reinhold_by hat geschrieben: ↑19 Jun 2026, 10:15
Mit nur einem Anbieter klappt das einsteigen in den späteren Zug einfach so, die Zugbindung ist ja bei Verspätung aus voriger Fahrt aufgehoben,
nehme ich andern Zug, sei es Westbahn, Flix, Italo,... geht das nicht mehr. Aus Kundensicht ist das eindeutig eine
Verschlechterung.
Das Problem an der Sache ist, dass Bahnkapazitäten eben nicht beliebig erweitert werden können. Man kann drei Vollsortimenter-Supermärke im Wettbewerb nebeneinander stellen, dafür ist der Platz in der Regel da und der Markt ist auch groß genug. Wunderbar.
Dass meinetwegen drei SPFV-Bahnanbieter jeweils ein Taktsystem parallel betreiben, wo es in jedem System für sich genug Fahrten gibt, um z.B. "einfach den nächsten Zug zu nehmen" wird einfach nicht passieren. Dazu ist das Netz zu klein, der Aufwand viel zu groß, es zu erweitern und vor allem auch der Markt nicht ausreichend da, damit es wirtschaftlich parallel zu fahren. Das hat selbst im Fernbusnetz und im Flugverkehr wirtschaftlich auf Dauer nicht geklappt. Es geht hier rein um einen Verdrängungswettbewerb. Durch den wird das Angebot letztlich immer schlechter.
Wobei sich Verdrängung, wie schon gesagt, nicht nur auf die Anbieter bezieht, sondern auch auf das Streckennetz an sich. Nach 1990 sind die ganzen für die Fahrgäste praktischen, aber in sich gesehen nicht wirtschaftlichen Heckeneilzüge, Kurswagen, Hinterlandverbindungen und zum Schluss auch der IR aus dem Angebot geflogen, um wettbewerbsfähig zu werden. In der nächsten Stufe wurden immer mehr ehemalige IR/IC-Verbindungen tariflich ins ICE-Netz reinoptimiert und auch das ICE-Kernnetz samt der mit jeder Generation profanisierten ICE-Züge immer weiter auf Kosten/Nutzen für den Betreiber optimiert worden. Im nächsten Schritt, wenn tatsächlich Wettbewerb ins Kernnetz käme, wird die DB ganz sicher nicht hingehen und das alles umkehren, im Gegenteil, sämtliche Ressoucen wird man dort verwenden, wo auch die Wettbewerber fahren/halten, woanders wird man Fahrten/Halte wie schon in der Vergangenheit noch weiter wegoptimieren.
Was spart aktuell die Lufthansa ein, um wettbewerbsfähiger gegen die Golf-Airlines zu werden, die überlegen, Stuttgart, Düsseldorf oder Berlin direkt anzufliegen? Genau, die Cityline und Verbindungen, wo absolut keine Gefahr droht, dass sich da ein Langstreckenjet aus Dubai oder ein Billigflieger hinverirrt. Wo sparen Audi, BMW und Mercedes, wenn die Konkurrrenz im größen Automarkt der Welt = China größer wird? Genau, bei den eher typisch deutschen Kompakt- oder Kombimodellen, die in China (und USA) keiner kauft und den Nischenmodellen. Somit gibt es zwar bei den beliebtesten Modellen mehr Angebot durch mehr Hersteller, gleichzeitig verschlankt sich das Angebot aber! Wenn du ein Cabrio oder einen E-Kombi kaufen willst, nutzt es dir nix, wenn es drölfzig konkurrierende SUV gibt.
Und so langsam begreift das sogar die CSU, dass "der Markt" rein gar kein Interesse dran hat auf flächendeckende SPFV-Versorgung oder sich um die Resilienz (praktisch das Gegenteil von Effizienz!) zu kümmern. Ist halt ein bisschen spät, jetzt wo's schon um Städte wie Augsburg oder Ingolstadt geht, und nicht mehr um den IR in Pfaffenhofen oder Eichstätt.
Auch im SPNV ist es, anders als in der BEG-PR immer dargestellt, ja nicht "der Markt" gewesen, der die Zugkilometer gegenüber 1990 wesentlich erhöht hat, sondern neben so simplen externen Effekten wie heute viel längeren Pendlerwegen, vor allem sehr viel Geld vom Staat, das man zu Bundesbahnzeiten auch inflationsbereinigt, so eben nicht ausgeben hat als es noch "Bundesbahndefizit" hieß. Wenn der Bund das ggf. bald nicht mehr tut oder man zur Netzentlastung dann doch die "unpopulären Maßnahmen" wählt, also die Reduzierung der Zugfahrten z.B. im Knoten München, die gleichzeitig halt den SPNV-Aufgabenträgern genau das Geld sparen würden, das sie eh nicht haben, bin ich mal gespannt, wie die PR-Abteilungen das dann darstellen, insbesondere in Bezug auf die historische Schiene und die bisher ja immer darüber argumentierte eigene Daseinsberechtung, dass nur durch sie alles viel besser sei als zu Bundesbahnzeiten. Man wird's halt zur Not wie immer totschweigen.