Platooning von Bussen

Strecken, Fahrzeuge und Technik von Bussen
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eightyeight
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Beitrag von eightyeight »

Hi zusammen,

ich hab noch kein Thema dazu gefunden. Anscheinend plant die MVG in Zukunft Busse elektronisch miteinander zu koppeln. Also bei Bedarf ein Zugfahrzeug zum Anhänger zu machen. Bin gespannt wie lang das bis zum Serieneinsatz braucht. Vll. interessierst den ein oder anderen.
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Valentin
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Beitrag von Valentin »

eightyeight @ 3 Jun 2021, 21:37 hat geschrieben:Hi zusammen,

ich hab noch kein Thema dazu gefunden. Anscheinend plant die MVG in Zukunft Busse elektronisch miteinander zu koppeln. Also bei Bedarf ein Zugfahrzeug zum Anhänger zu machen. Bin gespannt wie lang das bis zum Serieneinsatz braucht. Vll. interessierst den ein oder anderen.
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Was ist hier der Vorteil zum heutigen Anhängerbetrieb?

Oder sind keine (gemäß Stadtratsbeschluß einzig noch zulässigen) Elektrobusse für Anhängerbetrieb aufzutreiben?
Einen gezogenen Anhänger durch einen selbstfahrenen Bus zu ersetzen, ist doch extremste Verschwendung von schon heute fehlenden Geld. :huh:
Bei Realisierung vermutlich Fahrbetrieb ohne verbindende Deichsel, aber mit von der Regierung von Oberbayern vorgeschriebenen verbindenden Gurtbändern, um Fahrgäste vom passieren des Zwischenraumes zwischen den Fahrzeugen abzuhalten.:lol:


Um 2 Linien zu einem Buszug zu verknüpfen, erfordert dochsicherlich lange Fahrzeitreserven für die Fahrplanstabilität an den Koppelhaltestellen?
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Rohrbacher
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Beitrag von Rohrbacher »

Im Prinzip ja, weil der "Anhänger" sich dann selbst mit eigener Energie fortbewegen kann und man den "Anhänger" bei Bedarf auch Solo als Bus verwenden kann. Aber wenn sich daraus schon beim Lkw "kein Geschäftsmodell für den Kunden ergeben" haben soll, könnt's sein, dass hier einfach wieder jemand auf Teufel komm raus einen kommerziellen Anwendungsfall für irgendwas sucht, was technisch geht, aber eigentlich mal wieder keiner braucht. :ph34r:

Das einfachste wäre vielleicht, wenn die Anhänger auch einen Akku hätten mit der Energie, die im Hängerbetrieb zusätzlich verbraucht wird. Dann stöpselt man die im Anhängerbetrieb (mit Stahldeichsel und Absperrband) nur am Zugfahrzeug an. Fast wie eine Powerbank. :D
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TramBahnFreak
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Beitrag von TramBahnFreak »

In Osteuropa hat man das doch schon vor 20 Jahren mit O-Bussen praktiziert?
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Jean
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Beitrag von Jean »

Na ja...wenn man weiterhin Personal sparen will... :rolleyes: Wäre da aber nicht ein Anhänger mit eigenem Motor nicht sinnvoller?

Den Vergleich mit dem LKW verstehe ich nicht. Wenn die Zugmaschine stark genug ist brauchst du keine zwei...wird aber sehr wohl in anderen Ländern praktiziert!
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Elch
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Beitrag von Elch »

Jean @ 4 Jun 2021, 07:17 hat geschrieben:[...]
Den Vergleich mit dem LKW verstehe ich nicht. Wenn die Zugmaschine stark genug ist brauchst du keine zwei...wird aber sehr wohl in anderen Ländern praktiziert!
Dem stehen in Europa maximal zulässige Fahrzeuglängen von Einzelfahrzeugen entgegen. Darauf sind die Längen von z.B. Abbiegespuren, Pannenbuchten, etc. ausgelegt.
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Beitrag von Tram-Bahni »

Valentin @ 3 Jun 2021, 23:53 hat geschrieben: (gemäß Stadtratsbeschluß einzig noch zulässigen)
Welcher Beschluß des Stadtrats besagt das?
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Jean
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Beitrag von Jean »

Tram-Bahni @ 4 Jun 2021, 09:28 hat geschrieben: Welcher Beschluß des Stadtrats besagt das?
Wüsste ich auch gerne. Ich habe eher im Hinterkopf, dass die Elektrobusse nicht traktionsfähig sind, weil nicht stark genug. Da würde es durchaus "Sinn" ergeben wenn man die gleiche Kapazität haben will wie bei einem Buszug auf Traktion zu setzen...
Mein Vorschlag: gleiche Entwicklung wie bei der Trambahn: die eine Busfahrerkabine abbauen, dafür ein Gelenk einbauen. :P
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Iarn
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Beitrag von Iarn »

Valentin @ 3 Jun 2021, 23:53 hat geschrieben:Bei Realisierung vermutlich Fahrbetrieb ohne verbindende Deichsel, aber mit von der Regierung von Oberbayern vorgeschriebenen verbindenden Gurtbändern, um Fahrgäste vom passieren des Zwischenraumes zwischen den Fahrzeugen abzuhalten.:lol: 
Tatsächlich wäre ich hier inhaltlich eher auf der Seite der Regierung von Oberbayern. Da der zweite Bus keinen Fahrer hat, ist das verhindert, dass sich Fußgänger zwischen beider Busse quetschen, eine große Herausforderung. Bei der Deichsel war das Flatterband eher Symbolik da die Deichsel ein doch ziemlich offensichtliches Hinderniss darstellt.
Bei zwei Einzelbussen sehe ich durchaus eine Gefahr das ein Fußgänger den Zwischenraum betritt in der irrigen Annahme, dass ihn der vermeintlich zweit Busfahrer ja "sehen müsste".
Rohrbacher @ 4 Jun 2021, 01:39 hat geschrieben:Im Prinzip ja, weil der "Anhänger" sich dann selbst mit eigener Energie fortbewegen kann und man den "Anhänger" bei Bedarf auch Solo als Bus verwenden kann. Aber wenn sich daraus schon beim Lkw "kein Geschäftsmodell für den Kunden ergeben" haben soll, könnt's sein, dass hier einfach wieder jemand auf Teufel komm raus einen kommerziellen Anwendungsfall für irgendwas sucht, was technisch geht, aber eigentlich mal wieder keiner braucht. :ph34r:
Sehe ich auch so. Zumal es in anderen Anwendungsfällen aus meiner Sicht eher ein Geschäftsmodell ergibt. Man stelle sich vor, die russische Armee könnte mit nur einem Fahrer, zig LKW mit Urlauberausrüstung an die ukrainische Grenze verlegen, würden sie das sicher tun. Ebenso bei kommerziellem LKW Verkehr in Ländern wie USA, Kanada und Australien. Ich würde erst auf kommerzielle Anwendungen in offensichtlicheren Einsatzfeldern warten, bevor das im ÖPNV Stadtverkehr ein Thema ist.
Das einfachste wäre vielleicht, wenn die Anhänger auch einen Akku hätten mit der Energie, die im Hängerbetrieb zusätzlich verbraucht wird. Dann stöpselt man die im Anhängerbetrieb (mit Stahldeichsel und Absperrband) nur am Zugfahrzeug an. Fast wie eine Powerbank. :D
Wäre sicherlich einfacher als das untersuchte Projekt.

Noch einfacher wäre aus meiner Sicht, Stahlschienen in die Straße zu verlegen, so dass man darauf einfach eine Reihe von Wagen fest gekoppelt hintereinander bewegen kann. Das da noch niemand drauf gekommen ist ... B-)
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Jean
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Beitrag von Jean »

Iarn @ 4 Jun 2021, 11:12 hat geschrieben: Noch einfacher wäre aus meiner Sicht, Stahlschienen in die Straße zu verlegen, so dass man darauf einfach eine Reihe von Wagen fest gekoppelt hintereinander bewegen kann. Das da noch niemand drauf gekommen ist ... B-)
Ich glaube da sind wir uns alle einig. :D
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Reinhard Busfan
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Beitrag von Reinhard Busfan »

Platooning im Stadtverkehr halte ich für keine gute Idee. Weder Fußgänger noch Radfahrer können erkennen, dass hier zwei Fahrzeuge zusammen gehören. Außerdem ist die wirtschaftliche Ersparnis mehr als fraglich. Denn es müssen ja zwei vollwertig ausgestattete 12 Meter Busse eingesetzt werden. Gut man spart eine Fahrkraft ein. Sollte das Platoon allerdings getrennt werden, z. B. dass eine Person zwischen den Fahrzeugen hindurchläuft, muss das Fahrpersonal vom zweiten, geführten Fahrzeug das Platoon wiederherstellen. Beim Platooning von Lkw-Gespannen auf der Autobahn ist das kein Thema, da ja auf jedem Fahrzeug ein Fahrer vorhanden sein muss. So kann z. B. wenn sich ein Pkw dazwischen quetscht, der folgende Fahrzeugführer wieder aufschließen und die elektronische Deichsel wieder verbinden. Im Stadtverkehr wird man sich das nicht leisten wollen. Ich sehe in dem Ganzen hauptsächlich einen Gewinn für die Fahrzeughersteller. Werden zwei emissionsfreie Busse hintereinander als Platoon eingesetzt, hat man z. B. zweimal 600.000 ¤ also 1.200.000 @ für den Ersatz eines Buszuges eingenommen.

Derzeitige Überlegungen für einen emissionsfreien Buszug sehen vor, den Anhänger autark in seiner Energieversorgung zu machen. Da die Dachfläche des Anhängers Platz für mehr Batteriepacks bietet, als der Anhänger für seine Eigenversorgung (Innenbeleuchtung, Infotainment, Heizung und Klimatisierung) braucht, kann die überschüssige Energie über eine Hochvoltsteckverbindung zum Zugfahrzeug diesem eine Art Bypass (Range Extender) liefern. Das Ganze käme den Betreiber weitaus weniger teuer, denn es ist davon auszugehen, dass ein derart ausgestatteter Anhänger vielleicht die Hälfte oder nicht viel mehr als dies kosten würde. Ich finde, die Betriebe sollten sich nicht durch solche finanziellen Abenteuer hinter das Licht führen lassen.

Vergessen wir bitte nicht, dass bei den derzeitigen Dieselbusgespannen von vielen Betreibern ein lautes Gejammere zu vernehmen war, dass bis zu 500.000 ¤ für einen Buszug zu teuer seien. Welche Art Kostenrechner bekommen denn bitte schön bei 1.200.000 ¤ für den Ersatz von Buszügen als Zweier-Platoon keine heftigen Bauchschmerzen, wenn es vielleicht auch schon mit geschätzen 900.000 ¤ oder vielleicht 950.000 ¤ zu machen wäre????

Die verkehrsrechtlichen Genehmigungen und die versicherungsrechtlichen Probleme sind hier noch völlig außer Acht gelassen.
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