[CH] Die Schweiz mal wieder.

Eure Reportagen und Reiseberichte finden hier ihren Platz, gerne auch Bilder abseits von Gleisen
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Entenfang
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Ich wart' seit Wochen
auf diesen Tag
Und tanz' vor Freude über den Bahnhof
Als wär's ein Rhythmus
Als gäb's ein Lied
Das mich immer weiter in die Züge zieht
Komm' dir entgegen
Dich abzuholen
Wie ausgemacht
Zu derselben Uhrzeit
Am selben Treffpunkt
im ITF

Die Toten Hosen - Tage wie diese mit Entenfangschen Anpassungen

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Zum 01.04.2022 endet die besondere Lage in der Schweiz und damit auch alle öV-bezogenen Coronamaßnahmen wie Maskenpflicht, gesperrte 1. Tür und 1. Sitzreihe beim Bus sowie Daueröffnen bei der Tram.
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben."
- vielleicht von Alexander von Humboldt, vielleicht auch nicht.
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TramBahnFreak
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von TramBahnFreak »

Entenfang hat geschrieben: 31 Mär 2022, 22:27Zum 01.04.2022 endet die besondere Lage in der Schweiz und damit auch alle öV-bezogenen Coronamaßnahmen wie Maskenpflicht, gesperrte 1. Tür und 1. Sitzreihe beim Bus sowie Daueröffnen bei der Tram.
Zumindest das ist doch schon lange weg? Oder war das regional so verschieden?
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von DUEWAG-IBK »

Also gibt es dann einen lebendigen Witz:
Woran erkennt man in Basel einen Deutschen? Er fährt mit Maske in dem Tram.

Ja, dieses reale Kuriosum ist dann wohl der Staatsgrenze bei Riehen geschuldet. Wird aber auch jeden Bus & Zug in die Nachbarländer der Schweiz betreffen.

edit: Nominativ durch Dativ ersetzt.
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Jean
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Jean »

DUEWAG-IBK hat geschrieben: 01 Apr 2022, 07:23 Also gibt es dann einen lebendigen Witz:
Woran erkennt man in Basel einen Deutschen? Er fährt mit Maske in dem Tram.

Ja, dieses reale Kuriosum ist dann wohl der Staatsgrenze bei Riehen geschuldet. Wird aber auch jeden Bus & Zug in die Nachbarländer der Schweiz betreffen.

edit: Nominativ durch Dativ ersetzt.
Für Straßburg gab es auch eine interessante Anmerkung. Ich zitiere aus den Kopf: "Wenn Sie mit der Linie D nach Kehl fahren, beachten Sie bitte die 3G Regel und die FF2 Maskenpflicht." In Frankreich gab es nie die 3G Regel im ÖPNV...und die ganze Zeit galt nur OP-Maske...
Danke für das Forum

Für den ÖPNV Ausbau Gegen Experimente und Träuereien. Eine Trambahn braucht einen eigenen Fahrweg, unabhängig vom MIV!
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Entenfang
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

TramBahnFreak hat geschrieben: 01 Apr 2022, 04:25
Entenfang hat geschrieben: 31 Mär 2022, 22:27Zum 01.04.2022 endet die besondere Lage in der Schweiz und damit auch alle öV-bezogenen Coronamaßnahmen wie Maskenpflicht, gesperrte 1. Tür und 1. Sitzreihe beim Bus sowie Daueröffnen bei der Tram.
Zumindest das ist doch schon lange weg? Oder war das regional so verschieden?
Leider nicht. Ich war mal letztes Jahr bei einer (der wahrscheinlich unzähligen) Konferenzen zum Thema Coronafolgen für den ÖV dabei und habe vorgeschlagen, zumindest die 1. Tür wieder zu öffnen und die 1. Sitzreihe freizugeben, weil ich in Basel regelmäßig gut gefüllte Fahrzeuge gesehen habe, wo sich die Fahrgäste an der 2. Tür gestapelt haben, während vorne wertvoller Platz vergeudet wurde.
Die Grundregel war wohl, 1. Tür nur offen auf Linien mit Billettverkauf beim Chauffeur, sonst nicht. In Basel, Zürich und Bern wurde das auch so praktiziert, allein in Fribourg wurde das nicht so strikt gehandhabt, obwohl man beim Chauffeur dort keine Fahrkarten kaufen kann. Die 1. Reihe konnte man auch benutzen, ob die 1. Tür aufging oder nicht, hing nach meiner Beobachtung von der Laune des Chauffeurs ab. Als Begründung wurde genannt, man möchte das Fahrpersonal schützen, wo ich ja auch absolut mitgehe - aber dann frage ich mich schon, warum man nicht wie in München einfach die Fahrerkabine verglast hat, was unabhängig von Corona gegen hustende und übergriffige Fahrgäste schützt. Außerdem hielt man sich an die Systemführerschaft von SBB und Postauto und solange die das so machen, machen wir das alle so. Wobei das eigentlich auch nicht mehr gestimmt hat, denn die SBB hat schon letzten Herbst das Daueröffnen größtenteils wieder abgeschafft.
Auch das Daueröffnen habe ich nie verstanden - wenn man schon ein Millionendefizit einfährt und sich für dessen Kompensation (völlig zurecht) vor dem Steuerzahler rechtfertigen muss, dann sollte man vielleicht nicht mutwillig die Ausgaben nach oben treiben. Dem Vernehmen nach haben Türstörungen und Defekte an Heizungen und Klimaanlagen im Stadtverkehr deutlich zugenommen - für den Dauerbetrieb sind die nie ausgelegt gewesen und der sehr kurze Haltestellenabstand macht es noch schlimmer. Ganz abgesehen davon, dass es für den Fahrgast auch nicht wahnsinnig attraktiv ist, im Winter in die kalte Tram zu steigen. Im Fernverkehr wurden ja auch nicht alle 5 min Betriebshalte zum Lüften eingelegt und dass der Vergleich hinkt, lasse ich nicht wirklich gelten. Wenn es im Stadtverkehr voll ist, kann es ja sogar im Sinne des schnelleren Fahrgastwechsels sinnvoll sein, zentral zu öffnen. Aber in der SVZ, wenn eh mehr als genügend Abstand ist...
Und für mich persönlich ist es einfach schön, wenn man beim Einsteigen vom Chauffeur begrüßt wird - die Höflichkeit oder Freundlichkeit, ja nachdem, ist einer der Punkte, die für mich die Schweiz ausmachen und von Deutschland unterscheiden. Außerdem erinnert mich das an meine Uni-Exkursion in die Schweiz 2018, als wir im Regionalverkehr irgendwo bei Zürich als Gruppe von über 25 Personen alle vorne eingestiegen sind und jeder einzelne von uns persönlich begrüßt wurde :D

@ Jean und Duewag:
Klar, das hat man an diversen Grenzen, natürlich ist es absurd, wenn man 2h von Kopenhagen bis Padborg nebeneinander ohne Maske sitzt und dann für die restlichen 2h in Deutschland eine aufsetzen muss. Aber letztlich ist es ja kein coronaspezifisches Phänomen, genausogut könnte man das über den legalen Konsum von Cannabis in den Niederlanden oder das fehlende Tempolimit auf deutschen Autobahnen sagen. Ich habe aufgehört, nach dem Sinn zu fragen (war das nicht im Fazit meiner Indienreise drin?) oder darüber zu diskutieren und bin einfach froh, dass sich die Schweiz nun endlich davon befreit hat.
Und um wieder auf den eigentlichen Sinn dieses Threads zurückzukommen - ich habe Tag 1 n.C. auch gleich für eine Ausfahrt genutzt. Und im Laufe des Tages ist ganz unverhofft auch noch eine weiße Überraschung dazugekommen - kein Aprilscherz!

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33 am Bierhübeli

Das Lorraine-Viadukt auf dem Hauptzulauf von Norden ist eine recht bekannte Fotostelle:
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Wendezüge verstärken kann die SBB auf kreative Weise - egal ob mit Lok in der Mitte oder einfach ein paar Extrawagen an den Steuerwagen dran...

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Im Hintergrund ist das Bundeshaus zu erahnen.

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BE-832 885 am Eigerplatz

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Ein Combino passiert den Monbijoupark

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Die roten Fahrzeuge machen sich gut vor der weißen Pracht - ein Combino am Sandrain, nach dem späten Wintereinbruch eher ein Schneerain

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An einigen Stellen hat es in die Blüten geschneit - der plötzliche Wintereinbruch nach dem äußerst warmen März könnte einige Obstbauern um die Ernte bringen.

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Mit einem freundlichen Lächeln wird der späte Winter begrüßt

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Man beachte die Taktdichte - ganztägig alle 6 min unter der Woche! Insbesondere Bern hat schier unglaubliche Taktdichten für eine Stadt mit gerade mal 135.000 Einwohnern, freilich mit sehr vielen Einpendlern.

Für die Rückfahrt habe ich mich dann für einen kleinen Umweg entschieden. Los geht´s in Bern Tiefgarage.
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Zuerst mit der S-Bahn der bls nach Südosten bis Konolfingen...
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...anschließend weiter durch den Wintertraum nach Norden bis Burgdorf.
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Man beachte die Uhrzeit und die Lichtverhältnisse!

Weiter geht es dann etwa 20 min später mit der neu eingerichteten Direktverbindung Bern - Chur (mit Umstieg in Zürich ist man allerdings rund 45 min schneller).
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Vor Olten gibt es ein par Bonusminuten, doch mit einem Hechtsprung durch die Unterführung lässt sich der Anschluss nach Basel trotzdem noch problemlos erreichen. Nicht, dass ein Verlust allzu schlimm gewesen wäre - 3 min später fährt schon der nächste IC nach Basel...
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218217-8
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von 218217-8 »

Entenfang hat geschrieben: 01 Apr 2022, 23:33Man beachte die Taktdichte - ganztägig alle 6 min unter der Woche! Insbesondere Bern hat schier unglaubliche Taktdichten für eine Stadt mit gerade mal 135.000 Einwohnern, freilich mit sehr vielen Einpendlern.
Mit dem Größenvergleich zwischen deutschen und schweizerischen Städten wäre ich vorsichtig:
- In Deutschland gab es mehrere Gebietreformen, bei denen viele Städte ihre Einwohnerzahlen durch Eingemeindungen teilweise vervielfacht haben. Am Beispiel meiner Heimatstadt Heilbronn: Heilbronn hat 126.500 Einwohner, die eigentliche Kernstadt aber nur 62.000. Mehr als die Hälfte machen also eingemeindete Stadtteile aus.
- In der Schweiz hat es das in dieser Form nicht gegeben, erst in letzter Zeit gibt es eine ähnliche Tendenz.
- Um die Größe und ggf. Bedeutung einer Stadt in der Schweiz über die Einwohnerzahlen mit deutschen Städten zu vergleichen, sollte eher die sogenannte Agglomeration herangezogen werden. Diese umfasst viele eigenständige Gemeinden und Städte im Umland, die in Deutschland längst eingemeindet wären.
- Für Bern wäre wohl der Agglomerationshauptkern (263.000 Ew.) die passende Vergleichsgröße, evtl. sogar die Gesamtagglomeration (420.000 Ew.). Ich kenne die Region dort zu wenig, um einzuschätzen, welcher Wert für den Vergleich besser passt. Auf jeden Fall wären vergleichbare Städte in Deutschland meiner Meinung nach eher Mönchengladbach, Karlsruhe oder Münster als Heilbronn oder Ingolstadt.
Andere Einflussgrößen wie Zentralität oder wirtschaftliche Bedeutung mal nicht berücksichtigt.
(Alle Einwohnerzahlen aus Wikipedia)

Ganz sicher hat Bern trotzdem in jedem Vergleich ein gutes ÖPNV-Angebot mit dichten Takten, das möchte ich nicht anzweifeln.

Vielen Dank für die schönen "Frühlingsbilder" aus Bern!
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

218217-8 hat geschrieben: 02 Apr 2022, 13:48 - Für Bern wäre wohl der Agglomerationshauptkern (263.000 Ew.) die passende Vergleichsgröße, evtl. sogar die Gesamtagglomeration (420.000 Ew.). Ich kenne die Region dort zu wenig, um einzuschätzen, welcher Wert für den Vergleich besser passt. Auf jeden Fall wären vergleichbare Städte in Deutschland meiner Meinung nach eher Mönchengladbach, Karlsruhe oder Münster als Heilbronn oder Ingolstadt.
Vielen Dank für die schönen "Frühlingsbilder" aus Bern!
Bittesehr :) Guter Punkt, klar ist der Einwohnervergleich immer schwierig, aber letztlich erschließen die Tramlinien hauptsächlich die Kernstadt und kaum die Agglomeration.


Gut 1 Jahr kann ich nun Basel meine neue Heimat nennen - höchste Zeit, eine virtuelle Netzbefahrung zu machen und dabei auch den einen oder anderen Ort abseits der Gleise mitzunehmen. Die Bilder entstanden auf diversen Spaziergängen, Radtouren oder ÖV-(Spazier)fahrten des letzten Jahres und beinhalten daher auch alle Jahreszeiten.

Beginnen wir einfach mit der Linie 1 an der wichtigsten Haltestelle im Basler Tramnetz, dem Centralbahnplatz vor dem Bahnhof SBB. Die sechsgleisige Haltestelle ist ein quirliges Empfangstor in die Stadt.
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Lediglich während der HVZ verstärkt die Linie 1 ab hier die Linie 2 durch die Innenstadt bis zum Badischen Bahnhof, doch das zeige ich ein andernmal.
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Sonst wendet die 1 vom im Bild ganz linken auf das im Bild ganz rechte Gleis.
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Geht das mal schief, fährt erstmal keine Tram mehr über diesen Platz…
https://www.bazonline.ch/tram-der-linie ... 5364925006

Eine der kniffligsten Kreuzungen der Stadt ist die an der Markthalle.
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Hat man es erfolgreich über diese stark befahrene Kreuzung mit Tram aus vier Richtungen, davon eine abbiegende Linie, zwei Buslinien, Fußgängerüberwegen und Abbiegeverboten mit Rechts-vor-Links geschafft, hat man sich eine Pause im namensgebenden Gebäude verdient.
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Wenn gerade nicht Corona ist, sind in der belebten Halle zahlreiche Essensstände mit Spezialitäten aus aller Welt.


5021 überquert das Birsigviadukt, im Hintergrund die Pauluskirche
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Unweit der Haltestelle Zoo Bachletten rollt Combino 316 am frühlingshaften kleinen Park vor der Pauluskirche vorbei.
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Die Blütenpracht im Detail
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Mächtige Platanen säumen den gesamten Straßenzug vom Birsigviadukt bis zum Kannenfeldplatz. 317 zwischen Birmannsgasse und Hegenheimerstrasse
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In wenigen Augenblicken wird 308 den Kannenfeldplatz erreicht haben.
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Bei der geplanten Umgestaltung dieses Straßenzuges wird die Tram höchstwahrscheinlich ihren eigenen Bereich abgeben müssen. Die Fahrradstreifen entsprechen mit nur 1,00 m Breite nicht mehr den Normen und an das Fällen dieser Bäume ist gar nicht zu denken. Außerdem ist die heutige Tramtrasse nicht bustauglich, sodass die parallel verkehrenden Busse im Mischverkehr mitschwimmen müssen. Der 50er zum Europairport lässt dabei 6 Tramhaltestellen aus und ist aufgrund der deswegen kürzeren Reisezeit bei den Fahrgästen sehr beliebt – die Überlastung zwischen Bahnhof SBB und Kannenfeldplatz ist in erster Linie auf Binnenfahrgäste zurückzuführen, nicht auf Fluggäste.

In tiefem Grün zeigt sich der Kannenfeldplatz mit Haltestelle in der Mitte eines großen Kreisverkehrs.
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Mit viel Liebe sind zahlreiche Verkehrsinseln bepflanzt.
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Der Platz im Überblick, rechts hinten der nette Kannenfeldpark.
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Der zentrale Platz kommt ohne LSA aus.
https://goo.gl/maps/ioCFtW8C4HbHNQFE6


502 pausiert am Bahnhof St. Johann…
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…und traute sich am Vortag beim Wendemanöver unter der Brücke des Luzernerrings hervor.
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Inzwischen Geschichte ist die Vollwerbung des 5004, welcher für Corona-Schutzmaßnahmen wirbt.
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Von 1997 bis 2008 fuhr die S1 bereits von Frick bis nach Mulhouse – dann wurde Sarkozy Präsident und erzwang den Kauf und Einsatz von französischen Zügen, sodass die extra für den Frankreicheinsatz beschafften Flirt nicht genutzt werden konnten. Seitdem enden alle französischen Regionalzüge in Basel SBB. Außerdem hatte der Bahnhof für eine Weile nahezu keine Zughalte, weil aus zolltechnischen Gründen alle Züge nach Frankreich durchfahren mussten. Nun ist frühestens mit der S-Bahnanbindung an den Flughafen wieder mit durchgehenden Zügen zu rechnen und das wird noch Jahre dauern.
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302 durchfährt einen sattgrünen Kreisel zwischen Voltaplatz und Bahnhof St. Johann.
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5035 nähert sich der Haltestelle Novartis Campus, benannt nach dem dort angesiedelten Pharmakonzern.
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Das gesamte Gelände wurde in den letzten Jahren umgebaut und böse Zungen behaupten, dass das Hauptziel war, das Einleiten von Abwasser in den Rhein besser zu verschleiern.

Der Fußweg von hier zum Rhein ist jedenfalls nicht weit. Kritisch beäugt dieses Entenpaar die Aktionen des Fotografen
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Wenige Meter weiter ist auch schon die gut bewachte Grenze zu Frankreich erreicht.
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Ein Flexity überquert die Dreirosenbrücke, für mich ein sehr schönes Beispiel intelligenter Stadtgestaltung.
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In den 19900er Jahren sollte die alte Dreirosenbrücke durch einen Neubau ersetzt werden, um eine Autobahnverbindung von der Schweiz nach Frankreich zu schaffen. So entstand diese zweistöckige Brücke, wobei die Autobahn unten liegt und zur Stadtseite verglast ist. Ohne diese Lärmschutzmaßnahme könnte man das Flanieren am Rheinufer nicht besonders genießen.

Ähnliche Perspektive mit sommerlichem Hochwasser – der niederschlagsreiche Frühsommer des Jahres 2021 machen sich bemerkbar.
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Die dunklen Wolken kündigen weiteren Niederschlag an
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Die Verstärkerlinie 21 schafft ausschließlich während der HVZ eine Direktverbindung vom Badischen Bahnhof zum Bahnhof St. Johann. Für den gefahrenen Takt 15 werden nur 2 Kurse gebraucht, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist mindestens einer davon ein Cornichon-Zug. 490/1487 erklimmt von der gleichnamigen Haltestelle die Brücke, im Hintergrund der Fernsehturm auf der Chrischona.
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Und zum Abschluss noch der Blick über den Rhein Richtung Innenstadt, rechts das St.-Johanns-Tor.
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[CH] Vor einem Jahr und einem Tag

Beitrag von guru61 »

... endete der 750 mm Schmalspurbetrieb in der Schweiz:
https://flic.kr/s/aHsmVb4p8A
https://youtu.be/c2M54OPilN4

Gruss Leo
Gruss Guru
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Südostbayer
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Südostbayer »

Entenfang hat geschrieben: 03 Apr 2022, 00:07Von 1997 bis 2008 fuhr die S1 bereits von Frick bis nach Mulhouse – dann wurde Sarkozy Präsident und erzwang den Kauf und Einsatz von französischen Zügen, sodass die extra für den Frankreicheinsatz beschafften Flirt nicht genutzt werden konnten. Seitdem enden alle französischen Regionalzüge in Basel SBB.
https://www.regbas.ch/files/BaZ_BZ_15_u ... gleist.pdf und weitere Berichte verstehe ich so, dass das eine Entscheidung der Région Alsace war. Flirt-Triebwagen fahren ja (inzwischen) in anderen französischen Regionen nach Belfort-Montbéliard TGV in Franche-Comté und beim Léman Express.
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Irgendein unerklärliches protektionistisches Getue halt, dass ein sinnvolles grenzüberschreitendes Bahnangebot seit mehr als einem Jahrzehnt verhindert...


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Bleiben wir doch an der Dreirosenbrücke einfach sitzen, die Fahrzeuge der Linie 1 fahren mangels Wendemöglichkeit als Linie 14 weiter und umgekehrt.
Die beiden Kurse des 21er begegnen sich an der Brombacherstrasse
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5010 ist ebenfalls hier unterwegs
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Dieses Fahrzeug ist für mich ein typisches Beispiel dafür, dass man sich mit Geld in der Schweiz doch ziemlich viel kaufen kann. Erstens sind die Fenster zum Teil beklebt (dafür gibt es zwar einen Maximalanteil, aber wenn ich mir das anschaue, sind das fast 50% und das sollte eigentlich nicht sein) und zweitens darf es nicht im Ausland eingesetzt werden, da Schweizer Banken keine Werbung ausserhalb der Schweiz machen dürfen. Warum man dann ausgerechnet einen Flexity nehmen musste, der als einziger überall fahren kann, ja mei…

315 nähert sich der Brombacherstrasse
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Bereits auf Einrückfahrt rollt 502/1486 am Musical Theater um die Kurve.
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Dieser Bogen ist für mich ein Beispiel für den Schweizer Hang zu (übertriebenem) Perfektionismus. Da Trams und Eisenbahnen im Gegensatz zu Deutschland dieselben gesetzlichen Grundlagen haben, haben alle Bögen der Tram eine exakt definierte Geschwindigkeit, die sich wie bei der Eisenbahn aus der gesetzlich festgelegten maximalen Seitenbeschleunigung ergibt. Und die wird wirklich sehr, sehr, sehr genau berechnet – in diesem Bogen sind in die eine Richtung 18 km/h und in die andere Richtung 19 km/h erlaubt. Abgesehen davon, dass ich bezweifele, dass irgendjemand etwas davon merken würde, wenn man einfach pragmatisch 20 km/h sagen würde, ist es zudem für mich nicht logisch, dass im inneren Bogen die höhere Geschwindigkeit zulässig ist. [/unnützes Wissen]
Gut zu erkennen ist außerdem, dass bei den Cornichon-Zügen ausschließlich die Beiwagen (sowie die Fahrerkabine) mit einer Klimaanlage nachgerüstet wurden.

Steigen wir doch aus und machen wir einen kleinen Spaziergang ins Erlenmattquartier, welches in der Nähe auf dem Areal eines ehemaligen Güterbahnhofs entstanden ist.
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Auch wenn man sich sehr um eine kluge Stadtgestaltung mit einem großen Park bemüht hat, gibt es in meinen Augen zu viele tote Beton- und Kiesflächen.
Die Lage eingekesselt zwischen zwei Autobahnen finde ich trotz Riegelbebauung mit Lärmschutz-Glastüren an den Hausdurchgängen nicht besonders attraktiv.
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Ein Grund für mich, dennoch immer mal wieder dort anzuhalten, wenn ich in der Ecke vorbeikomme, sind die Erlenhühner. In nachbarschaftlicher Zusammenarbeit werden dort ein paar Hühner gehalten, die man auch mit Gemüseresten füttern darf.
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Bei den Spatzen sehr beliebt ist das reichhaltige Futterangebot
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Nachdem wir den Messeplatz erreicht haben, biegt die Tram wieder Richtung Innenstadt ab und durchfährt die größtenteils verkehrsberuhigte Clarastrasse, im Hintergrund die Messe.
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Wenige Augenblicke später ist auch schon der quirlige Claraplatz erreicht.
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Die Gleise schlängeln sich von der Rheingasse zum Claraplatz.
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Am ersten Wochenende nach dem Lockdown des Winters 2020/21 bevölkern wieder Menschenmassen das Herz Kleinbasels.
02659
Im dichten Takt rollen Trambahnen und Busse über die Mittlere Brücke, die älteste Brücke der Stadt.
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Davon ungestört können Radfahrer und Fußgänger entlang des Rheinufers flanieren.
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Wo wir schon mal hier sind, schauen wir uns den Brauch des Vogel Gryff an, der alljährlich im Januar stattfindet. Eine ausführliche Erläuterung dazu hier: https://altbasel.ch/dossier/vogel-gryff.html

Der wilde Mann mit Tanne fährt rheinabwärts, begleitet von Salutschüssen.
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Später werden die zahlreichen anwesenden Schulkinder versuchen, ihm einen Apfel zu entreißen.

In Kürze wird der Wilde Mann an Land gehen
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Vogel Gryff und der Löwe zeigen sich auf der Terrasse des Café Spitz
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Die Ueli sammeln mit klimpernden Blechdosen Spenden für Bedürftige
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Die Flaggen der drei Ehrengesellschaften sind gehisst
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Mit einem Tanz am Käppelijoch (mitten auf der Mittleren Brücke) geht es weiter, ehe sich dann ein Umzug durch Kleinbasel formiert und die Ehrengesellschaften ausgiebig zusammen essen.
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Bild des Tages
Der Höhepunkt des Frühlings
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...ist für mich eindeutig die Rapsblüte. Auf der einzigen Berner Überlandlinie 6 nach Worb, deren Infrastruktur der RBS gehört und auf der neben den gezeigten RBS-Altwagen auch einzelne Kurse mit Combinos von Bernmobil gefahren werden, ist mir 88 bei Langenloh vor die Linse gefahren.

Wörterbuch Schwiizerdütsch - Deutsch
Verschiebung:
Transfer, Übergang
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Bild des Tages
Aus der Mitte
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...sind die Stromabnehmer der Uetlibergbahn, denn der Abschnitt Zürich HB - Zürich Giesshübel ist mit zwei verschiedenen Stromsystemen elektrifiziert. Die Uetlibergbahn fährt mit 1200 V Gleichstrom, die Sihltalbahn mit 15 kV Wechselstrom. Das Gleis im Bild nach rechts ist eine Güterzugverbindung zum SBB-Netz und mit 15 kV elektrifiziert, weswegen hier bei der Kreuzung eine recht aufwendige Konstruktion mit Schutzstrecke erforderlich ist.
Doch lange wird es dieses Kuriosum nicht mehr geben - im Sommer 2022 wird die Uetlibergbahn auf den Standard 15 kV Wechselstrom umgebaut. Die Stromabnehmer sind beweglich und die Fahrzeuge mehrsystemfähig - sie können daher nach der Umstellung problemlos weiterverkehren.
Mehr dazu: https://www.szu.ch/service-information/ ... ormationen

Mein Eindruck ist, dass in der Schweiz derzeit relativ konsequent eine Vereinheitlichung der Bahnsysteme stattfindet und Systemgrenzen überwunden werden sollen. Gleichzeitig wird die Abschaffung kleiner Inselnetze angestrebt. Diese Bestrebungen können sich je nach Situation völlig unterschiedlich äussern - von der kompletten Rekonstruktion und Umspurung der Waldenburgerbahn (750 mm auf 1000 mm) über das Beschaffen von umspurbaren Fahrzeugen für die Golden-Pass-Linie (ermöglicht Direktzüge Luzern - Interlaken - Montreux) und der Änderung des Stromsystems bei der Uetlibergbahn bis zum tragischen Fall der 4 km kurzen, isolierten Meterspurstrecke Strecke Le Locle - Les Brenets, die im Jahr 2023 stillgelegt, asphaltiert und anschließend von Elektrobussen bedient wird.

Und wer noch nach ÖV-bezogener Inspiration für die nächsten Monate sucht - dieses Jahr finden schweizweit Feierlichkeiten unter dem Motto 175 Jahre Schweizer Bahnen statt, was mit Werkstattführungen, Sonderfahrten, Wagenkorsos etc. gebührend gewürdigt wird. Details hier: https://175-jahre.ch/
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben."
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Der Vierwaldstättersee bei Sonnenuntergang und Mondschein

Los geht es mit dem IR bis nach Luzern. Moderne Schlichtheit empfängt dort den Fahrgast.
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Bis zur Schiffsabfahrt bleibt noch Zeit für einen kurzen Stadtspaziergang.
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Wow, überall so viele Menschen… Letztes Jahr war ein Besuch in Luzern deutlich angenehmer, inzwischen sind die Straßen wieder voll.

Auf dem Boot gibt es eine kuriose Klasseneinteilung – die 1. Klasse ist unten direkt über dem Motor, während man das Oberdeck auch als Fahrgast der 2. Klasse genießen kann.
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Der schneearme Winter und der sommerliche Mai machen sich bei den verbliebenen Schneemengen bemerkbar. Der Pilatus ist quasi schneefrei.
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Zum Vergleich: Letztes Jahr am 23. Mai:
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Kurs auf den Bürgenstock
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Blick zurück
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Ein spektakuläres Bauwerk ist der Hammetschwand-Lift, eröffnet 1905 nach Plänen des Hoteliers Bucher-Durrer, der seinen Gästen im noblen Resort ein Erlebnis der Extraklasse bieten wollte.
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Direkt vom Schiffsanleger führt eine Standseilbahn zum Hotel Bürgenstock.
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Der Ausblick von oben ist vielversprechend.
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Blick nach unten…
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…und zur Rigi.
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Ebenjener Hotelier ließ auch den Felsenweg anlegen, einen schattigen Spaziergang an der steilen Nordflanke des Bürgenstocks. Er ist vollständig barrierefrei.
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Auf dem Weg gibt es immer wieder Infotafeln mit QR-Codes zum Scannen. Man kann die interessante Geschichte des Weges und der Natur drumherum aber auch einfach online nachlesen:
http://lernpfad-felsenweg.ch/

Es gibt einige kurze Tunnels zum Schutz vor Steinschlag.
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Generell ist der Weg für einen Wanderweg geradezu lächerlich stark abgesichert mit Fangnetzen gegen herabfallende Steine, Einbetonierungen und einer Sperrung während des gesamten Winterhalbjahres (!). Vor der Wiedereröffnung im Frühjahr werden tatsächlich sämtliche Bergflanken nochmal überprüft und lose Steine entfernt und ergänzend dazu werden am Weganfang auch noch Warnschilder in drei Sprachen aufgestellt, dass es sich um einen Bergwanderweg mit Steinschlaggefahr handelt…

Löwenzahn und Moos auf den Felsen
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Zum See hin fällt der Berg fast senkrecht ab.
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Blick vom Gipfel (Spitze des Aufzugs) zum Pilatus und über den Vierwaldstättersee.
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Rigi im Abendlicht
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Allmählich neigt sich der Tag dem Ende zu
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Der Mond leuchtet hell über den Gipfeln
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An der Bergstation der Standseilbahn gibt es eine frei zugängliche Aussichtsterrasse, die allerdings nicht gerade zum Verweilen einlädt.
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Vielleicht ist es aber auch gar nicht Ziel der Sache, schließlich müssen ja die 3 Restaurants auch Umsatz machen. Eine Übernachtung beginnt in der Größenordnung von 700 CHF. Tatsächlich scheint dieses Hotel die Reichen aus aller Welt anzuziehen, vom Abendspaziergang der Gäste schnappe ich Schwiizerdütsch genauso auf wie Hochdeutsch und Englisch. Gäste aus dem arabischen Raum und Ostasien sind auch da.

Zugegeben, der Blick ist einfach einmalig.
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Ich nehme die nächste Standseilbahn und setze mich ins Abteil zu einem Paar aus dem arabischen Raum mit Schoßhund und einem ostasiatischen Paar mit ihrer 8 Jahre alten Tochter, die eine Puppe in ihren Armen hält und eine kleine Krone aus Pappe auf dem Kopf trägt.
„Ah, you’re the little princess?“, kommentiert der Araber. Die Kleine lächelt freundlich und ihre Eltern bejahen. „We also have a little princess. It´s the dog" , ergänzt er noch schmunzelnd. Die Bahn setzt sich in Bewegung und das Licht wird gedimmt, um den Ausblick über den See zu ermöglichen. Die Asiatin beginnt sofort, mit ihrem Handy zu filmen. Die noble Stimmung wird erheblich gestört durch die Gruppe Deutscher und Schweizer, die schon ein Gläschen Wein zu viel hatten und sich lautstark unterhalten, immer wieder unterbrochen durch überdrehtes Gelächter.
Das Mädchen flüstert ihrer Mutter immer wieder etwas ins Ohr. Dann auch noch dem Vater. Immer wieder schaut sie den Hund an. „Would you like to have the dog?“, erlöst der Araber sie und hebt den kleinen Hund auf die Sitzbank neben das Mädchen. Der lässt das völlig regungslos über sich übergehen und wird sogleich glücklich gestreichelt.

Nach nur wenigen Minuten ist die Fahrt schon wieder vorbei, das Licht wird wieder angeschaltet und neben den Hotelgästen begeben sich auch noch einige einheimische Wanderer zur Anlegestelle.
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Dann beginnt die Fahrt in die blaue Stunde auf dem im Gegensatz zur Hinfahrt fast leeren Schiff.
Blick zum Pilatus, aufgrund der Entfernung trotz der Belichtungszeit von 1s scharf, ein ganz netter Effekt, der mir zufällig beim Spiel mit den Kameraeinstellungen untergekommen ist.
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Der perfekte Vollmond wacht über die Nacht
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Im Mondenschein über den See – es ist wie im Traum und die besondere Atmosphäre kann das Bild gar nicht einfangen. Die 5 Lichter sind am Hammetschwand-Lift.
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In Luzern herrscht an diesem sommerlichen Samstagabend noch reges Treiben, der Verkehr rauscht und Musik erklingt aus diversen Lautsprechern von Grüppchen junger Menschen, die am Ufer zusammensitzen.
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Ein letzter Blick Richtung Berge
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Ich nehme den Treno Gottardo Richtung Basel, zu später Stunde ist die Beleuchtung viel zu grell. Die Nachfrage ist noch beachtlich.
Pünktlich erreiche ich Basel und in sportlichen 3 Minuten soll der Triebwagen wieder zurückfahren. Er wird schon sehnsüchtig von vielen Menschen erwartet.
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Vor 2 Wochen wurde im Nordwesten der Schweiz das 175-jährige Jubiläum der Schweizer Eisenbahn gefeiert. Ich habe mich in Basel SBB ein wenig umgeschaut.

Mouette-Triebwagen (Flirt 3 für FV)
Ab Dezember 2025 wird (nach dem zweigleisigen Ausbau Grellingen – Duggingen) der heutige Stundentakt Basel – Delémont – Biel auf einen Halbstundentakt verdichtet. Dafür beschafft die SBB 11 neue Triebwagen, die sich derzeit im Zulassungsprozess befinden. Im Rahmen der Feierlichkeiten zu 175 Jahren Eisenbahn konnte man einen der neuen Tw in Basel besichtigen.
Bis zur Fertigstellung des Streckenausbaus im Laufental werden die Züge ihre ersten Fahrgastfahrten ab 2023 auf dem IR 36 (Basel – Zürich Flughafen) absolvieren.
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Der Tw ist auch für den Gotthard-Basistunnel zugelassen.
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Das Innenraumdesign orientiert sich am Giruno.
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Warum die Fahrradhalterungen so schräg sind, ist mir schleierhaft.
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Wenigstens muss man sie nicht senkrecht an die Wand hängen.

Leider sind diese fiesen Stolperfallen-Rampen an den Wagenübergängen zum Standard geworden.
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Eine durchgehende Rampe mit einheitlicher Steigung wäre nicht TSI-konform, weil dann körperlich eingeschränkte Fahrgäste diese nicht mehr bewältigen könnten (!). Da frage ich mich schon, welcher Brüsseler Bürokrat sich sowas ausgedacht hat. Rampen an Bahnsteigzugängen in der Schweiz dürfen übrigens ohne Zwischenpodeste 12% Neigung aufweisen.

Die Rampen gibt es auch in den Flirt von Go Ahead Bayern.

Stufen gibt es nur an den beiden Wagenenden zu den Führerständen.
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Führerstand
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Die Außenspiegel sind in eine umfangreiche Glaskonstruktion eingebaut.
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Und kein Gruß an die Spezialisten, die es für eine gute Idee halten, mit der Pfeife zu spielen, wodurch sich einige Menschen furchtbar erschreckt haben.

Zu diesem SOS-Knopf gibt es eine lange Geschichte.
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Über 99% der dadurch ausgelösten Alarme sind Fehlalarme, was schon mal eine grundsätzlich schlechte Voraussetzung für die Ernsthaftigkeit bei einem eingehenden Notruf ist. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens ist das Design den Türöffnern sehr ähnlich. Eine andere Farbe zur besseren Unterscheidung war aufgrund irgendeiner Schweizer Norm nicht zulässig. Zu allem Überfluss gibt es im zahlreichen älteren Zügen Türöffner seitlich neben den Türen. Zweitens ist die Höhe perfekt, um mit dem Rucksack versehentlich dagegen zu stoßen. Den Knopf mit einer Klappe abdecken ist aber auch nicht zulässig, weil dann könnte im Notfall vielleicht eine halbe Sekunde verlorengehen oder jemand ist in Panik nicht in der Lage, die Klappe zu entfernen. Ebenfalls nicht zulässig wäre eine Mindestdrückdauer von 2 Sekunden oder eine deutlich höhere/tiefere Position zu wählen, denn selbst das ist in Vorschriften stark eingegrenzt.

Tücken im Detail haben auch die PRM-Vorrangsitze. Aus Sicht der Interessenverbände ist laut Auskunft des SBB-Kollegen wohl der Aufkleber am Fenster das wichtigste bei der Gestaltung dieser Plätze.
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Im Vergleich mit der normalen Sitzgruppe kann man zwei weitere Unterschiede erkennen.
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Der Tisch muss klappbar sein, um leichteres Platznehmen zu ermöglichen. Außerdem sind die Sitzflächen der PRM-Sitze 3 cm kürzer als die anderen, da Stadler den Zug nach dem Baukastenprinzip aufbaut. Ein Modul ist immer 1,80 m breit, egal ob mit Fenster oder Tür. Die Norm schreibt vor, dass zwischen den Sitzflächen der PRM-Sitze mindestens 60 cm Platz sein müssen, bei den Standardsitzen sind es aber nur 54 cm. Um mit dem vorhandenen Platz einer Vierergruppe auszukommen, muss man also entweder die Sitzpolsterung reduzieren oder die Sitzflächen. Man hat sich für Letzteres entschieden. Auch wenn man den Unterschied durchaus spürt, ist es zumindest für mich keine erhebliche Komforteinbuße, wohl aber ein zusätzliches Teil im Ersatzteillager der SBB.
Auf die Frage hin, warum die SBB eigentlich generell so sparsam mit der Tischgröße ist, zeigt sich die starke Subjektivität dieses Einbaus. Ich finde es super zum Arbeiten, Lesen oder Kartenspielen. Der SBB-Kollege empfindet Tische als störend beim Arbeiten, weil der Laptop seiner Meinung nach immer zu nah, zu hoch oder zu weit weg steht. Er möchte ihn am liebsten einfach auf die Oberschenkel stellen. Ich dagegen finde, dass Schmetterlingstische (im Gegensatz zu den hier gezeigten Tischen) eine gute Laptopposition ermöglichen. Das zweite Argument, nämlich dass große Tische den Fahrgastwechsel verlangsamen, lasse ich hier allerdings nicht gelten, da es sich explizit um einen FV-Zug handelt.

Der große Rollstuhlbereich…
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…mit Defibrillator.
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Nervig ist jedenfalls das Türpiepen, dass ebenfalls aufgrund der Norm ziemlich laut sein muss. Da hat man zumindest mitgedacht und die 1. Klasse ohne Außentür und mit Zwischentür getrennt.
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Auch hier alles typisch Giruno…
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…und leider nur kleine Tische.
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Nightjet Liegewagen Comfort

Besonders gespannt war ich auf diesen neuen Wagen, der bereits in Österreich im Einsatz ist und ab Sommer auch auf Strecken in die Schweiz eingesetzt werden soll.
Von außen sieht man dem Wagen die frische Lackierung an.
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Direkt neben der Tür ist dieses Fahrradabteil, das auf mich recht eng wirkt.
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Das Dienstabteil zu fotografieren, welches zwischen Fahrradabteil und Gang eingezwängt ist, ist quasi unmöglich. Es ist wirklich winzig und nicht mal 1 qm groß.
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Vergleicht man es mit dem Dienstabteil im älteren Schlafwagen, wo es sogar eine Liege gibt, eine deutliche Verschlechterung für das Personal.
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Auf den ersten Blick neu ist der elektronische Verschluss der Abteile mit Schlüsselkarte wie im Hotel. Sicher ganz praktisch, man kann nicht versehentlich ins falsche Abteil latschen und kann die Tür unabhängig von später zusteigenden Fahrgästen verschließen.
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Und so sieht das Abteil aus:
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Und mit Leiter:
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Detail obere Liege
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Detail untere Liege
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Geschlossene Tür mit verstauter Leiter, die durchaus auch so nutzbar ist.
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Gut finde ich, dass die oberen Liegen jetzt auch einen kleinen Tisch haben. Das war für mich immer ein großes Manko. Und dass die grobmaschigen Netze an den Seitenwänden durch geschlossene Tragbeutel ersetzt wurden, durch die keine kleinen Gegenstände verloren gehen können, sehe ich auch als Plus.
Jede Liege hat eine Steckdose und eine USB-Ladestelle. Ob das an der Decke angebrachte Leselicht nicht dem Schlafnachbarn auf der anderen Seite in die Augen scheint, habe ich noch nicht ausprobiert.
Was ich dagegen einen klaren Rückschritt gegenüber den älteren Wagen sehe, sind die unverändert kleinen Tische. 6er-Liegewagen zum Vergleich:
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Auch wenn ich das super finde, hätte man ja den vorhandenen Tisch wenigstens ausklappbar bauen können. So muss das Frühstück weiterhin auf dem Schoß eingenommen werden und Kartenspiele irgendwie auf der Liege.
Ein weiterer großer Nachteil ist in meinen Augen der Sitzkomfort. Ein guter Nachtzug muss für mich auch im Sitzen bequem sein, denn wenn man schon um 20:00 Uhr losfährt, möchte ich gerne noch eine Weile rausschauen. Die senkrechte Lehne finde ich sehr hart und zu weit hinten, um eine angenehme Sitzposition einnehmen zu können. Auch in diesem Punkt meiner Meinung nach ein klarer Rückschritt zur heruntergeklappten mittleren Liege.

Dass die Schiebetüren durch Schwenktüren ersetzt wurden, verbraucht natürlich Platz im Abteil. Immerhin lässt sich die geöffnete Tür festklemmen, sodass sie nicht versehentlich zufliegt.
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Das Bedienpanel gibt beim Drücken der Knöpfe ein nerviges Piepen von sich.
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Schön finde ich das (theoretisch) dimmbare Licht (hat bei meinem Test nicht funktioniert), die Piktogramme für Licht und Thermometer hätten sich aber stärker unterscheiden können. Dass man eine WC-Anzeige im Abteil hat, finde ich praktisch. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Schein des Bedienpanels nachts durchaus stört. Ich vermute mal, dass sich die Hintergrundbeleuchtung nicht ausschalten lässt. Das hätte ruhig dezenter ausfallen können.

Eine Neuerung ist das PRM-Abteil – wahrlich eine riesige Suite.
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Ein wesentliches Problem bleibt unverändert – die mangelnde Gepäckfläche. Hier sollten besser keine 4 Personen mit großem Koffer oder Wanderrucksack zusammen reisen, denn durch die Schwenktür wird der Platz für die Füße noch weniger. Ein eigenes Gepäckabteil außerhalb (wie in Schweden) fände ich äußerst hilfreich. Aber vielleicht haben auch die meisten Fahrgäste Angst, dass dann ihr Gepäck geklaut werden könnte und wollen das gar nicht.

Zwei Punkte, die mir persönlich noch wichtig sind und die ich (noch) nicht beurteilen kann, sind der Liegekomfort und die angenehme Klimatisierung. Alles in allem ist mein Fazit durchwachsen – der große Wurf ist hier in meinen Augen nicht gelungen, was die Kollegin sichtlich enttäuscht aufnimmt. Ich werde berichten, sobald ich den Wagen zum ersten Mal richtig „erfahren“ kann.

Außerdem ausgestellt war noch ein Giruno (den ich mir aber nicht näher angeschaut habe, da schon regelmäßig im Betrieb getestet) und eine TEE-Garnitur. Sie wird immer mal wieder für Sonderfahrten eingesetzt.
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Ein sehr interessantes Gespräch hatte ich auch noch mit dem Kollegen von trireno, dem Markennamen für die trinationale S-Bahn Basel. Ein Überblick über die zahlreichen Projekte, das mittelfristige Konzept bis 2030 und das langfristige Konzept (frühestens 2035) mit S-Bahntunnel Basel (genannt Herzstück) gibt es hier:
https://www.trireno.org/de/
Einige interessante Punkte:
• Die Hochrheinbahn bleibt zwischen Waldshut und Erzingen wie heute eingleisig. Es wird aber eine neue Kreuzungsmöglichkeit geschaffen. Für die Elektrifizierung muss an einem der beiden Tunnels eine größere bauliche Änderung vorgenommen werden und das Trassee abgesenkt werden. Im anderen Tunnel ist die Bauhöhe ausreichend für eine Deckenstromschiene.
• Die Strecke Waldshut – Koblenz wird ausschließlich von Deutschland aus bedient. In Koblenz muss weiter Richtung Schweiz im Gegensatz zu heute stets umgestiegen werden. Die Strecke Turgi – Koblenz – Eglisau wird dann nur innerschweizerisch bedient.
• Eine Wiederaufnahme des PV auf der Strecke Laufenburg – Koblenz ist nicht konkret geplant. Eine vorliegende Untersuchung zeigt, dass ohne Ausbauten der dort abgewickelte GV nicht mehr möglich wäre.
• Auf die Frage, warum man die S2 (Schweiz – Frankreich) nicht heute schon anbietet, nennt der Kollege als Grund die unpassende Taktlage (man müsste 15 min in Basel SBB stehen) sowie fehlende frankreichtaugliche Fahrzeuge.
• Die heutige S3 nach Delémont und Porrentruy wird es nicht mehr geben. Alle S-Bahnen enden künftig in Laufen, bis Aesch wird dann auf Takt 15 verdichtet. Eine weiterführende S-Bahn verträgt sich auf der eingleisigen Strecke nicht mit dem vorgesehenen Takt 30 im FV Basel – Biel. Fahrgäste der kleinen Halte hinter Delémont verlieren also ihren Direktanschluss nach Basel, durch den Umstieg zum Schnellzug wird die Reisezeit aber sogar kürzer. Die großen Verlierer sind die Fahrgäste der kleinen Juraorte, die an einen der Zwischenhalte im Laufental wollen. Statt heute direkt müssen sie zweimal umsteigen und längere Reisezeiten in Kauf nehmen.

Für diese Fragen habe ich dann ein Werbe-Taschenmesser bekommen. „Nur für VIP“, war der Kommentar des Kollegen.

https://www.tramnetz2030.ch/
Und zum Tramnetz 2030 und dem bereits in einem Referendum 2017 gescheiterten Margarethenstich (Verbindung BLT Dorenbach – BVB Margarethen)
https://goo.gl/maps/7zn7q2J1KvPRD7yn8
hofft man nun, durch die neu geplante Expresstram 17, die einige Haltestellen zwischen Ettingen und Basel auslässt und dem dadurch erzielten Fahrzeitgewinn von etwa 3,5 min die nächste Abstimmung auch in Basel-Land gewinnen zu können. Hauptzweck dieser kurzen Strecke ist die schnellere Anbindung des Birsigtals an den Bahnhof SBB.
Stadteinwärts sollte es kein allzu großes Problem darstellen, die Express-17 vor der überall haltenden 10 abfahren zu lassen, aber stadtauswärts mit zwei unterschiedlichen Routen durch die ganze Stadt wird spannend.
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Re: [CH] Das verdammte Türgepiepe!

Beitrag von guru61 »

Sorry daas hatten die mir in Olten auch gesagt, dass das Norm sei.
Als ich ihm dann sagte, wo er den Quatsch herhabe, denn die SOB Schwarzmaulrosthaufen und die Mikas der BLS, bei denen ist das gepiepste eine 10er Potenz leiser.
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Zum Feierabend nehme ich von Bern die ziemlich volle S-Bahn nach Thun via Belp, um diese Strecke noch abzufahren. Im Wagen, in den ich einsteige, funktioniert die Klimaanlage nicht mit entsprechenden Folgen an diesem heissen Tag. Glücklicherweise geht sie im nächsten Wagen einwandfrei. Der Blick schweift über die Felder bei Bern. Vor Belp kommen wir ausserplanmässig auf der Strecke zum Halten. Weiter geht’s mit +5, was ungünstig ist, weil ich in Thun nur 3 min zum Umstieg habe. Wie praktisch, dass der IC ebenfalls mit +5 angekündigt ist. Wobei ich mich darüber nicht zu sehr freuen sollte, denn in Spiez habe ich auch nur 3 min zum Umsteigen in den RE nach Interlaken.
Der IC ist noch nicht eingefahren, als wir mit +3 anhalten und kommt wenig später. Nun sind die Berge schon zum Greifen nahe. Der Anschluss in Spiez wartet, zahlreiche Touristen rennen über den Bahnsteig. Im Vierer gegenüber nimmt ein älteres britisches Ehepaar Platz, der Mann völlig ausser Atem. "Are you ok?", erkundigt sich seine Frau besorgt, nachdem er den zweiten Koffer in das obere Stockwerk gewuchtet hat. "Yes." Er schnauft wirklich, als hätte er einen 400 m – Sprint hinter sich. "I think they held this train for us as it was just opposite. That's good so we don't lose any time", meint der Mann, immer noch schnaufend, "but generally the trains here seem well organized." Der Thunersee samt Bergen zieht am Fenster vorbei. "That's a superb view", kommentiert die Frau, "a little similar to the one from the train down to Plymouth." "In Interlaken we have a connecting train at 18:36. Hmm, that's Gleis two Be. Two Be or not to be that is the question", macht der Mann ein nettes Wortspiel daraus.
Mit +5 ist Interlaken erreicht, ich laufe das kurze Stück zur Harderbahn. Am Eingang wartet bereits eine Schlange. Die Standseilbahn kommt an, das Drehkreuz wird freigegeben.
Dilödödiii. Dilödödii. Dilödödii. Dilödödööööö! Nochmal scannen. Dilödödi.
Bei den Personen direkt vor mir passiert nichts mehr, offenbar weil die Kapazität ausgeschöpft ist. Also 15 Minuten warten, seufz. Letztes Jahr war das irgendwie entspannter. Und diese Hitze…
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Rappelvoll setzt sich die Standseilbahn in Bewegung, steil bergauf durch den Wald und einen kurzen, stimmungsvoll beleuchteten Tunnel.
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Japaner, Chinesen, Spanier und viele Inder sind unterwegs. Oben angekommen, lasse ich die lärmende Meute so schnell wie möglich zurück und wandere eine halbe Stunde bis zum nächsten Aussichtspunkt. Unterwegs begegnen mir keine Handvoll Menschen und ich kann in aller Ruhe die Abendstimmung mit den schnell ziehenden Wolken bei angenehmer Temperatur geniessen. Lieber keinen Schritt weiter…
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Der genießt wahrscheinlich auch den Ausblick
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Auch der Brienzersee ist sehenswert
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Ein grenzwertiger Ausblick
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Nur die drei Hauptattraktionen verhüllen ihr Antlitz recht vehement – nur ganz kurz zeigt sich eine Flanke zwischen den Wolken.
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Fünf der Sieben Hengste
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Ein kleiner Fuchs genießt die letzten Sonnenstrahlen
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Abendrot
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Als die Sonne hinter der nächsten Bergkette versinkt, trete ich den Rückweg an. Fast zurück an der Hütte kommen mir zweimal Personen in lockeren Sandalen entgegen, nicht gerade das ideale Schuhwerk für den steinigen und leicht schlammigen Weg. Auf der Aussichtsplattform und der Restaurantterrasse ist immer noch viel los. Fotos werden geschossen, der Platz ganz in der Spitze ist sehr begehrt und die Menschen stehen Schlange, um sich dort verewigen zu können. Blick über den Thunersee
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Blick ins Tal Richtung Zweilütschinen
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Allmählich rückt die letzte Abfahrt der Standseilbahn näher und die Plattform leert sich. Schliesslich steht nur noch ein deutsches Pärchen dort. Wir machen uns als letzte auf den kurzen Rückweg zur Bahn.
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Doch was ich befürchtet habe, bewahrheitet sich. Die Schlange ist sehr lange, so viele Menschen passen niemals in die nächste Bahn. Damit schaffe ich meinen Zuganschluss nicht mehr und muss noch eine Stunde später mit dem letzten Zug fahren. Durcheinandergeplapper in verschiedenen Sprachen, Kindergeschrei und das davon völlig unbeeindruckte Drehkreuz ist die Geräuschkulisse, während sich die blaue Stunde über die Berge senkt. Dilödödi. Dilödödi. Dilödödi. RABÄÄÄÄÄÄH! Dilödödi. Dilödödi. Selbst die nächste Abfahrt wird noch rappelvoll, viel mehr hätten nicht mehr reingepasst. Unten möchte ich die verbleibenden 50 min bis zur nächsten Abfahrt noch für einen kurzen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt nutzen, wofür ich einen stockdunklen Pfad durch den Wald nehmen muss. Zwei Handylampen kommen mir nach wenigen Minuten entgegen. Wo ich denn hinwollte, erkundigt sich eine der beiden Frauen, etwa ganz nach oben? Na heute lieber nicht mehr…
Auf einer Bank bestaune ich die Silhouette der mächtigen Berge vor dem Nachthimmel, der allmählich aufklart und die Sterne freigibt.

Dann laufe ich zurück zum Bahnhof.
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Während ich ein Foto vom Zug mache, kommt eine indische Familie mit Masken angerannt, obwohl es noch 5 min bis zur Abfahrt sind. Den Wagen habe ich bald für mich allein, denn sie steigen in Interlaken West wieder aus. Vom Thunersee sehe ich leider dank der grellen Beleuchtung nichts, wie schade.

In Bern muss ich in den IC 8 nach Zürich umsteigen. Junge Männer singen schräg, während sie die Rampe zum Bahnsteig hochlaufen. "Que sera, sera…"
Der Zug ist von Sicherheitspersonal begleitet. "Musik ausmachen, bitte", fordert der Wachmann jemanden im nächsten Wagen auf. Der Schaffner kommt. "Können Sie bitte die Füsse von den Sitzen nehmen?", spricht er einen Mann an, offenbar Amerikaner. "And this is 1st class. You have to move." Zwei weitere Personen, mit denen er zusammen unterwegs ist, sitzen im Vierer gegenüber. "Oh, this is first class? Sorry, we didn't know." "You have to know. I can charge you extra if you travel in 1st class with a 2nd class ticket. And in your country it also exists…"
Zügig begeben sie sich in den nächsten Wagen. Es folgt nur noch ein Umstieg in Olten, irgendwelche Leute grölen in der Unterführung. Nach einer halben Stunde erreiche ich dann endlich Basel mit +3.
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von 218217-8 »

Entenfang hat geschrieben: 19 Jun 2022, 22:51Ein kleiner Fuchs genießt die letzten Sonnenstrahlen
Der Schmetterling ist zwar kein Kleiner Fuchs, sondern ein Distelfalter, aber danke für den Bericht von diesem reizvollen Feierabendausflug und die schönen Bilder!
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

218217-8 hat geschrieben: 20 Jun 2022, 00:28
Entenfang hat geschrieben: 19 Jun 2022, 22:51Ein kleiner Fuchs genießt die letzten Sonnenstrahlen
Der Schmetterling ist zwar kein Kleiner Fuchs, sondern ein Distelfalter, aber danke für den Bericht von diesem reizvollen Feierabendausflug und die schönen Bilder!
Ohje, ohje. Ich und Flora und Fauna, da kann ich eigentlich nur verlieren... Danke für die Korrektur.

Und den letzten IC aus dem nächtlichen Interlaken habe ich euch auch vorenthalten:
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Romandie-Runde

Chur...............IR 35.......ab 7:16

Zürich HB ....................an 8:48
.....................IC 8........ab 9:02.......Basel SBB.......IC 61.......ab 8:56

Bern............................an 9:58......................................an 9:56
IR 15 ab 10:04

Lausanne an 11:16
IR 90 ab 11:21

Vevey an 11:35

CFF Fuß 400 m

Vevey Marché Schiff ab 11:45

St-Gingolph an 13:18
R 6121 ab 13:52

St-Maurice an 14:24
IR 90 ab 14:27

Aigle an 14:36
Bus 111 ab 14:50

Rennaz, hôpital an 15:07
Trolley 201 ab 15:12

Montreux an 15:34
IR 90 ab 15:48

Lausanne an 16:10
M2 ab 16:15

Lausanne-Flon an 16:17
LEB R ab 16:25

Bercher an 17:07
Bus 665 ab 17:15

Yverdon-les-Bains an 17:47
IC 5 ab 18:06

Biel.....................an 18:43.........Zürich HB.......an 19:56
..............IC 51.....ab 18:49....................IR 35..ab 20:12

Basel SBB..............an 19:53.........Chur...............an 21:47

Pünktlich verläuft die erste Etappe bis Bern, auch TramBahnFreak kommt ohne Zwischenfälle an. Weiter geht es im IC2000 Richtung Lausanne. Zunächst geht es durch eher unspektakuläre Hügellandschaft, doch es gibt keinen besseren Moment auf dieser Strecke als wenn sich nach dem Passieren des Tunnels hinter Puidoux plötzlich der Blick über den gesamten Genfersee öffnet.
Pünktlich erreichen wir Lausanne und steigen flugs in den IR 90 Richtung Brig um. Eine Viertelstunde am See entlang, dann steigen wir schon wieder aus. Nach ein paar Minuten Fussweg erreichen wir den riesigen Parkplatz am Seeufer. „Und ich dachte immer, den schönsten Platz der Stadt mit Autos zuzuparken, ist eine italienische Besonderheit“, kommentiert Trambahnfreak.
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Wenig später trifft auch schon die Italie ein. Auf dem Genfersee werden einige wunderschön modernisierte Belle-Epoque-Schaufelraddampfer eingesetzt (allerdings nicht mehr mit Dampfantrieb).
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Ein detaillierter Rundgang auf dem Schiff zeigt die Schönheiten im Detail. Es gibt zwei Restaurants, wobei das Oberdeck der 1.Klasse vorbehalten ist.
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Treppe
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Volle Kraft voraus
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Besonders schön finde ich, dass man den Schaufelrädern bei der Arbeit zusehen kann.
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Unterdeck
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Rettungsmaßnahmen
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Eine Tuba von Kaliber
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Picknickecke im Oberdeck
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Anderthalb Stunden geniessen wir an diesem Sommertag die Fahrt über den See.
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Montreux ist ziemlich brutalistisch verbaut, die gesamte Nordküste ist sehr dicht besiedelt.
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Hoch an den Hängen südlich des Sees steht dieses mächtige Kraftwerk.
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Meine erste Vermutung war, dass es sich um ein Pumpspeicher handelt. Aber mit Schornstein?
Die nachträgliche Recherche ergab, dass es eines der wenigen thermischen Kraftwerke der Schweiz war. Bis 1999 wurde hier Schweröl verbrannt, seitdem steht es nutzlos in der Gegend herum. Der erhöhte Standort wurde gewählt, um die Luftverschmutzung aus dem Tal fernzuhalten, eigentlich gar nicht dumm.

Einen absolut genialen Ort hat der Erbauer des Schlosses Chillon gewählt.
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Es kann auch besucht werden. https://www.chillon.ch/de/

Die Standseilbahn im Hintergrund führt vermutlich zu einem schönen Aussichtspunkt, wobei auch die Aussicht von der Autobahn rechts sicher nicht übel ist.
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Es handelt sich um die Standseilbahn Territet - Gilon. Man kommt auch mit der Zahnradbahn Montreux – Rochers-de-Naye dort hoch. Deren Trasse lässt sich im unteren Bereich ebenfalls gut erkennen.

Inzwischen haben wir das Südufer erreicht. Ein NPZ verlässt Bouveret nach St-Gingolph, im Hintergrund erkennbar.
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Obwohl die höchsten Gipfel über 2000 m liegen, sind sie fast bis obenhin bewaldet. Es ist eine sehr warme Region mit hoher Baumgrenze.

Anlegestelle in Bouveret
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Nachdem wir in St-Gingolph wieder an Land gegangen sind, tritt die Italie die Rückfahrt nach Vevey auf direktem Weg an und wird in 20 Minuten wieder an unserem Ausgangspunkt sein.
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Die Stichstrecke hierhin lässt sich ohnehin nur sinnvoll mit dem Schiff in eine Rundfahrt integrieren, da kam das tolle Schiff gerade recht.

Seit 1998 ist die Strecke in Frankreich auf den 20 km bis Evian ohne Betrieb und inzwischen nicht mehr befahrbar. Die Gleisanlagen sind aber noch vollständig erhalten und eine Reaktivierung innerhalb der nächsten 5 Jahre angestrebt. Man darf gespannt sein.
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St-Gingolph wirkt recht verschlafen und ein kleiner Bach trennt den Ort, der sich nahtlos über beide Länder erstreckt.
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Zurück am Bahnsteig – auf der Brücke befindet sich bereits die Grenze.
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Ein ziemlich reizvoll gelegener Endpunkt…
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Nach gut einer halben Stunde besteigen wir die völlig leere Domino-Dotra. Der Zug bleibt leer und es wird nur ein Stundentakt angeboten – das will in der Schweiz schon was heißen. Ein Stundentakt von 6 bis 24h ist die übliche ÖV-Erschließung, in der Regel für alle Orte ab 300 Einwohner.
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Und warum bitte ordnet man Sitze so an, dass man mit dem Rücken zum Fenster sitzt?
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Der Werbespruch ist vielleicht ein bisschen sehr krass…
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Ich gehe ja mit, dass das Wallis schön ist, aber muss man es deswegen gleich ins Herz eingravieren?

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Schöner Spruch, den ich im deutschsprachigen Teil noch nicht gesehen habe. (Klasse respektiert, Strafe vermieden)

Das Rhônetal ist völlig flach und vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Es handelt sich um eine der wärmsten Regionen der Schweiz. Auf den Berghängen im Süden sind weder Almen noch Seilbahnen zu sehen, nur unberührter Wald.
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Die Kreuzung mit der Schmalspurbahn nach Champéry übersehen wir, da diese über eine Straßenbrücke führt. In St-Maurice wird dann die Hauptstrecke nach Brig erreicht und wir wechseln zügig den Bahnsteig, um den bereits eingefahrenen IR 90 zu besteigen. Während dieser sich in Bewegung setzt, fährt der Gegenzug ein. PFEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIF! Mit einem Ruck, noch nicht vollständig am Bahnsteig, kommt der Gegenzug zum Stehen. Das hat sich nicht gut angehört. Wir schauen nach und tatsächlich – PU. Da haben wir nochmal Glück gehabt, gerade rechtzeitig weggekommen zu sein.

Eine weitere Frage, über die wird im Laufe des Tages stolpern, ist dieser schnurgerade Tunnel auf openrailwaymap.
https://www.openrailwaymap.org/?style=s ... 29&zoom=14
Manchmal sind auf der Karte Fehler drin, irgendwelche mysteriösen Striche im Nichts. Doch dieser Tunnel existiert tatsächlich, er ist sogar zugänglich. Es handelt sich um den Grubenzug des Salzbergwerks Bex.
https://www.salz.ch/de/salz-erleben/salzbergwerk-bex


Abermals dauert die Fahrt nur kurz, ehe wir in Aigle schon wieder aussteigen.
Der kapazitativ starke Zug aus 5 normalen Wagen und 8 Dostos sowie Sandwich-Re460 setzt sich wieder in Bewegung.
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Ein riesiger Schmalspurbahnhof ist hier angegliedert.
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Die vielen Fahrzeuge hätte man auch geplant wohl kaum besser aufstellen können.
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Die tpc (Transport publics du Chablais) bedient das große Meterspurnetz in der Region.
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Die Dents du Midi (Zähne des Südens) sind ein Bergmassiv bei Champéry unweit der Grenze zu Frankreich.

In dieser Region gibt es noch so viel zu entdecken, dass es eine eigene Reise wert ist, zumal sie aus unseren Heimatorten nicht gerade schnell zu erreichen ist.

Für uns geht es auf der Straße weiter, leider nicht in einer der Schmalspurbahnen, die sich durch die Gassen schlängeln, sondern mit dem Bus Richtung Rennaz.
Bild[/url ]
In Rennaz steigen wir dann auf den Trolleybus um, der seine Wendezeit nicht an der Endstation Rennaz, village, sondern am wenige Hundert Meter weiter gelegenen Krankenhaus verbringt.
[url=https://flic.kr/p/2nuzc7D]Bild


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Die Wendeschleife ist im Hintergrund zu sehen und dahinter erheben sich die Dents du Midi. Warum der Bus die Wendezeit nicht an der Endstation verbringt, kann ich mir nicht erklären.

Und eine schön verglaste Fahrerkabine mit Sitzen gegen die Fahrtrichtung davor auch nicht.
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Der erste Abschnitt bis Villeneuve wird im Akkubetrieb befahren, dann mit Oberleitung. Die Küste ist ununterbrochen dicht besiedelt und der Trolleybus bedient die Hauptstraße. Der dichte Verkehr quält sich durch die Orte, doch das ist im Fahrplan eingepreist und wir kommen pünktlich in der Nähe des Bahnhofs Montreux an.
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Erstmal sind ein paar Treppen zu bewältigen, denn die Orte sind am Hang gebaut (und die Rolltreppe gerade kaputt).
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Der Ort bietet eine spannende Mischung aus sehr schönen alten Gebäuden, brutalistischen Zweckbauten verbunden mit ein bisschen Verkehrschaos.
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Die Strecke bei St-Maurice kann schon wieder genutzt werden, doch alle Züge werden über Gleis 3 umgeleitet und der IR 90 ist mit +8 angekündigt.
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Die Strecke Lausanne – Brig ist auch für den GV von großer Bedeutung.
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Daraus werden noch +10 und wir nutzen die Zeit für einen Blick in den Schmalspurteil.
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So viele spannende Strecken, die noch auf Erkundung warten…
Im Tunnel hinten links verschwindet die bereits vom Boot gesichtete Zahnradbahn auf den Rochers de Naye, rechts daneben die Goldenpassline nach Zweisimmen.
Letzterer wartet bereits auf die Abfahrt, ab Dezember 2022 dann mit umspurbaren Triebwagen.
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Am Bahnsteigzugang gibt es einen Überblick über den Streckenverlauf.
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Mit +8 steigen wir heute zum dritten Mal in den IR 90 und glücklicherweise geht die Verspätung dank der zügigen Fahrweise des Tf auf +5 zurück, als wir in Lausanne eintreffen.
Wir sprinten durch die Unterführung. Ein Schild weist die Metro nach links aus, doch dort steht nur ein Baustellenzaun und es riecht nach Pisse. Also rennen wir weiter und gerade fährt ein Zug ein. Wir quetschen uns in den ziemlich überfüllten Wagen und fahren eine Station bis Flon. Dort befindet sich der neu gebaute Tiefbahnhof der Strecke nach Bercher.
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Erst seit 2000 können die Züge bis hierhin fahren und direkten Anschluss an die Metro 1 (eigentlich eher eine S-Bahn, eröffnet 1991) sowie die gummibereifte Metro 2 (hervorgegangen aus einer Zahnradbahn, eröffnet 2008, links im Bild) bieten.
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Oben baut Lausanne wieder eine richtige Tram, doch dafür bleibt keine Zeit mehr.

Auf der LEB (Lausanne–Echallens–Bercher-Bahn) werden Neufahrzeuge zweier Generationen von Stadler eingesetzt.
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Der prellbockferne Triebwagen ist deutlich leerer. Pünktlich geht es steil bergauf, vermutlich ist die Topografie der Grund dafür, dass man die Strecke nicht bis zum SBB-Bahnhof führen konnte. Das erste Stück verläuft im Tunnel (früher tramähnlich durch die Stadt) und dann geht es durch weiterhin dicht besiedeltes Gebiet bergauf und der Genfersee verschwindet bald aus dem Blickfeld. Bis Echallens wird auf der eingleisigen Strecke ein Viertelstundentakt angeboten, danach geht es „nur“ noch halbstündlich durch ländliche Mittelgebirgslandschaft bis zum Endbahnhof Bercher. Von dort fällt das Gelände in alle Richtungen steil ab, was ein Grund sein könnte, warum die Bahnstrecke nie weitergebaut wurde. Wenn ihr noch nie etwas von der Bahnstrecke gehört habt – wir vor dieser Fahrt auch nicht, was einer der Gründe war, warum sie in die Rundfahrt mitaufgenommen wurde. Dankenswerterweise kann man sich im Zug einen Überblick über diese wenig beachtete Strecke verschaffen.
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Bahnsteiggleich warten drei Postautos und bald geht es durch einsame Dörfer über schmale Landstraßen bis nach Yverdon-les-Bains, wo wir überpünktlich ankommen.
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Über die Farbgebung des ansässigen Verkehrsbetriebs kann man streiten, aber auch hier bleibt noch eine Schmalspurstrecke offen.
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Der IC nach St. Gallen ist mit +7 angekündigt. Oh nein, jetzt haben wir so viel Glück bis hierhin gehabt, da kann doch nicht mein letzter Anschluss platzen?
Stattdessen kommt erstmal ein Gz.
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Erfreulicherweise wartet der IC nach Basel, mit +6 geht’s weiter. An den Unterwegshalten rennen Fahrgäste nach ihren Anschlüssen. In Delémont ist die Verspätung schließlich weg und eine schöne Tagestour finden pünktlich ihren Abschluss.

In diesem Sinne - war ein schöner Ausflug, danke Trambahnfreak fürs Mitfahren und bis zur nächsten Runde! :D
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Rohrbacher »

Mei, der Stundentakt in Saint-Gingolph hat wenigstens gut merkbare Abfahrtszeiten. ;)
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von guru61 »

Entenfang hat geschrieben: 26 Jun 2022, 23:15

Wenig später trifft auch schon die Italie ein. Auf dem Genfersee werden einige wunderschön modernisierte Belle-Epoque-Schaufelraddampfer eingesetzt (allerdings nicht mehr mit Dampfantrieb).
Die CGN hat noch 5 Raddamper:
Wiki:
Die Compagnie Générale de Navigation sur le Lac Léman (CGN) auf dem Genfersee ist Besitzerin von acht historischen Radschiffen mit Baujahren zwischen 1904 und 1927. Gegenwärtig verkehren fünf davon als Raddampfer: Montreux, Rhône, Savoie, Simplon und La Suisse. Die Montreux erhielt nach einem früheren Umbau auf dieselelektrischen Antrieb 2001 wieder eine Dampfmaschine. Drei sind nach Umbauten dieselelektrisch angetriebene Radschiffe: Helvétie, Italie und Vevey. Die Helvétie ist gegenwärtig außer Dienst und wartet auf ihre Renovierung
In der Gallerie findet maan Bilder von der Maschine der Montreux:
https://dlm-ag.ch/photo-gallery/
https://dlm-ag.ch/wp-content/uploads/20 ... -08-18.pdf

Entenfang hat geschrieben: 26 Jun 2022, 23:15 Und warum bitte ordnet man Sitze so an, dass man mit dem Rücken zum Fenster sitzt?
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Wär wohl knapp geworden mit dem Einstieg? Ist halt ein Umbaiûwagen, da gibt es mitunter solche Kompromisse.
Gibs aber auch anderswo: Siehe IC2'000 im Obedeck: Eine Lounge, auf der ich schon öfters geschalfen habe von Bern nach Weinfelden, mit dem letzten Zug, nach einem Budenevent! :-)
Gruss Guru
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Bild des Tages
Auf Hitze folgen Blitze
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Nach einem heftigen Sommergewitter ist das Wasser in reißenden Strömen über die Straßen geflossen und alles war mit einer Schicht aus Blättern und Ästen übersät. In der Wolfschlucht sind ein paar Äste in der Oberleitung hängengeblieben, doch der Schaden hielt sich sehr in Grenzen und nach weniger als 2h konnte die Tram wieder fahren. Durchaus Glück im Unglück, denn ganz in der Nähe ist ein großer Baum zusammengebrochen, hat aber nur den Fußweg blockiert.
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Re: [CH] Die Schweiz mal wieder.

Beitrag von Entenfang »

Eines sonnigen Tages im Juni ging es mit dem Fahrrad in den Jura.

Startpunkt: St-Imier, ein Domino hat uns hierher gebracht
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Dann lautet die Devise - bergauf, zunächst durch Wald, später über Weiden.
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Eigentlich warnt dieses Schild vor den Gittern, die Kühe vom Verlassen der Weide abhalten sollen. Hier bekommt das Schild für Verkehrsteilnehmer allerdings eine etwas andere Bedeutung... Im Hintergrund der Sendeturm auf dem Chasseral, der höchste Gipfel im Berner Jura.

Erwischt man einen guten Tag, ist der Ausblick vom Chasseral einfach umwerfend.
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Im Sommer kann man auch von beiden Seiten mit dem Bus hochfahren. Bis 1993 gab es auch einen Sessellift von Nods, der dann jedoch pleite gegangen und inzwischen abgebaut ist.

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Blick vom Chasseral über den Neuenburgersee. Man sieht deutlich, dass der Gipfel mit 1607 m über der Baumgrenze liegt.

Die lange Abfahrt bis zum Bielersee ist für uns klar das Highlight des Tages.
Hat man oben bei kühlem Wind noch eine Jacke gebraucht, sind wir unten in La Neuveville froh, an einem Brunnen Wasser nachtanken zu können.
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Dann geht es durch die Weinberge weiter Richtung Biel. Zeit für ein paar Fotostops zur Bestandaufnahme der Bahnstrecke, die ihren letzten Einspurabschnitt bei Ligerz verlieren wird. Ab 2027 rauschen die Züge dann zweigleisig durch den Berg am Ort vorbei.
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Die Bauarbeiten am Westportal sind gut zu erkennen.

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Ein ICN legt sich zwischen La Neuveville und Ligerz in die Kurve

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Bielersee mit Bergkulisse

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Dieser Güterzug ist vor Beginn des Einspurabschnitts bei Ligerz zum Halten gekommen, denn...

...da kommt noch ein Domino entgegen. Derzeit verkehren die Regionalzüge nur stündlich, nach dem Ausbau sollen sie auf einen Halbstundentakt verdichtet werden.
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Ein ICN in den Weinbergen bei Ligerz

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Viel Schatten gibt es auf den Weinbergen nicht, da kommt uns die kühle Kirche Ligerz ganz recht.

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Ein ICN passiert den Jachthafen bei Ligerz

Der Weg führt ein kurzes Stück durch den Wald, dann öffnet sich der nächste Panoramablick - einfach fantastisch. Ich könnte alle 100 m anhalten...
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Bereits wieder im zweigleisigen Abschnitt saust ein ICN durch Twann

Wir lassen den Abend am Bielersee ausklingen, zumal für den nächsten IC 51 nach Basel keine Fahrradreservierungen mehr verfügbar sind.
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Da bleibt auch noch Zeit für Entenfang, zu sehen ist eine Kolbenente.
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Im ersten Moment habe ich gedacht, wir sind versehentlich in Bern gelandet, denn die Trolleybusse sind so ähnlich - selber Hersteller, fast dieselbe Farbe...
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Biel hat 3 Trolleybuslinien, die mit zwei Generationen von Hess-Gelenkwagen bedient werden. Dazu vielleicht mal im Rahmen eines weiteren Besuchs mehr.
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