Noch einige Artikel zur Nachreichung auf diese Tat:
Die SZ sieht in
"Allahu akbar" einen "Aufruf zum Generalverdacht" im Sinne einer Verengung auf terroristischen Hintergrund -
insoweit ein schönes Zeichen dafür, wie sehr das aktuelle Verständnis von Terrorismus sich aus ISIS-Propaganda, deren medialen Verbreitung und den anderen Schwachmaten ähnlicher Coleur speist. Dabei fällt allerdings untern Tisch, dass der Ausruf sehr viel mehr "neutrale" und auch "positive Bezüge hat, z.B. als Einleitungsformel für Gebetsaufrufe (ja, durch Muezzine) oder als freudiger Ausruf analog zum deutschsprachigen
Gott sei Dank, wenn etwa ein Kind aus einem zerstörten Haus gerettet werden kann.
"Spiegel Online" widmet sich der
"wirklich wahren Wahrheit über [den Täter]" und skizziert, wie Marco Delgardo, Jürgen Elsäßer und andere der Wahrheit Bewahrenden belegen wollen, die Tat sei von "Rafik Y." resp. "Rafik Youssef" statt einen Menschen mit deutschem Namen begangen worden, um einen Bezug zu Migration und dem ganzen üblichen Rattenschwanz herzustellen.
SpOn @ 11 Mai 2016 hat geschrieben:Der Vorgang zeigt, wie die Propagandamaschine der "Lügenpresse"-Fraktion in Deutschland derzeit funktioniert. Mit verteilten Rollen und unklaren Quellen werden ins rechtspopulistische, antimuslimische Bild passende Behauptungen so lange wiederholt, bis sie für manche Internetnutzer zur gefühlten Wahrheit geworden sind - egal, wie weit sie von den Tatsachen entfernt sind. Viele werden die tatsächlichen Fakten nie erfahren, die Lüge wird ihnen als Wahrheit in Erinnerung bleiben und das diffuse Gefühl, ständig belogen zu werden, verstärken.
Die Fakten tun dabei ab einem bestimmten Punkt gar nichts mehr zur Sache. Richtigstellungen der Erfindungen werden als weiterer Beleg für gesteuerte Berichterstattung und Manipulationen gedeutet.
Fakten werden zu Propaganda umgedeutet, aus Propaganda werden Fakten.
Die "Zeit" fasst die bisher bekannten Umstände (Tathergang, Umstände des Täters) m.M.n. ganz gut und vor allem nicht reißerisch zusammen unter dem Titel
"Gewalt, die selbst der Täter nicht versteht". Daneben wird die Tat auch als Amoktat eingeordnet:
[quote=""Die Zeit" @ 11 Mai 2016"]Was aber brächte einen Täter dazu, islamistische Parolen zu brüllen, wenn er sich gar nicht mit dieser Sache identifizierte? [...] Die Vernehmungen brachten darauf bisher keine Antwort, vielleicht wissen die Ermittler nach der psychologischen Untersuchung mehr. Die Forscher [für Amoktaten] sagen jedenfalls: Amokläufer nehmen oft Bezug auf andere Taten und suchen sich "Vorbilder" für ihr Tun. [...]
Viele Amokläufer wollen die maximal mögliche Öffentlichkeit. Womöglich hatte der Angreifer von Grafing den Eindruck, die Drohung mit dem Islamismus sei mittlerweile die effektivste Art, um als Einzeltäter heute Aufmerksamkeit zu erregen. Zumindest für ein paar Stunden funktionierte das prompt.[/quote]
Selbst Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigerwerkschaft, der sonst sein Gesicht in jede Kamera hält, um mehr Ressourcen für die Polizei zu fordern und dabei gerne eine bedrohliche globale Sicherheitslage betont, hat sich kritisch geäußert und wird indirekt, also bereits im Konjunktiv, zitiert:
[quote=""Die Zeit" @ 11 Mai 2016"]Manche hätten aus dem kleinsten Hinweis direkt einen islamistischen Anschlag konstruiert[.][/quote]