist die "günstige" Wohnfläche in der Pampa doch nur eine Milchmädchenrechnung.
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Autobahn
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Beitrag von Autobahn »

Bayernlover @ 7 Dec 2012, 19:49 hat geschrieben:In Zeiten ständig steigender Kraftstoff-/Bahnpreise ist die "günstige" Wohnfläche in der Pampa doch nur eine Milchmädchenrechnung.
Kommt aber auch darauf an, wie mobil sein muss ;)
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Beitrag von Rohrbacher »

Autobahn @ 7 Dec 2012, 21:08 hat geschrieben:Es ist eine Utopie, in dem seit jeher landwirtschaftlich geprägten Nordosten Deutschlands eine Industrieregion zu machen.
Eine Utopie, die jetzt du in den Raum geworfen hast.
Landwirtschaft ist übrigens auch Wirtschaft.
Bayernlover @ 7 Dec 2012, 19:49 hat geschrieben:In Zeiten ständig steigender Kraftstoff-/Bahnpreise ist die "günstige" Wohnfläche in der Pampa doch nur eine Milchmädchenrechnung.
1. Ein durchnittliches, modernes Einfamilien- oder Doppelhaus als Neubau mit ca 120 qm Wohnfläche und ein bisschen Grün außenrum (also das typische Klischee) geht in München bei sagen wir 450.000 Euro los und ist dann irgendwo am Stadtrand. In Pfaffenhofen oder Umgebung (ich gehe davon aus, das fällt auch unter Pampa) zahlst du für quasi das selbe Haus heute ab etwa 250.000 Euro. So, und für die gesparten 200.000 Euro plus die gesparten Zinsen (in der Regel muss man sich ja Geld leihen) im Werte eines Mittelklassewagens kann ich echt sehr lange sehr weit fahren, das muss man gar nicht so genau ausrechnen. :rolleyes:

2. Nicht jeder, der in die "Pampa" zieht, pendelt dann in die große Stadt. Manche glauben anscheinend, dass es nur in Millionenstädten Unternehmen gibt. Man kann in vielen Berufen auch anderswo ganz gut arbeiten, besonders da, wo eben auch die Wirtschaft wie die Privatleute alternative = günstigere Standorte im Umland sucht. Bei uns wird nächstes Jahr zum Beispiel ein weiteres neues Gewerbegebiet mit etwa 28 ha gebaut. Wo Leute hinziehen, ziehen auch Firmen hin, wo wiederum Leute arbeiten können.

3. Trifft das ganze hier für die Prignitz warscheinlich absolut gar nicht zu, weil da eben, wie ja festgestellt wurde, keiner hinzieht, egal wie billig der Wohnraum ist, sondern im Gegenteil die Leute weggehen. Insofern hat diese dämliche Diskussion mit dem Thema hier eigentlich gar nichts zu tun.
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Beitrag von 146225 »

Es gibt so Themenverläufe, da kann man nur noch ungläubig darin lesen. Dies ist ein solcher; mal ganz abgesehen davon, daß es höchstwahrscheinlich nie die Absicht des Ersterstellers war, eine solche Diskussion loszutreten, muß ich leider wieder einmal feststellen, daß mein letzter Beitrag zwar von gewissen Leuten gelesen, aber absolut fehlinterpretiert ist.

Wenn ich nicht gerade auch dem Laster der Fehlinterpretation anheimfalle, reden hier der eine oder andere davon, "schwache" Landstriche in Deutschland durch gezielte Steuerung bzw. Nichtgewährung von Investitionen bzw. allgemeinen Bundes- und Landesgeldern ein Stück weit "ausbluten" zu lassen. So nach dem Motto: Wenn es unattraktiv genug ist, werden schon die meisten abhauen und der Rest wegsterben. Ob dieser Landstrich nun Prignitz, Lausitz oder noch ganz anders heißt, und wo immer dieser Landstrich liegt ist für den weiteren Verlauf dieses Beitrages im Übrigen unerheblich.

In welcher Gedankenwelt befindet man sich, wenn man solche Dinge nur nüchtern nach betriebswirtschaftlichen Aspekten betrachten möchte? Siedlungs- und Wirtschaftspolitik sind primär immer noch volkswirtschaftlich und unterliegen daher nicht ausschließlich nur dem Diktat vom schnellen Gewinn und Verlust. Menschen sind in einem freien Rechtsstaat keine "Manövriermasse" die ich dorthin befehle, wo sie im Augenblick gerade einen monetären Vorteil versprechen. Ein solches Vorgehen ist nicht nur reichlich abgeschmackt und zynisch, sondern auch potentiell verfassungswidrig: Grundrechte im Sinne von Artikel 3, Absatz 3 sowie Artikel 11, Absatz 1 werden hier aus meiner Sicht zumindestens berührt, und das sind Dinge, die niemand, auch keine Regierung leichtfertig tun kann. Nur so zur Erinnerung: Grundrechte waren diese lästigen Dinger, die gemäß Artikel 19, Absatz 2 in ihrem Wesensgehalt nicht änderbar sind.

Somit ist klar: Wo Menschen sich niederlassen, entscheiden diese alleine. Staatliche Aufgabe ist es nicht, hier dirigistisch zu wirken, sondern letztendlich bundesweit angemessen gleiche Lebensverhältnisse sicherzustellen.

Eine hier bereits vorgeschlagene Konzentration auf Verdichtungsräume ist diesem Ziel meines Erachtens nach nicht dienlich, man produziert hier problematische Ergebnisse, benötigt dazu aber immensen Aufwand. Wem nicht klar ist, was ich meine, der kann sich hierzuforum in diversen am Verdichtungsraum München orientierten Beitragsreihen, z.B. zu Architektur und Stadtentwicklung oder zu den Problemen beim Ausbau von U- und S-Bahn nochmals Gedanken dazu machen. Von der sozialen Komponente mal ganz zu schweigen, was eine zu starke Verdichtung von zu vielen Menschen auf zu engem Raum bewirken kann, darf gerne in jenen Bereichen deutscher Großstädte nachvollzogen werden, die höflich als "soziale Brennpunkte" umschrieben werden.

Spinnen wir die häßlichen Phantasien der wirtschaftlichen Optimierung der Lebensräume doch mal ins Extreme weiter: Berlin hätte demnach niemals Hauptstadt werden dürfen, denn für den Preis einer Ministeriumsetage in Berlin bekommt man anderswo ganze Regierungsviertel. Städte wie Wuppertal oder auch Stuttgart müssten sofort jegliches Wachstum einstellen: In der Ebene bauen ist rational betrachtet viel billiger. Städte am Wasser wie Hamburg oder längsseits von großen Flüssen, wie Köln, Bremen oder Dresden? Querungen wie Brücken und Tunnel kosten auch nur unnötig Geld, vom Hochwasserschutz mal ganz zu schweigen. Betonieren wir billig die komplette oberrheinische Tiefebene zu, können wir uns in Baden-Württemberg die weitere "Bewirtschaftung" des teuren Schwarzwaldes auch glatt sparen, dito kann NRW die Bewohner von Eifel und Bergisches Land an den flachen Niederrhein verlagern. Nordseeinseln: Nur noch temporär zur Hochsaison bei ausreichender Vorbuchung rentabel. Randlagen wie Saarbrücken? Zu teuer im Betrieb, kann man zentral billiger neu bauen. Jetzt mal ehrlich: Wer will eine solche Republik?

Nach meinem Dafürhalten liegt die beste Chance eben nicht in der ausschließlichen Berücksichtigung der bestehenden intensiven Verdichtungsräume, denn dort werden die Probleme dann entsprechend nur in ihrer Dimension noch teurer und schwieriger. Fördern wir lieber gezielt die Mittel- und Oberzentren zwischen ~ 30.000 und 400.000 Einwohner, hier ist für das gleiche Geld oftmals mehr erreicht, wie in der Liga darüber. Für das Geld, daß der km U-Bahn in der Münchner Innenstadt kostet, kann ich in einer etwas kleineren Stadt vermutlich eine komplette Tramlinie umsetzen. Und so weiter, das ist ja nur ein (forenkonformes) Beispiel von vielen.

Was dem Staat, der Gesellschaft, in jenen "großen" Dimensionen noch bevorsteht, diesen Wandel vollziehen Menschen bereits heute im privaten Leben: Wenn man ihnen die Wahl gibt, streben sie nicht nach Größe, sondern nach Vernunft. Was nutzt mir das vermeintlich prestigeträchtige Leben in Hamburg, Frankfurt am Main oder München, wenn ich es von meiner Arbeit nicht ausreichend finanzieren kann? Warum berichtet die Süddeutsche Zeitung aktuell über Personalmangel bei der Bahn in Bayern und speziell in München? Weil man von dem Gehalt anderswo für gleiche Arbeit besser leben kann. Und ich glaube nicht, daß das bei Pflegekräften, Erziehern, manchen Sparten des Handwerks und diversen anderen Berufen besser aussieht.

Und ein letztes noch: Die Vorstellung, durch die Einstellung des Bahnbetriebes in einer "schwachen" Region würde Geld "gespart", welches anderswo für Verbesserungen genutzt werden könnte, geht an den Realitäten der deutschen öffentlichen Haushalte vorbei. Bei Betriebseinstellung ist das Geld an dieser Stelle gespart - aber auch in seiner Gesamtheit für den Nahverkehr verloren, es wandert dann in andere Bereiche ab.

Viele Worte, wahrscheinlich nicht alle davon 150% richtig, wohl wahr, aber für mich unabdingbar notwendig. Und hoffentlich mit besseren Antworten im Sinne von inhaltlicher Qualität.
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Beitrag von TramBahnFreak »

146225 @ 7 Dec 2012, 22:44 hat geschrieben: Viele Worte, wahrscheinlich nicht alle davon 150% richtig, wohl wahr, aber für mich unabdingbar notwendig. Und hoffentlich mit besseren Antworten im Sinne von inhaltlicher Qualität.
Entspricht ein einfaches "Danke" diesem Wunsch? ;)


Wenn eine Region "ausstirbt", dann ist das ein zeichen, dass irgendwas falsch gelaufen ist bzw. noch falsch läuft. Denn die wenigsten Leute ziehen freiwillig aus ihrer Heimat weg, in der sie teilweise seit Generationen leben (gerade auf de land). Und wenn das dann im großen Maße geschieht, dann läuft da gehörig was quer. In diesem und vielen weiteren Fällen ist es die Abwanderung von Arbeitsplätzen, die die Abwanderung der Bevölkerung bewirkt, die wiederum die Investitions-Kürzungen in die Infrastruktur bewirken, die wiederum den Wegzug der Unternehmen mit den Arbeitsplätzen bewirken, ...

Also wird genau andersrum ein Schuh draus: Durch gezielte Investitionen besonders in strukturschwache Regionen (insbesondere in die dortige Infrastruktur - und das umfasst bei weitem nciht nur Straße und Schiene - die angesprochene Internetverbindung ist da mindestens genauso wichtig für größere Firmen) kann man helfen, dass dieser Teufelskreis gestoppt, im besten Falle sogar umgedreht wird: Wenn die Infrastruktur aufgebaut wird, ziehen Firmen her (die Preise dort sind ja im Vergleich zur städtischen Lage spottbillig, und wenn es sich nicht gerade um ein städtisches Amt handelt, ist man in der Wahl des Ortes ja auch recht frei), die wiederum Arbeitskräfte brauchen, die wiederum herziehen, wodurch ein weiterer Ausbau der Infrastruktur gefördert wird, da ja inzwischen wieder mehr Leute davon profitieren ...
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Beitrag von Bayernlover »

Rohrbacher, in solchen Gegenden bleibt dir nix anderes übrig als weeeeeeeit zu fahren, und das ist teuer, egal ob per Bahn oder per Auto. Wenn man Glück hat, müssen alle Familienmitglieder zur gleichen Zeit an den gleichen Ort, aber das ist doch auch Utopie. Also mindestens drei bis vier Monatstickets oder ebenso viele Fahrzeuge.

Mir soll das ja recht sein, aber man muss diesen verkehrspolitischen Unsinn dann nicht auch noch fördern, weder auf der Straße noch auf der Schiene. Und ja, perspektivisch wird die Bevölkerung in Deutschland schrumpfen, und solche Gegenden wird es als erstes treffen. Darüber kann man jetzt meckern, man kann auch ein bisschen daran herumdoktorn, aber im Endeffekt wird es diese Gegenden wie die Prignitz zuerst treffen. Wobei ich mich frage: Ist das jetzt schlimm, wenn dort sanft entsiedelt wird? Die Natur holt sich dann eben den Lebensraum zurück und fertig.

Aber lieber baut man solchen Unsinn wie die A20 durchs Mecklenburger Niemandsland, damit ein paar Bürgermeister wiedergewählt werden. Ich verstehe nicht, wie man das noch befürworten kann. Übrigens verlangt keiner irgendwelche Zwangsumsiedelung. Achso, die U-Bahn in München hat sicher einen besseren KNF als eine Bahnlinie für 50 Leute am Tag in der Prignitz.

Und weil ich es gerade lese: Nein, ein paar gezielte Investitionen da und dort helfen eben nicht, sieht man seit der Wende im Osten. Tolle Autobahnen, Subventionen hier, Subventionen da, alles wunderbar? Nein, die Leute fahren trotzdem "rüber" zum Arbeiten. Das Geld ist weg, und das Ruhrgebiet, das es wirklich mal nötig hätte, geht leer aus, während man in Thüringen den nächsten Autobahntunnel ins Gebirge sprengt.
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Beitrag von TramBahnFreak »

Ich sprach ja auch von sinnvollen Investitionen ;)

Und ja, im Ruhrgebiet wäre auch die eine oder andere sinnvolle Investition nötig...
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Beitrag von Rohrbacher »

Achso, die U-Bahn in München hat sicher einen besseren KNF als eine Bahnlinie für 50 Leute am Tag in der Prignitz.
Natürlich, 50 Fahrgäste (mal wieder eine völlig spekulative Zahl, vermute ich, zur Effekthascherei) am Tag sind zu wenig, aber unabhängig davon wo.
Rohrbacher, in solchen Gegenden bleibt dir nix anderes übrig als weeeeeeeit zu fahren
Ja, das ist in ländlichen Gegenden so üblich. So wie es üblich ist, dass in Großstädten bis zu 5000 Leute pro km² wohnen. Muss man SOWAS auch noch fördern? Nö. ;)
und das ist teuer, egal ob per Bahn oder per Auto. Wenn man Glück hat, müssen alle Familienmitglieder zur gleichen Zeit an den gleichen Ort, aber das ist doch auch Utopie. Also mindestens drei bis vier Monatstickets oder ebenso viele Fahrzeuge.
Ist das mitten in München anders? Nein.
Aber lieber baut man solchen Unsinn wie die A20 durchs Mecklenburger Niemandsland
Davon spricht ja keiner! Hier geht's um eine vorhandene Nebenbahn, wie es sie auch in Bayern oder BaWü gibt. Außerdem ist DURCHS "Niemandsland" ja noch kein Kriterium. Wie ich schon am Anfang sagte, kann eine Strecke ja auch für Durchreisende interessant sein. Zwischen Markt Schwaben und Mühldorf sind die Bevölkerungszahlen auch sehr, sehr gering oder zwischen Berlin und Hamburg! Trotzdem machen hier sogar deutlich ausgebaute Bahnstrecken sehr viel Sinn. Immer dieses eindimensionale Geschwafel über Käffer, Niemandsland, etc.

Rein von der Google-Karte her ist eine Verbindung Neustadt (Dosse) - Kyritz - Pritzwalk - Mayenburg - Güstrow (- Rostock) auch nicht wirklich "kaffiger" (es gibt wie gesagt eine Bundesstraße) als z.B. die Verbindung Ulm - Ehingen - Sigmaringen - Tuttlingen - Neustadt (Schwarzwald), wo der IRE in der Regel aus einem 611 besteht, keine Doppeltraktion. Oder bei der Südostbayernbahn, da ist Rosenheim - Mühldorf - Passau oder Salzburg - Mühldorf - Landshut auch nicht so viel mehr los. Oder die halbe Oberpfalz oder Oberfranken, da gibt's Ecken mit (sogar ausgeweiteter) Bahnverbindung, die dürfte es nach deiner Logik nicht geben. Und die Fahrgeschwindigkeiten da teilweise...

Aber man versucht zumindest in Bayern und BaWü genau das Gegenteil. Man konzentriert sich eben nicht nur auf die dicht besiedelten Gebiete. Bayern beispielsweise ist nur das was es heute ist, weil man strukturschwache Gebiete, z.B. den Zonenrand oder jahrelang auch Bayern selbst bewusst gefördert hat. Man sagt es immer so abschätzig, so nach dem Motto "die paar Bauern", aber wo kommt denn das ganze Zeug her, das du auf'm Teller hast jeden Tag? Die teilweise fürchterlichen Geflügelfarmen für die Chickenwings, die der Großstädter dann in der Systemgastronomie seiner Wahl für 1,99 Euro verputzen kann, stehen nicht in München auf'm Marienplatz. Deutschland ist ein Flächenland und besteht eben nicht nur aus Großstädten, sondern auch aus ländlichen Gegenden, wo die Einwohner typischerweise ein bisschen mehr verteilt sind. Die gehören genauso dazu. Das ist besonders beim Thema Infrastruktur sicherlich ein Problem, das auch Kosten verursacht, aber genauso gibt es in Städten Probleme, die mitunter recht teuer sind, zum Beispiel weil man viele Verkehrswege verbuddeln oder so groß auslegen muss, dass sie so teuer sind wie ein ganzes Nebenbahnnetz. Mittlerer Ring, Stuttgart21, Zweite Stammstrecke. In Kyritz & Co. soll ja kein Großflughafen hin oder ein großer Tiefbahnhof, und klar, man kann nicht jedes Dorf und jede Bahnstrecke retten, aber eine stinknormale Nebenbahn, die ja schon da ist, darf's eigentlich schon sein, finde ich. Auch in der Prignitz.

OPR Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg): 41 Einwohner je km² -> 102.108 Einwohner
DAU Landkreis Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz): 67 Einwohner je km² -> 60.648 Einwohner
HK Landkreis Heidekreis (Niedersachsen): 74 Einwohner je km² -> 138.784 Einwohner
HAS Landkreis Haßberge (Bayern): 89 Einwohner je km² -> 84.737 Einwohner
SIG Landkreis Sigmaringen (BaWü): 108 Einwohner je km² -> 129.848 Einwohner

So wenige Leute sind das nicht, wir reden hier über Einwohnerzahlen von Städten der Größenordnung zwischen Dachau oder Ulm. Was dort in teils enge Stadtbus-, Straßenbahn- oder (S-)Bahn-Takte gesteckt wird, müsste doch eigentlich auch für ein paar Busse und Nebenbahn-Züge in einer weitläufigeren Umgebung reichen. Wenn man will.
Nein, ein paar gezielte Investitionen da und dort helfen eben nicht, sieht man seit der Wende im Osten. Tolle Autobahnen, Subventionen hier, Subventionen da, alles wunderbar? Nein, die Leute fahren trotzdem "rüber" zum Arbeiten.
Tipp: Vielleicht wären es ja noch viel mehr? Auch aus Oberfranken, Oberschwaben, dem Ruhrgebiet oder was weiß ich fahren bzw. ziehen viele Leute wegen der Arbeit woanders hin, zum Beispiel nach München. Diese stupiden und populistischen Sprüche mit Osten + Subventionen + Autobahnen nerven doch so langsam echt. Klar Ossis, Geld und Autos, damit kriegt man den Wessi. Auch im Jahr 2012, sowas von klar.

Was hättest du denn gemacht? Hättest du die östlichen Bundesländer einfach im DDR-Zustand liegengelassen, oder was?
Das Geld ist weg, und das Ruhrgebiet, das es wirklich mal nötig hätte, geht leer aus, während man in Thüringen den nächsten Autobahntunnel ins Gebirge sprengt.
Beide haben ein Problem mit dem Strukturwandel, nämlich genau das selbe: Demografischer Wandel und Rückzug alter Industrien. Warum sollte es das Ruhrgebiet plötzlich nötig haben und "der Osten" nicht?

Die Tunnel und Brücken der SFS München - Berlin, die gebaut wird, um die Reisezeit zwischen diesen Großstädten zu verringern, stehen auch z.B. in Thüringen. Und Autobahnen dienen in der Regel auch dem überregionalen Verkehr, wo es in der Regel immer nötig ist auch die Gegenden dazwischen zu durchfahren. Beamen wurde noch nicht erfunden. Außerdem werden nicht nur in Thüringen Autobahnen gebaut (welche soll das eigentlich sein, vor allem mit Tunneln?), in Bayern gibt's mit der A94 und der B15n auch Projekte mitten durch die herrlichste "Pampa"... Wenn man das in Thüringen auch macht, ist das dann plötzlich schlimm, oder wie?

In Bochum scheinen die Stadtwerke jedenfalls noch viel Geld für gewisse Redner (gehabt) zu haben.
Übrigens verlangt keiner irgendwelche Zwangsumsiedelung.
Nein, natürlich nicht. So wie wenn man seine Mieter aus'm Haus raushaben will, das Haus verfallen lässt, irgendwann auch Wasser und Strom abstellt oder auch mal die Fenster zumauert. :rolleyes:
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Beitrag von riedfritz »

Die Probleme, die wir hier diskutieren, wird man kaum zufriedenstellend lösen können, da nur beschränkte Geldmittel zur Verfügung stehen, alle Fördermaßnahmen nur Anreize bieten können und die Zukunft in einer Zeit des immer schnelleren Wandels schwer vorherzusagen ist.

Es bleibt also nur das Bemühen um gute Lösungen.

Was mich freut, ist z.B. dass es dem Land Brandenburg gelungen ist, seine Verschuldung durch kluge Haushaltspolitik stark zu reduzieren, besser, als es Schleswig-Holstein je gemacht hat.

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte werden sich immer verlagern, vielleicht gelingt es in Zukunft durch bessere Vernetzung hochwertige Arbeitsplätze in den "gefährdeten" Regionen zu erhalten.


Viele Grüsse,

Fritz
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Beitrag von Bayernlover »

Naja meinetwegen fördert Bahnlinien in irgendwelche Dörfer mit über 15% Arbeitslosigkeit, nur wundert euch dann nicht, wenn das Geld dann irgendwoanders fehlt. Und dass der Bevölkerungsschwund zwangsläufig zum Aussterben gewisser Landstriche führen muss, sollte doch jedem einleuchten. Selbst wenn wir durch ein Wunder plötzlich zwei Millionen Fachkräfte irgendwo herholen, werden die sicher nicht in der Prignitz landen.

Und nein, 100km Weg mit der Bahn pro Tag für jedes Familienmitglied sind etwas anderes als 10km/Tag. Auch die viele Pendelei ist ökologischer Unsinn. Ich sag ja nicht, dass jeder in ein Hochhaus ziehen soll, aber Zersiedelung noch zu fördern, halte ich für den falschen Weg.

Wenn in 30 Jahren der Spritpreis 80% vom durchschnittlichen Stundenlohn beträgt, erledigt sich das Thema sowieso von selbst. Denn auch die Bahn muss irgendwo ihre Energie herbeziehen, und die gibt es mit Sicherheit nicht umsonst.
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Beitrag von riedfritz »

aber Zersiedelung noch zu fördern, halte ich für den falschen Weg.



Wer spricht denn hier von Zersiedelung? Es geht um den Erhalt bestehender Infrastruktur, Ortsgemeinschaften und Beziehungsstrukturen.

Ich bin bis 1970 in der Gegend Deines Wohnortes aufgewachsen. Riem und Neubiberg waren noch Flughäfen. Da war es für mich dort noch lebenswert, heute möchte ich dort nicht mehr hin. Das was dort passiert ist, das nenne ich Zersiedelung, mit Autobahnen, breiten Strassen, Lärm, wo keiner mehr seinen Nachbarn kennt, an jeder zweiten Ecke die gleichen Einkaufsmöglichkeiten Aldi, Netto, KiK, Praktiker, die Filialen der gleichen Großbäckereien u. -Metzgereien und alle anderen Metro-Ableger angesiedelt sind.

Aber wer es nicht anders kennt.....!


Viele Grüsse,

Fritz
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Beitrag von Autobahn »

Man muss das etwas differenziert sehen. Ich habe viele Jahre mit meiner Familien „auf dem Land“ gelebt. Der Ort setzt sich aus 14 räumlich getrennten Ortsteilen zusammen, dazwischen ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Bevölkerungsdichte beträgt 208 Einwohner/Km².

Es bestehen in dem Ort einige Großbetriebe, zwei davon in der Nahrungsmittelindustrie, mehrere Betriebe aus dem Bereich Nahrungsmittel- und Blumenvertrieb, viele Handwerks- und Kleinbetriebe, Geschäfte für jeden Bereich. Viele Arbeitskräfte kommen von außerhalb. Der Ort hat seit 1428 Stadtrechte und ist kreisangehörige Stadt in NRW. Der Kreis hat 250 Einwohner/Km².

Was die Stadt nicht hat, ist ein Bahnanschluss und auch der Busverkehr beschränkt sich auf den Schülerverkehr, der Rest des ÖPNV wird mit Anrufsammeltaxen abgewickelt. (Es gab mal einen Bahnanschluss, der ist aber schon vor dem 2. Weltkrieg stillgelegt worden.)

Pritzwalk hat eine ähnliche Einwohnerzahl, aber nur 75 Einwohner/Km², weil die Stadt flächenmäßig größer ist. Im Landkreis Prignitz, zu dem Pritzwalk gehört, leben 38 Einwohner/km². Aber Pritzwalk hat auch ohne diese Nebenbahn der PEG eine zweistündliche RE-Verbindung nach Berlin und nach Wittenberge. Weiterhin ist die Region mit einer stündlichen RE-Verbindung über Neustadt (Dosse) an Berlin angebunden.

Auch straßenmäßig ist Pritzwalk ähnlich gut angebunden, wie mein ehemaliger Wohnort. Die Infrastruktur ist also vorhanden. Allerdings ist die Entfernung zum nächsten Ballungszentrum drei mal so lang.
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Beitrag von 146225 »

Bayernlover @ 8 Dec 2012, 13:33 hat geschrieben: Naja meinetwegen fördert Bahnlinien in irgendwelche Dörfer mit über 15% Arbeitslosigkeit, nur wundert euch dann nicht, wenn das Geld dann irgendwoanders fehlt.
Nochmal: Davon, daß Du im Osten noch mehr Nebenbahnen einstellst als ohnehin schon viel zu viel geschehen, wirst Du keinen einzigen €uro mehr irgendwo anders im Land für Mehrleistungen sehen. Der Bund kürzt dem jeweiligen Land die Regionalisierungsmittel, senkt gleichzeitig noch die Gesamtquote für alle anderen und verschleudert die Kohle für sonstirgendwas.
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Beitrag von Autobahn »

146225 @ 8 Dec 2012, 21:26 hat geschrieben: Nochmal: Davon, daß Du im Osten noch mehr Nebenbahnen einstellst als ohnehin schon viel zu viel geschehen, wirst Du keinen einzigen €uro mehr irgendwo anders im Land für Mehrleistungen sehen. Der Bund kürzt dem jeweiligen Land die Regionalisierungsmittel, senkt gleichzeitig noch die Gesamtquote für alle anderen und verschleudert die Kohle für sonstirgendwas.
Das ist ein anderes Problem. Zunächst geht es um die Verteilung der Mittel in einem Bundesland.
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Beitrag von Bayernlover »

riedfritz @ 8 Dec 2012, 14:44 hat geschrieben: Wer spricht denn hier von Zersiedelung? Es geht um den Erhalt bestehender Infrastruktur, Ortsgemeinschaften und Beziehungsstrukturen.
Die sich sowieso mit dem Bevölkerungsrückgang selbst erledigen. Das ist ja das Problem.
Dass das Geld dann nicht in andere Bahnstrecken fließt, ist ein politisches Problem, das ist aber lösbar.

Übrigens finde ich die Messestadt auch grauenvoll, aber es gibt wenigstens eine U-Bahn, die ganz gut angenommen wird ;)
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Beitrag von KnutR »

146225 @ 7 Dec 2012, 22:44 hat geschrieben: Es gibt so Themenverläufe, da kann man nur noch ungläubig darin lesen. Dies ist ein solcher; mal ganz abgesehen davon, daß es höchstwahrscheinlich nie die Absicht des Ersterstellers war, eine solche Diskussion loszutreten ...
Das ist richtig. Hab mich mit meinen Bildern, die ich vorgestern gemacht hatte, schon zurück gehalten.
Ist hier jetzt eh grad fehl am Platz, weil diese "nette Diskussion" ja grad so schön läuft. ;)

Im anderen Forum, wo ich die Bilder eingestellt hatte, ging es auch so los (dachte schon jemand von hier steckt dahinter :lol: )
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Beitrag von Bayernlover »

Die Bilder würde ich aber trotzdem gern sehen, immerhin sind die ja bald historisch :P
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Beitrag von TramBahnFreak »

*meld* Mich würden die Fotos auch interessieren :)

(neue Diskussionsgrundlage? :ph34r: )
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