Der Thementitel hört sich eventuell etwas seltsam an, aber lasst es mich erklären. Als treuer Bahnfahrer geistert mir diese Idee schon seit längerem im Kopf herum, sodass ich sie jetzt mal einfach hier zur Diskussion anbieten wollte. Dass unsere liebe Bahn in DE nicht die pünktlichste ist, sollte den meisten hier bekannt sein. Die Gründe dafür ebenso. Das deutsche Bahnnetz ist riesig und jede Hauptbahn trägt im Normalfall 3-4 verschiedene Linien, die meist alle in einem Stundentakt oder häufiger verkehren. Dazu kommen noch einzelne Zwischenzüge und der Güterverkehr. Bei so einer Überlastung, gepaart mit dem stets stockenden Ausbau, sind die Zustände der Pünktlichkeit kein Wunder. Verschiedene Zugarten, Startbahnhöfe, Endbahnhöfe, Zwischenhalte. Da ist Chaos vorprogrammiert.
Als ich vor ein paar Jahren in Japan war, ist mir dort beim Bahnnetz etwas aufgefallen, was wohl maßgeblich zur perfekten Pünktlichkeit dort beitragen wird: Es gibt so gut wie keine Überlagerung an Linien, vor allem im Regionalverkehr. Fast jede Strecke wird von genauer einer Linie bedient. Die Idee blieb mir im Kopf. Theoretisch könnte das auch hier funktionieren.
Klar gibt es, vor allem in einem dichten und organischen Netz wie DE, dadurch einige Nachteile. Weniger Direktverbindungen und mehr Umsteigen. Aber mal ehrlich: Wäre es wirklich schlimmer, einmal einen (dann gut organisierten und pünktlichen) Umstieg zu machen, als mit einem Direktzug zwei Stunden später anzukommen, weil die Strecke überlastet war? Oder gar nicht, weil der Zug früher enden musste?
Ausbau schreitet mit der deutschen Politik nur schleichend langsam voran und dauert Jahrzehnte, während eine solche Lösung theoretisch in einem Fahrplanwechsel einzuführen wäre. So eine Umstrukturierung würde auch andere Probleme lösen. Während für Ausbauten heutzutage kaum vorhandenes Geld, neue Fahrzeuge und neues Personal benötigt werden, könnte man so effizient mit jetzigen Mitteln den Betrieb grundlegend umkrempeln und verbessern. Und nein: Vereinfachung heißt NICHT automatisch weniger Züge!
Beispiel Werdenfelsbahn: Was wäre, wenn es statt dem heutigen Fahrplan mit vielen verschiedenen Zielen wie Weilheim, Kochel, Reutte, Mittenwald, Innsbruck und Garmisch, welche allesamt in losen Stunden- oder Zweistundentakten bedient werden (+ den einzelnen Fernzügen auf der Strecke), EINE einzige Linie gäbe, welche jede halbe Stunde von München nach Mittenwald fährt und dabei überall hält? Abgestimmt darauf gäbe es dann einmal stündlich Anschluss nach Kochel in Tutzing, nach Reutte in Garmisch und nach Innsbruck in Mittenwald. Eine Strecke, ein Fahrplan, ein einheitlicher Takt. Keine unregelmäßigen Zugkreuzungen, Flügelungen, Vereinigungen oder sonstiges, was ein unnötiges Verspätungsrisiko darstellt.
Klingt verrückt? Vielleicht. Aber ist es so unrealistisch? Ich bin mal gespannt, was ihr zu dem Ganzen hier zu sagen habt. Allerdings wäre es m.M.n. der beste und effizienteste Weg, das deutsche Bahnnetz wieder pünktlich und zuverlässig zu machen, ohne dafür auf Neubaustrecken mit Fertigstellung 2089 warten zu müssen.