146225 hat geschrieben: ↑01 Jul 2026, 06:15und stelle die Frage einmal anders: was, außer der Möglichkeit durchgehende Fahrkarten von/bis zu lösen, ist denn an DB Fernverkehr so fürchterlich erhaltenswert?
Dein pathologischer DB-Hass ist Fehl am Platz, denn DB Fernverkehr wird ja nicht aufgelöst und durch was besseres ersetzt, sondern das Angebot nur durch weitere Anbieter, die es aus Gründen auch nicht besser können werden, fragmentiert, was nur Nachteile hat.
146225 hat geschrieben: ↑01 Jul 2026, 06:15Die üblen täglichen Verspätungen? Personal, das zwar das Sprüchlein vom Komfort-Check-In korrekt aufsagen kann, aber ansonsten mehrheitlich damit überfordert ist, für den nächsten Halt die sinnvollen Anschlüsse zu identifizieren und diese für etliche Kunden an Bord trotz Verspätung auch möglich zu machen? Das intransparente Bullshit-Bingo der Sparpreise, welches in Aktionswellen geiz-ist-geil-Aktionskunden züchtet und den langjährigen Stammkunden ins Gesicht spuckt? Ein "gastronomischer Service" welcher allen verkündeten Bemühungen zum Trotz immer noch oft genug einfach ausfällt?
Was genau erwartest du eigentlich von Italo? Nicht nur, dass die auch nur mit Wasser kochen werden und ein überlastetes Netz sicher seine Störungen auch jetzt nicht nach Anbieter selektiert ausgeben wird: Meines Wissens wird sich deren gastronomischer Service auf ein paar Automaten beschränken, was dazu führen wird, dass auch die DB künftig lieber Sitzplätze statt Bordbistros einbaut ...
Ich sag' mal so und abgesehen davon, dass weniger geflogen werden sollte, aber rein mal als Markt gesehen: Schon die Lufthansa ist durch verstärkten Preiswettbewerb und begrenzte Slots an einer Hand voll Großflughäfen qualitativ nicht besser geworden, viele Strecken werden von niemandem mehr angeboten und jetzt wo AirBerlin nach den Regeln des Verdrängungswettbewerbs wieder weg ist, bleibt nur die beschädigte Lufthansa. Das wird bei der Bahn genauso kommen bzw. läuft schon seit 1994.
146225 hat geschrieben: ↑01 Jul 2026, 06:15Und ich bezweifle auch, dass irgendjemand in der Fläche Deutschlands Angst davor haben könnte, dass DB Fernverkehr sich wegen der "bösen Italiener" zurückzieht. Da dürfte eher vielstimmiges Hohngelächter die Antwort auf die völlige Inkompetenz und bräsige Arroganz dieses Ladens sein. Denn in Siegen, Trier, Chemnitz, Bremerhaven oder Heilbronn ist man erst gar nicht präsent (trotz teilweise guter Kaufkraft vor Ort), Jena wird man demnächst auch vollends aufgeben, und ob Städte wie Krefeld von Einzel-Zugpaaren wirklich abhängig sind, darf auch bezweifelt werden. Also? Steht doch höchstens zu befürchten, dass man Linien wie Karlsruhe-Nürnberg, die man auch ohne "böse Italiener" lieber heute als morgen einstellen würde, dann unter Heucheln dieses Vorwands einstellt, und ansonsten halt eventuell noch den einen oder anderen Zug im Netz opfert. Mainz, Koblenz und Bonn wären noch prima Kandidaten, dann wäre man die "lästigen" Verkehre auf der linken Rheinstrecke auch endlich los. Besseres oder innovativeres Vorgehen darf man nach den Erfahrungen der letzten Jahre wohl kaum noch erwarten. Selbst wenn Versuche wie der IC via Siegen mal gefahren werden, wird es durch hausgemachte Qualitätsmängel ("...fällt heute aus...") konsequent vergeigt. Der nächste Fußtritt ins Gesäß der Kunden ist jetzt demnächst, dass man "der Pünktlichkeit wegen" in Bahnknoten in Halbmillionenstädten in NRW einfach durchfährt. Ist so bisschen wie über zu wenig Auslastung permanent jammern, nix auf die Kette kriegen und im DB Navigator ständig vor "wahrscheinlich hoher Auslastung" warnen. Ein Signal an alle Kunden: "Bleibt weg!!!""
Bestimmt stellst du dich nur dumm, aber diese Nichtpräsenz hat halt, wie schon tausendfach gesagt, mit der Bahnreform zu tun und einem proaktiven Einstellen auf Wettbewerber, indem man sein eigenes Potofolio schon vor dem potentiellen Markteintritt von Mitbewerbern um wenig umsatzstarke Angebot bereinigt.
Die alte DB als Apparat zur Erfüllung von staatlichen Versorgungsaufgaben wurde zum 1. Janur 1994 abgeschafft. Warum erwartest du, dass die DB als ganz normal dem 1994 eingeführten Wettbewerb unterliegender Anbieter Dinge tut, die andere nicht tun? Warum erwartest du, dass es auch der DB um was anderes ald Geld geht?
Auch die privatisierte Lufthansa hat die Strecken für immer schon defizitäre Zubringer oder Netzrandbereiche mit 40-Sitzern schon lange, dieses Jahr auch die für 90-Sitzer gekübelt ohne dass Ryanair oder Etihad wirklich an diesem Marktsegment Interesse hätten. Aber wenn man durch die im Kernnetz unter Druck kommt, sich so ein Gedöns nicht mehr leisten kann und sich überlegen muss, ob man einen der begrenzten Slots an einem der großen Flughäfen für einen serviceorientierten, aber halt defizitären Zubringerflug mit einer
CRJ100 oder einer
Do328 in Richtung irgendeines Dorfflughafens nutzt oder für einen rentablen "Wettbewerbsflug" mit einer A321 oder A350 im umkämpften Kernnetz, wie wird sich so ein Unternehmen wohl entscheiden? Dass das Angebot an Flughäfen wie Friedrichshafen im Linienflugverkehr dann quasi auf Null geht und selbst in Stuttgart mittlerweile fast nur noch Ferienflieger und Einzelverbindungen vorbeikommen, tja ... so ist der Markt.
Auch Italo wird nicht nach Siegen, Trier, Chemnitz, Bremerhaven oder Heilbronn fahren. Im Gegenteil, die Gefahr ist sehr real, dass die DB nach der Marktbereinigung zur Dürr- und Mehdorn-Zeiten künftig u.a. auch noch weniger bis gar nicht mehr via Augsburg-Donauwörth fährt, um möglichst viele der knappen, schnellen Takttrassen über Ingolstadt/SFS beanspruchen zu können.
Wenn du das alles anders haben möchtest, z.B. wie in der Schweiz, ist in diesem Marktsegment als erstes der offene Wettbewerb zu beseitigen und die Bahninfrastruktur samt ihrer Bedienung wieder nach verkehrlichen und nicht nach marktwirtschaftlichen Regeln zu organisieren.
146225 hat geschrieben: ↑01 Jul 2026, 06:15
Was, zum Teufel ist so schützenswert an diesem überforderten und täglich vor sich hin murksenden Noch-Monopolisten DB Fernverkehr, dass es staatliche Regulierung und am Ende viele, viele Euros wert wäre? Oder bräuchte es vielleicht zuerst ein stimmiges Gesamtkonzept, was ein staatlicher Anbieter von Fernverkehr leisten können soll und können muss? Was in Deutschland wegen des üblichen völligen Desinteresses der Politik natürlich aber nicht vorhanden ist?
Du möchtest also die Bundesbahn wieder einführen? Fein.
---------------------------
Jean hat geschrieben: ↑01 Jul 2026, 09:00
Die Preispolitik der DB Fernverkehr ist eine Katastrophe (zumindest in meiner Sicht) und wenn sie wirklich so super wären, bräuchte es keine Konkurrenz...
Die DB-Konkurrenz wird selbstverständlich mit einer starren Preisliste ankommen, sodass der ganze Tarif quasi auf eine Kursbuchseite passt.

Nein, auch das ist selbstverständlich Wettbewerb. Irgendwelche Ideen, die ganzen Wettbewerber inkl. der DB unter einem Dachtarif zu vereinigen, sind halt schon im Grundsatz zum Scheitern verurteilt. Entweder haben wir einen freien Markt, wo dann auch jeder Teilnehmer frei agieren kann
ODER wir haben ein staatlich geplantes Angebot, wo dann wahlweise eine Staatsbahn, Franchise-/Konzesssionsmodelle (wie in England oder zu Zeiten der Königlich Bayerischen Postkutschen) oder Ausschreibungen wie im SPNV zum Ziel führen könnten. Aber man sieht ja, dass die letzteren beiden Lösungen in den letzten Jahrzehnten auch an ihre Grenzen gestoßen sind, zumindest wenn der Kapitalmarkt nach vielen Jahren der Nullzinsen mehr Rendite erwartet als der Bahnverkehr nach 1918 üblicherweise noch hergibt ...
Jean hat geschrieben: ↑01 Jul 2026, 09:00
Aber hier wird ja das Ende des Abendlandes propagiert...
Der EF-Server würde durch tägliche Untergangs- und "Freifall"-Beiträge von Lazarus oder dir heißlaufen, wenn im Raum stehen würde, die MVG müsste 25-40% der möglichen U-Bahntrassen an nicht in den MVV integrierte Konkurrenz abgeben oder wenn in München jeder Bus einen anderen Tarif hätte, der selbstverständlich zudem wesentlich dynamischer wäre als "Zone M".
