AK1 hat geschrieben: ↑18 Jun 2026, 19:18
Italo hat schon Trenitalia auf Trab gebracht, die machen auch der DB Feuer unter dem Hintern.
Da wir kein Netz wie in Italien haben, brennt hierzulande halt eher die ganze Bude ab. Dann haben wir irgendwann das betriebswirtschaftlich optimale Netz, dass angeblich alle durch Wettbewerb verhindert wollten. Fakt ist: Schon die reine Möglichkeit des Wettbewerbs hat seit den 90er Jahren dutzenden Städten die Fernanbindung gekostet oder sie als SPNV dem Steuerzahler ans Bein gebunden. Fakt ist auch: Mehr Wettbewerbsdruck heißt immer auch, mehr Konzentration auf die richtig lukrativen Strecken und Zugarten. Es ist in über 30 Jahren noch kein einziger halbwegs ernsthafter DB-Wettbewerber da gewesen, der mal dauerhaft irgendwo da in den Markt gegangen ist, wo die DB ein richtig schlechtes Fernnetz hat, um sie da herauszufordern und zu besseren Leistungen zu zwingen, wenn sie die Marktanteile halten will. Nein, der Wettbewerb konzentriert sich auf die wenigen Rosinen-Achsen, die eh schon gut versorgt sind und deswegen überlastet sein werden, wenn da zwei Anbieter oder drei inflationär Trassen brauchen, um letztlich aber nichts besser zu machen. Im Gegenteil. Mit jeder Stufe des Wettbewerbs hat sich der Fernverkehr mehr aus der Breite zurückgezogen. Auch im Güterverkehr sieht man das ja, dass die Wettbewerber der DB Cargo nur da "Feuer unter'm Hintern" machen, wo sie schon immer ganz gut was angeboten hat.
Es gab immer Schwätzer, die bei jeder Stufe der Bahnliberalisierung Warnungen vor dem großen Kahlschlag abgetan haben. Trotzdem kam's noch immer genau so, weswegen die Eisenbahn in dem Zustand ist, den sie hat.
FloSch hat geschrieben: ↑18 Jun 2026, 15:55
Der EVG-Vorstoß hat in Teilen recht (Trassen sind vielfach knapp, Expresstrassen machen sie noch knapper), andererseits wird da an Stellen Angst gemacht, die ich nicht nachvollziehen kann. Vom Fernverkehr abgehängt wird Ingolstadt (um bei dem Beispiel zu bleiben) sicher nicht werden, einbüßen könnte es allerdings schon die ein oder andere Verbindung, wenn der aktuelle Flaschenhals München-Ingolstadt so bleibt, aber zusätzliche Expresszüge Ingolstadt auslassen sollen. Da wird dann womöglich schon der ein oder andere ICE nicht mehr auf die Strecke passen.
Der Regionalverkehr mit einem Angebot auf dem Niveau der späten 90er Jahre ist jetzt schon der Hit. Dazu gibt's seltsamerweise gar keine Wettbewerbsjubelmeldung der BEG ... Um in den Zeitlagen der schnellen Trassen noch einen Italo unterzubringen, muss halt dann doch ganz ohne angebliche oder tatsächliche DB-Lobbyarbeit von der Gewerkschaft (warum sollte sich ProBahn oder der bayerische Verkehrsminister dem widerspruchslos anschließen?) entweder der RE noch mehr ausgebremst werden oder die ICE-Trasse mit Halt in Ingolstadt beschleunigt (ergo: Haltentfall ICE) werden oder direkt an den Italo-Sprinter abgegeben werden, was auch einen Haltentfall bedeuten würde.
Die letzte Alternative will vermutlich auch keiner: Trassen harmonisieren und die reale Vmax ggf. auf ca. 120 km/h einbremsen. Wenn die Züge halbwegs gleich schnell hintereinander rumschleichen, dann kann man viele Züge unterbringen. Insbesondere schnelle Sprinter, wie sie Italo wohl fahren möchte, verhalten sich aber dummerweise wie die Axt im Wald.
Selbst wenn das mit den Trassen irgendwie ginge, dann bedeutet "Feuer unter'm Hintern machen" natürlich, dass die DB-Züge im Wettbewerb z.B. nicht wesentlich langsamer sein sollten als die von Italo. Und dann sind wir wieder an dem Punkt, wie sich das z.B. mit einem Umweg über Augsburg oder einem Halt in Ingolstadt, Erlangen, Coburg etc. verträgt?