Rhätische Bahn

Alles rund um die Eisenbahnen außerhalb von Deutschland
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Beitrag von TramBahnFreak »

„Servus mitnand“ und „Hoi zäma“!

Manch einer hat es bestimmt schon mitbekommen: den TramBahnFreak hat es vor einigen Monaten in eine gänzlich TramBahnFreie Gegend verschlagen: nach Graubünden.

Und weil es da eisenbahn- und verkehrstechnisch durchaus interessant zugeht, werde ich versuchen, in diesem Thema alles Wichtige / Interessante / Wissenswerte / Neue / Spannende / ... bezüglich des hiesigen Haupt-Verkehrsträgers zusammenzustellen.

Gleichzeitig freue ich mich natürlich, wenn andere auch dazu beitragen, dieses Thema zu befüllen.
Und selbstverständlich sind auch Fragen aller Art jederzeit willkommen. :)

Viele Grüsse aus GR und bis demnächst. B-)
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Beitrag von 146225 »

Salve,

e perchè in Grigione l' Italiano è una lingua ufficiale, posso dire: mi piace! :)

(Für die des Italienischen (eine der offiziellen Sprachen im Kanton Graubünden) nicht mächtigen: ich begrüße das neue Thema freudig, oder, um im deutschschweizer Idiom zu bleiben: S'isch mega!)
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Beitrag von TramBahnFreak »

Das freut mich! :)

(Jetzt fehlt deine Aussage nur noch auf Romanisch - da muss ich allerdings noch mehr passen als beim Italienischen. Trotz 8 Jahren mehr oder weniger erfolgreichen Latein-Unterrichts... B-) )
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Beitrag von 146225 »

Rumantsch (außer "Allegra!") kann ich auch nicht, mi spiace. ;)
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Beitrag von TramBahnFreak »

Zum Beginn möchte ich den Leser(inne)n einen kleinen Überblick über das von der RhB bediente Netz verschaffen.

Seit der 1997 erfolgten Um-Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Arosa auf das RhB-typische Wechselstrom-System, lässt sich das Netz der Rhätischen Bahn in zwei Teile unterteilen:
- Stammnetz
- Berninabahn

Ersterer ist mit 11 kV Wechselstrom elektrifiziert, zweiterer mit 1000 V Gleichstrom.

Ausserdem unterscheiden sich die beiden Streckennetze in der maximalen Steigung:
Während im Stammnetz maximal 45%o vorkommen (Chur-Arosa bis zu 60%o), findet man auf der Bernina-Linie Steigungen und Gefälle von bis zu 70%o - selbstverständlich ohne Zahnstange oder sonstige Hilfsmittel.


Das Stammnetz umfasst alle Strecken im Rheintal und im Inntal, das heisst in folgenden Talschaften:
- Churer Rheintal
- Surselva
- Schanfigg
- Prättigau
- Albulatal
- Landwassertal
- Engadin (Ober- und Unterengadin)

Die Berninalinie hingegen bildet die Hauptverkehrsader im Valposchiavo und die Verbindung ins Oberengadin.


Somit ergibt sich folgende Aufteilung der betriebenen Strecken:

Stammnetz:
- Landquart - Klosters - Vereina - Saglians - Scoul-Tarasp
- (Landquart -) Klosters - Davos - Filisur
- Landquart - Chur - Reichenau-Tamins - Disentis/Mustér (Übergang zur MGB)
- (Chur -) Reichenau-Tamins - Filisur - Bever - Samedan - St. Moritz
- (Scuol-Tarasp -) Saglians - Susch - Bever - Samedan - Pontresina
- (Landquart -) Vereina - Susch (- St. Moritz)
- Chur - Arosa

Bernina:
- St. Moritz - Pontresina - Berninapass - Poschiavo - Tirano


Betriebsmittelpunkt des Stammnetzes ist der Ort Landquart - an sich klein und unbedeutend, als Verkehrsknoten für den gesamten Kanton nicht wegzudenken.


Eine grafische Übersicht über das Streckennetz und die betriebenen Linien ist auch auf der Website der RhB zu finden. :)
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Beitrag von Trapeztafelfanatiker »

Interessant ist ja, dass man finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist und auch schon oft zum Sparen angehalten war, inkl. auch Entlassungen. An der Infrastruktur wurde scheinbar aber nie gespart, denn es scheint sehr sehr viele Kreuzungsbahnhöfe zu geben, die zwar im Regelfall vielleicht nicht genutzt werden, aber z. B. bei Verspätungen helfen das nicht aufzuschaukeln.

Was ich ärgerlich finde, dass man scheinbar nie ernsthaft geplant hat, die Misoxerbahn mit dem RhB-Stammnetz zu verbinden. Das hätte doch auch Potential. Eine Linie Bellinzona - Chur. Da klafft heute eine Lücke und man überlässt den San Bernardino der Gummikonkurrenz (und damit meine ich nicht PostAuto, die sind eine gute Ergänzung nach typisch schweizer Art).
Daher verstehe ich nicht wieso es keine Pläne mehr gibt.

Richtung Südtirol und auch evtl. gen Landeck gibt es ja Planungen, die Strecke von Scuol-Tarasp zu verlängern.
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Beitrag von Trapeztafelfanatiker »

Ich habe mich, dank dieses Beitrages, mal wieder etwas mit der RhB befasst.

Schön ist ja, dass die Infrastruktur auch dort verbessert wird, wo die größten Verspätungsfallen sind und z. B. Bever - Samedan zweigleisig ausgebaut wird.
Aus meinen Erfahrungen sind ja die wenigen Züge der RhB auf die Minute pünktlich, wohl auch aufgrund der Eingleisigkeit und dem Abwarten der Anschlüsse. Es schaukelt sich aber aufgrund der vielen Kreuzungsbahnhöfe nie wirklich groß auf (was ja bei der DB Netz-Infrastuktur dann schnell zu einer Verdoppelung und mehr führt).

Ich habe eine interessante Studie gefunden, die schon etwas älter ist. Es wäre schön und gut, wenn davon wirklich noch was umgesetzt würde um das Netz zu beschleunigen, aber auch um neue Orte anzubinden. Leider befürchte ich (da 2001), dass da von diesen Projekten nichts umgesetzt wird, obwohl das bei den niedrigen Geschwindigkeiten des Netzes durchaus wichtig wäre im Vergleich zum MIV, wenn auch durch die 80 der Abstand nicht ganz so groß ist (aber Umfahrungstunnel usw. beschleunigen da massiv).
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Beitrag von guru61 »

Trapeztafelfanatiker @ 29 Sep 2018, 23:08 hat geschrieben: Was ich ärgerlich finde, dass man scheinbar nie ernsthaft geplant hat, die Misoxerbahn mit dem RhB-Stammnetz zu verbinden. Das hätte doch auch Potential. Eine Linie Bellinzona - Chur. Da klafft heute eine Lücke und man überlässt den San Bernardino der Gummikonkurrenz (und damit meine ich nicht PostAuto, die sind eine gute Ergänzung nach typisch schweizer Art).
Daher verstehe ich nicht wieso es keine Pläne mehr gibt.

Richtung Südtirol und auch evtl. gen Landeck gibt es ja Planungen, die Strecke von Scuol-Tarasp zu verlängern.
Hallo
Die Misoxerbahn war damals über den San Berardino geplant. Wie auch die Verlängerung vom St. Moritz nach Chiavenna und von Schuls nach Landeck.
Rat mal, was dazwischen gekommen ist?
Und nachher war Europa so demoliert, dass für alles kein Geld mehr vorhanden war!
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Beitrag von Trapeztafelfanatiker »

guru61 @ 1 Oct 2018, 12:22 hat geschrieben: Hallo
Die Misoxerbahn war damals über den San Berardino geplant. Wie auch die Verlängerung vom St. Moritz nach Chiavenna und von Schuls nach Landeck.
Rat mal, was dazwischen gekommen ist?
Und nachher war Europa so demoliert, dass für alles kein Geld mehr vorhanden war!
Gruss Guru
Hallo,

mir sind die Planungen ja bekannt und welche zwei schrecklichen Ereignisse das verhindert haben.

Es ging um Planungen in der jüngeren Vergangenheit. Die Misoxerbahn wurde ja erst vor wenigen Jahren endgültig gekillt. Wieso hat man sich die Option nicht ofengehalten dort einen Bernardinotunnel zu bauen?

Von St. Moritz gibt es ja in dem PDF von 2001 Verlängerungsideen, da der MIV in dem Tal sehr hoch ist, aber man hört auch nichts mehr davon.

Scuol - Mals bzw. Landeck hört man wenigstens immer wieder was, aber richtig konkret ist da auch nichts.
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Beitrag von mapic »

Ist die Verlängerung von St Moritz in Richtung Maloja eigentlich nach dem Neubau des Bahnhofs überhaupt noch so einfach möglich, oder hat man diese Überlegungen mit dem Umbau sowieso beerdigt?
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Beitrag von guru61 »

Trapeztafelfanatiker @ 1 Oct 2018, 12:45 hat geschrieben:
guru61 @ 1 Oct 2018, 12:22 hat geschrieben: Hallo
Die Misoxerbahn war damals über den San Berardino geplant. Wie auch die Verlängerung vom St. Moritz nach Chiavenna und von Schuls nach Landeck.
Rat mal, was dazwischen gekommen ist?
Und nachher war Europa so demoliert, dass für alles kein Geld mehr vorhanden war!
Gruss Guru
Hallo,

mir sind die Planungen ja bekannt und welche zwei schrecklichen Ereignisse das verhindert haben.

Es ging um Planungen in der jüngeren Vergangenheit. Die Misoxerbahn wurde ja erst vor wenigen Jahren endgültig gekillt. Wieso hat man sich die Option nicht ofengehalten dort einen Bernardinotunnel zu bauen?

Von St. Moritz gibt es ja in dem PDF von 2001 Verlängerungsideen, da der MIV in dem Tal sehr hoch ist, aber man hört auch nichts mehr davon.

Scuol - Mals bzw. Landeck hört man wenigstens immer wieder was, aber richtig konkret ist da auch nichts.

Die Misoxerbahn war seit 1977 im oberen Teil eingestellt, wegen Unwetterschäden.
Der Todesstoss war aber der Strassentunnel.
Mit der Postautoverbindung nach Bellenz, ist die Misoxerlinie oder eine Verlängerung dafür tot.

Punktum Mals: Diese Zahlen sind absolut nicht seriös:
Da bahnt sich ein S21 Debakel an:
Bau Vereinalinie: 19 Km Tunnel und Zufahrten kosteten 1991 - 1997 über 800 Millionen Franken:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinatunnel
Der Bau des Tunnels kostete 812 Millionen Schweizer Franken, 538 Millionen waren 1985 bewilligt worden.
Nun, 20 Jahre später sollen 22km Tunnel und 16 km Bahnlinie (Von der Linie Grenze - Scuol mal nicht zu sprechen) für 1.1 Milliarden zu haben sein?

Da sag ich nur eines: Der Planer sollte sofort der Kesb gemeldet werden, denn zurechnungsfähig ist der mit Sicherheit nicht!

St Moritz wird, oder ist umgebaut: Der Bahnhof wird in einen echten Kopfbahnhof umgebaut. Die seit der Eröffnung mögliche Weiterführung ist obsolet.
Irgendwelche Träumer träumen immer wieder vom solchen Lösungen.
Diese Zeiten sind leider vorbei.
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Beitrag von Trapeztafelfanatiker »

mapic @ 1 Oct 2018, 12:50 hat geschrieben: Ist die Verlängerung von St Moritz in Richtung Maloja eigentlich nach dem Neubau des Bahnhofs überhaupt noch so einfach möglich, oder hat man diese Überlegungen mit dem Umbau sowieso beerdigt?
Also im kantonalen Richtplan sind diese Projekte enthalten. Allerdings natürlich nur bis maximal Sils.

Kantonaler Richtplan

Jedoch auch mit dem Verweis auf eine bloße Planung.
guru61 hat geschrieben: Die Misoxerbahn war seit 1977 im oberen Teil eingestellt, wegen Unwetterschäden.
Der Todesstoss war aber der Strassentunnel.
Mit der Postautoverbindung nach Bellenz, ist die Misoxerlinie oder eine Verlängerung dafür tot.
Warum sollte da nicht ein Bahntunnel und eine besser trassierte Misoxerbahn möglich sein, wenn man wollen würde? Der Verkehr über den Bernardino ist eine Katastrophe und mehr als bedenklich. Vor einem möglichen weiteren Ausbau wäre das die Alternative.
guru61 hat geschrieben: Punktum Mals: Diese Zahlen sind absolut nicht seriös:
Da bahnt sich ein S21 Debakel an:
Bau Vereinalinie: 19 Km Tunnel und Zufahrten kosteten 1991 - 1997 über 800 Millionen Franken:
Na und? Infrastruktur kostet eben. Ein Straßenausbau kostet auch und z. B. die Umfahrung Klosters war doch auch nicht umsonst oder? Nur so als Beispiel dass beim Straßenbau die Kosten scheinbar keine Rolle spielen.

Hier überlässt man dem MIV das Feld, denn die Busverbindung ist doch keine ernsthafte Alternative.
guru61 hat geschrieben: St Moritz wird, oder ist umgebaut: Der Bahnhof wird in einen echten Kopfbahnhof umgebaut. Die seit der Eröffnung mögliche Weiterführung ist obsolet.
Irgendwelche Träumer träumen immer wieder vom solchen Lösungen.
Diese Zeiten sind leider vorbei.
Wieso sollen das Träumer sein? Im kontonalen Richtplan steht es noch drin.
Da steht auch drin, dass hinter St. Moritz der MIV viel zu stark ist und der Busverkehr keine Alternative. Die MIV-Quote ist im kantonalen Vergleich überdurchschnittlich hoch.
Also lieber für Milliarden neue Umgehungsstraßen und Tunnel bauen?
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Beitrag von guru61 »

Also im kantonalen Richtplan sind diese Projekte enthalten. Allerdings natürlich nur bis maximal Sils.
Kantonaler Richtplan
Jedoch auch mit dem Verweis auf eine bloße Planung.
Nun, ein kantonaler Richtplan ist erst eine Wunschliste. Das regelt lediglich die Baulinien, die freigehalten werden müssen, dass allenfalls was gebaut werden kann.
Beispiel Zürich: Nach dem kantonalen Richtplan müsste das ganze Quartier Nordwärts der Langstrasse abgerissen werden, denn die Baulinien liegen im kantonalen Richtplan wesentlich hinter den Gebäuden. Und das schon seit 50 Jahren.

Warum sollte da nicht ein Bahntunnel und eine besser trassierte Misoxerbahn möglich sein, wenn man wollen würde? Der Verkehr über den Bernardino ist eine Katastrophe und mehr als bedenklich. Vor einem möglichen weiteren Ausbau wäre das die Alternative.
Das steht ja nicht mal im kantonalen Richtplan :-)
Schau dir die Gegend bei der Misoxerbahn im oberen Teilstück an: Man hat nicht umsonst nur bis Mesocco gebaut. Weiter oben wäre eine Entwicklung a la Berninabahn oder Zahnradbetrieb nötig geworden. mit allen Einschränkungen, wie Steigung und Geschwindigkeit.
Na und? Infrastruktur kostet eben. Ein Straßenausbau kostet auch und z. B. die Umfahrung Klosters war doch auch nicht umsonst oder? Nur so als Beispiel dass beim Straßenbau die Kosten scheinbar keine Rolle spielen.

Hier überlässt man dem MIV das Feld, denn die Busverbindung ist doch keine ernsthafte Alternative.
Eine Bahn erst Recht nicht für 1511 Einwohner. :-)
https://de.wikipedia.org/wiki/Val_M%C3%BCstair
Abgesehen davon erschliesst der Bus den Nationalpark, ein excellentes Wandergebiet. Das heisst, man müsste den Bus auch fahren lassen.
Mag sein, dass Infrastruktur eben kostet: Aber diese müsste mindestens durch eine Volksabstimmung. Im Gegensatz zu Deutschland, würde die Vorlage sehr genau angeschaut und diskutiert. Seit dem Furkadebakel ist man vorsichtig geworden. Abgesehen davon, Wer zahlt die Defizite?

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Beitrag von mapic »

Trapeztafelfanatiker @ 1 Oct 2018, 22:46 hat geschrieben: Wieso sollen das Träumer sein? Im kontonalen Richtplan steht es noch drin.
Da steht auch drin, dass hinter St. Moritz der MIV viel zu stark ist und der Busverkehr keine Alternative. Die MIV-Quote ist im kantonalen Vergleich überdurchschnittlich hoch.
Ja, aber es gibt nun mal auch den Plan, den Bahnhof St Moritz zum Kopfbahnhof umzubauen. Und im Gegensatz zu dem Richtplan ist der bereits Realität geworden. Bis jetzt ist die frei gewordene Fläche noch nicht bebaut und auch die Brücke mit dem angedeuteten Tunnelportal für die Weiterführung der Strecke existiert soweit ich weiß noch. Aber ich weiß jetzt nicht, was mit diesen Flächen und der Brücke geplant ist. Wenn alles so bleibt wie es jetzt ist, dann ist eine Verlängerung der Strecke durchaus noch möglich. Wenn man aber vor hat, die Flächen zu bebauen, dann wars das wohl...
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Beitrag von Trapeztafelfanatiker »

guru61 @ 2 Oct 2018, 12:22 hat geschrieben: Das steht ja nicht mal im kantonalen Richtplan :-)
Schau dir die Gegend bei der Misoxerbahn im oberen Teilstück an: Man hat nicht umsonst nur bis Mesocco gebaut. Weiter oben wäre eine Entwicklung a la Berninabahn oder Zahnradbetrieb nötig geworden. mit allen Einschränkungen, wie Steigung und Geschwindigkeit.
Es ging mir ja um einen Basistunnel (natürlich am besten in Normalspur). Klar ist das teuer und eher unrealistisch, aber Chur - Italien wird vollends dem Busverkehr mit dem grünen F und anderen überlassen.

Wäre der Vereinatunnel nicht gebaut, ich glaube den würdest du auch zerreden oder?

Natürlich ist der Ausbau des Bestandsnetzes wichtiger, z. B. dieser Tunnel Klosters Richtung Davos, um diese Strecke zu beschleunigen, so wie man den MIV auch mit horrenden Kosten wie Umfahrung Klosters beschleunigt hat. Hier kommt ja hinzu, dass die Strecke eh zur Sanierung ansteht und der Neubau langfristig wahrscheinlich sogar wirtschaftlicher ist.
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Beitrag von TramBahnFreak »

St. Moritz ist mittlerweile ein klassischer Kopfbahnhof und die hinter dem heutigen Querbahnsteig liegende Fläche beherbergt ein Café.


Der Strassenverkehr in der ganzen Gegend ist allerdings nicht mehr angenehm - u d da schliesse ich den ÖV durchaus mit ein.
Mal abgesehen davon, dass ich selten etwas so unübersichtliches wie den Linien- und Fahrplan vom EngadinBus gesehen habe - wo die ihre (vollen bis überfüllten) Gelenkbusse durchprügeln ist nichtgesund...
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Beitrag von 146225 »

Trapeztafelfanatiker @ 2 Oct 2018, 12:40 hat geschrieben: Es ging mir ja um einen Basistunnel (natürlich am besten in Normalspur). Klar ist das teuer und eher unrealistisch, aber Chur - Italien wird vollends dem Busverkehr mit dem grünen F und anderen überlassen.
Nicht zwingend, ist ja nicht wie in Deutschland, wo du Stückwerk im Tarif hast - also eine durchgehende Fahrkarte Chur (eventuell sogar mit Vorlauf SBB oder RhB) - Eilpost / corso diretto via San Bernadino - Bellinzona - Ziele im Tessin sollte auf jeden Fall funktionieren, (natürlich auch zivilisierte Selbstverständlichkeiten wie Halbtax oder GA), beim grenzüberschreitenden Verkehr mit Italien könnte es zugegebenermaßen schwieriger sein, im Zweifelsfall würde ich es an der Grenze brechen. Ma fra il Ticino e la Lombardia i biglietti trasfrontarlieri TILO sono piu facile - im grenzüberschreitenden Verkehr Tessin/Lombardei sind dagegen wieder grenzüberschreitende Fahrkarten höchst simpler Alltag.

Darüber hinaus verkehrt das Postauto im Gegensatz zum verflixten Bus halt auch öfter als 3x in der Woche oder so (Fahrplanfeld 90.171). Und im innerschweizer Verkehr sollte der verflixte Bus ohnehin besser nicht mehr gegen geltendes Recht befördern, sonst könnte die nächste Busse höher ausfallen.

Dann haben wir da wirklich noch die Frage: wie groß sind die Verkehrsströme Chur <-> Tessin (-Italien) dann wirklich und aus welchem Grund? Graubünden ist ja nicht unbedingt bei den bevölkerungsstärksten Kantonen der Schweiz (ist es auch zu wellig für). Welche Zielgruppe willst du ansprechen? Wer nicht direkt aus Graubünden kommt, sondern aus anderen Teilen der (Süd-)Ostschweiz kann allemal via Arth-Goldau und GBT fahren, wechselseitige Anschlüsse sind ja gegeben. Touris? Schick sie entweder via Albula, Bernina und Tirano nach Milano oder via Rheinschlucht - Andermatt - Schöllenenbahn - Göschenen - Gotthard-Bergstrecke - Bellinzona, da wird sich bei der Landschaft jemand der im Urlaub ist, nur selten dagegen wehren. Was bleibt also noch?

Nicht missverstehen: Die Idee ist reizvoll, ich würde - so wie ich bekanntermaßen vieles andere auf Schweizerboden schon gemacht habe - auch mit dem Zug statt mit einem Bus sotto o sopra il San Bernadino fahren, naturalmente. Aber ich fürchte fast, es gibt selbst dort noch andere Dinge, die "vorher" erledigt werden müssen.
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Beitrag von TramBahnFreak »

Der verflixte Bus befördert doch mittlerweile auch legal innerschweizerisch... <_<
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Beitrag von guru61 »

Trapeztafelfanatiker @ 2 Oct 2018, 13:40 hat geschrieben:
Wäre der Vereinatunnel nicht gebaut, ich glaube den würdest du auch zerreden oder?
Hallo
Der Vereinatunnel war eine Lösung, die ich befürwortete: Die Alternative wäre gewesen, die Flüelastrasse auszubauen. Das war der Deal: Nichtausbau der Flüelastrasse dafür der Bahntunnel.
Trapeztafelfanatiker @ 2 Oct 2018, 13:40 hat geschrieben:
Natürlich ist der Ausbau des Bestandsnetzes wichtiger, z. B. dieser Tunnel Klosters Richtung Davos, um diese Strecke zu beschleunigen, so wie man den MIV auch mit horrenden Kosten wie Umfahrung Klosters beschleunigt hat. Hier kommt ja hinzu, dass die Strecke eh zur Sanierung ansteht und der Neubau langfristig wahrscheinlich sogar wirtschaftlicher ist.
Nun, dann kannst du dich mal hier schlau machen:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltu...20RhB%C2%BB.pdf
Interessant ist die Tabelle auf Seite 18, betreffend der Kosten nach Sils:
2004, kam man für einen 5.35km langen Einspurtunnel auf Kosten von 214 Millionen. ein einfacher Dreisatz genügt, um für 22 km Tunnel, mit 880 Millonen zu rechnen.
OHNE!! Die Komlexität der Logistik und der Geologischen Probleme zu berücksichtigen, die mit der Länge eines Tunnel wachsen werden.
Rechnen wir nach dieser Tabelle weiter: 16km Schuls- Martina Grenze: 7.5 mio, als Mischung zwischen normalen und schwierigen Verhältnissen, gibt nochmals 120 Mio.
Münster Glurns, wo der nächste Anschluss ist, sind nochmals 16 km. Somit nochmals 120 Mio, geringgerechnet! Dann ein Bahnhof Münster, mit 10 Mio, ergibt eine geringerechnete Gesamtinverstition nach Preisbasis 2004 von 880+120+120+10= 1.13 Mia Franken.
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Beitrag von guru61 »

guru61 @ 3 Oct 2018, 07:50 hat geschrieben: …..ergibt eine geringerechnete Gesamtinverstition nach Preisbasis 2004 von 880+120+120+10= 1.13 Mia Franken.
Hier in dieser Tabelle sind noch die Baukostenindexe für Bahnen:
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statis...il.5486546.html
2004 betrug der Index 111.7, Heute, 132.0
Rechnen wir also:
1130 Mio / 111.7 * 132= 1330 Millionen Franken.

Somit sind die Angaben am Anfang dieses Threads, reine Fantasiezahlen, wenigstens für den Schweizer Teil
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Beitrag von mapic »

Übrigens, ganz aktuell: Gestern erfolgte der Durchstich des neuen Albulatunnels.
https://www.suedostschweiz.ch/albulatunnel
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Beitrag von Trapeztafelfanatiker »

guru61 @ 3 Oct 2018, 07:50 hat geschrieben: 2004, kam man für einen 5.35km langen Einspurtunnel auf Kosten von 214 Millionen. ein einfacher Dreisatz genügt, um für 22 km Tunnel, mit 880 Millonen zu rechnen.
OHNE!! Die Komlexität der Logistik und der Geologischen Probleme zu berücksichtigen, die mit der Länge eines Tunnel wachsen werden.
Rechnen wir nach dieser Tabelle weiter: 16km Schuls- Martina Grenze: 7.5 mio, als Mischung zwischen normalen und schwierigen Verhältnissen, gibt nochmals 120 Mio.
Münster Glurns, wo der nächste Anschluss ist, sind nochmals 16 km. Somit nochmals 120 Mio, geringgerechnet! Dann ein Bahnhof Münster, mit 10 Mio, ergibt eine geringerechnete Gesamtinverstition nach Preisbasis 2004 von 880+120+120+10= 1.13 Mia Franken.
Richtung Mals und Landeck ist doch jetzt eher nicht prioritär würde ich sagen und auch das Tal hinter St. Moritz hat wenig Bedeutung.

Der Tunnel Chur - Tiefencastel/Alvaneu wurde ja schon am Ende der Studie für unrealistisch betrachtet und abgeraten.

Als sinnvoll wurde aber die Verbindung Chur - Arosa - Davos betrachtet und damit könnte man die Verbindung massiv beschleunigen. Ich hoffe dieses Projekt wird irgendwann umgesetzt (am besten ohne Einstellung Davos - Klosters im Gegenzug).
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Beitrag von TramBahnFreak »

Mit den Geschwindigkeiten auf der heutigen Strecke nach Arosa lässt sich aber kein Blumentopf gewinnen.

Und das Oberengadin / Bergell hinter St. Moritz mag zwar klein und unbedeutend wirken - touristisch hat es ein immenses Mobilitäts-Aufkommen.
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Beitrag von Trapeztafelfanatiker »

TramBahnFreak @ 3 Oct 2018, 13:39 hat geschrieben: Mit den Geschwindigkeiten auf der heutigen Strecke nach Arosa lässt sich aber kein Blumentopf gewinnen.

Und das Oberengadin / Bergell hinter St. Moritz mag zwar klein und unbedeutend wirken - touristisch hat es ein immenses Mobilitäts-Aufkommen.
Du hast schon recht mit dem Aufkommen, aber das Aufkommen des Prättigau ist doch um einiges höher, muss man fairerweise sagen.

Richtig, die heutige Arosastrecke ist nicht zeitgemäß. Daher gibt es ja auch das Projekt der zwei Tunnel, die man zudem auch in zwei Schritten umsetzen könnte. Davos - Langwies und Chur - Langwies.

Die Fahrzeit Chur - Davos würde auf 34 Minuten sinken und damit unschlagbar gegenüber dem MIV. Heute ist die Fahrzeit doch jenseits von gut und böse.
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Beitrag von TramBahnFreak »

Von Chur nach Davos sind es mit 1 1/2 Stunden gegenüber einer mit dem Auto zwar recht viel - fairerweise muss man aber auch sehen, dass ein durchaus beträchtlicher Teil der Fahrgäste aus Richtung Sargans kommend in Landquart umsteigt.

Und ob der reine Ziel- und Quellverkehr von Davos einen solch gravierenden Neubau rechtfertigt, bin ich mir tatsächlich nicht so sicher...
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Beitrag von TramBahnFreak »

TramBahnFreak @ 2 Oct 2018, 14:27 hat geschrieben: St. Moritz ist mittlerweile ein klassischer Kopfbahnhof und die hinter dem heutigen Querbahnsteig liegende Fläche beherbergt ein Café.
Vorhin nochmal angeschaut:
Die Brücke mit dem angedeuteten Tunnelmund (ohne Tunnel) in Richtung Ort und weiter Inn-aufwärts existiert noch - mit der dahinterstehenden Tiefgarage dürfte eine Streckenverlängerumng in diese Richtung aber gleich ein recht abenteuerliches Unterfangen werden...
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Beitrag von 146225 »

"Sora Giuvna" ist fertig und betriebsbereit.
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Beitrag von rautatie »

146225 @ 25 Sep 2018, 22:58 hat geschrieben: Rumantsch (außer "Allegra!") kann ich auch nicht, mi spiace. ;)
Ich weiß noch was. Man hört es auf den Streckenabschnitten der RhB, die durch rätisches Sprachgebiet führen:

"Fermeda sün dumanda". Es bedeutet "Halt auf Verlangen".
Wo ist das Problem?
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Beitrag von TramBahnFreak »

Überraschende Schneefälle gibt es übrigens auch mitten in den Alpen:

Vergangenen Sonntag war zu Betriebsbeginn weit mehr als die Hälfte des RhB-Netzes witterungsbedingt lahmgelegt.
Zu unter dem Gewicht des extrem wässrigen Schnees zusammenbrechenden Bäumen, die dann gerne mal in Richtung Bahnstrecke fallen, kam im Albulatal noch akute Lawinengefahr hinzu.
Interessanterweise war die Bernina-Strecke nahezu gar nicht betroffen.

Und im Laufe des Nachmittags war dann auch überall der Betrieb wieder planmässig am Rollen... :)
mapic
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Beitrag von mapic »

Jetzt hat es auch die Schweiz getroffen mit größeren Neuschneemengen innerhalb eines kürzeren Zeitraums. Und schon ruht der Verkehr auf zahlreichen Streckenabschnitten der Graubündner Vorzeigebahn. Und das obwohl uns doch im BOB-Thema erklärt wurde, dass dort auch bei Eis und Schnee immer zuverlässig gefahren wird... ;)
Gut, ich bin mir sicher, dass man die Strecken dort wesentlich schneller wieder frei bekommen wird als bei uns, aber Wunder kann man eben auch nicht vollbringen.

Medienberichte:
https://www.suedostschweiz.ch/ereignisse/20...-weissen-pracht
https://www.suedostschweiz.ch/ereignisse/20...genden-strecken

Webcambild Filisur gestern Abend: https://www.schmalspurbahn.ch/filisur/archi...13214018013.jpg
und heute Morgen: https://www.schmalspurbahn.ch/filisur/camer...14082223666.jpg

Gründe für die Sperrungen sind Lawinengefahr, Lawinenabgänge, umgestürzte Bäume auf den Gleisen oder einfach nur "Unwetter".
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