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Zum Rhein, am Rhein entlang und rund um die Ruhr, Füllen einiger weißer Flecken [Zur Themenübersicht]
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Entenfang
  Geschrieben am: 7 Jul 2020, 22:14


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Tag 1

Wenn man schon keine Weltreise machen kann, bastelt man sich halt eine im eigenen Land:

München Hbf.........ALX 84106......ab 9:19

Buchloe.......................................an 10:03
.............................RE 57524.......ab 10:06

Memmingen.................................an 10:52
.............................RB 22806.......ab 11:00

Aulendorf.....................................an 11:58
.............................RE 4218.........ab 12:03

Stuttgart Hbf................................an 13:56
.............................RE 17645.......ab 14:18

Freudenstadt Hbf..........................an 15:43
.............................RE 38958........ab 17:21

Rastatt.........................................an 18:38

Jeder bekommt im Alex sein eigenes Abteil und ich nutze die letzten Monate frischer Luft auf der Strecke.

"Darf ich?", spricht mich ein älterer Herr an und möchte sich im Desiro neben mich setzen. Selbstverständlich. "Mal links und mal rechts, das ist irgendwie verwirrend...", meint er. Jetzt bin ich verwirrt. "Also vorne nach Memmingen, hinten nach Bad Wörishofen", präzisiert er seine Verwirrung, "hier ist schon nach Memmingen, oder?" "Ich muss dann noch weiter nach Illertissen. Gleis 3, oder?" Auf seiner Verbindung steht Gleis 3 als Ankunft und Gleis 4 als Abfahrt, worauf ich ihn hinweise. "Aha, ist Memmingen ein großer Bahnhof?" Ich würde ihn als mittelgroß bezeichnen. "Ist das eigentlich ein Storch?", meint er und deutet auf einen kreisenden schwarzen Vogel. Ohne vom Fach zu sein, würde ich auf nein tippen. Aber hinter Mindelheim sehen wir tatsächlich einige Störche auf einer Wiese.

"Ja, ich bin wirklich sauer!", klingt eine Frauenstimme blechern aus dem Handylautsprecher eines jungen Mannes, "ich hocke hier den ganzen Tag herum und bin mit der Spülmaschine beschäftigt..." Um diese Problematik drehen sich in nahezu identischen Worten auch die nächsten drei Minuten der Sprachnachricht, ehe sie sich noch darüber auskotzt, dass irgendeine Sabine glaubt, sie könne ja alles bezahlen, weil sie so viel verdienen würde. "Dabei kapiert die gar nicht, dass ich ja auch meine Ausgaben habe!"

Umstieg in Memmingen
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Hinter Memmingen geht es im 650-Doppel beschaulich zu. Den vorderen Tw muss ich mir mit weniger als 5 Fahrgästen teilen, während wir zwei Bahnhöfe mit Alttechnik passieren. Die paar Minuten Verspätung durch Warten von Anschluss aus Lindau fahren wir wieder raus.
Ab Aulendorf geht es zügig und ruhig im 245-geschobenen Dosto weiter bis Ulm, dann übernimmt eine 146.
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Pünktlich schaffe ich es nach Stuttgart, ...
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...pünktlich geht es auch wieder weiter. Ein Wunder ist geschehen - sogar der IC Karlsuhe - Nürnberg mit IC 2 ist pünktlich unterwegs.

Im Zugteil nach Freudenstadt bekommt jeder einen eigenen Vierer und leider gibt es Wandfensterplätze, wenn man auch die Klappsitze an unmöglichsten Positionen wie bei der S-Bahn Mitteldeutschland vergeblich sucht.
Stuttgart bleibt im Talkessel zurück, während sich der Hamster in die Höhe arbeitet. Karummms! Die junge Frau, die im Vierer direkt hinter dem Führerstand sitzt, erschrickt heftig, als die Führerstandstür plötzlich 5 cm neben ihr gegen den Türstopper knallt. Der Tf dreht sich um und während er den Arm ausstreckt, wird ihm wohl bewusst, dass er unmöglich bis an die Tür kommt, ohne die Sifa loszulassen. Ich stehe auf, er streckt den Daumen hoch und meint nur: "Einfach zuknallen."

Zugteilung in Eutingen
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Ich finde den Slogan bwegt immer noch richtig gut
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Kreuzung in Schopfloch
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Wenn jemand ein neues Klo braucht, in Schopfloch am Bahnhof steht eins
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  Geschrieben am: 7 Jul 2020, 22:14


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Pünktlich schaffe ich es auch nach Freudenstadt, wo mich eine Frau beim Aussteigen fragt, wann der den zurückfahren würde. In etwa einer halben Stunde.
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Ich habe gewisse Bedenken, als ich den Murgtäler Radexpress nirgendwo herumstehen sehe. Dann ist er wohl doch in die Halle verschwunden. Oder fährt er am Ende heute doch nicht? Zunächst hatten sich die Webseite (fährt ab 31.5.) und der DB Navigator (fährt ab 14.6.) widersprochen - zwei Tage vor meiner Reise stand dann auch im DB Navigator fährt ab 31.5.

Google spuckt mir ein Bild auf Facebook aus, welches von der Hinfahrt am Vormittag gemacht wurde. Zufrieden nutze ich den anderthalbstündigen Aufenthalt für einen Spaziergang zum Marktplatz und ein Eis. Bereits im Zug ist mir aufgefallen, dass die Regeltreue zur Maskenpflicht in Baden-Württemberg offensichtlich deutlich geringer als in Bayern ist (Anm.: Stand 31.5.). In der Schlange an der Eisdiele hält niemand Abstand und es gibt auch kein auf dem Boden angebrachtes Absperrband, welches diesen andeutet. Der Marktplatz ist riesig, was man von der Zahl der darauf befindlichen Bänke leider nicht gerade behaupten kann.
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Ich kehre zum Bahnhof zurück. Spitzenlichter schimmern durch das Milchglas der Abstellhalle und zwei Nachwuchsfuzzis stehen bereits in Position. Neben mir gibt es irgendeinen alten Schuppen, die meisten Fensteröffnungen sind durch Bretter verschlossen und Glassplitter überziehen den Weg. In einem Raum liegt ein Schlafsack und in einem Haufen voller Lumpen und Verpackungsresten auch ein kleiner Feuerlöscher. Brandschutz muss eben den Stellenwert bekommen, den er verdient.

Ein paar Minuten später rollt der Zug an den Bahnsteig, ein paar wenige Fuzzis steigen ein.

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Beim Umbau des Bahnhofs hat man leider die Gleisanlagen so zurückgebaut, dass keine Zugkreuzung mehr am Bahnsteig möglich ist - die hier sichtbaren Gleise 1 und 2 führen nur in die Abstellhalle.

Der Zub pfeift, da kommen noch drei angerannt. "Fährt der zum Stadtbahnhof?" So kommen sie zumindest ein paar Minuten in den Genuss dieser besonderen Garnitur, die wirklich viel Platz für Fahrräder bietet - keiner davon wird vorläufig in Anspruch genommen, was man von der entgegenkommenden S-Bahn nicht gerade behaupten kann.
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Unschienierter Tramfun
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Fahrplanmäßig sind an den ersten Halten immer zwei Minuten Aufenthalt vorgesehen, aufgrund des geringen Fahrgastaufkommens sind wir stets überpünktlich dran. Im Laufe der Strecke füllt sich der Zug dann doch etwas.
Letztes Jahr war bereits das Ende des Murgtäler Radexpresses mit Altwagen angekündigt - doch zu meiner großen Freude hat man doch noch eine 111 aufgetrieben und so kann man die wunderschöne Murgtalbahn auch diesen Sommer jeden Sonntag beim offenen Fenster erfahren.
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Bis Kuppenheim schaffen wir es fast pünktlich, doch als Sonderzug müssen wir dann auf die pünktliche S-Bahn in Gegenrichtung warten und so werden es bis Rastatt doch noch auf den letzten Metern +9.
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  Geschrieben am: 8 Jul 2020, 17:46


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Tag 2 Update von der NBS

Heute mache ich zwischen heftigen Regenschauern eine Fahrradtour zur ehemaligen Blockstelle Basheide - sie ist kaum wiederzuerkennen und inzwischen eine Abzweigstelle.
911 fährt Richtung Karlsruhe, was mit dem Planum passiert, ist mir unklar. Kommt hier vielleicht ein Gz-Überholgleis hin?
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Das Formsignal ist mit der Inbetriebnahme des ESTW im Jahr 2017 obsolet geworden
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Zur Erinnerung - so sah es kurz vor dem Umbau aus:
https://flic.kr/p/TiJGq9

Die NBS, welche weitgehend parallel zur B 36 zum Rastatter Tunnel führt, ist bereits über eine Bauweiche angeschlossen.
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Ein TGV passiert das Evsig Durmersheim
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Richtung Rastatt passiert eine Regionalstadtbahn die Ausgleichsfläche
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Blick über die NBS Richtung Rastatt...
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...und zurück zur Einfädelung
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Betrieblich hochinteressant, aber ein Nadelöhr ist der Bahnhof Durmersheim.
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Bei Halt einer Stadtbahn Richtung Karlsruhe können keine Durchfahrten stattfinden, da es einen höhengleichen Reisendenübergang gibt.


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  Geschrieben am: 9 Jul 2020, 17:41


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Tag 3 Mannheim & Heidelberg

Warum zählt Heidelberg eigentlich zu den Top-Zielen für ausländische Touristen? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen und noch die eine oder andere Duewag-Fahrt mitnehmen.

Rastatt, Bernhardusbrunnen....Bus 235......ab 10:09

Rastatt Bf.................................................an 10:14
............................................S 71/ S 32....ab 10:19

Bruchsal....................................................an 11:10
..............................................S 4..............ab 11:14

Mannheim Hbf...........................................an 12:01

Ob das wohl gutgeht?

Kaum erreiche ich die Haltestelle, steht auf der ganz neu eingerichteten DFI, dass der 235er +5 hat. Zur Not würde es noch der 232er tun, der 4 Minuten später fährt. Mit etwas Glück und Rennen reicht es dann noch für den Anschluss.
6 Minuten vergehen, der 232er verschwindet von der DFI, ohne abgefahren zu sein und der 235er kommt schließlich mit +7. Im Nach abgeschlossenem Fahrgastwechsel befinden sich etwa 30 Fahrgäste im Fahrzeug. Bitte 1,5 m Abstand halten, verkündet der Zettel am Fenster. Und die Klimaanlage funktioniert auch nicht oder der Busfahrer hat sie nicht eingeschaltet und die Klappfenster sind abgesperrt. Fahrscheine solle man doch bitte an den Vorverkaufsstellen (davon gibt es in Rastatt 2: Das Bürgerbüro mit telefonischer Voranmeldung oder das DB Reisezentrum) oder in der App erwerben. Dafür kann man in Rastatt bis Mitte Juni drei Stunden kostenlos parken, um den Einzelhandel vor Ort zu fördern. Na herzlichen Glückwunsch.
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Natürlich ist die S-Bahn weg, als der Bus ankommt und ich befürchte schon, die 3 Minuten später verkehrende ebenfalls zu verpassen. Doch die hat glücklicherweise +2 und ich nehme die S 81 zum Bahnhofsvorplatz, um von dort in 4 Minuten einen nicht vorgesehenen Umstieg zur S 32 zu machen und wieder in den Zeitplan zu kommen.

Als ich 2 min. vor Abfahrt auf den Bahnsteig im Karlsruher Hbf komme, fährt die S 71 gerade ein. Unterwegs muss sie wohl ein paar Bonusminuten eingesammelt haben. Es findet Fahrerablösung statt. "Ich hatte eine Türstörung, deswegen bin ich auch zu spät dran. Dein Wagen hat Graffiti, aber sonst alles ok."

Kurz nachdem wir abgefahren sind, steigt eine Frau ein. "Dein Fahrkartenautomat ist kaputt. Musst du mal nachher melden. Wir gehen jetzt einmal durch." Sie braucht zwei Anläufe, ehe der Fahrer sie durch die Maske und die zugeklebte Sprechstelle versteht.
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"Wie alt ist sie?", fragt die Kontrolleurin eine Frau, die mit zwei Kindern unterwegs ist. "6." "Dann braucht sie eine Fahrkarte - nächstes Mal kostet das 60 ¤."

Pannenfrei komme ich nach Bruchsal, steige dort in die ziemlich leere S4 um. Deutlich zügiger als die Zweisystemfahrzeuge bringt sie mich überpünktlich bis nach Mannheim.
5709 trifft 5708 auf der dreigleisigen Strecke am Bahnhofsvorplatz
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Netzplan erhalte ich im Kundenzentrum leider keinen und der laut DSO mit Duewag bestückte Kurs ist leider ein Nf-Wagen. Ich hatte mich schon gewundert, war doch in den Aushangfahrplänen ein anderer Kurs mit der Hochflur-Fußnote versehen.

Ein paar Bilder in der quadratisch angelegten Innenstadt Mannheims
2218 auf dem Paradeplatz
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4129 am Marktplatz
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Löschzug 5612 ebendort
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Im dichten Takt verkehren die Bahnen durch die Fußgängerzone – die 2,40 m Fahrzeugbreite wirkt auf der Meterspur sehr breit.
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Eine kombinierte Bus-/ Fahrradspur
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So blumig kann Straßenbahn sein
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  Geschrieben am: 9 Jul 2020, 17:41


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Ich fahre die Überlandstrecke nach Heidelberg.
Sie wird im Blockabstand mit bis zu 80 km/h befahren. Hier die Abfahrt einer Bahn in Neuostheim auf eine normale Straßenbahnstrecke, die auf Sicht befahren wird.
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Die Fahrzeiten sind sehr großzügig bemessen, denn obwohl der Fahrer recht gemütlich fährt, müssen wir mehrmals Verfrühung abstehen. Ein Spezialist hat in der Ortsdurchfahrt Seckenheim ziemlich nah am Gleis geparkt, aber glücklicherweise passt die Bahn gerade vorbei.
In Heidelberg sind die Ampelschaltungen katastrophal. Die Wartezeiten sind so lange, dass sich in Gegenrichtung sogar ein richtiger ÖV-Stau bildet.
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Deutsche Hersteller können ja sogar elektrische Fahrzeuge bauen
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4157 am Seegarten
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Nach einem kurzen Fotostop fahre ich zum Bismarckplatz, um auf den Hochflurkurs laut Aushangfahrplan zu warten.
3266 am belebten Bismarckplatz
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Ein Wartehäuschen ist komplett von Säufern in Beschlag genommen. Nach einer Viertelstunde schlürft einer von ihnen zu einem haltenden Bus, doch die Türen schließen sich bereits wieder, ehe er sie erreicht. "Nein, nein!", murmelt er vor sich hin. Ein verzweifelter Druck auf den Türöffner kann an der Situation nichts ändern, der Bus fährt ab und der Säufer setzt sich wieder hin.
Ein junger Mann auf der Bank neben mir telefoniert. "Ja hallo, ich wollte fragen, ob Sie noch einen Pizzafahrer suchen. Wir haben vor 4 Monaten schon mal telefoniert, aber da hatte ich keinen Führerschein - den musste ich abgeben. Jetzt habe ich ihn wiederbekommen." Das Gespräch dauert noch drei Minuten, dann ist ein Termin vereinbart. "Ok, Freitag um 18 Uhr." Er legt auf und flüstert nochmal vor sich hin: "Freitag, 18 Uhr."
Die Abfahrtszeit naht - es ist wieder eine Niederflurbahn.

Ich sehe von weiteren Versuchen ab und werfe stattdessen einen Blick in die Altstadt...
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...und das Schloss. So leer wie heute war die Stadt im Laufe der letzten Jahre vermutlich nicht sehr oft.
Maske aufsetzen, sonst setzt es einen Speerstoß!
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Blick von der Terrasse...
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  Geschrieben am: 9 Jul 2020, 17:42


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...über die Altstadt
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Ich nehme die Standseilbahn auf den Königstuhl. An der Mittelstation hat sich eine kurze Schlange gebildet. "Unsere Sitzplatzzahl ist leider sehr begrenzt", meint ein Mitarbeiter entschuldigend, "der Wagen ist zwar für 50 Fahrgäste zugelassen, aber wir haben da auch früher nur um die 40 reingelassen, damit noch ein bisschen Luft bleibt. Jetzt heißt es, wir dürfen nur noch 18 reinlassen." "Aha, interessant. Wie kommt das?", will eine Frau wissen. "Das sind vier Abteile. Das obere und untere sind etwas größer, dort dürfen fünf rein. In die beiden mittleren nur vier. Achso, und wir sind hier im Freien. Wenn sie also das Bedürfnis verspüren, mal ein bisschen unter der Maske durchzulüften, dann können Sie das ruhig machen. Wichtig ist nur, dass Sie die in der Bahn aufhaben." Erleichtert nehmen alle wartenden Fahrgäste die Maske vom Gesicht.
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Blick über die Stadt
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Einen sehr steilen Pfad - völlig zurecht Himmelsleiter genannt - laufe ich ins Tal.
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Geplant ist folgende Rückfahrt:

Heidelberg-Altstadt...........S 2.......ab 17:27

Heidelberg Hbf..............................an 17:32
.......................................S 3.......ab 17:48

Karlsruhe Hbf...............................an 18:32
......................................S 81......ab 18:43

Rastatt........................................an 19:05


Dass die S 2 bald mit +12 drinsteht, kommt mir sehr gelegen, denn sonst wäre der Abstieg sehr sportlich gewesen.
425 590 verlässt Heidelberg Altstadt Richtung Eppingen
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Was mir weniger gelegen kommt, ist die Ansage, ehe wir den Hbf erreichen: "Meine Damen und Herren, wir können unsere Fahrt noch nicht fortsetzen, weil der vor uns liegende Streckenabschnitt noch durch einen anderen Zug belegt ist."
Wir stehen weitere 4 Minuten und damit wird es verdammt eng. Es bleibt keine halbe Minute zum Umsteigen, als wir an den Bahnsteig rollen. Ich kann erkennen, dass noch ein paar Radfahrer über den Bahnsteig hetzen und nicht sehr erfolgreich versuchen, mehrere Fahrräder durch eine Tür zu bekommen. Das ist schon mal ein guter Ausgangspunkt.

Die Türen gehen auf, ich habe zufällig die perfekte Tür direkt an der Treppe erwischt und zusammen mit zwei weiteren sprinte ich über die Fußgängerbrücke auf den nächsten Bahnsteig. Die Fahrräder sind jetzt offenbar irgendwie im Zug drin, oder auch nicht - jedenfalls steht ein Mann mit Fahrrad etwas ratlos vor der gerade zulaufenden Tür. Das ist schlecht. Der Tf schaut ungeduldig aus dem Fenster, gibt aber nochmal frei, als er die herbeistürmenden Umsteiger sieht. Da hat jemand ein Herz - danke dafür. Der Mann mit Fahrrad startet jetzt einen neuen Anlauf und verschafft damit zwei weiteren Umsteigern die nötige Zeit, ebenfalls den Zieleinlauf zu absolvieren. Mit +1 setzt sich der 425 jaulend in Bewegung.

In Bruchsal werden wir durch einen IC überholt und stehen bei +6, als wir langsam losrollen. Uuuuuuuuuiiiiiiiiiiiiiiizischouuquietsch. Zwangsbremsung. Ob das wohl über 25 km/h waren?
Ein paar Minuten vergehen. Plötzlich verkündet Ingo Ruff: "Meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir Karlsruhe-Durlach auf Gleis 6b." Sämtliche Anschlüsse werden ebenfalls verkündet – nur haben wir uns noch keinen Meter vom Bahnsteig in Bruchsal wegbewegt.
Noch ein paar Minuten vergehen, dann geht es weiter. Der Tf teilt den Beförderungsfällen mit, dass eine Signalstörung die Quelle des Übels gewesen wäre und wir jetzt weiterfahren würden. +12 bei 11 Minuten Umsteigezeit - das ist schon wieder ungünstig.

Wir rollen in Karlsruhe ein, der Anschlusszug steht noch einen Bahnsteig weiter. Ich positioniere mich taktisch günstig an der Unterführung und sprinte zusammen mit einem weiteren Umsteiger los. Der Anschluss hat gewartet, denn das Signal steht bereits auf Fahrt und nachdem wir reingesprungen sind, wird abgefahren. Und so bin ich unerwartet heute zweimal pünktlich ans Ziel gekommen.

Nur die Ursprungsfrage konnte ich nicht so recht beantworten - Heidelberg ist zwar ganz nett, aber warum die Stadt so außerordentlich beliebt bei ausländischen Touristen ist und in allen Reiseführern als besonderes Highlight beworben wird, erschließt sich mir nicht. Ob es vielleicht an der Nähe zum Frankfurter Flughafen liegt?


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Lobedan
  Geschrieben am: 9 Jul 2020, 17:50


Kaiser


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Ok, spätestens jetzt steht Heidelberg auf meiner Besuchsliste. Also, stand es eh schon, aber ich habe versucht, Bilderspoiler zu vermeiden und mich lieber vor Ort selbst beeindrucken zu lassen. laugh.gif
    
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  Geschrieben am: 11 Jul 2020, 15:04


Lebende Forenlegende


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QUOTE (Lobedan @ 9 Jul 2020, 17:50)
Ok, spätestens jetzt steht Heidelberg auf meiner Besuchsliste. Also, stand es eh schon, aber ich habe versucht, Bilderspoiler zu vermeiden und mich lieber vor Ort selbst beeindrucken zu lassen. laugh.gif

Dann entschuldige ich mich fürs Spoilern und wünsche einen angenehmen Besuch. wink.gif


Tag 4 Rastatt -> Essen

Noch ehe ich überhaupt das Haus verlasse, rechne ich schon nicht mehr mit einer pünktlichen Ankunft am Ziel. Zwischen Offenburg und Baden-Baden wird ein Notarzteinsatz im Gleis gemeldet.
Immerhin kommt heute der Bus pünktlich und ich stelle erfreut fest, dass es im KVV-Tarif seit Neuestem eine Ermäßigung für BC-Inhaber gibt. Am Bahnhof angekommen, wird der RE mit +5 angezeigt, vermutlich nach Wende in Baden-Baden (an 11:29/ ab 11:32). Da aber gerade ein Eilzug der S 81 einfährt, entscheide ich mich für die sichere Variante. Um 12:04 Uhr fährt in Karlsruhe ein IC nach Emden ab, mit dem ich bis Duisburg mitfahren kann und dabei auch meine Erstbefahrung durch das Mittelrheintal bekomme.
Pünktlich bleibt Karlsruhe zurück und ehe man es sich versieht, rollen wir schon nach Mannheim. "Meine Damen und Herren, da aufgrund der Streckensperrung bei Offenburg heute wenig Verkehr ist, erreichen wir Mannheim bereits rund 10 Minuten zu früh." Ich packe eilig meine Sachen zusammen, denn mein ursprünglich geplanter Anschluss steht mit +3 drin und ich sehe gute Chancen, ihn doch noch zu erreichen. Nur leider kommen wir nicht weiter als bis zum Esig. Ich sehe meinen Anschlusszug zwei Minuten später ein paar Gleise weiter einfahren. Weitere Züge fahren ein und aus, wir verharren am Esig. Schade, damit geht der Plan doch nicht auf. Auch eine weitere Frau hat bereits darauf spekuliert, ihren Anschluss nach Berlin zu erwischen und wird enttäuscht.

Rund eine Stunde später rollen wir - außerplanmäßig rechtsrheinisch - durch das reizvolle Tal und mitten durch die Ortschaften. An einigen Häusern hängen Plakate, die ein Nachtfahrverbot für Güterzüge fordern oder auf denen DB = DauerBeschallung steht. Des Anwohners Leid ist des Fotografen Freud, denn so gibt es zahlreiche unverschandelte Blicke.

Einige Minuten Aufenthalt in Koblenz
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Pünktlich auf die Minute kommen wir durch alle gefährlichen Stellen wie den Kölner Hbf. In Duisburg steige ich aus und stelle überrascht fest, dass es ja in Deutschland einen großen Bahnhof gibt, der noch hässlicher als Stuttgart Hbf ist.
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Wenig später bringt mich ein ICE die letzten Kilometer nach Essen. "Ah, und Sie hatten irgendwo Verspätung?" Ja, PU zwischen Offenburg und Baden-Baden. "Achja, stimmt. Haben Sie schon ein FGR-Formular?" Das gibt der Zub mir natürlich gerne. Sehr geehrter Kunde, wir bedauern sehr, dass Ihnen durch… Schon lange nicht mehr ausgefüllt.

Und so endet die Fahrt mit +67 in einem kräftigen Schauer in Essen - der zweite regnerische Tag dort seit Langem.
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Den Abend nutzen wir für eine kleine Fahrradtour in den reichen Essener Süden. Ein Musterbeispiel für Fahrradwegparcour findet sich in der Rüttenscheider Straße, einer belebten Einkaufsstraße.
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Erstaunlicherweise fahren tatsächlich die meisten Radfahrer lieber auf diesem Radweg als auf der Straße. Gut, die 30er-Zone wird längst nicht von allen beachtet. Bisher konnte sich die Politik aber nicht durchringen, eine Verkehrsberuhigung durchzuführen, die ihren Namen auch verdient. Nun soll sie eine Fahrradstraße werden, ohne aber sonstige Maßnahmen umzusetzen.


Hart umkämpft war die Zukunft der Straßenbahnstrecke nach Bredeney.
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Der einige Jahrzehnte alte Masterplan sah einen Umbau zur Stadtbahn und eine Fortführung bis nach Velbert vor. Doch davon ist inzwischen nichts mehr zu hören. Stattdessen stand die Frage im Raum, wie der Ast endlich barrierefrei werden kann (und barrierefrei bedeutet in Essen nur noch eine statt mehrerer Stufen). Da die Linie 108 die Stadtbahnstrecke zwischen Essen Hbf und Martinstraße mitbenutzt, an denen nur Hochbahnsteige verbaut sind, können bisher nur Altwagen mit Klappstufen eingesetzt werden. Zuerst sollten die drei oberirdischen Haltestellen ebenfalls zu Hochbahnsteigen werden. Doch das stieß nicht gerade als Gegenliebe bei den Anwohnern, die nichts von den städtebaulich schwer zu integrierenden Bauten halten. Die Lösung ist nun, die unterirdischen Haltestellen teils niederflurig umzubauen, was dank der großzügigen Auslegung für ursprünglich Dreifachtraktionen der Stadtbahn problemlos möglich ist. Zunächst waren die Verkehrsbetriebe jedoch dagegen, da man sich die Möglichkeit von Dreifachtraktionen zur Messe offenhalten wollte, obwohl diese schon seit Jahren aufgrund von Wagenmangel nicht zum Einsatz gekommen sind.

Essen ist eine der Modellstädte, in denen im Rahmen der drohenden Dieselfahrverbote Verbesserungen beim ÖPNV umgesetzt wurden.
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Erfreulicherweise wird das auch groß beworben und der Takt 5 beim Bus ist sogar sinnvoll auf die Zeiten abgestimmt, in denen auch zwei Tramlinien bis Bredeney verkehren.

Einen luxuriösen Radfahrstreifen hat mysteriöserweise ausgerechnet ein Autobahnzubringer bekommen.
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Die Margaretenhöhe gilt als Deutschlands erste Gartenstadt, welche für die Krupp-Arbeiter erbaut wurde. Eine Verlängerung der Stadtbahn nach Süden zur Erschließung des dortigen Stadtteils und der Karstadt-Zentrale ist in Planung.
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Ein Umstand wird mir auf dem Nextbike jedenfalls schnell klar - Essen ist furchtbar hügelig.

Hausdurchblick zwischen Halber Höhe und Laubenweg
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Das Highlight des Abends und ein Fall für "Der reale Irrsinn" sind zwei Fußgänger-Bedarfsampeln, die in regelmäßigen Abständen für die Bahn - und nur für die Bahn, nicht für den MIV - auf Halt schalten, obwohl gar kein Fußgänger gedrückt hat, nur um dann nach wenigen Sekunden wieder auf Fahrt zu schalten. Wohlgemerkt passiert das auch, wenn eine Bahn kommt, die dann völlig sinnlos vor einer Ampel anhalten muss.


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218217-8
  Geschrieben am: 11 Jul 2020, 16:24


Kaiser


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Vielen Dank für einen weiteren lesenswerten Bericht mit Entenfang-typischen qualitativ wie künstlerisch hochwertigen Bildern!

QUOTE (Entenfang @ 7 Jul 2020, 22:14)
Der Marktplatz ist riesig, was man von der Zahl der darauf befindlichen Bänke leider nicht gerade behaupten kann.

Der Freudenstädter Marktplatz ist übrigens nicht nur riesig, sondern tatsächlich explizit der der größte Deutschlands!
    
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146225
  Geschrieben am: 11 Jul 2020, 19:28


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QUOTE (Entenfang @ 11 Jul 2020, 15:04)
In Duisburg steige ich aus und stelle überrascht fest, dass es ja in Deutschland einen großen Bahnhof gibt, der noch hässlicher als Stuttgart Hbf ist.

Da muss ich doch jetzt mal ganz laut protestieren! In seiner weitläufigen Gesamtanlage ist der Duisburger Hbf überhaupt nicht hässlich, den Vorplatz hat die Stadt frisch saniert und das Aufnahmegebäude ist auch 2012 erst wieder gerichtet worden. Nur die Gleishalle, die ein wunderbares, zur Stahlstadt passendes Denkmal ihrer Bauzeit um 1931 wäre (und im übrigen in dieser Form im weiteren Umkreis auch ziemlich einzigartig), hat DB Station und Service in völliger Gewissenlosigkeit aus "Kostengründen" leider mutwillig soweit verrotten lassen, dass sie heute nicht mehr wirklich zu retten ist. Hörma, datt kannze schon ma so machen, aber dann isset halt Mist! Den Entwurf für die neue Gleishalle ("Welle") gibt es auch schon, und, oh Wunder: unser aller DB ist das schon wieder viel zu teuer. Jetzt soll nach Überarbeitung der Planungen im Jahre 2022 Baubeginn sein, Fertigstellung 2028. Wer solche Bauvorhaben kennt, weiss dass die alte Halle schnell abgetragen sein wird, die Reisenden dann ein gutes Jahrzehnt mit mehr oder weniger gelungenen Provisorien leben "dürfen" und irgendwann Mitte/Ende der '30er Jahre dann der Neubau fertig ist und selbstverständlich deutlich mehr gekostet hat als das, was die DB vorher als zu teuer bewertet hat.

Der Vergleich mit Stuttgart hinkt auch deswegen, weil die halbe Million Duisburgerinnen und Duisburger sich auf deutlich mehr (vor allem ebene) Fläche (232 km² zu 207 km²) als die Stuttgarter Kesselbewohner in ihrer selber zusammen gestauten Dreckluft verteilen und das in überwiegender Zahl sehr herzliche, offene Menschen sind, denen die für Stuttgarter leider gelegentlich typische Arroganz und der Hang zum Grössenwahn völlig fehlt.

Bearbeitet von 146225 am 11 Jul 2020, 19:29

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But I ain't never crossed a man that didn't deserve it | Me be treated like a punk: you know, that's unheard of | You better watch out your talkin' and where you walking | Or you and your homies might be lined in chalk | Aus: Coolio, "Gangsta's Paradise"
    
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Entenfang
  Geschrieben am: 12 Jul 2020, 11:33


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QUOTE (218217-8 @ 11 Jul 2020, 16:24)
Vielen Dank für einen weiteren lesenswerten Bericht mit Entenfang-typischen qualitativ wie künstlerisch hochwertigen Bildern!


Freut mich, wenn ich überzeugen konnte. smile.gif

QUOTE
Der Freudenstädter Marktplatz ist übrigens nicht nur riesig, sondern tatsächlich explizit der der größte Deutschlands!

Das scheint der Stadt wirklich äußerst wichtig zu sein, so oft, wie dort auf diesen Umstand hingewiesen wird. Aber da der Platz durch einige Gebäude und Straßen unterteilt ist, stellt sich mir die Frage, ob man das noch als einen Platz zählen kann. wink.gif

QUOTE
Da muss ich doch jetzt mal ganz laut protestieren! In seiner weitläufigen Gesamtanlage ist der Duisburger Hbf überhaupt nicht hässlich, den Vorplatz hat die Stadt frisch saniert und das Aufnahmegebäude ist auch 2012 erst wieder gerichtet worden. Nur die Gleishalle, die ein wunderbares, zur Stahlstadt passendes Denkmal ihrer Bauzeit um 1931 wäre (und im übrigen in dieser Form im weiteren Umkreis auch ziemlich einzigartig), hat DB Station und Service in völliger Gewissenlosigkeit aus "Kostengründen" leider mutwillig soweit verrotten lassen, dass sie heute nicht mehr wirklich zu retten ist.

Um einen Blick auf den Vorplatz oder das Empfangsgebäude zu werfen, hat die Umsteigezeit nicht gereicht. wink.gif

Die Halle sieht jedenfalls aus, als wäre sie nach einem Krieg irgendwie notdürftig instandgesetzt worden - lauter gebrochene oder fehlende Fensterscheiben oder mit Panzertape geflickt... Ich war mir ein paar Augenblicke nicht mehr ganz sicher, ob ich noch in einem Industrieland bin... Es ist absolut erschreckend.

Prinzipiell gefällt mir der Entwurf für die neue Halle jedenfalls - so etwas gibt es kein zweites Mal und könnte dann irgendwann mal ein Erkennungsmerkmal für Duisburg sein.


Tag 5 Fuzzen & Wandern

Den Vormittag muss ich mir allein um die Ohren schlagen - welch eine Strafe, mich zum Bahnfotografieren zu schicken.
Da wir nachmittags zum Wandern in die Elfringhauser Schweiz fahren wollen, muss ich mich erstmal mit dem VRR-Tarif auseinandersetzen. Und der ist wahrlich kompliziert - eine wirklich brauchbaren Übersichtsplan finde ich nirgendwo, nur einen Grobplan der Tarifzonen. Nur woher soll ich wissen, ob unsere Tarifzone jetzt Essen-Süd oder Essen-Mitte/Nord ist? Des Rätsels Lösung finde ich erst an der Haltestelle, wo auf einem Zettel aushängt, für welches Ziel welche Tarifstufe benötigt wird. Eigentlich sollte A für Fahrten innerhalb eines Stadtgebiets sein, unterteilt in A1, A2 und A3, je nach Größe der Stadt und Preisstufe B umfasst eine Tarifzone sowie alle umliegenden. Auf dem aushängenden Zettel steht jedoch Hattingen als B drin, obwohl diese Tarifzone nicht direkt an Essen angrenzt. Das verstehe, wer kann. Ich jedenfalls nicht, kaufe aber trotzdem eine Tageskarte B. Im VRR gelten alle Tageskarten 24h ab Entwertung und die Startzone wird nicht aufgedruckt. Woher ein Fahrkartenkontrolleur wissen kann, in welchen Tarifzonen meine Tageskarte der Preisstufe B gilt, habe ich bis heute nicht herausgefunden.

Erstes Ziel ist die grenzüberschreitende Stadtbahnlinie nach Mülheim, welche in der Mitte der A 40 verkehrt.
Ein "Entenschnabel", die neueste Fahrzeuggeneration der Straßenbahn, bringt mich zur Hobeisenbrücke.
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Immerhin hat jemand mitgedacht und die wartenden Fahrgäste nicht ungeschützt dem Verkehrslärm ausgesetzt, sondern an jeder Haltestelle einen geschlossenen Warteraum eingerichtet.
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Die Wohnbebauung, die teilweise bis 2 m hinter die Lärmschutzwand reicht, ist trotzdem ein typisches Beispiel für die Folgen eines Umbaus zur autogerechten Stadt. Ironie des Schicksals dagegen ist, dass die A 40 jetzt sechsstreifig ausgebaut werden soll (drohte da nicht noch vor einem Jahr ein Dieselverbot?) Es gab verschiedene Varianten zur Diskussion, wie das bewerkstelligt werden sollte, unter Anderem, die Stadtbahngleise rauszureißen und für die zusätzlichen Fahrstreifen nutzen und einen Deckel über die Autobahn zu bauen und die Stadtbahn obendrüber zu führen. Alle Varianten hatten eines gemeinsam - sie waren zu teuer und so wird die A 40 nur westlich und östlich von Essen sechsstreifig, bleibt jedoch in der Stadt am größten Flaschenhals vierstreifig. Auch im Osten verhindert der ÖPNV den Ausbau, nur sind es dort die Spurbuslinien 146 und 147, deren Besuch ich aber leider nicht mehr geschafft habe.

Bisschen Siff gefällig? Eichbaum ist nur eines von mehreren möglichen Beispielen.
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Die P86/P89-Wagen stellen die neuere Generation der Essener Stadtbahnen und sind Gebrauchtwagen von der Londoner DLR, die dort schon nach wenigen Jahren aufgrund von anderen Sicherheitsbestimmungen nicht mehr eingesetzt werden konnten.
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Durch die Schiebetüren geht viel Platz verloren.

Die unterirdische Station Mülheim Hbf ist viergleisig und sehr großzügig ausgebaut.
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  Geschrieben am: 12 Jul 2020, 11:34


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Das südlichste Gleis dient der Essener Stadtbahn, die beiden mittleren der Mülheimer Straßenbahnlinie 102, das nördliche der Duisburger Stadtbahn.
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Aufgrund der unterschiedlichen Profile ist eine Durchbindung von Duisburg nach Essen nicht möglich. Leider fährt man damit an allen anderen Mülheimer Stadtverkehrslinien vorbei, die an der Stadtmitte halten.

Die komplette Tunnelinfrastruktur wirkt hoffnungslos überdimensioniert. An diesem Samstagvormittag sind überwiegend einstellige Fahrgastzahlen in den Bahnen, die gerade mal ein Drittel der Bahnsteiglänge belegen.
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Interessant ist auf dem gemeinsam genutzten Abschnitt von Duisburger Stadtbahn und Mülheimer Straßenbahn das Vierschienengleis - ein Dreischienengleis würde einen zu großen Spalt zwischen Bahnsteig und den Nf-Bahnen verursachen.

Mülheim dürfte zur Genüge für ihre straßenbahnfeindliche Politik bekannt sein. Einen Kurzüberblick gibt Wikipedia - er spricht Bände. Besonders bezeichnend finde ich, dass die beiden bisher umgesetzten Straßenbahnstilllegungen erfolgten, um Kosten einzusparen. Und das Ergebnis ist in beiden Fällen, dass der Betrieb durch Dieselbusse noch teurer geworden ist. Tja, blöd gelaufen. Freilich hindert das die Stadtpolitiker nicht daran, einen weiteren Kahlschlag des Netzes zu planen. Merke: Wenn sogar die CDU gegen Straßenbahnstilllegungen protestiert, muss irgendwas sehr, sehr faul an der Sache sein.

Nichtsdestotrotz möchte ich die Gelegenheit nutzen, zumindest eine Strecke abzufahren, über der das Damoklesschwert schwebt. 2+2-Bestuhlung auf 2,30 m Breite ist doch sehr eng.
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Aus Zeitgründen nehme ich einfach die 102, weil diese direkt am Hbf abfährt und fahre in das idyllische Villenviertel am Uhlenhorst. Die Wendeschleife und das zweite Gleis sind abgebaut und durch eine Stumpfendstelle ersetzt worden.
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Obwohl wir mit fast 5 Minuten Verspätung angekommen sind, hat der Fahrer offenbar keine Eile, die Rückfahrt anzutreten. Das ändert sich auch nicht, als die Abfahrtszeit verstreicht. Nachdem er in Seelenruhe den Führerstand gewechselt hat, fragt er mich, ob ich ein Bild vom Führerstand machen möchte. Das lehne ich natürlich nicht ab. "Oh, ich habe ja noch gar nicht aufgerüstet." Schlüssel rein und schon erwachen die Bildschirme zum Leben.
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Ich mache schnell ein Bild und mit +6 fahren wir endlich ab.
    
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  Geschrieben am: 12 Jul 2020, 11:35


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An der nächsten Haltestelle mit dem passenden Namen Waldschlößchen lege ich nochmal einen Fotostop ein, ehe ich über die ebenfalls stilllegungsgefährdete grenzüberschreitende Linie 104 zurück nach Essen fahre.

Umstieg an der Aktienstraße
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Ein schöner Radfahrstreifen führt durch diese kurze Unterführung und schafft eine attraktive und schnelle Verbindung für Radfahrer. Da verdient Mülheim durchaus ein Lob.
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Samstags fährt die 104 nur auf Mülheimer Stadtgebiet im Takt 15, für die drei Haltestellen in Essen muss Takt 30 reichen. Sonntags fährt die gesamte Linie nur im Takt 30.

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Wieder auf Essener Stadtgebiet steige ich in die Linie 105 um, welche von der Oberhausener Stadtgrenze kommt. Einst fuhr sie weiter nach Oberhausen, wurde aber stillgelegt. Ein Wiederaufbau wurde in einer Volksabstimmung abgelehnt, doch das Projekt ist dennoch zur Förderung eingereicht. Man darf gespannt sein, was daraus wird.

In einem steten Auf und Ab bringt mich die Bahn langsam wieder zurück zur Innenstadt. Es fällt auf, dass der Haltestellenabstand ziemlich gering ist, insbesondere in Mülheim. Ob das K überhaupt irgendeinen Einfluss auf die LSA-Steuerungen hat, ist äußerst fraglich, denn die Bahnen stehen ständig vor Signalen, immer wieder mit sehr leicht vermeidbaren und besonders unschönem Vor-der-Nase-Rot. Ob wohl schon mal irgendjemand den verantwortlichen Politikern verraten hat, dass man mit kürzeren Umlaufzeiten deutlich mehr Geld als mit Umstellung von Straßenbahn auf Bus sparen kann?
In Barrierefreiheit stehen Essen und Mülheim München in nichts nach - es gibt keine. In Essen sind fast alle Straßenbahnhaltestellen Einstieg von Fahrbahnniveau, immerhin sorgen dynamische Zeitinseln für ein gesichertes Ein- und Aussteigen der Fahrgäste (im Gegensatz zur Maximilianstraße). Wo jetzt die große Schwierigkeit liegt, einen Fahrstreifen so zu erhöhen, dass man wie in Dresden einen stufenlosen Einstieg in die Bahnen hat, bleibt eine ungeklärte Frage.

Die Innenstadt wird unterirdisch durchfahren, nur leider gibt es auch in modernisierten Haltestellen oftmals Höhlenfeeling. Hellere Beleuchtung scheint in Essen wohl nicht verfügbar zu sein.
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Nachmittags brechen wir Richtung Elfringhauser Schweiz auf. Von dieser "Schweiz" habe ich zugegebenermaßen noch nie zuvor gehört. Sie befindet sich zwischen Velbert, Hattingen und Wuppertal.

Einigermaßen pünktlich bringt uns die S-Bahn nach Velbert-Nierenhof, dann gehen wir zu Fuß weiter.
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Wie viele Parteien können an einem Fahrkartenautomaten beteiligt sein? Fazit: Ein Automat von Transdev für Abellio, dessen Bargeldinhalt dem VRR gehört braucht zwar zwei Minuten zum Laden, verkauft dann aber auch Sparpreise mit BC-Rabatt und ermöglicht das Sammeln von Bahnbonuspunkten.
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In der Elfringhauser Schweiz
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Schließlich führt der Weg zu einem Hof, um den tonnenweise Krempel herumsteht. Erst von der anderen Seite sehen wir gleich an zwei Stellen Schilder, die auf diverse Gefahren und ein Durchgangsverbot hinweisen. Und mit dem bissigen Hund haben wir glücklicherweise auch keine Bekanntschaft gemacht.
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Dann müssen wir erstmal ein gutes Stück an der Landstraße entlanglaufen und passieren weitere einsame Häuser, an deren Zufahrten jede Menge gelbe Schilder abschrecken.
    
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  Geschrieben am: 12 Jul 2020, 11:38


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Nach einem weiteren Waldweg gelangen wir nach Hattingen - Fazit: Wenn man die Sächsische Schweiz gewohnt ist, wird man von der Elfringhauser Schweiz nicht vom Hocker gehauen. Tolle Lichtstimmungen gibt es trotzdem.
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Wir nehmen einen Bus, um nicht noch bis ins Zentrum laufen zu müssen. Denn Hattingen hat eine wunderschöne Altstadt - vor meinem Besuch war mir die Existenz dieses Ortes völlig unbekannt. In den schmalen und schiefen Häusern mit Schieferplattenverkleidung sind zahlreiche Gaststätten untergebracht.
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Wir begeben uns zurück zur S-Bahn Hattingen Mitte. Oberirdisch fährt die Linie 308 der Bogestra.
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Der Hp liegt an einer kurzen Stichstrecke im Tunnel und erschließt die Altstadt hervorragend. Knuffig finde ich die Fußgängerampel an der Rolltreppe mit Richtungswechsel.
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Die Rolltreppe bringt uns auf den Bahnsteig und oh! Hä? Wasndas? Da stehen ja n-Wagen!
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  Geschrieben am: 12 Jul 2020, 11:39


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Dass TRI Ersatzverkehr für Abellio fährt, war mir gar nicht bekannt. "Verehrte Reisende, wir begrüßen Sie auf der Fahrt nach Essen-Steele Ost. Genießen Sie die Fahrt mit uns in der Ersatzgarnitur in den Sonnenuntergang."
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Wieder in der "richtigen" S-Bahn mit den knallbunten Sitzpolstern. Gewagt, aber meiner Ansicht nach gelungen.
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Drei Mädels, um die 17 Jahre alt, setzen sich in den Vierer gegenüber. Eine schmeißt ihre Jacke auf den freien Sitz. "Boah, ich muss pinkeln", bemerkt eine bald, "ich geh gleich im Hauptbahnhof Essen. Mir egal, ob das was kostet. Ich muss wirklich dringend!" Sie drückt irgendwas an ihrem Handy herum. Eine der beiden anderen schnappt es ihr aus der Hand. Wenig später verkündet es den Eingang einer neuen Nachricht. "Wer hat mir denn geschrieben?" "Dennis." "Boah nee, ich will nicht, dass der mir was schreibt. Wieso fahren wir eigentlich so langsam? Ich muss pinkeln. Gibt's hier eigentlich ein WC?" "Nee", meint eine ihrer Freundinnen. "Boah, ich geh dann aber wirklich gleich am Hauptbahnhof. Ich muss wirklich dringend! Ich mach' mir gleich in die Hose."
Der Zug bleibt auf freier Strecke stehen. "Wieso fahren wir denn nicht weiter?" Zwei Minuten vergehen. Ein ICE saust auf einem anderen Gleis vorbei. "Ich mach mir echt gleich in die Hose. Hat jemand einen Becher?" Sehr geehrte Fahrgäste, die Weiterfahrt verzögert sich aufgrund von Bauarbeiten noch um wenige Minuten.
"Wie lange noch?" "Keine Ahnung." "Um 21:45 Uhr fährt unsere Bahn", stellt eine der drei fest. "Und wie viel Uhr ist es jetzt?", will die wissen, die dringend aufs Klo muss. "21:39 Uhr." Die S-Bahn setzt sich wieder in Bewegung. "Na endlich, dann kann ich endlich pinkeln," brummt sie ungeduldig. "Aber dann verpassen wir unsere Bahn um 21:45 Uhr." "Wie viel Uhr ist es jetzt?" "21:42 Uhr. Das sind nur noch drei Minuten." "Das schaffe ich." "Nein, das schaffst du nicht. Ich habe kein Bock, 20 Minuten auf die nächste Bahn zu warten. Du kannst bei mir pissen."


Hochbahnsteig Martinstraße, der bald 30 m Nf-taugliche Bahnsteighöhe erhält - im Gegensatz zu Mülheim reicht in Essen ein Dreischienengleis für die meterspurigen Straßenbahnen und die regelspurigen Stadtbahnen.
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Guckloch für was-auch-immer
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