Sommerzeit, Sinn der Zeitumstellung

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Lobedan
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Beitrag von Lobedan »

rautatie @ 11 Feb 2021, 10:40 hat geschrieben: Wenn diese Asymmetrie ein Problem darstellt, würde ich mich auch noch auf eine paritätische Halb-Halb-Verteilung einlassen. Hauptsache, im Sommer gilt weiterhin die Sommerzeit.
Problem würde ich es nicht nennen, ich würde nur gern wissen, warum man sich damals für diese Teilung entschieden hat. Sicher, im Oktober ist es tendenziell etwas milder als im März, weil die Sommerwärme noch nachwirkt. Aber das Argument für die Einführung der Sommerzeit war ja eigentlich die Helligkeit.
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Iarn
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Beitrag von Iarn »

Hot Doc @ 11 Feb 2021, 11:06 hat geschrieben: Die Gruppe ist allen Befragungen nach aber eben deutlich kleiner, als die Gruppe derer, die das andersrum sehen. Und da es keinen Kompromiss geben kann bei einer entweder/oder Entscheidung, bis ich sehr dafür, der (mehr als Zweidrittel-) Mehrheit den Wunsch zu erfüllen. Noch mehr, da er wohl allen medizinischen Erfahrungen zu diesem Thema entspricht.
Hast Du für die Zwei Drittel Mehrheit irgendwo einen Link dafür? Die meisten Umfragen, die ich gesehen habe gingen knapper aus, bei einer YouGov von 2019 ist auch die permanente Normalzeit vorne.
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rautatie
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Beitrag von rautatie »

Lobedan @ 11 Feb 2021, 13:35 hat geschrieben:Problem würde ich es nicht nennen, ich würde nur gern wissen, warum man sich damals für diese Teilung entschieden hat.
Die Umstellung auf Winterzeit ist irgendwann mal (in den Neunzigerjahren?) von Ende September auf Ende Oktober verschoben worden. Ich glaube, es lag daran, dass damals einer Mehrheit der Menschen die Zeitumstellung im September zu früh erschienen war, da man auch im Oktober gern noch die relativ späte Sonnenuntergangszeit nutzen wollte.

Jedenfalls erinnere ich mich noch daran, dass es irgendwann zu der Verlegung von Ende September auf Ende Oktober kam. Damals hatte es noch keine mehrheitliche Einstellung der Leute gegen die Zeitumstellung gegeben, und ich glaube, die meisten Menschen fanden diese Verschiebung damals gut.
Wo ist das Problem?
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rautatie
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Beitrag von rautatie »

Iarn @ 11 Feb 2021, 13:53 hat geschrieben: Die meisten Umfragen, die ich gesehen habe gingen knapper aus, bei einer YouGov von 2019 ist auch die permanente Normalzeit vorne.
Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass es zu einer neuen Unzufriedenheit bei einem erheblichen Teil der Leute kommen dürfte, egal, ob die permanente Sommer- oder Winterzeit kommen wird. Ob diese Unzufriedenheit in Summe dann geringer sein wird als die aktuelle Unzufriedenheit mit der Zeitumstellung?
Wo ist das Problem?
Hot Doc
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Beitrag von Hot Doc »

Also nochmal zur Klarstellung:

Eine absolute Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich eine Abschaffung der Zeitumstellung.
Eine große Mehrheit dabei die Beibehaltung der Sommerzeit. (Die Stimmen für die Sommerzeit sind doppelt so viel, wie für die Beibehaltung der Winterzeit.)

Alles nachzulesen auf der entsprechenden Seite der EU: Konsultation zur Sommerzeit (ggf. in den entsprechenden Quellen)
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Beitrag von Beobachter »

rautatie @ 11 Feb 2021, 14:11 hat geschrieben: Die Umstellung auf Winterzeit ist irgendwann mal (in den Neunzigerjahren?) von Ende September auf Ende Oktober verschoben worden. Ich glaube, es lag daran, dass damals einer Mehrheit der Menschen die Zeitumstellung im September zu früh erschienen war, da man auch im Oktober gern noch die relativ späte Sonnenuntergangszeit nutzen wollte.

Jedenfalls erinnere ich mich noch daran, dass es irgendwann zu der Verlegung von Ende September auf Ende Oktober kam. Damals hatte es noch keine mehrheitliche Einstellung der Leute gegen die Zeitumstellung gegeben, und ich glaube, die meisten Menschen fanden diese Verschiebung damals gut.
Die Umstellung auf NORMALZEIT ist im Jahr 1996 von Ende September auf Ende Oktober verschoben worden. Nachzulesen hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Sommerzeit#Deutschland

Grund war die Vereinheitlichung mit der Regelung in Großbritannien, damals hieß es spöttisch, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt, da sich eine doch große Zahl von Staaten anpasste an lediglich ein oder zwei andere Staaten.
Yassakka
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Beitrag von Yassakka »

Hot Doc @ 11 Feb 2021, 18:22 hat geschrieben: Also nochmal zur Klarstellung:

Eine absolute Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich eine Abschaffung der Zeitumstellung.
Eine große Mehrheit dabei die Beibehaltung der Sommerzeit. (Die Stimmen für die Sommerzeit sind doppelt so viel, wie für die Beibehaltung der Winterzeit.)

Alles nachzulesen auf der entsprechenden Seite der EU: Konsultation zur Sommerzeit (ggf. in den entsprechenden Quellen)
Nein, nicht der Bevölkerung, sondern der teilnehmenden Bevölkerung.
Wie hier bereits diskutiert ist das ja ein großer Unterschied.
Cloakmaster
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Beitrag von Cloakmaster »

Die Sommerzeit ging hierzulande auch schon mal von Anfang April bis Anfang November, aber auch schon mal von Ende April bis Anfang Oktober. DA wurde sehr viel dran rumgebastelt.
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Beitrag von Beobachter »

Bei der ganzen Diskussion sollte man nicht außer acht lassen, dass wir z.B. in München bereits mit Normalzeit (!) eine "Sommerzeit" von 14 Minuten haben, d.h. im Jahresschnitt steht die Sonne erst um 12:14 Uhr Normalzeit im Süden.

In Stuttgart sind es 23 Minuten, in Köln 32 Minuten, in Aachen schon 36 Minuten.
Hot Doc
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Beitrag von Hot Doc »

Die Frage ist jetzt nur, wo legst du als "Normalbürger" deine Prioritäten bei der Zeitnutzung?

Und da ist halt in den letzten Jahr(zehnt)en der Trend zu mehr Freizeitorientierung (Stichwort: work-live balance), die überwiegend nach der Arbeit eingeplant ist. Hierbei spielt natürlich eine natürliche Beleuchtung aber auch die Temperatur sehr häufig eine große Rolle. (Spielt mal (Beach-)Volleyball ohne Licht und wenns kalt ist...)

Früher war vielleicht ein Arbeitstag grob von 8 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr normal. Und dann war Hausarbeit etc. angesagt und ab ins Bett. Heute erwarten viele vom Leben nach der Arbeit noch mal einen Höhepunkt im Tag. Von verschiedenen Sportarten über Cafe und Restaurantbesuche bis hin zu Kulturveranstaltungen. Und das nicht nur am Wochenende, sondern mehrfach in der Woche.
D.h. die Mitte des Arbeitstages sollte nicht auf die Mitte des Tages fallen. Und schon ist man sehr deutlich wieder bei einer Regelung wie der Sommerzeit.
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rautatie
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Beitrag von rautatie »

Hot Doc @ 11 Feb 2021, 21:32 hat geschrieben: Früher war vielleicht ein Arbeitstag grob von 8 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr normal. Und dann war Hausarbeit etc. angesagt und ab ins Bett. Heute erwarten viele vom Leben nach der Arbeit noch mal einen Höhepunkt im Tag.
Ich finde das auch eine positive Entwicklung. Die Sommerzeit ermöglicht es eben im Sommerhalbjahr, auch an Werktagen nach Feierabend dem Tag noch eine schöne Gestaltung mit (sportlichen) Aktivitäten, Aufenthalt im Garten oder am See etc. anzufügen. Bei ganzjähriger Winter/Normalzeit landet diese Stunde Tageshelligkeit am sehr frühen Morgen, wo sie wohl nur von wenigen Menschen genutzt werden (sondern vermutlich weitgehend verschlafen) würde. Zumindest für mich würde das tatsächlich den Verlust von einer Stunde Tageshelligkeit bedeuten, obwohl sie natürlich nicht verloren geht, aber ich würde vermutlich nicht um 4 Uhr morgens zu einer kleinen Rad- oder Wandertour starten, so wie ich es normalerweise nach Feierabend mache. Es würde darauf hinauslaufen, dass ich wegen der verkürzten abendlichen Helligkeit auch im Sommer mehr Zeit in Innenräumen und mit reduzierten Aktivitäten im Freien verbringen würde.
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Beitrag von Hot Doc »

2 Fragen:
1. Warum sollte man diesen, von dir wunderbar dargestellten, Vorteil der Sommerzeit nicht auch im Winter nutzen können? Ja, da ist der Vorteil natürlich geringer, da es noch deutlich früher dunkel wird, aber immer noch vorhanden.
2. Warum sprichst du die ganze Zeit von andauernder Winterzeit? Die aktuelle Befragung spricht hier eine eindeutige Sprache, dass die Zeitumstellung abgeschafft und die Sommerzeit belassen werden sollte. (Ich weiß, dass in dem politischen Einigungsprozess auch eine Einigung zur Winterzeit möglich wäre. Wahrscheinlich ist sie nicht.)
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rautatie
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Beitrag von rautatie »

Zu 1:
Der Nachteil im Winter (nicht für mich, aber für viele andere Menschen, soweit ich mitbekommen habe): es wird morgens erst sehr spät hell (im Januar erst nach 9 Uhr). Insbesondere Eltern mit schulpflichtigen Kindern halten das oft für problematisch.

Zu 2:
Ich bin mir nicht sicher, ob sich tatsächlich die ständige Sommerzeit durchsetzen kann (unter anderem wegen der Begründung aus Punkt 1). Außerdem habe ich schon etliche Zeitungsartikel gelesen, in denen sich Mediziner und andere Wissenschaftler gegen eine dauerhafte Sommerzeit aussprechen, da diese angeblich gegen die Natur und gegen die Gesundheit der Menschen wäre (warum genau, konnte ich nicht wirklich nachvollziehen).
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Beitrag von Hot Doc »

rautatie @ 12 Feb 2021, 10:03 hat geschrieben: Zu 1:
Der Nachteil im Winter (nicht für mich, aber für viele andere Menschen, soweit ich mitbekommen habe): es wird morgens erst sehr spät hell (im Januar erst nach 9 Uhr). Insbesondere Eltern mit schulpflichtigen Kindern halten das oft für problematisch.
Ich starte erst um halb neun und habe im Dezember trotz Winterzeit einen dunklen Arbeitsweg. Das Problem tritt also so oder so auf.
Ich bin eher dafür die Schule allgemein später starten zu lassen, was seit langem die Empfehlung von Kinderärzten, Schlafärzten etc. ist. Meinetwegen mit einer Morgenbetreuung oder Schulfrühstück der Kinder, um den berufstätigen Eltern einen normalen Arbeitsbeginn zu ermöglichen.
Zu 2:
Ich bin mir nicht sicher, ob sich tatsächlich die ständige Sommerzeit durchsetzen kann (unter anderem wegen der Begründung aus Punkt 1). Außerdem habe ich schon etliche Zeitungsartikel gelesen, in denen sich Mediziner und andere Wissenschaftler gegen eine dauerhafte Sommerzeit aussprechen, da diese angeblich gegen die Natur und gegen die Gesundheit der Menschen wäre (warum genau, konnte ich nicht wirklich nachvollziehen).
Kann ich tatsächlich auch nicht. Die Begründung ist, dass die innere Uhr versucht sich nach dem Sonnenstand zu richten. So wäre man bei einem früheren Arbeitsbeginn unkonzentrierter und latent müde. Erstens kann (und sollte) in Arbeitsräumen sonnenähnliches Licht installiert sein, um dieses Problem für Büroarbeitsplätze allgemein zu verhindern. Auf der anderen Seite verweise ich auf meine Argumentation weiter oben. Wenn die Mitte des Arbeitstages nicht die Mitte des gesamten Tages ist, muss man das halt berücksichtigen. Die Alternative ist dann, dass ich am Abend zu müde für meine anderen Tätigkeiten bin, die mir evtl. aber sogar wichtiger sind.
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rautatie
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Beitrag von rautatie »

Hot Doc @ 12 Feb 2021, 10:44 hat geschrieben: Die Begründung ist, dass die innere Uhr versucht sich nach dem Sonnenstand zu richten.
Bei mir ist es aber eher so, dass ich tagsüber, wenn die Sonne am Höchststand steht, in der Regel im Büro bin und diesen Höchststand gar nicht mitbekomme. Insofern weiß ich nicht, ob mir dieser Aspekt tatsächlich stärker gesundheitlich schaden kann, als wenn ich abends wegen relativ früher Dunkelheit weniger aktiv bin und mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringe.
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Beitrag von mapic »

Hinkt die innere Uhr der meisten Leute nicht sowieso dem Sonnenstand hinterher? Wenn wir uns wirklich nach dem Sonnenstand richten würden, dann müsste doch um Mitternacht (nach Sonnenstand) die Mitte unseres Schlafes sein. Gehen wir mal vom 8 Stunden "Normschlaf" aus. Im Sommer vergehen bei uns zwischen Sonnenuntergang und -aufgang auch ziemlich genau 8 Stunden. Das passt also ganz gut. Bei Normalzeit entspricht Mitternacht (Uhrzeit) auch ungefähr Mitternacht (Sonnenstand). Das heißt, wir müssten also bei Normalzeit um 20 Uhr ins Bett gehen und um 4 Uhr wieder aufstehen. Das ist für den Durchschnitt der Bevölkerung sicherlich deutlich zu früh. Bei der heutigen Sommerzeit müssten wir von 21 bis 5 Uhr schlafen. Das geht schon mal eher in die richtige Richtung. Wenn wir jetzt sogar noch eine weitere Stunde verschieben würden, dann wären wir bei 22-6 Uhr. Da dürften wir uns dem Durchschnitt schon eher annähern.
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